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Full text of "Quellen zur geschichte der sendgerichte in Deutschland"

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Quellen zur Geschichte 

der 


Sendgferichte in Deutschland. 


Mit 


Unterstützung der Savignystiftung 


herausgegeben 


von 


Dr. Albert Mich. Koeniger, 

Privatdozent für Kirchengeschichte an der Universität München. 



München 1910. 

Verlag der J. J. Lentn ersehen Buchhandlung. 
(E. Stahl.) 


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Quellen zur Geschichte 


der 


Sendgerichte in Deutschland, 


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Mit 


Unterstützung der Savignystiftung 


herausgegeben 


von 


Dr. Albert Mich. Koeniger, 

Privatdozent für Kirchengescliichte an der Universität München. 



München I91Ö. 

Verlag der J. J. Lentn er sehen Buchhandlung. 
(E. Stahl.) 


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K. B. Hof- u. Univ.-Buchdi'uokerei von Junge & Sohn in Erlangen. 


Vorwort. 


Vor zwei Jahren hatte der Herausgeber in seinem ersten 
Bande der Sendgerichte in Deutschland (Einleitung S. 7) der Be- 
sorgnis Ausdruck gegeben, dass in absehbarer Zeit an eine Ver- 
öffentlichung der archivalischen Bestände über Sendgerichtssachen 
in den deutschen Diözesen nicht zu denken sei. Unterdessen ist 
es ihm doch möglich geworden, eine übersichtliche Fülle neuen 
Sendmaterials aus einer grösseren Zahl von Archiven auszuheben 
I und dadurch im Vereine mit dem bereits gedruckten Stoff für 
i die weitere Darstellung dieser rechts- wie kirchen- und kultur- 
i historisch gleich interessanten Gerichtsart eine breite, feste Grund- 
i läge zu schaffen. 

I Zu ihrem überwiegenden Teil ist die vorliegende Quellen- 
I Sammlung das Ergebnis einer Studienreise, die vom Herausgeber 
i im Sommer 1908 unternommen wurde. Schon die bisherigen Kennt- 
i nisse und Forschungen wiesen auf die Gegenden am Mittel- und 
I Niederrhein, namentlich auf die Diözesen Köln und Trier als die 
Hauptherde der Sendgeri.chte, woselbst diese nicht nur am längsten 
fortbestanden, sondern auch noch im 16. und 17. Jahrhundert eine 
Zeit der Blüte erlebten, da sie anderwärts längst verschwunden 
J waren. Dazu verzeichneten die seit 1899 erscheinenden und bereits 
ziemlich weit gediehenen ,;Uebersichten über die kleineren Archive 
der Rheinprovinz" (hgg. von der so rührigen Gesellschaft für 
Rheinische Geschichtskunde) zuviel noch unveröffentlichte Send- 
sjichen und war andrerseits das bisher publizierte Älaterial zu mager, 
als dass man für eine Weiterarbeit an der Geschichte der Send- 
|gerichte archivalischer Forschungen gerade im Westen Deutsch- 
lands hätte entraten können. So war Zweck und Ziel der Reise 
|von selbst gegeben. 

Keine Ausbeute lieferten, wie der Ausbreitung und Dauer 
I der Sendgerichte nach zu vermuten stand, das k. Staatsarchiv 


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IV Vorwort. 

Stuttgart, das k. Staatsfllialarchiv Ludwigsburg', die kais. 
Bezirksarchive in Kolmar und Strassburg, Das gr. b, General- 
landesarchiv Karlsruhe bot weniges, aber um so wichtigeres 
Material, hingegen häufte es sich bereits im k. Kreisarchiv Speier. 
Der Auffindung der einzelnen Stücke kamen hier nicht nur die 
mannigfachen Hinweise in den Arbeiten des ausgezeichneten Kenners 
der pfälzischen Kirchengeschichte, Reichsarchivrats Dr. Glas- 
schröder (München) zustatten, sondern mehr noch die wohl zu- 
meist von eben demselben herrührenden Nachträge im amtlichen 
Handexemplar der „Weistümer der Rheinpfalz" von Mayrhofer- 
Glasschröder, deren Benutzung von Kreisarchivar, jetzigem 
Reichsarchivrat Dr. Müller bereitwilligst gestattet wurde. In 
Worms und Mainz Hessen sich Sendsachen nicht entdecken, da- 
gegen im k. Staatsarchiv Wiesbaden für den Teil der ehe- 
maligen Erzdiözese Trier rechts des Rheins, dann für die Diözesen 
Mainz und Worms. Der relativ grösste Teil der Ausbeute entfiel 
natiirgemäss auf das Staatsarchiv Koblenz als der Zentrale für 
den Gebietsteil der Rheinlande, w^oselbst der Send noch in Proto- 
kollen von 1827 nachzuweisen ist (vgl. Nr, 130). Es war ein 
glücklicher Umstand, dass Herr Staatsarchivar Dr. Knipping dort- 
selbst anlässlich gleichzeitiger anderer Arbeiten eine grosse Zahl 
von Weistümern zutage förderte, deren Vorhandensein die Reper- 
torien nicht vermuten Hessen, und dass derselbe die Güte hatte, 
diese Stücke dem Herausgeber zur Publikation zu überlassen. Die 
Stadtarchive Bonn und Köln enthielten nur wenig, mehr das 
Stadtarchiv Aachen und insbesondere wieder das Staatsarchiv 
Düsseldorf für die Erzdiözese Köln. 

In den kleineren Archiven fanden sich bei der persön- 
lichen Bereisung zumeist die Akten, wie sie in den Uebersichten 
bei Tille-Krudewig, Schäfer etc. verzeichnet stehen (Haaren, 
Kochem, St. Gereon in Köln, Laurensberg, Mayen, Mon- 
real, Perscheid, Siegburg, Würselen); manchmal Hessen sie 
sich auch trotz des eifrigsten Suchens nicht ausfindig machen 
(Bremra, Oberem st, Oberkassel b. Bonn), wie es denn öfter 
ebenso manchen Archivvorständen erging, die um Uebersendung 
von Archivalien gebeten wurden (Höngen, Münstermaifeld, 
Steeg, Walhorn b, Aachen). Doch war das immerhin tröstlicher, 
als wenn einige Stellen, selbst unter Beischluss von Rückporto, 
überhaupt sich jede Antwort sparten. Eine Reihe von entfernter 


Vorwort. V 

o-elegenen kleinen Archiven hatte die E'reundlichkeit; die Akten 
an bequemer gelegene Zentralen, an das Kreisarchiv Speier, die 
Universitätsbibliothek Bonn, das Stadtarchiv Köln, das Staats- 
archiv Düsseldorf, auch an die Universitätsbibliothek München, zu 
übersenden (Fürstl. Leiningensches Archiv in Amorbach, Gemeinde 
Andernach, Bedburg, Fürstl. Salmsches Archiv auf Schloss Dyck, 
Pf. Frauenberg, Hochneukirch, Hüchelhoven, Mersch, Mürlenbach, 
Niederdollendorf, Ophoven, Overath, Prüm, Setterich, Sieglar). 

Zwei Stücke (Nr. 16 und 128) entstammen in ihrem Wortlaut 
dem in Bonn bezw. Düsseldorf befindlichen Handapparat der 
Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde zur Herausgabe der 
rlieinisehen Weistümer, während mehrere, sonst nicht bekannte 
Hinweise darin Anlass wurden, die zitierten Archivalien zur Ab- 
schrift oder Mitbenützung heranzuziehen (Nr. 12, 37, 39, 78, 122, 
134, 136); zwei andere (Nr. 69 und 86) rühren unmittelbar von 
Herrn Reichsarchivrat Dr. Glasschröder her. 

Hinsichtlich des Gesamtinhalts der vorliegenden Quellen- 
sammlung mag die ausdrückliche Bemerkung angebracht sein, dass 
Erläuterungen nur insoweit gegeben wurden, als sie zum nächsten 
Verständnis nötig waren und der für später vorbehaltenen Dar- 
stellung nicht vorgreifen. Soviel aber wird der erste Ueberblick 
schon zeigen, dass die selbst in F'acligelehrtenkreisen noch laufende 
Ansicht, der Send höre mit dem Beginn der Neuzeit oder gar 
schon im Frühmittelalter auf, nicht mehr Geltung haben kann. 

Zum Schlüsse obliegt dem Herausgeber die angenehme Pflicht, 
sich bei all denen aufs wärmste zu bedanken, die zum Zustande- 
kommen dieser Sammlung beigetragen haben. Zunächst gebührt dieser 
Dank dem hohen k. b. Staatsministerium des Innern f. Kirchen- 
und Schulangelegenheiten für Gewährung eines Reisestipendiums, 
ferner den Herren Vorständen und Beamten der vorerwähnten 
staatlichen und städtischen Archive und Bibliotheken, sowie den 
Herren Pfarrern und Bürgermeistern der genannten kleineren 
Archive, im besonderen den Herren Reichsarchivrat Dr. Glas- 
schröder in München, Archivrat Dr. 0. Redlich in Düsseldorf, 
Staatsarchivar Dr. Knipping in Koblenz, Direktor Prof. Dr. 
Hansen und Stadtarchivar Dr. Keussen in Köln, Oberbiblio- 
thekar Dr. Wolf in München, Pfarrer W. Lückerath in Wald- 
feucht und Pfarrer J. Mettern ich in Müntz für mehrere Auf- 
klärungen oder Abschriften, nicht weniger Herrn Universitäts- 


VI ' Vorwort. 

Professor Dr. Stutz in Bonn für die Liberalität, womit er den 
Weistümerhandapparat zur Verfügung stellte und für das Wohl- 
wollen, mit dem er eine Unterstützung aus den Eenten der Sa- 
vignystiftung anregte und befürwortete, nicht zuletzt aber der 
Savignystiftungskommission an der k. bayr. Akademie der Wissen- 
schaften in München, namentlich deren Vorstand, Universitäts- 
professor Hofrat Dr. K. v. Amira, für Gewährung der Mittel zur 
Deckung der Druckkosten und Archivausgaben. 

München, 1. November 1909. 

Der Herausgeber, 




Inhaltsübersicht 


Die Zahlen links bezeichnen die fortlaufende Nummer, diejenigen rechts die 
Seiten. Ein f bedeutet, daß der betr. Text nur Wiederabdruck ohne neue 
Quellen vergleichung ist, ein *, daß auf einen Text (Handschriften, Drucke etc.) 
nur verwiesen ist, ein o, daß das betr. Stück (bisher ungedruckt) im Regest 
aufgeführt wird. — Erläuterung der Siglen siehe unten S. XVI. 

Seite 

Vorwort . III— VI 

Archivverzeichnis X 

Literaturverzeichnis . XI — XV 

Siglenverzeichnis XVI 

Vorbemerkungen. 

Zweck der Sammlung 1. — Arten der Quellen (Sendweistümer, Kirchen- 

weistümer, Sendprotokolle) 1 — 3. — Gestaltung der Ausgabe 3—5. — 

Behandlung der Texte 5. — Schlußbemerkungen 6. 


Texte. 


Diözese Bamberg. 

1. Diöz. Bamberg SE, SM 1589 
y. t „ „ SO 17. Jahrh. 

3. t Litzendorf SO 17. Jahrh. . 

Diözese Bremen. 

4. *Eüstringer SE -18. Jahrh. . 12 


Seite 
7 

8 
10 


Diözese Ermland. 

5. -j-Diöz. Ermland SO 1444 . 

Erzdiözese Köln 

6. *Erzdiöz. Köln SO 10. Jahrh 

7. *Amel SW 1478 . . . 

8. Barweiler KW 1590 . . 

9. *Boisheim KW 1454 . 

10. tßurtscheid SO 17. Jahrh 

11. Drachenfels SFr 1616 . 

12. Frauenberg KW 1551 . . 

13. t* Gilverath SO, KW 1628 

14. ^Gladbach KW 16. Jahrh. 

15. tOustorf SW, KW 1643 . 


12 


15 
16 
16 
22 
22 
23 
26 
29 
30 
30 


16. 

17. 
18. 
19. 
20. 
21. 
22. 
23. 
24. 
25. 
26. 
27. 
28. 

29. 
30. 
31. 
32. 
33. 
34. 
35. 
36. 
37. 
38. 


Seite 

Gymnich SO, KW 1567 ca. . 32 

Haaren SO 1662 40 

44 
45 
48 
51 
52 
53 
55 
58 
61 


oHerkenrath KW 1590 . . . 
Hüchelhoven SO 17. Jahrh. . 
Kierdorf SO, SE 1713, 1726 . 
*Kirchherten KW 1528 . . . 
tKirspenich u. Arloff SPr 1719 
Köln, St. Gereon SO 1512 . 
*Konzen SW, KW 1415, 1553 
Lipp KW, SW 1526 ... 
fLippstadt SE 1591 . . . . 

Mersch SE 1762 64 

oNiederdollendorf S-Pflichten 

1710 65 

-j-Oberkassel SO 1710 . . . 66 
*01ef SW, KW 1546 ... 67 
*Overath KW 1632 .... 67 
tPaffrath SO 1452 ..... 68 
Pingsdorf SO, SW 1612 . . 71 
Eadevorrawald SF, SM 1566 . 74 
Setterich SO 1597 ca. . . . 76 

Sieglar SE 1717 79 

Steinfeld SW 1563 .... 88 
Stockheim SF 17. Jahrh. . . 93 


VIII 


Inhaltsübersicht. 


39. Weyer SW 17. Jahrh. ... 95 

40. Würselen SW, KW 1479 ca. . 98 

41. tXanten SO 16. Jahrh. . . .100 

Diözese Lüttich. 

42. Aachen SO 1331 107 

112 
112 
112 
112 
116 
117 


43. o Asselborn KW 1580 . . • 

44. *Enscheringen KW 1588 . . 

45. *Höngen SO 

46. tLaurensberg SO 16. Jahrh. . 

47. oOphoven KW 1587 . . . . 

48. *Rheindahlen KW 17. Jahrh. . 

49. Süsteren und Wassenberg SO 

1607 

50. *Waldenrath KW 1559 . . . 

51. *Wegberg SW 1515 . . . . 


117 
122 

122 


Diözese Mainz. 


52. 
53. 
54. 
55. 
56. 
57. 
58. 
59. 
60. 
61. 
62. 
63. 
64. 
65. 
66. 
67. 
68. 
69. 
70. 
71. 
72. 
73. 
74. 
75. 
76. 


Altenbamberg SW, KW 1535 . 122 
oBaumholder KW ]533. . .123 
Essweiler Tal KW, SW 1587 . 124 
Finlfenbach SW 16. Jahrh. . 129 
oFlurskappel KW 1540 . . .130 
tOaubickelheim SW 16. Jahrh. 130 
-j-Ginsheim SW 1521 ca. . . 132 
Götzenbach SW, KW 3501 . 133 
Hausen SW 1581 ..... 135 
oSt. Julian KW 1543 . . .136 
oKonken KW 1539 . . . .137 

oKusel KW 1624 137 

tMainz, St. Peter SO 15. Jahrh. 138 
t „ St. Stephan SO 15. Jahrh. 141 
fMiltenberg SO 1440 ca. . . 142 
oNiederkirchen KW 1539, 1592 143 
tNierstein SO, SW 15. Jahrh. 144 
Oberbeerbach SO 1498 ... 150 
*Planich SW, KW 1512 . . 150 
Eüssingen SW 1583 .... 151 
*Seligenstadt SW 139 ) . . .151 
Sens Weiler SW, KW 1 6. Jahrh. 152 
Simmern SW, KW 1517 . . 154 
Sobernheim SW, KW 1 5 . Jahrh. 1 58 
oTheisberg-Stegen KW 1543 . 163 


Diözese Metz. 

77. oNünschweiler KW 1606 . .163 

78. Tetingen SW, KW 1448 . . 164 

Diözese Münster. 

79. *Diöz. Münster SO 1616 . . 165 

80. Biilerbeck SO. 18. Jahrh. . .165 

81. *Emsigerland SO. 15. Jahrh. . 167 

82. *Loppersum SBrief 1424 . . 167 

Diözese Paderborn. 

83. *Diöz. Paderborn SO 1676 . 168 


Diözese Pomesanien. 

84. *Diöz. Pomesanien SF. 15. Jahrh. 168 

Diözese Speier. ^^^ 

85. Bornheim SW 16. Jahrh. . . 168 

86. Dürkheim SW, KW, SF 1488 169 

87. Edesheim KW 1352 ... 172 

88. Hassloch KW 1549 ... 175 

89. oMussbach KW 1477 . . .176 

90. MutterstadtKW,SW 16. Jahrh. 177 

91. Speier SO 1492 . . . . -; 178 


92. 
93. 

94. 

95. 

96. 

97. 

98. 

99. 
100. 
101. 
102. 
103. 
104. 


105. 
106. 
107.. 
108. 
109. 
110. 

111. 
112. 
113. 
114. 
115. 
116. 
117. 
118. 
119. 
120. 


121, 
122. 
123. 
124. 
125. 
126. 


Diözese Trier. 

*Karden SRegister 1475 . . 183 
*Tholey,SPrBuch 1577—1631 184 
Altwies KW 1571 . . . .184 
*Betzdorf KW 1556 . . . 185 

Beuren SW 1582 185 

*ßoppard SW 1389 . . .186 
*Brandenburg KW 1588 . . 186 
Briedel SW 15. Jahrh, . . 186 
oDudeldorf KW 1544 . . .188 
Ediger SW 15. u. 16. Jahrh. 188 
Ehrang SW, KW 17. Jahrh. 193 
*Halsenbach SW 1635 . . 194 
Heimbach 
I. Visit, und SO 1657 . . 194 
IL SO 1659 201 

III. SPr, SO 1659 . . . . 202 

IV. SPr 1681 209 

Heifant u. Palzem SO 1585 .212 
Hottenbach SW, KW 1640 . 212 
Ir.sch SO 15. Jahrh. . . .215 

*Itzig KW 1619 219 

Kirf SW 1582 219 

Koblenz, St. Florin SO 

17. Jahrh 220 

Kochern SW 16. Jahrh. . . 228 
Kruft SPr, SW 1609 . . . 230 
Loef KW, SW 1591 . . .231 
*Masburg KW 16. Jahrh. . . 233 
Mertloch SW 1600 . . •. . 233 
*Mettendorf KW 1621 . . 235 
Mettlach SO 17. Jahrh. . . 235 
oMondorf KW 1571 . . .236 
Montabaur SE 17. Jahrh. . 237 
Münstermaifeld 
I. Propst SR 14. Jahrh. . 240 
IL Sendvereidigung 14. Jahrh. 244 
HI. tSW 17. Jahrh. . . .245 
IV. Filialen SO 17. Jahrh . 247 
Nachtsheim SO, KW 1463 .249 
Nickenich SO 1642 . . . . 253 
Niederlauch KW, SW 1603 . 263 
*Niederspay SW 1454 . . .266 
*Perscheid KW 16. Jahrh. . 266 
Oberemmel SW 1580 . . .267 


Inhaltsübersicht. 


IX 


127 Pfalzel SPredigt 15. Jahrh. . 267 

lofi' Pillig SW 1662 270 

129' Pommern SO, SPr 1687 . .271 
130* Prüm SPr 1733, 1792, 1827. 280 
131* Sabershausen SW 1538 . . 281 
132" oSchönberg KW 1562 . . . 283 
133 Senheim SW 17. Jahrh. . . 284 

134. Steinsei KW 1641 . . . . 285 

135. Tawern SW 1582 .... 291 

136. Urschmitt und Kliding SW, 
KW 1607 291 

137. Wadrill KW 1577 .... 292 

138. *Winterich SO 16. Jahrh. . 294 

139. Zerf SPr 1584 295 

Diözese Utrecht. 

140. *Bolsvvarder SR 1404 . . .296 

141. *Drenthe SR 1332, 1451 . . 296 


142. *Leeuwarden SR 1412 . . 296 

143. *Westerlauwer SO, SR 15. Jahr- 
hundert .296 


Diözese Worms. 


144. 
145. 
146. 
147. 
148. 


*Diöz. Worms SRegister 1496 297 
Asselheim SW,KW 16. Jahrh. 297 
tDalsheim SW, KW 1490 . 
Eisenberg SW, KW 1707 . 
*HerxheimSW,KW16.Jahrh. 

149. Höningen KW 1592 ca. . . 

150. Kerzenheim SW, KW 1484 . 

151. Kirchheim SW, KW 1502 . 

152. Kleinbockenheim SW, KW 
1423 


298 
301 
302 
302 
303 
306 


Orts- und Personenverzeichnis 
Sach- und Wörterverzeichnis 


309 

314 
323 


Archivverzeichnis. 


Es enthält nur jene Archive (z. T. auch Bibliotheken), aus denen der Heraus- 
geber geschöpft hat. Die Zahlen bedeuten hier, wenn nicht anders notiert, die 

Nummern der Stücke. 


1. Aachen StadtA. 42. 

2. — Stadtbibl. 30. 

3. Amorbach, Fürstl. Leiningensches 
ArcMv 149; 152. 

4. Bamberg KrA, 1. 

5. Bedburg GemA. 20. 

6. Billerbeck BfA. 80. 

7. Bornheim BfA. 85. 

8. Dürkheim BfA. 86. 

9. Düsseldorf StA. 12 (öfter); 18; 21; 
24 (öfter); 25; 37; 39; 47. 

10. Dyck, Fürstl. Salmsches Archiv 11. 

11. Ediger BfA. 101. 

12. Frauenberg BfA. 12 (öfter). 

13. Haaren BfA. 17. 

14. Hüchelhoven BfA. 19. 

15. Karlsruhe, Generallandesarchiv 91. 

16. Koblenz StA. 8; 59 (öfter); 60 

73; 74; 75; 78; 92; 93; 94; 96 
99 (öfter); 101; 102; 104 (I— IV) 
105; 106-, 107; 109; 110; 111 
112; 113; 115; 117; 118; 120 I 
(vgl. auch S. 244^), II, IV; 121 
122; 123; 126; 127; 129 (öfter) 
131; 133; 134; 135; 136; 137 
139.- 


17. Kochern a. d. Mosel S. 228 ^ 

18. Köln StA. 34. 

19. — BfA. St. Gereon 23. 

20. Konzen BfA. 24. 

21. Lückerath Wilh., Bf arrer in Wald- 
feucht, Brivatarchivalien 49. 

22. MarburgStA. (Bodmann-Habelsches 
Archiv) 69; vgl. 59; 60. 

23. Mersch BfA. 27. 

24. München, kgl. Hof- und Staats- 
bibliothek (Redinghovensche Samm- 
lung) 12 (öfter); 27. 

25. Niederdollendorf BfA. 28. 

26. Ophoven BfA. 47. 

27. Overath BfA. 31. 

28. Brüm BfA. 130. 

29. Setterich BfA. 35. 

30. Sieglar BfA. 36. 

31. Speyer KrA. 52; 53; 54; 55; 56; 
59; 60; 61; 62; 63; 67; 71; 76; 
77; 87; 88; 89; 90; 147; 150. 

32. Trier, Stadtbibl. 8; 43; 74; 100; 

132. 

33. Wiesbaden StA. 71; 119; 145; vgl. 
S. 2221. 


Literaturverzeichnis. 


Agende, Trierer: Libri officialis seu Agendae s, ecclesiae Treverensis pars prior, 

Aug. Trever. 1574. 
(Anonymus), Die vormaligen Archidiakonate des Bistums Münster (westfäl. 

Teil), im: Pastoralblatt der Diözese Münster 25 (1887) 91—118. 
Back Fr., Das Kloster Eavengiersburg, Koblenz 1841. 

— , Die evang. Kirche im Lande zwischen Ehein, Mosel, Nahe und Glan 
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histor. Vereins für den Niederrhein, Heft 1 — 7; Heft 8 (1905) von Dr. 
Krudewig, ebenfalls noch in den Annalen, das übrige nur mehr in den 
„Publikationen" Nr. 19, Gesamtband 111 (1909). S. unter Krudewig. 


Literaturverzeichnis. XV 

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Wunder Fr,, Die Archidiakonate des Bistums Bamberg, Bamberg 1845. 


Siglenverzeichnis. 


1. Im textkritischen Apparat bedeutet -{- additur, — omittitur. 


2. KW. = Kirchenweistum. 

SE. = Senderneuerung. 

SF. = Sendfragen. 

SM. = Sendmandat. 


SO. = Send Ordnung. 
ßPr. = Sendprotokoll. 
SR. = Sendrecht. 
SW. = Sendweistum. 


3. BA. 
D. 
Fi. 
K. 

4. GemA. 
KrA. 
PfA. 


Bezirksamt, 
Dorf. 
Flecken. 
Kanton. 

Gemeindearchiv. 

Kreisarchiv. 

Pfarrarchiv. 


Kr. = Kreis. 
St. = Stadt. 
W. = Weiler. 


StA. = Staatsarchiv. 
Stadt A. = Stadtarchiv. 
StadtB. = Stadtbibliothek. 


Vorbemerkungen. 


Der •vorliegende Quellenband soll die Grundlage bilden für 
die weitere Darstellung der „Sendgerichte in Deutschland", wovon 
1907 der 1. Band erschien. Die Fülle des neuen, noch ungedruckten 
Materials allein schon, die einen Anhang viel zu umfangreich ge- 
staltet hätte, machte eine selbständige Publikation notwendig. Da 
zudem der alte, bereits gedruckte Stoff an so zahlreichen und 
verschiedenartigen Stellen, so namentlich in lokalgeschichtlichen 
Zeitschriften zu finden ist, erwies sich eine gewisse Konzentration 
desselben in einfm Sammelwerk als rätlich. Damit ergab sich, 
abgesehen von der bequemeren Art des Zitierens, der Vorteil eines 
einheitlicheren Gesamtüberblickes über den Hauptquellenstoff und 
1 gerade dieser Umstand wird zum Verständnis und zur rechten 
f Würdigung der Weiterentwicklung des Sends wie auch des sach- 
1 liehen Inhalts nicht wenig beitragen. 

1 Der Zweck bestimmte von selbst die Art der Ausgabe. Es 
1 sollte nicht das Quellenmaterial jeder Art geboten oder auch nur 
I darauf hingewiesen werden — wörtliche Zitate können ja auch 
der kommenden Darstellung nicht erspart bleiben — sondern nur 
jenes, das in grösseren Stücken überliefert selbständigen W^ert 
beanspruchen darf. 

Die Hauptmasse bilden hier die Weist um er. Ganz analog 
denen der weltlichen Gerichte und Genossenschaften entstanden 
I und diesen nachgebildet^) haben sie zum Inhalt entweder die 
'^ gegenseitigen Rechte und Pflichten des Sendherrn bezw. der Send- 
gemeinde, manchmal auch den formellen Verlauf der Sendverhand- 
lungen, oder aber die Eechte und Pflichten der Kirchenherren und 
Pastoren bezw. der Kirchengemeinde. Beziehen sich die ersteren 
auf den Send als solchen, so begreifen die letzteren in sich, was 
vor den Send gehörte, nämlich Kirchenbau, Kirchenausstattung, 
Stolgebühren, Zehnten, kirchliche Obliegenheiten, auch Feststellung 
der Wege und Stege. Beide Arten von Oeffnungen geschahen im 

^) Ueber die Weistümer überhaupt vgl. J. Mayrhofer und F. X. Glas- 

schröder, Die Weistümer der Eheinpfalz (Mitteil, des bist. Ver. der Pfalz 16 

1892) IX— XXril; K. Lamprecht, Deutsches Wirtschaftsleben im MA. II 

(iSSö) 624—657; K. Tb. v, Inama-Sternegg, Quellen der deutschen Wirt- 

scliaftsgesch., Wiener Sitz.-Ber. 84 (1877) 151 ff. 

I Koeniger, SendqucUen. 1 


2 Vorbemerkungen. 

allgemeinen und regelmässig auf dem Send und man könnte sie, 
nimmt man auf den Ort der Weisung Rücksicht, durchweg als 
„Sendweistümer" bezeichnen, ja die Quellen tun das selbst öftere 
Male (Weistum des Sends oder Sehner- d. h. Sendschöffenweistum)'). 
Fasst man aber den Inhalt ins Auge, so lässt sich eine unter- 
scheidende Benennung um so eher rechtfertigen, als damit sofort 
eine wesentliche Charakterisierung gegeben ist: die Ausdrücke 
Sendweistümer für die eine, Kirchenweistümer für die andere 
Art scheinen am passendsten und sind in den nachfolgenden Quellen 
angewendet worden. Im übrigen ist auch die letztere Bezeichnung 
den Quellen nicht ganz fremd, da wiederholt von „Weistum der 
Kirchen" gesprochen wird^). Dass sich beide Arten in ein und 
demselben Weistum beisammen finden können, ist nicht ausge* 
schlössen; doch nehmen dann meist jene die Kirche betreffendeil 
Bestimmungen den breiteren Raum ein 3). Von blossen Kirchen- 
weistümern zu sprechen ist vor allem dort Anlass gegeben, wo der 
frühere Send aufhörte und die Landesherren die kirchlichen Rechte 
und Pflichten noch einmal von den Sendschöffen und der Kirchen- 
gemeinde weisen Hessen, d. h. in protestantisierten Orten; solche 
Fälle trifft man namentlich für die Rheinpfalz aPh*). 

Was die Häufigkeit der Weisungen in zeitlicher und ört- 
licher Hinsicht anbelangt, so machen die Sendweistümer keine 
Ausnahme gegenüber den übrigen Arten. Zuerst sind sie im 
14. Jahrhundert nachweisbar, etwas später als die weltlichen^) 
steigern sich dann in ihrer Anzahl im 15. und besonders im 
16. Jahrhundert, um im 17. allmählich zu verschwinden. Am 
dichtesten finden sie sich in den Gegenden des mittleren (von der 
Diözese Speier an) und des niederen Rheins, während dem Osten 
und Süden zu keine Sendweistümer sich nachweisen lassen, wohl 
schon um desswillen, weil dort im allgemeinen der Send viel früher 
aufhörte. 

Eine zweite Gruppe von Sendguellen bieten die Sendord- 
nungen"), die entweder den zeremoniellen Verlauf des Sendgerichts 
wiedergeben oder die Sendkompetenz (Sendfragen) weitläufiger be- 
schreiben oder beides enthalten. Sie interessieren durch das 
Wechselvolle und Detaillierte ihrer Schilderungen, klingen aber 
naturgemäss immer wieder an analoge Beschreibungen des welt- 
lichen Gerichtsverfahrens an. Die Senderneuerungen aus den 
späteren Jahrhunderten frischen dann im grossen Ganzen das alte 


') Z. B. Steinsei (Trier). 

^) Z. B. Gymnich (Köln) ; vgl. Frauenberg (Köln) u. a. 

') Vgl. z. B. Götzenbach, Hausen (Mainz) u. a. 

*) Vgl. unter den Diözesen Mainz, Speier, AVorras. 

'^) Die Sendordnung (zugleich Weistum) von Aachen (Lüttich) 1331, SW. 
von Boppard (Trier) 1389 u. a. 

") In der Terminologie von Sendquellen beobachtet man nicht selten Un- 
klarheiten; so werden ausgesprochene Sendordnungeu oft Sendweistümer genannt 
und umgekehrt. 


VorbemerkuDgen. 3 

Zeremoniell wieder auf, wenn sie auch meist eine vereinfachte 
Form des ganzen Betriebs erkennen lassen. 

Eine dritte Abteilung endlich begreift Sendprotokolle in 
sich, die meist ziemlich einförmig und schematisch gehalten sind. 
Trotz, ihrer Häufigkeit vermögen sie wenig Neues zu bieten und 
sind mehr von sitten- und zeitgeschichtlichem Werte ^). 

Für die Gestaltung der Ausgabe wurde als allgemeiner Grund- 
satz durchgeführt, bisher unveröffentlichte Sendweistümer ganz auf- 
zunehmen, nicht publizierte Kirchenweistümer dagegen hur im 
Regest, da diese für die Geschichte des Sends eine untergeordnetere 
Rolle spielen. Mischforraen wurden meist ganz aufgenommen, wo- 
fern nicht die rein kirchlichen Bestimmungen zu stark überwogen^). 
Was in den speziellen, grossen Weistümersammlungen von Grimm, 
Hardt und besonders Lorsch, auch in den friesischen Eechts- 
quellen bei Richthofen schon vorliegt, wurde nicht mehr abge- 
druckt, wenn nicht auf Grund neuer Handschriften bedeutendere 
Abweichungen und bessere Texte sich ergaben^). Selbstverständ- 
lich aber erheischte der Zweck einer Sammelausgabe, dass solche 
bereits gedruckte Stücke Aufnahme fanden, die an entlegeneren 
Orten, in weniger leicht zugänglichen Werken sich vorfinden: in 
dieser Beziehung schien ein Zuviel angezeigter als ein Zuwenig 
und die rechte Grenze zu ziehen, war manchmal nicht leicht. 
Nicht aufgenommen als selbständige Stücke sind auch die kleineren 
Reste von Weistümern, die in den Sendregistern und Visitations- 
protokollen stehen, so in dem Kardener Sendregister von 1475, 
in dem Wormser Synodalregister von 1496, in dem noch unge- 
druckten Sendvisitationsregister von Tholey 1580 etc., aus den 
Sendprotokollen von 1652 (bei Würdtwein, Dioc. Mog. I (1768) 
16—18)*). Nur wo Beziehungen zu edierten Stücken bestanden, 
wurden vergleichshalber die einschlägigen Reststücke in den Noten 
mit aufgenommen^). 

Bezüglich der Sendordnungen wurden weniger rigorose Grund- 
sätze geltend gemacht, angesichts der viel unmittelbareren Bedeutung 
dieser Gattung von Sendquellen. Namentlich galt es solche, bereits 
gedruckt vorliegende Ordnungen wieder abzudrucken, die im Verein 
mit anderen Stücken gleicher Art ein Gesamtbild für einen bestimmten 
Bezirk ergeben ''). 

') Besondere, hier veröffentlichte Stücke sind die Sendrechte des Propstes 
von Münstermaifeld und eine Sendpredigt aus Pfalzel (Trier). 

') Vgl. z. B. Weyer (Köln) gegenüber Niederkirchen (Mainz). 

') So ßarweiler, Frauenberg (Köln), Simmern (Mainz). 

*) Gar keine Eechtsaufzeichnungen enthalten die Sendregister von St. Maria 
zu Mainz 15. /16. Jahrb., von St. Viktor ebendort. von St. Peter und Alexander 
zu Aschaffenlaurg, für den Taubergau, St. Stephan, für Friedberg (alles bei 
Würdtwein, Dioc. Mog. I 147 ff.; 323 ff. ; 549 ff.; 653 ff. ; III 6 ff.; 250 ff.). 

■■■) Z. B. Pommern (Trier). 

") Vgl. Aachen, Würselen, Laurensberg gegenüber Haaren als Ordnungen 
des Aachener Reichs; Lasserg gegenüber Münstermaifeld. 

1* 


4 Vorbemerkungen. 

Für die Sendprötokolle kam lediglich der Gedanke in Betracht, 
einige typische Beispiele aus verschiedenen Jahrhunderten auszu- 
wählen und insbesondere noch ein Stück aus der allerletzten Zeit 
des Sends, von 1827, zu bringen^). 

Wo sich Grelegenheit bot, wurde auf gedruckte und besonders 
ungedruckte Sendquellen grösseren Umfangs, die hier nicht weiter 
berücksichtigt werden konnten, hingewiesen, so namentlich durch 
Angabe etwaiger, in den Archiven liegender Sendprotokolle. Alle 
derartigen Stücke aber zu verzeichnen, erschien überflüssig, da sie 
ohne sonderliche Mühe beispielsweise in den Archivttb ersichten von 
Tille-Krudewig eingesehen werden können 2). 

Die einzelnen Nummern sind nach alphabetischer Reihen- 
folge der Diözesen geordnet, zu denen die betreffenden Orte früher 
gehörten; die jetzigen Diözesen findet man nötigenfalls bei den 
Ortsangaben verzeichnet. Genauere Angaben wie etwa die der 
Archidiakonate und Dekanate Hessen sich nicht machen, ohne 
mannigfachen Irrtümern ausgesetzt zu sein. Die Hilfsmittel für 
derlei detaillierte Dinge sind bis heute noch viel zu mangelhaft, 
um Sicherheit zu gewährleisten, wie denn überhaupt die kirch- 
liche Geographie — man wird sich dessen am besten bei derlei 
Arbeiten bewusst — noch sehr im argen liegt 3). 

Die Datierungen unter den Titeln beruhen in erster Linie 
auf den eigenen Angaben der Stücke; wo solche nicht vorhanden 
waren, wurde das Datum oder die Zeit der Abschrift, soweit diese 
nicht jüngsten Ursprunges ist, angegeben und wo dieses fehlte, 
eine ungefähre Zeitangabe für die Stücke in Rücksichtnahme auf 
andere ähnliche zurecht gelegt. Wieweit tatsächlich dieselben in 
ihrem Alter zurückreichen, lässt sich fast niemals mit Sicherheit 
sagen; meistens haben wir über die ersten Aufzeichnungen keine 
Kunde und auch vor der ersten schriftlichen Fixierung konnte ein 
Weistum schon längst mündlich gewiesen oder eine Ordnung be- 
obachtet worden sein*). Jedenfalls aber können die Ordnungen 
und Weistümer nicht viel über das 12. Jahrhundert hinauf verlegt 


^) Prüm (Trier). — Die bei Krudewig III 118 zitierten Sendprotokolle 
von Ernst a. d. Mosel, die gleichfalls bis 1827 reichen, konnte ich im dortigen 
Pfarrarchiv nicht ausfindig machen. 

-) Der I. Band derselben von Tille hat allerdings ein höchst mangelhaftes 
Sachregister. 

') Ausgezeichnete Dienste leisteten u. a. W. Fabriclus, Bist. Atlas der 
Rheinprovinz sowie dessen Erläuterungen (1898), dann die Karte der alten Diözese 
Speier von F. X. Glasschröder 1906. Eine gute Karte der kirchl. Einteilung 
Süddeutschlands (bis über Köln hinaus) gab M. W. Kumpf müller 1857 heraus, 
weniger brauchbar ist die kirchliche Karte Deutschlands von J. W. Kutsch ei t 
1845. Viel zu wenig bietet in dieser Hinsicht der neue kirchengeschichtliche Atlas 
von Heussi-Mulert 1905; brauchbarer ist die Karte der kirchlichen Ein- 
teilung bei Spruner-Menke 1880. 

*) Wie der Inhalt eines Weistums im Laufe der Zeit sich wandeln konnte, 
darüber vgl. Ediger (Trier). 


Vorbemerkungen. 5 

werden*); man wird am ehesten das 13. als die Werdezeit fester 
Seudnormen ansehen müssen; Näheres hierüber gehört in den 
zweiten darstellenden Band. 

Bei Hinweisen auf Archivalien und Drucke wurde für die 
einzelnen Nummern möglichste Vollständigkeit erstrebt; wenn trotz- 
dem Publikationen lokalster Art etwa übersehen worden sein sollten, 
so wird sich das entschuldigen lassen. 

In Behandlung der Texte selbst wurden die gewöhnlichen 
Editionsgrundsätze angewendet, ja in dem textkritischen Apparat 
sogar neuesten Wünschen in etwa Rechnung getragen 2). Für die 
deutschen Texte galten als allgemeine Normen die Anweisungen 
von Julius Weizsäcker in den deutschen Reichstagsakten I (1867) 
LX— LXXXXIV, genauer die prägnanten Regeln von L. Quid de in 
seinem Vorworte zum 12. Bande desselben Werkes (1901) S. XIII. 
Der in neuerer Zeit beobachtete Brauch, etwa vom 18. Jahrhundert 
an die Schreibweise der Quellen selbst im ganzen beizubehalten, 
ist einheitlicher Gestaltung wegen nicht nachgeahmt worden, insbe- 
sondere wurde die Regel, nur Eigennamen und Satzanfänge mit 
grossen Buchstaben zu beginnen^ für alle Texte gleichmässig durch- 
geführt. 

In die textkritischen Noten konnten unbedeutende Ab- 
weichungen bei den Lesarten verschiedener Hss. bezw. Drucke, 
insbesondere blosse stilistische Wendungen oder mundartliche irrele- 
vante Einzelheiten nicht berücksichtigt werden. Es war um die 
Sachen zu tun, nicht um belanglose Worte, obwohl freilich manch- 
mal eine genauere Kennzeichnung auch kleinerer Unterschiede von- 
nöten gewesen. Für die B'eststellung der Priorität und etwaiger 
Abhängigkeitsverhältnisse wurde jedoch selbstverständlich auf derlei 
Dinge von vornherein das Augenmerk gerichtet. 

Mit erläuternden Anmerkungen wurde sparsam verfahren, 
da es nicht Absicht der Publikation sein konnte, alle auch die 
kleinsten Dinge und Verhältnisse zu erklären ; insbesondere wurde 
nur die allernotwendigste einschlägige lokale Literatur herangezogen, 
selbst da, wo spezielle Erscheinungen gar wohl bekannt gewesen 
wären, und mit Worterklärungen vielleicht für manchen Leser ge- 
kargt. Andrerseits fanden sich aber auch, wie es bei mundart- 
lichem, unveröffentlichtem Material erklärlich ist, Ausdrücke, die 
mit dem besten Willen nicht aus den Wörterbüchern gedeutet und 
belegt werden konnten. Das Wortregister wird darüber Aufschluss 
erteilen ^). 


^) Vgl. die noch einfache Ordnung vom Ende des 10. Jahrh. für Köln 
(König er, Sendgerichte I 1981). 

') 0. Stählin, Editionstechnik (Neue Jbb. f. Mass. Altertum 12 [1909] 
393-433). 

^) Ein Wörterbuch der rheinischen Mundarten, die hier vornehmlich in 
Betracht kamen, ist bekanntlich jetzt in Vorbereitung. 


6 Vorbemerkungen. 

Wohl wäre eine Uebersichtskarte vor allem zur Kenntlicli- 
machung der speziellen Weistümergebiete, überhaupt zur Orien- 
tierung über viele kleine Orte manchem vielleicht wünschenswert 
gewesen; allein einmal würde damit nur bestätigt, was man von 
den Weistümerherden überhaupt schon weiss ^) und für Spezial- 
geograpbie muss auf Detailkarten verwiesen werden, auch geben 
die Ortsangaben an der Spitze der Stücke bereits die erstnot- 
wendigen Aufschlüsse. Sodann aber bietet ja dieser Quellenband J 
durchaus nicht schon allen Stoff für die Sendgerichte in Deutsch- 
land 2) und so würde eine Karte nur lückenhaft werden. 

Seinem Zwecke jedoch, die erstnotwendige Grundlage für die 
weitere Darstellung der Sendgerichte zu geben, wird der vor- 
liegende Band mit seinem Material genügen; ob dann noch mehr 
oder weniger Sendweistümer und Ordnungen sich finden, das wird 
an dem hiermit gewonnenen Bilde wesentlich kaum mehr viel 
ändern. 


^) Vgl. die Weistümerkarte in Lamp rechts Wirtschaftsleben, II. Bd. 
-) Vor allem wären noch die westfälischen Archive zu durchforschen ; auch 
viele kleinere, namentlich Pfarrarchive der Eheinprovinz sind noch nicht untersucht. 


*1 

I 


Diözese Bamberg. 

1. Senderneuerung und Sendraandat für die Diözese 

Bamberg. 

1589 Mai 26. 

Aus den „Rezeßbüchern des Domkapitels Bamberg" Bd. 18 fol. 348 f., im 
KrA. Bamberg ßep. 69'). 
"ÜBgedruckt. 

Actum freitags vor Trinitatis den 26. mal anno [15]89 in 
capitulo peremptorio Trinitatis ordinario. 

Zum andern brachten ihre gnaden für, wie mein gnädiger 
fürst und herr von Bamberg von derselben begehrt, diejenigen 
pfarrer ufm land, so in der kreuz wochen jüngsten^) ihre fahnen 5 
(wie sie zu thun schuldig) nicht herein verschaffet, zu gebühr- 
licher straff zu nehmen. Weil es aber zu viel unkostens geben 
würde, wann man zu einem jedwedern deshalben in Sonderheit 
schicken sollte und aber ihre gnaden ohne das entschlossen, den 
synodum ufm land, wie der vor in allen pfarren gehalten worden, 10 
wieder ausschreiben und mandirn zu lassen, immaßen sie dann 
dieser tagen ein formulam mandati, bei herrn Marquardten von 
Berg, als damals domdechanten abgangen ^);, bekommen, so wollten 
sie die obangeregten pfarrer alsobalden auch mit zitirn lassen. 
Plierauf so ließ ein ehrwirdig domkapitul gefallen, daß berührter 15 
synodus wieder ausgeschrieben würde. Und ist dies die formul 
des mandats, so man vor alters gebraucht. 

Marquardus de Berg, iurium doctor, dei gratia decanus ecclesiae 
Bambergensis, iudex Ordinarius civitatis et diocoesis Bambergensis, 
dilectis vobis in Christo infrascriptis presbyteris nee non universis20 
parochialium ecclesiarum rectoribus, plebanis, viceplebanis, altaristis, 
vicariis, sacellanis caeterisque personis super executione p. m.»') 

^) praesentis mandati. 


^) Die Mitteilung und Abschrift dieses Stückes verdanke ich dem Kreis- 
archiv Bamberg. 

-) (1589) Mai 5.-7. 

•'') Marquard von Berg, Domdechant zu Bamberg, ward 25. Juli 1575 zum 
Bischof von Augsburg erwählt und resignierte 23. August die Domdechautei 
(J. Looshorn, Gesch. des Bistums Bamberg V (1903) 77). 


8 Diözese Bamberg. Nr, 2, 

requisitis nee non communitatibus, burgimagistris, proconsulibus, 
scabinis, villanis et prioribus et eorundem advocatis quibuscumque 
per civitateai et diocoesin praedictas ubilibet constitutis salutem 
in domino et in commissis debitam adhibendam solicitudinem. Cum 

5 synodum sanctam in vestris ecclesiis ac locis per officialeni nostrum 
certis aliis arduis et legitimis in civitate Bambergensi praepediti 
negotiis ad correctionem et informationem vestrorum personaliter 
celebrare et visitare ex tradito nobis incumbit officio, sed cum 
de praesenti anno officialis noster propter huiusmodi negotia syno- 

10 dum praelibatam loco nostri invisere et ille personaliter interesse 
non possit, idcirco de vestra et cuiuslibet vestrum circumspectione 
confici vobis et cuilibet vestrum vices nostras hoc tempore com- 
mittendas duximus districte praecipiendo mandantes, ut vos et 
quilibet vestrum in parochia sua die, loco et hora ab antiqua 

15 consuetudine introductis vestris parochianis sono campauaruni vel 
alio signo, ut moris est, convocetis, nomine et loco nostri et 
officialis nostri synodo in eisdem celebrandae praesideatis syno- 
daliumque testium delationes et accusationes atque causas quas- 
cumque in ea delatas recipiatis et in scriptis redactas una cum 

20 iuribus synodalibus collectis nobis aut officiali nostro ea qua 
primum poteritis sollicitudiue praesentare ac partes et causas huius- 
modi pro iustitia recipienda ad nos offlcialem nostrum remittere 
curetis. Vobisque omnibus et singulis praemissis in virtute sanctae 
obedientiae atque sub excommunicationis poena districte praeci- 

25piendo mandamus, quatenus eosdem vestros plebissanos et alias 
personas adiunctas cum ea qua decet reverentia loco nostri et 
officialis nostri ad praesidendum synodo sanctae et eandem cele- 
brantem recipiatis et admittatis, nobis et officiali nostro obedire 
curetis. 

30 Mandamus etiam sub excommunicationis poena vobis et cuilibet 
vestrum ad quos praesentes nostrae literae pervenerint, ut sigillum 
suum aut in eius defectum manum suam propriam circumferentiis 
mandati nostri apponant, in Signum praesentatiouis sibi factae, 
mandatis nostris in omnibus obedientes, prout nostram et canoni- 

35cam effugere voluerint ultionem. Datae Bambergae anno Christi 
Jesu." 

2. Sendordnung für die Diözese Bamberg. 

17. Jahrh. Anf. 

Ms. vom Anf. des 17. Jahrh.; nach L. L. Schmitt, Die Bamberger 
Synoden, 14. Ber. des bist. Ver. Bamberg 1851, S. 35, 41 in der k. Bibliothek 
zu Bamberg ^). . 

Gedruckt: Kestauratio capitulorum ruralium . . . sub ill. princ. Joanne 
Godefrido ab Aschhausen -) facta ; diese Eestauratio wurde 1684 unter Fürst- 

^) Zurzeit ist es weder in der dortigen Bibliothek noch im k. Kreisarchiv 
ausfindig zu machen. (Gütige Mitteilung der Bibliotheks- bezw. Archivverwaltung). 
2) 1609—1622. 


Nr. 2. Bamberg. 9 

bischof Marquard Sebastian ') neu herausgegeben. — Neudruck: Schmitt a.a.O. 

221 223; danach hier wiedergegeben. — Bei Fr. Wunder, Die Archidiakonate 

des Bist. Bamberg 1845, 32 f. und H.Weber, Die Pfarrsynoden im alten Bist. 
Bamberg (Arch. f. kath. Kirchenrecht 72 [1894] 53 f.) ein Auszug in Ueber- 
setzung. 

Modus celebrandi synodos parochiales per totam 
ecclesiam Bambergensem. 

1. Parochiales synodi celebrantur a mense octobri usque ad 
festum nativitatis domini, certo aliquo die festo, qui ex praecepto 
celebratur. 5 

2. Denuntiabitur synodus publice in parochia tribus dominicis 
aut festis diebus post concionem, ne ullus paterfamilias eius 
igiiorantiam praetendat; omnes enim comparere tenentur. 

3. Synodi assessores erunt parochi, beneficiati, capellani, prae- 
fecti, consules atque offlciales reverendissimi principis et episscopi 10 
Bambergensis, quibus duo e senatu civico vel e coramunitate seniores 
adiungentur ex omnibus pagis ecclesiae parochiali subiectis. 

i. Celebrabitur synodus in ecclesia parochiali illico a meridie 
parocho cum assessoribus in choro circa mensam considente. 

5. Si Chorus sit nimis angustus, ut parochiani singuli secrete 15 
examinari non possint, examin abuntur in sacristia praesentibus 
assessoribus supradictis vel omnibus vel saltem aliquibus, vel etiam 
in media ecclesia celebrari poterit synodus aliis in coemiterio ex- 
pectare iussis. 

6. Tenentur in synodo comparere omnes patresfamilias totius20 
parochiae et omnium pagorum ac villarum, similiter ac viduae, ut 
de farailia sua rationem reddant. 

7. Synodus inchoabitur cum hymno „Veni Creator Spiritus" 
cum versiculo et collecta de Spiritu sancto et terminabitur vesperis 
et „Salve Regina" etc. Demum populus cum benedictione parochi 25 
dimittatur. 

8. Qui sine parochi et assessorum licentia emanent e synodo 
non oppressi gravi aliquo morbo, a saeculari brachio cogantur sine 
Ulla remissione'unam cerae libram solvere ecclesiae parochiali; si 
saepius quam semel, mulcta multiplicetur. 30 

9. Patresfamilias omnes et singuli examinentur in sequentibus 
punctis: quot habeant animas in sua domo una cumliberis ac servis 
atque ancillis; an omnes in paschate communicarint et qui non; an 
omnes catholici et qui non; an aliqui e filiis annos discretionis atti- 
gerint et apti sint ad sacram communionem; mittantur et instru-35 
antur. Examinentur insuper omnes et singuli sub obtestatione fideli- 
tatis, quam celsissimo et revereudissimo principi debent, an sciant 
aliquos magiae, veneficiis et superstitionibus ac divinationibus dedi- 
tos, vetulas inprimis morborum incantationes usurpantes, parentum 
enormes percussores, blasphemos in deum et sanctos, adulteros, 40 


') M. S. Schenk von Staufenberg 1683—1693. 


10 Diözese Bamberg. Nr. 3. 

fornicatores, clandestine matrimonia contrahentes, contractus matri- 
maniales non servantes, coniuges nou cohabitantes, matrimonia in 
gradibus prohibitis consangiiinitatis vel affinitatis vel cognationis 
spiritualis ex baptismo vel confirmatione contracta, aleatores et 

5 prodigos heluones, violatores festorum et ieiuniorum. 

10. Casus omnes matrimoniales officiali consistorii per literas 
significentur, reliqui casus ad reverendissimum et celsissimum prin- 
cipem atque ad Judicium vicariatus sine mora deferantur cum im- 
morigerorum nominibuS; qui in synodo non comparuerunt. 

10 11. Qui synodo assident orania, quae audiunt ab examinatis 
parochianis deponi, silentio tegant sub ea, qua principi obligati 
sunt fidelitate. 

12. Singulorum depositiones et examina excipiat et scribat 
publicus civitatis aut communitatis scriba et si hoc recuset, a magi- 

löstratu politico adigatur, 

13. Si qui ob admissa sint obiurgandi, parochus id eo effectum 
dabit modo, ut potius ex fraterna charitate quam alio quopiam 
depravato äffeetu profectum esse censeatur. 


3, Sendordnung von Litzendorf. 

17. Jahrh. Mitte. 

Litzendorf, Df. Bayern, Kr. Oberfranken. Ms. 17. Jahrh. Mitte, PfA. 
Litzendorf. 

Gedruckt: H. Weber, Die Pfarrsynoden im alten Bistum Bamberg, im 
Arch. f. kath. Kirchenrecht 72 (1894) 55 — 58; danach hier wiedergegeben. 

Ritus synodalis. 

20 [1] Ich N. N., der zeit pfarr und kirchherr allhie zu Litzen- 
dorf, ruffe aus und verkündige zum ersten (zweiten, dritten) mahl 
den heiligen synodum, welcher den N. als zukünftigen N über N. 
tag alten löblichen herkommen und gebrauch nach in unserer kirchen 
nachmittag wird gehalten werden. Darzu sollen kommen alle in- 

25wohuer dieser pfarr, wie dan ein jeglicher darzu gelobt und ge- 
schworen hat, und alda rügen ein jeder insonderheit auf sein ayd, 
welchen er gelobt und geschworen hat, und was da rugbar ist, 
ein rüg für ein rüg, ein leimuth für ein leimuth, ein Wahrheit für 
ein Wahrheit, auf dass das übel gestratft und christliche Ordnung 

30 erhalten werde. Welcher aber ohne erhebliehe ursach und erlaubt- 
nus aussen bliebe, deren solle ein jeder 1 U wachs zum gottes- 
haus verfallen haben, und die noch nicht zum hl. synod gelobt 
und geschworen, als die junge männer und neue hauswirth, sollen 
kommen und am bestimbten tag zum hl. synodo geloben, christ- 

35 liehen glauben zu halten und handzuhaben. — Et haec congregatis 
parochianis tuis tribus distinctis vicibus de cathedra leges. 

[2] Pfarrer in beysein deren vorgehren, burgermeistern und 
heiligenpflegern am tisch mitten in der kircg spricht: So gehe ich 


jifr. 3. Litzendorf. 11 

dan den heiligen synodum an wegen des hochwiirdigen meines 
gnädigsten fürsten und herrn zu Bamberg, wegen meiner als pfarr- 
verwesers disses gotteshaus, umb meiner zeugen wegen und ge- 
biete, dass keiner kein stuel reume biss zum ende des sjmodi. 
Welcher nun etwas vorzubringen hat wieder folgende synodal- 5 
articul oder sonsten wider gottes christliche Ordnung, die ich jetz 
lesen will, der thue es hernacher alsbalden. 

[3] Articuli synodales. 

1. Alle junge ehemänner, so sich in den heiligen ehestand 
begeben, so wohlen auch die jungen, so sich änderst woher in die lo 
pfarr begeben und noch nicht zum synodum gelobt, sollen alhier 
gegenwerdig erscheinen und dem hl. synodo in geistlichen fällen, 
so anbefohlen werden, gehorsam leisten. 

2. Sollen die verordnete dorfsburgermeister aus christlichem 
eyfer die Verächter göttliches worts, die bey dem namen gottes, is 
leichnamb, sacrament, layden und wunden Christi schweren, es 
seye gleich fraw- oder manspersohn, jung oder alt, so lieb ihnen 
ist ihre seelichkeit, getreulich ansagen. 

3. Sollen angeklagt werden, welche die hochheilige fest und 
forderst die sontäg nit feyern oder halten und unter dem ambt der 20 
heiligen mess und predig in würzheussern fressen und saufen und 
an deren heiligen abent biss an den halben tag turnieren und 
spielen, dardurch forderst die predig. versäumbt; auch diejenige, so 
ihr gesindt durch arbeit und geschafft von kirchengehen hindern 
und abhalten. 25 

4. x4Llle die ehebrugs oder zauberey verdächtig seint ; beynebens 
die auch mit segnen und anderen teufeis werken umbgehen. 

5. Die wider den christlichen glauben heimb- oder öffentlich 
disputiren und vor christlicher catholischer kirchen frevent- und 
spöttlich reden und kirchliche cerimonien spotsweis immitiren. 30 

6. Alle Wucherer, die unchristlicher weis ihren nechsten über- 
nehmen oder betrigen, falsche wahr geben und ungebührliche han- 
tirungen treiben, nemblich von 100 fl. 6, 7, ja auch 9 oder mehr 11. 
nehmen, es sey gelt oder geltes werth. 

7. Die meinaidigen, so wider ihre gethane aydschwur schweren 35 
und sonst leichtfertig zum schweren seind. 

8. Die roh und gottlosen leuth, die das hl. vatterunser, den 
hl. englischen gruss und die articul des hl. apostolischen glaubens 
nit können und wissen, auch ihre kinder und gesind zum gebet 
nicht anhalten und gewehnen; item welche ohne erhebliche ursach40 
zu ostern nicht gebeigt oder communicirt haben. 

9. Die dem hl. hochwürdigen sacrament kein ehr erzeigen, 
wan es über die gassen oder veld getragen oder auch in der kirchen, 
wen es vom priester unter dem ampt der hl. mess aufgehoben wird. 

10. Die auch heimblichen hass und neyd lange zeit im jähr 45 
getragen, ihren negsten aus christlich brüderlicher lieb nit ver- 


12 Diözese Bremen, Ermland, Nr. 4, 5. 

zeihen wollen, die ihrem negsten mit schmach und schänden die 
ehr abschneiden, den selben verläumen und bey den leuthen ver- 
dächtig und verhasst machen. 

11. Die mit abscheulichen krankheiten behafftet, damit die 
5 bädern inficirt und vergifft werden. 

12. Die ein ganz langes jähr zur kirchen, predigen und gottes- 
diensten nit kommen, sondern ihren hausgeschäften alein abwarden, 
hintangesetzt ihrer seelen heil und seeligkeit. 

13. Die an frey- und sambstäg oder sonst andern verbottenen 
10 Zeiten auch mit ergernus ihres hegsten gar ohne schew und forgt 

gottes fleisch essen oder ihren taglohnern und diensboten vorsetzen. 

[4] Juramentum novorum. 

Ich N. N. gelobe, verjehe und schwere dem hl. synodo, dass 
ich jeder zeit, so lang mir gott das leben verleyhet, wolle halten 
15 und handhaben aus christlichen gehorsamb, was mir in gewissen 
fällen die christliche katholische kirch befiligt zu halten; dar zue 
helfe mir gott und seine hl. evangelia. Im anfang war das word 
und das word war bey gott. 

Diözese Bremen. 

4. Das Rüstringer Sendrecht. 

13. Jahrh. 

Eüstringerland, westl. der Wesermündung (im Oldenburgischen), bildete 
ein eigenes Archidiakonat^). 

Gedruckt: Frh. v. Eichthofen, Friesische Eechtsquellen 1840, 127—130 
(fries.) -). 

„Hirr is eskrivin alsa den riucht, sa us god selva setta anti 
20kinig Kerl ur ief" etc. 

Diözese Ermland. 

5. Sendordnung für die Diözese Ermland. 

1444 Jan. 18. 

Aus einem Folianten, betitelt: „Alte babstliche Privilegia" fol. 141i'— 142^, 
Geh. Arch. zu Königsberg. 

Gedruckt: H. F.Jacobson, Gesch. der Quellen deskath. Kirchenrechts in 
Preussen, Königsberg 1837, S. (270—278). 

Franciscus dei gratia episcopus Warmiensis universis et singulis 
ecclesiarum parochialium rectoribus et eorum loca tenentibus per 
sedem Crutzberg'^) constitutis salutem in domino. 

*) Eichthofen, Fries. Eechtsgeschichte II 1201. 

2) Ueber die Quellen ebenda S. XIII f. 

^) Kreuzburg, St. Prov, Ostpreussen, Kr. Pr.-Eylau. 


Nr. 5. Ermland. 13 

[1] Noveritis quod nos officium visitacionis ecclesiarum parochi- 
alium exequi cupientes constituimus et deputamus dictarum ecclesi- 
arum et populi sub eis constituti visitatores honorabiles viros do- 
minos Petrum plebanum in Melsack^) et Jacobum plebanum in 
Wartynberg^) curie nostre penitenciarium ad recipiendam denunci- 5 
acionem super excessibus per dictam sedem Crutzberg constitutis. 
ünde vobis omnibus et singulis intimamus quod dicti domini visi- 
tatores infrascriptas ecclesias in dicta sede Crutzberg dante domino 
visitabunt videlicet die purificacionis Marie in Crutzberg, feria 
secunda in Tiffentail . . . ^). Ita quod ipsi visitatores semper 10 
venient ad locum visitandum ad cenara diei precedentis sie quod 
sabbato, qui erit vigilia purificationis Marie ad cenam eruut in 
Crutzberg et die purificationis Marie in Tiffentail et sie consequentes 
secundum ordinem.. 

[2] Idcirco tenore presencium citamus universos et singulos 15 
dictarum ecclesiarum parochianos pruthenos, theotrunicos et polonos, 
ut singuli in die sibi supra deputata veniant mane ad missam et 
sermouem ad audiendum articulos inquisicionis super criminibus 
magnis et manifestis qualitercunque sciverint per evidenciam aut 
famam publicam visitatoribus predictis. 20 

[3] Et ut expedite inquisicionis negocium transeat, servent 
forraam que sequitur videlicet: in civitate vel opido consulatus 
constituat ex se duos honestos et fide dignos denunciatores sive 
scabinos synodales, qui, postquam constituti fuerint, denunciatores 
seu scabini huiusmodi contestent se vel unum aut omnes de con-25 
sulatu, quod sub fide christiana et bona conscientia dicant eisdem 
singuli, que in con sulatu iu communitate^ civitate vel opido et tota 
parochia et ubicunque sciverint per evidenciam facti vel famam 
publicam denuncianda tantum de criminibus manifestis non ex odio, 
sed caritate ad emendacionem excessuum et reformacionem morum. 30 
Similiter quelibet fraternitas duos de sua fraternitate denunciatores 
sive scabinos. constituat, qui similiter fratres suos contestabuntur. 
Similiter singule ville constituant duos huiusmodi denunciatores sive 
scabinos, qui sie constituti ammonebunt omnes villanos, quatenus 
sub fide christiana et consciencia bona dicant eis, que sciverint in 35 
ipsa villa vel eciam in civitate vel opido vel aliis locis sue parochie 
de criminibus tantum manifestis denunciando non ex odio, sed 
caritate ad emendacionem excessuum et reformacionem morum. 
Demum dicti denunciatores seu scabini synodales recipiant denun- 
ciaciones a predictis et memorie studiose commendent in prepara-40 


') MeUsack, St. Prov. Ostpreussen, Kr. Königsberg. 

2) Wartenburg, St. Prov. Ostpreussen, Kr. Alienstein. 

^) Es folgen noch 17 Ortsnamen, auf deren jeden 1 Visitationstag (auch 
Sonntag) entfällt. Ein ausführlicher Ordo sinodi laicahs d. h. eine Anweisung 
über die Einhaltung der Reihenfolge der zu visitierenden Orte für die Diözese 
Kulm von 1443 ca. bei Jacobson S. (268—270). 


14 Diözese Ermland. Nr. 5. 

cionem iiiq[uisicionis, ut visitatoribus, cum ecclesiam sum visitabunt, 
fldelem faciant denunciacionem et veritatem respondebunt ad inter- 
rogata iuxta inquisicionem, que sequitur^). 

[4] Denunciandi sunt hi, qui dicunfc contra iidem et sacram 

5 ecclesiam; item qui dicunt contra constituciones apostolorum et 
eorum successorum, sanctorum patrum, contra decretum et epistolas 
decretales, ut dicere, non est ieiunandum vel celebrandum vel 
confitendum vel non observandum, quodmandat ecclesia; item invo- 
cäntes et adiuvantes demoues ad inveniendum vel ad vestigandum 

lOaliqua, ut sortilegi, incantatores, carminatores et malefici; item 
qui sacramentis vel rebus pro officio ecclesie consecratis abutuntur 
ad alios usus quam ad quos sunt instituta a deo vel ecclesia; item 
quorum pueri vel infirmi mortui sunt sine sacramentis ex sua 
culpa; item qui non communicant singulis annis,- item qui non 

iscelebrant dies festivos, sed laborant sine magna causa et neces- 
saria; item qui non ieiunant statuta ieiunia; item qui diebus 
festivis non visitant ecclesiam nee audiunt sermonem nee officium 
misse; item qui sunt in magnis peccatis nee susceperunt penitenciam 
aut si susceperunt penitenciam non tamen volunt penitere ut manifesti 

20 et notorii peccatores videlicet blasphemi dei et sanctorum, excommuni- 
cati; interdicti, liomicide, incendiarii, periurii, usurarii, fures, merces 
suas, ulnam aut mensuram suam vel pondera falsificantes, addulteri, 
stupratores et manifesti fornicatores seu concubinas habentes, per- 
cussores parentum; item qui contraxerint matrimonium non certi- 

25flcati de morte prioris coniugis et maxime, ubi adhuc coniux cre- 
ditur superstes sive vivens; item qui compaternitate aut filiacione 
sive cognacione spirituali ex baptismo vel confirmacione contracta 
de facto in matrimonio constituti; item qui consanguinitate primo, 
secundo, tertio vel quarto gradu coniuncti fuerint de facto in matri- 

SOmonio constituti; item si quis defuncta uxore vel eciam sponsa 
constitutus est de facto in matrimonio cum ea, que fuit consanguinea 
defuncte vel in aliquo predictorum graduum; simile de muliere, 
que contraxit cum consanguineo mariti vel sponsi defuncti; item 
si quis non cohabitat uxori sue vel uxor marito; item si quis in 

35 matrimonio constituti scandalose vivunt dissencientes et male se 
habentes ac tractantes verbis et verberibus occulte vel manifeste 
et in hoc eciam vicinos suos turbantes^). 

[5] Preterea committimus et mandamus nobis universis et sin- 
gulis ecclesiärum parochialium rectoribus supradictis, quatenus com- 

40petenti die et hora publice de ambone parochianos vestros ad 

^) Inhaltlich deckt sich der hier angegebene Modus der Sendschöffenwahl 
und die Umgrenzung ihres Amtes mit den Bestimmungen einer Informatio pro 
visitatoribus von ca. 1443, bei Jacobson S. (253 f.). 

^) Die vorhin erwähnte Informatio trennt in „articuli (qui) non pronun- 
cientur publice de ambone" (über Kirche, Pfarrhof und Verhalten des Pfarrers) 
und „articuli (qui) pronuncientur de ambone post sermonem et etiam legantur 
denunciatoribus seu scabinis synodalibus; vgl. dazu unten Sendfragen für die 
Diözese Pomesanien. 


Nr. 6. I^öln. 15 

premissa citetis ad terminiim unicuique ecclesie superius preflxum, 
scilicet ut tali die, quo visitatores venient, sint apud ecclesias suas 
in inissa et sermone. Et omuia premissa eis insinuetis et exponatis 
et ad processiim denunciacionis iuxta törmam superius traditam 
diligenter informetis, iie cum visitatores venerint negligentes vos 5 
reperiant et repehensione dignos. 

[6] Volumus insuper, quod dictis visitatoribus consuetam et 
moderatara procuracionem de cibis, potibus et pabulo equorum, cum 
apud vos fuerint, faciatis. Ad quam provisionem prestandam vitrici 
ecclesie cuiuslibet dabunt cuilibet vestrum in subsidium secundum 10 
antiquam consuetudinem vestram fertonem bonum, certificando eos- 
dem vitricos ecclesie et quoscunque alios, qui se in hoc opposueruut, 
quod contra eos tamquam impeditores ecclesiastice iurisdictionis 
procedemus. 

[7] Quilibet vestrum perlectis et consideratis, que in presen-l5 
tibus litteris cöntinentur, speciales lifcteras vicino süo plebano iuxta 
ordinem supra notatum mittat, ita quod ordo non lederetur, ne ne- 
gligencia committatur. Et in signum execucionis huiusmodi quilibet 
vestrum nomen suum et diem, qua presentes literas acceperit et 
qua a se remiserit presentibus fideliter sub debito obediencie in- 20 
scribat, ut unumquemque de sua diligencia poterimus considerare, 
contrafacientes vero pena synodali mulctabimus irremissibiliter per- 
solvenda. Datum in Castro nostro Heilsberg ^) anno domini 1444 
die s. Prisce virgiuis nostro sub secreto. 


Erzdiözese Köln. 

6. Sendordiiimg- für die ErzdiOzese Köln. 

10. Jahrh. 2. H. 

Der c. 21 der Kölner Provinzialsynode von 1536 enthält eine dort als anti- 25 
quicrt bezeichnete Sendordnung für die Erzdiözese. Seitdem dieselbe zuletzt 
bei Koeniger, Sendgerichte T 198f. wiederabgedruckt und zeitlich bestimmt 
^yorden ist, ward sie aus Clm. 22288 (früher W'indberg 288) s. XII./XIII., wo 
sie mitten unter Bussbüchern (zwischen einem Bruchstück von Ps.-Curamean und 
dem Egbertschen Pönitentiale steht) aufs neue, leider mit mehreren Lesefehlern, 30 
publiziert von A. Vieriin g, Eine Windberger Synodal Vorschrift, im „Jahres- 
bericht des histor. Vereins für Straubing" 1907, 85ff. ^). — Der Wortlaut stimmt 
der Hauptsache nach mit der SO. in c. 21 der erwähnten Synode überein ; nur 
zwei wichtigere Unterschiede zeigen sich: am Anfang hat Clm. „fidelissimi 
quinque" statt f. quique; letztere Lesart ist ohne Zweifel die richtigere (de villis 35 
singulis fidelissimi quique, liberi et servi, tres vel quatuor seu etiam plures) 
und die Vermutung Vierlings, als läge hier ein Schreibversehen vor (S. 7), sowie 
die Begründung, als stünden fünf Freie den drei oder vier LTnfreien gegenüber, 
schon um das seu etiam plures willen unhaltbar. — Nr. 1 und 2 der Sendfragen 
sind in c. 21 des Konzils in eine Frage zusammen gezogen. — Die Annahme Vier- 40 


^) Heilsbei-g, St. Prov. Ostpreussen, Kr. gl. N. 

-) Die daselbst S. 3 zitierten Hss., welche Sendgerichtssachen enthalten, 
sind sämtliche schon in Koeniger, Sendgerichte I verwertet. 


16 Erzdiözese Köln. Nr. 7, 8. 

lings (S. 6), „dass mit den Bussbüchern (in derWindberger Hs.) auch die Send- 
gerichtsordnung bei uns in der Regensburger Diözese zur praktischen Anwen- 
dung gekommen sei" (also 12./13. Jahrb.), ist durch nichts gerechtfertigt; sie ist 
einfach vom Schreiber herübergenommen worden. Dagegen ist hieraus zu schließen, 
5 dass -vielleicht dessen Vorlage der Bussbücher mit der eingestreuten Sendordnung 
aus der Kölner Erzdiözese stammte, wenn nicht etwa der Kodex selbst von dort 
herrührte. . 

7. Seiidweistum TOii Amel. 

1478. 

Amel, Df. Eheinpr., Kr. Malmedy. 

Abschrift des 17. Jahrb. in einem Sammelband (4") im Archiv des Dekanats 
Münstereifel (zit. Tille I 177). 

Gedruckt: Katzfey II 252 f. (als Anhang zum SW. von Konzen); da- 
nach Grimm VI, 704 f. und hiernach Hecking, Gesch. der Stadt und ehem. 
Herrschaft St. Vith, 1875, 241 (zit. Verz. Rhein. Weist. S. 8, Nr. 20). 

8. Kirchenweistum von Barweiler. 

1590 Apr. 8. 

Bar Weiler, Df. Eheinpr., Kr. Adenau; jetzt Diözese Trier. 

Gleichzeitige Abschr., Pap. 2°, in einem Aktenfaszikel betr. den Streit um die 
Eeparatur des Chors der Kirche in Barweiler 1592/3 (A), StA. Koblenz, Kur- 
köln, Amt Nürburg, Dorf Barweiler Nr. 5. — Eine notariell beglaubigte Abschr. 
von 1693 (B) befindet sich im Archiv des Abtes Henn Bd. I, 589-594, StBibl. 
zu Trier Nr. 1644 (zit. Verz. Rhein. Weist. S. 10, Nr. 47d). 

Ungedruckt; teilweise bei Grimm II 618f. (C). 

[I] Erkantnussen und weistumbes der sendscheffen zu 
Barweiler über die gerechtigkeiteu der kirchen 
10 Barweiler*^)^). 

[1] Weisen und erkennen'') vur erst den liochen berrn des 
haus und ambts Nurburgb^) und den rechten pastor daselbst oder 
in dess abwesten den confirmirten vicepastor '') vur sendherren der 
kirchen Barweiler. 
15 [2] Weisen und erkennen, dass der abt des gefursten gots- 
haus '^) zu s. Maxemin vur der Stadt Trier als verus patronus und 

a) In B lautet die Ueberschrif t : „Sapere tutissimum. Sendweistumb der 
kirchen zu Barweiler, gehalten danselbst durch Ewalden Schumann und Hoss, 
zur zeit stadthalter zu Nurburgh, in gegen Wertigkeit herren Huberts von Birken- 
dorf, vicari daselbst, sampt der verordneten und veraydten sendscheffen aller 
und jeder manlichen kirspelsangehorigen underthanen, den 8. april anno 1590." 
— Der erste Artikel leitet sich in B ein: „Scheffen und gemeinde, ausgemahnt 
und abgefragt, wolden sie vor sendherren der kirchen Barweiler weisen und er- 
kennen. Antwort." — [Eine entsprechende Einleitungsformel steht in B auch 
vor Art. 2]. 

i>) und halten + B. 

<=) vicarium B ; oder - vicepastor — C. 

^) des gef. g. — B. 

^) Das Weistum ist wohl erflossen anlässlich der Abtrennung Barweilers 
von der Mutterpfarrei Uexheim, welcher Ort im 16. Jahrb. protestantisiert wurde; 
Barweiler ward dann eigene Pfarrei. (Lorenzi II 126). 

-) Die Nürburg, südl. von Adenau, heute Ruine. 


Nr. 8. 


Barweiler. 17 


coUator der motter pfarkirchen zuUxbeim*)^) sehuldich den ganzen 
bauch oder das schiff'') derkircheu aus dem fundament, maur und 
tagwerk, insteren und was weiter zur erhaltung des ganzen bauchs 
oder navis ecclesiae nöttig allein") zu bauwenundauf seine costen^) 
zu underhalten. 5 

[3] Hingegen erkennen und weisen die sendscheffen, dass woll- 
o-edachter abt zu erstattung angedeuten bauwes soll haben und 
o-eniessen zwei theil in dem hohen zehenden zu Barweyler, Wesem- 
scheidt, und Butler^) 2); item den kleinen zehenden an lammern, 
ferken, hauen, flachs und hanf, was dess auf dem feld baussenlO 
den garten gesähet und gewachsen; itemO etliche gerechtigkeit . 
von etlichen wesenplatzen und was sunsten mehr in den kleinen 
zehenden gehörich, wie das von alters herbrachte). 

[II] G-erechtigkeit des kirspels Barweyler, so der herr 
abt neben dem obgeschrieben baw des navis ecelesiaeiö 
bestellen und underhalten soll''). 

Item weisen und erkennen die sendscheffen, dass der herr abt 
soll bestellen und underhalten ein hengstpferd mit drei weissen 
fussen und zwei gläseren äugen ^); item zweitheil in allem zill- 
viehe, als stierochsen, bereu, widderen, hauen vur die drei kirspels- 20 
dörfern, als Barweyler, Wesemscheidt und Butler, und soll man 
diss obgeschrieben zillviehe iederzeit finden zu Butler auf dem 
hoff, zu Westum genant; bei diesem ziellvihe soll underhalten 
werden ein hirt; derselb soll haben ein äuge und an einem bein 
ein gröin, am anderen bein ein gelb höss, item soll haben einen 25 
rock mit dreyen geren*), ein geir gelb, der ander rott, der dreit 
gröin; soll auch bei sich haben ein hundt, ein stab, ein sack, ein 
hörn. Dieser hirt soll allezeit bei dem hoff sein und pleiben und 
wan ein hausman kombt, der dess zillvehes von notten hatt, soll 
dieser hirt denselben inlassen und das zillvehe nach seiner not- 30 
turft gebrauchen lassen. 


a) alt-Uxheim — B. 

b) oder d. schiff — 0. 

c) aus- allein — ' C. 

fl) auf s. costen — C. 

e) zu -Butler — C, 

f) item - herbracht — ß. 

s) und des abts register ausweisen -}- B. 

^) gerechtigkeit von dem zielviehe, wie das bestellt soll werden B. 


*) Uexheim, wesfcl. von Barweiler. 
^) Wieaemscheid, Bauler südlich von Barweiler, 

'') Die beiden qualifizierenden Forderungen kennzeichnen den hohen Wert 
des Pferdes. 

*) Spitzen, Zipfeln. 

Ko eiliger, Sendquellen. 2 


18 Erzdiözese Köln. - Nr. S. 

[III] Weistumb und erkantnus der sendsclieffeu, was 

ein pastor zu Barweyler zu thun schuldich«'^). 
[1] Weisen und erkennen, das der pastor^) den chor aus dem 
fundament mit mauern, finstern, item das ganz tacliwerk auf dem 
5 chor und alle weiter notturft bauwen und underhalten soll und 
derweil der chor und klockenthurm in ein gebew verfasst und ge- 
schlossen, dass der pastor schuldich den ganzen thurm und chor 
aus dem grund mit dem ganzen tachwerk auf seine costen zu 
bawen und zu underhalten. 

10 [2] Hingegen weisen und erkenen die sendscheffen, dass dem 

. pastor gepure'') dass dritte theil aus dem ganzen grossen zehenden 

durch dass ganze kirspel, nemlich Barweyler, Wesemscheidt, 

Butler, Ponibsterj Hoffelt ^), item das drittetheil im ganzen kleineu 

zehenden in allermassen wie obstehet. 

15 [3] Was aber den lammerzehenden belangt, ist von alters ein 
gebrauch . gewesen wie noch, dass ein ieder haussman zu Bar- 
wej^ler, Weseinscheidt, Budler, Pomster, Hoffelt von zehen lam- 
meren dem pastor ein geben soll; die nachbaren zu Pombster 
sagen, das sie die gerechtigkeit ehe und in allewege gehabt wie 

20 noch, dass, wan sei zehen lammeren haben, alsdan schuldich 
sein, ein lam in specie zu geben; wan aber ein nachpar zu 
Pombster zehen lammer in der zall nit voll hat, möge derselb 
nachpar ein ieder lam, so viel er deren under zehen hat, mit 
einem schillink lösen '^). 

25 [4] Item ein ieder ehestadt durch das ganz kirspel ist schul- 
dich dem pastor järlichs zu geben drei brotteren von den dreien 
höcheu festen nemblich christag, pfingsten und unser lieben frawen 
krautweihe. 

[5] Erkennen und weisen die sendscheffen und ganz gemeinde''), 

30 wannehe der pastor sich dero brötern beschwerdt, als dass die- 
selbe nit gross oder gut genug, alsdan mag man ein iedem brodt 
lösen mit neun hallern; doch sagen die schetfen dabei, das sei 
neraals gesehen oder gehört, das es geschehen^). 

[6] Erkennen und weisen, welcher man, er sei in oder ausser- 

35 halb des kirspels gesessen, ein morgen hostardts hat, der im 
kirspel gelegen, derselb soll dem pastor järlichs davon geben ein 
sumberen haber und damit denselben hostardt von allem zehenden 
quitiren*''). 


'i) Gerechtigkeit, so der pastor zu thuen schuldig ist B. 

i») Der pastor soll ß. 

«) Hingegen gebuert dem jjastor B. 

ii) Abs. 1, 2 und 3 — C. 

o) Erkennen - gemeinde — C. 

f) doch - geschehen — C. 

ff) Abs. 6 — 0. 


') Pomster und Hof feld : süd- bezw. nordwestlich von Barweiler. 


Nr. 8. Barweiler. 19 

[7] Item ein ieder kirspelsman sol dem pastor järlichs geben 
ein sumberen rauch liaber^). 

[8] Welcher kirspelsman auf einen freihen morgen hostardts 
bauwet, derselb sol von dem morgen geben ein sumberen rauch 
haber und mit demselben sumberen rauch haberen sol der kirspels- 5 
man den morgen von weiteren lasten quitiren. 

[9] Wan aber auf einen morgen hostardts ein, zwei, drei 
oder mehr gebauwe, die rauch aufhalten, gebauwet und gesatzt 
werden, sol ein ieder rauch ein sumberen rauch haber jerlichs geben ^). 

[10] Es sein vier capellen in dem ganzen kirspell Barweyler, 10 
nemblich Wesemscheidt, Budler, Pombster, Hoffelt; von ieder 
capellen sol- dem pastor vor sein capellen th einst järlichs geliebert 
werden sechs malder haber; aber die capella zu Pombster gibt 
von alters wie noch vunf und ein halb malder haber und ein dick 
pfennink, welchen die kirchenmontparen bezallen sollen °). 15 

[11] Auf Wendeltag*) sol der pastor mit dem custor mit der 
alter tauf von haus zu haus durch das ganz kirspel gehen, das 
taufwasser austheilen und soll ieder haus, das rauch hält, dem 
pastor geben zwei eier, dem custos ein ey. 

[12] Von der beicht gepurt dem pastor von iederem haupt, 20 
es sei man oder weib, junk oder alt, ein heller^). 

[13] Von einem begenknus oder seelengedachtnus gepurt dem 
pastor von einer hauptsleichen den ersten tag vunf albus, den 
zweiten tag vier albus, den dritten tag drei albus. Von einem jar- 
gezeit oder gedachtnus einen albus. — Von iedem haupt, welchem 25 
der pastor in seiner krankheit das allerheiligst hochwurdigst 
sacrament des altars reichet, dessgleichen das sacrament des 
heiligen olichs gepurt dem pastor zwhen albus sechs heller. — 
Von einem bastardtskind zu taufen gepurt dem pastor sechs 
albus. — Wannehe der pastor zwho personen ehelich zusamenSO 
gibt, gepurt ime ein thornisch und ein par handschuh; von einem 
lossbrieff vunfziehen thornisch^). 

[IV] Folgen*) officia und gottestheinsten, so der pastor 
oder sein vicecurator gegen alle und iede ob geschrieben 
gerechtigkeit in und aus der pfarkirchen Barweylerss 
durch das ganz jar zu thun und zuverrichten schuldich. 

[1] Weisen und erkennen die sendscheffen und ganze ge- 

a) Abs. 7 - C. 

b) Abs. 9 — 0. 

c) Abs. 10 — 0. 

d) Abs. 12 — 0. 

0) Von Abs. 13 enthält nnr den Satz von der Bastardentaufe und endigt 
mit dem Satze, der hier als Abs. VIII 2 folgt. 

f) In B folgt noch eine Anfrage an Sendschöffen und Kirchspielsgemeinde, 
wie der Pastor gegen einen säumigen Schuldner vorgehen solle, der eine Hofstatt 


') 24. April. 

2' 


20 Erzdiözese Köln. • Nr. 8. 

nieinde, dass der pastor oder sein vicecurator schuldich anfalle und 
iede hoche festage, sontage und feiertage das ambt der heiligen 
missen in der kirchen zuhalten, das wort gottes zuverkundigen und 
alle und iede andere christliche cattolische und gwhönliche cere- 
5 monien, wie die von alters herbracht und gebraucht, zu underhalten. 
[2] Erkennen und weisen sendschetfen und gemeine kirspels- 
verwandten, dass neben und über die hoche festage, söhn- und 
feiertage der pastor schuldich auf alle und iede mitwocli und frei- 
tage durch das ganz iar miss in der pfarkirchen zuhalten. 

10 [3] Item erkennen und weisen*), dass der pastor zu Uxheim 
als rechter pastor dero fllialkirchen zu Barweyler in allewege 
schuldich, wannehe ein hauptleich im kirspel Barweyler gestorben 
und der nachgelassene man oder fraw oder kinderen oder ver- 
wandten und freunde begeren, dero abgestorben person begenknus 

15 oder selengedechtnus oder jargezeit nach christlicher Ordnung nach 
zuthun oder dass sunsten ingestiffte broderschafft zu halten, dass 
der rechter pastor zu Uxheim mit seinem capellan auf ansuchen 
des hausmans oder kirchenmontparen gen Barweyler komen sol 
und den theinst gottes auf dem begenknus oder jargezeit oder 

20 broderschafft auf sein costen ohne des kirspelsmans oder kirchen- 
montparen beschwernus halten. 

[4] Von wegen dieser negt obgeschrieben gerechtigkeit^) haben 
sendschetfen und samentliche gemeine kirspelsangehörige auf dieser 
sendhaltung, wie auch dabevoren ausserhalb der send zu veilmalen 

25 und veilfaltig hefftig geclagt"), diweil diese gerechtigkeit bei ganzer 
regierung des herren chorbischoffs zu Trier als rechten pastors zu 
Uxheim nit geleistet^), obrigkeit wegen die hand darahn zu- 
halten, dass sei bei irer alter gerechtigkeit gehandhabt werden''). 

[V] Additio memorialis. 

30 [1] Sendscheffen und ganze gemeinde neben dem sendweis- 
tumb die erclerung angehengt*), dass der pastor oder vicecurator 


im Kirchspiel besitzt und ausserhalb derselben wohnt. Darauf wird vorläufig 
gewiesen: „wannehe der pastor von den kirchen liostarten nit zu gepurlicher zeit 
bezahlt wird, soll er auf des seuraigen kirchen hostart verpieten und wofern der 
hostart zu voller bezahlung nit genugsamb, soll er fortfahren auf andere gueter, 
die zu dem hostart gehohren und dieselbe verfolgen wie iandrecht." 

«■) sendscheffen und gemeine underthanen -)- B. 

iJ) über diesen punkt als dass derselb in dieser zeit inmütig wie von alters 
underhalten H. 

c) und begert + B. 

•1) diweil -geleistet — B. 

e) _|_ ß; darauf der bescheid auf dieser send gegeben worden: obwohl der 
herr abt zu st. Maximin als coUator und der herr chorbischof als rechter pastor 
dieser gebrechen und des umbawes halben [vgl. Vorbemerkungen] etliche mahl 
ersucht worden und bis daher nichst erhalten, soll man gleichwohl noch einmahl 
zum uberfluss bei beiden herrn mit allem fleis anhalten und wofern angedeutte 
mangel nnd gebrechen nit abgeschafft und gebessert, dass man als dann den 
herrn official zu Bonn oder Collen zu erkennen und rats pflegen soll. 

f) Der Vordersatz fehlt in B. 


Nr. 8. ßarweiler. 21 

vui" erstattung deren inissen, so er auf fest-, söhn- und feirtage 
in der pfarkirchen zu Barweyler thut, item predighambt und ad- 
ministration deren allerheiligsten hochwurdigsten sacramenten hab 
und empfange das drittetheil in allem und iedem grossen und 
kleinen zehenden durch das gans kirspell, wie obstehet. 5 

[2J Item von den zwehen missen, die der pastor oder vice- 
curator mitwochs und freitags thut, hab und empfange er die 
kirchehostardtshaber, item rauch haber, item von iederem haus, 
da rauch aufgehet, drei brötteren zu massen wie oben erclert''^). 

[VI] Folgen capellentheinsten. 10 

[1] Weisen und erkennen die sendscheffen und ganze ge- 
meinde i'), das der pastor oder vicecurator schuldich, auf jeder 
obangezeigter capellen jerlichs zuthun vier und zwanzich missen. 

[2] Dargegen hat der pastor oder vicepastor ieder aus den 
dreien capellen, nemblich Wesemscheidt, Budler und Holfeit, sechs 15 
malder haberen, von der capellen zu Pombster vunf und ein halb 
malder haberen, alles wie oben deducirt. 

[3] Whan eins heiligen patronstag auf einer capellen gefeiret 
und gehalten, soll der pastor oder vicecurator auf der capellen 
raiss und predig thun. 20 

[4] Hingegen sollen die capellenmontparen dem pastor oder 
vicepastor von alter gerechtigkeit geben ein mass wein und vur 
ein albus weissbrott. 

[VII] Kirchhoff. 

[1] Erkennen und weisen die sendscheffen, dass das gans 25 
kirspell die rinkmaur umb den ganzen kirchhoff bauwen und under- 
halten soll, jedoch mit dem bescheid, dass die kirchenmontparen 
den meisterlohn und kalk bestellen und bezallen sollen, das kirspell 
aber alle und iede andere notturft verschaffen soll. 

[VIII] Wiedumbhoff. 30 

[1] Sendscheffen und gemeine kirspelsangehorigen erkennen und 

weisen, das der pastor oder vicecurator den widumbhoff bauwen 

und underhalten soll auf sein costen ohne hilf, beistand und einich 

entgeltnus des kirspels. 

[2] Item erkennen und weisen, was nach eins pastors oder 35 

vicepastoris absterben nagelfast auf dem wäedumbhoff erfunden, 

das soll dabei pleiben. 

[3] Erkennen und weisen, dass ein pastor oder vicecurator 

in der gemainden nit mehr Vorscheins, furtheils oder gerechtigkeit 

hab, dan sonsten ein ander gmein nachparman ''). 40 


•1) Der Wortlaut von Abs. 1 und 2 in B gekürzt, 
b) Vordersatz fehlt in B wieder. 

«) -(- B: Mit diesem allen sendscheffen und gemeine kirspelsuntertanen 
abermals beschlossen und sich bedingt wie vor bis auf nechste send- 


22 Erzdiözese Köln. Nr. 9, 10. 

9. Kirchenweistum Yon Boisheiin. 

1454 Apr. 7. 
Boisheim, Di Eheinpr. Kr. Kempen, jetzt Diöz. Münster. 
Gedruckt (ohne Quellenangabe): Lacomblet-Harless, Archiv VII 141f. 

Schluss: Das gegenwertige Weistum der Schöffen, Geschworenen und der 

ganzen Gemeinde des Kirchspiels B. hat der Pastor in das Messbuch schreiben 

lassen'). „Inde dit is gesciet des sondachs as men syngt Judica domine sive 

dominica passionis*), doen men celebriert haet den heiligen senden in den jaren 

5 ons herren dusent vierhundert ende vieren vyfftig." 

10. Sendordnung von Burtsclieid. 

17. Jahrh. 1. H. 

Burtscheid, St. Rheinprov., Kr. Aachen-Land. 

Aus einer Papierhs. des 17. Jahrh., 1. Hälfte, k. Bibliothek zu Berlin Ms. 
boruss. fol. 763. 

Gedruckt: M. Scheins in der „Zeitschr. des Aachener Geschichtsvereins" 
2 (1880) 102 — 104; danach hier wiedergegeben. 

Copie belangende dem sendgericht zu Bordtschiedt, 
wie dasselbe gehalten und besessen wird, mit wie viel 
personen, wie ich jeder zeit, zu der ich scheffen ge- 
wesen bin, gesehen und gehört hab. 

10 [1] Das Sendgericht darzu gehoeren 7 scheffen, nemblich vier 
von den jüngsten scheffen aus das scheffengericht und die ander 
drey sendscheffen werden aus den nachbahren, so in dieser herr- 
lichkeit wohnen und beerbt seind, erwehlet und bleiben ihr lebtag 
sendscheffen die drey. 

15 [2], Item der herr pastor, so in dieser pfarkirchen die pastorey 
von einer ehrwirdigen frawen abdissen disser herrlichkeit und ab- 
deyen^) hat, derselbe besitzt die send und ist mehner der send- 
scheffen, mahnt umb recht und urtheil. 

[3] Item beide herren, vogt und meyer, meyer und vogt, seind 

20 auch beisitzer, die welche mit zuhören, und seind executoren, so 
in abgehandelten Sachen die exekution auf partheyen anhalten thun. 
[4] Die sendscheffen und pastor werden bescheiden durch den 
cuester dieser pfarkirchen. 

[5] Beide herren, vogt und meyer, willen durch ihren gerichts- 

25 bodt bescheiden sein wie dan auch anno 1607 und 1608 in streitiger 
Sachen die ehrwürdige fraw abdissin contra Nellissen Kern, Wil- 
helm Kockarts, Wilhelm Frentz und consorten geschehen ist. 


^) Auch das Sendweistum von Traben, Diöz. Trier, wird als im Missale 
dieses Orts geschrieben erwähnt (Sendregister v. 1475, ed. Fabricius Trier. 
Archiv 9 S. 21), wie man denn überhaupt wichtige Urkunden in besonders ge- 
schätzte Hss. einschrieb (vgl. Th. Gottlieb, Mittelalterl. Bibliotheken 1890,324='). 
Interessant ist das Schicksal der Messbuchaufzeichnungen zu Paffrath ; vgl. Ferd. 
Schmitz, Das Messbuch zu P. (Nied. Annalen 87 [1909] 2 f. und 28—30). 

2) Apr. 7. 

^) Zisterzienserinnenkloster in Burtscheid. 


]Srr. 11. Drachenfels. 23 

[6] Da Sache werei; dass ein sendschetfen von den dreyen 
nachbahren mit todt abgehen würde, wird ein newer sendscheffen 
aus den nachbahren erwehlet und derselb moiss den eyd, so hernach 
folgt, schweren; und in anno 1608, als Henrich von Lohn send- 
scheffen worden, hat der herr vogt ihme den eyd abgenomen. 5 

[7] Item die ander vier scheffen werden nicht erwehlet, sondern 
bleiben alzeit; die vier, so das jüngste seind in den hohen scheffen- 
stuhl, bedürfen den seudayd auch nicht zu thun, sondern sitzen bey 
ihren ayd, so sie am hohen scheffenstuhl gethan haint, 

|8] Item diese sieben sendscheffen stimmen auch gleich umblO 
heuft vor heuft gleich in anderen scheffenstuhl. 

[9] Item die send wird bescheiden auf partheyen begehren. 
Der sich interessiert ündet, spricht etliche von den herren an, umb 
den custer zu befehlen, die send zu bescheiden. 

[10] Zu dem behoert auch die send in der pfahrkirchen 15 
s. Michael durch den custer auch ausgerufen zu werden und der 
tag ernant, wann ehr und auf was platzen die besessen wird. 

[11] Item die send kau, nicht in vacantien besessen werden, 
sovern es einigen nachbahrn angehet, oder es müst beyder 
partheyen will sein. .20 

[12] Auch ist gebruchlich, wer die send bescheiden liest, der 
muss des ersten tags kosten thun und die andere partey des 
zweyten tags und also verfolglich biss zur abtragt der Sachen. , 

[IBJ Item die zwey procuratoren, so am scheffengericht dienen, 
dieselbe dienen den partheyen auch am sendgericht. 25 

[14] Die doctoren oder advocaten mögen beyde partheyen 
nehmen und suchen, da es ihnen geliehen wird. 

[15] Die termin werden gehalten nach gelegenheit und erkänt- 
nis der sendscheffen, von 8 tag zu 8 tagen oder von 14 tag zu 
14 tagen, darnach die partheyen ihre advocaten weit von der band 30 
haben. 

Voigt der sendscheffenayd : Von diesen tag vorth alle tage, 
die ich leben soll, schwere ich, dem sendgericht zu Bordtschiedt 
trauw und holt zu sein und soll recht urtheil sprechen von allen 
diejenigen, dass vor diessem gericht vorkommen, hieher gehörig und 35 
weiters nicht, nach meinem besten verstände, den armen als den 
reichen und dass sunder gifft oder gaff, hass oder neyd und sonder 
alle arglist, und der heimliclikeit der send halten und verschweigen, 
so wahr mir gott hilft und sein heylig evangelia. 

11. Sendfragen für die HeiTschaft Drachenfels. 

1616. 

Dracheuf eis, Burgruine, Eheinpr., Kr. Sieg. 

Aus Bd. 88 des Archivs des fürstl. Salmschen Schlosses zu Dyck S. 327 
bis 334 (zit. Tille I 64). Laut beiliegenden Begleitschreibens des Grafen 
Mirlaer v. Mylendonk, dem damals die Herrschaft Drachenfels gehörte (vgl. 
Maassen, Gesch. der Pf. des Dek. Königswinter (Dumont 28) 1890, 206; 


24 Erzdiözese Kola. ' Nr. 11. 

W. Fabricius, Erläuterungen S. 91 f.) sind nachfolgende Sendfragen und das 
Formular des Schöffeneides 1616 von diesem an den Grafen Salm-Eeifferscheid 
zur Begutachtung und Anfrage mitgeteilt worden, ob sie in dessen Herrschaften 
Alfter und ßornheim (beide Kr. Bonn- Land), „wie man sagt", durch Veranlassung 
des Kölner Erzbischofs bezw. Bonner Offizials bereits zu Eecht bestünden. 
Ungedruckt. 

Ordnung, worauf die sendscheffen achtzuhaben im 
h. sehen gefragt werden und daselbst einbringen und 

vrögen sollen. 

1. Nun ihr scheffen, ich fragen euch, was ihr weisset von 
5 eueren pastoir; halt der seinen gottesdienst und catechismum recht? 

2. Item wan die kirch not bauwes hat, wer solches thuu soll? 

3. Item desgleichen mit dem widdenhoff, wan der verfallen 
were oder sonst verbrant oder durch vegestalt oder durch veyent- 
schaift, wer den bauwen soll? 

10 4. Ob^) die h. kirch und kirch hoff stehen in aller freiheit und 
heiligkeit als uf den ersten tagh, da sie gebauwet und geweiet 
ist worden? 

5. Ob die einigerley weiss geletzt oder verhindert seien, es 
sey mit überbaw, schult oder unzimblichen dingen, die darauf nit 

lögehörig seien? 

6. Ob die kirch in löblichen baw gehalten werde, es sey mit 
mauren, gedechs, finsteren und alles, was darzu noetig ist? 

7. Ob der kirchhoff woll gefreiet, dass kein unvernunftig thier 
daraufgehe? 

20 8. Ob die h. tauf mit ehren gehalten werde und beschlossen seie? 

9. Ob auch einig kind versäumet worden und ungetauft pleiben 
durch jemants schuld? 

10. Ob auch jemant ein ungetauft kind hab auf den kirchhoff 
begraben ? 

25 11. Ob auch jemant das sacrament der h. firmung nit em- 
pfangen? 

12. Ob jemant das sacrament der buss verachte und zu 
österlichen zeiten nit gebeicht noch zum sacrament des altars 
gangen? 
30 13. Ob jemants gestorben seie ohn die h. sacrament durch 
jemants versaumbnus oder sein selbst Verachtung? 

14. Ob auch jemant freventlich hab geredt wider das hoch- 
wurdig h. sacrament des altars und nit ganzen glauben darzu 
gehabt? 
35 15. Ob auch sonst das sacrament beschlossen und ehrlichs mit 
stetigem geleucht behalten werde? 

16. Ob auch jemant versäumet worden an seinem letzten end, 
dem das sacrament des h. olliclis nit worden? 


^) Von Frage 4 — 41 stimmt der Wortlaut vollkommen überein mit den 
Sendfragen der Trierer Agende von 1574 fol. 223—226. 


Nr. 11- Drachenfels. 25 

17. Ob, anch sein, die anders wohin beichten oder die sacrament 
empfangen dan bei ihrem pastor? 

18. Ob auch jemant seinem pastor oder sonst priesteren frevelt 
und unehr hab augepotten? 

19. Ob auch jemant freventlich jähr und tag im bann ge- 5 
wesen seie? 

20. Ob jemant tibertretten hab das erste gepot gottes: du solt 
keine andere götter haben und articulen des glaubens: ich glaub 
au gott etc. mit segnen, mit zauberen, wahrsagen oder verborgene 
ding zu offenbahren und was darzu gedeihen mag? 10 

21. Ob jemant solchen leuten glaubt, raht von innen gesucht 
und hilf begert? 

22. Ob jemant unzimbliche schweur gethan habe oder sonst 
freventlich im zorn wider gott und die heiligen geredt? 

23. Ob jemant falschlich geschworren in oder baussen dem 15 
gericht? 

24. Ob jemant auf den h. tag, so gepotten zufieren, gewerkt 
habe? 

25. Ob jemant am soii- oder veyrtag nit zur kirchen gangen, 
mess und predig mit andacht gehoert? 20 

26. Ob jemant under oder alsbald nach der predig aus der 
kirchen lauf und wer? 

27. Ob jemant sonst under dem ampt der miss als nach auf- 
hebung des hochwurdigsten h. sacraments auslaufe und nit der 
priesterlichen benediction abwarte? 25 

28. Ob auch jemant vatter und mutter unehr gepotten habe 
mit worden und werken? 

29. Ob auch einige eitern hinlessig sein irer kinder und ucht 
zustraifen? 

30. Ob jemant seinen vatter oder bruder geschlagen? 30 

31. Ob jemant, welchen antreffen die ehe, uberspill^), die ehe 
gebrochen, öffentlich oder heimblich, dardurch die gemein geärgert 
mögt worden sein? 

32. Ob auch einige, die unehelich sitzen, sampt whonen? 

33. Ob etliche die ehe besitzen, die doch Verwandtschaft gelobt 35 
oder gefatterschafft halber nit sollen die besitzen? 

34. Ob einige eheleut zusamen gehoeren, nit beieinander sessen; 
wer die sein? 

35. Ob etliche weren, die der official zusamen geurthelt und 
das nit vollenb rächten? 40 

36. Ob jemant mit closterjunfern, mit nichten, magen, gevatter- 
schen und ledigen dhiernen gesundiget hat? 

37. Ob jemant unrechte gueter besitze, ein Wucherer sey, 
zweyerley gewicht und masshabe oder mit falscher münz umbgehe? 

38. Ob ettliche weren, welche ihren kirchenzehenden nit geben? 45 


^) overspil = Ehebruch. 


26 Erzdiözese Köln. • Nr. 12. 

39. Ob jemant sein jhargezeit oder andere gueter zu der 
kirchen besatzt, nit ausgericht noch geben wolt und sonderlich 
testamenten nit ausgericht wehren oder andere almisseu, an wem 
der gebrech seie? 
5 40. Ob auch renten und gülden der kirchen oder zins, darzu 
gesetzet und geben, nit fleissig und wol ausgericht werden, dass 
der dienst gottes da geschehe und vollenbracht werde als der innen 
darzu gestifft, gegeben und ordiniert haben? 

41. Ob auch die brudermeister und kirchenmeister vor ihrem 

lOpastor und sendscheffen im jähr eins rechenschaft thuen, von allen 

einnehmen und ausgaben der kirchen quittiren als sich gepeuret. 

Der sendscheffeneyd. 

Ich N. verheisch und gelobe von heut an biss zu end meines 
lebens gott vom himmel, Marie seiner 1. mutter, allen gottes heiligen 

15 und s. N., patron dieses gotteshaus, den senderstuel, den ich heut- 
zutag an mich nheme, recht, fromlich und ehrlich zu halten und 
nit anders dan einem frommen sendscheffen zustehet und geburet, 
nach allem meinen vermögen und verstand. So gelobe ich ir 
pabstlicher heiligkeit, unseren gnedigsten hern erzbischoven zu 

20Coln und churfursten^ vorders unseren auch gnedigsten hern 
probsten zu Bonn und archidiacono, lauddechanten, unseren 
pastoren und kirchherren, allen ihren befelchhaberen und nach- 
kommen schuldige und geburende gehorsamb. So gelobe ich auch 
der kirchen wolfarenden nutz zu proeffen und getrew zu sein, ihre 

25 alte herkommen an renthen, gülden, zynseu, zehendten, gutteren, 
an weidumbhoffen gehörig zu weisen und darbei helfen zu hand- 
haben, wie van alders dasselb herkommen und recht ist sonder 
alle geferd, argelist und bedroeg; verheischen auch zur zeit des 
h. sends furzubrengen und zu roegen, was widder den glauben 

30 und zehen gebott gottes gethan wird, einem als dem anderen, 
niemand zu lieb noch zu leid und will das nit lassen widder umb 
gelt noch guth, freundschafft noch magschafft, ja noch einiger 
Sachen halber, welches die warheit verhinderen mag, dan wie es 
ehrlich, geburlich, fridlich und recht ist und dabey einen heimb- 

35 liehen rhat meines eidgenossen noch meines kirchhern nit zumei- 
den an keinem ort. Alle diese ding verheische und gelobe ich 
nach krefftigen und festen aids statt zuhalten, nachzukommen und 
zugelieben. So war als mir gott helft und Maria, seine gebene- 
deite mutter, alle gottes heiligen und der h. N., patron dieses 

40 gotteshaus. Amen. 


i3^ 


12. Kirchenweistum von Frauenberg. 

1551 öept. 27, 

Frauenberg, Df. Rheinpr., Kr. Euskirchen. 

Nach A: Orig., Pap. 2°, mit grünem Wachssiegcl (Bild: Maria mit dem Jesus- 
kind. Legende: S. ecclesie in monte Marie), Dorsal vermerk: „Weistumb des 


Nr. 12. Fraiienberg. 27 

kirchspiels Frawenberg im ambt Euskircben 27. sept. 1551", StA. Düsseldorf, 
Jülich-Berg A 1, Nr. 3905. Abschrift des 17. Jahrb., Eedinghovensche Samm- 
lung Bd. XXI, fol. 342, Münchener Hof- und Staatsbibl. Cod. bavar. 2213. 

Ungedruckt. 

B: KW. von 1559 Julii 16: bestätigte Abschr. des 16. Jahrb., StA. Düssel- 
dorf, Jülich-Berg AI, Nr. 3905; Abschr. des 17. Jahrb., Eedinghov. Sammlung 
a. a. 0. fol. 343 f. 

Gedruckt: Grimm II 705 f.; aus letzterem in den „Beiträgen z. Gesch. 
der Stadt Euskirchen" 1900, Nr. 9, S. 76 f. 

Das KW. von 1559 wurde jedoch laut notarieller Urkunde (im zit. Akt 
des StA. Düsseldorf, abschriftlich Redinghov. Sammlung a.a.O. fol. 3461) von 
der Gemeinde Frauenberg selbst 1567 Juli 7 („dies ding seint geschiehen ... zu 
Frauwenberg im garten hinder des pastoirs scheurer") als verunechtet anerkannt, 
da Junker Franz v. Hompesch auf Bollheim es ohne Beisein der ganzen Ge- 
meinde und gegen den Widerspruch mehrerer Nachbarn zu seinen Gunsten 
hatte weisen lassen (vgl. Schluss vom Abs. 2 und 3 des nachf. Textes). Das 
zuvor nur auf Papier geschriebene Weistum von 1551 musste auf Antrag des 
Oberherrn in Pergament ausgefertigt werden. 

Orig. mit braunem Wachssiegel der Kirche an Perg.-Streifen, StA. Düssel- 
dorf zit. Akt; gleichzeitige Abschr. hiervon im PfA. Frauenberg (vgl. Tille I 
212), Abschr. des 17. Jahrb. in der Eedinghov. Sammlung a.a.O. fol. 345 »'—346^. 

Gedruckt: Jak. Katzfey II, 77—79, darnach in den zit. „Beiträgen z. 
Gesch. der Stadt Euskirchen" S. 77 f. 

Erneuerungen des KW. : 1665 Juni 13 (gleichzeitige Abschrift im PfA. 
Frauenberg; vgl. Tille I 212) und 1687 Nov. 25 (zwei gleichz. Abschriften im 
PfA. Frauenberg, vgl. Tille a.a.O.); ferner zwei gleichz. Abschriften im StA. 
Düsseldorf, Kloster Hoven Urk. Nr. 109 und Köln, St. Gereon A 27). 

Wyr schonltis und gesworen, vort kyrcliraeister und ganze 
gemeine uachpurschaft des kjTspels zu Frauwenberg, thun kunt 
hiermit oifentlich, so als wyr van den ehrentvesten fromen 
Junker Werenhir van Palant zu Breidenbent^), herr zu Berge, 
amptmann zu Williemstein und Boisseler^) und Junker Bertramen 5 
van Plettenberg zum Grondte, amptmann zu Bornfeit ^) etc. als 
treuwehelder und furmunder etwan des ehrentvesten, fromen 
Junker Hermans van Hompesch selig seines unmündigen und nach- 
gelaessens sones augesoicht und erforcht sint worden, khund und 
gezeuchnis der waerheit van aller eigenschalffc und alter herge-io 
prachter gerechtigkeit van uns zu geven, so wie die van unseren 
vuralteren vur und noch dur uusere gemeine kyrspels underthaenen 
vurschrieben alle jaer in unserem gemeinen send gewroecht und 
vur eigenthumlige gerechtigkeit gehalten sy worden; und so wyr 
obgenanten zu Frauwenberg sollich der ehrentvesten Junker ge-l5 
langen an uns geschiet, iren libden niet haven äff slaen khonnen, 
setzen und sagen wyr. 

[1] Erstlich waer zu sein, das van alters zu alter durch unsere 
vuralteren und noch ietzo zerzeit alle jaers van uns in dem sende 
ermeltunge geschucht, das wassergank, klockenclang, wege und 20 


^) Breitenbend, ehemal. Schloss, Kr. Jülich. 

^) Wilhelmstein, Schloss und Amt im Hgt. Jülich, jetzt Euine (Kr, Aachen- 
Land). — Boslar, Amt im Hgt. Jülich, jetzt Kr. Jülich. 
') Amt Bornefeld im Hgt. Berg, jetzt Kr. Lennep. 


28 Erzdiözese Köln. Nr, 12 

Stege des kyrspels zu Frauwenberg fry sint aus der erden und 
deine hemel van oben heraffi, in gheiner herren gebot noch ver- 
bot verhafft. 

[2] Darnach wyst man und sagt waer sin, das unsere lieve 
5 frauwe und der ritter sanct Georgiüs gruntherren sint und van 
wegen und an stat irer den durchluchtigen hochgebornen fursten 
den herzogen zu Guyige etc. ein schyrmherren des kyrspels sy, 
alle gewalt aifzuthun und gheine gewalt anzuthun, sy die under- 
thaenen mit schütz und schyrm zu unterhalten, und das umb den 

lOloin, den Maria, die moder des herren, und der ritter s. Georgiüs 

geven moegen und an stat hoichermeltes unserers gnedigen furstens 

und herren wyst man in befolhenera schyrm das huyss Bulbem^) 

ader weme es seine fürstlichen gnaden in seiner stat befeilt»). 

[3] Item was ubeltaeten auch zur gepurlicher straeff erschinen, 

iskent man, das seine fürstlichen gnaden den antast hait, die ubel- 
theter nach gelegenheit der thaet straeffen zu lassen''). 

[4] Item alle heirschaftsguetter liest man in irer macht vur sich. 

[5] Item alle fryguetter liest man auch bi ihrer fryheit. 

[6] Item gesteit und bekent die ganze gemeinde des kyrspels, 

20dat die gheistliche Jurisdiction °) van alders her allezeit in dit 
kyrspel gegangen und gebracht gewest sy ; aver es en ist gheinem 
mynschen wissich noch khundich, dat inche mandaten ader zwank- 
brieff van deme werltlichen hoichengericht zu Bonua in dit vur- 
schrieben kirspel elie kbomen off gebracht worden sint, dan allein 

25 die van Bonna sulchs nu bynnen zwei ader drey jaeren vurgewant 
havent und dat allein durch Wilhem Ehesser^) und seinen son 
Peter. 

Zu^) urkhunde der waerheit so haven wyr schoultiss und ge- 
sworen, vort kyrchmeister und ganze gemeine nachpurschafft des 

30 kyrspels zu Frauwenberge gebetten herren Matthyssen Koerff- 
mecher van Duyren^, unseren pastor zerzeit, dat he unserer 
kirspelskirchen segeil vur uns zu gezeuge herunden uf spacium 
Wille drucken, wilches ich Mathias vurgenant kennen, ghern ge- 
daen hain zu biden und begerten vurschrieben kyrspelsunder- 

35thaenen. Gegeven im jaer 15 hundert und 51 uf sondach den 
27. September. 


a) ader -befeilt — B. 

t>) und das haus Bolheim in statt unsers gnedigen hern wie von alders 
gebräuchlich -|- ß. 

c) und mandate -|- B. 

•3) Eiser: Grimm. 

ß) Der Schlussabsatz in B besagt, dass Franz Hompesch das Weistuni 
(von 1559) habe erkennen lassen; er selbst spricht seine Zustimmung aus, sie- 
gelt und bittet den Pastor Jak. Vyrsent, das Kirchensiegel mitanzuhängen. 


^) Ehemal. Burg BoUheim, Kr. Euskirchen, Allodialbesitzung der Frh. von 
Hompesch (Fabricius, Erläuterungen 301). 
^) Düren. 


Nr. 13. Gilverath. 29 

[Item«') ist durch den erenvesten joncher Franz Hompesch vur 
abscheit geben und dat mit bewillong- der riachberschaft Frauweu- 
hurg, Oir wich trieb und Irissem ^), dat ein nachber den anderen niet 
mit geistlichem rechte für sali nehmen; dan so ieman, der uf 
freien guederen wont, der sali zu Bulhem vor den herren be- 5 
scheiden werden und kan der herre sei niet verglichen, sali er sei 
an dat recht setzen, es sei zu Wich trieb, Elvenich^) oder Frauvven- 
berg nach irer begert.] 

13. Sendordnung und Kirclienweistum von Gilverath. 

1628. 

Gilverath, Df. Eheinpr., Kr. Grevenbroich. 

A: Enthalten in dem „I^iber pro ecclesia Gilverath" etc., geschrieben durch 
Pfarrer Christian Murarius in G. 1628; das Ms. befindet sich im PfA. Ka- 
pellen b. Düsseldorf''). 

Gedruckt: H. H. Giersberg, Gesch. der Pf. des Dek. Grevenbroich 
(Dumont 22), 1883, 45 f.; danach hier wiedergegeben. 

B: In dem vorhin bezeichneten „Liber pro ecclesia Gilverath" befindet sich 
auch ein SW. für diesen Ort, das Pfarrer Murarius in zwei sehr alten Kirchen- 
büchern beschrieben und im Gebrauch gefunden hat. 

Teilweise gedruckt bei Giersberg a.a.O., S. 44f. 

A. 

Modus et forma servandae synodi cum eiusdem lO 

ceremoniis. 

Weil nach altem herkommen" die send bei vielen orteren mit 
sonderlichen ceremonien als nemblich mit einem stuel, mit dem 
buch der evangelien, mit einer rutten, mit einer scheeren, mit 
einer schellen und brennenden kerzen gehalden und besessen 15 
werde, als ist von notten solcher ceremonien Verstands kürzlich 
anzudeuten. 

[1] Erstlich der stuel bedeut die geistliche Jurisdiction, ge- 
rech tigkeit und gewalt, welch ihnen sonderlich von gott gegeben 
und verleihet ist, in geistlichen Sachen zu urth eilen und zu richten. 20 

[2] Zum zweiten wird die send besessen mit dem buch der 
evangelien, ob niemandt unrecht diifamiert, angetragen oder be- 
klagt wehre, dass derselbig sich mit den heiligen expurgieren und 
reinigen solle. 

[3] Zum dritten bedeut die ruth, ob jemandt gesündigt hätte, 25 
buss und poenitenz begerte, so solle ihm dieselbe widerfahren. 

[4J Viertens bedeut die scheer zweyerley gericht^ nemblich 
geistlich und weltlich, und gleich er weis als an der scheeren ein 

a) Das Eingeklammerte steht in B als Anhang am Schlüsse des Weistums. 


^) Oberwichterich und Irresheim bei Franenberg. 
-) Elvenich bei Frauenberg. 

") Das Ms. zu bekommen war mir trotz mehrfacher Bemühungen nicht 
möglich. 


30 Erzdiözese Köln. ■ Nr. 14, 15. 

schnit dem ■ andern zu hülf kombt, als soll auch das weltliche 
recht dem geistlichen zu hülf kommen, die ungehorsamen gehor- 
samb zu machen. 

[5] Vunftens. Die schell wird gebraucht zu dem endt, dass, 
5 wenn einer die straff nit würde aanehmen, sondern in seiner boss- 
heit verharren, soll man selbigen für einen offenen, un bussfertigen 
Sünder ausrufen, halden und in den bandt thuen. 

[6] Sechstens. Durch die brennende kerz wird verstanden, 

welcher also für ein offener sünder erklärt und ausgeruffen 

10 gleichwohl sich nit bessern will, von der christlichen gemeinden 

austhun; gleichwie ein kerz ausblasen, soll er ausgetilgt werden. 

[7] Siebend und letztens. Welcher aber die buss und penitenz 

begehrt anzunehmen, dem solle das osculum pacis gegeben und 

dargereicht werden. 

15 B. 

Inhalt: Oollator der Pfarre G. ist der Prälat zu St. Kornelimünster^), 
Angaben betr. die Kirchen baupf licht, kirchliche Verpflichtungen und Zehnten. 

14. Kircheiiweistiim von Crladbacli. 

16. Jahrh. 

Gladbach, Df. Rheinpr. Kr. Düren. 

Nach Müller, Weistum desSends zu Gladbach (Niederrh. Ann. 19 [1808], 
268) war seinerzeit ein Auszug des SW. in einer vom Gericht zu Gladbach be- 
stätigten Abschr. im Archiv des Bittergutes Gladbach; heute scheint das Stück 
verschollen. Bei Tille-Krudewig II, 352 ist das Kopiar, welches die Vor- 
lage enthalten müsste, unter den Archivalien für Lander sdorf aufgeführt, 
befand sich aber nur vorübergehend dort und soll dem Archivbestand der Frau 
Gräfin Spee-Maubach zu Düsseldorf angehören; doch Hess auch hier sich nichts 
ausfindig machen-). 

Gedruckt (Bruchstück) : Müller a. a. O. 

15. Send- und Kirchenweistum von Gustorf. 

1643. 

Gustorf, Df. Rheinpr., Kr. Grevenbroich. 

Abschr. in dem Kirchenbuch der Pfarrei, gefertigt durch Pfarrer P. Gross 
zu Gustorf 1643. 

Gedruckt: H. H. Giersberg, Dek. Grevenbroich (Dumont 22), 1883, 
S, 152 — 154; danach hier wiedergegeben. 

Dominica Judica celebratur synodus in Gustorf. 
Art. 1. Solle auf sontag Judica aus jedem haus das haupt 
20 erscheinen, umb anzuhören ire und der kirchen gerechtigkeit und 
was sendstralbar, helfen strafen. Und welche ohne füglichen Ur- 
sachen nit erscheinen, sollen irremissibiliter der kirchen ein pfund 
wachs brüchig sein. Darumb der offermann die nahmen ordentlich 
auflesen solle. 


1) Ehemal. Benediktinerreichsabtei Kornelimünster, Kr. Aachen-Land; vgl. 
C. Sc hörn, Eiflia illustr. I 373 ff . 

-) Die letzteren Notizen verdanke ich dem StA. Düsseldorf. 


Nr. 15. Gustorf. 31 

Art. 2. Diese kirch ist eine uralte mutterkirch; die capellen, 
darunter gehörig, seiut: Gartzweiler und Elffgeu^). 

Art. 3. OoUator ist der erzbischof zu Collen; modo habent 
praesentationem patres societatis Jesu in Collen. 

Art. 4. Solle collator dem pastoren einen vicarium halten, 5 
welcher zwey missen in der woche thuen solle, nemlich donners- 
tags und samstags, auch solle der vicarius alle fest- und sonntag 
dem offermann den chorgesang helfen halten und in absentia pastoris 
die kranken visitiren und predig versehen. Davon hat vicarius 60 
morgen lands vel circiter. 10 

Art. 5. Was die sontagsfromissen zu halten anlangt, haben 
die nachbaren zu dem ein altarhaus aus der kirchen reuten er- 
bawet. 

Art. 6. Sol der pastor oder vicarius zu Elffgen auf palm- 
sonntag und charfreitag die passion singen und zu ostern, pfings-15 
tag, himmelfahrt Maria, nativitatis Christi in der metten singen 
helfen, fromiss und predig halten wie auch des dinstags nachher 
pfingsten fromess thuen und die procession helfen halten, auf eine 
poen eines malter weitzen nit auszubleiben. 

Art. 7. Solle persona personatus^) den chor, gehrkammer^), 20 
finsteren neu bauen und in guter reparation halten, item den hohen 
altar in zierrath halten mit antependiis, mappis, kelchen, casulen 
cum reliquis requisitis, item die ampel tag und nacht vor dem 
tabernakel bronneud unterhalten. 

Art. 8. Vicarius altaris s.- Nicolai soll die zierrath seines 25 
altars bestellen. Was sonsten zu den anderen altaren von zey- 
ratli notig, sollen die nachbaren zu Elfgen, Reisdorf, Belmen*) so 
woU beytrag thuen als die nachbaren zu Gostorf und ganzes 
kirspels. Also soll es auch gehalten werden mit vergiessung einer 
newen glocke. 30 

Art. 9. Sollen die hofleuth, als seint edelleuth des kirspels 
zu Gustorf und halfleuth, persona personatus und der vicarius 
s. Nicolai, die kirch, den thurm, das schiff new aufbawen und 
wenn die kirch durch den wind beschädiget, zu welchem bau die 
von Elffgen, Belmen, Ristorff, Laach^) und bej^de Gustorffer dörferss 
gehörig. 

Art. 10. Solle die sendbrüchten und straffen gotteslästerung, 
fluchen, schwären bey gott, gottes heiligen und sacramenten, item 
aberglaub, warsacher, zeichen deuter, item brechung son- und flr- 
tag ohne Specialerlaubnis herrn pastoris, item unkeuschheit und 40 


M Garzwciler und Elfgen, Kr. Grevenbroich. 

-) Der Personat (Ehrenprälatur zu Gustorf) wurde 1599 dem Jesuitenkolleg 
in Köln einverleibt (Giersberg S. 150). 
'') Sakristei. 

■*) Reisdorf, Belmen bei Elfgen, Kr. Grevenbroich. 
•'■') Laacb bei Fürth, Kr. Grevenbroich. 


32 Erzdiözese Köln. • Nr. 16. 

Unzucht, über welchen allen stücken die zur zeit sendscheifen gute 
aufsieht haben sollen. 

Art. 11. Werden auf sendtag newe kirchmeister erwehlet; 
jeder kirchmeister soll für seinen lohn haben ein halb malder 
5 roggen. 

Art. 12. Solle der offermann die scholl aufhalten und wenn 
er dazu qualificiert, keine andere scholl gelitten werden; sollen 
auch die eiteren das gebürliche schollgeld nicht aufhalten. 

Art. 13. Der landcommendeur der ballei Coblentz gibt das 
10 glassfinster negst dem thurm und herrn pastoren alle jähr drey 
rader gülden iure venationis. 

Art. 14. Solle persona personatus den nachbaren halten ochsen, 
pferd und widder auf dem zehnthoffe. 

Art. 15. Gustorferhoff gibt einen falderpost^) an Braunsendt, 
15 Schaffenberger hoff einen post an das Sandtfalder, der oberst hoff 
einen post an Thomasendt, Blittersdorfer hoff einen post am 
Geissenendt, Junker Schilling einen falderpost an die holzgass; 
Gustorfferhoff und Blittersdorffer hoff sollen allein die drifften mit 
den schaffen halten; dessen sollen beyde hoff zu den ewigen zeiten 
20 ochs und byer den beiden dorfferen zu halten schuldig sein. 

Art. 16. Solle der müUer mitwochs und sambstags das ge- 
raahlte ein- und an selben tag auch aus der müUen fahren. 

Art. 17. Sollen die gemeinen Strassen reparirt werden. 

Art. 18. Solle herr pastor den nachbaren eine leimkuhP) 
25 halten. 

16. Sendordnung und Kirchenweistum von Gymnich. 

Bald nach 1567. 

Gymnich, DL Rheinpr., Kr. Euskirchen. 

Abschr., 18. Jahrh., 8 Pap.-Bl. 2", PfA. Gymnich •''. — Das Ganze ist nur 
eine Privataufzeichnung des Küsters Adolf Et tm an n (vgl. Abs. 25), stützt sich 
aber auf Sendweistüraer. Wegen der Datierung vgl. Abs. 18 und 25. 

Ungedruckt. 

Gymnicher kirchenordnung von Altz*). 
Alle jähr am sontag Laetare hält man zu Gymnich den send, 
wie man solches nennet, und alsdann wird nach aldem gebrauch 
gewroget und gewieset wie folgt: 
30 [1] Zum ersten thut der pastor nach gehaltener mess eine 
gemeine vermahnunge zu rechter christlicher, brüderlicher einig- 
keit und liebe und fried zu halten und bringt aus der heiligen 
Schrift hervor, was uff die zeit vor straffbahr vorzubringen in der 


') Abgabe für Falltor (Zauntor, das von selbst zufällt). 
^) Lehmgrube. 

') Hier nach der Abschr. im Weistümerapparat der Ges. f. Rhein. Geschichts- 
kunde wiedergegeben. 

*) Eltz bei Münsterraaifeld? 


Nr. 16. : C^ymnich. 33 

kirchen, wasalda anziinelimen, nemblich diejenige, so offenbahr und 
Ayahr ..sien; das soll niemand verschwiegen, sonder öffentlich an 
tag bringen und von sich thuen.. 

., [2] Hier;auf tretten die nachbar hinder sich, befragen sich und 
beraden . sich mit erkundigunge, waS; straff bahr ist und bringen 5 
die wroogen und wiessdomb vor nach der kirchen alt gebrauch, 
welches geschieht durch der nachbahr feldschützen: oder sünst ge- 
nant und bringen hervor, was: domahls durch die gemein vor 
wEOOger erkant. 

[3] Zum ersten wiessen und wroogen die gemein nachbahr lO 
binnen Gymnich dem pastoroder dem officianten, welcher in der 
kirchen in des pastors statt ist, dass er der kirchen oder ge- 
meinden mit gottes wort, lehr uod that also vorsteh und gahe, 
wie. vor gott recht ist und dass der pastor oder welcher in siener 
statt den kirchendienst vertritt jede woche durchs ganze jähr zu 15 
thuen schuldig auf den hohen [altarj vier missen. 

Item auf unser lieben frauen altar soll man jede woch halten 
vier missen, der alle saterstag eine gesungen soll werden. 

Item der altar der heiligen dreifaltigkeit, welcher gehört zu 
der ; herrschaften des hauses G-ymnich-^) begrabnus, müssen sei zu- 20 
gestehen jede woch drey missen. 

Wiesdom der missen zu der vicarien dienst. 

[4] Item der missen, so der strenger herr Johann von Gymnich, 
ritter, sambt junfer Ann Merungen. sei. gedächtnus fundiret, der 
seind sechszehen, so al wege jede woch gehalten werden sollen, als 25 
auf herrn Johans Görgen fünf, item auf st. Annen altar vier, 
item auf des heiligen creuz altar drey, item auf dem altar der 
heiligen dreifaltigkeit vier; auch ist verordnet, was für missen 
auf jeden tag auf jedem altar geschehen und gehalten werden 
sollen. Item wan sach wäre, dass der priester einiger nicht ge-30 
schickt wäre miss zu halten oder sunst jemand anders zu dienst 
wäre, so soll derselb oder dieselbigen priesteren, die verordnete 
missen thuen und geschehen wissen auf seine , selbst belohnunge, 
damit deren missen keinen abbrach, sondern wie verordiniert und 
fundiert ohnabbrüchlich gehalten soll werden. Item es soll auch 35 
einem jeden priester, so die dienst begehren zu thun, wan sei 
angenommen werden, befohlen und eingebenden werden, dass sei 
sollen dem pastor in allen diensten der kirchen gehorsam leisten 
zu gebührlicher zeit und sollen helfen singen und verrichten all- 
wege und jeder zeit missen, meth, vesper, salve regina und te- 40 
nebrae^). Sind dieselbige vicarien auch verobligiert und verbunden 
alle sontags, festags und heiligstags keine missen vor der sermonen 


^) „Die Herrlichkeit Gymnich umfasste das halbe Dorf dieses Namens 
nebst der Burg und gehörte dem davon genannten freiherrlichen Geschlecht" 
(Fabricius, Erläuterungen 96). 

-) Freitagsgebet. 

Kocniger, Sendqucllen. 3 


34 Erzdiözese Köln. , Nr. 16. 

ZU thuen dan allein, wan der pastor die sermon oder predig aus 
hat und das gemein gebeth vor sich nimbt, auf der cantzell zu 
verrichten; dan pflagen die vicarien erst an die altär zu gaen 
und verrichten ihren angenomnen gottesdienst und das in geheim 
5 Und stille, damt kein confuse gemerkt, gehört noch vernommen 
gewirt, und insonderheit war also ordiniert^ dass eine glichheit 
gehalten wart; also wan nu das hoch würdig und heilig sacrament 
der wahrer leib Christ Jesu, des hochgelobten söhn gottes, gezeigt 
oder aufgehoben wart am hohen altar auf dem chor, alsdan ge- 

loscheh auch solchs also an allen altären, dar man miss hielt, also 
dass einhelligkeit, damit gar keine eilunge noch Schnelligkeit im 
dienst gottes vorgenommen würde, dan die heylige schrift sagt: 
„wan du vor gott etwas reden wilt, so lass dien herz nicht eilen 
noch dien mund schnell zu reden, sondern es gieng fien ehrlich, 

15 züchtig, langsam, forchtsam und zweraus in aller dem uth und oidt- 
müthig zu" ^). Dieses vorgenant hab ich durch langwierigen ge- 
brauch gesehen, also geschehen sind, do es besser in der weit stund 
dan jetzunder; Gott, durch Christum bessere uns alle. Amen. 
[5] So viel belangen den dienst unser lieben frauen altar, den 

20 hat der herr zu Gymnich zu vergeben und welcher priester den- 
selbigen dienst thut, derselbiger ist verbunden, wan der pastor 
oder offlciant krank oder nicht einheimisch ist, allen dienst in der 
kirchen zu verrichten, es seie mit den heiligen sacramenten kranken 
oder gesunde zu berichten, kiuder zu taufen, missen, metten, vesper, 

25 salve und tenebrae zu singen, in der kirchen helfen beicht zu 
hören, die tauf zu benediciren, die heiligen sacramenten zu reichen 
und sunst alles, was dem pastor zustait in und aus der kirchen 
zu thuen, dar ist der bruderherr verbunden in der noth bei tag und 
nacht zu verrichten. 

30 [6] Dass aber der herr zu Gymnich der aide Junker Adolf 
löblicher gedächtnus bei lebzeiten churfurstlicher gnaden bischof 
Hermannen hochlöblicher gedächtnus die missen, deren auf dem 
altar de domina vier waren und die der strenge herr Johan von 
Gymnich, ritter und junfer Ann Merungen fundirt, der waren 

35 sechszehen, geurthelt hat, also dass auf dem altar de domina zwo 
und dass auf den altären, da sechszehen geschehen sollen, wie 
vorgemelt, acht blieben, so verblieben der missen noch zehen, die- 
weil die priester kien underhalten. Dieweil nu unser voreitern 
vor sich und ihre nachkommenden den eid gethan und auf sich 

40 genommen, dass solchs wie fundirt unverändert gehalten solte 
blieben und solchs alle jähr auf den tag, da der send gehalten 
wird, öffentlich vor der gemeinden austrucklich verlesen wird, 
bitten die nachbahr, dass man hie ihnen thue in allem, was recht 
ist, damit man solchs vor gott allmächtig, dem nichts verborgen 

45 ist, wie recht bestehen möge und ihre seelen sambt deren nach- 

1) Eccli. 28, 29 f. 


Nr. 16. Gyranich. 35 

kommen nicht unwissend mit frömbden Sünden beschwerth und 
beladen werden, berufen sich auch die fundationen einmal anzu- 
hören vor der gemein, damit der geleiste eid, so vor gott geschehen, 
nicht über sei alle komme, bitten auch der fundation und aller brief 
und Siegel, die kirchengüther belangent, damit der kirchen nichts 5 
verrückt werde, auch den priestern, so den dienst begehren, die 
articul vorzulesen, damit sei wissen, was sei zu thuen schuldig 
sient, wie allwege begehrt worden und folgt ferners. 

[7] Item die lamp auf dem hohen chor vor dem heiligen sacra- 
ment wiesen und wrogen die gemein alle tag und nacht brennend 10 
zu halten mit feuer und olich und solchs ist der pastor zu thuen 
schuldig und soll davon heben, was ihm von alders gebührt. Item 
die lamp vor unser lieben frauen altar soll auch alle wege tag 
und nacht brennend gehalten werden und solchs sollen die bruder- 
meister stellen und berechnen. Item die lamp vor des heiligen 15 
creuzaltar soll allwege die ganze Dacht brennen, welches unsers 
ehrwürdigen herrn abts keiner zu Siegberg ^) verrichten soll und 
davon heben und bühren wie von alders gewöhnlich. Item die 
lamp und kerz auf herrn Johans von Gymnich, ritter, grab soll 
durch die kirchmeister bestelt werden, dass solchs belücht werde, 20 
so viel darzu verordnet, nemblich zur lampen zween goldgülden 
und zur kerzen einen goldgülden, den goldgülden ad 26 raderalbus. 
Item aus den 72 goldgülden, jeder 26 raderalbus, so kirch- und 
brudermeister zu Cöln in der renthkammer hohlen, darus soll alle 
jähr kommen in die kirch zum gelücht auf die altär zu den missen 25 
und solchs wird den priesteren abgezogen und nicht an den acht 
goldgülden, so kommen ufs gelücht aufs grab 4 jahrgezeit, und den 
goldgülden, so der oiferman, kirch- und brudermeister theilen. 

[8] Item wrogen die nachbahr: die osterkerz soll wiegen von 
alders 18 punt sambt vier kerzen umb das grab. Item das ge-30 
lücht auf die altär, item die zween kerzen am mittelsten altar, 
item st. Urbanskerz auf der cron, item die bruderkerzen, deren 
sollen sien zwölf, diese kerzen alle sollen zu ihrer zeit verneuet werden, 
darzu man alles einnehmen soll, was darzu gehört, als nemblich 
zu den zween kerzen zu dem mittelsten altar; darzu gibt der 35 
ehrwürdiger herr abt zu Sygberg auf dem möllenwege mit dem 
Kempgen, dan vort das ander aus der kirchen und die bruderkerzen 
aus der i3ruderschaft genommen und berechnet. 

[9] Item altardwelen, handtwelen, alften, bildergezüch, was 
kirch- und brudermeister jederen zusteit, soll jeder rein halten mit 40 
Wäschen und bleichen nicht ein oder zweimahl im jähr, sondern 
so dick solchs nöthig, damit man solchs rein haben kan und rein 
brachen möge zum dienst gottes in der kirchen. 

[10] Item der kirchen- und bruderschaften renthen an frucht. 


^) Benediktinerabtei Siegburg a. d. Sieg. 

3* 


36 Erzdiözese Köln. . Nr. 16. 

wachs und gelä sambt den benden^elde ^) sollen durch kirch- und 
brudermeister jedes jähr gebührlicher zeit eingefordert aufgehaben, 
damit dass nichts davon verleusslich werde und so jemand dar- 
gegen sich sperren würde, denselben mit rath der nachbähr vor- 
5 nehmen, nach gelegenheit der Sachen und von ■ allem einkommen 
und ausgeben gebührliche und schriftliche rechenschaft jedes jähr 
auf darzu bestirnten tag zu thuen schuldig und' verbunden sein 
und das wie recht. ' 

[11] Item der kirchenkleinodien und alleSj was darzu gehört, 

10 sollen mit allen fliess bewahrt werden, damit dass nichts davon 
veruntrauet und in veiieuss komme^ und wäre ganz rathsam, die- 
selben binnen etliche jähren zu besichtigen, damit dass nicht mit 
anderen dingen geschehe, wie der kirchenvogeP) zum schützeur 
gebrauch aus gutem bewahr stilschwiegens hinweggeflogen. Item 

15 die ornamenta der kircUen als becher, chorkappen, beste rock, vor- 
häng der altär, fahnen und was sunst ist etc., soll durch den 
olferman odir küster jährlichs zu gebührlicher zeit ein oder zwei- 
mahl als im mertz und herbst, ausgehangen und ausgesonnet 
werden, damit motten und ander unziffer odir geworens solchs 

20 nicht Verderb und wan besserung derwegen nötig, soll durch die 
kirchmeister zugeschoben bestalt werden und was solchs kostet, 
in gebürliche rechnung bringen. 

[12] Item inglichen soll es auch gehalten werden mit bauen 
und besseren an der kirchen und sonderlich das uhrwerk im gange 

25 zu halten, dan man redt durch ein sprüchworth: „an, dem orth, 
da kein stund niclit ist, daselbst kein gut i-egiment nicht ist". 

[13] Item wan ein donnerwetter vorkombt, soll der küster 
das wetter anzeichen wie man solches alhie nennet, das ist, er 
soll das klein klöckelgen antrecken ^) alsdan behürth die grosse 

soklock des herrn abtshoif zutrecken, item die missklock den nach- 
bahrbotten oder feldschützen zu leutheu, das gemein volk damit 
zuerinnern, unseru lieben herrn gott mit demüthige gebeth an- 
zuruifen, dass gott durch Jesum Christum sienen eingebohrn söhn, 
an welchem er Wohlgefallen hat, nicht will ansehen unsere be- 

35gangene Sünden, sondern durch den gehorsam Christi und sien 
verdienst und will uns die liebe frucht doch beschirmen vor allem 
ungewitter, auf dass wir derselbigen mögen gemessen und ge- 
brauchen zu seiner göttlicher ehren, zu unsers nächsten nutz und 
zu unser teil durch Jesum Christum unsern herrn. Amen. 

40 [14] Die gemein bittfahrten als hagelfier und gottstracht *), 
darinnen man gott bittet durch Jesum Christum, unsern erlöser, 


') biunde, eingehegtes Grundstück, lierrschaftlicher Bifang, im Gesaratdieust 
der fronepflichtigen Bauern bestellt; seit dem 12. Jahrh. gegen Gesamtzins an 
die Plofgenossenschaft verpachtet (R. Schröder, Rechtsgeschichte 1907'"', 438). 

-) Wohl die Figur des hl. Geistes, zum Gebrauch in der Pfingstzeit. 

^) anläuten. 

*) Prozession. 


Nr. 16. Gymnich. 37 

umb gnade, dass gott uns gebe ein gut fruclitbahr wetter und ge- 
deihen aller fruchten, acker, körn und wieu und dass wir solches 
maessig gebrauchen mit danksagung zu gott. Amen. 

[15] Item es ist auch binnen Gymnich ein alter gebrauch 
gewest nemblich also: wan die hohe gottstracht gehalten ward 5 
wie gebreuchlich^ darnach den nechsten frietag und alle frietag, 
biss dass man den ersten wagen weizen einführt, daii hört man 
damit auf, dan müssen die feldschützen mit dem crucifix morgens 
gaben den ganzen weg, so man mit der procession zur gottstracht 
gegangen hatte und thäten ihr gebet und gesang, wie in proces-io 
sion gewonheit ist. 

[16] So viel den bau der kirchen belangt, wroogen und wissen 
die nachbahr, dass der pastor soll im gewöhnlichem nothbau (soll) 
halten den chor. Item unserm ehrwürdigen herrn abt und herr 
zu Syegberch soll im nothbau halten den bettgen^). Item die 15 
kirch- oder geraein nachbahren sollen im bau halten den thorn 
mit sienen klockengestelle sambt den klocken, uhrwerk und ab- 
behenger unden in der kirchen, den predgerstuhl, bänk und stühl, 
den chor inwendig mit allen zierungen, imgleichen die geerkammer^) 
mit dachwerk als decken, auch auswendig und inwendig mit 20 
kisten, schlosseren und anderer nothwendigen Ordnungen versehen, 
ehrlich und stark halten, damit alle ornamenta, kelchen, monstranzen, 
kircheuzierath und sonderlich die bücher, so durch den edelen und 
ehrenvesten Junker Werner, herr zu Gymnich, gütlicher fürstlicher 
gnaden geheimer rath und landtdroist des fürstenthumbs Gülich, 25 
selig und löblich gedächtnus, unser kirchen zu Gymnich gegeben 
und zugestalt, nemblich dieser Ursachen, ob sach were, dass ein 
nicht habender pastor zu Gymnich käme, der kein geld oder an- 
läge noch auch keine bücher hätte odir sonst ein ander priester, 
der oft lieber studiert dan er hagt, jagt, das brettspiel, karthen,30 
Würfel odir andere unnütze dingen vor die band nehme etc., doch 
eine zuüucht in der kirchen vor der band hätte, damit er das- 
jenige, so gott befohlen hat zu lehren, in der nähe weiss zu be- 
kommen, nemblich dies: „Und Jesus trat zu ihnen, redet mit ihnen 
und sprach: mir ist gegeben alle gewalt im himmel und erden; 35 
darumb gehet hin und lehret alle Völker und taufet sie im nahmen 
des vatters und des sohns und des heiligen geists und lehret sei 
halten alles, was ich euch befohlen hab, und sehe, ich bin bei 
euch alle tag biss an der weit ende"^). Hierzu die katholische 
kirch gute mittel gebend, die siend schuldig zu halten alle leuth.40 

[17] Item es hat auch der edel und ehrenvest Werner, herr zu 
Gymnich und landtdrost etc., (befohlen), die geschenke und der kirChen 
verordnete bücher in eine richtige und gute Ordnung zubringen 


') Kirchenbaiich, corpus. 

-) Sakristei. 

•') Matth, 28, 18—20. 


38 Erzdiözese Köln. - Nr. 16. 

und zustellen nemblich in ketten und gut bewahr, aber jezunder 

■ siend deren etliche kommen zu Collen dar; es wäre fien und auch 

gerecht, wan einer etwas lehnet, dass er solches wieder zur rechter 

hand stellet; es selten billig alle pastör ihre bücher der kirchen 

5 besetzen, dan aus der kirchen guth sient sei bezahlt. 

Folgt ferner der kirchen wiesdom. 

[18] Nach diesem wird vorbracht, was dem pastor nach al- 
dem gebrauch der kirchen zusteit, als ehebrüch, oberspill oder was 
sonst ausser der ehe und blutschanden und andere geistliche 

10 Sachen und Übertrettungen begangen ist; item wer sich nich 
catholischer wiese hält; item ausw^endigen, so sich binnen Gymnich 
einthuen zu hauss : und hoff sich setzen und der ganzen gemeinden 
in aller gerechtigkeit den Vorgang einnehmen und haben willen und 
das meiste worth vorwerfen (dieselbige pflegt man vorher „lüxy 

islinck" zu heissen^), das ist gute frucht zu verderben mit krauden, 
grassen, plücken und was mehr darinnen mit trifft; zu dem bringen 
sei keinen schien noch bewiess, wie sie von ihrer obrigkeit, dar- 
unter sei vorhin gesessen, und ihrer nachbarschaft sich under- 
halten und in ehrlichkeit abgescheiden siend etc.; dieses und der- 

20 gleichen wird nicht vorbracht, wie wohl gar nöthig und nütz, 
umb solchs also an die obrigkeit zu gelangen, damit das unkraut 
ussgegettet und der gute weizen nicht alles verderbe; was solchs 
Gynmich im ambt Lechenig^) unratz beibracht, hat man mit der 
that erfonden, dar am 13. aprilis den zweiten sondag nach pasch- 

25dag^), under der missen das dorf in den brand gestochen wart und 
lag in zweien stunden und doch ehe gar im gründe zu aschen und 
hätte gott allmächtig durch siene unerm essliche gnade sambt 
vieller guter näich nicht fleissige steur und hülf sambt etlichen 
frauen und mägden, so treulich wasser aufgetragen, hätte das 

30 ganze haus zu pulver verbrennen müssen; ich habs gesehen und 
bin darbei gewest die ganze zeit an und aus; gott durch Jesum 
Christ seie hochgelobt, der das feur auslöscht. 

[19] Was aber sunst ferner dem pastor angeit und ihm zu 
strafen vorsteit, weiss er sich der gebühr zu halten, doch zu be- 

35 denken die heilige schrift, die also lauthet: „Wehe euch, die ihr, 
esset die sünde meines volks"*) etc.; wäre darumb besser andere 
gebührliche mittel vorzunehmen als offenbarlich, öffentlich») odir 
solche brücht dem armen vergönnte; dan der vorgenant punct ist 


a) Hier scheint zu fehlen „busse". 


*) Vielleicht soviel wie „falsche Luchse"; bei Fr. Kluge, Kotwelsch 1901 
nicht verzeichnet. 

'^) Lechenich, St. im Kr. Bergheim, südlich von Gymnich. 

'') In jenem Jahre fiel also Ostern auf 30. März; das war der Fall 1567, 
1578, 1589; nur diese Jahre können in Betracht kommen (vgl. Abs. 25). 

*) Os. 4, 8. 


Nr. 16. Gymnich. 39 

kurz, aber er hat einen grossen weiten räum und platz sich wohl 
zu bedenken; so ist. geiz ein wurzel aller Untugend: „wer ohn 
sunde ist, werf den ersten stein auf sei" ^). 

[20] Item diesemnach werden nu kirch- und brudermeister ab- 
und angesetzt und geloben dem pastor der kirchengüther und ein- 5 
kunf treulich auf zu büren und in der kirchen nutz, gelübt und 
ban anzulegen, damit der kirchen guth und renth nicht in verleuss 
kommen noch unnützlich angelegt werde, sondern von allem ge- 
bürliche rechnung und bewies der gemeinden vorstellen und thuen 
sollen und dies geschieht mit handgebener treue. 10 

[21] Hie wäre wohl nötig, noch viel zu melden von kirchen- 
gütheren als land und bendt^), so pachtsgewies und nicht erblich 
ausgethan, derwegen etliche nachbahr des rechten gepflogen und 
haubturthel darüber ergangen sien und noch vorhanden, wo nicht 
kriegshalben verrückt und in verleuss gerathen. 15 

[22] Wan man der kirchen brieif lesen würde, so würde man 
vernehmen und hören, das lange verschwiegen ist und alsdan an 
den tag kommen, wie mir wohl vor vielle jähren gesagt ist, ziehe 
und berufe mich auf der kirchen schienne und bewiess; was 
darinnen nicht funden wird, kan man keinem nicht heissen, dan20 
was in gebührlichem wohl hergebrachten langwierigen, heben und 
büren bis daher gegeben und bezahlt ist. 

[23] Wan dies alles ausgericht, alsdan mag die gemein nach- 
bahrschaft heim gaben und wer ungehorsam halben nicht erscheint 
oder bei dieser gemeinen handelung nicht sien will, derselb ist der 25 
kirchen zu geben schuldig ein pund wachs; wer aber im frevel 
ausbleibt und nicht erschienen will, steit ferner nach gestalt der 
Sachen zu strafen. 

[24] Nach allem gebührt dem pastor oder wer in seiner statt 
kirchendiener ist, den nachbahren als honn^), vogt, kirch- und 30 
brudermeistern, den nachbahrbotten odir feldschützen sambt den 
kirchendienern, so dem pastor mit gehorsamkeit des kirchen- 
dienst underworfen sien, als priestern und offerman eine mahlzeit 
zu thuen mit kost, hier und wien und dieses wird gemeinlich ge- 
nant das „bolligs essen" oder pastor hat den nachbahren den 35 
„bollich" zu essen geben; und was dem pastor jedes jähr auf den 
sennd vorfällt zu strafen, solchs gebührt ihm wider darfür einzu- 
nehmen, welchs er vor kost und trank zum besten hat. 

[25] Ferner ist nöthig alhie zu melden von der kirchenrech- 
nung, wie man die zu halten pflegt und wäre noch also zur ehren 40 
gottes hochnöthig, darumb dan etliche gute Christenmenschen ge- 
betten wider ins werk zu bringen, so muss ich Adolph Etmann, 
küster, bekennen, dass ich anno domini 1538 nativitatis Mariae 


') Joh. 8, 7. 

*) bende, biunde; s. oben Abs. 10. 

'') Hunne, Bürgermeister. 


40 Erzdiözese Köln. - Nr. 17 

herkommen bin^); do Dahm der herr zu Gymnicli und pastor, höon, 
vogt, kirch- und brudermeistern, darzu etliche von den ältesten 
nachbalirn mich an, den dienst des olfermans zu bedienen und ein 
jähr zu versuchen, wie ich weniger dacht und also endlich mich 
5 verworfen etc., so will ich doch recht aussagen,' wie die kirchen- 
rechnung geschehe: Adolph, herr zu Gymnich, und die ehr- und 
tugendsahme Maria von Hochstetten, siene geliebte hausfrau, 
sambt dem ehren wohlachtbaren Peter von Esch, schultes zu 
Lechenig, wegen churfurstlichen gnaden unsers gnädigsten herrn 

10 in statt der oberster nachbahren; dan thäten kirch und bruder- 
meister ihre rechnung zuvor von wegen der 72 goldgülden, so der 
strenge, edeler und ehrenvester herr Johan von Gymnich, ritter, 
und junfer Ann Merong löblicher und seliger gedächtnus, wie 
dan die fundation nach sich auswiest, daran man sich beziehet 

15 auf dieser fundationen einhält, dass deme also geschehe. 

17. Sendordnung von Haaren. 

1602. 

Haaren, Df. Rheinpr., Kr. Aachen-Land. 

Abschr. von 1781 im Liber sinodalis ex anno 1662, Pap. 2", fol. 1 — 13, PfA. 
Haaren („Extract und copey" des alten sendbuchs der gemeinden zu Haaren, zu 
Würselen erfindlich"), gefertigt durch Stadtsekretär Mathias Peil von Aachen 
(zit: Tille-Krudewig IT 309)-). 

Ungedruckt. — Benutzt in dem Artikel ,,Die Sendgerichte im Aachener 
Reich" (Würselen, Haaren, Laurensberg), in der Zeitschrift: „Aus Aachens Vor- 
zeit« Mitt. des Ver. für Kunde der Aachener Vorzeit 6 (1893) 126 ff. ; 7 (1894) 1—8. 

Articulen von recht und gerechtigkeit der kirchen und 

gemeinden zu Haaren. 

1. Was in diesen articulen verfasset, das ist die recht und 
gerechtigkeit, alter brauch und herkomen der kirchen zu Haaren 

20 und sollen zu wollstand der gemeinden von jedermann fleissig ge- 
halten werden. 

2. Wie die heilige send alle Jahr bey zeitten verkündiget 
werden soll. — Damit ein jedweder aus der nachbarschafft zu 
Haaren und derselben untergehörigen zeit gnug hab sich zu be^ 

25 denken und was in der gemeinden frohbar oder straff bar ist, füg- 
lich und ordentlich angeben und zudragen (kann), so soll der 
gemeine sendtag, so von alters her den ersten donnerstag für halb- 
vasten zu Haaren gehalten worden, zum wenigsten einen sonntag 
oder zween nacheinander folgend für dem sonntag Laetare nach 

30 der predig ab der canzel vom priester zu Haaren verkündigt und 
jedermann kund gethan werden. 

^) Hieraus sowie aus Abs. 18 ergibt sich für Niederschrift des Stückes die 
Zeit bald nach 1567. 

2) Im PfA. Haaren liegen Sendprotokolle vor für 1600, 1662 ff. (von 1671 
an der Ausdruck: „Generalsendtag") bis 1738 mit wenigen Unterbrechungen, 
und 1755—1794. 


Nr. 17. Haaren. 41 

3. Wer auf der send erscheinen soll und von straff der aus- 
bliebenden. — Es fronen pastor, sclieffen und gemeine nachbar für 
ein alt herkomen, dass auf obengenanten ersten sontag aus jeg- 
lichem haus ein mansperson in der kirchen erscheinen soll, umb 
anzuhören und helfen zu verordnen, was zu nutz der kirchen und 5 
gemeinden gehörig und von nöthen ist, zu welchem eud an gemeltem 
tag die klock zu dreymahlen angezogen und geläut, wird; w^er nun 
von den einländischen ohn ehrhafte rechtmeissige ursach, welche 
bey zeitten bey pastor oder scheffen angeben werden muesen, aus- 
pliben wird, der soll ein klein fö wachs zu Unterhaltung der kirchen 10 
den kirchmeistern zu entrichten zur straff verfallen sein, 

4. 7on erwehlung und ansetzung der scheeö'en. — Es wird 
gefront für ein alt herkomen, dass in dieser gemeinde aus den 
vier scheeffen des sendgerichts alle jähre einer, der nemblich vier 
jähr ausgedient hat, abgehet und ein ander an sein statt gesetzt 15 
und verordnet wird. 

5. Ehe der new scheffen erwehlt, dankt der alte der gemeinden 
ab, das ist, begert numehr seines ambts erlassen zu sein und einen 
anderen an sein statt zu setzen, welcher, wie er hoffte getan zu 
haben, dem sendgericht, kirchen und gemeinden trewlich vorstehe, 20 
ihre recht und gerechtigkeit bey seiner trew, pflicht und ehren 
möglichs vliess handhabe und erhalte, alles was der gemeinden 
schedtlich, der hl. kirchen zuwider und den nachbaren ärgerlich 
ist, straffen und besseren helfe, wie dan der scheeffenaid mit sich 
bringt und ausweist. 25 

6. Der abgehend scheffen hat in erwehlung eines newen die 
erste stim; können auch woll zween oder drey personen vorge- 
schlagen werden, daraussen dan vom herren und scheeffen einer 
angenehmen wird, welcher zu diessem ampt der bequemliste geacht 
wird. 30 

7. Wie das sendgericht zu Haaren soll gehalten und besessen 
werden. — Es wird gefront für ein alt herkomen, dass der herr 
pastor zu Würselen mit vier scheefen die h. send zu Haaren an 
gemeinem sendtag under der cronen in der kirchen halten und be- 
sitzen soll; umb einen jedwiederen, der alda erscheinen und dass 35 
begeren wird, rechten zu sprechen und sonsten zu fronen und zu 
straffen, was wrochtbarund straffbar von einem an jemand erfunden 
worden. 

8. Ausserhalb des gemeinen sendtags mag dass sendgericht 
gehalten und befohlen werden, wo es dem herren und scheeffen 40 
am bequemsten zu sein erachtet wird und so offt parteyeu seint, 
welche die bank gespanen und ihnen rechteu gewissen zu werden 
begeren wurden. 

9. Es wird gefront für ein alt herkomen, dass der pastor zu 
Würselen an gemeynen sendtagen den scheffen, darzu man die 45 
kirchmeister aus gunst und ehren beyzunehmen pflegt, die kosten 
zu thun schuldig ist ; am zweyten sendtag aber, welcher den zweiten 


42 Erzdiözese Köln. . Nr. 17. 

donnerstag nach dem ersten gehalten wird, komen allein die 
scheeffen darzu und wan niemand vorzubescheiden, darf auch der- 
selbig nit gehalten werden. Wegen die kosten aber stehen dem 
pastori die brüchten zu; derselben seint dan viell oder wenig; 
5 wan auch keine brüchten fehlig weren, muess dannoch der pastor 
die kosten thun*). 

10. Was Sachen an das sendgericht gehörig. — Und dleweil 
das sendgericht ein geistlich gericht ist, so gehören auch an das- 
selbig kein anderer als des geistlichen gerichts Sachen als da seind: 

10 ehesachen, testamenten, trew und gelübden des ehestauds, zehnten, 
schme- und Scheltwort der Weibspersonen, verbrechung der feyer 
und festen, ehebruch, auswendige kindertauf, ketzerey, gottes- 
lesterang, fluchen, schweren und dergleichen, in welchen allen 
doch diesses zu halten: wenne einige sach dem gerichte alhie zu 

15 schwer ist, dieselbe alsdan zu Aachen an das sendgericht^) hin- 
gewissen wird. Was aber auf diesem fall zu Aachen erkent und 
geurtheilt, dasselb soll beschlossen und versigelt biss an ein be- 
stimbten tag verhalten und alsdan den vorbescheidenen partheyen 
unter der cronen zu Haaren eröffnet und ausgesprochen werden, 

20 alles auf kosten der unterligenden parteyen. 

11. Es wird gefrogt vor ein alt herkomen, dass, wan jemand 
ein anderen am send mit recht zu besprechen und gegen ihnen 
zu dingen begert, das derselb sampt seinen gegentheil für des 
herren und obligender parteyen Interesse bürgen setzen soll und 

25 da etwan die sach von gericht abgenohmen und die parteyen 
sich vergleichen würden, dass alsdan beyde partheyen Urlaub 
heischen, herren und scheffen zwey vierthel weyns geben sollen. 

12. Was fuer gueter an das sendgericht gehörig und demselben 
allerdings zu gehorsamen schuldig. — Dieweil im reich Aachen 

soallerley gueter gelegen, darauf in weltlichen Sachen verscheidene 
herren ihr Jurisdiction und hochheit haben und exercieren, wird 
imglichen für ein alt herkomen, recht und gerechtigkeit gefront, 
dass die send als ein geistlich und nachparlich gericht kein unter- 
scheid ehegemelter gueter habe, sonderen auf allen und jeden 

35guetteren, unbenohmen doch seinem herren seine gerechtigkeit, so 
dem klockenklank zu Haaren unterworfen, ihr Jurisdiction exerciren 
und dass auch alle nachbar der sendgerichtsgebotter zu folgen und 
zu gehörsamen schuldig und gehalten sein. 

13. Item sollen die parteyen neben gestelten bürgen und boden 
40 lohnen auf alle termin ein jeder sechs gülden achisch bey und am 

gericht niderzulegen; wer aber der Sachen unterligen und in unrecht 
erkant wird, soll den wihnnenden partheyen dis ihr ausgelagt gelt 
nach erkentnus des gerichts widerzugeben schuldig sein, 

a) Am Rand von nicht viel späterer, zweiter Hand nachgetragen : „NB. Hie 
articulus mutatus est aliter: qui habet coramodum etiam incoraraodum habebit 
V. g. caret commodo, etiam carebit incommodo," 

b) Korrigiert aus „hauptgericht". 


Nr. 17. Haaren. 43 

14. Item wird gefront für ein alt herkomen, dass wan ein 
knecht mit einer maget gefront, Vorbescheiden und beklagt würde, 
dass er ohn eheliche trewgelübden und zusamengebung sie beschlaffen 
hette und sie dasselbig nit leugnen könte und bekant were, die- 
selbe sollen nach urtheil des herren und scheeffen gestrafft werden. 5 

15. Wan aber ein knecht mit einer magd gefront und beclagt 
wurde von unehelichem beyschlaff und sie dasselbig nit bekenten, 
als dan soll der knecht die magd mit seinem leiblichen aid purgiren 
und da hat herr noch scheeffen nichts an. 

16. Vom cüster und schollmeister zu Haaren. — Es soll kein 10 
cüster noch schollmeister ahn austrücklich wissen und willen des 
pastors und scheeffen angenohmen noch zu einig exercitium ihres 
diensts zugelassen werden, obwillen auch schrifftlichen beweis 
haben und auflegen, und dieweil der alt prauch, dass der cüster 
auf den ersten gemeinen sendtag die kirchenschlüsseln dem pastorilö 
in beysein der herren, auch scheeffen und gemeinen nachbaren 
handtrichet und übergibt, damit er entwider in seinem ampt con- 
firmirt und bestettiget oder, da erhebliche Ursachen vorhanden, 
ein anderer angesetzt werde, solle derselbe brauch hinführe alle 
und jede jar continuirt und gehandhabt werden. 20 

17. Von execution der urth eilen und auferlägten straff des 
Sendgerichts. — Es ist auch von alters her der prauch in diesser 
gemeinden, dass man die ungehorsamen auf dreyerley weiss zu 
gehorsamb bringen pfleget, erstlich durch öffentliche ausruffung ihres 
namen sab der canzlen zu Haarren, so nach der predig der prister25 
vor der ganzen nachparschafft zu thun pflegt oder zum wenigsten 
drey sontag nacheinander; 2" durch Übergebung ihrer der unge- 
horsamen namen zu. Aachen am sendgericht, welches durch sich 
selbst oder durch einen ersamen rath dafort gegen sie procediren 
kan; 3" dieweil auch das sendgericht ein recht der gemeinden ist 30 
und man sich vor allen dingen hüten soll, dass wegen der unge- 
horsamen an den herren kein klagten kommen und also der nachbar 
recht übergeben werd, in dem die scheeffen von der gemeinden 
angesetzt werden, so kan die gemeinde solche ungehorsame holz-, 
weidrechten und allen genoss der gemeinden verpieten, biss dass 35 
er sich gehorsamblich einstelle. 

18. Von bestellung des priesters oder kirchendieners zu Haaren. 
— Es wird gefront für ein alt herkomen, das der pastor zu 
Würselen sali halten einen priester bey sich, der sali die kirch 
zu Haaren bedienen und wohnen auf dem widenhoff. 40 

19. Von belohnung der scheeffen. — Es wird gefront für ein 
alt herkommen, dass die scheffen . ihren dienst vermog geleisten 
aids trewlich und ehrlich ohn einige reumpens und entgeltung gott 
zu ehren und der gemeinden zum besten verrichten sollen; sollen 
doch die kirchmeister zu Haaren zum zeichen, dass die gemeind45 
den scheeffen verpflicht und verbunden, einem jeden scheeffen einen 


44 Erzdiözese Köln. . Nr. 18 

alten heller zu erkeiintnus und das ir geleister dienst der gemeinden 
werth und angenehm gewessen, zu geben schuldig seiu. 

20. Von den zehenden zu Haaren. — Es wird gefront für ein 
alt herkomen, dass jeder zehnten zu Haaren einen stieren und 

Sbieren halten soll, darmit der nachbar viehe gnugsam versehen 
und verwardt seind. 

21. Item ward gefront, dass die zween zehnten zu Haaren ein 
jedwider ein klock läuthen lassen soll, so offt ein ungewitter vor- 
handen und dargegen zu läuthen vonnöten, damit die leuth durch 

10 das klockengeläuth zum gebet ermant und angetrieben werden 
und sonst all boss gestens des teuffels verstört und vertrieben 
werde. 

22. Item wird gefront für ein alt herkommen, dass der pastor 
zu Würselen den h. ollig für die kranken und h. crisam zur tauf 

15 der kinder iarlich in der kirchen zu Haaren bestellen und die 
kirch mit keinem anderen kosten als einen frankfurter heller und 
zwa bauschen ') zu zergelt beschwirt werden soll. 

23. Von underhaltung weegs und steegen, — Item wird gefront, 
dass man weg und steg bey ihrem alten herkommen haben und 

20 underhalten soll, damit menschen und viehe in mangel dessen iu 
kein ungemach kommen. 

NB. Bonum esset aediles ecclesiae praestare juramentum fideli- 
tatis quod modo 1666 reverendo doraino pastori in Würselen [und] 
Haaren in ecclesia praestare inceperunt. 

« 

18. Kirclicnwcistiiiii von Herkciiratli. 

1590 Febr. 12. 

Herkenrath, Df. Eheinpr., Kr. Mühlheim. 

Nach dem abschrit'tl. Auszug aus dem Herkenrather SW. im Erkundigungs- 
buch über die Pfarreien des Herzogt. Berg von 1582 ff., Pap. 2°; StA. Düssel- 
dorf, A 255^» fol. 355. Auf dem Rücken des Stücks das Empfangsdatum (15)90 
Febr. 12. 

ün gedruckt. 

25 1. Den ei'sten Sonntag in der Fasten wird der Send gehalten; Kollator 

der Pfarrei ist der Ordensjjomtur zu Strunden (Kr. Mühlheim), der den Pastor 
bestellt; passt dieser der Gemeinde nicht, so kann sie ihn dreimal zurückschicken, 
das viertemal den Beistand des Landesherrn (Herzog von Berg) anrufen. — 
2. Jeder Pastor findet auf dem Widdumhof zwei „eisere" Kühe, die bei dem- 

80 selben bleiben ; sie werden geweidet auf dem Fronhof und sollen es so gut und 
so bös haben wie seine eignen Melkkühe; dem Hirt gibt er jährlich ein Paar 
Schuhe und Sonntags das Morgenbrot. — 3. Der Pastor soll auf dem Widdum- 
hof finden „bettpullen" ^) mit allem Zubehör, Schüsseln, Tellern u. a., Most aus- 
genommen [und was nach seinem Tod vorhanden ist, soll da bleiben] a). — Der 

35 Pastor bestellt das Grabgeschirr, dafür gehört ihm das Gras auf dem Kirchhof, 
das er aber nicht abweiden lassen darf. — 5. Er hat die drei Kappen (Dächer) 
auf der Kirche in Bau und Stand zu halten, wofür er den schmalen Zehnt be- 


■1) Zusatz von gleichzeitiger Hand. 


M Kleine Münze. 

-) Bettflaschen? Das p ist undeutlich. 


Nr. 19. Hüchelhoven. 45 

zieht; der Herrenhof baut den „batgen" (Kirchenbauch) von der Erde bis an 
die Spitze, das Kirchspiel den Turm ; die zwei Niederlasse oder Äbbehänge werdep 
aus den Kirchenrenten gebaut und unterhalten, bei deren Unzulänglichkeit jeder 
Nachbar beizusteuern hat. 

19, Sendordnung von Hüchelhoven. 

17. Jahrhundert. 

Hüchelhoven, Di. Eheinpr., Kr. Bergheim. Zwei Papierbl. 2", 17. Jahrh., 
PfA. Hüchelhoven (zit. Tille I 96). 
Üngedriickt. 

Forma inchoandae et celebrandae synodi laicalis^). 5 

[1] Flexis genibus oreiit Pater et Ave, deinde praehabito brevi 
sermone praesidentis, quo ex verbo dei et sacris canonibus tum 
utilitas tum necessitas sacrae synodi seu visitatioDis ostendantur, 
inprimis tres vel quatuor viri ex parochia maturiores, lioriestiores 
et veraciores deputati vel deputandi praestare debent iuramentum lo 
iiifra scriptum erectis prioribus duobus digitis manus dextrae seu 
tactis sacris. 

[2] Forma iuramenti. 

Ich will roegeii^} und vroegen in diesem heyligen send alles, 
was ich weiss oder gebort habe oder mir angezeigt worden ist, 15 
dass under meinem kirspel und der nachparschafft durch iemand 
geschehen und begangen ist widder die gebott gottes und der 
heiligen kirchen; und will das nit lassen nach umb lieb nach umb 
leid, nach umb gifft oder gaben, nach umb einige verwandtnuss 
oder freundschatft oder umb einiger anderer Ursachen willen, so helfe 20 
mir gott und sein h. evangelium. Am anfangh war das wort etc. 

[3] Ubi singuli scabini synodales se sie obstrinxerint, admone- 
buntursequenti forma: Videte, ut domino reddatis iuramenta vestra, 
non enim homini iurastis sed deo creatori vestro; ego autem, qui 
eins minister sum, non terrenam vestram substantiam concupisco, 25 
sed salutem animarum vestrarum requiro. Cavete ne aliquid ab- 
scondatis et ex alterius peccato vestra fiat damnatio; nam sicut 
apostolus ait: „modicum fermenti totam massam corrumpit" 2), et 
auferte malum ex vobis ipsis. 

[4] Interrogatoria^). 30 

1. An omnia ad divinum officium et cultum in ecclesia seu 


^) Uebergeschrieben : ulcisci. 


^) Abs. 1 — 3 stimmt fast ganz mit der unten folgenden SO. von Xanten 
überein. 

'') 1. Cor. 5, G (Gal. 5, 9). 

') Mit wenigen Abweichungen stimmen die folgenden Fragepunkte bis § 25 
mit denen der SO. von Xanten (bis § 26) überein. Von da ab bis § 33 berühren 
sich, teilweise wörtlich, 26 mit 29 f., 27 mit 34, 28 mit 36, 29 mit 37, 30 mit 38, 
31 mit 82, 32 mit 49, 33 fehlt. Die SO. von Hüchelhoven bietet jedenfalls die 
ältere Fassung, jünger ist B (s. Vorbemerkungen zu Xanten). 


46 Erzdiözese Köln. Nr. 19. 

templo et extra templum spectantia rite et legitime observata sint, 
et observentur, et an in eis seu ipsorum aliquo ulla sit negligentia 
commissa. 

2. Interrogandi sunt de parocho et aliis ministris ecclesiae, 
5 an officium suum rite praestent. 

3. An vitam dücant irreprehensibilem cum honesta familia, in 
summa an verbo et exemplo praecedant. 

4. An aediles, sacristae et custodes ornamenta, vestes sacras, 
sanctorum reliquias, vasa aurea et argentea, aediflcia, census et 

10 praedia bene conservent et an aediles rationem reddant. . 

5. An in parochia aliquis sit haereticus, schismaticus de fide, 
religione, traditionibus, ceremoniis, ritibus et consuetudinibus ec- 
clesiae aliter sentiens quam ipsa ecclesia catholica sentire iubet? 

6. An sint aliqui in parochia occulta conventicula celebrantes 
15 seu a communi conversatione fidelium vita et moribus dissidentes. 

7. An haeresis aliqua occultis conventiculis disseminetur. 

8. An sint, qui curiosius de fidei mysteriis disputent et sim- 
plicibus iniciant scrupulos. 

9. An sit aliquis paedagogus seu ludimagister in parochia et 
20 an talis sit de fide et religione suspectus et quid doceat inventutem. 

10. An aliquis sit in parochia magus aut ariolus aut incan- 
tator seu evocator aut coniurator, superstitiosus daeraonum aut 
divinus aut sortilegus aut talium impiorum hominum iudicia aut 
consilia inquirens ad inveniendas res deperditas et suffuratas vel 

25 ad futura praeuoscendum, quae deus posuit in suä potestate, aut 
ad aliud quidquam vel qui ulla superstitione irretitus sit, vel qui 
non ponit spera et fiduciani suam in solo deo, qui pro suo nutu 
et voluntate moderatur omnia et cui oportet submittere et com- 
mendare omne nostrum cogitatura, voluntatera, operationem et 

.soquidquid acciderit prosperi vel adversi; an sint viri et mulieres, 
qui non intellectis coniurationibus rerum utantur vel maleficiis se 
aliquid efficere posse putent seu cum daemone commertium habeant. 

11. An sint, qui scienter et pro cupiditate terrena peiuraverint 
vel pro vita redimenda vel metu dominorum suorum vel alio quo- 

35cunque modo periurium commiserint ; an sint qui alios etiam ad 
periurium induxerint. 

12. An sint blasphemi in deum, in gloriosam dei genitricem 
virginem Mariam, in sanctos dei, 

13. An sint, qui vota praestita deo infregerint, qui fidem 
40publicam violarint, qui per nomen dei et sanctorum maledixerint, 

qui ad omne verbum nomen dei assumpserint seu assumant in vanum. 

14. An sit aliquis vel aliqua, qui quodcunque opus inchoans 
aliquid superstitiosum dixerit, nisi, ut apostolus docet: „omnia in 
nomine domini facite" ^). 

45 15. An sit aliquiS; qui iuravit, quod deo contrarium est, veluti 

1) Col. 3, 17. 


Nr. 19. Hüchelhoven. 47 

quod fratri nuuquain reconcilietur, quod est peccatum in Spiritum 
sanctum vel ad mortem vel simile quid. 

16. An sint in parochia laici, qui quae sint sacramenta ec- 
clesiae ignorent,- an sint, qui Septem sacramenta ecclesiae vel illorum 
aliquod contemnant et praesertim confirmationis et sanctae extremae 5 
unctionis; an sint, qui indigne ad sacramenta accedant, praesertim 
ad sanctissimum eucharistiae sacrameutum; an sint, qui eo accepto 
statim inebrientur etiam usque ad vomitum. 

17. An sint, qui ad confessionem suo parocho faciendam saltem 
semel in anno non veniant et corpori domini, nisi tarnen ob publica lo 
peccata prohibeantur, non communicent; an sit aliquis, qui proprio 
parocho contempto in aliam parochiam eat et ibi communicet. 

18. An relinquatur baptisterium sine clausura et venerabile 
sanctissimum sine lumine et sera. 

19. An sint sepelientes foetus non baptizatos in coemiteriis. 15 

20. An sint, qui parentibus et necessariis defunctis exequias 
intra annum exhibere contemnant. 

21. An siisceptoreS; qui patrini vocantur, filiolis suis symbolum, 
orationem dominicam; salutationem angelicam et decem praecepta 
insinuent. 20 

22. An sint negligentes circa infirraos, praesertim de sua familia, 
permittentes eos mori sine participatione sacramentorum. 

23. An est aliquis, qui excommunicationem sui episcopi aut 
archidiaconi aut insynodationem, ut vocant, sui pastoris vilipendat. 

24. An sint qui excommunicatis communicent in crimine. 25 

25. An qui publicam poenitentiam pro manifestis criminibus 
vel accipere vel adimplere contemptim detractant. 

[26] An*") statuta ecclesiae festa debite celebrentur,- an sint, 
qui diebus dominicis et festivis operis aliquid meclianici faciant aut 
concionem negligant aut intrantes ecclesiam fabulis vacare con-30 
sueverint. 

[27] An iura ecclesiae, redditus pauperum, oblationes ex more 
veteri persolvantur; an sint qui deciraas, census, obventiones seu 
bona quaecunque ecclesiastica subtrahant, furentur aut denegent? 

[28] An ieiunium quadragesimale, quatuor temporum sive aliass 
solemnia ieiunia sint, qui contemptim non observarint? 

[29] An supplicationes, theophoria, dedicatio ecclesie statuto 
tempore rite et sine scandalo peragantur, 

[30] An est aliquis, qui patrem aut matrem inhonoraverit aut 
percusserit aut quovis modo fatiget aut illorum salubria monita40 
spernat. 

[31] An sint, qui in sacra synodo comparere negligunt aut 
sint rebelles et non obedientes praesidenti? 

An sint odia, rixae, dissensiones publicae cum scandalo? 


«•) Von hier an bis § 33 sind die Fragen nicht numeriert; es sind jüngere 
Zusätze. 


48 Erzdiözese Köln. Nr. 20'. 

[33] An iuventus mittatur ad scliolani et catecbismum, item 
opiliones et pecorum pastores ; an in hoc parentes. et patres, familias 
sint negUgentes. 

, [B4:]°-} An pro custodia cistarum aliguid annne ecclesiae pen- 
odatur; pro singulis octo albi persolvantur. 

[35] Moneantur illi, quorum interest, ut sufficiens oleum siib- 

ministrent (ad) illuminandum venerabile sacramentum et hiquidem; 

si involuntarii fuerint, pastor rem eam ad superiores deferat^). 

[36] Baptisterium confractum et minus tütum reparetur asser- 

10 veturque , sub firma clausura et clavis remaneat apud dominum'') 

pastorem. 

[37] Coemeterium undequaque integro muro aut sepe recludatur, 
ac. ne ulterius remaneat brutis pervium praeter ianuas auttransi- 
tura commodum crate ferrea muniatur. 
15 [38] Excürsiones ex ecclesia ante missae sacrificium, item sub 
vel post concionem sub poena unius librae cerae inhibemus. 

[39] In processionibus viri seorsim a foeminis et, ne frugibus 
noceatur, bini incedant. ' .' 

[40] Qui sacerdote cum venerabili sacramento transeunte non 
20flectunt genua, mulctentur poena arbitraria. 

[41] Qui ultra triduum differunt infantes ad baptisterium deferri, 

pro singulis diebus puniantur una libra cerae usque ad octavum 

diem; qui v.ero post monitionem diutius baptismum protraliere prae- 

sumpserint, in singulos . dies uno aureo mulctentur. 

25 [42] Duo semper habeantur aediles singulis per biennium in 

functione permanentibus annisque singulis dimittatur unus remanente 

altero, qui novello accedenti necessarias informationes communicet; 

[43] Aediles proventus ecclesiae in nuUos usus impendant sine 

praevio scitu et consensu pastoris loci, contrarium facientes de suo 

SOsatisfacere constringantur. 

[44] Aediles, ludimagistri, custos ecclesiae et obstetrix secun- 
dum praescriptüm agendae Coloniensis admittantur. — NB. Hie 
moneatur custos et mulctetur^). 

20. Sendordnung und Senderneuei^ung von Kierdorf. 

1713 und 1726. 

Kierdorf, Df. Rheinpr., Kr. Bei'gheim. 

Aus der Matrikel der Pfarrei Kierdorf hinter den Getauften des älteren 
Registers ; Archiv des Bürgermeisteramts Bedburg, Kr. Bergheim (zit. Tille 
I 81). • . . .- 

Ungedruckt. 


<^) Hier beginnt eine eigene Numerierung der Absätze (1 — 11). Es sind 
Visitationsrezesse. 

•^) Vgl. § 18. 

«) Vgl. § 18. 

d) Es folgen noch 50 Namen, offenbar die der Sendpflichtigen von Hüchel- 
hoven ; bei vieren ist ein NB. beigesetzt, bei einem steht als Sendstrafe : 3 1. ceraö. 


Nr. 20. Kierdorf. 49 

In nomine sanctissimae trinitatis amen* 

Proponenda der gemeiden zu Kirdorff und Blicken^) in 

dominica passionis. 

Anno 1713 2. Aprilis auf dominica passionis wirt in derpfahr- 
kirchen zu Kirdorif zu mehren aufferbawung und seelengewin durch 5 
sothanen herrn pastoren und semppelliche gemeide gehalten nach 
altem gebruch und sonderlich nach unserem filgeliebten Cölnischen 
vatterland hellsamer gewöhnheitten und Statuten nit zu wider 
entellich beschlossen. 

[1] Zum ersten, dass alle einwöhner dieser pfahr Kirdorff aus lO 
jedem huss zum wenigsten in unsere mutterkirch son- und feirdag 
sich soll lassen finden, auf hochzeittelige dage alle (wofern ess 
mögeilig) auf straff zwey pfund wachs; an hoeh ostern alle ohne 
underschied, so darzu queime die heylige communion empfangen 
von dem herrn pastoren oder von einem andren van ihm, pastoren, 15 
erlaub habenden preister bey straff, dass man in wirt lassen in 
seiner krankheit sterben ohne heylige sacramenten, folgens die 
geweyter platz berauben. 

[2] Dass alle zum wenigsten ihre kinder dem herrn pastoren 
darstellen dess nachmitags in der vesper und christelliger lehr, wenn 20 
schon sie selbst werden verhindert sein auf straff 2 pfund wachs. 

[3] Keine wirte sollen glag anstellen für inwohner wider 
hausfatter, -mutter, knecht oder magt, aufhalten in zeit der christei- 
liger lehr oder under dem ampt der heyligen messen sondags und 
feyrdags bey straff 2 pfund wachs. 25 

[4] Keine leuthe sollen auf sondags und feyrdags (warumb 
leyder gottes verleicht ettellige jähr lang die straff erfolgt ist) 
fahren noch arbeiten, kein körn mahlen noch durch sich noch durch 
anderen noch deren knechten, noch einige freiwellige arbeit zu 
vollf Öhren ohn vorhabendes Urlaub dess herrn pastoren auf straff 30 
4 pfund wachs, wiewoU ihrer ettellige meinen, dass genuch geschie, 
da sie einen anderen dag wellen feyren ; der prophet Habacuc sagt 
in person gottes: „solemnitatesque has odivit anima mea^). 

[5] Keine dess kirspells auf den sendag auszubleyben auf 
straff 2 pfund wachs, wilen am selbigen dag alle beschwernussen 35 
der kirchen vorkommen, umb die gerechtigkeit der kirchen zu ver- 
thedigen, lester dess kirspels anzugeben bey ihrem eid, damit sie 
gestrafft werden der gebur nach und der gerechter nit leyden mag 
umb dess ungerechten willen. 

[6] Sollen, umb dieses alles woll zu observiren und in einen 40 
guden stand zu bringen, zwey vereydete sennschöffen am selbige 
dag alle zeit angesetzt werden, mit dem herrn pastoren ein 
wachsames äuge zu haben, damit diese alles in einen guden stand 
komme. 


') Blerichen, Kr. Bergheim. 
■") Is. 1, 14. 

Koeniger, Sendquellen. 


5Ö Erzdiözese Köln. Nr. Öö. 

[7] Solle an selbigen dag eingesetzt werden ein provisor deren 
armenrenten, welcher soll erapfangeD, aber nit ein beller aus 
henden geben ohne bewilligung des herrn pastoren. 

[8] Solle alle verdägdige personen aus dem kirspel abgefort 
5 werden und fort welche der gemeinten einen last verursachen und 
nit zu dem kirspel gehörig. 

[9] Solle derjeniger, welche verdächtige personen aufheltet 
oder derley gefunden wirt, geben 4 pfund wachs; wer aber frem- 
pelligen, so der gemeiden einen last seint, solle selbige aus ihren 
lOhäusseren abschaffen zur straff 2 pfund wachs. 

Anno 1713. 

Dass obige alle in dominica passionis ^) seint vorgehalten und 
gelesen, also bezeuge ich: Vincentius Molitoris, pastor, mpp.; 
Libertus Wilbertz als seinsscheffen ; Johann Keyser, seinscheffen. 

15 B-eassumptio synodi laicalis anno 1726. 

Nachdem von einem hochwirdigen herrn landechanten wide- 
umb der seendag angeortnet, wie in recessu visitationis anno 1725 
zu ersehen, als ist heut dato in dominica passionis 1726, den 
7. Apfilis, der selbiger widerumb reassumirt worden, und damit 
20 der selbiger hinfohro in freit und eynigkeit, wie auch zu nutzen 
der gemeide, der kirchen und armen, ist dan ernstelleich anbefohlen 
worden, wie folgt: 

1. Ist allen erlaubet, ihre beschwernissen vorzubringen, doch 
dergestalt, dass die zwey vereydete seenschöffen den Vorzug haben 

25 und die allgemeine klagten vorzubringen, die lesteren anzugeben. 

2. Umb alle unortnung zu verheuten, sollen derjeniger, der 
aus passion oder zorn gegen den anderen wass . . .^) oder zank 
in diesem senodo ansteif, der solle toties quoties zwey pfund 
wachs straff der kirchen geben. 

30 3. Wird hiemit, wie mehrmahlen geschien, aber fruchtloss dem 
Henreich Esschen und wittib Paschen unter dupelder straff Inter- 
esse aufgegeben, vor die aufgenohmene armegelder ein gerich- 
delleiches Unterpfand zu stellen. 

4. Sollen einige beschwernussen in der kirchen vorfallen, 
35 welche der gemeiden in nahmen der kirchen vorzudragen wern, 

so sollen alle verfleigt unter straff eines halben pfund wachs, 
dieses anzuhören und sein gut darzu sagen. 

5. Solle derjeniger, der auf seendag den seen verabsäumet 
ohne vorweissen eines zeitteleichen herrn pastoris, solle zwey pfund 

40 wachs straff der kirchen geben. 

6. Solle der offerman in Kirdorff frey willig angezwungen an 
diesem dag die schleiisselen der kirchen wider abeleifferen, damit, 
wa uberdritten, ihme sein abscheit gegeben kan werden. 

a) Ein Wort unleserlich. 


1) 1713 Apr. 2. 


Nr. 21. Kirchherfceo. 51 

7. Wilen aber ein zeittelleicher offerman Joannes Weiss sein 
ambt so leiderleicli und bösshefdig vertretten, wird dem hiemit 
ernstleich anbefohlen, auch bey absetzung seines deinst, folgende 
punkten zu besseren oder alsobald zu quitiren: 

[a] Solle der offerman sich des bettellen enthalten, damit nit 5 
Kirdorff bey allen in verachdung gerathe. 

[b] Wilen der offerman auch oftermahlen gefunden worden 
auf deibstallen, obschon zwaren nit gross, so solle er dieses hin- 
fohr meiden, der deibstall seye gleich gross oder klein, bei ver- 
leust ipso facto seines deinst, lO 

[c] Wilen er auch der kirchen den öhl und wachs hinder- 
bracht, umb alle diese sorg zu verböten, solle der selbe innerhalb 
eines jahrs hundert ducaten pro cautione stellen oder sein abscheit 
zu begehren. 

[d] Solle er die scheullfleissiger warten oder sein ambt quitiren. 15 

[e] Solle er die kirch besser reynigen, als er bisshero gepflegt, 
umb bey ambt der heyligen messen selbsten oder in kirchen gehen 
bey wohnen, alles bey straff' und absetzung seines deinst. 

[Folgt nun der Eröffnungsnachweis des Theiss]: 

Wan ich ihn einem punct, hier oben beygesetzt; werde fehlen, 20 
wil gern mein abscheid begehren und der kirchen wegen wiedere 
confirmation ewigen tank sagen. 

Urkund meiner eygener unters ehr ifft : Johannes Theiss. 

Dass dieses der gemeiden zu Kirdorff anno 1726 seye vor- 
gedragen, also bezeugen wir eygehändig. 25 

Vinc. Molitoris, pastor loci. Johannes Teiss als seindtscheffen. 

21. Kircliemveistiim zu Kirchlierteii. 

1528 März 29. 

Kirchherten, Df. Rheinpr., Kr. Bergheim. 

Abschr. von 1594 Juni 9, Pap. 2" (laut Dorsalvermerk), StA. Düsseldorf, 
Jülich-Berg. Landesarchiv, Amt Kaster Nr. 177 fol. 3 — 5. — Ebendort fol. 13 
eine unbeglaubigte Abschr. von 1622; fol. 19 eine von dem Pfarrer und einem 
Sendschöffen besiegelte Abschr. von 1632 ; fol. 25 eine vom Pfarrer beglaubigte 
und besiegelte Abschr. von 1647. In all den späteren Abschriften fehlen die 
beiden letzten Absätze. 

Ungedruckt. 

1. Die Domherrn von Köln und das Frauenstift Eelliüghausen *) haben drei 
bezvv. ein Teil Zehnten ; erstere bauen und unterhalten dafür den Chor der 
Kirche zu 'Z^, das Stift zu ^Z^. — 2. Das Kirchspiel besitzt 4 „umgehende 
Zehnten"; zwei davon hat der Landesherr-), wofür ihm die Bau- und Unter- 30 
haltspflicht am Kirchenkorpus zur Hälfte obliegt; einen Teil haben die Dom- 
herren zu Köln und das Stift Eellinghausen und ihnen obliegt dieselbe Pflicht 
zu je ^1^. — 3. Bau- und Unterhaltspflicht am kleinen Chörchen kommt dem 
Landesherrn zu wegen des Fronhofs zu Pütz''). — 4. Das Behänge zu Konrads 
„hauswarde" baut und unterhält das Kirchspiel, zu Nellis Herkers „hauswarde" 35 


^) Kr. Essen-Land. 

^) Der Herzog von Jülich-Berg. 

') Kr. Bergheim. 

4* 


52 Erzdiözese Köln. Nr. 22. 

der Ort Kirchherten. — 5. Der Turm steht dem ganzen Kirchspiel zu. — 
6. Der Pastor baut und unterhält die Vorhalle zur Kirche; dafür hat er den 
schmalen Zehent (an Ferkeln, Lämmern, Gänsen, Hühnern etc.). — 7. Die 
Kirchhofsmauer baut bis zu Vitz Haus die Gemeinde von Kirchherten zur 
5 Hälfte, die andere Hälfte bis unters Dach die von Pütz; dann bauen 2 Ruten 
die gnädigen Herren, weiterhin 2 Euten der Widauerhöf zu Troisdorf ^), ' /^ Rute 
der ßaldinshof, 2 Ruten der Wiurichshof, 1 Rute der Kerperhof, Vj Rute der 
Sorenhof, 1 Rute Ludwig von der Haen für den Kixhof, 1 Rute der gnädige 
Herr für den Fronhof zu St. Margaretenherten, die Nachbarn von St. Marga- 
10 retenherten'^) bis an den Anfang; da aber letztere mit Willen der anderen Nach- 
barn zugelassen, dass Konrad Geirloch sein Haus auf die Baugrenze gesetzt, 
so soll er und seine Erben dort die Mauer für die Gemeinde St. Margareten- 
herten bauen, . den Rest die letztere. Dies haben Kourads sei. Erben bewilligt 
auf „sondag Judica anno etc. [15]28') up dem heiligen sent". 

22. Sendprotokoll von Kirspenich und Arloff. 

1719. 

Kirspenich und Arloff, Wir. bezw. Df. Rheinpr., Kr. Rheinbach. 
Aus dem PfA. Arloff, Tit. VI Nr. 101 (bei Tille 173 nicht verzeichnet). 
Gedruckt: J. Katzfey, Gesch. der Stadt Münstereifel II 27f.; danach 
hier wiedergegeben. 

W Sontag oculi gnant d. 12. martii 1719. 

[1] Demnach bei heut abgehaltener send der pfahr Kirspenig 
und Arloff die bishin verübte excessen in gästaufhalen, zapfen und 
karten zu ungewöhnlichen und spaten nachtszeiten gegen und 
wider erzstifts colinische policeiordnung*), auch vor und nach er- 
20 gangene und der gebühr publicirte gnedigste churfurstliche edichen, 
von sendscheffen angegeben und protocollirt worden wie hernach 
folgt: 

[2] Als ist Huberten Muller von der weynacht 1718, so dan 
wegen sonntags unterm 5. martii in die spathe nacht beschehenen 
2.5 Zapfens und kartens etc.: 2U wax. 

[3] Joannen Esser zu Kirspenich wegen karten und aufge- 
haltenen gasten zwischen christlicher lehr 1718: 1 U wax; item 
an heutig sonntag in die spate nacht zugelassenen karten und auf- 
gehaltenen gasten 1 U, also zusammen 2 U wax. Ibidem frequenter 
30 ad sunt chartis. 

[4] Joannen Kohl wegen in januario 1719 under wehrender 
hohen messen bei bier und brandenweins zapfen aufgehaltene 
Henderig Raafen und Hilgeren von Kalchar^): jeden 1 fö wax. 

[5] Meistern Eicharden Vercken wegen das jähr durch oft 
35 und vielmahlen in die spate nacht gar bis tag zu aufgehaltenen 
gasten, zugelassenen karten und beschehenen Zapfens 2^ wa:^ 
angesetzt worden. 


^) Kr. Bergheim. 

-) Jetzt Grottenherten, Kr. Bergheim. 

•■") März 29. 

■•) Erzstittische Polizeiordnung vom 4.Nov. 1595 § 12 (Scotti, Kurköln 1 172V 

") Kalkar b. Mfiosterraaifeld. 


Nr, 23. Köln. 53 

[6] Gestalten selbige inner zeit von 3 tag unnachlässlich zu 
entrichten. Bey entstehung dessen herr schulteis Bergrath hie- 
mit geziement ersucht wird, in gelobung gnadigst churfurstlicher 
edichen dieselbige executive anzuhalten und zur Zahlung zu ver- 
mögen, welches der pfahroifermann obspeciücirten beklagten gegen 5 
competirende gebuhrnis gehörent zu urkund, so den bei weigerungs- 
fahl gegenwertigen extractum und respective requisitionsschein 
herrn schulteisen Bergrath zu behandigen. 

Pro extractu protocolli: J. Calenberg, pastor. 

[7] Wegen sendgeburnus hat jeder 6 alb. zu entrichten. 10 

Intimatum Huberto Müller^ Joanni Koel, Henrico Raeif, Joanni 
Esser in Kirspenich: 14. martii; Eichardo Vercken: 18. curr. 
martii 1719. Jacobus Wollerscheim. 

[8] Competiren mir jura insinuationis von jedem 6 alb., so 
herr schulteis mit exequiren wolle. 15 

Hubertus Muller zalt den 18. martii 1719. — Richard Vercken 
zahlt den 25. martii. J. Calenberg. 

[9] Praesentatum Arloif den 20. martii 1719. 

Beklagten wird hiermit auf requisition des wohlehrwürdigen 
herrn pastoris Calenberg, die so unerachtet ihro churfurstlichen 20 
durchlauchtgynen befelch zuwider gelebt, vermugs extractus pro- 
tocolli des unzeitigen kartens und zapfens halber ehe dictirte 
wachsstralf lengstens inner 3 tag sub poena executionis unfehlbar 
zu bezahlen anbefohlen, in entstehung dessen auf ferneres anstehen 
dem botten die würkliche execution hiemit aufgegeben wird. 25 
Signatum Arloif quo supra. Bergrath, schultess. 

[10] Gegenwertiger recessus executionis ist partibus der ge- 
bühr insinuirt den 30. martii 1719. Jacob Wollerscheim. 


23. Sendordnung von St. Gereon in Köln. 

1512. 

Miszellanfaszikel, Pap. 2», 1512; PfA. St. Gereon in Köln (zit. H. Schäfer, 
Pfarrarchive I 61). 
üngedruckt. 

Ordo Processus in sancta synodo. 

[1] Pro primo ^tegatur mensa mappa et ponatur in ea candela 30 
ardens significans Christum cera, corpus lignium animam, ignis 
divinitatem; ponatur etiam virga, que siguificabit caritativam cor- 
rectionem et non odiosam; apponatur et forceps, que significat 
duos gladios, spiritualem videlicet et secularem sibi mutuo iu- 
vantes contra rebelles, et proclamabitur in ecclesiis et pulsabitur35 
tribus vicibus; et tunc incipietur per collationem talem, quod est 
triplex synodus, pro introductione ut sequitur. 

[2] Primo, si placet propositio alicuius thematis istius vel 
illius, istius Ezechielis 18: „Qui fecerit iudicium et iustitiara, vita 


54 Erzdiözese Köln, Nr. 23. 

vivet et non morietur morte"^). .Tria tanguntur in verbis, primo 
quod mdicmm et iustitia sunt facienda, secundo, quod facientes 
iudicium et iustitiam vivent vita semper temporali prospere et 
aeterna vita in gloria, tertio tangitur, quod non morientur tempo- 
5rali raorte ante tempus statutum nee morientur morte secunda, 
quae est aeterna; ibi non morientur a); partes patebunt. 

De primo, quod iudicium est faciendum, psalmus: „Beati, qui 
esuriunt et sitiunt iustitiam in omni tempore" ^). Unde triplex 
reperitur iudicium synodale, scilicet synodus paradysi, templi et 

10 iudicii. Paradisi possidebatur per cherubim cum gladio flammivomo 
super Adam et Evam in gustatione pomi de ligno scientie boni et 
mali, quibus dominus etiam mitigavit penitentiam, ut patet Genesis 
primo: „Maledicta terra" etc. ^). Secunda templi, que nunc tenetur 
ex parte sancte matris ecclesie ad redarguendum omnia, que sunt 

15 contra deum et eius praecepta ac contra honorem sancte matris 
ecclesie et eius statuta. Tertia iudicii videlicet extremi, ubi omnes 
Jhesu Christo sumus rationem reddituri, 4« W^ quidem heu nunc 
modicum curant et curamus postpositis declarationibus membrorum 
thematis et aliis deducendis causa brevitatis. De synodo templi, 

20 de qua ad propositum est, latius loquamur ut corripiantur peccata 
publica et scandala contra deum ac christianitatis relligionem, que 
nunc vineam domini Sabaoth undique vepribus et spinis destrinxe- 
runt et suffocaverunt; propter quod heu nunc multis annis correctio 
dominica davitica voce promissa*) sortita fuit; temporalis elfectum 

25 correctionis, absit, petamus, devote, prout opus est, eterne. Audian- 
tur ergo prophethe verba dicentis: „Ficus enim non florebit etc., 
mencientur opus olive et arva" etc.^i. Mistica eciam herum pro- 
phete verborum habet sententia, quod olive opus nunc meutitur, 
id est contemplativi viri nunc non ut prius inveniuntur nee activi 

30 per arva significata cibum non ferentia. Idem de fico non florente 
dici potest et non in vinea existente germine, conquerente domino 
de diligenti plantatione huius vinee Isaie quinto sie proponentis: 
„Quid ultra debui facere vinee mee" etc.^). Sed terribilis vox 
domini sibi ipsi respondentis audita est prophete, ut sequitur Isaie 

35eodem capite: „Si ostendam vobis, quid faciam, auferam sepem; 
non putabitur, non fodietur; ascendent vepres super eam et nubibus 
mandabo; non pluant ymbre super eam" ''). Glosa: Auferam vsepem 
id est protectionem non putabitur super correctione, non fodietur 
supra a confessoribus, ascendent vepres i. e. vinea, et nubibus i. e. 

a) morietur Hs. 


1) Ez. 18, 21. 
■") Mt. 5, 6. 
^) Gen. 3, 17, 
*) Vgl. Ps. 96, 2. 
«) Hab. 3, 17. 
«) Is, 5, 5. 
') Is. 5, 6. 


Nr, 24. Konzen. 55 

predicatoribus mandabo etc. attendamiis singula; si propheta 
non fidelis sit inventus et verax unde ad propositum etiam dixit 
Bruckmann^) super isto verbo tertii Regum 21: „Dixit Achab ad 
Naboth: da mihi vineam tuam et faciam mihi inde ortum olerum"^), 
super quo dixit Bruckmann sie glosando: Achab id est diabolus; 5 
dixit ad Nabaoth idest ad dominum deum; da mihi etc. ut et etiam 
petiit licentiam semel super Job et obtinuit, ut tribulet mundum, sie 
nunc et cotidie tribulatur, ut dictum est. Sed adhuc restant alia 
quinque et cum videritis hoc fieri, scitote quod prope est regnum 
(fei etc. 10 

[3] Istis sie propositis ordinentur scabini, ut faciant iuramen- 
tum, ut moris; est. 

[4] Et tunc proponentur peccata corripienda. Primo accu- 
sentur: adulteri, fornicarii, sortilegi, oppressores, clandestini, 
disiunctio, consanguinitas, affinitas, compaternitas, prostibulum, 15 
usurarii, mala hospitia, periuri, excommunicati; secundo: ecclesia, 
tectum, fenestre, sacramentum, pulsacio campane, libri, ornamenta, 
eiste, cimiterium; tertio: bona pastoris, decime, bona fabrice, con- 
fessio, communicatio, festa, fides, blasphemia, parentes. 

[5] Indulgentiae consuetae; dicatur flexis genibus psalmus. 20 
Dens misereatur nostri etc. Kirieeleyson etc. Pater noster. Ostende 
nobis, domine etc. Domine exaudi etc. Collecta: Oremus; Protector 
in te sperantium etc. 

24. Send- und Kirchenweistum von Konzen. 

1415 Juni 8-, 1553 Apr. 30. 

Konzen, Df. Eheinpr., Kr. Montjoie. 

I. SW. von Konzen (für das Land Montjoie) von 1415 Juni 8 (eigentlich 
schon von 1408 mit Zusatz von 1478): In einem zw. 1479 und 1495 geschriebenen 
Kodex im Archiv des Dekanats Münstereifel, fol. 8*— lO^ (vgl. Plönni.s, Statuta 
capituU rurahs Tolpiacensis, Kölner Pastoralbl. 24 [1890] 170 f.; Tille I 177); 
ferner in dem Kopialbuch des Marienstifts Aachen ß 5 fol. 161, StA. Düssel- 
dorf; ebendort in einem Jülich -Bergischen Erkundigungsbuch von 1550 fol. 112 
bis 115, A 254« und im ,,Jülich-Bergischen Landesarchiv" IV c. 4 (Geistl. Sachen, 
Gener.) fol. 3 f. 

Gedruckt: Katzfey, Münstereifel II 249—253 (nach obigem Kodex); 
Lacomblet, Archiv 7, 103—107; Grimm VI 701-704 (nach Katzfey). 

Der Inhalt bezieht sich auf die Sendrechte des Dekans von Zülpich, 
dessen Gerichtsbarkeit auf Karl d. Gr. zurückgeführt wird, 

IL KW. von Konzen (enthaltend die Kirchengerechtsame) : Abschr. im PfA. 
Konzen, Pap. 2", 16. Jahrh. (zit. Krndewig III 207). Dorsalvermerk: „iu die 
scheffenkist zu legen", darunter von zweiter Hand: „sub dato 1553 den letzten 
aprilis" (A). 

Gedruckt (ohne Quellenangabe): Lacomblet, Archiv 7, 107 — 109 (B), 
in neuerer, gekürzter Fassung. 


') Brugmann, Minorit (f 1473), berühmter Prediger seiner Zeit; unter den 
wenigen noch vorhandenen Schriften von ihm ist ein exegetisches Werk nicht 
erhalten. Vgl. L. Schulze in der Eealenzyklopädie III» (1897) 507—510; 
H. Hurter, Nomenciator II' (1906) 946', 

'-) 3. Reg. 21, 2. 


56 Erzdiözese Köln. Nr. 24. 

Im jair dusent fünfhundert dreyundfunfzich am letzsten tag april 
hat der erntveste Junker Christoffel von Rolsshaussen, amptman zur 
zeit zu Monjoie etc. etlichen scheffen, sehnscheö'en und eltesten im kyr- 
spellder pharkircheu zu Contzen im land Monjoie Vorbescheiden lassen 
5 und sich bey denselbigen aller gerechtigkeit und underhaltung ge- 
melter pharkirchen erfarren und erkundiget, weil in der Guilicher vehe^) 
denn alle rollen und schrifftlichen bescheit darvon verruckt und verloren 
ist worden, wie und welcher gestalt sey genanter kirchen gerechtig- 
keit von ihren altern undvorfaren auch selbst in ihrer zeit gesehen 

10 und gehoirt haben, derogleichen, was das capitel von unser lieber 
frauwen bennen Aich^) obgenanter kirchen zu thun schuldig und 
pflichtich were, was denselbigen vorbescheidene scheffen und eltesten 
darvon kundlich were, darvon die lauter wairheit bey ihren eiden 
ihr recht wissen zu sagen, damit vorgerurte kirch bey ihrer alter 

15 gerechtigkait verbleib und darvon von niemanten verkürzt und 
abgenhomen werden muegte. Darauf dan dieselbigen genante 
scheffen und eltesten sich besprochen und er inne und seiner 
liebden dissen nachfolgenden bericht articulien von sich gegeben 
und gesagt wie folgt: 

20 [1] Zum ersten haben sey bekant und gesagt bey ihren eiden 
einmudich wair, das sey ungefehrlich vor funfzich jaren zu Contzen 
in obberurter kirchen dabey gewest, zugesehen und gehoirt haben, 
das ein dechan von Aichen von weghen des capittels daselbst die 
sehnscheffen mit sampt dem ganzen landmann ihm land von Monjoie 

25 in beysein des amptmans zur zeit zu Monjoie und dechann von 
Zulch mit seinen sehnscheffen geraaynt und erfraigkt, was die heren 
vom capittel vors, dero genanter pharkircheu zu Contzen glichfals 
dem landman zu thun schuldich weren. Darauf die scheffen und 
eltesten sementlich ihren bedacht genhomen und vor dem dechann 

30 bekant und gesagt, wie in diesen nachfolgenden artickulen erkleirt. 

[2] Erstlich sein sey schuldich einen wolgeleirten werltlichen 

priester zu Contzen off den widdemhoff zu setzen^) off ihre kosten, 

do de gemein kirspelsluide wol mit zu fridden sein, und so einer 

dar gesatzt wurde, do die gemein nit mit zufridden were, muegen 

35 sey denselbigen widderumb gegen Aich schycken umb einen andern, 
biss das sey einen andern darschickten, do die gemeyn alsowoll 
mit zu fridden ist als gemelte hern vom capittel. Aber wanne 
der erste gesante also geschickt were, das die gemeinde benuegen 


a) Das Folgende bis § 4 fehlt in B. 


') Die Jülicher Fehde entbrannte 1481 zwischen Dekan und Kajoitel der 
Christianität Jülich und dem Erzbischof von Köln, welcher deren Jurisdiktion 
beschränken wollte. Sie fand ihren vorläufigen Abschluss durch den Vertrag 
zu Bacharach 1558. Vgl. J. Kühl, Der Jülicher Kirchenstreit (Publikationen 
aus der rhein. Gesch. 35), Bonn 1902; 0. Eedlich, Jülich-Bergische Kirchen- 
jjolitik 1907, 68*— 88*. 

*) Aachen. 


Nr. 24. Konzen. 57 

und gefallens daran haben wurde, wäre alsdan sulches widder- 
schickens ohn uoit. 

[3] Denselbig-en priester sein sey schuldich darzustellen mit 
alle seynem zubehoir, wes einem priester zustendich ist, seine 
missa zu thun und vollnbrengen, die er alzeit off dem hohen altar 5 
thun sali und wes ihm darzu notturftig ist und alles, was einem 
kirspelspastor von noetten thut, seine geistliche Sachen auszurichten 
und zuvolnfueren, derogestalt das gott domit gedienet und geehret 
werde, und sulchs alles off ihre koesten, 

[4] Und*) der pastor sal auch gehalten sein so nacht so tag 10 
alle zeit off dem widdomhoff sich finden zu laissen, ob jemant von 
seinen kirspelskindern sieg oder krank wurde, das er alsdan des 
pastors doselbst gesjmnen und finden wurde, und sal gemelter pastor 
anstont dem kranken zu folgen bereit sein und ihme seine sacra- 
menten zu reichen, wes er begheren ist und ihm von got wegen 15 
gebueren wird, und dasselb umb niet, want er seine belonung 
von seinen hern vom capittel empfehet, wie er auch gehalten sein 
sali, der ganzen gemeinden alle ihre christliche rechten zu thun 
und leisten off dieselbige belonung wie vors. Dan so ihm jemant 
aus guter gunsten etwas geben wurde, das mach er zu dank zu 20 
sich nemen. 

[5] Zum zweiten sein auch die hern von capittel vors, schul- 
dich ein brennende lamp vor der hilgen sacraments finstern allezeit 
zuhalten und welcher dieselbige lamp von wegen gemelter hern zu 
underhalten an sich nimpt, sal gehalten sein, wanne die lamp zu 25 
halben nacht ausbreent, anstont offzustehen und widderumb anze- 
zeunden. 

[6] Zum dritten sein gemelte hern schuldich den hohen altar 
ihn allem geleucht und zieraedt und mit alle seinem zubehoer zu 
underhalten, glichfals er bekleitt und bereitt sein sali; das der 30 
pastor doselbst seine myssa und gothdienst volnbrengen muege, 
also das gott damit gedienet und geehert werde und sulchs alles 
off ihre kosten. 

[7] Zum vierten sein auch vorgenante hern schuldich, das 
schiff und bottgen von der kircheu, nemlich das mittel zwuschen 35 
dem koir, dem klockenthurm und den veir peyleren, in gutem 
bauwe und tagwerk zu underhalten, alles off ihre kosten. 

[8] Zum fünften sein auch vilgemelte hern schuldig, das hoechste 
klockengelauth off ihre kosten mit seinem zubehoer in gutem bauw 
und gewerf zu halten; ihm fhall aber die gemeinde einiche dar- 40 
stellen würden, die groisser were, dann geruerte heren jetzt doselbst 
hetten, sullen sie gehalten sein ein ander darzustellen, die groisser 
were dan genanter gemeinden klock und geleuth ist, want genante 
hern das oberste gelauth haben sollen. 

[9J Zumb) sechsten sali der pastor doselbst gehalten sein in 

«■) Dieser Absatz ist in B in zwei kurze Sätze zusammengezogen, 
b) Der ganze Absatz fehlt in ß. 


58 Erzdiözese Köln. Nr. 25. 

deroselbigen vilgemelten kirchen alle gutestag ^) ein missa zu thuu 
oder sein capellain und wan er die myssa off bestympten gutestag 
nit thun wurde, sal ers den sontag darvor verkundigen, wanne 
und off welchen tag er dieselbige miss thun und halten will; und 
5 so dem also nit nachkomen wurde, sali der amptman von wegen 
meines genedigen fursten und hern verschaffen und verordnen, das 
die missa gehalten werde oder aber das beuw, welches darzu ver- 
ordnet und gegeben ist, der obrichkeit verfallen sein. 

[10] Zum siebenden sullen vilgenante hern auch gehalten sein, 

10 den widdomhoff in allem gutem bauw zu underhalten. 

[11] Zum achten sein obgeraelte hern schuldich in einer jedem 
naberschaff im veldgeleidte im lande Monjoie zu halten einen 
neudel oder stieren und zwein widder, einen weissen und einen 
schwarzen, do dieselbige nachparn woU mit zufridden und innen 

15 nutzlich sein werden. 

[12] Item vor disse vorgeruerte puncten und articulen als 
vorangezeigt sollen vilgemelte hern vom capittel haben, buerren^) 
und empfangen alle jair die zehenden ihm genanten land Monjoie 
im veldgeleidte. 

20 [13] Demnach und wann nu alsulche vorschrieben puncten und 
articulen von vorgenanten hern vom capittel nit gehalten, sonder 
seumich darin befunden wurden in einem thail oder zumail, so 
sullen die kirchmomparn doselbst der vorgedachten kirchen zu 
Contzen mit sanipt dem landman dem amptman zu Monjoie sulchs 

25anclagen und zuerkennen geben und sali alsdan der amptman 
dem capittel schreiben, alsulch clagende gebrech zu besseren und 
imfhall dasselbighe nit gebessert wurde, sali der amptman von 
wegen meines gnedigen fursten und hern ihre vorangezaigten 
zehenden angreifen und anhalten biss so lange, das sulch gebrech 

30 entricht und gebessert wird und den vors, puncten, wie vorbemelt, 
genzlich also nachkomen werde. 

Johann von Oleff, gerichtschreiber. 

25. Kirchen- und Sendweistura von Lipp. 

1526 März 18. 

Lipp, Df. Rheinpr., Kr. Bergheim. 

Abschr. des 16. Jahrh,, Pap. 2°, StA. Düsseldorf. Köln, Deutschordens- 
kommende; Nr. 48a fol. 6 und 7 (vgl. dazu fol. 8 und 9)^). 
Ungedruckt. 

In gottes namen. Amen. Kunt sy allen und yeklichen den- 

ghenen, dye dyt gegenwoirdichen prothocoU sullen sehen off heuren 

35 lesen, dat yn den jarn unsers hern, do man schryff dusent vunf- 

») Mittwoch. 

-) beren — empfangen. 

^) Herr Archivrat Dr. O. Redlich in Düsseldorf hatte die Liebenswürdig- 
keit, mich auf dieses SW. aufmerksam zu machen und dessen Abdruck mir zu 
überlassen. 


Nr. 25. Lipp. 59 

hundert und 26 in der 19 romer gezail, indiction genant, uffsontag 
Judica, der 18. dag des maents marcii umbtrynt dry euren nae 
mittag oder darby umbtrynt paesdomps des allerheilichsten in got 
vaders unsers hern hern dementen, paess des sevenden in synem 
drytten jaer byn ich notarius hier undenschreven dorch erforderong 5 
und geheysche des eyrwerdigen hern hern Wylhem Keiner, pastoir 
zuLypp^), dechen zu Berchem etc. by eym gekomen zu Lypp und 
wyr zusamen gegangen synt in die kirche zu Lypp, dar wyr dan 
gefonden haven nae alder gotlicher gewonnheit und von alden her- 
komen die naber sementlichen des kyrspels offte moderkirchen vurs. lo 
myt etlichen geistlichen und werentlichen van Caster^), auch umb 
zu besythen den sent, als dat von alders dair yn der moderkyrchen 
gewointlich ist gewest up den vurs. dag und also bys noch gehalden 
ist worden ; so synt die naeber als gehoirsam kynder dair geweyst 
und hant den sent helfen besythen und gewroicht dat gyn van 15 
aldersher dar gewoentlich ist zu wroegen. 

[1] Item zom yrsten haint sy gewroegt dem werdigen hilgen 
sacrament yn yrre moderkirchen zu Lypp zuo den ewigen dagen 
zu beluchten etliche summe van oelich usser den erfzehenden van 
Sterthemerhoef genant und der selve gylt dem pastoir van Lypp 20 
alle jaer und erflichen 16 malder roggen und 26 malder weyss 
und dem offerman zu Lypp eyn sombern und dair by gestanden, 
dat der pastoir und der offerman alweg synt geweyst yn heven 
und bueren und gebroichen bis noch in behoef yrer und der be- 
luchtonge des heiligen sacraments und nye gesehen noch gehoirt25 
haven, dat die capell von Caster ye geburth haven und dair bekant 
haven, dat der selbe Sterthemerhoef, wilcher nu affgebroichen ist, 
zu Lypp yn dye moederkirche gehoirt hait und yn dye dynkbank 
und nyet zuo Caster. 

[2] Item zu dem zweyden haven sie sich beraden und inbracht 30 
und gesacht, dat die van Caster und Lypp eyn unverscheiden kirspel 
ist; want sye eyn unverscheiden gotzdracht haven, want des aventz 
als man dat hilge sacrament zu Lypp sali dragen in der moder- 
kirchen, so komen die van Caster zu Lypp myt yre processien und 
haellen dat hilige sacrament van Lypp myt der kirchensch eilen, 35 
crutz und fahnen und dragen dat myt eirwerdicheit zuo Caster in 
die capell und des morgens myt der selver innicheit und gestalt 
wye vurs. zu Lypp lyveren und samender hant die processien offte 
gotzdracht halden. 

[3] Item zom dritten haven sy gestanden und gesacht, wie 40 
dat alle hilgendrachten na paerschen^) die van Lypp uss der 
moderkirchen gaent und die van Caster samender haint und un- 


^) Nach Abschriften in obigem Akt fol. 1 und 2 wurde das Patronat von 
Lipp dem Deutschorden durch Schenkung des Ordensbruders Hans von Lieben- 
thal überlassen 1493 Sept. 9. 

2) Fl. Kaster a. Erft, Kr. Bergheim. 

^) Ostern. 


60 Erzdiözese Köln. Nr. 25. 

verscheiden und die van Caster zu Lipp erscheinen moissen zu 
missenzyt und myt den van Lypp under yrem crutz und fanen 
myt dem pastoir van Lipp gaent allen hilgendrachten als gehoir- 
samen kynder. 

5 [4] Item zom vierden haven sy gestanden und gewroecht vur 
eyn alt herkomen und gotliche gewointheit, wye dat dye van 
Caster zu Lyppe alle jaer komen uff den sontag Judica und dat 
van aldersher bys noch gehalden haven und besitzen den sent 
myt den van Lypp als gehoirsame kynder und alle jaer yren crys- 
10 dorn daer zu Lypp haelen moessen und ouch alsus lang gedain 
haven und dragen den dan zu Caster und geven yre gewoinliche 
rechten darvon. 

[5] Item zom vunften haven sye gewroegt, wye der offerman 
van Lypp alle jaer zu Caster van yderem hausgeseess eyn broit 
15 hat, dat sy ym geven moissen und gegeven haint bys noch als 
gehoirsame kynder by yre moder doen sullen; ouch moess yderman 
ader huyssgeseess bynnen Caster alle jaer dem offerman van Lypp 
geven eyn alt morgen, als sy van alders her gedain haint und 
bys noch doent. 

20 [6] Item zom seessden haint sy gewroegt, wye dat der offer- 
raann van Lypp alle jaer zuo Caster by alle huyssgeseess zu pair- 
schen umb seyn eyer geyt gelich des gewoentlichen ist in allen kyr- 
spelskirchen. 

[7] Item zom sevenden haven sy der moderkirchen zuo Lypp 

25 zuogewroegt den hoegen altair und den wyddemhoeff' myt deym 
house dem pastoir van Lypp und neyt zuo Castor und deym hoegen 
altair syn kyrspelsmissen gewoenliche synt und den van Caster 
geynen hoegen altair noch myt allen geyn gerechtigkeit. 

[8] Item zom achtden maell haven sy dem pastoir van Lypp 

30 zuogewroegt dem choir bouwich zuo halden von der moderkirchen 
zuo Lypp und den van Castor myt allen keyn gerechtikeyt zuer- 
kannt haven. 

[9] Item zom nuynden und zom lösten haint sy gewroegt dem 
pastoir der moderkirchen zu Lypp alle straeffonge der ungehoir- 

35 samkeit in allen vurs. puncten und den van Caster myt allen geyn 
straeffonge. myt allen als eyn kyrspelskirche sali offte geburth und 
van allen dissen vurs. puncten, wye dye van aldair gehandelt synt, 
hait der vurs. eirwerdige here her Wylhelm Keiner, pastoir etc. 
vur myr offenbaren notario protestiert, dat die gemeyne nabern 

40 sementlichen dair erkant und gestanden haven und begerden des 
von meyr offenbarn notario öffentlichen ym dairvon zu geven offte 
zu machen eyn offte meher offenbar Instrument ader Instrumenten 
in der bester formen wie man die allerbeste machen mach. Gehandelt 
und gesteyt synt diese vurs. saichen in der moderkirchen zu Lypp 

45 uff jaer, dag und oure, indictien, paessdomps wie vurs. Dair myt 
by und over synt gewest die eirsamen und frommen her Boeleff 


Nr. 26. Lippstadt. 61 

van Frauwenber^^), preister, capellan zu Lypp, clerk des Colscheii 
crysdomps, und Daem van Boethenkirchen % hausman des Colschen 
crysdomps als geloufliche getzugen heyrzu sunderlings geroeffen 
und gebeden. 

Datum per raodum prothocoUi per me Arnoldum Dass, clericum 5 
Coloniensis diocesis, auctoritate apostolica notarius publicus, manu 
propria. 

26. Senderneuerung zu Lippstadt. 

1591 Nov. 6. 

Lippstadt, St. Westfalen, Rgb. Arnsberg; jetzt Diöz. Paderborn. 
Gleichzeitige Abschr. im StA. Münster, Cleve-Mark L. A. 192,9, 
Gedruckt: A. Overmann, Die Stadtrechte der Grafschaft Mark I 1: 

Lippstadt (VerÖff. der bist. Kommission für Westf.), Münster 1901, 40—42; 

danach hier wiedergegeben. 

Demnach das geistliche gericht hieselbst in dieser Stadt ^) ein 
zeithero abgenomen und sonderlich mit haltung des sends und straf 
der eingebrachten oder gewrogeten allerhand Unrichtigkeit eiuge- lO 
fallen, dadurch dan fast die liebe gotts und des nechsten verkaltet, 
auch laster und schände an ehebruch, blutschande, unzucht und 
anderem unzimblichen, abscheulichem und argelichem wesen zuge- 
nomen und schir die überhand gewonen, als haben die ehrwürdige 
und ernveste Cordt Lürwaldt, itzige probst uud archidiacon*), mit 15 
Zuziehung dero herrn fürstlichen und gräflichen beambten dieser 
Stadt am einen und dan die ersame und vorsichtige herrn bürger- 
meistere und rath dieser Stadt anders theils zu erhaltung besserer 
richtigkeit, zucht und ehren sich beys&men getan, das werk gründ- 
lich erwogen und bedacht und darüber folgender gestalt sich ver- 20 
einbaret und vergleichent: 

[1] Anfenglich: das dero stadt dienere, jeder in seinem hoven 
und sembtlich alle jähr zu zweien unterscheidlichen mahlen als 
vertzehen tage für ostern und viertzehn tage vor Michaelis dem 
alten herkommen nach die vroge bey ihren eyden von unzucht, 25 
ehebruch, blutsschandeund dergleichen leichtfertigkeiten, verbotenem 
lebende, handel und wandel, man und weib inbrengen und nie- 
manden, klein oder gross, reich oder arm, wissentlich und vor- 
satzlich verschwiegen noch übersehen wollen. Wurden sie aber 
dem zugegen thuen, sollen sie derohalben noch ermessigung ge- 30 


^) Frauenberg, Kr. Euskirchen. 

-) heute? Vielleicht verschrieben statt Bettenhoven südwestl. von Lipp. 

•'') Dieselbe gehörte seit 1445 bezw. 1535 den Herzogen von Jülich, Kleve 
und Berg als Landes- und seit alters den Edelherren zur Lippe als Stadtherren 
(Overmann a. a. O. 21*, 23*). 

*) Der von den Stadtherrn, den Grafen und Edlen zur Lippe, mit Zu- 
stimmung von Eat und Bürgerschaft eingesetzte Propst des Augustinerfrauen- 
stifts zu Lippe war zugleich Archidiakon und blieb katholisch auch nach Ein- 
führung der Reformation in der Stadt (1531) und Evangelisierung des Stifts 
(Overmann a. a. 0. 18* f.). 


62 Erzdiözese Köln. Nr. 26. 

strafet werden. Jedoch soll sowohl dem pi'obst als rath bevor 
und freystehen, diejenige, welche also verschwiegen oder auch aus 
Unwissenheit nicht einbracht, gleichwohl sonsten dem probste oder 
rath angeben werden nicht weniger als diejenige, welche mit 
5 namen und zunamen eingebracht, eitleren zu lassen und mit rechte 
darwieder zu verfahren; und sollen zu mehrer richtigkeit die knechte 
jedes mahls verhaltung des sents Vorbescheiden, über die einge- 
brachte excess mit vi eis und umbstendlich gefraget und angehöret 
werden. 

10 [2] Ferner und zum andern: wen die gewrogete personen 
vorgeladen und der send gehalten werden soll, wollen die herren 
regierende bürgermeistere und arabtleute sich neben dem probst 
niedersetzen, das gericht an gewonlicher Stadt bekleiden und alles, 
was sich dazu gebüret, verrichten helfen. 

15 [3] Weiter und zum driten worden: als die citiert der gebüer 
und gehorsamblich erscheinen, soll einem jeden sein excess vorge- 
lesen, derselbe darüber gehört und nach befindung entweder zur 
purgation gelassen und absolvirt oder aber zur strafe beede, man 
und weib ohn unterscheidt, alles nach gelegenheit der personen 

20 und excess, auch ermessigung des gerichtes angenomen, auch die 
geldbusse durch den rhat unverlangt mit pfandung und sonsten 
erzwongen werden, jedoch dem radt hiemit ausdrücklich vorbe- 
haldten, dass er ersamen sich der leibstrafe und schandtbusse 
pro quantitate et qualitate delicti hiedurch mit nichte begeben, 

25 besonder die vielmehr den herkommen nach per excessum reser- 
viert haben wollen. Würden aber ein oder mehr verächtlich und 
ungehorsamblich verpleiben, dieselben sollen nochmals bey einer 
namhaften geldtpoen zum nechsten nochmals citiert und woferne 
sie ihres verpleibens nicht redliche und erhebliche Ursachen und 

30 entschuldigung in rechte vorbringen und darthuen und auch noch- 
mals verharren und auspleiben werden, ihn dieselbe angedrawete 
und andere nach gelegenheit der personen und ermessigung des 
gerichts angeschlagen und sonsten in andere wege zum gehorsamb 
gebracht werden. 

35 [4] Und was also von solchem allen so wol von straf des un- 
gehorsambs als der excess an geldtbusse einkommen wird, solches 
soll in zwey gleiche theile von einander gelecht und davon der 
halber theil dem probst und der ander halbscheit dem rathe zu- 
gestellt und behandiget werden; dagegen dan auch beede theile 

40 zugleich den stadtsknechten ihre gebeur, einem soviel als dem 
andern, erleggen sollen. 

[5] Und dieweilen sich zu zelten zutregt, dass zwei ledige 
personen sich ausser der ehe beyeinander gesellen und eine zeit- 
lange in Unzucht leben, folgentz aber zur ehe greifen und ehelich 

45 werden, dadurch dan wol nach besage der rechten vorige Vitium 
purgiret, gleichwol das öffentliche ergernisse und schandalum pleibt, 
soll diesesfalls jederzeit bey ermessigung des probstes und rath 


Nr. 26. Lippstadt. 63 

stehen, ob die mit strafe und welch ergestallt beiecht oder aber 
darannen erlassen werden sollen. 

[6] Als sich auch offmals begeben, dass ^o wol durch dieser 
Stadt einwohner als auslendische und frombde allerhand heimliche 
verknüffung wieder der elter, vormunter und freunde willen oder 5 
je ausser derselben vorwissen alhie geschehen, auch die prediger^) 
alhie solche leute zu Zeiten wol nechtlicher oder jedoch heimb- 
licher weise zusamen ehelich versprechen, so sollen hinfuro hie in 
der Stadt solche clandestinae nuptiae und verbündtnuss mit nichten 
verstattet werden, sonder öffentlich verboten sein, auch keine ehe- lO 
leute zusammen gegeben werden, sie sein dann zuvor in ihrer 
Pfarrkirchen zu drein unterscheidlich nach einander folgenden son- 
tage öffentlich abgekündigt. Wie sich dan auch die prediger der 
fremden copulation allerdings enthalten sollen, sie würden dan 
darumb aus ehehaften Ursachen mit der pastoren oder Obrigkeit, 15 
darunter sie gesessen und gehorlich sein, richtig schein und urkund 
angelanget und ersucht. Und sollen sich auch die einwohnere hie 
in der Stadt durch ihre pfarrern und nicht in frembden stedten, 
flecken oder dörfern zusamen verknüffen lassen, alles bei ernster 
und unnachlessiger strafe, damit sowohl die prediger als contra- 20 
henten und all diejenige, welche verschub darzu leisten und hie- 
gegen thuen, solche clandestina matrimonia befördern, stiften und 
zu wege bringen helfen^ beiecht werden sollen. 

[7] Und soll hierüber und zum vierten dem geistlichen gericht 
in erörterung der geistlichen Sachen und welche vor sich selbst 25 
vor das ecclesiasticum iudicium gehören, sein gebürlicher lauf ge- 
lassen, demselben hiedurch auch nicht abgebrochen noch benomen 
sein, bei welchem dan ein erbar rath, wahn ir ersamb in subsi- 
dium et pro executione angelangt werden, wol zu gebürender hand- 
habung und voUenstreckung sich erbauth, dawider dan auch einem 30 
erbarn rathe seine gerichtbarkeit und die ihren sonsten in eusser- 
leicher guter zucht, zwang und policie zu halten und sonderlich 
die oifentlichen gotteslesterer, seufer, fresser, dobbeler, Spieler, 
auch diejenige, welche die heilige sontage und andere festtage mit 
arbeit und sonsten entheiligen, auch frembde in disse landwehr zu 35 
arbeit brengen oder auch in andere wege sich vergreifen werden, 
dem alten herkommen nach und vermöge der recess allein zu 
strafen hierait per expressum vorbehalten sein soll. 

[8] Welches dan alles, also als vorstehet, fertiglich und un- 
verbreuchlich gehalten werden soll, doch alles solange, als solches 40 
der landsöbrigkeit'^), auch beeden partheien gefallen wird und nicht 
weiter noch lenger, auf den fall den jeder theil, was er von dato 
dieses gehabet und herbracht, nemblich der probst der strafe der 

*) Geraeint ist die protestantische Geistlichkeit der Stadt, da Lippstadt 1531 
protestantisiert wurde. 

-) Schon 1599 beseitigten diese den Anteil der Stadt am Sendgerieht (vgl. 
den Rezess bei Overmann a. a. O. S. 44). 


64 Erzdiözese Kola. Nr. 27. 

excess an geldbuss, der radt aber der peinlichen leibstrafe und 
schandbuss, wie dan auch diejenige, welche ungehorsambs halben 
auf drei bescheheD| wroge und der gewrogten verpleiben, ihren 
ersamen übergeben allein zu strafen unverhindert wieder an sich 
5 nehmen für ein exercitium und gebrauchen soll und mag. 

Zu welches urkund und besserer nachrichtung seindt hierüber 
zwo gleichlautende recess aufgerichtet, mit der probste und stadt 
secret eingesiegelt, bestetigt und jeden theil ein davon zugestalt 
und behandet worden. 
10 Datum am 6. november jahrs unsers einigen erlosers im funf- 
zehen hundert ein und neunzigsten. 

27. Senderneuerung zu Mersch. 

1762 März 21. 

Mersch, Df. Eheinpr., Kr. Jülich. 

Gleiclizeitige Aufzeichnung enthalten in dem „Compendiuni redituum ecclesiae 
... in Merschen", 1 Bd. fol. ohne Einband, PfA. Marsch (zit. Krudewig II 4.3) '). 
Ungedruckt. 

Renovatio synodi parochialis. 

Anno 1762 den 21ten martii ist vor mir Joanne Petro Krähe qua 
pastore zum erstenmahl nach dem hohen ambt dahier in der kirchen 
15 send oder synodus parochiana gehalten worden, worin Josephiis 
Strauft auf der Merschen und Christian Nobis zu Patteren ^) zu 
sendscheifen angeordnet und ist von der ganzen gemeinden gutt 
gefunden und beschlossen worden als folgt: 

[1] Erstlich solle an son- und feyrtägen ohne dringende noth 
20 oder ausdrückliche erlaubnis nichts gearbeitet werden;, 

[2] zweitens sollen gar keine todten wachten mehr gehalten; 

[3] drittens sollen die kinder und sonst eiteren etc. ein jeder 

noch seinem geschlecht allein ihre better und respective schlaff- 

zimmer haben; 

25 [4] viertens solle unter dem gottesdienst kein mensch in bier- 

oder brandeweinhäusern gefunden werden ; 

[5] fünftens solle keiner weder by solemner procession noch 
hochzeiten sich gelüsten lassen in die kirchenthür abzufeuern, alles 
unter geziemender wachsstraff; 
30 [6J sechstens sollen sendscheffen die Verbrecher fleissich be- 
obachten und dem pastoren anbringen; 

[7] siebentens sollen keine frembde und besonders wegen der 
unlauterkeit, verdächtige personen aufgehalten werden. — NB. Mi- 
lites quidam quandoque habent suas sequelas; 
35 [8] achtens sollen keine kinder mit kühe oder sonsten zum 
ziehlviehe geschickt werden noch sonsten in publice dieses viehe 
zusammen gelassen werden. 

^) Die Abschrift des Stückes verdanke ich Herrn Pastor Metternich in 
Müntz, Kr. JüUch. 

-) Pattern bei Jülich. 


Nr. 28. NiederdoUendorf. 65 

28. Pflichten der Seiidscliöffeii zu NiederdoUendorf. 

1710. 

NiederdoUendorf, Df. Rheinpr., Kr. Sieg. 

3 Pap.-BI. 2", 1710, enthaltend 2 Schöffenordnungen, eine mit 10, die andere 
mit 14 Punkten; an die letztere schliesst sich die Konfirmation der Sendschöffen 
von 1710 Jan. 11 an. PfA. NiederdoUendorf (zit. Tille I 323). 

TJn gedruckt '), 

Der Dekan der Christianität Siegburg ernennt kraft kurfürstlicher Ver- 
ordnung und der ihm verliehenen Gewalt den Pastor zu NiederdoUendorf zum 
Senddechant von dessen Pfarrei und setzt zugleich 3 Sendschöffen ein. 

Als Befugnisse der letzteren werden aufgeführt: 

1. Sie sollen die Uebertreter der geistlichen Sachen bei ihrem Senddekan 5 
anbringen und wenn der Send alljährlich auf den letzten Pfingsttag oder gleich 
danach gehalten wird, sollen sie zu gebührlicher Strafe angehalten werden. 

2. Die Eltern und Herrschaften der der Christenlehre fernbleibenden Kinder 
und Dienstboten sollen mit '/o ^ Wachs bestraft werden. 

3. Am meisten sollen sie auf ärgerlichen Lebenswandel acht haben, iQ 

4. sodann auf Ordnung beim Gottesdienst und bei Prozessionen. 

5. Die Jugend soll zum Besuch des Gottesdienstes angehalten werden. 

6. Sie sollen während Predigt und Amt in Wirtshäusern und an ver- 
dächtigen Orten nachsehen; wer nicht folgen will, soll der weltlichen Obrigkeit 
angezeigt werden. 15 

7. Brautleute sollen sich 8 — 10 Tage vor der Kopulation vom Pfarrer in 
den Glaubenslehren examinieren lassen. 

8. Sie sollen besonders darauf acht haben, dass kein Kartenspiel und Aehn- 
liches, zumal während des Gottesdienstes getrieben wird; Straf massige sind ad 
notam zu nehmen und in dem Sendgeding zu verurteilen. 20 

9. Sie sollen darauf, sehen, dass an Sonn- und Feiertagen keine knechtliche 
Arbeit verrichtet und 

10. auf hohe Festtage keine Schiffahrten angesetzt werden»). 

11. Die skandalösen Hühnerjagden auf den Hochzeiten werden unter 
höchster Strafe verboten-). 25 

12. Gemäss kurfürstlicher Verordnung von 1708 Jan. 4 darf auf Hoch- 
zeiten nicht gespielt werden, es dürfen nicht mehr als 25— 30 Personen daran 
teilnehmen und bis 8 oder 9 ühr abends sollen sie beendigt sein''). 

13. An Sonntagen soll man weder Kraut noch Gras, noch Laub holen, 
und Ausgelassenheiten auf Pfingsten sollen unterlassen werden*). 30 

14. Bei Totenwachen soll die Beteiligung der Jugend verboten sein; nur 
die nächsten 2 — 4 Nachbarn sollten bei dem Toten wachen. 


a) Damit schliesst die erste Ordnung. 


^) Von Maassen, Gesch. der Pf. des Dek. Königswinter S. 288 f. weder 
zitiert noch verwertet. 

-) Vgl. über diesen Brauch Kück-Sonrey, Feste und Spiele, S. 234. 

') Nach Scotti, Jülich - Bergische Verordnungen I 272 erging eine ent- 
sprechende herzogliche Verfügung 1708 Jan. 13, wiederholt 1711 Juli 3; Nieder- 
doUendorf gehörte zum Herzogtum Berg. 

*) Vgl. darüber Kück-Sonrey 121 ff. 

Koeuiger, Sendquellen. K 


66 Erzdiözese Köln. Nr. 29. 

29. Sendordimiig- für Olberkassel. 

1710. 
Oberkassel, Df. Eheinpr., Kr. Sieg. 
Abschr. im PfA. OberkasseP). 

Gedruckt (in modernem Sprachidiom): C. H. Chr. Maassen, Dek. Königa- 
winter (Dumont 28) 1890, 23 f.; danach hier wiedergegeben. 

1. Der Pfarrer als Senddechant soll mit (drei) Sendschöffen zweimal im 
Jahr den Send halten und die eingehenden Strafgefälle zur einen Hälfte für 
kirchliche. Bedürfnisse, zur andern für die Armen verwenden. 

2. Hausväter und Mütter sollen Kinder und Hausgenossen in den christ- 
5 liehen Unterricht schicken und für den Fall des Ausbleibens derselben ^/^ Pfund 

Wachs geben. 

3. ünsittlichkeit, öffentliches Aergernis, Ketzerei, Sektenwesen, gefährliche 
Zusammenkünfte sind straffällig. 

4. Die Sendschöffen sollen auf erbaulichen Gottesdienst, Ordnung, Gebet, 
10 Gesang bei Prozessionen Achtung haben ; sowie 

5. die zarte Jugend zum Besuch der Schule und Kirche anhalten. 

6. Sendschöffen und Sendboten sollen während des Hochamites, der Predigt 
und Christenlehre an Sonn- und Feiertagen in den Wirtshäusern und an andern 
verdächtigen Orten Umschau halten, daselbst befindliche Burschen zum Gottes- 

15 dienst anführen, die widerstrebenden strafen und nach Umständen ausserdem 
der weltlichen Obrigkeit anzeigen. 

7. Brautleute sollen 8 oder 12 Tage vor der Heirat beim Pfarrer in das 
Examen gehen. 

8. An Sonn- und Feiertagen während des Gottesdienstes und in der Nacht 
20 ist das Karten- und Würfelspiel in den Wirtshäusern verboten und straffällig; 

9. desgleichen knechtliche Arbeit sowie Aufenthalt auf dem Kirchhof vor 
oder nach dem Gottesdienst. 

10. An den Festtagen zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Christi Himmel- 
fahrt darf niemand ohne sonderliche Not über den Ehein fahren. 

25 11. Exzesse bei Hochzeiten werden mit Erlegung von 6 % Wachs, im 

Wiederholungsfalle höher und ausserdem vom weltlichen Eichter bestraft. 

12. Uebertriebene Gastmähler, Spiel bei Hochzeiten sind kraft kurfürst- 
licher Verordnung abgeschafft^) und alle Unehrbarkeit zu meiden. 

13. Kraugras, Laubholen, Aepfellesen unter Prätext, als ob es keine Arbeit 
30 wäre, sollen an Sonn- und Feiertagen keineswegs geschehen noch zugelassen 

werden. Item Pfingstgelage, Schroderessen"), Zusammenkünfte, Fastnachtsaus- 
gelassenheiten, Verkleidungen und was der Ehrbarkeit widerstrebt, item Fischen, 
Banschlagen *), Baden, Fluchen, Schwören und Ehrenschänden sollen hiermit 
kraft göttlichem und menschlichem Gesetz verboten sein. 

35 14. Bei der Totenwache sollen nicht über 4 oder 5 Personen anwesend sein 

und zwar bei männlichen Leichen nur männliche und bei weiblichen nur weib- 
liche Personen; junge Burschen sollen stets fernbleiben. 

15. Vorstehende Artikel sind wenigstens einmal im Jahr öffentlich bekannt 
zu machen. 


') So Maasseh; aber weder meine eigene noch anderweitige Nachforschung 
konnte dort das Ms. ausfindig machen. 
2) Vgl. voriges Stück § 12. 
•'') Wohl ein Festessen zur Zeit der Weinernte. 
••) Grenzpfähle schlagen? 


Nr. 30, 31. Olef, Overath. 67 

30. Send- und Kirclienweistum TOn Olef. 

1546. 

Olef, Df. Rheinpr., Kr. ScMeiden. 

Im PfA. Olef^); danach wohl die Abschr., 19. Jahrh. Anl, ia Fürths 
Kollektaneen Bd. I (Mitte), StBibl. Aachen (zit. Verz. Ehein. Weist. S. 61 
Nr. 792): A. 

Gedruckt: Katzfey II 150 — 154 (nach dem Orig. mit Kürzungen): B; 
Grimm II 768—772 (nach andrer Vorlage): 0. 

Im ersten Abschnitt S. 768 hat C nach chorgesanck noch: „hat er auch ge- 
walt einen pastor nach seinem Wohlgefallen zu setzen". Dieser Satz fehlt in AB. 

Dagegen fehlt in C am Ende des zweiten Abschnitts S. 768 nach ab- 
sundert: „also soll derselbig abgesundert und verworfen werden wie die un- 
redlichen creaturen von alier christlicher gemeinschaff biss zu erkantniss der poe- 5 
nitentien und bussen des unchristlichen Lebens". 

Ebenso fehlt in C am Schlüsse des dritten Abschnitts S. 768 nach mutter 
ist : „Veldt. Von der kirchen zu Oloff acht g. 8 alb., dessen er der kirchen von 
einem garten geben muss einen guldena). 

Endlich fehlt in C zwischen den beiden Absätzen S. 771 nach trincken zu 10 
geben ein ganzer Absatz: 

Ornameuta ecclesiae. Item es soll der pastor die h. sacramenta und orna- 
menta der kyrchen in reyner ehrlichkeit halten und uffsehens haben, dass sie 
gehalten werden wie sich gepurth; desselbigen gleichen soll der offerman ver- 
waren die kyrch, dat geleut, die leinwatt, die kleinotter und vort andere Sachen, 15 
so ime zuverwahren staint, dass er sich darin verantworten könne in einicher 
nachreden und datselvige sullen ime die kirchenmombare befellen und ubermitz 
die gemeinde rechnen; wa sie es aber nit bestellen, soll der offerman kein schuld 
haben und seinem pastor sagen, so soll er sie darzu halten, dass sie bestellen, 
wass darzu vonnoten ist und die kleider, die in der kyrchen unrein seint, und 20 
fort zu buetzen und zuvehgen soll der offerman versehen und dem kirchen- 
raombaren hantreichen. Dass sollen sie bestellen und belohnen und dasselbige 
alsdan dem offerman wiederumb lieberen. 

So welcher sin kind zur taufen schickt, ist der offerman schuldig sein ein 
fewr zu stechen, das kind dabey zu erwärmen, sofern sie es gesinnen ; dess ist 25 
ein jede fraw iren ingank zu Oloff zu thun schuldig und ihre gerechtigkeit da- 
von zu geben wie vorgenannt-). 

31. Kirchenweistuni von Oreratli. 

1632 Apr. 18. 

Overath, Df. Rheinpr., Kr. Mühlheim. 

Aus Prozessakten v. J. 1862 über die Verpflichtung des Pfarrers zur Hal- 
tung des Zielviehes, PfA. Overath (zit. Tille I 263). Es ist die Abschr. einer 
Kopie, welche Archivrat La com biet in Düsseldorf unterm 30. Juni 1857 als 
mit der in dem dortigen Provinzialarchiv unter den Schriftstücken der Abtei 
Siegburg befindlichen Urschrift übereinstimmend bestätigte (A) "). 

Gedruckt: Lacomblet, Archiv 7, 293— 296 (B). 

a) Am Rande: Haec pro diversis anniversariis. 


') Das Stück einzusehen war mir nicht möglich. 

^) In dem „Verz, der Rhein, Weist." S. 19 wird ein SW. von Dreiborn 
(1546) als in v. Fürths Kollektaneen I befindlich erwähnt; es scheint dies mit 
dem voraufgeführten SW. von Olef, das zur Herrschaft Dreiborn gehörte, iden- 
tisch zu sein und die Bezugnahme auf letzteren Ort auf einem Versehen zu 
beruhen, da im zit. Band ein Schöf f cn weistum zu Dreiborn (1419) vorhergeht. 

^) Im StA. Düsseldorf, Repertorium für Siegburg, habe ich weder Kopie 
noch Original verzeichnet gefunden. 

5* 


(38 Erzdiözese Köln. Nr. 32 

„Nachricht der- jährlichen send zu Overath, was ein zeitlicher dinger als 
alter froegreden ') der gemeinden soll vorhalten. 

NB. Was jeder hundschaft auf dem sendtag durch die honner aufzufordern 
und den kirchmeistern wegen der kirchengeleuchte zu geben schuldig : „hundert- 
.5 Schaft Oderscheidt 16 alb., Burger 16 alb., Hilliger 16 alb.. Lodricher 16 alb., 
Balcher 6 alb., Vilckerader 7 alb., Miebacher 8 alb." a) 2). 

32. Sendordnung von Paffrath. 

1452 Febr. 12. 

Paffrath, Df. Rheinpr., Kr. Mühlheim. 

Aufzeichnung von 1452 Febr. 12 im Messbuch („Rotes Buch") des PfA. 
Paffrath, perg. 8", fol 22^—29* (zit. Tille I 264). 

Gedruckt: Ferd. Schmitz, Das Messbuch zu Pfaffrath, Annal. des hist. 
Ver. f. d. Niederrhein 87 (1909) 15 — 18 ; danach hier soweit (Abs. 1 — 5) wieder- 
gegeben, als es sich unmittelbar auf den Send bezieht. 

Dit sind gemeine rechte der hilger kirchen zo Paffrode as 
hir na volgent: 

1. Tom eirsten so wammen den sent unde dat ge richte der 
lOhilger kirchen sitzet, so hevet min here van Collen unde min here 

van dem Berge dat gerichte gevredet, richtere unde scheffen unde 
allen dengenen, dei des dar to doin hant. Unde sollen dei scheffen 
dar ein eid doin gode, der hilger kirchen, dem hilgen seende truwe 
unde hold to sinne unde darvor to wrogene unde vor to brengene 

15 alled, dat tegen god unde tegen dei hilge kerke ist unde tegen 
den pastor; deden sei des nicht, so worden sei meineedich. Dissen 
eed is ein idlich kristenmensche schuldich to holden gelich den 
scheffen unde den scheffen an to brengen, so wat wrochbar is 
tegen god unde tegen dei hilge kirge unde tegen den pastor ; 

20schege des nied, so weren sei meineedich gelich den scheffen, na 
den dat er patten unde er goden in der tid, do sei gedoft worden 
unde dei prester vragede: „gelovestu an gode unde an dei hilge 
kirche?" unde sei antwerden: „ich gelove". Dei schlechten simpel 
worde, gesprochen vor gode, vor dem prestere, vor der hilger 

25 kirche, sint me dan dei hande op dei hilgen gelacht unde lifflichen 
to den hilgen gesworen; hir ume hode sich ein idlich mensche, 
dat hei niet meineidich en werde. 

2. Disse Sache, dei hir na beschreven stain, sal men wrogen 
in den hilgen seind: Off raen dei kirchen recht wol holde unde 

30 wol geholden werden, dar to salmen guden raed geven; off dei 
offerman unde dei kirchmestere er ampt wol be waren; off dei 


a) Diese beiden Absätze fehlen in B, sonst stimmen A und B bis auf einige 
bedeutungslose Lesarten überein, dagegen fehlen wieder in B die Unterschrifts- 
formelu des Notars Friedrich Halle und der Kirchen meister und des Pedells 
Dietrich und Peter Schwamborn bezw. Jakob Schwamborn. 


') An andrer Stelle im Text „vroghrederen" = der dieWroge (Rüge) vor- 
trägt, überhaupt auf Sendfragen antwortet im Namen der übrigen Sendschöffen. 

-) Die Ortschaften Oderscheid, Burgen. Heilger, Löderich, Balken, Vilkerath 
und Mibach gehörten alle zum Kirchspiel Overath. 


Nr. 32. Paffrath. 69 

kirchmestere alle iar rechenschop doin vor dem pastor off vor 
dem, dei des pastors stede vorwart, unde vor deme kerspele; off 
dei pastor unde kerpelslude disse rekenschop ock eeschen, misse 
geweede unde ander sirate der kirchen, keliche, boche, clokken, 
geluchte bequeraelichen gestalt sin, dei gewalt dreven gode unde 5 
der hilgen kirchen, der wedenhoven, dem kircliove off den hilgen 
unde den hilgen steeden ; off ein mensche unvleedich woerde, dat man 
besorgede der malaed, dat sal man vor den hilgen send wrogen 
unde dat al dar richten na der besten wisen unde na guden wisen 
reeden; dei dar weigerde teinden, renten, gulde der kirchen, lo 
deme pastor unde dei krenkede; dei dei hande geweltlichen mit 
torne op er alderen, op prestere unde op geestliken luden, cleriche, 
off op sin husvrowe, off op eren man, off op sin husvrowe binnen 
des sees wechen ovel handelden; vrowechen, dei ud den ses 
wechen leiten*); velscher off dei kive op dem kirchove, in der 15 
kirchen off op ander hilige stede dede; dei dei kirchwege be- 
speirde; dei kinderchen op hilge steede begrovede, dei ungedoft 
weren; dei dat versumede, dat dei kindere niet gekerstent en 
woerden; dei dat hilge sacrament nicht ton minesten eins des iars 
entfenge unde dei dat entfenge ungebichtet; dei mit sinen magen20 
uukusche sache gedreven hedde,- dei dei hilge ee hinderde um 
hasses willen sunder reedeliche sache in schakheide; dei siner 
husvrowen eder erme manne off kinderen dat broed vor sclote; 
dei binnen missen op dem kirchove plegen to staine; dei dat ver- 
sumede, kranken luden, megeden, knechten, kinderen dat hilge 25 
sacrament, dat sei des nicht entfengen, off er bicht nicht en 
deden; dei opp bennighe dage nicht to kercheu en quemen, in er 
rechter moderkirche ; dei unkusche sache bedreve op hilge stede; 
dei sin alderen nicht en begenge, er sevende, er iargezit nicht 
en deden; dei gude under hedden, dar iargezide oppe stondenso 
unde heilden der neit; dei niet en komen in den hilgen seent; 
dei sunder orlof van dem hilgen seinde scheedent; dei boven ein 
iar in dem banne blived, meineediger, kettere, overspeler, sunder 
eschop in unkuschen Sachen legent off in hemelicher edschop sind, 
wokener off wokenerschen, hoensprake doint op gode, op den stolss 
van Eome und op dei hilgen kirche; dei dei sundage off ander hilge 
dage nicht en virent; dei dar twivelent in den christene geloven; 
dei ungehorsom sin gode unde der hilgen kirchen; dei dei tein 
gebode nit en held; deivorkop doint, wantgelt nemen, wanmaesse, 
Wangewichte. 40 

3. Dit sint dei bennighe dage as vorgeneumet sin: Christes 
misse, unser leiven vrowen misse unde dage, aschedage, palm- 
dage, wisse vridach, paschavent, paschdach, pinxtavent, pinxt- 
dach, dei cruceweche, unses heren hemelvard, sacramentsdach. 


«■) Von späterer Hand am Eande nachgetragen : ,,auch. die, so ins kindelbett 
geraten werden und nit zuvorn das h. sacrament empfangen," 


70 Erzdiözese Köln. Nr. 32. 

sunt Johannes misse baptista, kirchwiginge unde elterwiginge op 
den patrondach der kirchen unde der elter, aller hilgen dach, aller 
seilen dach, aller apostel dach, alle sunnendage. 

4. Eine boesse is verramet den overspelers unde kletteren, 
5 wederstrevers godes unde der hilgen kirchen unde naturlichen 
Sachen, vrowen in den sees wechen etc. Bisse sint gewizet an dei 
Schandsteine tzo dragen tzo Paffrode van dem hohen altar um den 
kirchhoff unde weder an den hoen altaer alle sundage tuschen 
pinxten unde paeschen, als men mit dem hilgen sacramente um 

10 den kirchhoff geit unde solen vor den vanen gein, idlicher in sime 
hemede, blotes hovedes unde barvoed, unde solen er idlicher haven 
in eren henden veir kersen, idlich van einen punt wasses, to id- 
lichem ume gange nuwe kersen, unde solen dei offeren ein vor dat 
hilge sacrament unde op idlich altaer ein, unde en solen in dei 

15 kirche niet weder gain, sei en haven er idlich van dem pastor off 
van den prester III sclege mit einer berkenroeden, unde van dem 
pastor unde prester wederum darvan gegeven eine marck Colsch 
pagaments to presencien. Unde solen vort dar stainde bliven, bis 
dei prester dei misse an gehaven had. Dei offerman sal en dei 

20 bodschop brengen unde dan solen sei dei steine weder brengen op 
dei vorss. stad. Wer sake, dat id sich also machte mid den kerspels- 
luden, mid dem pastor off prestere, dat men dissen umegane nid 
doin en mochte, so solen sei dar vor einen anderen sundach na 
pinxten dar voer doin, as vorss. is, so vake, as sich dat geborde, 

25 unde dit solen sei wol verborgen, dat sei dit holden willen dem 
pastoere to Paffrode off dem prestere unde den kirchmesteren tuschen 
den eirsten sundach in der vasten unde den wissen vridach to sunne 
undergange. Off sei des nit en deden, so solen sei in den banne 
sin unde bussen der kirchen bliven unde bussen gemeinschop allen 

SOcristenen luden. Unde ein idlich cristenmeDSche, dei sei si°ied in 
der kirchen, dei sal sei melden dem pastoere off dem prestere. 
Unde wei dat breche, dei solde verweddet haven VI seh.,, half 
mime heren van Collen unde mime heren van dem Berge, unde 
dei ander helfte dem pastoere off dem prestere to Paffrode unde 

35 der kirchen to Paftrode so vake unde vele, as dat geschege, Dei 
lanthere mach disse broche ud doin peinden, also dat eime idlichem 
werde, dat em vellich is. Wer eimans, dei disse boesse nied doin 
en wolde, dei solde in dem banne bliven, gelich vorss. is, unde 
verbrocht haven XXIIII seh., half mime heren van Collen unde 

40 mime heren van dem Berge, dei ander helfte dem pastor to Paff- 
rode off dem prestere unde der kirchen tzo Paffrode. Item men 
mochte karene hir vor gain. Ein karen is VII iar to born unde 
to brode, barvod, blotes hovedes nummer ein nacht dar dei ander 
unde uss dem vasse gegessen, dar hei sine vose inne wosche. Disser 

45 karen ein vor eine hovetsunde, VII vor ein overspeel, so vake 
unde so mannichworf VII kareen, hundert kareen vor eine ketterie, 
so vake und so veele, so mannich hunder(t) karene. Wei disse 


Nr. 33. Pingsdorf. 71 

karene gain wolde vor sine sunde, dei en solde der schantsteine 
nied dragen. 

5. Dei kirchmestere unde der offerman solen einen eid doin 
goäe unde der hilgen kirchen und dem postoere truwe unde holt 
to sine unde er gude to verwaren, so as sei best kunnen unde 5 
mögen ; worde des wat verluslich, dat solden sei richten. Wer 
wes verluslich geworden, dat solden sei weder helpen inbrengen, 
so vere as sei künden unde mochten, Dissen eid hebben ock alle 
pastoere eren oversten gedain. Schege des nied, so weurden sei 
meineidich. Unde alle christenen lüde hebben dissen eid gedain 10 
gelich vorss. iss op der dope. [Unde so en sal men neine be- 
genknisse doin op hilgen dage. Men en sal nit 2 begenknisse doin 
op einen dach, Men en sal oek nid de maget mit des husseren 
kindere, id si maget eder knecht eder kint to hues, id si husvrowe 
eder husser samen begain]"). 15 

6. Alle christenen lüde, alle prestere, dei to capittel nied en 
komen, alle moniche unde nunnen, dei sunder orlof eren oversten 
bussen eren closteren sind, alle heren, ritteren unde knechte unde 
hovelude, dei niet to hove off to tornei en komen, disse vorgenanten 
solen gehorsam sin dem hilgen sende. 20 

33. Sendoi'dniing und Sendweistum yon Pingsdorf. 

1612 März 15. 

Pingsdorf, Df. Eheinpr., Kr. Köln-Land. 

Abschr. von 1758 im Kirchenbuch der Pfarrei Pingsdorf, jetzt auf dem 
Bürgermeisteramt zu Brühl. 

Gedruckt: K. W. Rosellen, Dekanat Brühl (Duraont 6) 1887, S. 606—608, 
vgl. S. 462 ; danach hier wiedergegeben. 

Post evangelium sancti Joannis in missa antiphona: Veni s. 
Spiritus cum vers. et collecta. Fit compulsus. Eliguntur novi 
officiales nostrae ecclesiae, qui reverendo domino pästori parato in 
superpellicio et stola stanti vel sedenti ad scamnum communi- 
cantium praesentantur. Leguutur synodi statuta. 25 

Verzeichnung der gerechtigkeit oder alter fragen, so von 
alters her in der kirchen zu Pinsdorf von der ganzen gemeiner 
nachbarschaft des kirspels zu Badorf \1 für undenklichen jähren 
auf den Sonntag Laetare^ allezeit zwischen dem hochehrwürdigen 
herrn abten zu s. Pantaleon^) eines theils und dem herrn pastorSO 
anderentheils und einer ganzer gemeinden daselbsten zu Badorf 
drittentheils stätig observiert, wohlherbracht, gefragt und öffent- 
lich vorgelesen seynd worden. Folgen hernach also lautende: 


''^) Von anderer späterer Hand nachgetragen. 


^) Südl. bei Pingsdorf. 

^) Der 3. Sonntag vor Ostern, 

«) In Köln. 


72 Erzdiözese Köln. Nr. 33. 

1. Zum ersten fragt man allhie vor recM dem hochw, berrn 
abten zu s. Pantaleon zu Collen für einen erfegrundherren und 
einen rechten und wahren collatoren dieser kirchen. 

2. Zum anderen weist man den hochwürdigen abten zu den 
5 grossen, drugen und nassen zehnden. 

3. Zum dritten soll hochwürdiger herr abt aus den gemelten 
zehenden das hochwürdigste sacrament beleuchten tag und nacht 
und auch ein lampe darzu bestellen. 

4. Zum vierten soll auch obgenannter herr abt den romp 
10 dieser kirchen zu Pinsdorf aus der erden bis zu dem himmel oder 

so hoch es nötig zu bauen ist, im dach und baurich halten an 
fensterU; trauen^}, dürren, mauerwerk und alles, was daran nötig 
ist, zu machen und zu bauen. Des sollen die nachbahren des 
kirspels den kirchenthurm sampt dem grossen chor und die kirch- 
15 hallen deggrich und baurig halten mit allem, was darzu gehörig 
ist; so solle auch der verordnete herr pastor wegen des herrn 
abten den kleinen chor deggrich und baurig halten an fenstern, 
tralien und allem, was dazu nötig ist. 

5. Zum fünften solle auch der pastor daselbst alle wochen 
20 zwo messen thuen als gudestags^) uud freytags. 

6. Zum sechsten sollen auch alle nachbahreu auf heut dato 
Sonntag Laetare zu halbfasten allhie in der kirchen erscheinen; der 
aber nicht erscheinet, derjenige soll gestraft werden ein jeder auf 
ein pfund wachs auf gnad oder solle, bestände not wegen seiues 

25 ausbleibens, dem herrn pastoren oder dem burrgermeister beweis- 
lich fürbringen. 

7. Zum siebenten solle und pflegt man heut auf sonntag Lae- 
tare einen kirch- und einen bruddermeister ab- und anzusetzen und 
dem ältesten die pfachten des verflossenen Jahres Martini einzu- 

30 fordern aufzulegen. 

8. Zum achten sollen alsdann auch zwei sendscheffen nach 
altem gebrauch ab und angesetzt und vom herrn pastoren daselbst 
veraydet werden und sollen dieselben bei ihrem ayde anbringen, 
was dem pastoren wegen der kirchen zu strafen zustehet und 

35 was heimlich, solle auch heimlich gestraft, was aber öffentlich ist, 
solle auch öifentlich vom herrn pastoren und gemeiner nachbar- 
schaft vorbehalten unserem gnädigsten landfürsten und herrn nach 
befindung deren delicten gebührender weis bestraft werden: des 
soll der pastor den zweien sendscheffen den nachfolgenden sonn- 

40 tag Judica ein mahlzeit geben. 

9. Zum neunden solle niemand heimliche noch öffentliche 
hurerey oder koppelerey in seinem haus ausser der ehe, es seien 
frauen oder mannspersonen, aufhalten. 

10. Zum zehenden solle auch niemand, der ledige häuser hat. 


^) Gitter. 
-) Mittwoch. 


Nr. 33. Pingsdorf. 73 

keinen ausheiinischen dieser orth ausverpachten oder verlehnen 
ohn wissen und willen unserer gebührender obrigkeit, des herrn 
pastoren und gemeine nachbarschaft. 

11. Zum eilften werden allhie 3 müllen gefragt, die sollen der 
kirchen zu Piusdorf jedes jähr nach altem herkommen gehen 5 
1 malder malz oder 12 albus dafür, oder sollen mit der gemeiner 
nachbarschaft alle sonntag und andere gepottene heilige tag gleich- 
falls mit uns nachbahren feiern und nicht mahlen. 

12. Zum zwölften fragt man allhie, dass auf des klosters 

s. Pantaleon hof zu Badorf sollen stieren und biehren ohn schaden lo 
und vergeltnus einiger nachbahren gehalten werden, damit nie- 
mand darüber zu klagen hat. 

13. Zum dreizehnden soll auch der herr abt ehegedacht das 
Wasser aus den cöntzen pötzen^) hinter der capellen zu Badorf 
in den Comp 2) leiten und gangbar halten. 15 

14. Zum vierzehenten wird gefragt, das ein jeder nachbar möge 
aus des herrn abten s. Pantaleons ackeren leym graben zu seinem 
behulf unbehindert von jedermann, wo es am ehesten zu bekommen 
und wan nur das land brach ist. 

[15] Puniuntur excessus; absentes multantur. In fine Pater 20 
et Ave pro vivis et defunctis. Datur benedictio manus. Scabini 
tractantur a domino pastore. 

[16] Diese alle froegen und gerechtigkeiten verschriebene, 
wie die von der gemeinde und ganzer nachbarschaft zu Badorf 
von alters her wohl herbracht sein, von neues übermitz der ge-25 
meinden daselbst verzeichnet anno 1612 am sonntag Oculi, welches 
gewesen ist der 25. monats Martii'^), durch mich Henrichen Moll, 
kaiserlichen immatrikulirten notar und vereideten gerichtschreiber 
der kölnischen kurfürstlichen Stadt und amts Brühl darzu von ob- 
genannter gemeiner nachbarschaft zu Badorf sonderlich erfordert 30 
und erbetten. Urkund dieses meiner eigenen hand. 

[17] Formular des eydes vor die angehenden 
kirchbrudermeister und sendscheffen. 

Ich N. N. gelobe gott und seinen lieben heiligen, all dasjenige, 
was sträflich ist und mir mit meinem auferlegtem eid wird auf- 35 
erlegt, dasselbe anzubringen, es sei heimlich oder offenbahr, nit 
anzusehen noch verhinderen zu lassen gelt noch gut, vatter noch 
mutter, bruder noch Schwester und demselben nachzukommen und 
treulich zu vollbringen. Helf mir gott und sein h. evangelium. 
Im anfang war das wort und das wort war bei gott. 40 


^) Pfützen, 

^) Bach, der zwischen Pingsdorf und Badorf durchfliesst. 

") Sonntag Oculi 1612 war der 15. März; es liegt wohl ein Schreibversehen vor. 


74 Erzdiözese Köln. Nr, 34. 

34, Sendfragen und Sendmandat für Radevormwald. 

1566 Nov. 16. 
Radevormwald, St. Rheinpr., Kr. Lennep. 

Abschr. in den Farragines Gelenii Bd. 11 fol. 422f. bezw. 406, StadtA, Köln'). 
Ungedruckt. 

Zur send zu erfragen. 

1. Item von gotteslesterung, fluchen und schweren. 

2. Item ehebrecherey. 

3. Item die sich mit ihren bewandten anlegten. 
5 i. Item offenbar hurerey, koppellerey. 

5. üebelhaltung und bescliwerung der eitern. 

6. Item wucherey und betrügerey. 

7. Item wicheley, wharsagen, beschwehren. 

8. Item zaubern. 

10 9. Item kein wissentlich auffenthelder aller vorgenanten laster. 

10. Item alle, die solche handel und laster fürdern, leeben 
und gestatten. 

11. Item wie die pastor und vicarien und die kirchendiener 
insonderheit in ihrem beruf halten, gottes wort rein lehren, die 

15 sacramenten nach einsatzung Christi ministriren, handreichen und 
den cathechismum, das ist kinderlehr, fleissig leheren und in der 
kirchen treiben und in allem wie ihrem ampt zustehet, dienen; 
vort wie sie mit wandel leben, wesen und exemplen hausbalten. 

12. Item wohe eheleuth in öffentlichem Unfrieden für und für 
20weren und lebten. 

13. Item wohe die frawe ader man busiren und mit andern 
heimlich ader öffentlich zuhalten und in verdechtig haus aus ader 
eingehen, davon faraa und gerücht gehet. 

14. Item an welchen ortern frawspersohnen seind, die kinder 
25 haben und keine vetter wissen noch namhaft machen wollen. 

15. Item welche person, man oder weib, sich in jar und dag 
der kirchen enteussern und gottes wort nit hoeren und auch abent- 
mall Christi nit einmall oder etlich im jar halten. 

16. Item welche personen. für der kirchen und uff dem kirch- 
SOhoeve unter der christlichen Ihere, der predig und reichung des 

■ ^) Den Hinw^eis darauf verdanke ich Herrn Stadtarchivar Dr. Kens sen. — 
Die Stadt Rade, zum Herzogtum Berg und zum Amt Beyenburg gehörig, fiel 
schon bald der Reformation anheira (vgl. J. H. Becker, Gesch. der Stadt Rade 
vorm Wald, Köln 1874, 91). Der Send wurde aber weiterhin abgehalten. Im 
J. 1565 Apr. 7 richtete Franz, Graf zu Waldeck, Amtspfleger zu Beyenburg, 
(t 1574) ein Schreiben an die Stadtgemeinde, es wolle der auf den darauffolgenden 
Tag anberaumte Send, wozu er einen Abgeordneten entsenden sollte, verschoben 
werden ; zugleich bedeutet er, dass auf dem dortigen Send nicht diejenigen Sachen 
vorgebracht werden, welche die Sendordnung vorschreibt, sondern „frembde 
Sachen umb schuld, umb wege und ander weltliche Sachen, die für ihr ordent- 
liche Obrigkeit oder gerichtszwang gehoerig sein" ; auch werde der Send auf einen 
Sonntag gehalten und dadurch Aergernis gegeben. (Farrag. Gelen. Bd. 11 fol. 404). 
Daraufhin scheint dann von Amts wegen die nachfolgende Sendfragenordnung 
angefertigt und der erste Send neuer Ordnung anberaumt worden zu sein. 


Nr. 3.4. Rade vorm wald. 75 

abentmals Christi spacieren gehen und zuvor über den predigh- 
stuell abgerufen und gesagt were, die sullen an- und inbracht 
werden wie auch fronbodt darauf sehen sollen ; aber zur messe da 
soll niemand zugedrungen werden. 

17. Item die personen, welche muthwillig und freventlich den 5 
sondag und lobliche heylige dage verachten, gottes worth nit hoeren 
und mit öffentlicher arbeit ärgernus geben, auch ohne verleup eines 
jeden orthspastor ader ehehafte ursach solches überschreiten. 

18. Item alle, die in Unzucht zusamen gelegen und darnach 
zur ehe greifen, von sechs ader acht jaren geschehen ist. 10 

19. Item die in unplicht "gelegen und hernach andere zur ehe 
genhomen. 

20. Item die nach in unpflicht liggen und zur ehe greifen 
wollen, wie sie sagen. 

21. Von dem und allen soll ein klar unterscheidlich registerl5 
gemacht und alles verzeichnet werden und fürter meinem gnedigen 
hern zubracht. 

(22) Item man soll bei der warheit die rueger frogen, das sie 
ein geruecht für ein geruecht und ein warheit für ein warheit 
einbrengen und ob die famen und geruecht heimlich ader öffentlich, 20 
in weinhausen, bierhausen, moUen, backhausen, brawhausen, uf 
straessen und wegen gebeert und geredt worden. 

(23) Item es will auch mein gnediger herr die rueger, was sie 
mit dem ruegen uf ihr warheit für und in den senth brengen, 
als vorgenant für menniglich schadlos haben und halten. 25 

(24) Item ob auch jarlich der kirchengueter halb rechnung 
geschehen. 

(25) Item ob auch die kirchengueter als liggend erb ohne 
wissen und willen der obrigkeit in fünfzig ader sechszig jaren ver- 
kauft, versetzt und vereussert wurden und das klar ufgezeichnet 30 
were und wie das beschehen sey. 

Signatum Beyenburg den 16. dag Novembris anno [15]66. 

Guendelinus Kolbacherius, 
Waldeckscher canzler. 

Wegen des sendgerichts zu Rade vorm Walde. B5 

[26] Zu gedenken, das nechsten gudestag^) gegen morgen zu 
acht uhren der senth nach h. Ordnung in Rade solle gehalten 
werden, darzu der wolgeborner herr herr Franz, grave zu Wal- 
deckhes, mein gnädiger herr, die sein verordnen wille, und sollen 
die senthrueger bey ihren eyden und pflichten einbringen: 40 

[27] Gotteslesterlich unehrlich leben und schandell van geist- 
und weltlichceit, niemand ausgescheidt; ehebruch; die sich mit 
ihren bewandten anlegen; offenbhare hurerey; kuppellerey; fluchen; 
schweren; oevelhaldung; beschwehrungh der alden; wucherey; be- 


') 1568 Dez. 22. 


76 Erzdiözese Köln. Nr. 35. 

driegerey; wycbeley; wharsagen; beschweren; zauberey; öffentlich 
aufhalder und hurderer; solche und dergleichen laster und schandeln. 
[28] Dessen sollen die sentrueger sich woll erkundigen, erfrogen 
und was sie für sich selb wissen, zusammen einbringen, damit 
5 Sünde, schände und laster, der leider viel und mer dan guit ist, 
am tage sein, gestraft und ergernus und boess exempel bei geist- 
und weltlichen vermiten werden. Datirt zur Beyenburgh, den 
18. Dezembris anno [15]68. 

35. Sendordnung von Setterich. 

1597 ca. 
Setterich, Df. ßheinpr., Kr. Jülicli. 

Abschr. von der Wende des 16. Jahrh., 3 Pap.-Bl. 2", PfA. Setterich. 
(zit. Tille-Krudewig II 50). 
Un gedruckt. 

Modus celebrandi synodum antiquitus observatus et usi- 
10 tatus in dominio de Setterich^). 

[a] Die send wird gemeinlich und alle zeit in der herlichkeit 
zu Setterich gehalten in dominica Passionis vierzehen tag vor 
Ostern. Es wird aber doselbsten die sent besessen in gegen wert 
des pastoren mit zweyen vereidten catholischen sendscheffen vor 

15 der ganzen gemeinden, doch ausgescheiden die Weibspersonen und 
alle junge knaben, nit darumb, das dieser excessen ungestraft 
bleiben sollen, sonder dieweil ein jeglicher haussvater für alle 
seine bfottgenossen ist schuldig rechnung zu geben. Die zeit des 
bestimbten senttags wird von dem pastoren den vorigen sontag 

20solemniter proclarairt. 

[b] Am tag der sent, wan der gottesdienst begint geendigt 
zu werden, wird gelaut die grosse klock und kommen zusamen 
alle underworfene parochianer ohn inniche exception, so woll ketzer 
als catholische. Welche zur sent ohn vorige erhebliche bei dem 

25pastorn oder sendscheifen gethane excusation nit compariren, die- 
selbe werden für ierst mulcta ordinaria mit einem pfund waxs 
gestrafft, welche straff so die temerarien contravenientes nichts 
oder zu gering, wird innen nach erkentenuss des pastoren und 
sentscheffen eine höhere arbitralstraff aufgelagt. 

30 [c] Wan nun die stormklock ein zeit lang geluith, thut der 

pastor ad placitum, exhibendo baculum, virgam et forcipem, orati- 

onera synodalem. Wan diese geendigt, werden alle namen der 

parochianen durch pastorn abgelesen, umb die absentes zucolligieren. 

[d] Hernach werden die excessen, so scandalose und sträfflich 

85 seyn, von zweyen und neben einander wonnenden nachbaurn aus 
bruderlicher liebden den sentscheffen vorbracht, umb mit gebür- 
licher manieren darnach gestrafft zu werden. 


') Dazu ist zu vergleichen unten die SO', für Süsteren-Wassenberg. 


Nr. 35. Setterich. 77 

Peccata aliquot generalia, quae sub synodum cadunt, 

examiiianda et punienda. 

[I] Alle öffentliche und gemeine gotslästerliclie flücher. 
[2] Item alle tägliche volsäuffer. 

[3] Item Sü das ihrige mit karten, doppeln und tauschen in 5 
allen herbergen oder wirzheusern einer ganzen gemeinden zum 
ärgernuss aufsetzen und verspielen und in ihrer haushaltung dieser 
Ursachen mangel leiden. 

[4], Item alle diejenige, so ihrer haushaltung unordentlicher 
manieren vorstehen, ihre weib und kinder in keiner christlicher lo 
disciplin aufziehen. 

[5] Item so ihre weib und kinder dem ehestand ungemess 
ergerlich misshalten. 

[6] Item alle ehebrecher, huren, unzuchtige, ganz fleischlich 
lebende menschen; praeter mulctam fisci pecuniariam, die sierespec-15 
tive geben müssen, seind sie auch der kirchen censur und straff 
underworfen. 

[7] Item alle die, so sich selber durch ihre authorität vom 
ehelichen bett absondern und divortium machen. 

[8J Item alle diejenige, so per fornicationem ohn eheliche 20 
copula ein geraume zeit zusamen schlaffen. 

[9] Item omnes illi, qui absque dispensatione incestuosas con- 
trahunt nuptias. 

[10] Item diejenige, so sich son- oder heiligentags under dem 
gottesdienst in wein- oder bierherbergen, umb zu saufen, absque 25 
causa gravi, finden lassen; die wirth aber, welche solche geiöcher 
auf bedeute zelten anstellen und gestatten, fallen praeter ecclesiae 
auch in unsers gnedigen herren^) brüchen. 

[II] Item welche an son- und feiertagen mit eusserlicher arbeit, 
sonderlich under gottesdienst, wirken ; dieselbe werden iuxta quali- 30 
tatem excessus entweder durch unser gnedigen herrn oder aber 
durch geistliche censur gestrafft. 

[12] Item es fallen under die send diejenige, so under dem 
gottesdienst, wann ander ehrliche leuth den gottesdienst suchen 
wollen, die mit newen Zeitungen und andern unnutzen geschwetz35 
auf- und abhalten und verhindern helfen. 

[13] Item welche vom catholischen glauben abweichen und 
sich in inniche verbottene secten begeben oder aus sectischen 
Unglauben zu ostern nicht zum h. hochwürdigen sacraraent gehen 
oder ohn vorgehende beicht und absolution dasselb gesinnen oder 40 
empfangen dürfen. 

[14] Item diejenige, so zwar keiner secten anhengig, aber aus 
fauler uuachtsambkeit den gewönlichen kirchengang versäumen und 
zum wienichsten nit einmahl im jar zur catliolischer communion 


') Der Herzog von Jülich, 


78 Erzdiözese Köln. Nr. 35. 

sich bereiten und dieser gestalt ihre wachsende kinder in gleicher 
unachtsambkeit auferziehen. 

[15] Item diese auch, welche zur zeit, so das h. sacraraent 
über die Strassen zu den kranken adhibito signo consueto oder in 
5 processionen urabgetragen wird, demselben h. sacrament vorlangs 
gehende durch entblössung zum wienigsten ihres heufts ex affectata 
rusticitate aut pertinaci contemptu die gepürliche reverenz nit 
erzeigen. 

[16] Item diejenige, so sich subreptitie quocunque loco et tem- 
lOpore das predigampt und des lehrens und lesens aus verpottenen 
ketzerischen postillen undernemen. 

[17] Item die winkelpredigen underschleifen oder anhören oder 
sich zu den sectarien bekennen. 

[18] Item alle, so ihre kinder aus nachlessigkeit ohn die h. 
15 tauf absterben lassen, auch so dieselbe über acht tag ungetauft 
bleiben und insonderheit, welche sie von einer sent zu der andern 
ohn tauf aufwachsen lassen. 

[19] Item so ihre kinder anderswo als bei ihrem ordentlichen 
pastoren taufen oder die sich ohn vor wissen und rech messige er- 
20laubung ihres pastoren anderswo copuliren lassen. 

[20] Item es werden auch alle eingerissene auslender oder auf 

anderen örthen verbante vor dem ganzen synodo mit sonderlicher 

aufsieht auf glaub wirdigen schein ihres abscheidts gefordert und 

nach erfindung der Sachen entweiter zur nachbarschafft angenommen 

25 oder auch zu ihrem vorigen örth wider hingewiesen. 

[21] Item alle leichtfertige menschen, so entweder auf der 

gassen oder in wirthsheusern, undergelöchern oder sunst anderswo 

ungefundirt die h. sacramenten und sonderlich das h. ampt der 

missen mit grosser ergernuss zu lästern understehen, sollen auch 

somit der sentstraffen beladen werden. 

[22] Item welche bei wehrenden ampt der h. missen sine casu 
necessitatis gestrepel machen, dardurch der celebrerend priester 
perturbirt wird. 

[23] Item welche am sontag das ampt der h. missen nicht 
35 auswarten, sonder aus Verachtung ohn ursach aus der kirchen laufen 
andern zum ärgernuss. 

[24] Item keine auf den kirchhoff als ein geweyte platz zu 
begraben, so in einem unchristlichen glauben abgestorben. 

[25] Item keine heyrathen ohn beiwesen des pastors zu schliessen 
40 und das sich keine kinder bausser bewilligung der eitern vercopu- 
liren lassen. 

[26] Item diejenige, so bei nacht und unzeiden der nachbür- 
heuser garden beschedigen und solche aufhalten. 

[27] Item so wider die gebott der christlicher catholischen 
45 kirchen in den fasten und sunst freitags, sambstags und andern 
von der kirchen gesetzten fastagen fleisch speisen oder essen ausser- 
halb des privilegio dioecesano. 


Nr. 36. Sieglar. 79 

[28] Item alle diejenige, so mit grossem ergernuss der g-emeinden 
öffentlich keiven, schelten, rauffen und schlagen. 

[29] Item alle kinder, so ihren eitern ungehorsam sein oder 
dieselbe mit scheltworten oder schlagen oder sunst betreuben. 

[30] Item so gegen des pastoren willen irgent wo in der kirch 5 
kisten^) und dergleichen setzen. 

[31] Item der grosse missbrauch, welcher in einer gemeinden 
geschücht mit danzen und springen, sonderlich in der fasten und 
am allerheiligsten ostertag und christag, wie auch sonsten auf 
andere zeiten unehrlicher gesellschaften, wird auch durch die 10 
senten gestrafft, so woU an den spielieuthen wie auch aufheldern 
solcher unehrlicher geselschafften. 

[32] Dieser excessen und mehr, welche iuxta qualitatem loci, 
temporis et parochianorum eruirt können werden. 

Omnia ad laudem et honorem nominis dei et ecclesiae utili- 15 
tatem. Amen. 

[33] Articulen*), dero wegen auf der heiligen sent fleissig er- 
kundigung von dem pastoren in beisehen der sentscheffen und 
ganzen gemeinden alle jhar zugeschehen. 

[34] Jerstlich wer kirchen- und brodermeister, wie es umb20 
ihren empfang und ausgab sampt rollen und registern, so visitirt 
sollen werden, gelegen sei; desshalb sie zu ermanen, ihre rechnung 
zu ferdigen umb gegen bestimbten tag zurechnen. 

[35] Item nach geendigter senten newe kirch- und broder- 
meistern, da nötig, zubenennen und zubestellen. 25 

[36] Item das ein jeder kirchen- und brodermeister bei seiner 
rechnung dero kirchen und broderschafften pfänd und underpfänd 
neben deren gebrechen, so da inniche vorhanden, vor- und über- 
bringe. 

[37] Item' wie es mit dem kirchenbauw stehe und gelegen sei, 30 
mit dem kirchenhofl als geweyter pletzen; ob derselbe auch vor 
die beesten gefreyet werde. 

[38] Item von dem custer, Schulmeister, den Schulkindern kein 
verdechtig bouch zu gestaden. 

NB. de anno 1597. 35 

36. Senderneuerung zu Sieglar. 

1717 Aug. 31. 

Sieglar, Df. Eheinpr., Kr, Sieg. 

Orig., 8 Pap.-Bl. 2", mit 2 roten Petschaftsiegelu am Schlüsse, PfA. Sieglar 
(zit. Tille I 332; vgl. Delvos, Dekanat Siegburg [Dumont 39] S. 327). — 
Ebendort eine kürzere, sachlich von nachfolgender Frageordnung nicht verschiedene 
Zusammenstellung der Rügepunkte in 30 Nummern (2 Pap.-Bl. 2"), ausserdem 
wiederholte stückweise Abschriften von ersterer; eine derselben fügt dem Titel bei: 
„Zum erstenmahl aber per zeitlichen herren pastoren Wenceslaum Broickhausen 

a) Ein wenig späterer Nachtrag zum Vorhergehenden. 


') cistae, Schuppen im Kirchhof. 


80 Erzdiözese Köln. Nr. 86. 

und ihrer churfürstlichen durchlauclit zu Pfalz herren amptsverwaltern Johan 
Conrad Nitzgen gehalten worden den 17. Septem bris anno 1719"^). 
Ungedruckt. 

Sendbericht zu Siglaer 

wie selbiges zu halten, was darbey anzubringen, zu bessern, zu 

brüchten, fort ferners zu observiren seye, renovirt und formlich 

reintroduciert anno Christi 1717. 

5 Omnia ad majorem dei gloriam 

et proximi salutem sempiternam. 
Amen. 

[I] Praefatio de.origine judicii synodalis. 

[1] Obwohlen gott der allmächtiger schöpfer aller so sicht- 

10 als unsichtbahren dingen den menschen begäbet mit einem edlen 
verstand und vernunftsleicht, wom iter das gute und bösse erkennen, 
das gute vom bössen unterscheiden könne und folgends von Selbsten 
krafft des natürlichen leichts auch wisse, dass er müsse das gute 
annehmen, lieben und üben, hingegen das bösse hassen und meiden 

15 solle, so hat jedannoch dieses den wiederspenstigen menschen 
nicht dahin zu bewegen noch zu ziehen vermocht, das bösse zu 
unterlassen und von den abschewlichsten lästern abzustehen, 
sondern es ist der grosse gott genöthiget worden, benebens den 
vernünftigen gesätzen der natur auch noch andere verbott und 

20 Satzungen zu geben, dardurch die überhandnehmende Sünden und 
lästern zu vertilgen und auszurotten. 

[2] Weilen nun auch die bossheit des rebellischen menschen 
so hoch gestiegen, dass noch göttlich, noch natürlich gesätz durch 
sich selbst selben vom bössen ferner konten abzwingen, so hat 

25 gott gleichfals nothzwänklich müssen stellen und verordnen richter 
und gerichter, die sothanen lasterhafte creaturen durch allerhand 
peine, leib- und lebensstraffen mit allem ernst und gewalt vom 
bössen ab und zu haltung der gebott anhalten sollen. 

[3] Unter den gerichteren nun, so zu diesem zweck verordnet 

30 und angestellet, ist eins und schier das allerheylsambste der send, 
welchen derohalben sowohl hohe geist- als weltliche Obrigkeiten 
und landsherrn vor etliche hundert jähren in diesses erzbisch- 
thumb löblichst eingeführt und zu halten ernsthafft befohlen, wie 
dan ein solches zu sehen in den statutis synodalibus part. 3 tit, 6 

35 cap. 4 § 4 mihi fol. 150 2), — Wie auch aus denn uhralten gnädigsten 
ihrer hochfürstlichen durchlaucht Wilhelmi, Juliae, Cliviae etMontium 


^) Die im PfA. Sieglar noch vorliegenden Sendprotokolle gehen von 
1717—1791, mit Unterbrechung von 1724-1753; die Einträge sind von da an 
sehr kurz gehalten, keine weltlichen Beisitzer mehr verzeichnet und als Ort des 
Sendgerichts ist der Pfarrhof angegeben. 

-) Gemeint sind die Synodalstatuten für das Erzbistum Köln, hgg. unter 
Erzb. Maximilian Heinrich 1662. Hier wie im folgenden ist die Ausgabe der- 
selben von 1667 zitiert. 


Nr. 36. Sieglar. 81 

ducis etc. von jähre 1551 denn folgender articul num. 20 inserirt^): 
dass der send durch den pastoren, land- und senddechant, wie von 
alters gewöhnlich und herbracht, besessen und gehalten, auch auf 
den orthen, da der unterlassen, wiederumb angestelt werde. — 
Auch ist derselbige articulus in deroselben höchstgnädigen höchst- 5 
ihrer durchlaucht anno 1554 gnädigst publicirten policeyordnung, 
mihi fol. 93 et 94 2). — Gleichermassen ist dieser articul den send 
betreffend in dem provisionalvergleich zwischen ihro durchlaucht 
Ferdinandum, erzbischoffen zu Colin, und ihro durchlaucht Wolf- 
gang Wilhelm unseren gnädigsten landsherrn anno 1621 nach weiss 10 
und raanier, wie selbiger forthin gehalten werden solle, kräftigst 
abgehandlet, clausuliert und ernewert worden^), als nochgehends 
soll geschrieben werden, welchem nochmahlen durch dero durch- 
leuchtigste successores mit oft wiederholten decretis inhaerirt worden 
und in specie noch heutzutags generaliter inhaerirt wird von ihro 15 
churfürstlichen gnaden Josepho demente unsern hochwürdigsten erz- 
bischoffen in letzthin anno 1715 ergangene und bey fürstehender 
Visitation genawest zu observirenden constitutionibus, allwohe den 
oftberührten statutis synodalibus bestmöglichst nochzuleben befohlen 
wird*). 20 

[4] Dahe nun besagtes sendgericht von einigen zelten her 
theils wegen vielen langweiligen kriegstrubeln , teils auch durch 
saumigkeit deren, so selbiges betten unterhalten sollen, in all- 
hiessigem kirspel Siglaer etwa in abgang gerathen, so thuen 
wir Hubertus Wusthoven, landdechant der christianität Sieg- 25 
bourgs und Johan Caspar^) Nitzgen, ihro churfürstlichen durchlaucht 
zu Pfalz bey Rhein etc. ambtsverwalter in beyden ämtern Loven- 
berg und Lulstorff**) in gegenwärtige Visitation vorgeschriebenen 
constitutionibus inhaerendo in krafft dieses allsolches in abgang 
gekommenes sendgericht in allhiessiger Siglarer pfahr renovirn und 30 
wiedereinführen, kräftigst wollende, dass selbiges zum wenigsten 
alle jähr einmahl, auch fals es nöthig befunden wurde, mehrmahls, 
auf sontags vor s. Martini auf weis und forma, wie es in dem 
provisionalvergleich enthalten, besessen werde; belegen auch zu- 


^) Erlass vom 20. März 1551 über die Grenzen der geistliclien Jurisdiktion 
(Scotti, Jülich-Berg I 37). 

-) Jülich-ßergisclie Polizeiordnung vom 10. Okt. 1554, Ausgabe von 1696 
(Düsseldorf). Scotti. Jülich-Berg I 87. 

^) Vgl. Herzog Wilhelms Kirchenordnung vom J. 1551 den 20. März nebst 
der Provisionalvergleichung zwischen Plerrn Ferdinand und Wolfgang Wilhelm etc. 
anno 1621, Düsseldorf 1695; letzterer allein auch Düsseldorf 1735, dann „Vollst. 
Sammlung, deren die Verfassung des hohen Erzstifts Colin betreffender Stucken" I 
(1772) 23—33; Binterim-Mooren, Erzdiözese Köln II ^ (1828) 394—410; 
vgl. Scotti, Kurköln I 230 f. und neuestens Redlich, Kirchenpolitik S. 88*. 

*) Erlass des Erzbischofs Joseph Klemens vom 28. Aug. 1715, gedr. Scotti, 
Kurköln I 603-607. 

^) In der Unterschrift am Schlüsse dieses Stückes heisst er Konrad! 

") Löwenburg und Lülsdorf, Hzg. Berg. Sieglar lag im AmtLülsdorf; das 
dortige Schloss jetzt Euine (vgl. Delvos S. 401—404), 

Koeniger, Semlqiiellen. Q 


82 Erzdiözese Köln. Nr. 36. 

gleich den hierzu verordnete beysitzer oder sendscheifen mit dem 
gewohnlichen eyd mit Überreichung der puncten und articulen, darauf 
sie haben achtzugeben zu ihrer völliger nachricht mit dem ernstlichen 
befehl, dass sie alle und jede, die sie finden, dass darwieder handien, 
öbeym sendgericht eydpflichtlich angeben, darbey keinem noch aus 
lieb noch aus haass, noch aus forcht, er seye wer wolle, übersehen 
sollen. Auch sollen besagte articulen jedermann zur Wissenschaft 
und Warnung erstlich durch zeitlichen pastoren öffentlich von der 
canzel, folgends alle jähr bey dem sendgericht vorgelesen werden. 

lo[n] Extractus articuli concernentis den send aus dem 

provisionalvergleich de anno 1621^). 

Der send solle durch pastoren, land- und senddechanten, wie 

von alters gewönlich und herbracht, gehalten werden, auch an 

örthern, da er unterlassen, wiederumb angestelt werden, dabey die 

löamptleut oder zum wenigsten schultheiss oder befehlshaber seyn 
sollen, aufsieht zu haben, umb dass volk im gehorsam zu halten. 
Wie dan keine leichtfertige oder berüchtigte personen, sondern 
ehrbare und fromme leut zu sendscheffen durch die kirspelen zu 
verordnen, welche der schuldigen berüchtigten nit verschonen noch 

20unbevrögt lassen, auch niemand etwas zur Unschuld oder was nit 
öffentlich oder ärgerlich zumessen sollen. Und obgleich unserer 
pfalzgraffen Wolfgang Wilhelms etc. ambtleuthe und befehlshaber 
vor dem send die ubelthat gestrafft hetten, so soll doch dardurch 
die gebührliche gesetzliche straff, boiss und penitencen dem send 

25 nicht verhindern und hinwiederumb umb der vorhergangener send- 
straffen noch gelegenheit der ubertrettung fortzufahren uns pfalz- 
graffen Wolfgang Wilhelmen als dem landsfürsten nit benehmen 
seyn, also dass beyderseits zwank dahin gerichtet, damit die Un- 
tugend gestrafft, das ärgerliche, sündliches leben und wesen abge- 

30 stelt, keiner übersehen noch zugelassen werde, in öffentlicher sünd- 
und ärgernuss sitzen zu pleiben, wie dan im send kein eygennutz 
gesucht, sondern allein die gebührliche kosten unter den straf bahren 
noch gelegenheit ausgetheilt und so etwas übrig gesetzt, dass als- 
solches den armen gereicht, jedoch dem land- und senddechanten, 

35 pastorn und sendscheffen ihrer geburlicher gerechtigkeit unbenohmen. 
Keineswegs aber solle dem umbstande zugelassen werden, einige 
übertretter zu verdrinken etc. 

[III] Qualitates der beysitzer oder scheffen des send- 

gerichts. 

40 Es soll bey auf- und annehmung der sendscheffen wohl in acht 
genehmen werden, dass diejenige, welche zu dieser würde und 
ampt erwöhlet werden, seyen aufrichtige und im herzen catholische 
männer, andächtig, from, eines auferbawlichen ehrbaren handeis 


') Art. 20—25. 


Nr. 36. Sieglar. 83 

und wandeis, wodurch sie andern ein guthes exempel zur ehrbahr- 
keit, andacht, gottesforcht, haltung- der göttlichen und kirchen- 
gebotten geben können, dessenthalben auch bey jederman ein 
authorität und ansehen haben, laut extract constitutionis provisio- 
nalis suprascripti; item statuta synodalia part. 3 tit. 6 cap. 4 §4 5 
mihi fol. 150. 

[IV] Eyd deren assessoren oder sendscheffen. 

Ich N. N. verheisse und gelobe von heut dato bis zum end 
meines lebens oder solang ich diesses des sendscheifenampts zu 
vertreten bequem und düchtig bin, gott dem allmächtigen, MariaeiO 
seyner hochwürdigen mutter, allen lieben heiligen gottes den send, 
welchen ich heut annehme, recht, from, ehrlich und wie es einem 
aufrichtigen, trewen sender zustehet und . gebühret, noch meinem 
besten vermögen und verstand zu halten. Ich gelobe auch unserem 
allerheiligsten vatter und obristen Statthalter Christi, dem römischen 15 
pabsten Clementi dem eylften vel N. N., dan dem durchlauchtigen 
churfürsten N. N., pfalzgraffen, unserem gnädigsten landsheren und 
in specie, welche diesser orths den send zu ordnen, zu verwalten, 
zu handhaben verbanden seynd, untherthänigkeit und gehorsam. 
Ich gelobe der kirchen ihren nutzen zu befördern und getrew zu 20 
seyn, alle herkomen, rechten, gerechtigkeiten, rhenten, gelden, 
Zinsen, zehenden und güthern zur kirchen, zur armenbank, zum 
wiedenhoif gehörende, wieviel mir deren wissig, zu weissen, zu 
thätigen und helfen zu handhaben, wie von altersher bräuchlich 
und rechtens ist ohne alle geferde, argelist und betrug. Auch 25 
ferner gelobe und verspreche ich jederzeit bey dem send vor- und 
anzubringen und zu frögen, was wieder gott und wieder unsere 
mutter, die alte römische catholische apostolische kirch, was wieder 
den glauben und gebott gottes oder der kirchen gehandlet wird, 
einem als dem andern, niemand zu lieb oder zu leid und will dass 30 
nicht lassen wieder umb gelt noch guth, freundschafft noch maach- 
schafft noch sonsten einiger Sachen willen, so etwa die Wahrheit 
hindern mag. Und will dabey einem heymlichen rath meiner eyd- 
genossen noch kirspelsherren oder wer von genanten mittsendern 
eines übertretters fehler am send einbracht, an keinem orth, auch 35 
keinem menschen, wohe und wer er auch immer seye, auf keinerley 
weiss entdecken oder vermelden. Alle diesse ding verheische, ge- 
lobe und verspreche ich in kräfftigst und festem aufsatz und eyd 
zu halten, so wahr als mir gott helfe, seyne gebenedeyte mutter, 
alle heyligen und das heilige evangelium s. Joannis: Im anfang war 40 
dass worth und das wort wahre bey gott und gott war das worth etc. 

[V] Kurze Verfassung einiger articulen, puncten und 
Observationen, welche sendscheffen zu beobachten haben. 

Der erste articul. 
David der konig, ein ausbundiger eyfferer der ehren gottes, 45 

6* 


84. Erzdiözese Köln. Nr. 36. 

sagt Ps. 25: Dilexi decorera doraus tuae, domine. Herr, ich hab 
allzeit geliebt die zierde und Schönheit deines haus. Dem David 
sollen es nochthun alle aufrichtige Christen und vor anderen Sachen 
vornemblich die zierde derkirchen und gotteshäusser lieben; dessen- 
5 halben sollen sendscheffen möglichst obacht haben ihrem eyd gemäss 
auf die kirch: 

1. ob die kirch sowohl aus- als inwendig in guther reparation 
gehalten werde, fals etwass daran ermangelet und wer daran 
schuldig, soll beym send angeben werden (Stat. synod. pag. 154; 

10 item nova const. N. 2)^). 

2. ob die kirch inwendig von koth, spinnweb und sonstigem 
Unflat gesäubert und gereiniget^ kirchenzierath wohl verwahret, 
gewaschen und reparirt werde; denjenigen, dem ein solches zu 
thun aufliegt, seiner Schuldigkeit ermahnen. (Stat. synod. foL 197 

I5cap. 2 § 3 et 198 § 1). 

3. ob der gottesdienst, welcher die schönste zierde des gottes- 
haus ist, zu rechter zeit mit gebührenden ceremonien und andacht 
geschehe, item einige darunter schlaffen, seh wetzen, leckerey treiben, 
zanken, tumult machen, unter der predig aus der kirchen laufen 

20 oder ehe der gottesdienst aus ist, die ubertretter mit discretion 
davon abmahnen, die freveler beim send angeben. Item dass keiner 
wehrenden gottesdienst aufm kirchhoff liege, sitze oder stehe, 
sein geschwätz zu treiben, bey straff 6 alb. (Policeyord. mihi 
pag. 36 § 2). 

25 4. ob der kirchhoff und beinhaus sambt zubehoer ihre frey- 
heiten, baw, mawren, rosten^), thüren und Sicherheit haben; item 
ob auch zugelassen wurde, dass ein öffentlicher ketzer, excoramuni- 
cirter oder welcher sein österliche beicht und communion nicht 
gehalten häte, darauf begraben wurden; item ob darauf von einigen 

30 willmuth, schlägerey, Unzucht oder andere ärgerliche thaten begangen 
werden. Item ob die kirchrost fleyssig ausgefegt werde, dass kein 
viehe darüber gehe, die geheiligte ruhestatt der glaubigen und 
voreitern schände, besudele, verunehre; desshalben viel weniger 
zuzulassen, dass jungen oder alte leuth mit ihrem wüst und unflath 

35 verunreinigen (Stat. syn. pag. 2 tit. 12 cap. 7 § 1 et 6). 

5. ob die pastorelgebäw in guthem stand, reparation, tach und 
fach unterhalten werden (Part. 3 tit. 7 cap. 3 etc.). 

6. ob etwas von der pastorat oder kirchen güthern versätzt, 
verpfändet, vertauscht oder verkauft werde oder ob örther, so der 

40 kirchen, den armen oder pastorey verpflichtet oder pächtig seind, 
umbgeschlagen oder verbracht werden (Stat. syn, pag. 3 tit. 12 cap. 1 
§ 1. 2. 3 fol. 201). 

7. ob die kirchen- oder armenrenthen, Zinsen, fundationes auch 
in guthem esse und stand gehalten, wohl eingetrieben, abgeführt, 


M Vgl. unten Art. 3 § 6. 

-) Beinbrecher vor den Kirchhofstüren. 


Nr. 36. Sieglar. 85 

distribuirt und angewendet werden; wohe hierinnen ein fehler, 
sollen sie beobachten eydtrewlich angeben; dessenthalben sollen 
sie auch allemahl bey denen kirch- und armenrechnungen zugegen 
seyn, deren statum, empfang und ausgab durchsuchen (Stat. syn. 
sub. loc. cit. fol. 204; Landspoliceyord. pag. 44). 5 

8. ob die fundirte jahrmessen auf solche zeit, weiss und forma, 
wie sie befestigt seynd, gehalten werden. 

9. sollen gemelte sendschelfen aus amptsflicht den gewohnlichen 
processionen, bittfahrten, gottestrachten allzeit fleyssig beywohnen, 
die leuth in Ordnung stellen, sie zur zucht, andacht und gebett 10 
anhalten; fals einer aus noth nicht konte zugegen seyn, solle er 
einen anderen ehrbaren man ersuchen, seine stell vor dassmahl zu 
vertretten. 

Articulus secundus. 
Weylen ohne den wahren glauben noch zeugnuss des apostels 15 
unmöglich ist gott gefallen, so ist nöthig, dass alles fleyssigst be- 
fordert werde, was zu dessen Unterhaltung und fortpflanzung dienet, 
hinwiederumb was dem glauben zugegen, wegeraumet werde. In- 
dem nun gott seye dank diesse pfahr von ketzern, Juden, ungläubigen 
gesäubert, so ist bestmöglichst zu versorgen, dass deren keine ein- 20 
schleichen. Sollen also sendscheffen ein wachtsames aug haben, 
ob einige von anderwärts körnende sich allhier niederlassen zu 
wohnen, fals sich das zutrage, ohne verweilung dem h. pastoren 
hinterbringen, umb deren ankörnenden frembden glauben, sitten, 
Wandel und Ursachen, warumb sie hiehin komen, nochforschen zu 25 
können. Item ob einige eingesessene verdächtigen frembden unter- 
schleif gäben, in ihr häusser aufnehmen, selbe ihnen vermiethen 
oder sonsten dergleichen einzuführen, einzupflanzen behülflich 
seynd, es seyen von secten wie sie wollen,- solche unterschleif er 
sollen zu gebührender straff angehalten werden. 30 

Articulus tertius. 
„Wan du wilst zum leben eingehen, so halte die gebott." 
Dero wegen wird den sendscheffen ernstlich anbefohlen, genaue 
achtung zu haben, ob alle pfahrgenossen ihrer pflicht noch die 
gebott gottes und der kirchen fleyssig halten und 35 

1. ob sich irgend wohe im kirspel Wahrsager, messer oder 
messerinnen, teufelsbenner, hexengeschraeiss, zauberer, aberglaubige 
seegensprecher sich aufhalten, welche durch ihre bösse künsten 
sich unterstehen, verborgene Sachen zu olfenbahren, übernatürliche 
wunder zu wirken, anderen schaden durch ihr seegnen oder viel- 40 
mehr hocus pocus, beschwörungen, abergläubische wort, ritus und 
cereraonien viehe und menschen sich unterstehen zu heilen oder 
gesund zu machen. Item ob einige unserer pfahrgenossen zu der- 
gleichen leuthen gingen, an sie glaubten, bey ihnen rath und hülf 
suchten (Stat. syn. loc. cit. policeyord. pag. 94). 45 

2. ob jemand oifentlich, ärgerlich und graussamb fluecbte, sich 


86 Erzdiözese Köln. Nr. 36. 

selbst oder andere verfluchte, dem teiifel sich verwünschte, schand- 
lich schwere, sacramentire wieder gott, seyne liebe mutter, heilige 
gottes, die heilige sacramenta, fort wieder die heilige kirchen- 
bräuch etc. hönisch, schimpflich und gottslästerlich thäte sprechen 
5(Stat. syn. lib. cit. cap. 7; policeyord. pag. 5); solche sollen davon 
christlich abgemahnet werden, die wiederstreber beym send an- 
geben. 

3. ob son- und feyrtag heylig gehalten werden, der gottes- 
dienst, meess, predig, christliche lehr etc. gebührend geschehen; 

10 ob einige pfahrgenossen obgenannten gottesdienst ohne ursach ver- 
absäumen; ob eitern ihre kinder, hausvätter ihr hausgenossen 
nicht darzu antreiben oder daran hindern, zur arbeit anhalten oder 
malitiose daraus zu pleiben befehlen; ob einige an son- und feyr- 
tagen ihrer traflquen, wuchereyn, mauscheleyn halber auslaufen, 

15 meess und predig dardurch verabsäumen oder sich in gefahr stecken, 
solches zu thun : ob weck- und brodtbecker an besagten tagen 
backen, mit ihren wahren hin und wiederlaufen; ob wirth vor und 
unter dem gottesdienst einigen zapfen ausser passanten; ob sich 
jemand unter vesper, complet oder christlicher lehr auf der spiel- 

20 bahn aufhielte; ob einige ohne noth zur kirchen hinaus gingen, 
ehe der gottesdienst vollendet; ob so bey tag als bey der nacht 
irgendwohe das höchstärgerliche und verderbliche kartenspiel 
brauchten, darbey in specie de rauf halser zu annotiren ; item sollen 
Salzfahrer, fort die, so fruchten zu hohlen pflegen und in specie 

25 auf son- und feyrtag können angehalten werden, wie auch die 
eingesessene, welche mit selbigen an denen tagen handien; item 
die Juden, so son- und feyrtag ihr viehe trieben und mit den pfahr- 
genossen zu handien komen; item soll eingesessenen zugelassen seyn, 
an son- und feyrtagen vor Untergangs des tags von hier ab noch dem 

30 kalksoffen zufahren; item soll sich keiner unternehmen, an solchen 
tagen ohne noth und Urlaub von ihrem Seelsorger im feld oder 
Weingarten zu arbeiten (Stat. syn. praec. Dei et eccl.; Policeyord. 
mihi pag. 35 et 36 etc.). 

4. ob die eitern ihre kinder in christlicher zucht erziehen, 
35bösses zulassen als fluchen, stehlen, andere beschädigen, solches, 

. wan sie es erfahren, nit straffen, gegen die, so ihrer kinder fehler 
hinterbringen, mit schelt-, schmähe-, droheworten ausfahren, ihre 
kinder dardurch im bössen verthätigen, ohne noth auch lassen 
betteln gehen. 
40 Item e contrario ob die kinder freventlich ihren eitern unge- 
horsamen, sie trutzen, beleidigen, stossen, schlagen oder schlag 
tröhen; item wan sie alt und Unvermögen seyend, keine hülf noch 
unterhalt leisten, sie Verstössen, sie lassen betteln gehen. 

5. ob einige mit ärgernuss anderer im unversöhnlichen streit, 
45hass und feindschafft leben, schlägerey oder todtschlag verüben. 

6. ob einige in heimlicher oder öffentlicher unzucht leben oder 
dergleichen gebärden zu anderer ärgernuss offenbahr zeigen oder 


Nr. 36. Sieglar. 87 

ZU nachtzeit herumblaufen (Nova Constit. de aiino 1716)^). Ob 
einige ungeehelichte verdächtig beysamen wohnen und hausen oder 
auch ob bräuti und bräutigambs zusamen hausen, ehe sie copulirt 
seynd (Stat. syn. pag. 104 § 5 et 6). Ob jemand mit seinen bluths- 
ver Wanten, gevatterleuthen geschwagert oder, was noch grausamer, 5 
mit dem viehe fleischlich sündigte; ob eheleute mit ärgernuss die 
ehe überschreiten oder sich ohne gewalt der obrigkeit in der ehe 
scheiden thäten und nicht beysamen wohneten (Stat. syn. praec. 
Dei et Policeyord. pag. 16). 

7. ob jemand gestohlen, dieb und dieberey aufhalte, ungerecht lö 
guth besitze, öffentliche wucherey treibe, falsche mass und gewicht 
brauch (Policeyord. pag. 19 et 32). 

Articulus quartus. 
Weilen die heiligen sacramenta brunnquellen seyend unseres 
heils, so allen daraus herfliesset, so ist es nöthig, dass alle menschen 15 
sich der bedienen und seind sender verpflichtet, acht zu haben, 
dass alles der gebühr nach geschehe, und zwarn dass keiner die- 
selbe verachte, versäume oder auch missbrauche; so sollen sie dan 
erkundigen : 

1. ob ein kind ohne empfangenen heiligen fcauf gestorben ; item 20 
ob ein kind ausser Strasse und willen ausser der pfahr getragen, 
getauft zu werden und warumb diesses. 

2. ob einer sich mehr als einmahl taufen und firmen Hess. 

3. ob jemand die österliche beicht und communion versäumt. 

4. ob jemand ohne versehung mit den heiligen sacramenten 25 
verstorben und wer schuldig daran. 

5. ob jemand die priester oder geistliche verunehret, verspottet 
oder geschlagen. 

6. ob einige zur ehe geschritten ohne drey vorhergegangenen 
kirchenruffen oder inner verbottener advents- oder fastenzeit ohne 30 
dispensation; ob einige sich miteinander heyrathen, so sich mit 
blutsfreundschalft, schwagerschafft, gevatterschafft verwandt, mit 
geistlichen gelübden verstricket, welche mit anderen zur ehe ver- 
sprochen oder sonsten zu heyrathen verbotten seind. Ob einige 
von anderen als von ihrem eigen pfahrherrn sich copuliren lassen 35 
ohne erlaubnuss oder, was erschröcklich ist, zu frembden orthen 
zu praedicanten laufen, sich copuliren zu lassen (Policeyord. pag. 17). 

Articulus quintus. 

Letztens sollen sendscheffen beym sendgericht anbringen alles, 
was ihnen bey ihrem gewissen gedünkt, dass als ein sündhaffte, 40 
ärgerliche und in einer christlichen gemeinden nicht zulässliche 
Sache müsse gebessert und abgeschafft werden. In specie sollen 
sie achtung haben: 

1. auf die kartenspieler. 


') Liegt in Abschrift bei. Vgl. Scotti, Kurköln I 608. 


88 Erzdiözese Köln. Nr. 37. 

2. ob die wirth ausser der in clmrfürstlicher policeyordnung 
zugelassener zeit zu Winterszeit sowoll als sommers die leuth auf- 
halten, ihnen zapfen (Policeyord. fol. 36), 

3. ob einige öffentliche todtenwachteu halten und wer darauf 
5 gewesen (Policeyord. fol. 38). 

L. ob einige bey nächtlicher weil lassen flachs plücken, streffen, 
brechen, schwingen, woebey nicht allein vielmahl fewr und brand, 
sondern allzeit bey der jungerburscht ärgerliche possen getrieben 
werden (Policeyord. pag. 51). 

10 Sendscheffen aber haben sich selbsten fleyssig zu beobachten, 
dass Selbsten dergleiche fehler nicht begehen, 'von den ihrigen be- 
gehen lassen, welche sie in andern corrigirn und bessern sollen. 
Ferners haben sie sich in: ihrem ampt nöthig guthe discretion 
zu brauchen, dass sie die heimbliche laster und übelthaten so viel 

15 als möglich ihrem herrn pastoren auch heimlich notificiren, was 
öffentlich ist noch gutbefinden heimlich oder öffentlich angeben, da- 
mit so vielmöglich das bösse discrete gebessert werde und des lieben 
nechsten ehr und guthen nahmen verschonet bleibe. 

Also geschehen bey der anno 1717 den 31. Augusti im kirspel 

20Sig]aer abgehaltener geistlicher Visitation, zu wahrheitsurkund und 
beständiger festhaltung aller vorberührten puncten und articulen tarn 
in genere quam in specie haben wir diesses mit unserer eygnen 
band und pittschafft befestiget die, mense et anno ut supra. 
^ gez. Joannes Hubertus Wusthoven, christianitatis Sigburgensis 

25C-L'^0 decanus^). 

„ ^ . gez. Joh. Conrad Nitzgen, ambtsverwalter zu Lowenberg und 
^^^') Lulstorff. 

37. Sendweistum von Steinfeld. 

1563 März 14. 
Steinfeld, Df. Eheinpr.^ Kr. ScWeiden. 

Orig., Perg. 2°, mit Notariatssignet, StA. Düsseldorf, Abtei Steinfeld 129. 
Ungedruckt. 

In gottes namen. Amen. Kunt und offenhair sey jedermennent- 
lich, den gegenwurtig offen Instrument zusehen oder hoeren lessen 

sovurkomen wyrd, dass im jair nach Christi unsers heren geburt als 
man zalt thausent fünfhundert sechszig und drei ..J) uf sontag, gnant 
Oculi, wilcher wass den veirziehenten Martii, in gegen Wertigkeit 
meyn offenbaren notarien und dero glaubhaften gezeugen hernach- 
benant, persoenlich erschiennen ist der ehrweyrdiger und geistlicher 

35 beer Jacobus Panhaussen, apt des gotzhaus Steinfei dt ^), zusampt 


») Pfarrer in Stieldorf, Dekan von 1716-1723 (Delvos, Siegburg 13). 

-) Angabe der Indiktion und des weltlichen Regenten (Kaiser Ferdinand) 
hier weggelassen. 

^) Prämonstratenserabtei Steinfeld; Abt Jakob Panhausen 1540 — 1582 (vgl. 
C. Schorn, Eiflia illustr. II 596 f.). 


Nr. 37. Steinfeld. 89 

etzlichen seiner ehrwürdigen pastoreu und hat öffentlich zuforderst 
muntlich protestirt und lauten laessen, dass seine ehrwürden den 
hilligen sehen mit den sehenscheffen, nachparen und allen den- 
jenigen, so darzu und darbei gehoerich, zu besitzen, zu halten 
und desselben recht und gerechtigkeit, we von alters biss anher 5 
und noch jarlichs daselbst, we er sprach, ubung und geprauchlich, 
erkennen, aufzuthun und erhoellen zu laessen gemuets und vor- 
nehemens seien und demnach als nu uf obgemelten tag de veir 
geschworne scheffen des sehens, benemblich Kirstgen von Whaelen, 
Hans Oiferman zu Kall, Dhaen von Scheuren und Peter von Mans- 10' 
heit^) sampt dennen darzu und ingeheurichen underthonen gehor- 
samptlich erschienen, hat ermelter her apt öffentlich selbst munt- 
lich vorgegeben und de scheffen bei iren aidpflichten, damit seie 
seiner ehrwerden verwant, dessglichen auch de semptliche bei- 
wessende und ingeheuriche nachparen des sehens bei ihren Christ- 15 
liehen trawen von sich zu thuü, zuerkennen und auszosagen ver- 
maent, w^olchen seie vor den sehenheren dieser parochiaellkirchen 
sanct Andreen in Steinfeldt sampt denen darzu und ingeheurichen 
capellen mit namen Systigh, Kall und Wildenborgh ^) je und alle- 
zeit erkant haben und noch erkennen, daruff dan de scheffen sich 20 
mit den semptlichen alda erschienenden underthonen und nach- 
baren dero mutterkirchen sanct i^ndreen, vort deren ingeheurichen 
capellen Kall und Sistigh und den nachparen von Bennenborgh^) 
und Manscheit, so in di capell zu Wildenborgh geheurich, sampt 
und besonder beraethen, besprochen und also bei iren eidzpflichten 25 
und trawen vor antwort gegeben, bekant, gestand gethon und 
gesacht: seie die underthonen und ingeheurichen sanct Andreen 
vor irst, dessglichen de ingeheurichen deren capellen Kall und 
Sistigh und dan de nachparen von Bennenborgh und Manscheit 
als ingeheurichen der capellen Wildenborgh erkennen gedachten 30 
minen hern apt oder denjhenigen seine ehrwerden in seine stat 
derzu stellet und ordnet, vor den sehenhern gemelter motterkirchen 
und capellen"). Und nach itzbesch ebenem erkentniss hat abermaell 
gedachter beer apt de ermelte sehenscheffen bei iren eidzpflichten, 
dessglichen de vorangezogenen nachbaren bei iren christlichen 35 
trawen vermaent und gefraegt, ob nit je und allezeit jarlichs der 
hillige sehen von wegen der motterkyrchen sanct Andreen in Stein- 
feldt und der dreyen capellen vurs. alleyn in der motterkirchen 
Steinfeldt und nirgend anders besessen und gehalten worden sei 
und dieselbe mutterkyrch sampt iren ingeheurichen capellen vurs. 40 
ire geschworne scheffen zu demselben sehen haben und dieselbe 


a) Am Eand von anderer gleichzeitiger Hand: „1. solus abbas vel sub- 
stitutur eius agnoscitur et seraper agnitus est preside synodus (!)". 


^) Wahlen, Kall, Manscheid, Kr. Schieiden; Scheuren, Kr. Euskirchen. 
-) Sistig, Wilden bürg , Kr, Schieiden. 
^) ßennenberg, Kr, Schieiden. 


90 Erzdiözese Köln. Nr. 37. 

scheffen aus den ingeheurichen der mutterkyrchen und den dreyen 
capellen vurs. gesatzt werden suUen; darauf wyederumb de vor- 
bemelte scheffen sich mit den semptlichen vorangezogenen nach- 
baren beraethen und bei iren eydzpflichten und trawen, we vor, 
öbekant, gestandt gethon und gesacht: Ja, solchs*we vilgedachter 
her apt seie verraaent und thue erfragen, seie whair, dan seie 
hetten de zeit ires gedenkens je und alwege den sehen von den 
dreien capellen zu Steinfeldt in der motterkyrchen zuhalten, zu- 
geprauchen und zuerkennen gesehen '^j und von iren allsten her 

10 also zugeschehen vernomen und gehoiret und dass auch de motter- 
kyrch und capellen vurs. ire geschworne scheffen zu demselben 
sehen haben, de darzu aus den ingeheurichen der mutterkyrchen 
und der dreyen capellen vurs. gesatzt werden sullen. Heruf hat vor- 
than der oftgedachter her apt zum drittenmaell de scheffen bei iren 

15 eidzplichten vermaent und gefraegt, ob nit von minschen gedenken 
her und noch alle dejhenige, so under den dreyen capellen Kall, 
Sistigh und Wildenborgh gesessen und darin geheurich, zu diesem 
hilligen sehen in der motterkirchen zu Steinfeldt zuerscheinen und 
denselben daselbst helfen zuhalten und zuleisten schultich und 

20 ob auch nu alle de selben gegen wertigh seien, de also rechz 
und gewonheit wegen darbei geheurich und sein sollen; und 
uf jetzbeschehene manong und fraeg haben ermelte veyr ge- 
schworne sehenscheffen sich mit den semptlichen dabei gewessenen 
underthaenen und nachbaren berathen, besprochen und also bekant 

25 und gesacht: es seie whair und von iren voreitern uf seie herpracht, 
auch innen kundich, dass alle dejhenige, so under den dreyen 
capellen vurs. gesessen und darin geheurich, zu diesem hilligen 
sehen zuerscheinen und denselben helfen zuleisten schultig; und 
aber nu in diesem sehen seien alle di ingeheuriche underthaenen 

30 der capellen Wildenborgh auspliben und nit erschienen, ausser- 
halben doch Peter von Manscheit und de nachparen von Bennen- 
borgh, so auch mit in de capell Wildenborgh geheurich, seien alleyn 
gegeuwertig und erschienen; dieselben, so erschienen, haben ferner 
uf erfortheren gedachz heren aptz bekant und gesacht, seie wissen 

35 noch kunnen eigentlich nit sagen, welcher Ursachen halber alle ander 
underthaenen und ingeheurichen derselben capellen Wildenborgh 
auspliben seien, ob der beer daselbst zu Wildenborgh inen solchs 
zuthun gepotten hab oder nit, doch bekhennen und sagen etliche 
nachbaren zu Felsser^), dass Joen daselbst bekant hab, dass der 

40 beer vurs. inen underthaenen zu diesem sehen zu ghaen verpotten 
haveb). Noch mehr zum veirten hat der offtgedachter beer apt, 

»■) Am Rand: „2. quac scinper laabita est in ecclesia matrici, ad quam 
ceterae capellae confluunt." 

b) Am Rand: .,3. et ab immemoriali tempore parochiani istarum capellarum 
iu ea comparere obligati fuerunt; hac tarnen vice Wilden burgenses plurimi 
emansere ; ob prohibitionem domini emanserunt." 

') Felser, Kr. Schieiden. 


Nr. 37. Steinfeld. 91 

glicher gestalt we furde, scheffen erraaent und gefraegt, ob nit 
whair, dass etliche ingeheuricheu der dreien capellen vurs. zu vil- 
maellen von wegen irer ubertrettung in den hilligen sehen straeif- 
lich erkant und darfur öffentliche boess mit kerzen, steinen oder 
roeden vor dem hilligen sacrament alhe zu Steinfeldt in irer motter- 5 
kyrchen zutragen gelitten und ausgericht haben; daruf abermaell 
de vorbemelte veyr geschworne sehenscheffen nach vorgepflegtem 
raeth und beraethe der ingeheuricheu des sehens vurs. eyndrecht- 
lich solche fraeg des ehrwerdigen hern aptz vurs. als whair und 
geschehen zu sein bekant und gestaut gethon haben*). Vorbaessio 
hat zum fünften oftgedachter heer apt, alles obgesetzter maess, 
de scheffen, underthaenen und nachbaren bei irn eydzpflichten und 
trawen vermaent und fraegen laessen, ob nit von unverdenklichen 
jaren biss anher prauchlich auch noch darfur gehalten und ei'kant 
werde, dass ajle underthaenen und ingeheuricheu deren capellen 15 
Sistigh, Kall Äud Wildenborgh in gemelter irer parochiaellkirchen 
Steinfeldt ire kynder taufen, vort in iren krankheiten sacramenten, 
eucharistie et extreme unctionis, daselbst gesinnen und besonder 
de von Wildenborgh auch ire toeden dahin begraven zulaessen 
schultig und begraven haben, auch derselben sacraraenten allezeit 20 
in derselben als irer motterkirchen Steinfeldt gesonnen, gepraucht 
haben und teilhaftig worden seien; uf wilche itzbeschehene fraegt 
und manong haben de scheffen sich mit angeroirten iren sempt- 
lichen nachparen beredt und bedacht und also eyndtrechtlich bei iren 
eidzpflichten und trawen solche itzgemelte fraeg und manong in 25 
maessen we dieselbs durch den hern apt vorgetragen, bekant und 
gesacht, whaer zu sein''). Demnach zum sexten hat oftgedachter 
heer apt ermelte scheffen obgesitzter maessen vermaent und ge- 
fraegt, ob nit alle gemelte capellen Kall, Wildenborgh und Sistigh 
je und allezeit ja vor minschen gedenken und bissanher durch re-30 
genten oder pastoir von Steinfeldt als von irer parochiaellkirchen 
inen zugeschickt bedeint worden seint und ob nit also aller 
ziehente, der in dieselbe drei capellen geheurich, dem gotzhaus 
Steinfeldt als deren capellen mutterkyrchen zugeheurich, zustendich 
und auch gefolgt sei; heruf de vilgemelte scheffen nach vorge-35 
pflegten! mitrhade und bedenken der semptlicher ingeheuricheu 
underthaenen und nachbaren vurs. vurkomen, bei iren eidzpflichten 
bekant und gesacht: ja, es seie whair, dass ermelte drei capellen 
je und allezeit in maessen, we der heer apt vorgegeben, durch 
regenten oder pastoer bedeint worden seien^ auch dass aller ziehente 40 
darumb her, so in dieselbe capellen geheurich, gedachtem heren 
apt zustendich sei und dass seine ehrwerden dieselbe ziehenten 
auszuverliehenen haben und also bekennen weiter Peter von Mau- 
schelt, mitsehenscheff vurschrieben , sampt den nachparen von 

a) Am Eand: „4. rei piiniuntur in et pro ecciesia matrici mulctas pendentes." 

b) Am Eand: „5. debent in matrici ecciesia proles baptizari, sacramenta, 
eucharistiae et extremae unctionis petere, imo et Wildenburgenses ibidem sepeliri," 


92 Erzdiözese Köln. Nr. 37. 

Bennenborgh, so in de capell zu Wildenborgh geheurich, dass solchs 
zu Wildenborgh mit dem pastoer und ziehenten glicher gestalt we 
zu Kall und Sistigh je und allezeit gehalten worden sei-'^). Zu letsten 
hat der duckgemelter heer apt ermelte scheifeu und nachbaren ver- 
5 maent und fraegen laessen, ob auch jemanzen von jenen je einiche 
sacramenten und ministeria je noett oder sonst zu irem beclagen, 
hinderniss und nachtheil von gemelter irer mutterkirchen und 
pastoereu geweigert oder vorenthalten sei oder ob auch jemaut 
ingeheuricher solcher capellen vurs. sich zu beclagen hab, das got- 

10 liches wort und evangelium nit lauter und reyn durch solche ire 
inen zugeschickte pastoer geprediget, gelehrt und. ob auch einiche 
ketzerey durch dieselbe pastoer gelehrt, ingefuert oder vernsonnen 
sei; und uf jetztbescheheue manong und fraeg haben de scheffen 
und semptliche nachparen vurgeroirt oifentlich bekant und gesacht: 

l5seye wissen noch kunnen sich keiner weigerong einicher sacra- 
menten oder ministerien, viltweniger, dass gotliches wort und 
evangelium nit lauter und rein durch solche ire inen zugeschickte 
pastoer geprediget, gelehrt, noch dass einiche ketzerey von den- 
selben pastoeren ingefuert sei, nit zu beclagen, sonderen theten sich 

20vilmehr derselben pastoer leher, deinsten und haltong bedanken^). 
Demnach hat weither gedachter heer apt gotliches wort und des 
Sehens recht und gerechtigkeit durch seine ehrwerden prieren, 
heren Weynanten von Zulpgh, den unterthanen und nachbarn 
vorgetragen und darin gepurlicher weiss procedieren laessen und 

25Vort von allen und jeden vorgesetzten puncten erkenteniss und 
gezeugniss der scheffen und nachbarn vorg. öffentlich protesteirt 
und also von mir nachbenentem notario seyner ehrwerden darüber 
eyns oder mehr Instrument vel Instrumenten und sonst glaublichen 
schein in des bester form zu machen und zu uberlieberen begert. 

3oI3iss alles ist geschehen za Steinfeldt in dero hoechkyrchen und 
moenster im jair, indiction^ monat, tag, urhe und keiserthumbs 
vurs. in bewessen und angeheuren der erparen Thoemiss Halfs- 
wyns zu Sistigh, Peteren Meurers von Whaelen und Heynrichs 
Rosten von Eusskirchen als.glaubwirdige gezeugen sonderlich herzu 

35geroifen und erpetten. 

Und weile ich Peter Hamecher, von paebstlicher macht und 
gewalt frei offenbarer notarius und raetzschreiber dero statt 
Zulpgh, bei obgemelten erkenteniss und gezeugnis und allen an- 
deren vorgemelten dingen sampt den obgemelten darzu beroifenen 

40 zeugen gegenwertig under äugen gewessen bin, dieselb alle und 
jede obgesetzter maessen zugeschehen, zufraegen und zuerkennen 
gesehen, gehoiret und aufgeschrieben haben, herumb so hab ich 
gegenwertig offen Instrument darüber begriffen und mit eigner 

a) Am Eand: „6. capellae tres semper a Steinfeld rectoribus adrainistratae 
ideoque decimae etiam Wildenburgenses memorato competierunt." 

b) Am Rand: „7. satisfit parochianis a rectoribus quoad administratjonem 
sacramentorum et conciones," 


Nr. 38. Stockheim. 93 

hand geschrieben, darzu mit minem gewhonlichen notariaetsignet, 
zeichen und zeichent und underschrieben zu gezeugniss aller und 
jeder vorgemelter puncten und dingen, soenderlich bereifen und 
erpetten. 

38. Sendfragen von Stockheim. 

17. Jahrh. 

Stockheira, Df. Eheinpr., Kr. Düren. 

Abschr., Pap. 2", 17. Jahrh., PfA. Stockheira (zit. Tille- Krudewig II 283). 

Gedruckt: Kölner Pastoralblatt 29 (1895) Nr. 8, S. 246—248 (danach hier 
wiedergegeben); Fr. Jansen, Die Pfarre zum hl. Andreas in Stockheim, Zülpich 
1893, S. 27 f. 

1. Erstlich soll in dem send erkundigung geschehen von allen 5 
kirchendiensteu, ob dieselbe auch durch die herrn pastores oder 
ihre officianten, vicarien und altarpriesters der erster fundation 
und Stiftung nach, wie sichs gebürt, versorgt und verrichtet und 
was von alters darzu verordinet und gegeben, gnugsambt bezalt 
und dargericht werden. lO 

2. Ob einige mangel an den custoren und offermännern, dass 
sie ihren pastoren kein gehorsamb leisten, auch in vollführung des 
gottesdienst und Verwahrung der Ornamenten nachlässig wären. 

3. Ob die kirchenrenthen versäumet und unnützlich verthan 
oder angelagt werden. 15 

4. Ob die kirchen- und brudermeister gute rechnung jährlichs 
halten über ausgab und einkömpsten der kirchen. 

5. Ob die kirch im gebürlichen baw gehalten werde. 

6. Ob^) auch der kirchoff und beinhaus in freyheit stehen, 
wie sie bei der weihung gestanden. 20 

7. Ob die tauf in ehren gehalten und allezeit verschlossen seye. 

8. Ob auch durch jemands schuld und versaumnuss einige 
kinder ohne tauf gestorben. 

9. Ob auch die eiteren ihre kinder nach der gebühr über die 
bestimbte zeit ohne tauf ligen lassen. 2.5 

10. Ob auch zur tauf mehr als ein patt und eine gottel bragt 
und zugelassen werde. 

11. Ob auch das hoch würdige sacrament des altars beschlossen, 
mit ehrlichem und gebührlichem gelücht versehen seye. 

12. Ob auch jemand gestorben seye ohne die h. sacramenten 30 
und durch wessen versaumnuss. 

13. Ob auch jemand freventlich geredet wider das hoch würdige 
sacrament des altars oder auch sünsten die andere sacramenta 
gelästert habe. 

14. Ob auch im kirspell jemand seye, der die buss und beicht35 
verachtet und nicht zu oisteren zur beicht und zum hochwurdigen 
sacrament des altars gangen. 

') Die Fragen decken sich von hier ab teilweise mit denen der Trierer 
Agende von 1574; vgl. oben Drachenfels S. 24'. 


94 Erzdiözese Köln. Nr. 38. 

15. Ob auch einige zu oisteren anderswo beichten und die 
h. communion empfangen ohne vorwissen und erlaubnuss ihres 
ordentlichen pastoren. 

16. Ob die h. son- und feyrtag christlich nach altem brauch 
5 mit anhorung der h. meess und predig gehalten werden und ob 

auch einige mit arbeit und dergleichen dieselbe ubertretten. 

17. Ob auch jemand seye, der aus der kirchen bleibt oder 
stetiger weis daraus lauft, ehe der gottesdienst verrichtet und voll- 
endet. 

10 18. Ob auch einige in ketzer- und winkelpredig sich begeben. 

19. Ob die eitern ihre kinder zur gottesforclit und zucht an-, 
und von fluchen, schwören, gotteslasteren und aller untucht durch 
gebührliche straif, da es nöthig, abhalten. 

20. Ob auch einige kinder ' ihren eiteren unehr angethan ; 
15 durch wort oder werken sich gegen dieselbe verfahren und die- 
selbe in ihren nöten verlassen haben. 

21. Ob auch jemand seinen pastoren oder sünst anderen 
preister frevel und unehr erwiesen. 

22. Ob auch jemand wehre, der denen kirchendieneren oder 
20 auch der kirchen ihre gerechtigkeit, zehenden und einkömpsten 

enthalten. 

23. Ob auch jemand von den wirthen und brantweinszäpferen 
unter dem ambt der h. meess und predig unzeitige wirthschafft 
treibe. 

25 24. Ob auch die virzigtäge oder ander gebottene fastag ge- 
halten werde. 

25. Ob auch an verbottenen tagen einer den anderen mit 
fleischessen geärgert. 

26. Ob auch im land oifenbahre Wucherer seyen, die ihren 
sonechsten mit ungebührlicher, im h. romischen reich unzulässiger 

Pension beschweren und überheben. 

27. Ob auch einige zweyerley maass und gewicht in ihren 
häusseren haben und betriglicher weis damit umbgehen. 

28. Ob auch jemand seinem negsten sein ehr, fam und gut 
35geruchs abgeschnitten und denselben fälschlich belogen habe. 

29. Ob auch jemand im land seye, der jähr und tag mit groll, 
hass und neyd behaftet gewesen und seinem negsten nicht habe 
verzeihen wollen, underdessen jedoch nicht ohne grosse ärgnuss 
anderer leuth zur communion gangen seye. 

40 30. Ob auch gotteslästerer, sacramentenschänder, stetige drun- 
kenbulse, kartenspieler und derglichen im kirspel gefunden werden. 

31. Ob darinnen auch offenbahr ehebrecherey, huirerey und 
dergleichen lästeren schweben. 

32. Ob auch jemand jungfrawen geschändet und genöhtiget 
45 oder sünsten mit blutsverwandten gesündiget habe. 

33. Ob auch einige eheleuth seyen, die wegen zweyspalta nicht 
beysammen wohnen. 


Nr. 39. Weyer. 95 

34. Ob einige die ehe besitzen oder copulirt sind in pro- 
hibitis casibus, ehe und zuvoren von der geistlicher hohen Obrig- 
keit dispensirt worden. 

35. Ob auch jemand fälschlich in- oder ausserhalb dem gericht 
geschworen. 5 

36. Ob auch einige mit ungewöhnlichen segenen^ wahrsagen 
und aberglaubingen dingen umbgehen. 

37. Ob auch einige bei ihnen rath gesucht und daran geglaubet, 
wer dieselbe seyen. 

38. Ob auch die kinderschull der gebühr unterhalten mit 10 
fleissigen schullmeisteren versehen und die Jugend wohl unterwiessen 
werde. 

39. Ob auch dem schullmeister gebührliche competenten für 
seine mühe, fleiss und arbeit assignirt und zahlt werde. 

39. Kirchen- und Sendweistum von Weyer. 

17. Jahrh. 

Weyer, Df. Eheiupr., Kr. Schleiden. 

Abschr., Wende des 18. Jahrh., Pap. 2", StA. Düsseldorf, Abtei Steinfeld 
E. Nr. 19 (A). — Ebendort eine zweite, etwas spätere Abschr. (JB), welche jedoch 
die drei letzten Absätze nicht mehr hat. 

Ungedruckt. 

Regula parochialis ecclesiae Wyherensis ex vei'o et authentico 15 
originali per Antonium G-leen, eiusdem ecclesiae pro tempore pastorem 
descripta, quae se hoc habet pacto: 

[1] Wir gemain des ganzen Idrpels zu Wyheren bekenen die 
herren zu Arburgh^) für einen giflfter der kirchen zu Wyher und 
sali haben ein feyrdel zehndeus durch das kirspel und darzo die 20 
kleine zehnden, virckel und leramer und bahnen. 

[2] Hergegen sali sein gnad die stieren durch das ganze 
kyrspel halten und die sonnseit der kirchen zo Wyher in gedach 
halten; wan aber etwas newes zo machen were, damit sali sein 
gnad niet zothon haben; sali auch ein feirthel jars das heilige 25 
sacrament beleuchten und dargegen den kleinen zehnten haben 
und wer dat feirthel zehndes hat zo Wyher, der sali das geleucht 
thon, sali auch das dritte malter spelz seyn und zwee malter haber. 

[3] Desglichen bekennen wir auch dem herrn von Schmiddem-) 
ein feirthel durch das ganze kyrspel von Wyher, vorbehaldten 30 
Junker Butzfeldt zo Callmundt das feirthel daselbst zu Call- 
mundt und Vollhem^). 

[4] Hierbei sali der herr von Smiddem den kleinen zehenden 
haben und darvon das h. sacrament ein feirthel jars beleuchten, 


') Areraberg, Städtchen und Schloss (seit 1809 Euine) in der Eifel (J. Becker, 
Dek. Blankenheira S. 106). 

^) Schraidtheira in der Eifel. 
•'') Kallmuth, Vollem bei Weyer. 


96 Erzdiözese. Köln. Nr. 39. 

noch herzo den baw*) von der absidten der kirchen zo Weyher im 
gedäch halten. So was newes daran geburet zo machen, sali die 
kirch thun lassen; vort die widder setzen durch das ganze kyrspel; 
auch sali die frucht ein dritte theil spelz sein und zwey theil 
Shaber, es were dan ein vorbehält darinnen. 

[5] Noch vrogen Avir gemein drittenhalben priester. Die zwe 
haben auch ihr verscheiden zehnden mit wieddenhof und land und 
sand darin gehoerich. Dar uffer erkennen wir den hern zo Arburgh 
auch einen gilfter. Und wird der priester einer genant die persona); 

10 dieselbe person hat den halben zehenten zu Calmundt, Lorbach, 
Berchera, Iserfey und Drymhülle^). Hergegen sali die person zo 
lichtmessen, uf palmtag, ostertag und uf der heiligen Maria krudt- 
wihung uf die dage den dienst zo Wyher in der rautterkirchen 
thun, gleichwie sich ein jeder tag dan mit sich bringet. 

15 [6] Der ander priester wird genant der pastor oder vicarius; 
der sali haben allen beyfall, so was die stola zo Wycheren und 
in der capellen zo Calmundt auswirft, vort sali er eine wonnung 
uf dem wydenhof haben und was darzo gehoert, land und bendten^), 
so was das ist, gebruchen, hierzo noch den halben zehnden zo 

20 Wyher, Orfey*) und Vollhem, den kleinen zehnden durch das ganze 
kyrspel zo Wyher. 

[7] Hergegen sali der pastor geschickt und gelehrt sein, das 
evangelium der gemain fürzotragen und auslägen, dardurch die 
gemain sich erlehrnen kan und also salich werten. Sali auch der- 

25 selb pastor sich uf dem wyddenhof dag und nacht finden lassen, 
ob man seiner zur noett brochen müess, die sacramenten zu reichen 
und kinder zo daufen. Were auch sach, dass dieser pastor nit 
gnogsam geschickt were in diesen verzallten stücken und die ge- 
mein wurd aufrurich und murrete uf innen, dass sal man dem 

30 hern zo Arburgh ansagen, das abzostellen und einen anderen in 
die Stadt zo setzen, der gnogsam geschickt sei in den dingen, die 
einem pastor zostehn zothun. Wo aber niet von dem vorg. hern 
gebessert wird, sali die gemain macht haben den landherrn, nem- 
lik den bischof zo Coelln, anzoroefen, dass sein durchleuchtigkeit 

35 einen andern hersetze, der seiner gnaden volk^) bequemlich mit 
seiner lehr sei, wie dass einem rechten pastor zosteht. Sali auch 
der pastor die vier hochzeit tag, wie vorgenant stehn, sich zo 
Calmundt in der capellen erscheinen lassen und dar thun alles, 
was einem pastor uf die tag zosteht zothon und so frohe aus- 

40 haben, dass er noch zo Wyher komme und allda die h. missen 

a) bouch A. 

b) völlig B. 


^) Die Stelle war ein Personat (Ehrenprälatur). 
-) Lorbach, Bergheim, Eiserfey, DreiraüWen, sämtliche in der Eifel. 
») s. oben Gymnich Abs. 10, 21 S. 36, 39. 

■*) Urfey, bei Weiher; statt der Orte hat B: durch das ganze kirspel zu 
Weyer; der ßest des Absatzes fehlt dort. 


Nr. 39. Weyer. 97 

helf singen ; sali auch alle wochen zo Calmundt missam thun, sali 
auch das h. sacrament ein half jar beleuchten, sali auch den 
hy ehren halten, auch (so es not ist) den vohlhen, sali auch den 
chor im gedäch halten, sali auch uf die hochzeittag dem offerman 
die kost geben. 5 

[8] Per halb piiester ist der offermann. Derselb sali so ge- 
schickt und gelehrt seyn mit lehssen und singen, wie solches einem 
offerman zu Wyher zosteht; sali seinen pastor fragen, wanehe und 
was zeit er missam thun willt, darnach alsdan leuten, auch mit 
ime vorgehen der gemaine, zo reichen die Ji. sacramenten in 10 
pestilenzzeiten, wie dem menschen die ankommen mag in unsrem 
kyrspel Wyheren. Sali auch sein in der wachten tag und nacht 
Widder das wedder zo leuten mit einer klocken; so ihm die zo 
schwär were zo leuten, sali er die klain anziehen und im. gang 
halten; darzo sali ime die gemein zo hulf kommen und die freyenis 
als die borghalfen ^), der Blanckenheimer halfen, der Smiddemer 
halfen und vort andere, die auch freye guedter haben, als Herten 
und Wynandt mit seinem anhank. Sali auch einen wagen holz 
an die kirch stellen, wie dat eingebruch, da fuir zo haben von 
christag an bis zo dreyzehn tag; die lamb tag und nacht fein best 20 
im broehen halten; wan der kirchhof schluessig ist, sali die 
duerren zo doen, das kein beesten daruf kommen. 

[9] Hergegen sali dat seine belohnung sein : wohe im kyrspel 
ein rouch aufgehet, sali järlich zo paeschen und christmessen uf 
jeder tagzeit ein brodt geben und die von Wyher nit mehr dan25 
zo paeschen ein. Stirft ein oder gewird ein, der die heilige tauf 
entfanget, ist auch dem offerman ein brodt; aus der spindt^) zo 
Wyher sali er haben 6 broder. 

[10]Vortwat ein jeder von spindtbrodter in die spindt gibt, 
darnach sali er sein frucht und garben hebben, von jederem brodt 30 
ein halb simmern frucht und auch von jederm brodt ein garben; 
von denen, die garben geben, sali auch die garben in dieser 
manieren in keinem gemisten land holen, sali auch über die dritte 
garben keine kür mehr haben ; sollen die broder von groese sein 
wie ein gemein hausbacken brod.- 35 

[11] Noch hat er drey malter spelzen an Wyher kirchen, ein 
malter von unser lieber frawen messen, das zweyte von mittag- 
leufcen, das dritte von ohrwerk; noch 7 merk von erfjargezeyten; 
von begrabnussen, begängnussen und broderschaften sali er half- 
praesenz haben, vom bereiten aber den dritten pfennink; alle klei-40 
nodien der kirchen sali er in gueter bewahrung haben und dem 
kyrspelsvolk uf eschtag uf zellen; die altarduecher und alben sali 
er rein halten mit waschen, auch gehen seine jar mit eschtag aus 


^) Burghalbe; halbe =r Grundstück, wovon die Hälfte des Ertrags vom 
Pächter als Zins zu entrichten ist (Lexer). 

-) Kasten; örtliche Wohltätigkeitseinrichtung. 

Koeniger, Sendquellen. 7 


98 Erzdiözese Köln. Nr. 40. 

oder an; sali seinem pastor in allen dingen, so was die gottes^ 
dienst angehet, gehorsam leisten. 

[12] Were auch sach, das der sehnherre zo pferd käme den 
sehn zo besitzen, alsdan sali der offerman dem pferd foeder geben 
5 und einen arifel^) weck und ein handvoll kerzen; die sallen boven 
der band und unter der band abgeschnidden werden; hergegen 
sali der sehnher dem offerman und seiner hausfrawen und seinem 
liund die kost mit dem trank den ganzen tag geben und dem 
Wyher höhnen, und das darum, dass er das wort thun sali. Zo- 
10 letzt sali die ganze gemäin des kyrspels den thorn im gedäch 
halten. 

Ego Antonius Gleen, pro tempore pastor, fateor et proflteor. 

40. Send- und Kirch enweistum von Würselen. 

Nach 1479. 

Würselen, Df. Eheinpr., Kr. Aachen-Land. 

Orig.-Perg., nach 1479 nebst einer Uebertragung des 17. Jahrh., PfA. 
Würselen; zit. Tille-Krudewig II 348'-). 

Gedruckt; Von Pf. Michel in den „Beiträgen zur Gesch. von Eschweiler 
und Umgebung" I 33; danach v. Fürth, Beitr, z. Gesch. der Aachener 
Patrizierfamilien III (1890) 563—565, woraus hier wiedergegeben^); vgl. den 
Aufsatz: (H. J. Gross), Die Sendgerichte im Aachener Reich, in der Zeitschr. 
^,Aus Aachens Vorzeit" 6 (1893) 108—125. 

fl] Dyt is die hoegen und die heyrlichgeit und eyn alt her- 
komen uch hond zu sagen ind zo wrogen der hilger kyrgen rechten 

15 van Worselen und die zo halden. Also as yr wayll wyst, dot 
eyn alt herkomen is, dat man den hilgen sent kunget 6 sondach; 
dat deyt men darumb, dat sych eckerlich mynsch in deym kyrspel 
van Worselen sal sych wayl besynnen ind wort brengen, so wat 
wrochber is, in den hilgen sent van Worselen. 

20 [2] Vort so wrogen wyr vur eyn alt herkomen, dat die ge-, 
meyn naber seven scheffen sollen setzen. Die sollen der hilger 
kyrgen rechten hoeden iud verwaren na der hilger kyrgen rechten 
ind na ouve eren ind den deynst sollen sy doen; des sali die 
hilge kyrge geven eder scheifen eyn alt morgen ind neyt me. Vort 

25 so wrogen wyr, dat die seven scheffen mögen dyngen zu Worselen 
under die kroen van troue ind van geloffden ind van sp rech worden 
der wrauwen ind van testament; offt sachge were, dat denn scheffen 
die sachgen so sweyrlich weren, so sal bey syn houft zo Achen 
haelen ayu den sent heren, up dat beyden parteyn recht gesche 

30 und up des genen kost die unrecht halt, dat sali der scheffen 


'^ 


Soviel wie: arm voll. 

Im PfA. Würselen befinden sich SPr. von 1609—1705 und 1706—1782; 
Tille-Krudewig II 349 gibt noch Reste der Würselen - Haarener SPr. von 
1499 — 1507 an; sie konnten 1908 nicht aufgefunden werden. 

'') Daselbst sind auch mehrere Sendeide und einige Auszüge aus den Send- 
protokollen S. 552—563 und 565 — 568 abgedruckt. 


Nr. 40. Würselen. 99 

haelen ind heyien.ind by sych halden bis up eynen gevonden dach 
ind neyt van sich zo geven dan zu Worselen under die kroen. 

^ [3] Vort'so wrogen wyr vur eyn alt herkomen, dat eyn pastoer 
die liilge kyrge van Worselen sali selve besyngen off eyn cap- 
pelaen van synen weygen de deym kyrspel ind den naberen nutz 5 
sy; de kappelaen sali halden eynen preyster by sych; de sali, die 
cappel zo Haeren^) verdene ind sal wonen up den wedehoff. 

[4] Vort so wrogen weyr, dat eyn pastoer van Worselen sal 
synt Baibeynen hildum halden bougayr also ducke as des noit is. 
Vort so sal der pastoer halden den hogen koer van gevolf und 10 
van dach also ducke es des noyt is. Vort so sal der pastoer halden 
die koerdor, da man die vrouwen inleit, ind die gelaesvinster, neist 
daby van gebouwe. 

[5] Vort so wrogen wyr vur eyn alt herkomen, dat der pastoer 
sal halden eynen beyr up synen hoffj de deym kyrspel nutz sy. 15 
Vort so wrogen wyr, dat die doemheren sollen halden van dem 
kleynen ceynde dat scheytfdach myt bley gedeckt also ducke as 
des noyt is. 

[6] Vort so sullen die doemheren halden die nouve klobke 
van seyl ind kleppelremen,, dat men sy over lant louiden mach as20 
docke as des noyt is. 

[7] Vort so sullen die doemheren halden eynen steyr up der 
weyden, de den kyrspel nutz sy, und off der steyr off beyr in 
emans schaden genge, da sal sy gutlich oiskeren. 

[8] Vort so wrogen wyr, dat men den kresum sal des jaers25 
eyns haelen umb eyn alt morgen ind neyt me. 

[9] Vort so wrogen wyr, weyr sache, dat men eynge laed- 
breff brechte zo Worselen off' den sank zo beieigen den mynschen^ 
sal men vangen ind he sal den breif essen ind da sal men eyn 
kouilP) machen ind sal den mynschen darin leygen ind sal eyrdso 
darup werpen, bis zo der doit zo. 

[10] Vort so wrogen wyr, weirt sachge, dat eyn vrouwen die 
ander wont machget, da sal mßn zo Worselen dat reycht neymen 
under die kroen umb. 

[11] Vort so wrogen wyr, dat der offermann sal bestellen die 35 
ostken kleyn ind grois up syn kost; des sal der offerman haven 
van ekerlichen houissrad ey'ne heller de gerf und noch broit in git 
zu paischen. 

[12] Vort so wrogen wyr vtir eyn alt herkomen, dat men up 
den eyrsten sentdach sal sych erschynen oysser ekerlichen houis40 
eyn manspersonen in die hilge kyrge; we des neyt in dede, so sal 
he gebracht han eyn kleyn punt wais. Darumb louit men die 
nouwe klocke dry posen. 

[13] Item weirt sachge, dat emen dat recht wold zo Worselen 


') Haaren, südl. von Würselen. 
^) Grube. 


100 Erzdiözese Köln. Nr. 41. 

haven up gedaen ind wold dyngeti, de sal bürgen setzen vur des 
heren kost; weyrt sachge, dat sy sich worden geleygen, e dat ge- 
dynge werde gekunget, so sollen beid partien orloff heyssen, heir 
und scheffen geven zwey veirdel wyns. 

5 [14] Item id was eyns eyn postoer zo Worselen, de heyss 

Greyf Wyllem van Wyrten. Po der in wart geleyt, doe wart 
eym dat kyrgenrecht erzalt van der kyrgen; doe he in wart ge- 
leyt, doe gengen die zweijn kyrraeister beneven eym und die scheffen 
dar na und dat cruce und der vaen wart vur eym gedrage und 

10 he wart geleyt ayn den elter. Da most he geloven, die hylge 
kyrge in ijren alden rechten zo halden und doe kuesde he dat hylge 
evangelium, doe senket en die naber van Worselen und van Haren 
dat eyrste gelaech. Dit geschah in den jaren, do men schryff 
m cccc ind lxxviiii r[edemptore] c[hristo] n[ato]. 

15 [15] Item weyrt sachge, dat eyn knecht myt eyne mait gewroit 
were vur truwe off geloifde, des sy dan bekant were, so suUen sy 
raallich geven ein fleys wyns. 

[16] Item weyrt sachge, dat eyn knecht gewroet were myt 
eynre mait vur truwe off bysloffen, des sy dat neyt inbekenten, 

20dae sal der knecht die mait reyngen myt syne eyde ind da in halt 
heyrnach scheffen neit ayn. 

41. Sendordnung von Xanten. 

16. Jahrh. 2. H. 

Xanten, St. ßheinpr., Kr. Mors; jetzt Diöz. Münster. 

Gedi'uckt: A. J. Binterim, Wie IcÖnnen Diözesansynoden ersetzt werden ? 
Düsseldorf 1850, 115— 119 (A); S. 66* stellt dort: „In dem Anhange zu gegen- 
wärtiger Abhandlung gebe ich aus einem 300jährigen Kodex einen Modus cele- 
brandi synodum in archidiaconatu Xantensi ^). Der Inhalt deutet auf die Zeit 
nicht lange nach der Eeformation. — Die Sendfragen sind eine Erweiterung 
der 66 Fragen (B), welche die Kölner Visitationsordnung in den Synodalstatuten 
von 1.549 enthält (Hartzheim VI 649.ff.). 

Forma inchoandae et celebrandae synodi seu 
visitationis laicalis^). 

[a] Praehabito brevi sermone praesidentis, quo ex verbo dei 
et sacris canonibus tum utilitas tum necessitas sacrae synodi seu 
visitationis ostendantur, inprimis tres vel quatuor viri ex singulis 

25parochiis maturiores, honestiores et veraciores deputati vel depu- 
tandi praestai'e debent iuramentum infrascriptum erectis digitibus 
et tactis sacris. 

[b] Formula iuramenti: Ich willt roegen und wroegen in diesem 
heiligen send^) alles, was ich weiss oder gebeert habe oder mir an- 

a) eydt A. 


') Der Kodex konnte nicht identifiziert werden; eine Anfrage in Xanten 
blieb unbeantwortet. Binterim hat mannigfache Lese- oder Druckfehler. 

-) Der Wortlaut von a, b, c deckt sich fast ganz mit den einleitenden Teilen 
der SO. von Hüchelhoven (s. oben S. 45). 


Nr. 41. Xanten. lOi 

gezeigt worden ist oder angezeigt wird, das unter meinem kerspel 
und nachburschaft N. durch jemants begangen und geschehen ist 
wieder die gebotte gottes und der heiligen christlichen allgemeiner 
kirchen und will das nicht lassen noch umb lieb noch umb leid 
noch umb gifft noch umb geld noch umb einiger verwandtnus oder 5 
freundschafft oder umb einiger anderer sacken willen ; so help mir 
got und seine heiligen. 

[c] Ubi singuli isti delatores seu testes synodales se sie 
obstrinxerunt, admonebuntur in hanc sententiam: Videte ut domin o 
reddatis iuramenta vestra; non enim homini iurastis sed deo 10 
creatori vestro. Ego autera, qui eins minister sum, non terrenam 
vestram substantiam concupisco, sed salutem vestrarum a,nimarum 
requiro; cavete ne aliquid abscondatis et ex alterius peccato nosti^a 
flat damnatio; nam sicut apostolus aifc: „Modicum fermenti totam 
massam corrumpit** ^) et auferte malum ex vobis ipsis. 15 

[d] Interroganda in sacra synodo de laicis^). 

1. An orania ad divinum officium et cultum in ecclesia seu 
templo et extra templum spectantia rite et legitime observata sint 
et observentur et an in eis seu eorum aliquo ulla negligentia sit 
commissa. Deinde interrogandi sunt de parocho et aliis, qui in 20 
ecclesia ministrant, an officium suum, ut debent, praestent, an vitam 
ducant irreprehensibilem cum honesta familia, in summa an verbo 
et exemplo praecedant^). 

2. An aediles, sacristae et custodes ornamenta, vestes sacras, 
sanctorum reliquias, vasa aurea et argentea, aedificia, census et 25 
praedia bene construant et an aediles rationem reddant^). 

3. An in parochia aliquis sit haereticus, schismaticus de fide 
et religione, traditionibus, ceremoniis, ritibus et consuetudinibus 
ecclesiae aliter sentiens quam ipsa ecclesia catholica sentire debef). 

4. An sint aliqui in ecclesia occulta conventicula celebrantes 30 
seu a communi conversatione fidelium vita et moribus dissentientes ^). 

5. Num haeresis aliqua occultis conventiculis disseminetur, item 
an sint, qui curiosius de fidei articulis disputent et simplicibus *^) 
iniiciant scrupula. 

6. An sit aliquis paedagogus vel ludimagister in parochia et 35 
an talis sit de fide et de religione suspectus et quid doceat iu- 
ventutem. 

7. An sit aliquis in parochia magus vel areolus aut incantator 

a) Der Satz Deinde - praecedant folgt in Bganz am Schluss; das übrige fehlt. 

b) § 2 — ß. 

c) iubet B; Et haec iuquisitio dilatanda est et sie explicanda, ut intelligant, 
quid quaeratur -|- B. 

d) § 4 bis 6 — ß. 

e) simpliciter A, 

1) 1. Cor. 5, 6 (Gal. 5, 9). 

-) Vgl. zu den folgenden Fragen oben die 80. von Hüchellioven S. 45—47, 


102 Erzdiözese Köln. Nr. 41. 

seu evocator aut eoniuratör superstitiosus daemonum aut divinus 
aut sortilegus aut talium*) impiorum hominum iudicia vel concilia 
inquirens ad inveniendas res perditas et suffuratas vel ad futuräb) 
praenoscendum, qüae deus in sua posuit potestate, aut ad aliud") 

5 quicquam vel qui uUa silperstitione^) irretitus sit veluti qui non ponit 
spem et fiduciam suam in solo deo, qui pro suo nutu et voluntate 
moderatur omnia et cui oportet submittere et commendare omnem 
nostram cogitationem^)j voluntatem, Operationen! et quicquid ac- 
ciderit') prosperi vel adversi. 

10 8. An sint viri et mulieres, qui non intellectis coniurationibus 
rerum utantur vel maleficiis se aliquid efficere posse putent seu 
cum daemone commercium habent. 

9. An sint, qui scienter et pro cupiditate terrena periuraverint 
vel^) pro vita redimenda vel metu dominorura suorum vel alio 

löquocunque modö*^) periurium commiserint. 

10. An sint, qui alios etiam ad periurium induxerint. 

11. An sint blasphemi in deum, in gloriosam dei genitricem 
virginem Mariam, in sanctos dei. 

12. An sint, qui vota praestita deo infregerint, qui fidem 
20publicam violaverint, qui per nomen dei et sanotorum maledixerint, 

qui ad omne verbum nomen dei assumpserint vel assumant iu vanum. 

13. An sit aliquis seu aliqua, qui quodcunque opus inchoans 
aliquid superstitiorum dixerit nisi, ut apQstolus docet, „ömnia in 
nomine dei facite"^). . 

25 14. An sit^} aliquis, qui iuravit, quod deo contrarium est, veluti 
quod fratri nunquam conciliatur^), quod est peccatum in spiritum 
sanctum et ad mortem. 

15. An sint in parrochia laici, qui, quae sint sacramenta dei, 
ignorent aut sint, qui Septem ecclesiae sacramenta aut eorum ali- 

30 quid contemnant et praesertim confirmationis et sacrae extremae 
unctionis^). 

16. An sint, qui indigne ad sacramenta accedant, praesertim 
ad sacrosanctum eucharistiae sacramentum. 

17. An sint, qui eo accepto statim inebrientur etiam üsque 
35 ad evomitum. 


a) taliorum A. 
i>) ä futuro A. 

0) aliud A. ■ - 

d) suspicione A. 

e) cogitatum B. 

f) audient A. 

s) B neue Frage: an qui coacti vel etc. 

ii) vel -modo — B. 

i) est B. 

li) reconcilietur vel simile quid B. 

1) § 15 in B den beiden nächsten Paragraphen nachgesetzt und mit § 18 
in kürzerer Fassung verschmolzen. 

>) Col. 3) 17. ■ ,. 


Nr. 41. , , Xanten. 103 

18. An sint, qui ad confessionem suo parocho faciendara saltem 
semel in anno non veniant et corpus domini, nisi tarnen ob publica 
peccata prohibeantur, non communicant. 

19. An relinquatur baptisterium sine clausura et venerabile 
sacramentum sine lumine et cera«'). 5 

20. An sint sepelientes foetus non baptizatos in coemiterio. 

21. An sint, qui parentibus et necessariis defunctis exequias 
intra annum exhibere contemnunt^). 

22. An susceptores, qui patrini vocantur, filiolis suis sym- 
bolum, orationem dominicam, salutationem angelicam'') insinuent*). 10 

23. An sint negligentes circa infirmos, praesertim de sua fa- 
milia permittentes eos mori sine participatione sacramentorum''). 

24. An est aliquis, qui excommnnicationem sui episcopi vel 
archidiaconi vel insinodationem, ut vocant, sui pastoris vilipendat^). 

25. An sint, qui excommunicatis communicent in crimine^). 15 

26. An sint, qui'') publicam poenitentiam pro manifestis cri- 
minibus vel recipere vel adimplere contemtin detrectent*). 

27. An sint, qui ecclesiae ceremönias rident et ritus observare 
contemnunf^). 

28. An sint, qui non visitant ecclesias temporibus statutis^). 20 

29. An sint, qui in diebus dominicis et festivitatibus statutis™) 
quicquam operis mechanici faciant et qui non saltem ad concionem 
et ad missam, si non ad matutinas et vesperas, quod tarnen facere 
oportuit, bis diebus sine praetermissione accurrant et in huius- 
modi officiis divinis a principio'") usque ad finem perseverent °). 25 

30. An sint, qui ecclesias intrantes fabulis vacare consue- 
verint, non auscultantes divina eloquia et antequam missa finiatur 
exeuntesP). 

31. An pecorum pastores, nautae, carrucarii, caupones, tabel- 
larii et similis farinae homines sint tarn brutales et obliti penitusBO 
dei sui, ut nullum inter festos et profestos dies discrimen faciant, 
inten ti tantum, ut ventrem siliquis impleant contempto verbo dei, 
cibo illo coelesti, sine quo omnis aniraa perit famei). 


a) § 19 und 20 — B. 

b) g 21 — B; vgl. dort § 30. 

c) et 10 praeeepta B. 

d) In B § 28. 

e) § 23 — B. 

f) In B § 26. 

g) § 25 — B. 
h) an quis B. 
i) In B § 27. 

k) In B § 17 ; der zweite Satz fehlt. 

1) § 28 — B. 

jn) vel in praecipuis B. 

n) ab initio B. 

o) In B § 18. 

P) In B § 19. 

q) In B § 20 und so fort für die folgenden, 


104 Erzdiözese Köln. ^ Nr. 41. 

32. An festa, quae ex declaratione synodi dioecesanae cele- 
brari debent, celebrentur. 

33. Au parocliiani presbytero suo debitum honorem impendant. 

34. An illi et ecclesiae decimas et oblationes et iura paro- 
5 chialia ex iure ") veteris legis exsolvant et generaliter an sint, qui 

ecclesiis et beneflciis ecclesiasticis aut hospitalibus ac aliis piis 
locis suas decimaS; reditus^ census, obventiones seu bona quae- 
cunque subtrahant, suifurentur, denegent vel occupent seu qui 
ecclesiastica bona destruant aut divendant''). 
10 35. An est aliquis, qui parochum verbo vel facto infeste in- 
honoret vel fatiget vel eius salubria") monita spernat. 

36. An est, qui ieiunium quadragesimale vel quatuor tempörum 
sive litaniae maioris vel rogationum sive feriam sextara aut sabbatum 
sive alia solemnia in vigiliis festorum dierum et pro quacunque 

15 plaga ab episcopis indicta contemptim non observarit^). 

37. An dedicationes ecclesiarum, circumlationum reliquiarum 
et imaginum processiones et supplicationes . pie ac rite a ieiuniis 
sine comessationibus et ebrietatibus peragantui'®). 

38. An est aliquis, qui fratrem aut matrem inhonoravit aut 
20 percusserit aut eis maledixerit non suscepta poenitentia*). 

39. An est aliquis in ecclesia parricida vel homicida volun- 
tarius vel involuntarius, qui hominem quocunque modo occiderit 
poenitentia publica pro tanto crimine non peracta^). 

40. Similiter an est aliquis vel aliqua, qui infantes proprios 
25voluntarie aut per negligentiam oppresserunt aut suffocarunt aut 

abiecerunt aut occultaverunt aut mulier, quae conceptum excussit 
aut voluntarie abortivit. 

41. An sint aliqui, in quorum conflictu homo perierit. 

42. An sint aliqui, qui conspirationes, coniurationes et seditiones 
SOsectantur et excitant^). 

43. An est aliquis, qui diabolo impellente se occidere tentat^). 

44. An est aliquis, qui manus violentas in clericos seu sacer- 
dotes miserit''). 

45. An est aliquis, qui proximum detruncaverit mutilando^) 
35ipsi membrum aliquod corporis et cum eo reconciliatus non sit. 

46. An est aliquis, qui immunitatem ecclesiasticam per effu- 
sionem sanguinis violaverit™). 

a) more B. 

b) et generaliter - divendant — B. 

c) insalubria A. 
a) In B § 29. 

e) § 37 — B. 

f) In B § 31 und entsprechend die folgenden. 

g) an est, qui proprium servum occiderit -j- B. 
ii) suscitant et scebant A. 

i) tentaverit B. 
k) § 44 — B. 

1) mutilaverit detruncando B. 
m) § 40 bis 50 - B. 


Nr. 41. . Xanten. 105 

47. An sint, qui in ecclesia seu loco sancto rixentur. 

48. An est aliquis, qui in concilio fuerit, ut homo interficeretur. 

49. An vigeant in parochia odia, dissentiones, rebelliones et 
contemptus ecclesiasticae et civilis potestatis. 

50. An sint, qui uxorem in puerperio, ut vocant, percusserint. 5 

51. An est aliquis, qui coniugatus cum alterius uxore adul- 
terium perpetravit^). 

52. An est aliquis, qui legitimam uxorem dimiserit et alteri 
se coniunxerit seu aliam in coniugium acceperit et e diverso. 

53. An sint coniuges, qui se sine causa separaverint sine 10 
episcojii consensu^). 

54. An Sit aliqua mulier, quae conscio suo viro fornicata fuerit. 

55. An est aliquis non habens uxorem, qui cum foemina, quae 
virum non habet, hoc est solutus cum soluta, fornicatus fuerit. 

56. An est aliquis uxore carens, qui cum alterius coniugeiö 
fornicatus fuerit aut si qua mulier non habens virum cum alterius 
marito"). 

57. An est aliquis, qui alterius sponsam rapuerit et sibi sociaverit. 

58. An est, qui sponsatam"^) puellam non duxerit et fidem 
sponsalitiorum fregerit. 20 

59. An sint, qui clandestine contraxerint ; et matrimonium in 
facie ecclesiae, ut dicitur, solennizare negligant et sie cohabitant. 

60. An est qui sanctimonialem vel deo sacratam rapuerit et 
se velut coniugi sociaverit®) vel cum tali fornicatus fuerit vel cum 
commatre sua spirituali^). 25 

61. An est aliquis, quiaccusatus vel instimulatus vivente marito 
de adulteras) uxore hanc statim marito defuncto duxerit in matri- 
monium. 

62. An Sit mulier, quae mortem sui mariti defuncti machinata 
fuerit''). 3Q 

63. An est aliquis, qui fornicatus fuerit cum commatre sua 
spirituali vel cum consanguinea vel, quod abhorret dicere animus, 
contra naturam peccaverit. 

64. An Sit vir vel mulier, qui lenocenium (weerthschaft) ^) 
exerceant. 2^ 

65. An sint, qui cum propriis ancillis adulteria vel fornicationes 
exerceant^). 


a) vel uxor cum alterius viro + B- 

b) iudicio B. 

0) an sunt soluti, qui fornicatione se poUuerint aut poUuant -{- B. 

d) desponsatam B. 

e) in coniugium sumpserit B. 

f) Der letzte Punkt — B, 

g) adulterata B. 
h) § 62 — B. 

i) committat B. 


^) Kuppelei. 


106 Erzdiözese Köln. Nr. 41. 

66. An sin t, qui cum consanguineis et affinibus in. gradibus 
prohibitis contraxerunt coiüngia»). 

67. An mulieres se intra tempus purificationis post partum 
extra domus suas proripiant. 

5 68. An sint, qui locum sacrum carnali immunditia poUuerunt. 

69. An est aliquis, qui perpetuam'') ebrietateml) apostolo ve- 
tante et dicente: „neque ebriosi regnum dei possidebunt" ^). 

70. An Sit aliquis mimus seu ludio in parochia vel qui car- 
mina turpia et obscoena et haeretica cantillet. 

10 71. An Sit in parochia für aliquis aut sacrilegus, qui ecclesias 
dei infregerit vel aliquid de ecclesia sustulerit vel publice latuerit 
vel latenter subripuerit vel domos ecclesiasticarum pesrsonarum 
invaserit aut in illis vim aliquam commiserit"*). 

72. An est aliquis, qui iniusta mensura suam annonam aut 
Isvinum seu cerevisiam vendat, cum dominus dicat: „Aequus est tibi 

modus et aequus sextarius ":'*). 

73. An est aliquis, qui merces et praesertim vina mala et 
noxia commixtione corrumpat cum multo hominum vitae discrimine. 

74. An est, qui usurain exercent vel qui foenere velit dites- 
20cere, qui lucrum ex commutata vel concessa pecunia faciat. 

75. Inquirendum.de mendicis, qui parochias discurrunt et si 
quisquam pauperem de familia pro suis facultatibus pascät. 

76. Inquiratur quoque a laicis, an sint in parochia, qui testa- 
menta et ultima» morientium voluntates opprimant vel qui ecclesias 

25 seu pauperes legatis defraudantur vel qui eiUsraodi novissima homi- 
num arbitria non fideliter exequantur et, generaliter. 

77. An sint, qui oblationes parentum vel pröpinquorum de- 
functorum iniuste detinuerint et retinuant®). 

78. An sint, qui bona clericorum vel aliorum ab intestato 
30 descendentium iniuste invadant. 

, 79. Percontandum de fraternitatum societatibus, quoraodo in 
parochia agantur. 

80. An est aliquis, qui contra alium falsum testimonium pro- 

tulerit et quantum et quäle damnum corporis quis inde habuerit*). 

35 81. Interrogandum^), si in unaquaque plebe constituti sint per 

pagos viri veraces, et dominum timentes, qui caeteros admoneant, 

ut ad ecclesiam pergant, praesertim festis diebus ad matutinas, 

a) § 66 bis 68 — B. 

b) assiduam B. 

o) sectetur -j- B. 

d) Der letzte Satz — B. 

e) § 77 und 78 — B. 

f) In B vor § 75. 


') 1. Cor. 6, 10. 

2) Lev. 19, 36. 

") Aehnlich lautet Eegino 11 395 (= C. Eothom. 9. Jahrh. c. 15). Das 
Kölner Visitationsformular von 1549 hatte auch die Eidformel für die Send- 
schöffen aus Eeg. (II 3) genommen. 


Nr. 42. Aachen. 107 

missam et ad vesperas et nihil servilis operis fäciant, multöminus 
aliquid criminis vel etlmicae levitatis committant, qui et trans- 
gressores presbyteros denuncient«') similemque denunciationem fä- 
ciant de omni transgressione manifesta b) ; quodsi tales constituti 
nori sint, constituantur, qui in parochiis probiores*"). 5 

82. An sint, qui in sancta synodo comparere negligant, qui 
sanctae synodo sint rebelles et nön obedientes praesidenti seu 
decano, synodales vel recedentes sine licentia a synodo. 

[Auf die Sendordnung folgt ein Mandat (Literae convocatoriae 
synodi) des Dekans und Archidiakons Johannes Putz von Si Viktor 10 
zu Xanten^) dd. 1510 Jan. 2 an die Pfarrer seines Archidiakonats- 
bezirks, wonach ersterer unter Androhung der Exkommunikation 
bezw. des Interdikts gegen Säumige den Send in seiner Kirche zu 
St. Viktor am 8. Januar 1510 abhalten will und die Verkündigung 
desselben am Sonntag 6. Januar vorzunehmen befiehlt] 15 

Diözese Lüttich. 

42. Sendordnung der Stadt Aachen; 

1331. 

Aachen, St. Rheiüpr., Kr. Aachen-Stadt; jetzt Diöz. Köln. 

Nach: Orig. Perg.-Urk. mit spitzovalem, grösserem Siegel des Archipresbyters 
an roter Seidenschnur und neun kleinen Wachssiegeln an Perg.-Streifen, StadtA. 
Aachen E II 1 (A). — Dieselbe Urk., Perg., mit dem Siegel des Archipresbyters, 
ohne die Zeugenreihe am Schluss, ebendort E II 2 (B)^). 

Gedruckt: Chr. Quix, Gesch. der St. Peterspfarrkirche, Aachen 1836, 
128 — 132 (mangelhaft); H. Lorsch, AachenerRechtsdenkmäler 44— 50 (C; dessen 
Einteilung in Paragraphen ebenso hier beibehalten). 

In nomine domini. Amen. Ad perpetuam rei memoriam. De 
usu, consuetudine et observacione judicii spiritualis archipresbite- 
ratus ac scabinorum synodalium regalis sedis Aquensis in ecclesia 
sancti Foillani observandis sie est procedendum. Dicunt enim et 
protestantur concorditer archipresbiteri et scabini synodales, quod a 20 
tempore, a quo non est memoria, infrascripta fuerunt est sunt ob- 
servata. 

[1] Primo dicunt, quod prima dies synodalis juridica est feria 
secunda proxima post dominicam, qua cantatur „Judica me" ob- 
servanda; que quidem dies est publice intimanda populo per 25 
universas ecclesias parrochiales Aquenses dominica immediate pre- 

a) annuntient B. 

b) opere manifesto B. 

c) quodsi -probiores — B. 


1) War von 1501— 1521 Dekan. 

-) Das Aachener Stadtarchiv enthält Sendprotokolle von 156,8—1569, 1569 
bis 1579, 1584—1687. — Aachener Sendeidformeln gedruckt bei v; Fürth, Bei- 
träge II (1882) 158 f. — Eine kurze Schilderung des Verlaufs der Sendgerichts- 
sitzungen in Aachen bei Joh. Noppius, Aacher Chronik 1633, l24f. • 


108 Dözese Lüttich. Nr. 42. 

cedente et in eadem die syiiodali archipresbiter habet presidere 
iudicio et synodum iiibannire ibidem et scabini synodales omnes tarn 
clerici quam laici tenentur et .debent interesse; quibus scabinis 
synodalibus archipresbiter tenetur tunc cuilibet videlicet eorum»') 
5 presenti dare sex solides .Aquensis pagamenti vel tenetur illis tribus 
diebus ipsis ad commestus. 

[2] Item ipsa die synodali predicta est pulsanda una campana 
in ecclesia beate Marie Aquensis et in ecclesia sancti Foillani 
vicibus tribus et ad predictam ternam pulsacionem campane tenetur 

10 et debet quilibet homo utriusque sexus venire et comparere, qui 
ibidem aliquid agere habuerit, stände sentencie scabinorum, et talis 
synodus durabit tribus diebus contiguis sese succedentibus. 

[3] Prima vero die habet ipse archipresbiter suos scabinos 
synodales monere et requirere tribus vicibus sub debitis juramentis 

15 eorum per ipsos alias synodo prestitis, ut inter se deliberent et 
accusent omnes, quos noverint de jure seu de consuetudine accu- 
sandos; item secunda die immediate sequenti habet ipse archi- 
presbiter suos scabinos synodales requirere et monere ut prius 
duabis vicibus; item tercia die una vice similiter. Item predictis 

20 tribus diebus synodalibus habet camparere, si vult, decanus christi- 
anitatis tamquam assessor ipsi archipresbitero. 

[4] Si enim aliquis accusatus fuerit de aliquo crimine synodali 
et infra predictos tres dies ad emendam redierit vel se immunem 
dixerit, ille suo juramento prestito sine aliquo gravamine seu pena 

25 absolvetur. Si autem inventus fuerit culpabilis, emendabit huius- 
modi delictum accusacionis ad sentenciam synodalium. 

[5] Si autem infra triduum predictum huiusmodi accusati non 
comparuerint, extunc ille, qui se innocentera dicit, suam innocenciam 
purgabit suo proprio juramento et ad penam triginta denariorum 

30 Aquensis pagamenti pro tempore currentis obligatus est ipsi archi- 
presbitero necnon ipsis scabinis synodalibus in duobus sextariis vini 
melioris, quod venditur communiter in predicta civitate Aquensi. 
[6] Si autem talis accusatus secundario accusatur sive super 
eodem sive alio delicto, ille se habet septima manu cum juramento 

35 purgare, si autem non, talis emendabit huiusmodi delictum ad 
sentenciam synodalium predictorum. 

[7] Item si culpabilis reperitur seu recognoscit suum reatum, 

ille etiara ad sentenciam synodalium huiusmodi delictum emendabit. 

[8] Si autem talis culpabilis ad gremium ecclesie, postquam 

40raonitus fuerit, prout iuris est, redire noluerit seu redire recusat, 
ille excommunicabitur et proclamabitur diebus dominicis, et si 
perseveraverit in huiusmodi excommunicacione per annum et amplius, 
extunc ipse archipresbiter seu eins nunctius iuratus cum scabinis 
synodalibus predictis ad domum ipsius culpabilis accedere debet 

45 una cum judice seculari et ducet ipsum manu ad hostium^) ipsius 

a) eorum — C. 

b) hospicium C. 


Nr. 42. Aachen. 109 

delinquentis et tuuc ipse judex secularis ibi omnia bona, que in- 
venit sub trabe, que dicitur „hainbalc", attrahere debet et ad 
hospicium archipresbiteri predicti ea immediate presentare et 
eundem culpabilem captivare ac ipsum tenere sine aliqua sui 
corporis lesione et illura iudex predictus absolvere non debet, 5 
antequam satisfactum fuerit archipresbitero et synodalibus predictis. 

[9] Et si aliqua emenda ex predicto captivo evenerit, tercia 
pars huius eraende cedere debet judici seculari, prima vero pars 
emende archipresbitero et secunda pars scabinis synodalibus pre- 
dictis et predicta parte tercia contentabitur judex secularis pre-lO 
dictus. Si autem nihil emergerit de emenda seu, si gratis absol- 
vitur per decretum synodalium, extunc etiam ille absolutus erit a 
judice seculari predicto. 

[10] Item secunda synodus, que celebranda est feria quinta 
post octavas paschae, servatur illa sola die et celebratur secundumis 
modum et formäm prime synodi predicte. 

[11] Item si casus emergerit inter mulieres de aliqua lesione ma- 
nuali percuciendo vel si mulier percuterit virum, tenetur ad penam 
lapidum legitime prius convicta; et si talis se exliibet ad graciam, 
antequam sentencia feratur, tenetur ad penam quinque marcarumSO 
Aquensis pagamenti sub gracia tarnen et ad moderacionem archi- 
presbiteri et synodalium predictorum. 

[12] Post sentenciam vero latam, si ipse victor rigorose pro- 
cedere vellet in satisfactione sive emenda sibi facienda, hoc viso 
devolvitur statim huiusmodi satisfactio ad sentenciam archipres-25 
biteri et synodalium predictorum, et ipse victus pro satisfaciendo 
archipresbitero et sinodalibus tenetur ad quinque marcas Aquensis 
pagamenti sub gracia eorundem, sie tamen, quod primo et princi- 
paliter ac ante omnia semper satisflet ipsi victori secundum 
ordinacionem archipresbiteri et synodalium predictorum. 30 

[13] Item si emergerit casus obprobriorum inter mulieres vel 
si mulier turpia diceret viro et super hoc testiraonio convincere- 
tur, tenetur ad penam scale et si talis ante sentenciam latam ad 
gratiam se exhibet, tenetur ad penam triginta solidorum Aquensis 
pagamenti sub gracia tamen et ad moderacionem archipresbiteri 35 
et synodalium predictorum. 

[14] Sentencia vero lata si ipse victor rigorose procedere vel- 
let in satisfactione seu emenda sibi facienda, hoc viso devolvitur 
statim huiusmodi satisfactio et emenda ad sentenciam archipres- 
biteri et synodalium predictorum et ipse victus pro satisfaciendo 40 
archipresbitero et synodalibus tenetur ad triginta solides dicti 
pagamenti sub gracia tamen eorundem; et primo ac principaliter 
et ante omnia semper satisflet ipsi victor isecundum ordinacionem 
archipresbiteri et synodalium predictorum. 

[15] Et sie in omnibus aliis casibus maioribus et minoribus45 
vel consimilibus est procedendum, ut inmediate est declaratum. 


110 Diözese Lüttich. Nr. 42. 

[16] Item ömnes emende sive satisfactiones emendarum in 
judicio factarum debent partiri per medium, quarum una pars cedet 
archipresbitero, reliqua vero pars debet partiri inter praesentes 
scabinos et hoc secundum ordinacionem arcliipresbiteri et presen- 

5 tium synodaliura predictorum, excepto hoc, quod si aliqua „ur- 
kündia" datur in judicio, de illa urkündia ipse archipresbiter habet 
tollere porcionem duos scabinos synodales contingentem. Eeliquam 
partem divident inter se scabini synodales. 

[17] Item si casus dissidii, adulterii, incestus, usure, sortilegii, 

10 eresis vel alius casus hiis casibus consimilis emergerit, pena talibus 
ascribitur sexaginta solidorum trium monetarum videlicet viginti 
splidorum Coloniensis monete, viginti solidorum Aquensis monete 
et viginti solidorum Leodiensis monete, qui solidi persolvendi sunt 
secundum moderacionem, formam et teuerem superius annotatos. 

15 Si vero aliquis in hiis contumaciter perseveraverit per annum et 
araplius, ille presentandus est judici seculari, qui cum eo ulterius 
precedet sicut superius est enarratum. 

[18] Item apperitor synodi juratus citatos habet et debet 
omnes referre, antequani aliquid fiat, ipsi archipresbitero et syno- 

20dalibus predictis et secundum sentenciara et ordinacionem' eorundem 
debet procedere et alias non ipsos proclamando. 

[19] item debita forma et consueta est, quod actor petat et 
petere tenetur unum prolocutorem a judice sibi dari, qui proferat 
vel deducat contra reum intentionenl suam, et econversö reus ibi- 

25 dem faciat contra actorem, alioquin non est procedendum nisi 
predictus modus observetur. 

[20] Item si aliquis confessus vel legitime convictus aut si 
quis recognoscat reatum suum in judicio predicto, ille recedere 
libere potest a iudicio sub censura ecclesiastica sibi inferenda, si 

30 non obedierit debito tempore seu satisfecerit de eodem. 

[21] Item dicunt et protestantur concorditer ut prius, quod 
archidyaconus sive commissarius suus habet presidere ibidem in 
causis matrimonialibus solummodo uua cum archipresbitero predicto 
monendo et requirendo scabinos synodales, quid juris et prout 

35 juris est, procedendo in huiusmodi causis matrimonialibus et ipsi 
archipresbitero sentencias latas exequi committendo. Et si quid 
inde emergerit; nichil ad archidyaconum predictum pertinebit. Hiis 
premissis expeditis predictus archidyaconus seu commissarius suus 
amplius nichil habet ibidem expedire, sed a loco statim recedere' 

40 excepto hoc solo, si urkündia aliqua de huiusmodi causis matri- 
monialibus emergerit, duplicem porcionem uni scabino contingentem 
ipse tollet. 

[22] Item tenetur ipse archipresbiter annuatim ipsi archi- 
dyacono pro iure suo archidyaconatus in duabus marcis Aquensis 

45pagamenti. Item decano christianitatis pro iure suo similiter duas 
marcas eiusdem pagamenti et per hoc ipsi semper consueverunt et 
debent contentari. Item predicta pecunia tradenda archidyacono 


Nr. 42. Aachen. 111 

et decano et predicti sex solidi. scabinis synodalibus in. predicta 
synodo tradituri debent recipi a communi pecunia proventus synodalis. 

[23] Item in solempnitatibus nuptiarum , civium Aquensium, 
quaiido civis Aqueusis utriusque sexus contrahere debet matri- 
monium cum cive Aquensi, timc archipresbiter seu parrochiani 5 
Aquenses illo eodem tempore celebracionis matrimonii tenentur 
tribus vicibus sub banno reguirere a circurastantibus, si aliquis 
sciat impedimentum aliquod, quod impedire possit matrimonium pre- 
dictum absqiie aliis proclamacionibus in ecclesiis faciendis, sie quod 
alie proclamationes seu banni antea nusquam ullo modo fleri debent. 10 

[24] Item omnis delinquens potest et debet omni tempore pro 
quocunque delicto citari ab archipresbitero ad s. Foillanum me- 
diante nunctio suo ad hoc deputato et jurato secundum delictum 
suum sentenciam accepturus. Item' quandocunque alius fuerit citatus 
ad s. Foillanum et post terciam monicionem minime comparuerit, 15 
habebitur pro contumaci et debet excommunicari et alter debet in 
judicio procedere contra eum secundum ius et sentenciam scabinorum. 

[25] Item dare solet archipresbiter unicuique synodalium mag- 
nam libram cere in festo purificacionis beate virginis Marie, dura- 
taxat exceptis aliis casibus non spectantibus ad synpdum et ad 20 
scabinos synodales , antedictos. 

[26] Et nos Johanes de Luchen, archipresbiter et canonicus 
ecclesie beate Marie Aquensis predicta omnia et'singula a prede- 
cessoribus nostris reverendis a tempore, a quo desipit memorari, 
intelleximus et invenimus esse observata sicut et nobis omnes 25 
scabini nostri synodales contestantur. Nosque eadem quadraginta 
annis et amplius observavimus cum scabinis nostris synodalibus 
tam preteritis quam presentibus paciflce et quiete. Et ne huius- 
modi bone consuetudines et libertates sie actenus observate aliqua 
oblivione tradantur seu quomodolibet.yiolentur, ob honorem dei et 30 
bonum pacis fecimus eadem in hiis literis ad perpetuam memoriam 
assignari, ea tamen») racione, ut ea ultra in perpetuum inviolabiliter 
observentur. üt eciam premissa cercius habeantur, presentes 
literas ad rogatum civium Aquensium et. synodalium predictorum 
sigillo nostro jussimüs roborari. 35 

Et nos Wilhelmus rector ecclesie s. Jacobi, Johanes rector 
ecclesie s. Petri presbiteii, Johanes dictus Elreborne, Renardus 
dictus Hüin, Wolterus in Pont, Johanes Christiani, Arnoldus dictus 
Wilde, Leo de Karsfort et Johanes dictus HBin, laici, scabini 
synodales regalis sedis Aquensis predicte sicut premissa invenimus 40 
ante tempus memorandi a predecessoribus nostris observata cog- 
novimus, observavimus et observamus, protestamur omnia et singula 
fore rata^) sigilla nostra presentibus literis appendentes in testi- 
monium veritatis"). 

Acta sunt hec anno domini millesimo trecentesimo tricesimo primo. 45 

a) cum C. *>) facta C. «) Dieser Absatz fehlt in B. , 


112 Diözese Lüttich. Nr. 43—46. 

43. lörclienweistuiii von Asselborn. 

1580. 
Asselborn, Df. in Luxemburg, K. Klerf; jetzt DiöZi Luxemburg. 
Notariell bestätigte Abschr. von 1693, im Arch. Maxim, des Abtes 
Henni), I 272f., Stadtbibl. Trier Nr. 1644 (zit. Verz. Rhein. Weist. 9 Nr. 35). 
Ungedruckt. 

Die Sendschöffen der Pfarrei Asselborn weisen anno 1580: 

1. ihrem Pastor aUe Zehnten der Pfarrei zur Hälfte und den freien 

Zehnten ganz; 2. ^/, Malter Haber von jedem Acker, „da ein pfarmann ein 

ganzen pfluch führet"; 3. von jeder Feuerstätte 2 Roggenbrote auf Christtag; 

5 4. von, jedem „verrichten menschen" 1 Pf, zu den 4 Hauptfesten ; 5. von einer 

Kindbetterin 1 Roggenbrot und 1 Hahn; 6. von jeder Feuerstätte zu Ostern 

6 Eier und in der Kreuzwoche ebenso; 7. von einem Losbrief 28Stüber; 8. von 
einer Trauung "^/o Sester Wein oder dessen Wert; 9. von einer Krankenölung 

7 Stüber; 10. von einer ehelichen Verbindung l^j^ Sester Wein und 1 Doppel- 
lObrot; 11. von einem versehenen Gestorbenen alle Tage^) 8 Stäber und 1 Stüber 

Opfer, die Reicheren auch das Morgenmahl; 12. Bau und Unterhalt des Pfarr- 
hauses dem Kirchspiel; 13. dem Pfarrer 2 Kühe und 13 Schafe hüt- und lohn- 
frei und 1 Pferd nach Johann! (24. Juni) auf die Weide; 14. dem Abt von 
St. Maxirain bei Trier Bau und Ausstattung des Hauptaltars; 15. demselben 
15 die Messglocke mit Zubehör; 16. ebenso den Bauch der Pfarrkirche, dem Pastor 
den Chor; 17. letzterem 2 Messen (Mittwoch und Freitag), wofür er 6 Taler 
erhält; 18. demselben zu St. Peter und Paul (29. Juni) 1 Hammel oder 1 Tonne 
Bier, am 28. Dez. V2 Taler. 

[Unterschrieben: Georg Meyer, Pastor zu Asselborn.] 

44. Kirclienweistum yoii Eiisclieriiigeii. 

1588.. 

Enscheringen, Df. Luxemburg, K. Wiltz; jetzt Diöz. .Luxemburg. 
Aus dem Archiv der archäol. Gesellsch. zu Luxemburg (zit. Verz. Rhein. 
Weist. S. 23 Nr, 255). 

Gedruckt: Hardt 212—216. 

45. Sendordmmg- Yon Höiigeii. 

HÖngen, Df. Rheinpr., Kr. Heinsberg; jetzt DiÖz. Köln. 
Ein „Modus celebrandi synödum" befindet' sich naeh Tille-Krudewig, 
Archivübersicht II 185 im Pf A. Höngen '). 
Ungedruckt. 

46. Sendordnung von Laurensberg. 

16. Jahrh. Mitte, 

Laurensberg, Df. Rheinpr., Kr. Aachen-Land; jetzt Diöz, Köln.. 

Notariell beglaubigte Abschr. von ca. 1721 (vgl. über diese Datierung H, 
J, Gross, Zur Gesch. des Aachener Reichs, in „Zeitschr. des Aachener Gesch.- 
Vereins" 5 [1883], 222), die Ordnung selbst stammt ungefähr aus der Mitte des 
16. Jahrb., PfA. Laurensberg (zit. Tille-Krudewig 11 330). 

Gedruckt: Gross a.a.O. 224 — 240; danach hier wiedergegeben ■ mit Aus- 
wahl der auf den Send bezüglichen Abschnitte. Vgl. „Die Sendgerichte im 
Aachener Reich" in der Zeitschr.: „Aus Aachens Vorzeit" 7 (1894) 9—15. 

') Ueber diese Sammlung von Urkunden des Klosters St. Maximin bei 
Trier durch Abt Henn vgl, Lamprecht, Deutsche Wirtschaf tsgesch. II 706. 

-) an denen Gottesdienste für ihn sind. 

^) Eine Anfrage beim kath. Pfarramt Höngen ergab, dass die Sendordnung 
nicht mehr dort ist. 


]jir. 46. Laurensberg. 113 

[1] . . . In sancti Laurentii Berg ist ein sendgericM und 
selbige, pfahr ist gehörig und gelegen unter dem bisch tumb von 
Lück im reich von Aachen ... 

[2] Es seint in unserem sendgericht neben dem herren pastoren 
sieben Schöffen, erwöhlen sich mit zuthuung ihres pastoren selbst 5 
und blieben auch dabei ihr lebtag, es were dan sach, dass sie 
umb einiger missthat willen abgesetzt werden. 

[3] Die erwehlung der sendschöffen geschehet also : wan nemb- 
lich eine schöffenplatz ledig ist, so thuet der älteste schöffen die 
frag an seine mitbruderen und säget: es ist anjetzo eine schöffen- 10 
platz vakant worden; was dünket euch, welchen in unserer pfahr 
werden wir zu diese ledige stell benennen? Antworteten der herr 
pastor mit denen anderen beisitzenden schöffen: lass uns mit der 
erwöhlung fortfahren wie von alters hero der gebrauch gewesen. 
Und alsdan benennte der älteste schöffen drei personen, eine so 15 
armemeister wäre, die zweite so kirchemeister wäre gewesen, die 
dritte so eine ehrbar, fromme und in der pfahr wohnhafte person 
ist und wäre. Nachdem diese drei personen benennet worden, 
ermahnete der herr pastor sambtlichen schöffen, dass dieselbige 
mit ihrem stimmen selten fortfahren und gäbe der älteste schöffe20 
die erste stimme, die anderen alle ihre stimmen nach der Ordnung 
wie dieselbige von zeit zu zeit waren erwehlt worden und der 
herr pastor gäbe sein schiedstimm, da die Schöffenstimmen even 
gliech waren. Nach geschehener erwehlung oder wähl ersuchte 
der herr pastor sambtliche schöffen, dass sie mögten einen tag an- 25 
stellen, wann^r dass der neuer erwöhlter schöffen solte sein aid 
ablegen, umb auch alsdan ihme die gewöhnliche Statuten vorzu- 
lesen, und wurde der tag limitirt den ersten donnerstag nach der 
Wahltag und unter dem gottesdinst des sontags der seudgerichts- 
tag zu jedermans Wissenschaft verkündiget. Vor zieten wurden 30 
die Sendgerichtstag oben auf den thurm oben der kirchen in dem 
küster sein wohnung und in der fast in der kirchen gehalten; nun- 
mehr aber nach erbauung des pastors haus auf der pastorei. 

[4] Auf den angestelten sendgerichtstag erschienete der neuer 
erwöhlter sendschöffen und thäte nachfolgenden aid ad manus des 35 
herren pastoris schwören in gegenwart sambtlichen schöffen. 

Juramentum scabinorum synodalium in Berg. 

Ich N. schwöre bei gott dem allmächtigen und auf mein thiel 
des himmelriechs, dass ich glaube alles, was die römische catho- 
lische und apostolische kirch vorstellet zu glauben, und ich halte 40 
die lehr, welche dieselbe allezeit gehalten hat und wird gehalten 
unter dem gehorsam unseres allerheiligsten vatters papst N. Ich 
verwerfe, verfluche und verdamme alle falsche lehren der luthe- 
ranen, calvinisten, wiedertäuferen ^), und alle andere ketzerische und 


^) Die Wiedertäufer hielten sich in Aachen bis 1601 (Gross a. a. O. 226 '^). 

Koeniger, Sendquellen. o 


dl4 Diözese Lüttich. Nr. 46» 

Unglaubliche lehren, so von unser romisöhercatholischer kirchen 
bishero verdammet; verfluchet Und verworfen seint Und die romisch 
catholisch apostolische lehr will und wörd ich mit der hilf gottes 
bis am end in meinem hinscheiden von dieser' weit festiglich, be- 
5 ständig und unverletzt halten und allenthalben bekiennen.^lch 
verspreche und glaube, dass ich soll und woll vati; ■ diesem tag" an 
und hinfurter zu aller und jeder ziet nach gebrauch: und alten her^ 
kommen diesem sendgericht helfen besitzen und getreüliGh warten, 
die partheien in ihren schriftlichen und mündlichen fürtragön nach 

lönotdurft hören, darauf rechtmessig urteil sprechen ünlb keine saCh 
mich dargegen bewegen lassen; auch von den partheien oder je- 
mand anders keiner sach halber, so in unserem sendgericht hatiget, 
gab, geschenk oder einleben nutz durch mich selbst oder änderen, 
wie des menschen sinnen erdenken mögten, nemen oder zu meinem 

15 nutzen nemen lassen, auch des Sendgerichts heimlichkeit und rath- 
schläge niemand offenbaren, und sonst alles thun und verrichten, 
das . einen frommen und aufrichtigen beisitzer oder sendschoifen 
von recht und gewonheit zustehet und gebührt und sonsten alles 
in ehren halten, was zum vortheil des sendgerichts, kirchen und 

20 gemeinden gedeien mögte, alles getreulich und ungefehrlich. Darinne 
helfe mir gott und sein heiliges evaUgelium sambt allen heiligen 
gottes. Im anfang war ... 

[5] Die Statuten, welche nach ausgeschwornen aid durch den 
schrieber vorgelesen worden, waren selbigen wie folgt: 

25 Erstlich besitzen und halten wir pastor und sendschöffen das 
sendgericht in selbiger gewalt der authorität gljjech auch das 
sendgericht zu Aachen in weltlichen personen [deren ihren testa- 
menten zu verfertigen]*). ^ 

Zweitens erkennen wir recht in ehesachen^), in zehnden, in 

soscheltwörteren, in Übertrettungen und gebotten der kirchen als 
über diejenige, so auf sonn- und feiertag ohne erlaubnis knecht- 
liche arbeit verrichten, bierbrauen, brodbacken, fruchten mahlen, 
schnieders und schuemachers ambacht^juben und dergliechen andere 
knechtliche arbeit. 

35 Drittens sprechen wir recht in Streitigkeiten deren gräbern 
aut den kirchhof, in der kirchen aber mit bewilligung unseres 
herren archidiacon vom Haspengau ^) und landdechant*), so alle 
Jahrs unserem sendgericht zweimal können mit beisitzen. Und 
Was dieselbe alsdan mit recht auswiesen von unserm sendgericht, 

a) Später nachgetragen. 


^) Pfarrer Drossart (resign. 1571) hat der Sendordnung, die also vor ihm 
abgefasst ist, die Warnung angehängt, dass das Sendgericht sich nicht in Sachen- 
betr. Verheiratung Heimatloser, Ehegültigkeit iind Ehescheidung mische, da 
diese Dinge vor den Bischof von Lüttich gehörten. 

'^y Dienst, Ai:beit. 

') Hasbanien, eines der Diakonate der Lütticher Diözese. 

•".j Laurensberg gehörte zum Dekanat Mastricht. 


Jjfr. .46'. .' Laurensberg. ; lj[^5 

mu§s obsevyirt; w'erdenjfUnd c}ie; sfetutep auch: nachleben müssen, 
TYasi angehet ;,die(:juins(iiQtip:n^^w causis beneficialibus qfficiisque 

ßCjC(esiaStici§..:? Kl^.i;;?'; '>CV .;.:;:;■ '- 

.; ;H..i.Vier,t^ftS, d,ie; executigiißs, deren Sentenzen geschehen durch 
die'^stärke, band; zu? Aachen^ per requisitiales. 5 

:.• 'l^ünftens-äien strafen i geschehen nit anders dan mit kircben- 
wachs, jedes pfund mit achtzehn mark^) zu bezahlen." Ein dritte 
theiL dej,* straf \ wird; zum nutzisn der. kirchen angewent, , die andere 
zcwei, th#_d,er:;.strai, werden gethielt, durch denen gegenwärtigen 
sendsehöffeii: vund: heisren ^pastoren sambt schrieber, jeder eben viel; 10 

,,;SechstenS;miissen die Provisoren der armen und die zeitliche 
kirchmeisteren yor uns pastor und schöfen ihre rechnungen wegen 
gehabten empfang und ausgab, der renten berechnen auf einen 
von uns benenten tag. Wan aber provisoren und kirchmeisteren 
sich in ihren empfang und ausgab und auch in der erwöhlung be- 15 
schwärt finden, appelliren dieselbige ad archidiaconum Hasbaniae 
und ^nach; dessen rechtsprechung soll es verblieben.; 

?i,3iebentens. In anderen Sachen aber, ,in welchen unseres send- 
gericht die Justiz administrirt und dieserthalben sich jemand be- 
schwert findet, appellirt man nach dem hohen sendgericht in Aachen. 20 

Achtens setzen und erwöhlen wir. einen küster und schul' 
meister^) namens der ganzen gemeinden mit Zuziehung provisoren 
und kirchmeisteren . . *; . ^ 

[6] Die provisoren zu Berg werden durch pastor und send- 
scheffen erwelilt . . .^). 25 

[sie bezahlen] dem sendschriber einen dahler. 

Item was die provisoren der armen mit umbgehen oder sonsten 
von guten leuten kriegen, solches soll man in einen stock oder 
kist mit drei schlossern wie von alters hero verschlossen in werfen 
und schliessen, von welcher stock oder kist ein zeitlicher herrso 
pastor einen,, der ältester provisor einen und der ältester send- 
söhöifen einen Schlüssel haben sollen ... 

: [^7] Alle Jahrs wird . . .ein neuer kirchmeister : erweit und an- 
gesetzt . . . der letzterer kirchmeister erschienet auf sendgerichts- 
tag in der fasten vor herren pastoren und sambtlichen send- 35 
Schöffen und benennet der kirchmeister drei bequäme personen 
aus dem dorf, in weichem der neuer kirchmeister erwehlt soll 
werden; aus diesen dreien wird einer erwehlt*) ... 

Das kirchenland wird den meistbeithenden durch pastoren und 
sambliches sendgericht ausverpfachtet ... 


^) Die Aachener Mark galt 5 alte Pfennige (Gross a. a. O, 227*). 

-) D. h. also beide in einer Person ; er hatte auch die besondere Ver- 
pflichtung zu Sendanzeigen (S. 229.) 

. ") Provisoren oder Armenmeister waren es in Berg zwei; sie waren zugleich 
Sendbeisitzer (S. 233).. ' ': ■ 

*) Der Kirchenmeister wurden .abwechselnd aus 4 Orten des Kirchspiels 
Laurensberg gewählt (Gross a. a. 0. 235''); er verwaltete das Kirchen vermögen, 

8* 


116 Diözese Lüttich. Nr. 47. 

Der kirchmeister muss jälirlichs jedem sendschöffen und dem 
küster, jedem provisoren und kirchmeister ein kerz von Vi® 
gelben wachs, dem sendbotten ein kerz von einlialb V'* ® (geben) . . . 

Unse zeitlicher kirchenmeister hat das ins cum consensu pastoris 
5 et scabinorum synodalium die schuldneren wegen restirenden kirchen- 
renten mit den kirchenschlüssel und bei sich habenden küster zu 
exequiren. 

[8] Unseres sendgericht zu s. Laurensberg hat das ins einen 
sendbotten zu erwehlen, anzustellen und zu beaidigen . . • der send- 
lObott (muss) allem dasjenige insinuiren, affigiren und referiren, was 
dem sendgericht angehet. Und nach geschehener erwehlung thuet 
unser sendbott nachfolgenden aid ad manus nostri pastoris qua prae- 
sidis in loco congregato ac consueto iudicio synodali. 

Juramentum pedelli synodi in Laurensberg. 

15 Ich N. schwöre zu gott, dem herren pastoren als praesident 
und sambtlichen scheffen des sendgerichts zu s. Laurentiiberg gegen- 
wärtig gehorsam zu sein auch alle gebot, welche mir von unserem 
sendgerichts wegen bevohlen werden, fleissig und treulich zu ver- 
kündigen und auszurichten wie recht ist und davon in dem send- 

20gericht glaubliche berichtung zu thun und mich weder durch gelt 
oder durch bitten nicht umbgehen oder bewegen zu lassen, die 
Verkündigung anders dan mich befohlen zu thun oder zu hinder- 
lassen, dass ich auch das sendgericht getreulich fürderen und 
ehren will und ob ich des gerichts heimlichkeit wenig oder viel 

25 hören, vernehmen oder erlernen würde, dieselbe zu aller zeit in 
geheim bei mir halten und verschwiegen und sonst alles anders 
thun soll und woll, das einen frommen und getreuen sendgerichts- 
botten und diener amptshalber zustehet, der kirch und gemeinden 
allein vorthiel geschehe, sonder aller gefährde und arger list. 

30Darzu helfe gott und sein heiliges evangelium. Im anfang etc. 
[9] Alle hebammen oder weisfraueu der pfahr müssen dem 
herren pastoren qua praesidi und sendschöffen zu s. Laurentiiberg 
nachfolgenden aid schwören. 

[Folgt: iuramentum obstetricis.] 

35 Nach ausgeschwörenem aid zahlen die hebammen im sendgericht 
6 gülden, von welchem gelt der herr pastor vorausziehet 9 mark, 
der sendbotten 3 mark und das übrige wird durch deren send- 
schöffen und schrieber gethielt, jeden gliechen viel. 

47. Kirclieiiweistuiii von Ox)lioveii. 

1587 Febr. 22. 

Ophoven, Df. Rheinpr., Kr. Heinsberg; jetzt ErzdiÖz. Köln. 

Abschr. des 18. Jahrh. im „Eegister der Kirchen" S. 53 f. (A), PfA. Ophoven 
(zit.: Tille-Krudewig II 192). — Eine wenig spätere Kopie hiervon, Pap. 2°, 
StA. Düsseldorf, Abtei Dalheira Nr. 59 (B). 

Ungedruckt. 


Nr. 48, 49. Ophoven, Rheindahlen, Süsteren. lj[7 

Inhalt: Im Jahre 1587 Febr. 22 erschienen vor dem Notar Johannes 
Peyll in des über 35 Jahre zu Ophoven tätigen Vizepastors Peter Krummen Be- 
hausung die ältesten Leute des Ortes und bekundeten, dass dort jederzeit im 
Send nach dem Unterhalt der Kirche und anderen Erbgerechtigkeiten samt denen 
der Wege und Stege gefragt worden sei; „dass etlich jähren hero wegen nit- 5 
haltung der send und nun wegen kriegsluft nit geschehen und also besorgten 
absterbens der alten nachbarn zu des kirspels nit geringeren nachtheil verdunkelt 
und vergessen werden könnte, dero wegen dieselbige aus ihrem mund zu ver- 
zeichnen und schriftlich in glanbwerdigen formen ihnen zuzustellen gebetten". 

1. Die Aebtissin des adeligen Klosters Dahlem ') bestellt den Zierrat zum 10 
hohen Altar und zur Messe, das ewige Licht und hat die grosse Glocke samt 
Zubehör in Gang zu halten; ferner hat sie die Baupflicht am Kirchenschiff, 
wogegen die Nachbarn Turm und Abbehäoge und der Pastor den Ohor samt 
Stier und Eber unterhalten. — 2. Folgt nun die genaue Beschreibung der ge- 
meinen Wege und Fusspfade nach Länge und Lage. • 15 

48. Kircliemveistimi von ßheiiidahlen. 

17. Jahrh. 

Rheindahlen, St. Rheinpr., Kr. Gladbach; jetzt Erzdiöz. Köln. 

Notariell beglaubigte Abschrift des 17. Jahrh., früher im Pf A. Rheindahlen, 
heute nach Tille I 53 nicht mehr vorhanden. „Wroeg, der man jahrlichs auf 
den send zu Dahlen erwecket". 

Gedruckt: H. GrÖteken, Gesch. der Stadt und des Amtes Dahlen, M.- 
Gladbach 1870, 391 

49. Sendordnung für die Dekanate Süsteren und 

Wassenberg. 

1607. 

Die Dekanate Süsteren und Wassenberg gehörten ehedem grösstenteils zur 
Diözese Lüttich, heute ihre Gebiete zumeist zur Erzdiözese Köln^). 

Nach A: Aufzeichnung von 1607 mit Nachträgen von andrer gleichzeitiger 
Hand und Einleitungsschreiben, 3 Pap.-Bl. 2". — B: Abschr. des 17^ Jahrh. 
]. H., 3 Pap.-Bl. 2". — C: Abschr. des 17. Jahrh. 2. H., 5 Pap.-Bl. 2«. Diese 
3 Archivalien befinden sich im Besitze des H.Pfarrers W. Lücke rath in Wald- 
feucht, Kr. Heinsberg«) (zit.: Tille-Krudewig II 203). 

Gedruckt: Binte rim, Denkwürdigkeiten V 3 (1829) 47 — 51 (ohne Quellen- 
angabe), der sie ins 14. /lo. Jahrh. setzt, während sie O. Redlich, Kirchen- 
politik 67'^ richtiger dem 16. Jahrh. (genauer 2. Hälfte) zuweist (D) *). 

Ehreüthafft und achtbar, insunders giinsti[ger liever] «) freund ! 
Nachdem bis daher dieser end ke[in(e) . • . ] und gute Ord- 
nung mit haltung der hei[ligen senten] gewest und auch dieselbe 

») Auf der rechten Seite ist ein Stück abgerissen; die vermutlichen Er- 
gänzungen sind in Klammern gesetzt. 

*) Kr. Schieiden, Zisterzienserinnen, abhängig von der Abtei Kamp. 

^) Vgl. darüber W. Lückerath in den Beiträgen z. Gesch. von Heinsberg I 
(1897) 8 und 14 f. 

•'') Derselbe hatte die Liebenswürdigkeit, sie mir zur Abschrift persönlich 
zu übersenden. 

*) Er bezeichnet sie als Jülich-Bergische SO. Der Abdruck ist offenbar 
sehr fehlerhaft; er zeigt das niederdeutsche t, das ABC nicht kennen. Darauf, 
me auf orthographische Abweichungen ist hier nicht weiter Rücksicht genommen, 


118 Diözese Lüttich. . Nr.. 49. 

gegen meines [gnedigen] herren ausgangenen bevelcb^) wuenig 
v[on zeit zu] zeiten gehalten und wan schon gehalteii^worde[n, 
dan nur] mit grosse .und unnuedige kosten und mi[t wuenig] nutz 
zuwerk gestalt gewest, als haben i[hre f. gnaden] von Gulich von 
5 einem guten freund ein f[orm des] send, wie der end gehalten 
wird, gleichs [....] verpeilich zuersehen kriegten. Dahe dan mein 
[fürst] und herr den 5. septembris anno 1602 erstlich bev[ohlen] 
hinforder die send wie breuchlich zuhalten, da[mit] dan hierdurch 
unzimbliche viel hendel abge[schafft] werden muegen, begeren mit 

10 dem lariddechanten und anderen pastoren auf die weg endlich ab- 
sprechen und zu jeder pfar einen sondag verordnen willen, wah 
noch dieser wehrender vasten die senten vermueg dieser form, ge- 
halten werden sollen, dahe auch keine sendscheffens vorhanden 
were, die noch ahenzuordnen und gewoenlich zu beeiden. Dieser 

15 gleichen Schreibens haben aen dem vogten Milien und beiden 
scholtissen zu Born und Susteren^) geben lassen, damit desfals 
gleicheit gehalten werde. Hiemit gottes allmacht empfehlend. 
Datum den 19. martii anno 1607^). '<i 

Modus celebrandi synodum»)*). . ,., 

• ■ , ' 

20 [1] Die senten werden gemeinlich allezeit gehalten in der 
vasten nahe bie oesteren und diesen brauch haben die alten ge- 
halten, umb*») allerley ergernis in der gemeinden abzuschaffen. ' Es 
werden aber die senten besessen in gegenwert des pastoren in 
beysehen des weltlichen richters entwidder des scholtissen oder 

25vogts oder des herren amptmans durch zwei oder drey veraidte 
catholische sendscheffen vor der ganzer gemeinden, doch ausge- 
scheiden die Weibspersonen und alle junge knaben, nicht darumb, 


a) Fehlt in D. 

b) und D. 


*) 1551 März 20 erliess Herzog Johann eine Verordnung für Jülich, Kleve 
und Berg, die u. a. die Abhaltung des Sends überall, auch an den Orten, wo 
er in Abgang gekommen, einschärft und weitere Anweisungen hierzu gibt (abgedr. 
Scotti, Gleve I 116; vgl. J. Kühl, Der Jülicher Kirchenstreit 1902, 73 ff.; vgl. 
"dazu Redlich, Kirchenpolitik S. 85*f). 

-) Das herzoglich jülichsche Amt Born und Milien (Süsteren war Gerichts- 
sitz im Amt Born) umfasste den grössten Teil des Lüttichschen Dekanats Süsteren. 
^) Dieses Einleitungsschreiben fehlt in BCD. Wahrscheinlich ist es von 
einem jülichschen Oberamtmann an den Amtmann des jülichschen Amtes Brüggen 
gerichtet, welches zum Teil das lüttichsche Dekanat Wassenberg umfasste. Es 
besagt selbst, dass es auch an die Aemter Born und Milien geschickt wurde, die 
den grösseren Teil des lütt. Dek. Süsteren umspaiinten. Im lütt. Anteil des 
Herzogtums Jülich wird demnach der Send kaum mehr gehalten worden sein 
und nun liess sich der Herzog aus dem kölnischen Teil seines Landes eine Send- 
ordnung geben, um sie dem jülichschen Teil vorzuschreiben (vgl. oben SO. von 
Setterich S. 76 ff.). 

*) Deckt sich in der Hauptsache bis Abs. 6 mit der SO. von Setterich 
.(bis zu Abs. 22). ■ ;■ ,, :.: i , . .// 


Nr. 49. ■ Süsteren. 119 

das dieser excessen ohngestrafft pleiben sollen, sonderen dieweil 
ein jeglicher hausvather vor alle seine brotgenossen ist schuldig 
rechnung zu geben. Die zeit des bestimmpten sendags wird von 
dem pastoren den vorigen sendag solemniter proclamirt»). 

[2] Am tag der send, wan der gottesdienst begint geendigt 5 
zu werden, wird geluit die ban- oder sturmklock und kommen zu- 
sammen alle unterworfene parochianen ohn einige exception, so- 
woll ketzer als catholische. Welche zur send ohn vorige erheb- 
liche bei dem pastoir oder sendscheffen gethane excusation nit 
compariren, dieselbe werden vorerst mulcta ordinaria mit einem 10 
pfond wax gestraffet, welche straff, so die temerarien contra- 
venientes nichts oder zu gering achten, wird inen nach erkentnis 
der sendscheffen ein hoher arbitralstraif aufgelecht. 

[3] Wan nue die sturmklock ein zeit lang geluit, duet der 
pastor vel synodi preses^) orationem synodalem. Wan diese ge-i5 
endigt, werden alle namen der parochianen durch den gerichts- 
potten abgelesen, umb die absentes zu colligieren. 

[4] Hiernach werden die excessen von dem gerichtspotten und 
sendscheffen einpracht und gepurlicher manieren gestraffet. Es 
wird auch hiernach einem jeglichen besonder aus bruederlicher 20 
liebden durch proclamation des gerichtspotten oder des pastoren 
gewalt gegeben, scandalose und straftliche excessen seines nach- 
pars anzugeben**). 

[5] Peccata aliquot generalia, quae sub synodnm cadunt: 

alle öffentliche und gemeine gotteslesterliche flucher — item 25 
alle tegliche vollsuiffer — item so das ir[ige mit] ') teglichem karten, 
dobbeln und tauschen in al][en herber]gen einer ganzen gemeinden 
zum ergern [is aufsetzen] und verspielen und in ihrer haushaltung 
[dieser ur]sachen mangel leiden — item alle diejenige, so ihrer 
haushaltung [unordent]licher manieren vorstehen, ihr weib und 30 
kin[der in] keiner christlicher disciplin auferzeiehen — item so 
ihre weib und kinder dem ehestand un[gemess] ergerlich miss- 
halten — item alle ehebrecher, hoerer, unzeuchtige, ganz fleisch- 
lich lebende minschen; praeter mulctam fisci pecuniariam, die sie 
respective geben müssen, seind sei auch der [catholijscher '') censuir 35 
und straff' unterworfen — item alle die, so sich selber durch ihre 
authoriteit von ehelichem bet absonderen und divortium machen^) 

^) proclaudirt B. 

b) praesens BD; in AC das n gestriclien. 

0) In D folgt hier der Eid (vgl. Abs. 6): Eid der sendscheffen: Ich N. 
schwere einen eid zu gott, der hl. dreyfaltigkeit, das ich alles und jedes, was 
dem hl. send vrogbar und sendbar ist, welches mir selbst bewost oder von 
andern vernehmen kan, getrewlich an- und furbringen und davon nichts einigerlei 
ursach halber, wie sie mahnen oder gestalt haben mogten, versweigeu wolle. Also 
helfe mir gott und sein hl. evangelium. Amen. 

d) kirchen BC; kirchlichen D. 

e) item -machen in A am Rande nachgetragen. 

^) In A ist oben rechts ein Stück abgerissen. 


120 Diözese Liittich. Nr. 49. 

— item alle diejenige, so per fornicationem ohne eheliche copu- 
lation ein räume zeit zusammen schlaffen — item omnes illi, qui 
absque dispensatione incestuosas contrahunt nuptias«) — item die- 
jenige, so sich son- und heiligen tags under dem gottesdienst in 
5 wein- oder beerherbergen ^) umb zu saufen absque causa gravis- 
sima finden lassen; die wirt aber, welche sulche geloecher auf 
bestimmte zeit anstellen, fallen praeter ecclesiae censuram in 
ihrer fürstlichen gnaden bruchten — welche son- und heilige ge- 
potene flrtage mit eusserlicher arbeit und sonderlich under dem 

10 gottesdienst verwirken, dieselbe werden iuxta qualitatem excessus 
ent wider durch fürstlicher gnaden fiscal oder aber durch geistliche 
censuir gestraffet — item es fallen auch under die send diejenigen, 
so under dem gottesdienst, wan erliche leut den gottesdienst suchen, 
sich.uf dem mark und gemeinen Strassen als newer zeit kremer ^) 

15 finden lassen — item welche von catholischem glauben abweichen 
und sich in einigen verpottenen secten begeben oder aus sectischem 
Unglauben zu osteren nicht zum h. sacrament gehen oder ohn 
vorhergehende bicht und absolution dasselb gesinnen oder empfangen 
dürfen*') — item diejenige, so keiner secten anhengig aus fauler 

20 unagsamkeit etc. den gewoeulichen kirchengang versäumen und 
zum wennigsten neit einmal im jähr zur catholischer commu- 
nion sich bereiden und dieser gestalt ihre wachsende kinder in 
gleicher unagsamkeit auferziehen — diese auch, welche in zeit, 
so das heilige sacrament über die Strassen zu kranken adhibito 

25signo consueto oder in processionen umbgedragen wird, demselben 
heiligen sacrament vorlangs gehende^) durch entbloessung zum 
wennigsten ihres heufts ex affectata rusticitate aut pertinaci con- 
temptu die gebuerliche reverenz nit erzeigen — item diejenige, so 
sich subreptitie quocunque loco et tempore das predigambt in der 

30 gemeinden undernehmen — item welche die winkelpredigen under- 
schleifen oder anhören oder sich zu den sectarien bekennen^), item 
alle die, so ihre kinder aus nachlessigkeit ohne die heilige tauf 
absterben lassen, auch so dieselbe über acht tag ungetauft bleiben 
und insonderheit welche*} von einer send zur andern ohn tauf auf- 

35 wachsen lassen — item so ihre kinder anderswo als bei ihren 
ordentlichen pastoren taufen oder die oder sich selbst. ohne recht- 
messige erlaubnis«) in dem heiligen ehestand copulieren lassen — 
item es werden auch alle eingereissene auslender oder auf anderen 

a) item oranes - nuptias in A nachgetragen. 
^) under - beerherbergen — D. 

c) In A am untern Eande nachgetragen ; in D fehlt dieser Artikel. 

d) wird -gehende fehlt in D durch Schreibversehen. 

e) item - bekennen in A im Text nachgetragen. — D : item alle die, so sich 
bei nachts oder tags in sulche winkelpredigten finden lassen. 

f) über -welche fehlt in D; in A am Eand nachgetragen. 

e) taufen - erlaubnis in A am Eand; in D ist dieser Artikel in zwei zerlegt. 

^) Neuigkeitskrämer. 


Jfr. 49. Süstereo. 121 

orteren verbänte vor dem ganzen synodo mit sunderlicher auf- 
sieht auf glaub werdigen schein ihres abscheids gefordert und nach 
erfindnis der Sachen entwidder zur nachparschaft angenommen 
oder auch zu ihren vorigen ort widder hingewiesen -r- item alle 
lichtferdige meinschen, so entwidder uf den gassen oder in wirts- 5 
herbergen, undergeloecheren oder sunst anderswo *) ungefondirt die 
heilige sacramenten und sonderliche das heilige ambt der missen 
mit grossen ergernis zu lesteren sich understehen, sollen auch mit 
der sendstraff beladen werden «»j. 

Dieser excessen seind mehr, welche iuxta qualitatem loci et 10 
temporis observirt können werden*'). 

Der grosse missbrauch, welcher in einiger gemeinden geschieht 
mit danzen und springen und sonderlich in der vasten und am 
allerheiligsten oestertag und christag wie auch sonst auf andere 
Zeiten in unehrlicher gesellschaft, wird auch durch die senden ge- 15 
strafft und darneben auch*) sowoil an den spielleuten als auch 
aufhelderen sulcher unehrlicher gesellschaft ß). 

[6] Form und Ordnung die sendscheffen ahenzustellen. — Der 
sendscheffen sollen ex sententia Christi Math, am 18.*) zwei oder 
drei, dem catholischeu glauben zugethaen, eines ehrbarlichen namens 20 
und famen, auch eines sulchen lebens, das sie anderen ein exempel 
der ehrebarkeit sein muegen. Diese in zeit, wan sie ahengestelt 
werden, sollen sei ihren aid prestiren entwidder in der kirchen oder 
vor einem ehrbaren rat in beisehen des pastors oder landdechants, 
der catholischer kirchen allezeit aenhengig zu seyn und sunsten25 
auch in obgesetzten oder dergleichen mehr excessen, die ihnen 
irstlich vorgelesen sollen werden, zue bruderlicher correction mueg- 
lichten behuelf zu leisten. Der aid aber ist folgents einhalts: 

Ich N. N. gelobe in zeit meiner regierung deren catholischen 
glauben gemeess in allen und jeden puncten mich zu verhalten 30 
und denselben allezeit helfen zu befurderen; auch gelobe ich in 
allen und jeden mir vorgelesener articulen zue bruderlicher cor- 
rection und besserung mueglichen behuelf zu leisten, also helfe mir 
gott und sein heiliges evangelium. 

[7] Diese zwei oder drei sentscheffen wird zum behulf zu- 35 
gedaen der gerichtsbott, umb alle und jede excessen wie dieselbe 
von ihm ersehen und von den sentscheffen ahenbracht werden, bis 
zur zeit der send ahenzuzeichnen. 

[8] Die brucht der send werden durch den gerichtsbotten in 
den irsten vierzehen tagen per auxilium iudicis secularis colligirt40 

a) oder s. a. in A am Rande nachgeti'agen. 

b) In der SO. von Setterich sind hier 9 Absätze (22 — 30) eingeschoben. 

c) Die SO. von Setterich bringt noch 6 Absätze als Nachtrag und schliesst 
damit. 

•J) und d. a. in A am Rande nachgetragen, 
e) BO brechen hier ab. 

^) Matth. 18, 16: In ore duorum vel trium testium stet omne verbum. 


122 Erzdiözese Mainz. Nr. 50—52. 

und daräüssen werden aengewendt die uncosten auf der send als 
nemblich vor den weltlichen richter, pastoren, sendscheifen und 
gerichtsbotten, die malzeit und jeden ein kan weins ; das -über- 
enzige aber von den brachten wird den kirchneren») pro fabrica 
5 geliebert. 

50. Kirclieiiweistum von Waldeiiratli. 

.; - 1559^ . 

Waldenrath, Df. Eheinpr., Kr. Heinsberg-, jetzt Erzdiöz. Köln, 
Abschr. von 1608 Dez. 15, Pap. 2", Pf A. Waldenrath (zit.Tille-Krudewig 
11 197). ;. : ■ ■ 

Gedruckt: W. Lückerath, Beitr. zur Gesch. von Heinsberg' und Um- 
gegend I ..(1897) 7. . 

51. Sendweistuin von Wegberg-. 

151.5. 
Wegberg, Df. Rheinpr., Kr. Erkelenz. 
Abschr. des 17. Jahrh. im PfA. Wegberg (zit. Tille I 123). 
Un gedruckt. 

Dit sind der kirchen rechten von Berck, gescreven int iar duisent veif 
hoiidert ep veiftin, di man jars nu pleicht zu vroechen in dem heiligen sents'). 

Erzdiözese Mainz. 

52. Send- und Kirchenweistum von Altenbamberg. 

1535. . 

Altenbamberg a. d. Alsenz, Df. Rheinpf., BA. Kirchheimbolanden ; jetzt 
Diöz. Speier. 

Abschr. im KrA. Speier, Fasz. 66 der Abt. Altenbamberg und Reipolts- 
kirchen. 

Ungedruckt. 

Extract aus dem weisthumb der sendscheffen und kirchen- 
geschwohren in der pfahrkirchen s. Mauritii zu Altenbaumberg im 
10 jähr 1535 nach purificationis Mariae beschrieben. 

[1] Zum ersten kombt der seendher in die kirch und nach dem 
die geschwohren mit nahmen sieben, als drey von Hochstegen 2) 
und vier ihrer zu Baumberg, und pfahrher versamblet sein, ver- 
hört er das gericht von wegen des thumproibst zu Mayns und 
15 vermahnt sie, uff den eid der kirchengeschwohren ihr weisthumb 
zu thun; uff den beger weisen wir mit recht wie ihr alten uff sie 
bracht haben. 

[2] Zum ersten wan der seendherr kompt, soll er mit sieben 

man un sieben pfert komen, wan er einletzig ist, wan er doppelt, 

20 mit vierzehn man und vierzehn pfert komen, und uff den wiet- 

a) kirchenmeistern D. 


^) Es war mir nicht möglich, das Stück zur Abschrift zu bekommen. 
-) Hochstetten a. d. Alsenz, südl. von Altenbaraberg. 


■Nr. 53. Altenbamberg, Baumholder. i2S 

tiimbhoff ziehen. Soll det klöckerier mit einer hanfell licHt Itomen 
und die in; deiT'kirehen hellen und dem herrn leuchten, 'Item der 
buttel soll komen, ein mass wein und einen weissen becher bringen, 
dem herrn drinken geben. - 

f [3] Zum zweiten sollte er des morgens uff den lehnherrnsambt 5 
seiner hoff, wie er hie ist, ziehen und in rechter band zeugt der 
sendherr in die kirche und begert das gericht mit aller weis und 
mass wie oben gezeigt^), fragt nach allen gebrechen der kirchön, 
wer solche gebrechen bauen und handhaben solle. Darauf weisen 
wir also: •: . 10 

Zum ersten, ob ein gebrechen an dem thur were, den soll der 
lehnherr bessern, bauen und in gutt handhabung halten. — Zum 
andern sollte er, der lehnherr, das sacramentsheuselein sperhaftig 
halten, dass es versorgt sey. — Zum dritten solle der pfahrherr 
rzum halben theil und die ■ kirch zum halben das sacrament be-l5 
leuchten. — Zum vierten sollen die lehnherrn alle mess- vesper- 
oind ander bucher, so in der kirchen von nötten, sie bestellen. — 
Zum fünften sollen die' lehnherrn den bauch der kirchen auch 
bauen, in guttem baue handhaben und halten. — Zum sechsten 
sollte die gemein zu Altenbaumberg und Hochstegen die ebigseit^) 20 
an der kirchen bauen und handhaben, item den taufstein sambt 
dem tauf buch bestellen und handhaben; item der klockenthorn 
sambt klocken und klockenseylen, item die sacristey auch bauen 
und handhaben, item die ringmauer umb den kirchhoff zu machen 
und den kirchhoff auf das beste zu befrieden. 25 


53. Kirchenweistum von Baumholder. 

1533 Okt. 31. 

Baumholder, St. Rheinpr., Kr. St. Wendel; jetzt Diöz. Trier. 
Abschr. des 18. Jahrh. im KrA. Speier, Horstmanniana V P. 1 Pap. 2", 
fol. 182—185 (zit. Mayrhofer- Glasschröder, Pfalz. Weist. S.8)^). 
Ungedruckt. 

Auf Veranlassung des Pfalzgrafen Rupprecht^) wurden 1533 
Okt. 13 durch den Landschreiber zu Lichtenberg (Kr. St. Wendel), 
Job Weydenkopf, im Beisein des Pfarrers Joh. Guttenberger, ge- 
nannt Garaus, des Schultheissen Blickhausen und der Kirchenpfleger 
Jak. Hocken und Joh. Stiel die von 18 Geschworenen gewiesenen 30 
Rechte der Kirche zu Baumholder zu Protokoll genommen: 


^) Die Sendordnung, auf die hier hingewiesen ist, scheint nicht erhalten 
zu sein. 

-) absit, Apsis, gewölbter Nebenraum der Kirche, überhaupt Nebengebäude. 

^) Ueber die Abschriftensammlung des Zweibrückenschen Karamerrats L. 
Ph. Horstmann (ca. 1771—1778) vgl. ebenda S. XX. r 

*) In B. ward 1522 — 1524 die Reformation eingeführt unter Herzog Ludwig 
von Pfalz-Zweibrücken; Pfalzgraf ßupprecht war der Vormund von dessen Sohn 
Wolfgang (Lorenzi I 655). , . , /, , :, 


124 Erzdiözese Mainz. Nr, 54. 

1. Der Abt von Wörschweiler^) baut und unterhält den Chor 
der Kirche, die Zehentherrn den Bauch; Hand- und Spanndienste 
zu leisten ist das Kirchspiel nicht schuldig; letzteres baut und 
unterhält den Turm mit den Glocken, die Glockenseile liefert der 

5 Glöckner, das Uhrwerk die Gemeinde Baumholder, welche den 
Glöckner für Bedienung entschädigt; 

2. das Kirckspiel baut und unterhält die Kirchhofsmauer und 
den Kerner; 

3. der Abt von W. beschafft 1 Messbuch und 1 Lesebuch ; 
10 Messgewänder, Altartücher, Zierrat und Kelch besorgen die Kirchen- 
pfleger gemäss den alten Satzungen; 

4. der Abt bestreitet ^/g des ewigen Lichts, ^/g die Zehent- 
herrn von Rüdesheim und die Junker von Prausberg zu Merxheim^) ; 

5. das Pfarrhaus baut das Kirchspiel, der Pfarrer unterhält 
15 es; mit den sog. Lehmhäusern hat das Kirchspiel nichts zu tun, 

ebenso nichts mit Viehhaus und Scheuer, dagegen baut es das 
Frühmesserhaus, der Frühmesser unterhält es; für die beiden 
übrigen Pfründehäuser hat das Kirchspiel nicht zu sorgen; 

6. der Pfarrer hat ^j^ der Zehnten, die Gefälle von den 
20 Kapellen auf dem Land, die 30. Garbe von den Weistumsgütern 

(gemäss Verzeichnis) und hiervon auch das Besthaupt; 

7. die Zehnter liefern jährlich 5 Sester Weizen oder ein ge- 
häuftes Fass für die Hostien; den „vordersten Leib der Kirchen" 
baut und .unterhält die Kirchenfabrik. 

54. Kirchen- und Sendweistum des Essweiler Tals. 

1587 Dez. 10. 

Das Ess Weiler Tai rnit dem ehern. Pfarrort Hirschau , heute nur mehr 
Kirche bei Hundheim, Rheinpf,, BÄ. Kusel, jetzt Diöz. Speier. 

Gleichzeitige Aufzeichnung, Pap. 2", KrA. Speier, Abt. Rheingrafschaft 
Fasz. 32Vo; ebendort Abt. Horstmanniana V P. 1 fol. 91 — 97 (letztere Abschrift 
zit, Mayrhofer-Glasschröder, Pfalz. Weist. S. 90). 

Ungedruckt. — Von Wasserschleben, Deutsche Rechtsaltertümer 1892, 
267 f. ist nach einer Notariatsurk. im KrA. Speier ein Weistum von 1579 über 
die verschiedenen Arten von Gerichten (4) im Essweiler Tal abgedruckt; darin 
wird als drittes das „Kanzelgericht" mit Andeutung seiner Befugnisse aufgeführt. 

25Weisthumb der geschwornen kirchenscheffen Hirsawer 

pfarren und des geistlichen canzelgerichts im 

Essweiler thal, 

von neuem erkent und beschrieben den 10. Dezember anno 

1587, wie dasselbig unnsere vorältern bishero gewiesen und auf 

30 uns bracht haben. 

[I]. 
[1] Wie die geschwornen kirchenscheffen im Essweiler thal 

^) Im Kr. Bernkastei; seit 1171 Zisterzienserkloster, 1525 von den Bauern 
gestürmt und säkularisiert, 1614 niedergebrannt. 

^) In die weltliche Hoheit von B. teilten sich damals die adeligen Familien 
der Vögte von Hunolstein und von Braunsberg (Lorenz i II 457). 


$fv. 54. Essweiler. 125 

weisen und erkennen einen gewalthaber des closters Öffenbach ^) 
vor ein collatorn und gifithern der pfarr von Hirsaw und der 
predicatur Hinsweiler ^) und das ihm järlichs von solcher eollatorei 
wegen der drittheil aus allen zehenden der vierzehen lehnhern im 
ganzen gericht und bezirk des Essweiler thals gebürt, als da 5 
seind die zehenden von allerley fruchten, auch von wein mit sambt 
dem kleinen zehenden, welcher järlichs vom jungen vihe gegeben 
wir't. Solcher drittheil wird genant das pfarrecht, soll und wird 
allen jars gemelten giifthern von allen anderen lehnhern im feld 
geliefert und abgetheilt. lO 

[2j Auch weisen wir, dass dieser cöllator und gilftherr im 
namen und von wegen seiner oberhern und Verwaltern des geist- 
lichen rechtens zu Zweybrucken gewalt und macht hab, alle 
Idrchendiener des Essweiler thals uiF und ab zu setzen, zu pre- 
sentirn und bestetigen, auch alle kirchenrechnung zu besitzen und 15 
in beisein des pfarhers als schultheissen des geistlichen rechts und 
canzelgerichts sampt den sieben kirchengeschwornen jals schetfen 
desselbigen gerichts die kirchenrechnung zu hören und darinnen 
zuverordnen, was zu jeder zeit die gelegenheit und noturfft er- 
fordern wirt ohn einigen intrag anderer hern oder obrikeiten und 20 
solches alles weissen wir mit recht. 

[11]. 

Darnach weisen wir widerumb dargegen mit recht, das ge- 
dachter cöllator und giffther diesse nachgesetzte puncten und ar- 
tickel zu thun und zu halten gültig sei: 25 

[1] Erstlich soll er aus oben angezeigter nutzung des pfar- 
rechts den predigern zu Hirsawen und Hynssweiler irn verordnete 
competenz zu irer underhaltung järlichs reichen und bessern. 

[2] Zum andern soll er das pfarhaus zu Hirsawen im baw 
und handhabung halten von unden an biss oben aub mit seinen vier 30 
wenden; des soll das kirspil die fron thun, nemlich leim und stein 
dazu füren. 

[3] Zum dritten weisen wir auch, dass der cöllator schuldig 
sey, den chor an der pfarkirchen zu bawen und zu handhaben 
von unden an biss oben aus. 35 

[4] Zum vierten soll er auch das daufbuch und das betbuch 
in die pfarr bestellen. 

[5] Zum fünften soll der cöllator uff der widdumhuben halten 
das fesellvihe, nemlich den farren und eher. 

[HI]. 40 

Hiernach wird mit recht geweist, was die lehnhern schuldig 
sein zu bawen und zu handhaben. 

[1] Zum ersten weisen wir, das die 14 lehnhern des Ess- 


') Offenbach am Glan, Kr. St. Wendel, ehem. Benediktinerpropstei. 
^) Hinzweiler, BA. Kusel. 


126 Erzdiözese Mainz. Nr. .54. 

weilei^ thals .schuldig sein, • den l)aiich der kircbeö iiü; baw und 
handhabung zu halten von unden an biss oben ausi,,; desgleichen 
a>jich das messbuch., 
; [2]r Zum andern an : dem uncpsten und zierung des sendhern , 
5 so in seiner -Visitation uffgeht, seind die le/hnhern , .schuldigy .; was 
hienach bey erklerung. /des sendhern .gerech^tigkeitvermeltwirt 
un d b ey derley , ausgaben - obgeschriebener ■, iar tickel ^ s ollen sie ihren 
hubenvnach aussricljten und bezahlen; •■ . , j! ^ •■ 

^ , \ß] Ziim, dritten, seind die lehnhern auch järlichs der pfarr 

lOkirchen Hirsawen 49 pfund oligs von ihren,.zehenden,in:dßn;pfarren 
scliuldi^g,. dafür man dieser zeit i vor jödes pfund ,1 dl gibt; daran 
geben . djes , doste rs zehenden von GffenbachMiQO pfundj .nemlich 
3 lib.^Ufi Essweiler, 31ib. zu Oberweyller und :Hinssweyller,:2:lib, 
zue N^rtzweylleri jß zu Hundheim und Hirsawen,; 3 Äue Oberaspachj 

15 3 ;ZU,Nideraspach. .und 3 lib: zu Horssbach ; und' Eltzweyller '), — . 
Item 12j lib,; geben ^diijsmülstaines- oder cratzenzehenden, nemblich 
3 lib. >zu Essweyller, 3 zu, Oberweyller und -Hinssweylleri 3. lib. 
zur. Niederaspach, "2 zu Horssbach und; Eltzweylleri und 1; Mb. 
zu. Hagenbach '^i. --'^ item 6 pfund geben die stangenzehenden, 

20nemlißh: 2 zu, Essw^eyller, 2 zu Aspach,. Ir zu Horssbach und. ei.n$ 
zu Nideraspach. — Item 4 pfund geben die heiligenzeh enden der 
pastorei s. Julian^) und der predicatur Hinsswejiler, nemlich 1 lib. 
zu Essweyller und 3 zu Oberweyller und Hinssweyller. — Item 
i-'pfühd dör Soltzbacher*) zehenderi zu Horssbaph,, • ' ' 

25 'Item 1 pfund den Tholger ^.) zehenden zu Horssbach. 

Item 1 pfund der Michelheimer ") zehenderi zu Nertzweyller. 
Item 1 pfund der Enckenbacher'') zehenden, zu Nertzw^^^ 
Darz'u gefeit auch 1 pfuiid von GumpwissgiU; thüli summarum 
oligs fünfzig pfund. ' . . .. , 

30.. . : . ^■ [IV]r ■' '■'■:;■'.",. .'' ' 

Hiernach wird angezeigt und ge weist, was das gemein kirspil 
oder pfarvolk zu bawen und zu bestellen schuldig seyen, 

[1] Zum ersten weisen wir, das die. nebenseit an dei; pfar- 

kirchen, welche das kirspel anno tausend fünfhundert und' sieben 

35 aus noturftigkeit willen, weil die zeit des pfarvolks viel und die 

kirch zu klein und eng war, an die pfarkirch gebawet h^ben, 

soll das kirspil im baw und handhabung halten. 

[2] Zum andern soll auch das krispil die giocken und glocken- 
seil erhalten und auf ihren costen bestellen. 


') Sämtliche Orte: Essweiler, Oberweiler, Hinzweiler, Nerzweiler, Hund- 
heim, Hirschau, Oberaschbach, Niedei'aschbach, Horschbach und Elzweiler im 
BÄ. Kusel. ii . , 

-) Hagenbach, BA. Kusel. ;, - ' ; 

'') St. Julian, BA. Kusel. / 

*) Sulzbach, Kr. St, Wendel oder Sulzbach a. d. Lauter, BA. Kaiserslautern. 

f') Tholey, Kr. St. Wendel. 

") Unbekannter Ort. 

''j Enkenbach, BA. Kaiserslautern. ' : , 


Nr. .54. - Essweiler, s ■ 127 

/ , [3] Zum dritten die glassfehster im chor und in der kirchen 
allenthalben soll auch das krispil auf ihren costen machen und 
erhalten, desgleichen das gesangbuch.' 

[4] Zum vierten die maur umb den kirchhof; des gleichen 
auch alles grabgeschier, so man. zum begrebnuss braucht, soll auch 5 
das kirspil, machen und bestellen uff seinen eignen costen. 

Hiernach wird geweist und angezeigt, was die jpfarkirch zu 
geben und zu bestellen schuldig sey. ;. 

[1] Zum ersten alles bröd oder ostgin, so zuin nachtmall desio 
herrfen in' den dreyeii kiichen Hirsawen pfarhern verthän 'wird; 
sollen die kirchenknecht bestellen und von der ßfarkirchen ein- 
kommeris beziahlen. s 

[2] Und demnach die pfarkirch 3 mässen Weins järlichs fallen 
hat, so vor Zeiten der kirchen also gesetzt seind worden, das 15 
solher wein zum h. nachtmall soll gebraucht werden; sollen järlichs 
die kirchenknecht den selbigen zum halben theil geen Hirsawen 
und den andern halben geen Hinssweyller reichen und lieffern. 

[3] Zu lest, wo steinsatzüng und anders dergleichen an den 
kirchen und pfargütern vonnötten wer, soll solcher uncosten von der 20 
kirchen wegen und mit ihrem gellt bezalt werden. 

[4] Dergleichen soll es auch zu Hinssweyller mit den selbigen 
gütern gehalten werden, welche der predicant under banden hat; 
sollen die brtidermeister den selbigen costen erlegen und der 
bruderschafft vor ein ausgab verrechnen. 25 

[VI]. 

Weistumb von den zehenden, wovon man zehenden schuldig 
sey oder nicht, auch von kleinem zehenden des jungen vihe, wie 
man den selbigen geben soll. 

Anno tausent vierhundert und. achtzig hat unser oberhoff und 30 
kirchengeschworne mit recht geweist/ wie und wovon man in 
diesser pfarren des Essweyller thals zehenden geben soll, nach 
uraltem gebrauch ihrer vorältern widerumb ernewert und erklert. 

[1] zum ersten von allerley fruchten, so mit dem pflügen er- 
bawet werden, es sey waitzkörn, spelz, habern, erbis, wicken, 35 
linsen, bonnen und anders dergleichen, auch flachs und hanf, und 
von wein in Weingärten ist man, dem lehnhern den zehenden 
theil im feld schuldig darvon zu geben, es sey dan das ein hub 
alte freyheyt hett als etliche in dem gericht sein, welche nur das 
30. theil geben. Wan man aber etwas on den pflüg mit der hand 40 
durch ha,cken oder graben erbawet (doch die Weingärten hierinhen 
ausgenommen), davon ist man keine zehenden schuldig, desgleichen 
von rüben, cappes und von obs; auch von hew, grumatt und von 
holz ist man keinen zehenden schuldig. 

[2] Zum andern der zehenden von jungen vihe, so man nennet 45 
den kleinen zehenden, soll also gegeben werden: welcher hat 


128 Erzdiözese Mainz. Nr. 54. 

10 lemmer, das ist ein zehend, der soll 12 dl darvon geben, hat 
er aber 5, das ist ein halber zehenden, davon soll er 6 dl geben; 
was einer aber weniger dan ein halben zehenden hat, soll er von 
jedem lamb ein dl geben. 
5 [3] Item von jedem fräcklein, es seien viel oder wenig, soll 
man 2 dl und von einem jungen kalb ein heller geben. 

[4] Item von einem zieglein ein ey und von jungen bleuen 
den zehenden. 

[VII]. 
10 Von der eich, drucken und nass. 

Wir weisen auch mit recht, dass uns und unserm canzelgericht 
allerley eich, drucken und nass, zu frucht;, wein und anderen 
dingen, auch eil und gewicht allein zu geben und zu eichen zu- 
stehe und gebüre, da wür dan zu allen massungen und gewichten 
15 gewiesse stauf und gesteig^) in disser pfarkirchen Hirsawen 
uffenthalten, mit welchen die kirchenknecht einem jeden, der es 
begert, umb gebürliche belonung zu Hirsawen damit eichen sollen. 

[VIII]. 
Was vor dem canzelgericht solle verthedingen werden. 

20 [1] Wir weisen und erkennen auch, wan sich zank oder zwi- 
tracht umb kirchengütter oder gefeile zue trugen und begeben 
wirden, sollen solche hendel dem pfarhern zu Hirsawen als eim 
scholtheisen dieses gerichts vorgebracht werden; der soll wie ein 
andrer scholtheis sich gerichtlicher Sachen gebrauchen und der 

25clagenden partheyen rechts verhelfen und dem gegentheil zu dag 
gebieten und die kirchengeschwornen als seine scheifen zu sich 
nemmen und gericht halten, auch das gericht im namen des obersten 
canzelhern behegen und verbannen wie bey andern gerichten auch 
breuchlich ist. 

30 [2] Auch weisen wir, wo zank oder irsall ehelicher gelübten 

und pflichten halben fürviellen, solle vor diesem gericht darumb 

gehandelt oder fürter vor dem obercanzelhern gewiesen werden. 

[3] Desgleichen soll auch des ehestands oder ehebruchs halben 

geschehen; item über den gebresten des aussatzs soll auch von 

35 diesem gericht erkannt und diejenigen, so damit behafft, durch 
diss gericht ausgeschlossen werden. 

[IX]. 
Von dem eyde der kirchengeschwornen. 
Anno tausent vierhundert und achtzig hat der zeitlich ober- 
40 hoff einen pfarhern zu Hirsawen geweist, wie man einen ge- 
schwornen eiden soll. 

Erstlich soll ihm der pfarher den eid auflegen und bestatten 
und ihn schwören heissen, das er dem oberhern und coUatorn des 


^) Hohl- und Trockenmass. 


Nr 55. • Finkenbach. 129 

canzelgerichtes, auch dem pfarliern sampt seinem raitgesellen wolle 
getlirew und hold sein und sie vor irem schaden warnen, auch ihnen 
gehor.sam sein in allen billichen j^eboten, desgleichen der kirchen 
nutz und wolfart schaffen, auch alle christliche Ordnung mit fleiss 
helfen firdern und threiben, wo er kan und mag, ohn alles ge- 5 
ferd und argelist. 

[X]. 

Von sendhern. 

Wir weisen auch, wan der sendher kompt und Visitation 
(halten) will, welche Visitation nun mehr durch das geistlich con- lO 
sistorium des fürstenthumbs Zwej^brucken geschieht, soll der collator 
ihm und den seinen das nachtimbs geben, des andern morgens 
aber sollen die lehnheru ihm dasselbig geben und was dan firter 
mehr uffgeht, sollen von der kirchen wegen bezalt werden. Auch 
sollen die 4 widdumhub ihm zu seinen pferden jeder ein fiernzel 15 
habern geben. 

Item aller costen, so den lehnhern zu geben gebürd, es sey 
an baw, gelt oder an zehrung, sollen sie Iren hüben nach erlegen 
und bezahlen, neralich demnach einer viel oder wenig hüben hat, 
soll er auch der costen dem selbigen nach erlegt werden. 20 

55. Sendwcistum von Finkenbacli. 

16. Jahrh. 

Finkenbach, Df. ßheinpf., BA. Kirchheimbolanden ; jetzt Diöz. Spcier. 

Aufzeichnung 16. Jahrh., PfA. Finkenbach; Abschr. des 19. Jahrh. im 
KrA. Speier, Abt. VVeistümer; nach letzterer hier wiedergegeben. 

Gedruckt: J. Schneider im Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 
1872 Nr. 2 S. 55. 

Weystumb des heiligen laiensends. 

[1] Drey vierzehen tage soll der send verkündet werden. Ist 
der send einletzig, sol er komen mit 7 mann; ist er aber duppel, 
ist noch so viel. 

[2] Des abend, so er kombt dem pastor heini; soll kommen 25 
der glöckner und bringen ein feuer ohn rauch und mit den seud- 
hei'ren essen. 

[3] Der heimberger soll bringen ein mass wein, einen weissen 
becher und auch mit den sendherren essen. 

[4] Des morgens soll er abziehen mit wachender sonne; über 30 
den lehenherrn soll kommen der schraid, mit ihm bringen 4 eisen 
und nägel, thuts not, sie auch aufschlagen; hat er einen knecht, 
soll mit ihm komen. Seind der schmid viel, sollen alle kommen, 
so in der pfarre wonhafftig seind. Der müller soll kommen und 
bringen ein simraern habern, ein huhn und einen . . . . '^) hunt;35 
seind der müller viel in der pfarre, sollen mit den sendherren essen. 


"-) Lücke für ein Wort. 

ICoonigor, Sonclauellcii. 9 


130 lürzdiozese Mainz. Nr. 56, 57. 

56. Kii'cliciiweistiiiii yon Flurskappcl. 

; 1540. 

Flürskappel, abgegangner Ort, noch vorhanden die Flurkapelle (nach 
welcher der Ort seinen Namen hatte) bei Ulmet, Eheinpf., BA. Kusel ; jetzt 
Diöz. Speier ^). 

Abschr. nach dem Orig., gefertigt 1595 Okt. 18 durch den Kirchen Schaffner 
Johann Pfeil, 10. Pap.-Bl. 4°, KrA. Speier, Weistümer (zit. Mayrhofer-Glas- 
schröder^ Pfalz. Weistümer 63). 
Ungedruckt. 

1. Die 4 Kirchenschöffen werden berufen von • der Obrigkeit • unter Beirat 
des Pfarrers, Schultheissen und der lebenden Schöffen, — 2. Oberhof ist, Kusel.' 
— 3. KoUator ist der Pfalzgraf Eupprecht (f 1544), der in Fl. einen Wid- 
dumshof mit Zubehör hat und dafür das Faselvieh halten muss. -^ 4. Dem 
5 Pfarrer gibt er jährlich 50 Malter beider Früchte (Korn und Haber) und noch 
dazu 2 Mltr. für den stäup-). — 5. Dies soll geliefert werden auf Martini dem 
Pfarrer auf den Speicher oder in die Kirche unter die Krone. — 6. Der Pfarrer 
hat dafür ■ sein Amt mit Predigen und Sakramentsspendung zu versehen, ev. 
haben ihn die Schöffen zu mahnen. — 7. Was zum Kronaltar gehört, bestellt der 

10 KoUator. — 8. Er baut und unterhält den Chor auf beiden Seiten und den 
Kirchenbauch auf der rechten Seite, die linke Seite und den Turm die Pfarr- 
gemeinde; letztere auch Eingmauer und Tor. — 9. Die Glockenseile bestellt der 
Glöckner. — 10. Den Messvvein gibt der Pfarrer, braucht aber dafür Iceinen 
Zehnten von seinem grossen Pfarrweingarten zu geben. — IL Hostien und Beleuch- 

15 tung bestreitet die Kirchenkasse, ebenso das Grabgeschirr. — 12. Das Pfarrhaus 
baut und unterhält der KoUator, wozu das Pfarrvolk opera tuf). — 13. Das 
neue Beinhaus, Scheuern und Ställe soll der Pfarrer handhaben*). — 14. Ein 
neuer Kirchengeschworener wird -durch Pfarrer und Schultheissen auf Hand- 
gelübde verpfUchtet und gibt diesen, dem Glöckner, den übrigen Kirchen- 

20 geschworenen und den 2 Kirchenknechten oder Brudermeistern (jetzt Kirchen- 
schaffnern) einen Imbiss. — 15. Taufbecken und Messingkanne wird von der 
Kirchenkass(3 bestellt wie auch Gestühle und Kanzel und die Vorkirche; dazu 
gibt das Kirchspiel das Holz. 

57. Sendweistum von Gaubickellieim. 

16. Jahrh. 
Gaubickelheim , Df. Eheinhessen, Kr. Oppenheim. 
Gedruckt (ohne genauere Quellenangabe; ex „charta autentica"): Würdt- 
wein St. A., Dioecesis Moguntina I (1768) 130 — 133; danach hier abgedruckt. 

Diss ist herlichkeit und recht, die mau zuweisen ist unserem 
25gnedigsten herrn von Meintz, wan er den send besetzt zu G-au- 
bickellieim. 

[1] Zum ersten weisen die scheuen, dass er den send sali be- 
sitzen in Gaubickelheim und herkommen, die kirch, den pfarr- 
herr und die geschworene, dazu die ganze gemein zu lassen in 
30 ihrem alten herkommen und gewonheit. 


') Vgl. Frey, Eheinkreis IH 4.34f. 

2) Mehl. 

=*) Dazu wird bemerkt, dass „anno 1594 solch haus" vom KoUator neu ge- 
baut worden sei. 

*) Dazu ist bemerkt: Glocken, Glockenstuhl, Klöpfel und Zubehör seien 
durch den Oberhof der Gemeinde zugewiesen. 


iSTr. öt. Gaübickeliieiin. 131 

[2] Item zu dem andern sali er reiden in den pfaniioff halb 
sieben und sali der glockner den pferden brengen 1 mir. habern 
und ein bedtbuch und licht, dass er darbei bede ungeferlich und sali 
der pfarrherr dem sendherrn und den seinen essen und trinken 
geben ungeferlich, desgleichen sali der pfarrherr dem sendherr 5 
essen und trinken geben des andern tags und den seinen zu dem 
mittag ungeverlich. 

[3] Darnach sali der burgermeister von der gemein wegen 
unsern gnedigsten herrn seine herrlichkeit brengen und schenken 
1 viertel weins; darzu sali er brengen von der gemeiii wegen lo 
12 Schilling heller. 

[4] Item sali ein jeglich mensch, des ein haus reucht, 2 heller 
geben und ein jeglich handwerksman 6 heller und die sendscheifen 
seind frey. 

[5] Item ein jeglich becker sali brengen 2 kuchen in den 15 
pfarrhoff, da einer eines thornes werth sey ungeverlich. 

[6J Item sali ein müller brengen von einem jeglichen rad, 
das in dem wasser geht, 2 kappen ungeverlich. 

[7] Item sali ein jeglicher wirt, den man nennen wird, 1 viertel 
weins geben. 20 

[8] Item sali der shmidt kommen und brengen 8 huffeisen und 
sali im der sendherr geben essen und trinken. 

[9] Item wie diss von des send wegen gewieset ist und vor- 
geschrieben steht, so der send unser gnedigster herr von Meintz 
ist; das sol gleich halb als viel sein, so der send des dhumprobst25 
ist ussgescheiden des virtheil weins, des die gemein schicket nn- 
serm gnedigsten herren von Meintz und nit dem dhumprobst. 

[10] Item ist geweiset worden in dem capitel zu Flonheim^): 
wie der sendscheffen weiset, darbei sali es ein sendherr lassen, 
is sey mit haffern oder futterunge und anderen, wie man erdenken 30 
mocht. 

[11] Diss ist herrlichkeit, freyheit und herkommen unsers 
gnedigen herrn des dhumprobst als von des heiligen sendes wegen. 

[12] Item zu den ersten weisen die kirchengeschworene, wan 
unsei- gnediger herr der dhumprobst herkommet oder jeraant von 35 
seinet wegen den heiligen send zu besetzen, so sali der sendherr 
reiden auf den pfarrhoff mit virLhalben pferd und 4*) mann; den 
sali der pfarrherr geben essen und drinken und gutlich thun unge- 
fehrdt des abends so der sendherr kommen ist und des andern 
tags zu mittag. 40 

[13] Item sali kommen der glockner und brengen ein vernsel 
habern und ein licht, das man des abends dabey mocht gesehen 
und des morgens der sendherr dabey möge gebeten ungefehrlich 
und dazu ein bedebuch. 


-1) wohl: virthalb. 


^) Flonheira, Df. in Hessen, Kr. Alzey. 

9* 


132 Erzdiözese Mainz. Nr. 58. 

[14] Item daniacli sali kommen der burgermeister und sali 
unserm gnedigen herrn dem dhumprobst oder einem sendherrn 
von unsers lierrn des dhumprobst wegen bringen 6 Schilling heller. 

[15] Item weiset der geschworne, das ein iglich, des ein haus 
Sreuchet, sali unsern herrn dem dhumprobst geben ein heller und 
ein iglich handwerksman geben 3 heller. , 

[16] Item sali kommen der becker, als viel der seind, und 
bringen in den pfarhoff ein kuchen, iglich vor sich senden ein 
kuchen, der eins thurnis wehrt sey ungefehrlich. 
10 [17] Item sali kommen ein iglich müller, als viel der seind, 
und bringen von iglichem rad, das im wasser geht, ein kappen. 

[18] Item ein iglich wirt, den man nennen werd, sali brengen 
in den pfarrholf ein virtheil weins. 

[19] Item sali kommen der shmidt und bringen 4 huefeissen, 
15 und alsoviel negel darzu gehört, dem sendherrn und sali der send- 
herr im geben essen und drinken ungefehrlich. 

58. Sendweistiim von Ginsheim. 

1521 ca. 

Ginsheim, Df. Hessen, Kr. Grossgerau. 

Gedruckt (ohne Quellenangabe) : WürdtAvein St. A., Dioecesis Moguntina I 
488 — 490 (darnach der folgende Abdruck); aus Würdtwein Konrad Dahl, Be- 
schreibung des Fürstentums Lorsch, Darmstadt 1812, 19—21. 

[1] Zu dem ersten sal der sendherr kommen mit dritthalben 
man, mit dritthalben pferde und sal nit kommen im wege oder 
usswendig des weges^). 

20 [2] Zu dem andern sal ein glockner steen vor dem fallthor 
in eynem weyssen cleide, mit eyuem weyssen stabe, mit einem 
weyssen becher, mit eyner maiss wins und sal den sendherrn ent- 
phangen und zu drinken geben und sal das pferd nemen by dem 
zäum und den herrn fuhren uff den widdum. 

25 [3] Zu dem dritten sal der zehender steen uff dem widdum 
und sal den sendherrn entphangen und füren an das ende, do 
er gekocht halt, und sal im und den seinen genung thun von eyner zyt 
zu der andern mit sampt des pferners, der sieben kyrchengeschworn, 
eins glockeners und eins smidts. 

30 [4] Zu dem vierden, were es sach, das der sendherr über 
nacht hy bleyben wurde, so sal der zehener den pferden strawen bis 
an das vorgeboge^) und habern geben biss an die äugen und dem 
sendherrn bereiden ein krachenbedt^) mit weyssen lylachen und 
e}^ fuer ohn rauch und am andern tage darnach sal ein iglicher 

35 kirchengeschworn kommen mit einem hune oder mit eyner maiss 
Avins zum zehener und sali im aber genung thun. 

') Dahl bemerkt hierzu: nicht mitten im Wege, wo es zu schmutzig ist, 
und nicht durch die Felder. 

-) vurbuege rz Brustriemen der Pferde, 
") Frisch überzogenes Bett. 


Nr. 59. Ginshciiri, Götzenbach. 133 

[5] Zu dem fünften sal ein sraidt körnen im aftersende und 
sal dem sendlierrn geben 4 yssen gestempt und ongelocht. 

[6] Zu dem sechsten sal ein glockner im aftersende komen 
und dem sendherrn geben ein sumern habern. 

[7] Zu dem sybenten sal die gemein auch komen im affter- 5 
sende und sali dem sendherr geben 15 Schilling heller und iglichs 
huwsgesess sal geben dem sendherrn 1 heller; daran ist ein iglicher 
kirchengeschworn fry. 

[8] Zu dem achten were feyl und kaufhait, sal dem sendherrn 
2 Pfennig geben im afftersende, auch sal der zehender geben dem iO 
sendherren fünfzehn thornes sendgeld und fünf ■ wyspfennig stul- 
geld im alftersend. 

[9] So der send ist unsers gnedigsten herrn von Mentz, sal 
man alle dinge halten wie obgeschryben ussgescheiden der send- 
herr sali kommen mit funfthalb mau und funfthalb pferd und der 15 
zehener sal geben dem sendherrn dryssig thornes sendgeld und 
zehen wyspfennig stulgeld und alle andere dinge sali man halten 
wie obgeschryeben ^). 

59. Send- und Kirchenweistum von Götzenbach. 

1501. 

Götzenbach mit der Gehinldrche^), untergegangner Ort, bei Auen und 
Monzingen, Eheinpr., Kr. Kreuznach; jetzt Diöz. Trier. 

Nach A: Abschr. des 19. Jahrh., Pap. 2" (nach der Aufzeichnung von 1501 
im Bodmann-Habelschen Archiv, früher Reichsarchiv München, Literal, Nr. 47 
IV Prod. 274, jetzt StA. Marburg), KrA. Speier, Abt. Weistümer. 

Abschr. des SW. mit Datum 1589 Dez. 3, 1 Pap.-BI. 2", Ende des 17. Jahrh., 
StA, Koblenz, Vordere (hintere) Grafsch. Sponheim, Kirche Götzenbach (B). 

Kopie einer vom weltlichen Gericht zu Gehlweiler, das früher nach Götzen- 
bach eingepfarrt war, 1685 Sept. 22 bestätigten Abschr., als „Extractus proto- 
colli der beweisthumbs von Gehlweiller" bezeichnet, 2 Pap.-Bl. 2°, StA. Koblenz, 
Hint. Grafschaft Sponheim, Amt Winterburg, Dorf Eckweiler (0). 

Eine durch den Notar Joh. Adam Bolza 1774 März 14 durch Unterschrift 
und Oblatensiegel bestätigte Abschr. aus dem Orig.-Perg. zu Gehlweiler dd. 
1589 Dez. 3, 2 Pap.-Bl. 2", St.A. Koblenz, Hint. Grafsch. Sponheim, Oberamt 
Kirchberg, Kirche Götzenbach Nr. 1 (D). 

Abschr. nach B, 2 Pap.-Bl. 2° (quer beschrieben), Ende des 18. Jahrh., 
StA. Koblenz, Urk. Aemter u. Ortsch., Df. Daubach (E)'*). 

Ungedruckt. — Kurze Inhaltswiedergabe bei Fr. Back I 153 und 232. 

Das ist das wysstumb und alt herkommen utf uns sentscheffen 
der Pfarrkirchen zu Getzbach herbracht wie nachfolgt und wysens 20 
auch mit recht uf unser nachkommen. 1501^). 

a) Die Jahreszahl fehlt in B-E. 


') Hernach folgt noch eine Notiz über Präsentation des Pfarrers Jakob 
Kreich auf die Pfarrei Ginsheim vom Jahre 1521; ungefähr aus dieser Zeit wird 
auch das Sendweistum stammen. 

-) Vom Kloster Disibodenberg erbaut; Gründungsurkunde bei Beyer, 
Mittelrhein. Uß. I 519. 

^) Nebensächliche gegenseitige Abweichungen der Hss. sind hier nicht 
berücksichtigt. 


134 Erzdiözese Mainz. Nr. 59. 

[I] Item zum ersten wan der heylig- sent iinsers gnecligen 
herrn duraprobest ist, so dan er oder sin commissarien kompt den 
heyligen sent zue besitzen, so soll er uif den abent zigen hinder 
den pastor mit siebenthalb man und so viel pferd; soll der pastor 

5 den sentscheffen und dienern essen und trinken genug geben, des- 
gleichen den pferden hey und haber; sol auch denselbigen abend 
kommen ein klöckner und bringen ein handvoll licht; der soll auch 
mit dem sen therm essen. 

[2] Item uff den morgen, so der send gehalten ist, soll der 
lOsentherr mit seinen knechten zigen uff den lehenherrn mit sampt-'i) 
man und pferden; wie uf den abend so sollen auch der pastor mit 
seinen sentschöffen und klöcknern mit den sentherrn essen; den 
soll man gleich gutlich thun, dass sie nit klagen. 
[3] Item die gemein buss ist 5 Schilling"^). 
15 [4] Item Schlüsselgeld ist 2 Schilling*'). 

[5] Item ob auch ein mtiller in dem kirspeJ sess, soll dem 
sentherrn schuldig sein von jedem rad im wasser 1 sester^) haber 
und von jedem kamrad 1 hun. 

[6] Item ob auch ein Schmitt im kirspel sess, soll dem sent- 
20 herrn bringen i hufeysen mit iren nageln und so sie dem sent- 
herrn noth weren, soll sie ihm«') ufschlagen und soll der müller 
und Schmitt auch mit dem sentherrn essen. 

[7] So der sent ist unsers gnedigen herrn von Mentz, ist alle 
wyssthumb, wie obgemelt, doppel*). 
25 [8] Item das hochwirdig sacrament sollen beleuchten die lehen- 
herren zwey teil und der pastor das dritte teil, dass daran kein ge- 
breste ist. 

[9] Item den baw der kirchen: soll der pastor den chor im 
baw halten und die lehenherrn den baw auch im baw halten. 
30 [10] Item des kirchspiels 4 dorfer Daubach, Eckweiler, Sess- 
bach und öelweiler^) im baw zu halten den kerner, rinkmauer 
und beydes) sangbücher. 

[II] Item dem pastor weissen wir das tautbuch zu stellen. 
Item dem lehenherrn das messbuch zu und brodt zu dem heyligen 

35 ambt der mess. 

[12] Item so das pfarrhaus durch verde oder andere gewalt 
zerbrochen oder verbrandt würde, so soll das kirspel, die vier 
dorf obgemelt, das widder ufrichten in vier wend, dachstuP'} und 

•1) soviel B-E. 

b) sechs seh. B-E. 

0) § 4 — BE. 

d) simmern B-E. 

e) er sie B. 

f) alte weisturab doppel BE. 
s) betbücher ß-E. 

ii) dachstube ß-E. 


') Daubach, Eckweiler, Seesbach, Kr. Kreuznach; Gehlweiler, Kr. Simmern. 


Nr. 60. Haiisen-Oberkirn. 135 

kamern und gew.onlichen baw und dan furter soll ein pastor dass 
hauss uf sinen costen in dem selben baw halten, dass er sinei' 
geniessen und hinfurt uf sein nachkommen bringen. 

[13] Item anders gezierd zu dem gottesdienst, korrock, mess- 
gewand, alben mit andern zugehor soll die kirch bestellen. 

[14] Item weysen wir dem pastor den eber zu halten und dem 
lehenherrn den farren und widder, dass daran kein gebrecb seye. 


60. Seiidweistum von Hausen. 

1581. 

Hausen-Oberkirn, Df. Eheinpr., Kr. Bernkastel; jetzt D.öz. Trier. 

Gleichzeitige Abschr., Pap. 2", StA. Koblenz, Wildrheingräfl. Aint ühaun, 
Aemter u. Ortsch. (A). — Abschr. des 19. Jahrb., Pap. Fol., (aus dem Bod- 
mann-Habelschen Archiv, früher Eeichsarchiv München, Literalien Nr. 47 V 
Prod. 130, jetzt im StA. Marburg), KrA. Speier, Abt. Weistümer (B). 

Un gedruckt. 

[I] Item zu dem ersten soll komen der heylig sent halb 
siebent uif den abend und wan er doppell kohmen ist, noch sovill; 
so soll er zeven hinder dem pastor des abends; da soll dan sein 10 
der glockner und ihm helfen stellen die pferd und soll ihm pringen 
die liecht, das er daby möge hatten; des soll er geben dem pfarher 
und dem capellan, auch dem glöckner, zu essen. 

[2] Item in derselben gestalt soll er hinter die lehenhern 
ziehen uff den morgen; des sollen die lehenhern den sentscheffen 15 
die kost geben. 

[3] Item des weissen wir dem pastor das taufbuch und soll 
uns auch lassen decken den chor, waner daran gebrechen ist. 

[4] Item die lehenhern das messbuch und die kirch das bett- 
buch; des sollen die lehenhern die abichtseit decken und in dem 20 
baw halten. 

[5] Item des soll das kirspel bawen die rinkmauer und den 
kern er, wan er bawf ellig ist. 

[6] Item zu beleuchten das sacrament, das soll thun der pastor 
ein halb jar, die lehenhern ein virtel jar, das ander virtel die kirch. 25 

[7] Item das sthulrecht ist anderthalb Schilling; sollen geben 
die lehenhern und ein turnuss Schlüsselgeld; das geben die kirchen- 
meister. 

[8] Item der glockner das glockenseil. 

[9] Item wan jerlich komen ist der heilig sent, so gibt die 30 
gemein ein heller, doppel zweu heller. 

[10] Item der handwerksmann drey heller, doppel sechs heller. 

[II] Item der Schmidt ein pferdeisen, doppelt noch so vil 
und gibt ime die kost. 

[12] Item der maier sol kohmen und soll pringen ein virn-35 
zel habern und ein hun, doppel noch so vil; und will er mit 
ihm essen, so soll er pringen einen kuchen allerlei frucht, die die 


136 Erzdiözese Mainz. Nr. 61. 

mülil zerbricht und derselbe kncheii soll sein eins manns weit 
und hoch. 

[13] Item soll auch halten der paätor der Hausser gemein 
einen farren; des soll frei gehn dem pfarrhern ein viertel viehes 
5 neun stück gehörent und ander klein viehes^ das es ein viertel 
sei; des soll er der gemein ein beyer halten. 

[14] Item ob einiger gebrechen wer an der kirch und das 
dieselb also arm were, so soll sie bawen das kirspel. 

[15] Item erkent der sentscheffen, als er in erhalt hatt, dass 
10 das über kirspel mit sampt Leuifersweiler*) und Cromeuawe^), 
welche zeit oder wan das pfarrhaus und die leibe und rink- 
mauer und was an der kirchen zu Haussen bawfellig ist, das über 
kirspel überkirn ^) obgemelt Leuifersweiler und Cromenawe, beyde 
oben berurte sollen helfen bawen und in baw halten gleich dem 
iSunder kirspel Haussen. 

61. Kircliciiwcistiiin von 8t. Julian. 

1543 Apr. 5. 

Bt. Julian, Df. Eheinpf., BA. Kusel; jetzt Diöz. Speier. 
Beglaubigte Abschr. von 1749, KrA. Speier, Abt. Zweibrücken I Fasz. 874 
tom. 1 fol. 72—74. 
Ungedruckt. 

Die Kirchengeschwornen *) weisen auf 1543 Apr. 5 im Beisein des Junkers 
Melchior von Steinkallenfels als Kollatoi's, des Pfarrers Uh'ich. Wigand und des 
Schultheissen Klaus Hansen: 

1. Das Kirchspiel baut den Kirchenbauch. — 2. Die 4 Lehnherren unter- 

20 halten das Kirchendach. — 3. Die Kirche und das Kirchspiel bauen den Chor, 
den der Kollator und der Pfarrer in Dach halten. — 4. Die Lehnherren be- 
stellen Hess- und Taufbuch, und den Wein zum Abendmahl. — 5. Kirche und 
Kirchspiel bauen den Turm mit den Glocken, unterhalten die Ringmauer mit 
den Toren und die Kirchenlaube; ferner bestellen sie den Kelch und bauen die 

25 St. Michaelskapelle, deren Dach der Pfarrer unterhält. — 6. Das Pfarrhaus baut 
das Kirchspiel; der Pfarrer hält es in Dach, desgleichen das Häuschen vor den 
Kirchentoren. — 7. Der Glöckner bestellt die Glockenseile; der Pfarrer die Hostien, 
wofür letzterem der St Julianer und Obereisenbacher Zehnt 2 Simmeru Weizen 
und der Abt von Dyseraberg^) einen Dreiling gibt. — 8. Der Pfarrer hält das 

30 Faselvieh mit Ausnahme des Bocks ; die Lehenherren geben ihm dafür von 
jedem Zehnt 1 Simmern Faselkorn. — 9. Der Pastor erhält Va des ganzen Zehnt, 
in Eisenbach nur ^/„. — 10. Von den 10 Zehnten gibt jeder 2® Oel. — 11. Der 
Kälberzehnt wird auch geteilt; vom Kalb gibt man 1 dl, vom Zieglein 1 Ei; 
der Ferkelzehnt wird erhoben, desgleichen der Hahnzehnt. — 12. Der Pfarrer 

35 erhält 24 Alb. Lichtgeld. 


^) Laufersweiler, Kr. Simmern. 

-) Krumraenau, Kr. Bernkastei. 

') Oberkirn, nördl. von Hausen. 

*) Als solche sind genannt: Weisshainziges Hans von St. Julian, Nikolaus 
Hans und Fischer Him von St. Alban, Hanemans Theiss von Eschenau (BA. 
Kusel), Jak. Gebgen von Offenbach (BA. Landau), Pieck Haimgin und Krüls 
Hans von Eisenbach (BA. Kusel). — St. Julian war damals bereits protestantisiert. 

''') Disibodenberg, BA. Kirchheimbolanden, zuerst Benediktiner-, seit 1259 
Zisterzienserabtei, heute Euine (Remling, Abteien I 34). 


Nr. 62, 03. • Konkcn, Kusel. 137 

62. Kircliciiwcistuiii von Konkcii. 

1539 Febr. 16. 
Konken, Df. Rheinpf., BA. Kusel; jetzt Diöz. Speier. 
Abschr. des 19. Jahrb., Pap. 2" (nach dem im PfA. zu Konken liegenden 
Original), KrA. Speier, Abt. Weistümer. 
Ungedruckt. 

Die Kirchengeschwornen zu Konken') weisen auf E.sto mihi 1539 (Febr. 16): 
1. Die Baupflicht am Chor und Bauch der Kirche obliegt dem Herzog als 
Inhaber der Probstei-); desgleichen die Beleuchtung des Sakraraentsaltars, Be- 
schaffung von Altartüchern, Kelch, Zierrat, Fenstern und Wein zum Haupt- 
altar. — 2. Die „Absit" der Kirchen zu bauen und in Stand zu halten, ist das 5 
Pfarrvolk schuldig, ebenso den Kirchhof und die Ringmauer. — 3. Den Turm und 
die Glockenseile, Kerner und Grabgeschirr bauen bezw. bestellen die ßruder- 
meister von den Kirchengefällen. — 4. Der Herzog ist Kollator der Pfarrei und 
hat die Baupflicht am Pfarrhof ; das Pfarrvolk hat Frondienste zu leisten gegen 
Kost und Lohn. — 5. Wer auf den Kirchhof bauen will, muss sorgen, dass 10 
der Kirche und dem Kirchhof kein Schaden erwachse. — 6. Der Pfarrer muss 
sonntäglich und einmal unter der Woche predigen. — 7. Stolgebühren: für 
Taufe und Spendung des Sakraments 2 dl, für Einsegnung der Eheleute 1 Mass 
Wein, 2 Brote, 1 Wecken, 1 Schönbrot und 1 Braten, wofern sie Hochzeit 
halten, sonst 4 schill. = 3 alb.; für Verstorbene, die zum Sakrament gingen, 15 
5 seh., die es nicht taten, 5 dl ; für Begräbnis 4 dl. — 8. Der Pfarrer und 
die Brudermeister erwählen den Glöckner, der dem Pfarrer gegen ein Essen in 
die Mühle fahren muss; auch hat er, wenn nötig, Verkündigungen vorzu- 
nehmen. — 9. Zehnten: von jedem Lamm, Ferkel und Zicklein 1 Ei; von ^ 
einem Kalb 1 hl; von einem Ochsen und Mutterfüllen 1 dl, von einem Hengst 20 
2 dl, das gleiche von Schnitt Honig oder den Zehnten; von den Gänsen den 
Zehnten, doch will man nur mehr 1 dl geben. — 10. Im Falle, dass ein Siechen- 
haus gebaut werden soll, baut es die ganze Pfarre. 

63. Kircliomvcistum aoii Kusel. 

1624 März 3. 

Kusel, St. Eheinpf., BA. Kusel; jetzt Diöz. Speier. 

Abschr. des 18. Jahrh. im KrA. Speier, Horstmanniana V P 2 fol. 235 — 238 
(zit. Mayrhofer-Glasschröder, Pfalz. Weist. 35)'''). 
Ungedruckt. 

Trotz bereits vorliegenden Weistums von 1592 wird doch aufs neue wegen 
eines Tausches mit Pfalz-Lautereck 1600 von den amtlichen, neu vereidigten Kirchen- 25 
juraten auf dem Rathaus zu Kusel gewiesen ■*): 

1. Kollator ist der Pfalzgraf, der Pfarrer und Kaplan präsentiert. ~- 2. Er 
oder dessen Kirchenschaffner baut und unterhält das Kirchenkorpus samt Zu- 
behör; das Kirchspiel leistet Hand- und Spanndienste. — 3. Den Kirchturm 
samt allem (Glocken etc.) baut und unterhält das Kirchspiel, die Uhr leistet die 30 
Bürgerschaft. — 4. Der Chor samt allem Zubehör kommt dem Kirchonschaffner 
zu; — 5. Sakristei und Kerner dem Kirchspiel. — 6. Den PfaiThof mit Zubehör 
baut der Kirchenschaffner, wobei das Kirchspiel Frondienste leistet, der Pfarrer 


') Damals schon protestantisch, da 1528 die Reformation eingeführt wurde. 

-) Damals Herzog Rupprecht von Pfalz-Zweibrücken; gemeint ist die ehem. 
BenediktinerproiJstei St. Remigiusberg, südöstl. von Kusel; jetzt Ruine (Remling, 
Abteien I 11.3). 

■'') Das Original befindet sich nach einer Bleistiftnotiz in dem zit. Bd. fol. 238 
im Kirchensohaffnerarchiv zu Kusel, Rechnungsband von 1628. 

*) Es folgen die Namen der Juraten und 16 Fragen. — Kusel war damals 
protestantisch. 


138 Erzdiözese Mainz. Nr. 04. 

unterhält ihn. — 7. Ebenso, steht es mit dem Kaplaneihaus. — 8. Der Glöckner 
hat den Läutedienst und muss den Pfarrer zu den Kranken begleiten; er erhält 
von den Gebühren, soviel der Pfarrer geben kann und den übrig bleibenden 
Nachtmahl wein. — 9. Der Kirchenschaf fner bestellt ■ die nötigen Kirchengeräte. — 
510. Ebenso das Gestühl und Pult auf der Empore. — 11, Die Glockenseile be- 
streitet der Kaplan, dafür hat er das Glockengeld. — 12. Der Pfarrer bezieht 
Wein- und Fruchtzehent, abzüglich der Dienstbesoldung für den Kaplan, dagegen 
muss er das Zielvieh halten; von dem, was man mit der Haue baut, zahlt man 
keinen Zehent. — 13. Das Grabgeschirr bestellt der Kirchenschaffner, Leichen- 

lOtuch und Tragbahre die Bürgerschaft. — 14. Kirchhofsmauer, Predigthäuslein, 
Kanzel, Türen liefert und handhabt das Kirchspiel. — 15, Die Grasnutzung auf 

^ dem Kirchhof gehört dem Glöckner, wogegen er den Kirchhof aufzuschhessen 
und das Grabgeschirr zu bedienen hat, — 10. Das Gutleuthaus baut und unter- 
hält das ganze Kirchspiel; Aufzunehmende zahlen 10 fl. ein; wer das Weistum 

15 gewiesen haben will, muss die Kosten an die Juraten bezahlen; ein neuer Pfarrer 
zahlt an Kirchenzensoren und Juraten einen Imbiss. 

64. Sendordnung von St. Peter in Mainz. 

15. Jahrh. 

Gedruckt aus dem ,, Registrum synodale" des Archidiakonats der Kollogiat- 
kirche St. Peter bei Mainz (wohl 15. Jahrh.) bei St. A. Würdtwein, Dioec. 
Mog. II (1770) 20 — 32; danach hier wiedergegeben. 

Iste est modus celebrandi sanctam synodum laicalem in auuo 
bissextili per preposituram s. Petri extra niuros Maguntinos, 

[1] Primo incipit in Peterweil ^) in crastino assumpcionis b, 

20 Marie virginis, ubi intimata est prius tribus diebus dorainicis et 
per tres quindenas successive et ita intimatur in omnibus ecclesiis 
prepositurae. 

[2] Et commissarii veniunt in die assumpcionis hora vespera- 
rum ad Peterwil, quos suscipiunt incole ibidem in valvis sepium 

25 habentes semellum panem in manutergio mundo et medium quartale 
vini exhibentes ipsis commissariis reverenciam et ducunt eos ad 
domum, in qua facient eis debitara et solennem procuracioneni, 
insuper et honestum Stratum dormiendi, 

[3] Nocte illa transacta in crastino assumpcionis valde raane 

SOpulsatur ad sjmodum ter ternis vicibus, hoc est nonies et ex tunc 
sedebunt commissarii pro tribunali et unus commissariorum et 
specialiter presbyter indutus superpellicio et ornatus stola facit 
unam brevem collationem assumendo thema de evangelio vel 
epistola vel de aliquo, super quo possit applicare effectum synodi, 

35 [4] Conclusa coUacione idem inquirit, cui fateantur pro illo 
tempore ius synodi sancte scilicet in anno bissextili. Ad hoc 
respondent, uti moris est. — üeinde inquirit, utrum sit denunciata 
synodus per cancellos per plebanum vel suos tribus quindenis suc- 
cessive; uti moris est. — Item utrum sit pulsata ter tribus vicibus 

40 id est nonies, ut moris est. — Item utrum sit tempus sedendi et 
celebrandi synodum. — Item cuius auctoritate debeat defensio fleri et 
proponi, vulgariter beheget werden. Respondent scabini ut moris est. 

') Petterweilj Hessen, Kr, Friedberg, nördl. von Frankfurt. 


Nr. 64. Mainz. 139 

[5] Et tunc commissarius proponit uti sequitiir imde behegend 
den send et dicit: In nomine patris et filii et spiritns sancti. Ego 
nomine dominorom meorum, decaui et capituli ecclesie s. Petri 
extra muros Magnntinos et auctoritatibus sancte sedis apostolice 
et gratiosissimi domin i nostri domini Magnntini ipsis dominis meis 5 
de s. Petro concessis impono silencium omnibus hie existentibns, 
ne quis 'aliquas faciat insolencias verbo vel facto sub pena ex- 
commnnicacionis et inobediencie, ne quis pro aliquo loquatur vel 
respondeat sine licentia, ne quis ad sanctam synodum pertinens 
recedat nisi rationabili causa, donec officium compleatur, et sie in- 10 
quirat ab uno de scabinis assedentibus, utrum bene proposuit et 
defensavit vel vulgariter beheget habe den send. Qui respondent^ 
ut moris est. 

[6] Tunc inquirit a predictis scabinis, utrum omnes sint 
iurati sancte synodi. 15 

[7] Tunc primo incipit et inquirit a plebano sicut synodus 
sancta sit instituta propter conservacionem religionis christianae, 
quare merito debeat incipi a conservacionibus et domesticis fidei 
et sie incipiens a plebano, qui primus est illius loci conservator 
morura et dat sibi super iuramento et ad obedienciam, quam fecit20 
snperioribus suis, utrum constet sibi aliquid in regimine ecclesie, 
per quod defraudetur vel imminuatur religio christiana, quorum 
articuli sunt quamplures. 

[8] Primo utrum corpus dominicum et sacramentum baptismatis 
sint iionorifice custodita et clausa ; item utrum idem sacramentum 25 
eucharistiae lumine perpetuo, ut decet, die noctuque sit illuminatum; 
item utrum aliquis sit defectus ad cultum divinum spectans scilicet 
in calicibus, in ornamentis, in libris missalibus seu aliis necessariis, 
in tectis, fenestris; item utrum altarista et campanator sint ibi 
obedientes in Ileitis ad cultum divinum ministrando; item utrum 30 
magistri fabrice sint ibi obedientes reddendo racionem de censibus, 
redditibus et eleemosiuis ecclesie, quid et qualiter expendant; item 
utrum scabini synodi sint sibi obedientes per quindenam vel mensem 
accusantes, quando opportunum fuerit, perpetrata vel negligencias 
factas vel praetermissas. 35 

[9] Item utrum habeat aliquem parochianum, qui utatur nomi- 
nis christiani non Christiane vivens, quorum articuli quamplures 
sunt, quorum primus est in iide dubitans; item annuatim non 
confltens et corpus dominicum non sumens; item per annum in 
excommunicacione permanens; item utrum sint aliqui, qui non de- 40 
derunt sibi census vel decimas et offertoria; item utrum sint aliqui, 
qui impedivissent eum in officio divino verbis vel factis ; item 
utrum aliquis molestasset seu impedivisset eum seu suum campa- 
natorem, magistros fabrice, scabinum synodi, decimatores, quando 
fuissent in servicio dei sive negociis ecclesie; item utrum aliqui 45 
cohabitent matrimonialiter sine proclamacione et inthronisacione 
ecclesie. — Primo iuquiratur sub iuramento, quod fecit plebano, 


140 Erzdiözese Mainz. Nr. 64. 

ecclesie et parocliialibus, utrum magistri fabrice porrigant sibi 
coram cereos, oleum ad lampades et alia uecessaria ad cultum 
divinum pertinencia, ne ex defectu pretactorum cultus divinus mi- 
nuatur; item utrum omnia ad hoc officium et servicium pertinencia 
ocedant sibi utpote in manipulis, companalibus, panibus nee non 
Omnibus aliis iuribus tmcusque introductis; item utrum sint omnes 
ibi presentes ad illam synodum spectantes, primo utrum conten- 
tantur in cera, oleo et in proventibus, redditibus seu censibus, per 
que possit sustentari ecclesia in cultu divino et conservacioni edi- 

lOficii inesse; item utrum sit aliquis, qui ecclesie census, redditus, 
proventus, agros, prata vel huiusmodi depredando usurpans vel 
surripiens violenter manifeste vel occulte; item inquiratur sub 
iurameuto, utrum aliquis non decimavarit, ut debuit, vel eos in 
congregacione eiusdem verbo vel facto molestavit. 

15 [10] Ir geschworn! Ich geben uch off den eyd, den ir myn 
herrn von Mentze getan hant, unde myme herrn dem probst, myme 
herrn dem pferrer und des heiligen stuls wegen, daz ir hüte vor- 
brengent alles, daz da rubar ist, eyne warheit for eyne warheit, 
eyn leymut for eyuen leymut ussgenomen drier hande sache und 

20articuln, die ir nit rügen sollent: uwern eigen perrer, uwern eigen 
herrn und uwer iglicher sin eigen elige frauwe, darnach ob imans 
hievon etc. 

[11] Item continuando ut sequitur. Primo utrum sint aliqui, 
qui utantur nomine christiano, cui contradicunt verbo vel facto, 

25quorum articuli sunt quamplures. Primo si sint aliqui, qui deum 
periuriis iuraraentis vel aliis blasphemiis blasphemarunt; item qui 
usuram commiserunt vel empcionis vini, seminis, bladi, avene; 
item utrum sint, qui sunt heretici, incantatores, arioli, aruspices 
seu quovis modo contra fidem facientes; item utrum sint aliqui 

30 falsarii in modis frugum vel vini, vel imminucione monete, ponderis 
vel libre; item aliqui cohabitantes in matrimonio sine proclama- 
cione et inthronisacione ; item legitimati non cohabitantes; item 
utrum sint aliqui adulteri; item fornicarie cohabitantes seu occulte 
se visitantes; item utrum sint aliqui, qui per se vel parentes seu 

35 alios coniunctos in vicem matrimonium promiserint et nunc una pars 
aliis renuntiat sine decreto iudicis; item utrum aliquis legitimam 
suam vel aliam mulierem in puerperio molestaverit verbo vel 
facto, de quo possit oriri periculum corporis et anime et sensuum ; 
item utrum emisset aliquis mala acquisita scilicet per furtum, per 

40rapinam, vel per publicam usuram. Haec et alia hoc speciale et 
sanctum iudicium concernencia assumant sibi scabini super iura- 
menta sua exsequentes, convocent parochiales et inquirant dili- 
genter, utrum aliquis sit culpabilis in aliquo propositorum articu- 
lorum et illa admonicio predicti exitus super scabinum hat tribus 

45vicibus, ut eo melius salvare possint conscientias suas, 

[12] Item post tercium reditum inquirat diligenter de iuribus 
dominorum Maguntiorum seu doraini prepositi. Item inquirat de 


Nr. 65. , Mainz. 141 

foralibns; qiiiliTbet meclianicus clat (res hallenses, ftiber vero qua- 
tnor babatha cum guraphis; quilibet molitor taroiium siiiim et de 
rota duos capones; quilibet caupo turonum suum, qiii tarnen di- 
cunt, quod noviter sit inventum, ergo per me non sunt ardue 
coarctati. 5 

[13] Hoc facto commissarius concludifc iudicium ad quindeiiam 
committens plebano in quindena revooacionem secunde synodi. Et 
si paratas universitas non habuerit pecunias iurium synodalium, 
liabebuut inducias ad quindenam et surgens commissarius legat 
psalmum „Deus misereatur nostri"^) cum collecta de domiuica vellO 
„Protector in te sperantium" vel „Praetende domine, quos" etc. 
et intimat indulgencias ex gracia domini Maguntinensis vel doraini 
prepositi quadraginta dierum et ex parte cuiuslibet sacerdotis 
ibidem presentis totidem, ultimatim finiendo et concludendo cum 
aspersione aque benedicte sui et uuiversi populi. 15 

65, Sendordnung von St. Stephan zu Mainz. 

15. Jahrh. 

Gedruckt ans dem „RegJstrum sj/iodale (des Arcbldiakonats der Kollegiat- 
kirche St. Stephan zu Mainz) s. XV" bei St. A Würdtwein, Dioeo. Mog. III 
(1777) 250 f.; danach hier wiedergegeben. 

Nachdem die vetter der heiligen kirchen gesatzt und gestifft 
haben, das alle jar nach alter löblicher gewonheit in iglicher 
pharrkirchen der heilige send gehalten und volnbracht soll werden, 
lierumb setzen wir hie in stadt unsers gnedigsten hern von Menz 
und des wirdigen hern des probst zu s. Stephan und als ein geyst-20 
lieber richter in heylsamkeit zu straffen, was do straff bar ist und 
fragen zum ersten uch hern in staidt der geystlichen scbeffen: 

1. obe itz sy die stunde, zu besitzen den lieiligen send. 

2. An sit insinuata. 

3. De hora presidendi. 25 

4. An sit compulsatum. 

5. De ornatu, stola, superpelliceo. 

6. Que sit pena, 15 talenta cum tribus obulis pro bursa. 
Und also hegen wir den heiligen send im namen des vaters 

und des sones und des heiligen geistes. Amen. 30 

üwer Innigkeit sal nu andechtiglich vernemen die artikel, die 
man rügen sal in dem heiligen send: 

Zum ersten de sacramentis — de ecclesia — de magistris 
fabrice — de cimiterio — de domibus ibidem — de deciraa — 
de otfertoriis — de adulteris — de matrimoniis — de pueris üp-35 
pressis — de usurariis — de hereticis — de bouis ecclesie — de 
manu violenta in clericos et parentes — de falsariis — de vio- 
lentiis — de exequiis — de molitoribus. 

Item quadraginta dies et 1 karena indulgentiarum. 

') Ps. 66. 


142 Erzdiözese Mainz, Kr. 66; 

66. Sendordnung von Miltenberg. 

1440—1459. 

Miltenberg, St. Unterfr., BA. Miltenberg; jetzt Diöz. Würzbarg. 

Enthalten im älteren Stadtbuch von Miltenberg, Perg. 2", geschrieben zwischen 
1440 und 1459, KrA, Würzburg, Mainzer Bücher Nr. 78 fol. 15 (lö^j. 

Gedruckt: Arch. des hist. Ver. für den Untcrraainkreis TI 3 (1834) 195 ff. ; 
ötädtechronikeu VIII 2 (1882) 235 f.; Oberrheinische Stadtrechte I 4 (1898) ed. 
E. Schröder und C. Köhne S. 341 — 343 (danach hier wiedergegeben). 

Diss ist gewonlieit von des geistlichen sendes wegen zu Mil- 
tenberg zu besitzen. 

1. Item es ist von alter gewonlieit und recht herkomen, das 
man alle jare jerlichen zwene sent hie besitzet und helt. Der 
5 erste sent heisst der erste und recht sent, der ander heisst der 
atftersent. Und dar uff sollen sitzen vir scheffen von der stat 
wegen, die danne alle burger sin sollen und der rat zu setzen hat. 
Zum ersten sal sin ein gesworner scheffe uff dem scheffenstule des 
statgerichts; der darf uff den sent gar nit swerne als die andern 

lOdri thun müssen; und das get also jerlichen under den scheffen 
umbe, eime als dem andern. Sunst die andern dri schepfen, die 
dar zu gekorn werden, die müssen und sollen also uff den sent 
globen und schweren dem erzprister; und der ein scheff sal sin einer 
uss dem alten rad und die anderen zwene sollen sin uss der gemein. 

15 Und wann die scheffen also nidder gesitzen und der sente gehegt 
wirt und wan der erzprister verkündet alle stuck, puncte und ar- 
tickle als dan von alter herkomen und gewonlichen gewest ist, so 
furdern die scheffen Urlaub, utf zu stene, sich zu underreden und zu 
erfaren; also sal in der erzprister laube geben. Darnach so 

20 sollen die selben obgenanten scheffen komen und furlegen, waz dann 
rugber ist, vor ein rad, der danne in der sacristi sin sal bi ein- 
ander uff die selbigen zit. Und wes dann die vir scheffen under- 
wist werden von dem rad, das dann rugber ist und in den sent 
gehört, das sollen sie daune rügen und furbrengen und nicht mer. 

25 2. Auch als der erzprister in gibt uff die eide zu rügen, ein 
IRmat vor ein lümüt, ein warheit vor ein warheit, ist unser ge- 
wonheit und also von alter her komen, das wir nicht anders rügen 
danne was eliche und ander geistlich sach augeet, als eebrechen, 
zauberniss oder der nit recht zeheut, was dann geistlich sach an- 

30 geet und offelich Wucherer. Sunst ander stuck, puncte und artickel, 
die er fordert zu rügen, das sint hengerecht und Stent der stat 
zu zu bussen und sust nimant anders als danne hernach kler- 
lichen geschriben stet, als klein gewicht, kurz eleu, klein mass 
und ander klein stucke, die dan der stat zusten, auch diebereij, 

35 rauben, stelen, morden, brennen, gotswerer, margstein ussgraben, 
felscherij und ander solch gross sach angeverlich, die Stent unsers 
gnedigeu herren von Mentz amptluden und der stat zu zu bussen 
und gar nit dem erzprister, als dann einer ge wirket oder gethane 
hat, alle geverde und argelist ussgescheiden. 


Kr. 67. . Miltenberg, ;Niiederkirohcri. 143 

3, Item es hat ein erzp rister alhie von der stat jerlichen 
fallen, das dann die burgermeister ussrichten sollen alle jare von 
des sents wegen, anderlialp pfunt heller; sust hat er von den han.t- 
werkenluten und von iglicher zunft zins und gult, das dann den 
rat gar nit angeet oder die stat. Das wissen alle Zunftmeister 5 
und kerizenmeister under in selbst wole, die danne von den zunften 
also darzu gekorne werden und den erzprister alle jar jerlichen 
ussrichten. 

4. Item die obgeschriben vir sentscheffen sollen und müssen 
des sendes gewarten sin urabe sust und man gibt ir keinem lO 
nichtz zu lone, diewile es geistlich gericht ist, sunder der erz- 
prister ir iglichem alle sent das imbess und das male geben sal 
und geflichtig ist, als es dann von alter her komen ist, bij dem 
wirt, da er pfleget zu zeren angeverlich. 

67. Kirclioiiweistuni von Mcderldrchcii. 

1539 Febr. 2 und 1.592 Dez. 5. 

Niede rkirchen im Ostevtal, Df. Ebeinpf., BA. Kusel; jetzt Diöz. Speier. 

A: Ab.scbr. des 18. Jahrb., KrÄ. Speier, Abt. Zweibrücken I P'asz. 11.58. — 
B: Abscbr. des 19. Jahrb. nach einer Kopie von 1631, KrA. Speier, Hor.st- 
nianuiana V P. 1 fol. 214'' — 224"' (zit. Mayrbof er - Glasschröder, Pfalz. 
Weist. S. 120). 

Ungedruckt. 

A. 15 

Die Kirchengescbwornen weisen ihrem Pfarrer „uf sontag purificacionis 
Marie anno" (15).39: 

1. Die Baupflicbt am Clior der Kirche obliegt dem Pastor in Mainz^), am 
Nebenbau (Absit) dem Abt von Wörschweilcr-), der auch alles Zubehör zur 
hl. Messe zu hefern hat, an der Nebenseite samt Turm und Zubehör der Pfarr- 20 
gemeinde. — 2. Des Abts Haus im Kirchhof wird von jenem selbst im Bau 
unterhalten; die übrigen Häuser im King der Kirchhofsmauer sollen die be- 
treffenden Eigentümerin Stand halten und mit Schindeln decken; Veränderungen 
dürfen nur mit Genehmigung des Pfarrers und der Geschwornen vorgenommen 
werden. — 3. Den Teil der Kirchhofsmauer, an dem keine Häuser- liegen, hat 25 
die Gemeinde in Bau zu halten, desgleichen das Pfarrhaus. — 4. Das Grab- 
geschirr liefert das Pfarrvolk. — 5. Der Pfarrer hat jeden Sonntag Messe und 
Predigt zu halten, ferner jede Woche und an allen Aposteltagen eine Messe. 
Dagegen reichen ihm die Pfarrkinder die vier Opfer nebst Zubehör. — 6. Für 
die Kirchenbeleuchtung liefert der Abt 20 ® und der Pfarrer 10 % Oel jährlich 30 
auf den 12. November. 

B. 

Die Kircheugeschwornen weisen auf Veranlassung des Pfalzgrafen Johann 
in Melchior des Wirts unterer Stube zu Niederkirchen 1592 Dez. 5 (43 Absätze) •'') : 

1. Der Pfalzgraf ist Patron der Pfarrei. — 2. Der Abt von Wörschweilcr 35 
hat die Baupflicht am Kirchenbauch bis zum Chor; Frondienste leisten dazu 
die Eigenleute des Klosters; der Teil vor der Kirchentür kommt dem Pfarrvolk 
zu. — 3. Turm und Kirchhofsmauer baut das Pfarrvolk; die im Ring der Kirch- 
hofsmauer wohnen oder daran stossen, haben den Teil derselben zu bauen, an 
dem ihre Häuser liegen ; den anstossenden Klosterhof unterhält der Abt von 40 


^) Domkapitel zu Mainz (vgl. Frey, Rheiukreis HI 425). 
2) S. oben S. 124'. 

•'') Hier zusammengefasst. — Am 8. Okt. 1592 zog ein neuer Pfarrer, Wolf- 
gang Hertern, auf. Die Pfarrei war damals protestantisch. 


144 Erzdiözese Mainz. Nr. 67. 

Wövschweiler. — 4. Der Pfarrer zu Mainz baut den Chor; Hand- und vSpann- 
dienste kommen dabei dem Zehntherrn zu'). — 5. Das Pfarrhaus im Kirch- 
hof baut das Kirchspiel; der Pfarrer hat die Unterhaltspflicht. — 6. Das 
Schulhaus baut der Abt-, der Schulmeister hat die Unterhaltspflicht. — 7. Früher 
5 hatte der Abt, jetzt der Schaffner wegen des Kollators, des Pfalzgrafen Johann, 
Brot und Wein, Kelch und Paten mit Zubehör, Taufbecken, Wasserkänncheu, 
Leuchter, Altar- und Kanzeldecken zu besorgen. — 8. Dem Pfarrer gebührt 
Vs des kleinen Zehnten, -/j dem Schaffner zu Wörschweiler ; der Pfarrer hat 
dafür den Zuchteber zu halten. Als Zehnten gibt man für 1 Lamm 1 Ei, für 

101 Kalb 1 Ei oder 1 Heller, für ein Zicklein 1 Ei, für 1 Ferkel 1 Ei, für 
1 Hengstfüllen 2 dl, für ein Mutterfüllen 2 hl., für einen Bienenstock 2 dl; von 
Flachs, Hanf, Erbsen, Bohnen, Gerste, Spelt und dergleichen Früchten, die 
man mit dem Spaten baut, ausgenommen Rüben, Zwiebeln, Kappes, gibt man 
die Zehnten, wie angegeben. Der Glöckner- und Messnerdienst wird jetzt auf 

15 Befehl des Landesfürsten dem Schulmeister zur Aufbesserung übertragen^). — 
9. Glocken und Zubehör zahlt der Kirchenschaffner aus den Kirchengefällen, 
die Glockenseile aus eigenem; für Oel zur Glockenschmiere gibt das Kloster 
20®, das Haus Nohfelden ■'') 10®. — 10. Das Grabgeschirr bestellt der Kirchen- 
schaffner. — 11. Des Abts Haus im Kirchhof, jetzt als Schule benützt, samt 

20 angebauter Scheuer und gegenüberliegendem Pferdestall, baut und unterhält das 
Kloster; die Gebäude innerhalb der Kirchhofsmauer bauen und unterhalten die 
Inhaber. — 12. Für die Pfarrscheuer, deren Unterhalt dem jeweiligen Pfarrer 
zufällt, zahlt der jeweilige Nachfolger bei der Uebernahme 20 fl. — 13. Die 
Nutzungen aus dem Kirchhof gehören dem Pfarrer, wogegen er ihn samt den 

25 eisernen Beinbrechern durch Weib und Gesinde sauber halten lassen muss. — 14, Der 
Pfarrer muss auf die Sonn- und Bettage vor- und nachmittag predigen, de-sgleichen 
jede Woche in den Kapellen; was in der Kanne vom Abendmahl übrig bleibt, 
gehört dem Pfarrer. — 15. Der Glöckner soll seine Läutordnung einhalten, den 
Pfarrer auf Versehgänge begleiten und mit ihm bei dienstlichen Einladungen 

30 essen. — 16. Die Kirchengeschwornen erhalten zur Entlohnung auf den ,, guten 
Freitag"*) und auf Allerseelentag einen Imbiss oder 4 Batzen. — 17. Der Schaffner 
von Wörschweiler hält Farren und Hengst, der Pfarrer den Eber. — 18. Der 
Pfarrer bezieht von Leutersweiler'^) 12 Malter beider Frucht, 2 fl, 25 alb. an 
Geld samt Va des kleinen Zehnt; vom Hof 10 M. bezw. 1 fl. und den gleichen 

35 Zehnt; von Seichenbach und Osterbrücken ") 18 M, bezw. 19 fl. 17 Batzen 8 dl; ferner 
18 M. Korn und 18 M. Hafer vom Zehnt für Wörschweiler und Nohfelden. 
Von den Ostereiern bekommt der Pfarrer -/g, der Glöckner ^j.^ ; jedes ,,Haus- 
gesäss" gibjt 3 Eier, ausgenommen die Geschwornen. — 19 (24). „Die ge- 
schworne sagen und weisen: so oft der sendherr kommt Visitation zu halten, 

40 soll der kosten von der geistlichen abtei Würschweiler bezahlt werden, so zuvor 
von einem apt des orts gehalten worden, wie die älteste weisen, durchaus nichts 
ausgenommen; also soll es auch noch gehalten werden auf des closters Würsch- 
weiler costen ohne zuthun der kirchen oder kirchspiels verwandten". — 20. Der 
Kirchen Schaffner bekommt 28 ® Oel von allen Zehnten, von jedem 1 ® oder 

45 12 dl. — 21. Die Kosten für Grenzsteinsetzuog bei Kirchengütern bestreitet teils 
die Kirchenkasse (1 Imbiss zu 4 Batzen den Geschwornen), teils die betreffende 
Partei. — 22 (28). Streitigkeiten um Kirchengüter kommen vor den Kirchen- 
schaffner und den Pfarrer „als schultheissen dieses geistlichen gerichts; die sollen 
als andere schultheissen sich gerichtlicher Sachen gebrauchen und der klagenden 

50 partey zu recht helfen und dem beklagenden zu tag gebieten und die kirchen- 


') Das Kloster Wörschweiler hatte ^j^, das Haus Nohfelden (s. Anm. 3) 
V/s Zehnten (Abs. 4). 

-) Den gleichen Inhalt hat Abs. 20. 

"■') Fl. im Oldenburg. Fürstent. Birkenfeld. 

*) Karfreitag. 

") Leitersweiler, Df. Eheinpr., Kr. St. Wendel. 

") Seichenbach, Osterbrücken, beide BA. Kusel. 


Nr. 68. Niederkirchen, Nierstein. 145 

geschworne als seine scheffen zu sich nehmen und gcrichfc halten, auch das ge- 
richt in nahmen des obersten cauzelherren behegen und verbannen wie bey 
andern gerichten auch bräuchlich ist; auch weisen sie, dass, wo zank, hader 
oder irrsal ehelicher gelübden und pfhchten halber vorfielen, sollen vor diesem 
gericht darumb gehandelt werden oder von dem obersten canzelherrn oder 5 
collatori, herzog Johann, pfalzgraf, und bei seiner fürstlichen gnaden ambtleuten 
Verrichtung geschehen. — 23 (29). Einem neuen juraten weisen die geschworne, 
wie man ihne beeidigen soll. Erstlich soll ihme der kirchenschaffner in beisein 
pfarrers, Schulmeisters, glöckners und der andern juraten den eid auflegen und 
vorsagen und ihne schwören heissen, dass er dem collatori oder oberherren des 10 
geistlichen gerichts, auch dem kirchenschaffner als deren dienern, dem pfarrer als 
Seelsorgern, samt seinen mitgesellen, den andern juraten, wolle treu und hold 
sein, sie vor ihrem schaden warnen, auch ihnen gehorsam sein in allen gebür- 
lichen, billigen gebotten, dessgleichen der kirchen nutzen und Wohlfahrt zu jeder 
zeit so viel möglich schaffen, fördern und treiben, gerne erscheinen und richtig 15 
helfen machen, was strittig, so oft man ihne erfordert, wann er kann und mag 
ohnverdrossen ohne alle gefährde und argelist." — 24. Die Kirchenjuraten haben 
der Ladung durch den Glockner zum Gericht nach Niederkirchen Folge zu 
leisten bei Strafe von ^j^ fl., sie haben etwaige Umlagen bei dem Pfarrvolk ein- 
zutreiben oder gegebenenfalls mit Pfändung vorzugehen und die „ungehorsamen 20 
und trutzigen neidmacher unter dem volk anzuzeigen," — 25. Die Kirchenstühle 
und insbesondre des Schulmeisters Stuhl und Pult bestellt der Kirchenschaffner ; 
die grosse Kirchentür das Kloster, die Presskammer') der Pastor zu Mainz, 
d. h. jetzt der Keller zu Nohfelden. — 26. Der Pfarrer zahlt an die Gemeinde 
jährlich 1 Malter Beedfrucht, wofür ihm bis zu 52 Stück Viehs, ausgenommen 25 
Aeckerschweine und junge Kälber, frei gehütet werden. — 27. Für Hochzeiteinsegnen 
erhält der Pfarrer 4 Albus. — 28. Der Schulmeister bezieht 6 Malter Korn, 
4 M. Haber, 9 fl. an Geld und von jedem verheirateten Hausgesäss ein ganzes, 
hausgebackenes Brot. — 29 (37). Jährhch auf Ostermontag soll das Weistum 
von der Kanzel verlesen und am Osterdienstag die Zensur gehalten werden. — 30 

30. Ein neuaufziehender Pfarrer, Schulmeister oder Jurat gibt einen Imbiss. — 

31. Der Glöckner erweist dem Pfarrer häusliche Dienste wie Holzhauen, holt in 
St. Wendel-) 2mal in der Woche das Fleisch und fährt mit dessen Pferd in 
die Mühle; dafür gibt ihm derselbe an den 4 hohen Festen morgens oder abends 
einen Imbiss und, so oft er Holz gehauen oder in die Mühle gefahren, das Mit- 35 
tagsmahl und einen gebührlichen Trunk. — 32. Wenn durch unverschuldetes 
Unglück das Pfarrhaus zerstört wird, baut es das Kirchspiel wieder auf, andern- 
falls der Pfarrer unter freiwilliger Beihilfe des Pfarrvolks; die in der Pfarrei 
Getauften und Proklamierten sind zur Bezahlung des Baugelds ebenso verpflichtet 
wie die Eingesessenen. 40 

68. Sendorduung und Sendweistum von Nierstein. 

15. Jahrh. 2. H. 

Nierstein, Df. Eheinhessen, Kr, Oppenheim. 

Im Anniversarienbuch der Pfarrei Nierstein, 15. Jahrh. 2. H., am Schlüsse ; 
PfA. von St. Kilian in Nierstein. 

Gedruckt: G. Schaefer im Arch. f. hess. Gesch. 12 (1868) 48 — 54; danach 
hier wiedergegeben. . 

[I] Diss ist usser ej^m alten bappiren register^) geschreben 
des sends halben und ludt als hernach folget: 

^) Sakristei. 

*) St. Rheinpr., westl. von Niederkirchen. 

•'') Dieses Eegister mag, da die Abschrift gegenwärtigen Sendweistums vom 
Ende des 15. Jahrhunderts stammt, der ersten Hälfte desselben zuzuweisen und 
danach auch das ungefähi'e Alter des Weistums zu bestimmen sein. 

Koeniger, Sendquollen. 1() 


146 Erzdiözese Mainz. Nr. 68. 

Iss ist ZU wissen, dass man den heiligen send also soll be- 
sitzen als hernach geschreben steht. 

[1] Zum ersten fragt der sendher: düngt iss uch sendeszyt 
sin? So antwurt der gesworne: iss düngt uns zyt sin. 
5 [2] So fragt der sendher: ist ucli der heilige send verkuut 
als rechte ist und gewonlichen zu dryen tagen und sechs wochenV 
So antwurt der gesw^orne: er ist uns verkunt als rechte und ge- 
wonlichen ist. 

[3] So fragt der sendher, ob der gesworne in der massen da 
10 sy und stee, dass er wolle mym hern dem probst^) gehorsame 
sin, sinen send helfen behegen, besitzen, sin recht zu erzelen und 
helfen in zu gewinnen als rechte und gewonlichen mit uf disse 
zyt gewest ist? So antwurt der gesworne und spricht: hant ir 
uqsers hern des probsts möge und macht mit briefe und ingesigel, 
15 als rechte und gewonlichen ist? So antwairt der sendher, er habe 
möge und macht mit briefe und ingesigel und habe sin commission, 
als er sie in dem rechten billich und muglich haben solle. 

[4] So fregt der sendher dan, dass der gesworne yne wyse 
wolle machen, wie er den helligen send behegen solle. So ant- 
20wurt und spricht der gesworne: mit dem banne. 

[5] So fregt dan der sendher, wie man mym hern dem probst 
sin rechte solle fordern. So antwurt der gesworne und spricht: 
mit dem eyde. 

[6] So fregt der sendher, wer mym hern sin rechte solle in- 
25 fordern und antwurten. So antwurt der gesworne und spricht: die 
buddel. 

[7] Nu hebt der sendher an und behegt den helligen send 

und spricht: so thun ich banne und fredden ubei" den helligen 

send, dass nyemant redde, er thue iss dan mit laube, dass nye- 

30raant uss oder inne gee, er thue ess mit laube und verbidden 

uberbracht und erlauben rechte nnd verbitten unrechte. 

[8] So hebt dan der sendher an und fregt den gesworn nach 
sins hern des probsts rechten, w^as rechts er hudezutage hie habe 
und wie man yne entphahen hudezutage solle oder die sinen von 
35sinent wegen. So antwurt der gesworne und spricht: sollen wir 
uns beraden mit laube? Antwurt der sendher: jch ganne iss uch 
wole. 

[9] So get der gesworne uss und beredt sich und kompt widder 
und spricht zum sendhern: sollen wir her jnne gene mit laube? 
40 So antwurt der sendher: jch ganne ess uch wole. 

[10] So spricht der gesworne: sollen wir redden dan mit 
iaube? So antwurt der sendher: jch hören uch gern mit laube. 

[11] So fregt der gesworne den sendhern, ob er den gesworne 
wolle by siner fryheyt und gewonheyt lassen als iss mit her uf 

') Gemeint ist der Probst des St. Viktorstifts zu Mainz, der Archidiakon 
der Archipresbytcrate Nierstoin und Kirchheimbolanden war (vgl. Schäfer 
S. 47 f.). Nierstein selbst war später Archidiakonatssitz (W ür dt wein I 305). 


Nr. 68. Nierstein. 147 

disse zyt uf yne von den alten körnen und bracht sye. So ant- 
wurt der sendher und spricht, er wolle yne gern by siner fryheyt 
und gewonheit lassen. Spreche aber der sendher, er wolle yne 
nit da by lassen oder spreche, was er gudder fryheyt und ge- 
wonheyt habe, der gönne er den gesworne wole, so sol} der 5 
gesworne den send nit forter helfen besitzen noch eyncherley rechte 
zu erzelen noch zu rügen, man wolle yne dan slechtlich by siher 
fryheyt und gewonheyt lassen als iss von den alten of yne komen 
und bracht sy; und wan er dan den gesworne also slechtlich da 
by will lassen; so soll der gesworne dan an heben und . so|l er- lO 
zelen des probst recht und wie man yne entpfahen soll. So er- 
zelt dan der gesworne mit laube, wie man den probst oder die 
sinen entphahen soll. 

[12] Zum ersten sollent uch die glockener entphahen, jr jck- 
licher besonder, mit einer halben firnzel habern, mit eyner maissiö 
wins, jcklicher und jcklicher mit eyner haut voll licht, über der 
haut und under der haut abegesnytten, und sollent uch dan faren 
uf die widdthumhoffe zu sant Martin^); da sollent jr dan sin die 
nacht und soll der pastor dan zu zyden zu sant Martin uch und 
den gesworne und den glocknern eyn reddelich ymps geben, als 20 
der gesworne dan erkent als rechte ge wonlichen und mugelichen ist. 

[13] Item den andern tag zu morgen, so sollent dan die selben 
glockener den sendhern füren und wysen uf die widdthumhoeif zu 
sant Kilian^); da soll der pastor dan zu zyden iss dem sendhern, 
den kirchengesworne und den glockenern geben eyn reddelich 25 
ymps in aller der maisse als vorgeschreben stet von dem pastor 
zu sant Martin. 

[14] Item jckliche hauwe eyn heller; das sint die eynletzigen^) 
ussgenomen. Die widtwen die gebent nit den heller. Wirt uf 
sant Martinstag. 30 

[151 Item eyn handwergsman 2 heller; die werdent uf sant 
Martinstag. 

[16] Item eyn hupsmydt gibt 4 ysen ungelocht und die negel 
darzu zu stunt, wan man gesendt, und soll der smydt des morgens 
mit dem sendhern essen. 35 

[17] Item die muller sollent geben von jcklichen ussersten 
rade in dem dorf und nit uf dem Ryne eyn cappen als manchis 
als der reder sint; die cappen soll man geben uf sant Martinstag. 

[18] Item kirchenlosunge: von jcklicher pharkirchen besonder 


^) St. Martin, mitten in Nierstein, war eine der beiden Pfarrkirchen des 
Dorfes; sie kommt urkundlich zuerst 1225 vor (K.J. Brilniaycr, Rheinhossen 
in Vergangenheit und Gegenwart, Giessen 1905, 34G). 

-) St. Kilian war die zweite Pfarrkirche zu N., älter als St. Martin und 
aus der schon im 8. Jahrh, von Karhnann dem Bistum Würzburg geschenkten 
Marienkirche entstanden (Brilraayer S. 345). 

•'') Die Unverheirateten. 

10* 


148 Eradiozese Mainz, Nr. 68. 

6 pf. heller und von der capell zu sant Peter ^) uf den fronehoffe 
3 pf. heller; die werdent uf Cathedra Petri*^). Wan der send ist 
unsers gnedige hern von Mentze, so ist die kirchenlosunge zwey- 
f eidig und keynerleye na ehe. 
5 [19J Item die gemeynde gebent zwey flrtel wins; das heysst 
eyn gemeynde wytte und ist for fyerbrüche^) und gibt man den 
win zu stunt, wan man gesendet. 

[20] Nu hebt man an und fregt der sendher die pharrer, als 
er sie billich fragen soll, und fregt sie umb alle gebrechlichkeyt 
10 als es bit dar dan rechte und gewonlichen ist gewest. 
[21] Item derglichen fregt er auch die glockener. 
[22] Nu fregt man. den gesworne umb alle stucke und artickel, 
die da sint widder die heilige kirche und cristenheyt, dass er nit 
solle lassen umb keynerley Sachen willen; er solle vorbrengen und 
15 rügen alles, das da ruckbar ist. 

[23] Nu soll man wissen, dass der gesworne under allen den 
artickeln, die der sendher yne fregt, nit mehe dan drye artickel 
vorbrengt und rügt; also ist is mit uf disse zyt von den alten uf 
den gesworne bracht und komen. Zum ersten soll der gesworne 
20 rügen ufi'enberlich meyneyde, zum andern mail uffenberlich Wucherer, 
zum dritten mail uffenberlich ketzer. 

[24] Item was den gesworne gottlich und mogelich düngt, 
magk er zu den obeschreben thun mit rügen und was er usswendig 
der obgerurten dryen artickeln also ungerugt lesst, als eebrecherye 
25 und uneliche bywonnunge und ander glyclieu, das soll er selbs 
jm regiment straffen, also dass doch geschee, was gottlich und 
recht ist. 

[25] Item soll man wissen, das der gesworne jr pherrer nit 
rügt und auch die gesworn nit sollent rügen; als ist is auch von 
30 den alten bit her bracht und komen. 

[26] Nu fregt man die gemeynde und gibt man is yne uf den 
dauf, den sie entphangen han, uf ir christlich truwe, uf ir leste 
hinfart und uf den eyd, den ir jcklicher besonder sime eygen hern 
gethan hat, dass sie nit sollent lassen umb liebe, umb niyde, umb 
BSforcht, umb keynerlei Sachen wegen; sie sollen forbrengen und 
rügen alles, das da ruckbar ist und was sie dan wissent, das 
sollent sie dem gesworne vorbrengen und sagen und soll die ge- 
meynde dem sendhern nicht rügen ; denn sie sollent is dem ge- 
sworne sagen und was dan den gesworne dunkt rugbar sin, das 
40 soll der gesworne dan vorbrengen und rügen. 

[27] Alle vorgeschreben rechte und rüge sint alsus bit uf 
disse zitt von unsern forfarn und den alden uf uns bracht und 
komen. 


1) „Ausser den beiden l'farrkirchen war im Dorf noch eine dem hl. Petrus 
geweihte Kapelle, welche 1833 erstmals urkundlich erscheint" (Brilmayer S. 846). 

2) 22. Februar. 

■■"i Brechen der Feiertage. 


Nr. 68. ■ Nierstein. 149 

[II] üf^) montag nach sant Martins episcopi anno clomini 
millesimo quadringentesimo septuagesirao quarto hant die gesworne 
von Wyssenauwe^) radts hie gelebt und gesagt, is seye ir ober- 
hoffe und hont gefragt nach dissen stucken: 

[1] Zum ersten wie zwoe frauwen, die sich geslagen haben, 5 
zu bussen sint. Sie bestheydt, die unrecht hat, den steyn for dem 
wy Wasser zu tragen und die ander mit eyner gabelu, dar zu ge- 
macht, fort zu dryben. 

[2] Zum andern sich haben zwoe frauwe gescholten, eyn die 
ander syn kindeverderbersen ; habe die ander geantwurt: du lu-lO 
gest als eyn ketzersche ; wie die zu bussen sin. Sint sie beschey- 
den: das kindeverderben, so das also wer, gehöre der weltlichen 
hand ; die ketzerey, so sich das funde, die sye zu straffen darnach 
sie sye ; dan sie sye manch ei'ley. Ettlich gehören in das fuher, 
ettliche hören dem sendhern zu bussen mit der strele und scheren 15 
zeychen und forter mit geystlicher busse beladen, nach dem yne 
düngt möglich sin. So sie aber ihrer schuldigunge ungerechtfertigt 
bleiben^ mag sie der sendher umb die Scheltwort fornemen nach 
geystlicher billichkeyt. 

Actum for Phillips Sluchteren von Erfensteyu, kirchenmeyster ; 20 
hern Hansen von Wachenhusen, ritter; Herman Hunt und Eber- 
hart Vetzer, gesworne. 

[III] Üf montag nach sant Johans Bapt. tag anno domini 
M*^ cccc" Lxxxiii" ^) hant die gesworne von Momnienheyn *) iren 
oberhoff hie gesucht und ansprach und antwurt bracht, wie her 25 
Heinrich, altarist zu Mommenheyn Peter Kremers erben, uemlich 
Peter Wobern, von Peter Kremers gutt wegen for 2 malter korn- 
gult angelangt hat in der canzeln zu Mommenheyn mit clagen, 
dargegen sich ettlich Peter Kremers erben als verkeufer der gulten 
mit weher gesetzt hant, also ist dies nachgeschreben urteil zu 30 
Nersteyn gefallen: 

Nach ansprach und antwurt zwuschen hern Henrich, altarist 
zu Mommenheyn, und Peter Kremers erben spricht der pherrer 
und gesworne zu rechte: Brengt hern Henrich by, als rechte ist, 
das ime sollich 2 malter korns jare und jare und jare von sollichen 35 
guttern geruglich gefallen und geben sin, das ime und sinen nach- 
komen sollich 2 malter korns forter jerlich gefallen und geben 
werden sollen und wan das nit geschee, so magk er den guttern 
nachgene als recht ist. 


^) Die nachfolgenden zwei Oberhof-Erkenutnisse reihen sich im Anniveri5arien- 
biich unmittelbar an das Sendweistum an und sind von der gleichen Hand ge- 
schrieben wie dieses. 

*) Weisenau, Df. Rheinhessen, Kr. Mainz. 

') 1483 Juni 30. 

*) Df. Rheinhessen, Kr. Oppenheim. 


150 Erzdiözese Mainz. Nr. 69, 70. 

69. Sendordnuiig von OberbecrLacli. 

1498 Juni 30. 

Oberbeerbach, Df. Hessen, Kr. Eensheim. 

Aus einem Weistum des Kanzelgerichts zu Oberbeerbach 1498 Juni 80, 
gehalten von dem Verweser der dortigen Kirche, Pastor Ambroster; im Bod- 
m an n -Habeischen Archiv zu Marburg'). 

Ungedruckt. 

Dyss ist äje form uncl wyse zu hegen eyu kanzelgericht. 

[1] InteiTOgat plebanus iuratos: Ire.kirchengeschworn,inmoyssen 
wie uch verkündet ist worden, kommet und thuet gehorsam. 

[2] Interrogat item plebanus: Ich frage, syt ir no hye, dass 
öyre wollet gehorsam thun mynen hern dem probst uff s. Victors- 
berg 2) oder mir von synet wegen. — Respondent iurati: Ja, herre. 

[3] Querit plebanus: Ich frage euch, ab yss zyt sy, zu hegen 
und zu halten dys canzelgericht noch den als es verkündet und 
gebotten ist. — Respondent iurati: Ja, herre. 
10 [4] Querit plebanus : Ich frage uch, wye ich dys canzelgericht 
hegen solle. — Respondent iurati: Mit friden und mit bau. 

[5] Dicit plebanus : So thu ich dyseu canzelgericht fryden und 
ban und verbyeden also, das nyemant rede, er hab syn dem leyb, 
nyemant dem andern syn wort thu her erwyen yn dem wy recht 
15 ist, nyemant dem andern yn syn gespreche gehen er thu ys dem 
mit leyb, der schaffe synen stuel nit rumen oder verwandel sal, 
er thu ys dan mit leyb. Ich verbyeden uberbracht und schelt, ich 
erleyben recht und verbyeden unrecht, ich verbyeden allys, das 
ich an ein rechten verbyeden sal und erleyben allj^s das, das ich 
20 an ein rechten erleyben sal, in dem namen des vatters und des 
sons und des heiigen geystes. Amen. 

[6] Querit plebanus: Ich frage, ob ich dys canzelgericht ge- 
heget hab, dass ys möge und macht hab. — Respondent iurati: 
Ja, herr. 
25 [7] Interrogat plebanus : Nu frage ich uch forter, wye ich den 
scheffen und das canzelgericht ermanen sol. — Respondent: By 
dem eyd. 

[8] So verman ich uch by uwern eyd, den yre mynen hei-n 
dem probst gethan habt, dass ir wollet rügen und vorbrengen allys 
30daz, das da ruckbar ist und er dys gericht gehört: eyn warheyt 
vor eyn warheyt, eyn lymot vor eyn lymot, uff dass das den un- 
recht gestrafft werde und das recht gehandhabt. 

70. Send- iiiul Kirclicnweistuiii von Planicli. 

1512. 
Plan ich, Df. Eheinhessen, Kr. Alzey. 

Gedruckt (ohne Quellenangabe): Grimm IV 611 — 614; zit. Verz. Khein. 
Weist. 63 Nr. 822 b. 


') Eine Abschrift dieser SO. stellte mir Herr Eeichsarchivrat Dr. Glas- 
schröder in München zur Verfügung. 

2) Kollegiatstift St. Viktor bei Mainz (Wagner, Die geistl. Stifte II 416 ff.). 


Nr. 71, 72. Rüssingen, Seligenstadt. 151 

71. Sendweistiim von Rüssingen. 

1583. 

Küssingen, Df. Eheinpf., BA. Kirchlieimbolanclen; jetzt Diözese öpeier. 

Abschr. in eioem Synodalprotokoll der Nassau -Weilburgischen Lande 1576 
bis 1610 fol. 32, StA. Wiesbaden VI 1 Weilburg, Gener. Xa 7; hiervon eine 
neuzeitl. Kopie im KrA. Speier, Abt. Weistümer. 

Ungedruckt. 

Weisthumb der g-eschworne zu E-össingen. 

[1] Item zum ersten in der ausfarth unsers erwürdigeu gnedigen 
herrn erzbischof zu Mentz oder der seinen in zukumpft wegen den 
heiligen leyensenths zu besitzen. Des abents mag er kommen 
selbdritt mit dreyen pferden und ziehen uf die pastorey; da soll 5 
man im gnug thun oder 5 unzen heller darvon geben; des morgents 
uf den grossen zehenten der herren zu sante Andres zu Wormbsj 
da soll man im auch gnug thun oder 9 unzen heller darvon geben. 

[2] Item cathedraticum (kirchenlosung) davor 12 ß heller. In 
der ausfahrt unsers ersamen herrn, des probst zu Mentze, oderio 
der seinen von seinet wegen, wie unserm gnedigen hern von Mentz 
die geschworne weyssen, das weysset man auch ime, ausgescheyden 
cathedraticum (kirchenlosung), gibt man einem probst das halbe 
theil 6 ß heller. 

[3] Item einem sendherren weysset man ein handvoll licht und 15 
oben der band abgeschnitten oder 8 pfennig davor; sol die kirch geben. 

[4] Item eyn geseyet vierthel habern soll ein glockner geben. 

[5] Item 4 d. von dem kirchenschlüssel; item ein handwerks- 
mann 2 d.; item ein würt 2 d. ; item ein Schmitt 4 eysen mit 
seinen negeln. Und ist zu wissen, dass der geschworne kein ge-20 
mundt weider weyss ist über den als ee gewesen ist 

[6] Item weysen die geschworne den chor einem pastori zu in 
dach, bau und düren, item den bauch den herrn zu s. Andrees auch 
in dach, bau und düren, item den thurm der gemein zu in bau 
und besserung. 25 

[7] Item die glocken, ob den schaden zugeschehe, zeugt sich 
der geschworne ull' umbsessen; wie die es halten, als soll man es 
hie halten; item die glockenseyl weyst man der kirchen zu und 
die kirchenmauer der kirchen zu 7 schuch hoch; wer die höcher 
haben wollte, möcht es thun uff sein kosten. 30 

[8] Item den kerner und beinberch der kirchen ulf iren kosten. 

[9] Item ein unz tugt 12 d. 2 heller;, item ein unz heller tugt 
die unz 10 d. 

72. Sendweistiim von Seligenstadt. 

1390. 

Seligenstadt, St. Hessen, Kr, Offenbach. 

Gedruckt: J: W. 0. Steiner, Stadt und Abtei Seligenstadt, Aschaffen- 
burg 1820, 3431'., 349 f. (nach dem Original)'); danach unter möglichster Ver- 
besserung der Fehler Grimm I 5031, 507 f. 

') Vgl. dazu dessen allgemeine Bemerkungen S. 148 — 152. 


152 Erzdiözese Mainz. Nr. 73. 

73. Send- und Kirclienweistum von Sensweiler. 

16. Jahrh. 
Sensweiler, Df. Eheinpr., Kr. Bernkastei; jetzt Diöz. Trier; 
Abschr. des 16. Jahrh., Pap. 2°, StA. Koblenz, Wild- und Rheingrafen, 
Amt Wildenburg, Dorf Sensweiler Nr. 3. 
Ungedruckt. 

[I] Dies nachgeschriben ist wystumb der synd- 
sclieffen zu SynsAvyler nach altem herkommen von wegen 
der kirchen, des pastors und clockenner. 

[1] Zum ersten wysent die syndscheffen nach altem herkomeu, 
5 das unser gnedigster her von Meynz sali kommen mit 12^2 mau 
und 12^/2 pherde und der duomprobst sail kommen mit 6^/2 man 
und 6^/2 pherde und sollent ziehen des abents hinder eyn pastor; 
der sail im zu essen und zu drynken geben nach synem besten 
vormogen und iren pherden hauwe und fuder, das keyne clage 

10 dar von komm und sail der clockenner kommen mit eyner band 
folle liechte, do sollen die hern by beden, und sail der klockenner 
die pherde ine helfen stellen und helfen hanthaben; darumb sail 
er die kost hain. Des morgens sail der pastor syn fuder abe- 
ziegen und sollen hinder eyn lehenhern ziegen; der sail den 

15 synthern essen, drynken, hauwe und fuder geben nach dem besten, 
auch das keyne clage darvon komme, und dem pastor, klockenner 
und syndscheffen eyn essen geben. 

[2] Item darnach wyssen die syndscheffen: were die kirche 
buwefellich und were eyn köre, der sail der pastor inne dache 

20 und buwe halten; item den buech sollent die lehenhern inn dache 
und buwe halten; item den tliorn sail das kirspel inn buwe halten 
und den kirchhoife befrieden wysen wir das kirspel zu buwen und 
den kern er desgl5''chen. 

[3] Item das messebueche sail der lehenherr bestellen, das 

25bedebueche das kirspel und das daufebueche der pastor. 

[4] Item die ampel sail der lehenherr eyn halb jare beluechten 
und der pastor' das ander halb deyl jars. 

[5] Item were es sache, das der pharrhoife verstört oder vor- 
brandt wurde, sail das kirspel widder uf buwen als sich das geburt. 

30 [6] Item darnach wysen die syndscheffen unsrem gnedigsten 
hern von Meyntz 15 ß vor stuelrecht und dem duomprobst T^/g ß; 
sail der lehenher geben. 

[7] Item 3 alb. unsrem gnedigsten hern von Meyntz vor schlossel- 
recht und dem duomprobst eyn tornys; sail die kirche ussrichten, 

35 [8] Item eyn jeglichs hus im kirspel sail unserem gnedigsten 
hern von Meyntz geben 2 d. vor besserong und dem duomprobst 
1 d.; item eyn hantwerksman unserem gnedigsten hern von Meyntz 
4 d. und dem duomprobst 2 d. und eyn widefrawe unsrem gnedigten 
hern von Meyntz 1 d., dem duomprobst halb so vil oder 1 hlr. 

40 [9] Item eyn Schmidt sail geben unsrem gnedigsten hern von 
Meyntz 8 ysen und ire nagel darzu und halt ers noit, sail er ime 


Nr. 73. Sensvveiler. 153 

die yseu iiffschlagen und wyseu dem duomprobst halb so vil; des 
sail mau ime die kost geben. 

[10] Item wyseu die syndscheifen: were eyner ungehorsam 
und das geystlich gericht des heiligen synds vorachtet und un- 
gehorsam werC; desglychen frevenlich wort brucht oder gebe, 5 
wann das geystlich gericht beheget were, so wysen sie vor eyn 
buesse 9 d. und eym syndscheffen noch also vil. 

[11] Die syntscheffen holen iren oberhoife zu Jeder^), 

[11] Dies nachgeschriben wysent die syndscheffen 
eympastor vor syne gerechtickeyt und eym clockenner. 10 

[1] Item wysen die syntscheffen von altem herkommen eym 
pastor 6^2 ß vor eyn begreppennys: item 6 alb. vor ,e.yne gedecht- 
nys; item wann er eyns bericht; 3 hllr.; item eyn tornys vor das 
heilige oley; item wann er eym eyn kind deuft, eyn persone 3 hllr; 
item eyn kindbettersgen^) inn zu leyden, 3 hllr. 15 

[2] Item vor dry fragen roren die heilige ehe, dry sester 
wyns; geburent dem pastor zwene sester und den syndscheffen 
eyn sester, von den fragen zu thun, 

[3] Item wann der pastor zwey vor der kirchen zu der heiligen 
ehe zusamen gibt, so wysent die scheffen: machen sie eyn brut-20 
lofft^), so syn sie dem pastor schuldich ejm essen zu geben; machen 
sie keyn brutlofft, so sollen sie dem pastor geben eyn sester wyns, 
item 3 alb. vor eyn kerz und 1 ß vor eyn phar henschen*). 

[4] Item vor eyn loessbriefe wysen die scheffen dem pastor 
zu synera gesinnen und herkommen. 25 

[5] Item wysen die syndscheffen eym pastor vor vehe, das 
man ime fry halten sail, nemblich 9 stück ryndvehes und 16 stück 
cleynfehes; die sail man ime laessen fry gehen und halten; was er 
wyther darüber haet, sail er vorlonen und verhüten. 

[6] Item sail eyn pastor der gemejmen halten ejm beer und 30 
eyn widder und über das ander jare eyn farren; dan der lehen- 
her helt den farren eyn jare und das ander jare der pastore. 

[7j Item wysent die syndscheffen: wanne eyn klockenner den 
daufe ufschlüesset, das man eyn kind deufen wil, so sail ime eyn 
broid darvon werden vor syn lone. 35 

[8] Item wann man eyn gezyde oder jaregezyde thut, sail 
man dem clockenner geben 1 ß oder die kost; gibt man die kost, 
so sail er sich benugen laessen und domit stille stehen. 

[9] Item wann eyn mensche gestirbt, ist es eyn man, geburt 
dem klockenner 5 broid vor luden und die nachtliecht zu legen; 40 


') Idar bei Oberstein a, d. Nahe. 
-) bedderesk =: bettlägerig; hier: Kindbetterin. 

^) Am Rande: „Hochzeitsimbs" von einer Hand des 18. Jahrhunderts; 
Brautlanf hier = feierliche Hochzeit mit Mahl. 
*) Handschuhe. 


154 Erzdiözese Mainz. Nr. 74. 

ist es eyii frawe, gebiirt ime 4 broid, ist es eyn kind, das nit zu 
dem heiligen sacrament gangen hait, geburt ime 1 alb. ^^ 

[10] Item wysent die syndscheifen, das eyn jedes hus im kirspel 
sail geben eym klockenner 1 sommern korns und eyn broid vor 
5syn lone; des syne die syndscheifen fry. 

[11] Item sail eyn klockenner eym pastor die hoiche gezyde^) 

holz hauwen zu der kochen und wanne er backen wil, sail ime 

der klockenner holz hauwen, den oben warm zu machen und helfen 

bereyden und was darzu noit ist; des sail ime der pastor geben 

lOeyne imbs zu den vier hoichgezyden. 

[12] Item sail der klockenner kresem holen und die ostie be- 
stellen; des sail ime die kirch das gelt dar legen. 

74. Send- und Kirch enweistum von Sinimern 

unter Dhaun. 

1517 Okt. 24. 

Simmern u. Dhaun, Df. Rheinpr,, Kr. Kreuznach; jetzt Diöz. Trier. 

Unter Kurtrier, Spezialia in Kircheusachen S. Nr. 31 befinden sich im StA. 
Koblenz folgende Stücke: 

A: SW. von Simmern 1494, in Abschrift des 17. Jährh. in neuerem 
Sprachidiom; Rückvermerk: „Weystumb der sendscheffen zu Simmeren under 
Dhaun betreffend den kircheubauw daselbsten und kirchhoff." — B: Fassung 
desselben von 1517 in gleichzeitiger Niederschrift; auch im Arch Maxim. (Trierer 
StBibl. 1244) Bd. 12, 684. — C: Abschr. des vorigen aus dem 17. Jahrh. in 
neuerem Sprachidiom: Eückvermerk: „Simmerer Weistumb". — D: Ein Bruch- 
stück, von zwei mit der Hand von B gleichzeitigen Händen. — E: Voriges in 
teilweiser Abschrift, von gleicher Hand wie C. 

Gedruckt (mit Auslassungen und Fehlern): Grimm II 147 f. (F; nach B); 
ein kleiner Auszug bei Back, Die evangel. Kirche I 231 f. 

Anno dusent fünfhundert und sebenzehen uif samsdach nach 
der elf dusent junfrauwen dach 2) hait der erwirdige her her Jo- 

löhan Click von Sobernheim als commissarius des hochgebornen 
fursten und hern hern herzog Georgen, pfalzgraffen by Einne, 
buschoff zu Spire, dumprobst des hochen stifft zu Mentz^) etc. ver- 
gunt und herlaupt den sintscheffen ader kirchengelupten der heiligen 
kirchen ader pastorigen zu Semeren under Thunen alle ir wistume, 

20 (wie) sich geburt in dem heiigen sinde der leigen zu wisen, in 

scrufften uf zu scryben und zu behalden in massen wie nach folgt '■^) : 

[1] Item zum ersten wisen wir mit recht und aldem herkommen 

uf uns, so sine zyt erschint, das sine gnade riden wil den heyligen 

a) Diese Einleitung fehlt in F; in A lautet sie: „Diess hernach ist weys- 
tumb der sendscheffen zu Symmeren under Dhaun nach geystlichen rechten 
und altem herkommen uff sie, betreffend den kirchhoff und kirchenbauw, also 
gewiesen und ausgesprochen anno 1494." 


^) Die 4 Hauptfeste im Jahr (Ostern, Weihnachten, Pfingsten imd Maria 
Himmelfahrt). 

■") 1517 Okt. 24. 

-'') Bischof von Speier 1513—1529. 


Nr. 74. Simmern. 155 

sint, so sal er ine dun verkünden zuvor sess vvuchen und drey 
dage**) und mag kommen mit sehendem lialp^) man und pherdeu 
und des nachtes zygen hinder den pastor; der sal ime gütlichen 
thun und sinen perden stallung, hauwe und habern. 

[2] Item darzu sal der clockener rufen den capellanen, sint- 5 
Schelfen, hubluden und kyrchenmeistern''). 

[3] Item der clockner sal dem sintheren bringen licht genuch, 
darby er möge essen und beden; sal die kirch bestellen. 

[4] Item des morgens sal der sinthere mit knechten und perden 
zygen hinder den apt^), also auch genuch. gescbeen. lO 

[5] Item zu^) der zyt, als dem sintheren gelegen ist den 
heiigen sint zu halden und besitzen, sal man zusamen luden mit 
allen docken und darzu sich schicken sintscheffen und ander 
gehörigen, 

[6] Item wir wisen mit recht l^j^ ' schiling stolerechts dem 15 
domeprobst''); ist dem apt halb und der kirchen halp. Item einen 
tornis^} vor slosselrecht, der kirchen zu bezalen. 

[7] Item die gemein besserung 6 albus; gebent die zu Wiler^) 
3 albus und die kirche zu Semeren 3 albus. 

[8] Item ein hantwerksman 2 d., ein buwreman 1 hlr^); item 20 
der moeller sal kommen und sal bringen einen kuchen von aller 
frucht gemacht, der die mole milt, und sal sin eins gemonds^) 
dick und breit und sal auch bringen 2 summer haberen und ein 
hune und sinen hund und sal mit dem sintheren essen. 

[9] Item der smit sal bringen 4 ysen und nagel darzu ge-25 
nuch und ab er wulle mit dem sintheren essen, so sal er bringen 
8 ysen und nagel darzu. 

Unserem gnadigen heren von Mentz^'). 

[10] Item unserem gnadigen heren von Mentz wissen myr zu 
alle dink doppel, 1B\) man undperde, der moller doppelt der smit 30 
doppel, stolerecht doppel, slusselrecht doppel, usgescheiden die ge- 
mein besserung sal stil staune. 


a) Fassung in A stilistisch etwas anders; die Angabe der Verkündigungs- 
frist fehlt hier. 

^) sieben (halb ausgestrichen) A. 

c) den soll der pastor gütlich thun -{- A. 

ti) der uhren oder -\- A. 

o) dem d. — A. 

f) 2 schiling A. 

s) In A reihen sich hier Art. 11 und 12 ein. 

h) Ueberschrift fehlt in AF. 

i) 14 A. 


^) Von St. Maximin bei Trier, der Kollator war (Lorenzi II 453). 
-) Weiler, östl. von Simmern u. Dh., ehedem Filiale, jetzt eigene Pfarrei 
(Lorenzi II 453). 

*) mannsdick; vgl. SW. Hausen Abs. 12, oben S. 136 i. 


156 Erzdiözese Mainz. Nr. 74. 

Von der kirchen»'). 

[11] Item von dem buwe der heiigen kirchen wissen ^nyr dem 
apt von sant Maximin die abesyt zu iü buwe und ine dach zu 
halden. 

[12] Item die ander syt dem kirspel in buwe, in dach; item 
öden kerner dem kirspel in buwe, item die rinkmure umb den 
kirchhoff dem kirspel, item den torn der gemein in dach zu halden, 
item den köre dem pastor in dach zu halden, item die docken 
dem kirspel, item die seile an den docken dem clockner zu^), 
item das fronemisbuch dem apt zu, item das bedebuch der kirchen 
10 zu, item das daufbuch dem pastor zu, item die ampel vor dem heiigen 
sacrament dem apt von sant Maximin halp zu, das ander deil 
dem pastor. 

[13] Item°) wir wissen^) dem apt zu den farren und den 
bere, dem kirspel ein genüge zu thun ; item dem pastor wisen 
15 wir zu halden einen widder und einen ganzen. 

[14] Item wir wisen dem pastor ader pharhere kein fehe fry 
ader ledig zu gan®). 

a) Ueberschrift fehlt in A; in F fehlen Art. 11 und 12. 

b) item die seile-zu — A; dagegen ist hier eingeschaltet: item 1 giilden 
20 weysen wir dem pastor vor Hecht dabey zu beten ; bezalt die kirch. 

ß) Art. 13—16 fehlen in A, dagegen beginnen damit DE, welche ausserdem 
folgende Artikel enthalten: 

[a] Item wir wysen dem clockener, der da ist oder zu gezeyden werden, 
zu von eym edichem wanhafftigen in der parken zu Semeren eyn broit und eyn 

25 sichling körnen oder vor die sichling eyn Va summer koren und die sichling 
auch, die da segent in Semer gemark. 

[b] Auch erkennen wir gehoirt von unseren alteren, wie daz der apt von 
saut Maximin ^) und der pastor belichent und begabt haut das clockampt mit 
zweyn cleynen zenen, genant korenmoyl under Plack wege gelegen, den anderen 

30 by Cluss Felss ; davon sal eyn capellen sant Anthonii geben eym clockener eyn 
malder koren zu winachten nach inhalt eyns brieffs. 

[c] Item den hindersesser sal man erkennen, der da halt eyn entlent huss ; 
gibt alleyn dem pastor zhenen was er zugt im huss stellen. [Das Folgende fehlt 
in E]. 

35 [dj Item alle newe broch, die da in 30 jaren keyn fVucht hant gedragen, 

wysen wir den zhenen dem pastor alleyn zu das erst jare, so insgesait ist, ess 
sy gearbeyt mit dem pluch oder mit der hau wen oder hespen. 

[e] Item die clockenseyle wisen wir eym clockener zu. 

[f] Item der clockener der sulle beslissen das heyligen sacramentshussgen 
40 und den dauf und die ampel machen buren. 

[g] Item zu berichten eynen menschen im huss geburt dem priester 2 d.; 
item zu berichten in der kirchen geburt dem priester 2 heller; item vom heyligen 
öligen geburt dem priester 1 schiling; item von dem sacrament der heyligen ee 
geburt dem priester eyn omber, eyn kerze, 1 par hentschen und das opper. 

45 [h] Item obe eyns wolt anders wohin ghen und griffen zu der heyligen ee, 

so ist schuldich die grabeley 7^j^ schiling. [Damit schliesst D.] 

'1) -f- DE: nach dem der apt und pastor nement den zhenen groiss und cleyn. 
e) -j- DE: sonder eyn zyt gutlichen verdragen; also mag er halden schaff 
in syme stalle, davon eyn jare ^J, malder koren geben und 3 koAve fry und 
50 3 swin fry. 

^) bei Trier. 


Nr. 74. Simniern. 15? 

[15J Item die jhene, die da sint von den jaren des heilgen 
olys, sint grabeleyde^) schuldich l^j^ schiling. 

[16] Item von der^) fyrbruch ist eim gemeinen man 20 d. 
und eim sintscheffen doppel; der jungst under den sintschetfen sal 
ins uf heben '^) und der kirchen geben zwey deil und den sint- 5 
sclieffen das dryt deil. 

Von zenen''). 

[17] Item*) wir wisen von fruchtzenen, das ein ycklicher, 
so er sin frucht gesneden hait, sal an eira an binden und wo er 
ussbint, sal er an zelen und wan er hune hait, sal er die zentio 
geben dem zenner und ob er etlicli über het, sal er in eim anderen 
fälle'') an zelen und ob er kein me das jare zu binden het, sal 
er geben von den obereutzichen nach anzahl uf siner seien beheltenus. 

[18] Item^) wir wisen: von winnezenen sal ein ycklicher 
geben das zent deil; hait er legel/boden, kobel ader ander ge-i5 
fasse, sal er geben das zent deil. 

[19] Items) wir wisen: eppeln, beren, was postobs ist, sal 
man geben das zent deil uf seien beheltenus. 

[20] Item wir wisen von nussen das zent deil auch auf seien 
beheltnus eim ycklichen. 20 

[21] Item wir wisen von kappes^) die zent zyle zum nesten 
an zu zelen zu seiner zyt. 

[22] Item wir wisen von ruben die zene rüde, auch zum nesten 
an zu zelen zu syner zyt. 

[23] Item^') wir wisen: von hauwe sal ein ycklicher geben das 25 
zent deil ungeverlich uf sine seien beheltenus. 

[24] Item^) wir wisen: von kelberen sal ein ycklicher geben 
von eim kalbe einen pennink. 

[25] Item wir wisen: von ferkelen sal ein ycklicher geben 
von zehen eins, von eim swinne zum anderen zu zelen. 30 

[26] Item'') wir wisen von lemberen das zent lamp und sal 
der heuptman der lember eins vor abnemen und darnach der 
zener eins nach dem das best und ob er über het und kein schaffe 
me halden weit, so sal er von sehen eins geben und sollen die 


a) die DE (statt „von der"). 

i>) sal die pene ufheben DE; und-deil fehlt dort ganz. 

c) Die üeberschrift fehlt in AF, der Passus überhaupt in DE. 

ö) Art. 17 — A. 

0) felde C. 

f) Art. 18—23 fehlen in F, Art. 18 auch in A. 

s) Art. 19 — 22 sind in A einfacher stilisiert. 

ii) Art. 23 kommt in A vor 19. 

i) Art. 24, 2.5 - A. 

^) Art. 26 in A wieder kürzer gefasst. 


') Begräbnis. 
-) Weiaskraut. 


158 Erzdiözese Mainz. Nr. 75. 

zeiien lember gehaben werden echt dage vor sänt Walperdach ^) 
ader echt dage darnach und die zenen lember halden sunder schaden 
der armen lüde. "^ 

[27] Item^) wir wisen: von hunkelen- ader haneuzenen sal 
5 ein ycklicher geben von einer ycklicher klucken ader hüne einen 
hauen, so er sie hait, ader ein heller und mach den leberen dem 
zener, so er kan faren uf einem drybeinigten stule^). 

[28] Item^) wir wisen, das ein ycklicher, er sy here wo er 
woille, der in Semer gericht setzet, ess sy was frucht das woil, 
10 sal er geben dem clockener zu Seraeren ein garbe, was frucht er 
hait, gelich den anderen nachberen zu Semeren. 

[29] Item'') wir wisen mit recht, dass die zenner sollen und 
mögen den zennen kappes und ruben hauwen und graben nach 
sant Michels dach, wanne in gelegen ist. 
15 [30] Item wir wisen mit recht die zennen rüde der rechten 
messeruden lank und ob sie zu lank were, sal man sie kurzen, 
11 f das der zenen recht werde ^). 

75. Send- und Kirchenweistum von Sobernlieini. 

15. Jahrh. 

Sobernheiai, St. Rheinpr., Kr. Kreuznach; jetzt Diöz, Trier. 

Abschr. unter den Archivalien der Stadt Sobernheim, Pap. 2", verwahrt 
im StA. Koblenz, Sobernh. Urk. 27. 

Ungedruckt (als Ganzes) ; bis zu dem Eid (Abs. 21) in moderner Fassung 
von Stramberg im „Ehein. Antiquarius" Mittelrbein III 17 (1870) 610—613; 
ein kurzer Auszug bei Back, Die evang. Kirche I 232 f. 

Diss ist das wisthum der sentscheifen zu Sobernheim, nach 
altem herkomen uff sie bracht. 

20 [1] Item zum ersten der heiigen sent beroren, wan der sent- 
herre komt und rügen will von unsers herren des thumprobsts ^) 
wegen, so soll er komen mit sieben [thalb]*^) mannen und siebent- 
halb pherde, dass halbe phert sali eyn mule sin; und so der sent 
zwyfaltich ist, sal er noch so vil mannen und pherde bringen und sal 

25 des abents mit erst zeyhen uff des pastors costen zu Sobernheym; 
dar zu sal komen der pherner mit sinen capellanen und sin 
glockener und sollen bringen eyn füre an rauche und sollen mit 


a) Art. 27 in A auch in kürzerer Fassung. 

b) Art: 28-30 — A. 

c) Art. 29 und 30 in B von gleichzeitiger Hand nachgetragen. 

ii) In A heisst der letzte Art.: „Item von biehnen weysen wir den zehenden 
biehn zu geben." 

e) Im Orig. steht sieben; es muss wohl siebenthalb heissen. 


1) 1. Mai. 

'-) Zur Kennzeichnung des Alters von Zinshähnen findet man in den Weis- 
türaern öfter diese Bestimmung: er soll auf einen {dreibeinigen) Stuhl springen 
können; vgl. darüber bei Grimm, Rechtsaltertümer I* 135. 

") Von Mainz. 


iSFr. 75. Soberniieim. 159 

yem essen zu nacht. Item sollen auch komen die zween burger- 
meister und ir buttel und sollen bringen eynen wissen becher und 
eynen bansester^) wins und soUent mit yem essen des abents. 

[2] Item, des morgens sali der sentherre zychen uff den lehn- 
herrn^) der phar und wan der sent ine der kirchen gehalten, be- 5 
sessen und ussgeracht hat, so sollen komen der pherner mit sinen 
capellanen und glockner, kirchenpleger und sentscheffen und sollent 
mit yem zu morgen essen; das bezalt der lenherre wie obge- 
schreben stett. 

[3] Item furter wan der sentherre begfert zu wissen der kirchen 10 
recht und herlicheit und wie die inn bawe gehalten werden sollen, 
wiset man den chore und das fronebuche^) dem pastor, ob darvor 
gebreche were, solichs zu versorgen und inn buwe zu bestellen und 
zu halten. Dem lenherrn wiset man den buche der kirchen und 
das daufbuch, den zu buwen und inn buwe zu halten. Den glocken- is 
torn, die absitten, die mure umb die kirchehoif, den kirnther, die 
glocken und seile wiset man der stadt zu, die zu bestellen und 
inn buwe zu halten. 

[4] Item den fronekelche, messengezürde und was zum frone- 
altar gehöret, sali die kirche bestellen und den altar beleuchten ; 20 
das heyige sacrament sali die kirche beluchten; so sali der pherner 
und glockner das sacramentshussgin und den dauf beslissen und 
versorgen. 

[5] Item furter uff frage des sent(h)errn von den huffschmeden 
und mulner wiset der sentscheffen, dass eyn iglicher huffsmedt mit 25 
sinen knechten komen sali des morgens und sali bringen vier ysen 
und negel darzu gehörnt, mit yem essen und wan der sent zwy- 
faltig ist, so ist iss noch so vil. 

[6] Item der molner sali komen mit sinen knechten und bringen 
eynen hunt mit eynem äugen und von iglichem ussraide eyn sidmerso 
habern und eyn hune und mit yem essen und wan er zwyfaltig 
ist, so ist iss noch so vil. 

[7] Item furter wisent die sentscheffen der staidt 18 Schilling 
heller zu geben dem sen therm vor die gemeyn wette und dar 
umben das die gemeyn nit zum sende gedrungen sin, auch eyne 
torns vore den slussel und wen der sent zwyfeltig ist. so ist iss 35 
noch so vil. 

[8] Item uf frage, wie die pastore und lenherrn die mannen 
und pherde des sentherrn in koist und futern gehalten solle, wisent 
die sentscheffen die manne und den ihenen, den mit yen geburt 
zu zeren, sollen sie genug thun und den pherden hauwe und futter 40 
zu irer noittrufft geben. 

') d. i. einen Bester Bannu'ein ; Stramberg bemerkt dazu S. 610\ ein 
Bester sei soviel wie anderswo ein Viertel. 

-) Stramberg setzt Zehntlierr und meint, das Lehnherr des Orig. sei 
ungewöhnlich; aber Lehnherr ist der patronns. 

"') Die ganze Korabination Strambergs S. 611-, als ob hier das Sakra- 
mentshäuschen gemeint wäre, ist hinfällig; das fronebuch ist das Messbuch. 


160 Erzdiözese Mainz. Nr. 75. 

[9] Item den cleynen zehenden beroren, wisen die sentsclieffen 

mit recht, das die herrn vom Berge ^) alle vaselvehe bestellen 

und halten sollen der gemeyn zu Sobernheym "^nit nanien stier, 

eber, widder, ganzen, entrechten, so dass die gemeyn keyn dag 

Sdorfe foren me geverde. 

[10] Item sollen die zehenherrn von eynem kalbe dry heller 
zu zehende heben. 

[11] Item von lemmern, woe derselben woeren [sieben]«-) oder 
zehen, sollen die herrn eyns von heben mit solichem underscheyde, 
10 wan der arme, dess die' iemmer sint, sali eyns zuvor ussnemen 
und dan der zehender auch eyns mit dem gesiecht ungewicht und 
unbetast und hette der arme brüst 2) an der zale zehen, so sali 
man daruif geben, das yem sin vollen werde uff eyn ander zitt. 
Hette aber der arme man under sieben lemmern, so sali er von 
15 eym lamme eynen phennig geben. Auch sali er von eym ziegel 
oder bockgen geben eynen phennig als von eynem lamme. 

[12] Item von ferkeln, gensen oder enten, woe der sieben 
weren, sali man eyns von geben und furter daruff zelen, biss das 
von zehen eyns gehoben wirt alles ungeverlich. 
20 [13] Item furter wisent die sentscheffen, das man den lemmer- 
zehenden sali heben uff sant Philips und Jacobs tag oder Wal- 
purgis^) oder vertzehende tag darnach an geverde. 

[14] Item alle obgeschreben stuck wiset man mit recht uff 
eyn capittel. 
25 [15] Item mit dem etzfutter wiset der sentscheffen, was geetzt 
wirt vor Johannis baptiste*), darf man nit verzehenden; was dar- 
nach blibt, sali verzehendt werden. 

[16] Item von ungeposthem obichs gibt man keynen zehenden. 

[17] Item^) rübinzehen sal man geben zu rechter zit; sal man 
30myt der rutten abeschlagen und der zehen rüdt dem zehender 
geben, desglichen den cappes der zehen zil abezelen und dem zehen- 
der geben. 

[18] Item was der man yem garten erbuwet mit dem karsth, 
iss sie zwebelen, knoblauch, petersilge, lauch, krut oder des 
Soglichen, wess der man in sym huss brucht, sali er auch nit ver- 
zehenden, 

[19] Item diss obgeschreben sali man mit lauben des sent- 
hern redden. 

[20] Item wo irthume zwischen phernern und sentscheffen ent- 
40stune umb ej'-nen glockner, so halt die gemeyn darzu zu redden; 

a) Fehlt im Orig. 


1) Disibodenberg (s. oben St. Julian S. 136"); dem Kloster ward wohl schon 
unter Erzbischof Willigis die Pfarrei übertragen (Lorenz! II 440). 
"-) Gebrechen. 
^) 25. Juli bezw. 1. Mai. 
*) 24. Juni. 
"■•) Dieser Absatz ist von andrer gleichzeitiger Hand nachgetragen. 


Nr. 75. Öobernheim. 161 

dar umb ist eyn kirchenmeister von der gemeynde wegen gekorn 
und muss gehorsamkeyt erzeigen. 

[21] Item eyn igliches hussgesess gibt den glocknern eyn glock- 
breit zum jair ussgescheyden die seutscheifen. 


Dis'') ist der eyt und gelebde, die eyn igliciier 5 
seutscheffen sol und muss thun. 

Item ewber den eyt und gelebde; die er vormals der stat, 
seynem leiphern oder amptleuden in der weltlichen hant gethan 
liait, so swyrt er zu gott uff das heylige ewangelium yn die geist- 
lich hant und gewalt, dem sent von herkomen gewonheit. dem 10 
pferher an stat und ende meynes gnedigen herren von Mentz, 
seyner gnaden official, meinem herreri dem thumprobst und seinem 
official, seiner pfarkyrchen und in zymlichen gebotten und ge- 
heyssen der obgenanten, dem geistliche senthern underthenig und 
gehorsam zu seyn, getrewe holdung zu zemlichen geistlich gebotten lo 
und Sachen, yren dingen und der kirchen zu gotlichem dinst yn 
allen yren gewerken zu waren und schaden verkomen und ver- 
meyden, als ver^) als er kan oder vermach nach billigkeit und 
verliehen, nach herkomen, uff zeit, zyl und ende; so der gemeyn 
sent der leyen alhie zu Sobernheim ist, hylfen mit ander synen20 
zu gehorden zu uffenbaren, senden und straffen helfen; alsdan, 
so der selbe sent ist, in halten und yn gebitten; auch der kirchen- 
gutter, rent oder gult der selbigen der kirchen zu stehent hylfen 
hanthaben und zu notz der kirchen gebruchen, auch ander, was 
der senther yn vorhelt, forderlichen hylfen hanthaben, schaden 25 
uffenbaren und zu verkomen und ubels forwenden, das es gestrafft 
werde, so ver er kan und vermag, auch rent und gult der kirchen 
zu stehend nach gebot des pferners von der kirchen wegen, wan 
es an yn kompt, ynuemen, ussgeben als wers seyn eygen gut, und 
die ierlich verrechen und genung thun, als er hoft't von gott und 30 
seyn lieben heyligen rechnungen darumb thun am junchsten tag 
und hie zeitlich seynem eyde und gelebde genungthun, und sollen 
auch feyerrwe rewen^) dem pferner, so er an yn geheis, auch zu 
versweygen als das yn der heymlichkeit gehandelt wirt, kirchen 
oder rewen antreffen, nit zu uffen weder weibs noch kinde noch 35 
keynigem menschen uff ertrich. 

[23] Diss^) ist durch anlengen etlicher von Monster 3) zu 

Sobernheim von den seutscheffen erkent mit recht uff eyn capittel. 

ja] Item zum ersten zu bestedichkeit der ee und inn zu leyden, 

a) Der Eid ist von dritter gleichzeitiger Hand nachgetragen. 
L») Hier beginnt wieder die Handschrift der ersten Hand. 


^) soweit. 

-) Wohl: die Eugen auf Feiertagsverletzungen vorbringen (rügen); vgl. oben 
Nicrstcin Abs. 19: fyerbrüche. 
•'') Münster a. Stein. 

Kooniffor, Sonrlquellon. 11 


1(32 Erzdiözese Mainz. Nr. 75. 

soll es also gelialden werden : wan zAvey zusamenkomen, das eyn 
magt ist, die sint eynem pherner schuldig eyn halp punt wachs 
vor eyn kerz und eyn phar hantsclme oder sess pennige darvor und 
nit mehe; sint es aber personen, die beyde vor in der ee gewest 
5 sin oder eyn widdefrawe mit eynem knecht, die sint nit mehe 
dan eyn pare hentschue oder sess pennige da vor schuldig. 

[b] Item were es, das eyner griff zu der heyigen ee und 
wuorde in der pharren, da es hynphart, ussgeruffen und in eyner 
ander pharren wolt ingen, das sali gesehen mit wissen und willen 

10 des pherners, da es uff gebotten wirt und eyn brieffe von yem zu 
dem andern pherner forderen und nemen und yem geben zuvor 
15 Schillinge heller und von dem briefe 3 albus geben, wie es mag 
syns leybs mit yem uberkomen, 

[c] Item von teufen und frouwen in zuleyden von iglicheni 
15 geburten 3 heller und nit mehe. 

[d]; Item ob dem pherner oder der Idrchenmeister noit ist zu 
clagen an der kanzelen, so ist die erst clag 3^2 Schillinge heller, 
die ander 7 Schillinge heller, die dritt 14 Schillinge heller, die 
insatzunge 28 Schillinge heller. 
20 [e] Item soliche pene : syn die gutter also gutt, so mag man 
solichs uff heben, sin sie aber nit so gutt, so habe man mitleyden ; 
so aber die pene gefellet, so geburt dem pherner eyn drytteil und 
das zweyteyl den sentscheffen. 

[f] Item dye ruwe und pene von der frykirchen: der bruch 
25 ist 30 heller; die wirth auch also getheylt dan alleyn, dass der 

pherner, so sie geruwet werden, furter straffen an wahs zu luchtsell 
in die kirche so hoch als der pherner vermeynt, noit syn zu straffen. 

[g] Item were eyns, das synen eitern oder sust yemant lassen 
gedenken wolt an der kanzelen eyn jair lang, der ist schuldig eynen 

30 gülden oder 24 albus vor den gülden eynem pherner. 

[h] Item eyn mensche, das da halt entphangen das heylige 
oley und iss stirbt, ist dem pherner schuldig 5 seh. heller minus 
3 heller zu grabley^) und wollent die frinde, das der pherner soll 
zu dem grabe gen der drissich tagen alle tag, da von soll man 

35 yem geben 3 seh. heller. 

[i] Item auch die menschen, dye da noch jung were und *doch 
das sacrament in synen tagen, so es gesunt was, hett das sacra- 
ment entphangen, das ist auch dem pherner fünf Schilling heller 
minus 3 heller zu grabley schuldig und das inn syner krankheyt 

40 zum ersten das sacrament entphayt und stirbt, da von ist man 
dem pherner nust schuldig. 

[k] Item eyn mensche, das da stirbt, wan man will, das man 
es hole und leyte zu der grabley uss synem huss zu der kirchen, 
da von geburt dem pherner eynen wispennig; sint die cappellan 

45 mit yem, gibt man iglicheni eynen Schilling heller und dem scliul- 


') Beerdigung. 


jtr. 76, 77. tiieisberg, Künsctweiler. 163 

meister aucli eynen schillino: heller, und will man viel begenkniiss 
haben, doit, siebende und drisigsten zu begen, da von ist man dem 
plierner sunderlich zu thun und schuldig. 

[1] Item eynen brieff zu geben, anderswoe zu kirchen zu ge- 
lienne, ist man dem pherner da von schuldig achthalben Schilling 5 
heller als were iss doit verlipt; iss aber in syner pharkirchen und 
synt beyde liddig gewesten, so ist er die hentschuwe und sie die 
kerz oder drey wispennige; ist sye alleyn ledig und vor eyn 
jungfrauwe, so gibt sye dye kerz und ist er eyn witwe, so gibt 
er nichts; ist sie aber eyn witwe und er eyn knecht, so gibt syeio 
nichts und er die hentschuwe; synt sie aber beyde witwen, so gibt 
iglichs eyn swarz hune. 

76. Kirclieiiweistiiin von Tlieislberg-Stcgen. 

. 1543 Mai 20. 

Theisberg-Stegen, Doppelort Rheinpf., BA. Kusel; jetzt DiÖz. Speier. 
Abschr. des 16. Jahrb., 2 Pap.-Bl. 2", KrA. Speier, Weistümer (zit. Mayr- 
bof er-GlasschrÖder , Pfalz. Weist. 37). 
Ungedruckt. 

1. Kollatoren sind die Herren von Blicken (Lichtenberg)'). — 2. Der 
Pastor baut und imterbält den Kirchenchor, die Kollatoren den übrigen Teil der 
Kirche ; die Pfarrgemeinde leistet dazu Dienste. — 3. Glockenturm, Kerner, W 
Ringmauer, Kircheneisen, Glocken und Seile bestellt das Pfarrvolk. -— 4. Dem 
von den Kollatoren erwählten Pastor baut, das Kirchspiel den Pfarrhof ; dieser 
soll ihn in gutem Bau halten. — 5. Der Pastor bestellt Gebetbuch, Bibel j Mess- 
uud Gesangbuch kommen den Kollatoren zu. — ö. Grabgeschirr schafft das 
Pfarrvolk an. — 7. Der Ertrag der Bäume im Kirchhof gehört dem Pastor 20 
halb und halb den Brudermeistern und den anderen Kirchengesellen. — 8. Zehnten-: 
von 10 Lämmern und 10 Ferkeln je 1, von 10 Immen 1 oder 6 dl, von 1 Kalb 
1 Heller, von 1 Zicklein 1 Ei ; die Zehntnehraer müssen dafür das Faselvieh 
halten, — 9. Zur Beleuchtung der Kirchenampel gibt der Pastor 1 Teil, die Herren 
von Blicken 2. 25 

Diözese Metz. 

77. Kirclieiiweistimi von Nüiiscliweiler. 

1606. 
Nünschweiler, Df. Eheinpf., BA. Pirmasens; jetzt Diöz. Speier. 
Abschr. de anno 1606, KrA. Spcier, Abt. ZweilDrücken I. Fasz. 1179. 
Ungedruckt, 

1. Die 7 Kirchenschöffen, deren Wahl durch Pfarrer, Kirchenschaffner und 
die vorhandenen Schöffen vorgenommen wird, halten alle Jahre in der Oster- 
woche, wenn ihnen der Pfarrer den Imbiss zu geben hat, ihr Weistum; dafür 
erhalten sie vom Kirchenschaffner 4 Mass Wein. — 2. Die Kirchhofsinauer 
wird gebaut und ausgebessert von den Orten, welche dort ihr Begräbnis haben 30 
(Mühlbach, Eschweiler, Hengsberg, Windsberg, Walshausen, Nünschweiler) -). — 
3. Den Kirchen Vorbau unterhalten die nämlichen "Orte, — 4. Dem Kloster 


') Ein 1575 ausgestorbenes rhcinländisches oder elsässisches Geschlecht. 
-) Höhmühlbach nordöstl., Höheischweiler östl., Hengsberg östl., Winds- 
berg südöstl., Walshauson südw. von Nünschweiler. 

11* 


164 Diözese Metz. Nr. 78. 

Hornbach obliegt die Baupflicht am Kirchenbauch. -- 5. Der Pfarrer hält Turm 
und Chor in Stand. — 6. Das Dachwerk der Press- (Sakristei) oder Nebenkammer 
unterhalten die Brudermeister, jetzt der Kirchenschaffner. — 7. Der Pfarrer be- 
zieht von genannten Orten wie auch von Bottenbach und Dellfeld') den Ferkel- 
5 zehnt ; holt er die Tiere nach 9 Wochen und dreimaliger Mahnung nicht ab, 
so soUen sie in einen Sack gesteckt und auf dem Kirchhof losgelassen werden. 
Nimmt sie von hier der Pfarrer, gehören sie ihm; laufen sie wieder heim, ge- 
hören sie dem Bauern. — 8. Die Baüpflicht am JPfarrhaus mit Nebengebäuden 
obliegt der Pfarrgenieinde. — 9. Der Pfarrer ist schuldig Widdumsgüter und 
10 -hof in gutem Zustand zu erhalten. — 10. Er hat auch die Kirchengüter gegebenen- 
falls zu begehen, zu weisen und auszusteinen. 

78. Send- und Kirchenweistum von Tetingen. 

1448 März 10. 
Tetingen, Df. in Lothringen, Kr. Bolchen. 

Orig. Perg.-Urk. mit Notariatssignet, StA. Koblenz, Bist. Metz, Stift 
S. Arnual IX Anhang I 3. 
Ungedruckt. 

[1] In nomine domini amen. Tenore presentis public! instru- 
menti cunctis pateat evidenter et sit notura ec. Anno a nativitate 
eiusdem domini millesimo quadringeutesimo quadragesimo octavo . . . 

I5in mei uotarii publici et testium infrascriptorum ad hec specialiter 
vocatorum et rogatorum presentia, personaliter constitutus hono- 
rabilis et discretus vir Conradus de s. Wandalino, decanus et 
canonicus ecclesie collegiatae s, Arnualis de s. Arnuali, Mettensis 
diocesis^) hora decima vel quasi post missarum solemnia visitavit 

20 ac celebravit sinodum sanctam in capella sua in Thedinga sibi 
ratione sui decanatus pertinente et subdita in presentia scabinorum 
sive sinodalium dicte capelle sue nee non totius tarn virorum 
quam mulierum ad antedictam capellam pertinentium et ad hoc 
tribus monitionibus prius in cancellis diversis dominicis diebus, ut 

25 decebat, sub pena obedientie specialiter vocatorum in primis si- 
quidera ibidem interrogando de diversis ad divinum cultum neces- 
sariis et pertinentibus dixit et petiit, an illa bene observabantur (!) 
ibidem, petiit postea de custodia, illuminatione et servatione sacra- 
mentorum omnium, item super defectibus dicte capelle tarn in tectis 

30 quam aliis necessitatibus, si aliqui essent; item etiam super adul- 
teris, fornicatoribus, publicisque usurariis et aliis diversis, ut in 
sinodo aancta interrogari et visitari consuetum est. Deinde prae- 
fatus dominus decanus quesivit iterum a dictis suis sinodalibus 
per prestitum iuramentum sibi prius publice, ut moris est, per 

35ipsos factum, de dote, censibus et aliis bonis dicte capelle in The- 
dinga pertinentibus et utrum in eisdem aliqua fieret substractio, 
alienatio, usurpatio vel diminutio per aliquem vel aliquos, ut talia 
sive tales personas per prestita iuramenta revelarent et sibi publi- 
carent. Qui quidem sinodales videlicet Eberhardus Sartoris et 


') Bottenbach südl., Dellfeld westl. von Nünschwciler, 
-) Bei Saarbrücken, Eheinprov. 


Nr. 79, so; Tetingen, Münster, Billerbeck. 165 

Henchinus Ortwini, ambo de Thedinga, habita per prius iiiter eos 

matura deliberatione cum tota commuiütate dicte ville, dixerunt 

et deposuerunt in vim iuramenti per eos preistiti etc.: 

[Die öendschöffen bekunden, dass, seitdem der genannte Dekan bezw. 
sein Kaplan der Kriegs-, und andrer Nöte wegen den Widdutnhof nicht hätten 5 
bewohnen können, dessen Güter verpachtet worden seien. Nachdem aber vor 
16 Jahren Ort und Kirche durch eine Feuersbrunst zerstört, aber nach ca. 6 Jahren 
wieder aufgebaut worden, hätte ein Mann namens Henselin von Ebersweiler, 
genannt der Prediger, jetzt in Homburg, Eigentumsrechte an Gütern der Kirche 
(B&nhubers Gut) geltend gemacht, sie derselben entzogen und trotz jährlicher 10 
Mahnung keinen Zins mehr bezahlt. Für das Eigentumsrecht der Kirche zeugen 
die Sendschöffen und die pars sanier der Gemeinde, insbesondere auch ein Mann, 
der vor 20 Jahren selbst beim Zinseinheben dabei war. Die Sendschöffen weisen 
nun nach Beratung mit den Nachbarn aufs neue dem Dekan seine Eechte, ins- 
besondre auch wegen des Hofguts -. Gross- und Kleinzehent, 1 & Pfennige von 15 
einem Wald mit Schweineweide, auf Dienstag in der Osterwoche von jedem Haus 
1 Huhn und 1 Pfennig, jährlich von Seite der Gemeinde eine in ihrem Belieben 
gelegene Summe Sendabgabe, wofern der Dekan den Send nicht halten kann 
oder will.] 


Diözese Münster. 


79. Scndordimng" für die Diözese Münster. 

1616. 

,,Directorium archidiaconalis jurisdictionis in et per civitatem et dioecesim 
Monasteriensem" etc. 1616, in der Bibliothek des Vereins für die Gesch. und 
Altertumskunde Westfalens. 

Gedruckt (in Auszügen): (Anonymus), Die vormaligen Archidiakonate des 
Bistums Münster (westfäl. Teil), im Pastoralblatt der Diöz, Münster 25 (1887) 
99—118. 

80. Sendordnung von Billerbeck. 

18. Jahrh. 
Billerbeck, St. Westfalen, Kr. Koesfeld. 

Aus Schweinslederband, Pap. 2°, „De archidiaconatu in Billerbeck" fol. 2*— 3''^, 
Pf A, Billerbeck (zit. Inventare der nichtstaatlichen Archive Westfalens I 3 S. 3) ^). 
üngedruckt. 

Designatio eorura, quae ante et post synodum Billerb ecae 20 
habendam observari solent, 

[1] Die synodum antecedente in adventu consistorialium domi- 
norum fit solemnis compulsatio et dominus commissarius ante fores 
liospitii sui a congregato ibi clero absque tamen superpelliceis 
rhedam egressus salutatur et a custode claves templi porriguntur. 25 
Commissario hospitium ingresso cleros domum repetit vel, si forte 
invitatus fuerit, comitatur a reverendo domino pastore. 

[2] Porrigitur postea liber baptismalis, in quo baptizatorum, 
copulatorum et defunctorum nomina annotata leguntur. Libri quo- 

^) Der Hochwürdige Herr Propst H. Brinckmann in Billerbeck hatte 
die Güte, mir die Abschrift dieses Stücks durch Herrn Kaplan Beaufays zu 
vermitteln. 


166 Diözese Münster. Nr. 80. 

que baptismales a Darfeidt et Holtliaiisen ^) per custodes transmissi 
consistorialibus porrigiintur, mala aliqua nota ob praematurum vel 
illegitimiim pactum notati a domiuis consistorialibus diligenter 
notantur puniendi; postmodum iurati in priori synodo constituti 
5 crimina promotori deferunt et domini pastores singulariter in synodo 
observanda circa subditos in schedula notata porrigere possunt. 

[3] Die synodi hora octava facta compulsatione clerus ad fores 
templi archidiaconum vel eins coramissarium excipit et dominus 
pastor ibi porrigit aquam benedictam et cum ad chorum perven- 

10 tum fuerit, inchoatur antiphona „Veni sancte Spiritus" et dein 
versus „Emitte spiritum tuum" etc. cum collecta cantatur. 

[i] His factis a reverendissimo domino archidiacono vel pastore 
aut alio sacerdote habetur missa solemnis de Spiritu sancto, in 
qua habetur kyriale paschale. 

15 [5] Missa absoluta a Reverendissimo visitatur sanctissimum 
sacramentum, sacrum oleum, calices et baptisterium ; dein clericis 
in sacristia congregatis, si quis aliquid proponendum aufc con- 
querendum habeat, edicit et postmodum domum petit. 

[6] Pastor vero cum consistorialibus dominis ad mensam in 

20 choro paratam residet et a domino actuario primo iurati priori 
anno constituti tum pro sequenti anno constituendi advocantur, 
quibus in choro existentibus custos Darfeldiensis parochianos Dar- 
feldienses unum post alterum advocat, qui singuli scamnum com- 
municantium circumeuntes, si aliter non interrogentur, ad locum 

25 suum in ecclesia redeunt. Darfeldiensibus absolutis a custode 
Holthusano simili modo advocantur Holthusani parochiani et post 
hos a custode in Billerbeck nominatim advocantur incolae Beer- 
lagenses^). Omnibus advocatis et examinandis examinatis aut 
monitis citantur nominatim et publice a domino actuario propter 

30 crimen aliquod accusati. 

[7] Deinde cantatur „Da pacem, domine" etc. cum versu et 
collecta competente et data a domino archidiacono vel commissario 
benedictione dimittitur populus. 

[8] Interim tarnen zettelarii vulgo dicitur „zettelmänner" ad 

35 altare s. Stephan! quivis domino pastori dat solidum Monasteriensem 
et iurati pro altero anno instituendi in sacristia praestant iurameutum 
fidelitatis. 

[9] In meridie ad mensam apud dominos consistoriales comparent 
domini pastores in Billerbeck, Darfeidt et Holthausen, domini vicarii 

40 et beneficiati omnes, domini provisores ecclesiae Billerbecensis. 
Custodes Interim et ludimagister ad mensam inserviunt et postea 
in separato loco cum organeda et rusticis originareis, scultetis 
Decking et Brinkmann, qui consistoriales Monasterio huc et hinc 
Monasterium vehere tenentur et ideo omni die ex veteri usu, vel 


^) Darfeld und Holthausen, nördl. von Billerbeck. 
^) Berlage, Df. nordöstl. von Billerbeck. 


Nr. 81, 82. Billerbeck, Erasigerland, Ijoppersum. 167 

abusu nescio, raensam liabent, cum vogteto quoqiie archidiaconi 
et illins famulo esculenta sumunt. 

[10] Post meridiem liora secunda ob crimen de iiiane ab 
actuario citati comparent. Dein sub vesperum iiirati ex burscliap- 
piis Billerbecensibus et urbe criniina punienda, in qnantum sciunt, 5 
proraotori fideliter deferunt. Ad mensam vespertinam non comparent 
clerici. 

[11] Secunda die synodi hora octava dominus commissarius ad 
fores ecclesiae a clero sicut prima die excipitur et aqua benedicta 
a reverendo domino pastore porrigitur. Dein in choro „Veni sancteio 
Spiritus" etc. cum versu et collecta. Missa de Spiritu sancto habita 
clerus in sacristia porrigit registra vicariae aut beneficii et si quid 
dominus arcMdiaconus proponendum aut corrigendum in dero habet, 
proponit et corrigit. 

[12] Clero tum dimisso pastor et domini consistoriales mensaeiö 
sicut priori die assident et in advocatione parochianorum omuia 
observantur sicut die praecedenti. Ad mensam iterum comparet 
clerus et heri nominati; custos et ludimagister mensae inserviunt. 

[13] Post mensam comparent hora secunda apud dominos 
consistoriales illo mane nomin atim ob delictum citati. 20 

[14] Tertia die hora octava habentur rationes ecclesiae et a 
domino commissario et .simul congregatis dominis proprietariis et 
consulibus provisoribus et excipiunt, et si quid statuendum sit ab 
archidiacono eiusve commissario, statuitur. 

[15] Nota quod non omnes cives secunda synodi die, sed loco25 
civium magistratus urbis in ecclesia sistere se debeant. 

[16] Nota secunda quod tertia die ad mensam clerus non 
compareat nee custodes mensae inserviant. 

[17] Nota tertia quod in regressu archidiaconi hie a clero ad 
rhedam reducatur et iterum fiat solemnis compulsatio. 30 

81. Sciidordnimg des Emsig eiiaiidcs. 

15. Jahrh. 

Erasigerland, nördl. der Wesermündung. 

Gedruckt: Frh. v. Richthofen, Fries. Rechtsquellen 1840, 248— 257 (fries.)'). 

82. Scndl)ricf roii Loi)i)crsimi. 

1424. 
Loppersum, Df. im Fivelgo, westl. der Emsmündung, Prov. Groningen. 
Gedruckt: Frli. v. Richthofen, Fries. Rechtsquellen 1840, 312—315 
(niederdeutsch)-). 


^) Ueber die Quellen ebenda XVII. 

-) Kürzere „Sendbriefe" (Einzelverträge zwischen den Seudherren und den 
Landdistrikten): SBr. der Brokmer (Umgegend von Aurich) 1253 (lat.), Richth. 
S. 138; SBr. von Farmsum 1325 (niederd.), Richth. S. 292—295; SBr. von 
Fivelgo 1406 (niederd.), Richth. S. 309; SBr. von Fivelgo imd Hunsingo 1407 
(niederd.), Richth. 311 f. — Vgl. sodann die Zusammenstellung noch andrer 
SBr. bei Richthof en, Fries. Rechtsgesch. II 994—998. 


168 Diözese Paderborn, Pomesanien, Speier. Nr. S3, 84, 85. 

Diözese Paderborn, 

83. Scndordiiuiig' für die Diözese Paderlborn. 

1676. 
Für die Diözese Paderborn hat Laurentius DriptO. S. B., Generalvikar 
daselbst, ein ,,Speculum arcbidiaconale" (Neuhusii 3676, in 8°) verfasst. Darin 
wird ausführlich der Verlauf des Sends in Verbindung mit der allgemeinen Visi- 
tation geschildert, dessen Kompetenz erörtert, ein Formular für den Sendeid und 
für ein Berufungsmandat angegeben. 

Diözese Pomesanien. 

84. Seiidfrageii für die Diözese Poinesanicii. 

15. Jahrb. Ende. 
Aus einer alten pomesanischen Handschrift. 

Gedruckt: H. F. Jacobson, Gesch. der Quellen des kath. Kirchenrechts 
in Preussen, 1837 S. (261—265). 

Zunächst kommt ein „Inquisitorium in visitacione episcopi vel sui com- 
missarii . . . circa clericos facienda". 

Dann: Forma inquisitorii laycorum. Inquisitorium in visitacione episcopi 
vel sui commissarii necessarium et principaliter super omnibus vel causis ecclesi- 
5 asticis, super quibus iudex ecclesiasticus habet corrigere et iudicare in parochiis, 
qiierltur et respondetur a laicis non solum de hominibus in ipsa parochia con- 
stitutis, sed eciam de parrochiis vicinis et eciam de personis et locis quibus- 
cunque intra dyocesim Pomezaniensem'). 


Diözese Speier. 


85, Sendweistum von Bornheim. 

16. Jahrh. 

Born heim, Df. Eheinpfalz, BA. Landau. 

Aus dem Seelbuch des PfA. Bornheim, 16. Jahrh., fol. 32, losgelöst von 
den übrigen 31 Bl. (zit. Archiv. Zeitschr. NF. 10, 145"). 
Ungedruckt. 

Altlierkommen, gewonheit und sprach, so die kierchengesch woren 
10 und die gemeynde zu Bornheym vor dem declian in dem send von 
des erwurdigen und edlen hern domprobsts von Speyr wegen ge- 
halten wurd, sprechen. 

[1] Zum ersten sol man unsern erwurdigen hern dhomprobst 
gehorsam sein. 
15 [2] Zu merken das man dem dechan von des dhomprobsts 
wegen gibt 2 ß werungsheller und V2 virteil weins ongeverlich als 

^) Ein Mandat des Bischofs Johann von Pomesanien für den Domherr 
Gerhard zur Abhaltung der jährlichen Doppelvisitation in 8 bestimmten Orten 
der Diözese dd. 1400 Sept. 20 bei Jacobson S. (266); ebendort S. (267) ein 
Mandat des Bischofs Nikolaus von Samland an den Domdekan und zwei Pfarrer 
zur Abhaltung des Sends (annua visitacio et sinodi laicalis celebracio) von 1443 
März 8, 


Nr. 86, Speier, Dürkheim. 169 

man schenkt zum zapfen und würd der send zu Bornheim, gehalten, 
so giebt man dem dechan die 2 ß Wr. und das V2 ^^^'^^ weyns, 
do er isst, und essen die kirchengeschworen mit im, Weren aber 
edelleudt sesshafftig doselbst, geben pastor und kirchengeschworn 
auch nichs an den 2 ß hlr. und an dem ^/g virtl weins, 5 

[3] Item sein zwo rügen, so nimpt der dechan eine, der pastor 
und kirchengeschworn die ander. Seyn aber dreye, so nympt der 
dechan zwo, der pastor und kirchengeschworn die dritt. 

[4] Item der kirchenbawe betreffend weyst dem pastor den 
eher in dach zu halten, der gemeynde den dhorn und den lehen-io 
hern den bawe in dach zu halten. 

[5] Item die gemeinde sollen glockenseyl kaufen. 

[6] Item weysst man auch der gemeynde den kirchhofe zu- 
befrieden, aber die niederseyt sol halben frieden geben, 

Auscultirt und collacionirt ist dis gegenwertig buchlin durch 15 
mich Leonard Schertlen, bäpstlichs gewalts notarien, concordirt 
und laudt gleychformig von wort zu wort^ item zu item dem 
rechten originalseelbuch sanct Laurenzen kirchen zu Bornheim 
(das ich auch mit meyner eygnen hand geschrieben, ingang und 
iDeschlus desselbigeu ausgeschlossen), das ich mich betzeug mit 20 
dieser mejm er eignen handgeschriefft. 

Leonardus Schertle, notarius, 
in fldem premissorum refert et subscripsit 

86. Send- und Kirch enweistum sowie Sendfragen 

von Dürkheim. 

1488. 
Dürkheim, St. Eheinpf,, BA, Neustadt, 

Abschr. im Zinsbiich der Pfarrei Dürkheim, 1488, fol. 35 — 39; PfA, Dürk- 
heim ^). 

Un gedruckt. 

[I] Diss sint die recht, die man eyme dechan wist im send. 

[1] Zum ersten: So der dechan kompt, sol ein glockener im 25 
ein hant vol liecht bringen in den pfarhoff, das er und der kamerer 
daby essen und beden. 

[2] Item so sol ein pferrer, der zu yeder zyt ist, dem dechan, 
dem kemerer und yrem knecht den abent, als sie komen, und uf 
den mittag am andern tage darnach essen geben und yren pferden 30 
hauwe und futter. 

[3] Item ein kirchenmeynster, der zu yeder zyt ist, sol uf 
denselben mittag bringen ein halb firteyl winss in den pfarhoff dem 
dechan und ob derselbe kirchenmeynster wil, mag er mit im essen. 

[4] Item wisen wir eyme dechan uf yeder mulen zu Dorickeym 35 
ein halb lib. wachs. 


^) Herr Eeichsarchivrat Dr. Glasschröder in München hatte die Güte, 
seine eigenen Abschriften dieser Stücke mir zur Verfügung zu stellen. 


170 Diözese Speier. Ni-, 80. 

[5] Item uf yedem hautwerksmann hie zu •Dorickeym und 
den uffenen wirten jars einen sendpfennig. 

[6J Item wir wisen auch eyme dechan jars dru malter haberns 
hie zu Dorickeym uf dem kleynen zehende und uf yedes malter 
515 dl. und so ess ein schaltjare ist, so wisen wir in sollichen habern 
und gelt zwyfaltig zu geben alles von selben zehende. 

[II] Diss sint die recht von kirchenbuwe und anderer 

notdorft. 

Der kirchengesworn wysung der pfarkirchen zu Dorickeym 

10 ist also bissherer gehalten: 

[1] Das unser here der apt von Schonauwe^) als der pastor 
unser pfarkirchen mitsampt unserm gnedigsten hern pfalzgraven 
den chore und den buch der kirchen durchuss biss an den kirchen- 
thorn mit buwe und anderer notdorft versorgt halten sollen un- 

iSgeverlich^). 

[2] Item die absytten zu beyden teyln der kirchen sol die 
kirch mit buwe und anderm versorgt halten dessglichen kirchen- 
gezirde, kellich, messgewande, bucher und anders in der kirchen 
ungeverlich. 

20 [3] Item den kirchenthorn, glocken, glockenseyle und was der 
thorn begryfft und berurt, auch den kirchhoyff mit befriedung sins 
begryffs sol die ganz gemeynde zu Dorickeym versorgen und in 
buwe halten ungeverlich. 

[III] Diss sint die fragen, die der dechan thun ist an eyn 
25 pferrer yn dem send. 

[1] Zum ersten, ob der pferrer habe sin gesworn alle und ob 
sie unserm hern dem dumprobst gesworn habent. 

[2] Item fragt er auch, ob die kirchengesworn undertenig sin 
oder gehorsam in den rügen und in yren rechenung von der kirchen 
30 wegen und ob sie sollich rent und gude der kirchen in lobe und 
zierung der kirchen mit willen und verhengniss anlegent. 

[3] Item fragt er auch, ob im sin pfarkinder gehorsam sint 
an yrn bichten und ob yemant ungebicht sy und on das hellige 
sacrament das jar gangen sy. 
35 [4] Item ob yemand gebicht habe eyme andern priester on iaube. 

[5] Item ob yemand sy on das hellige sacrament on redlich 
Urs ach. 

[6] Item ob yemand sy, der im oder andern zehendern yren 
zehende furhalt und nit gebe oder yemand sy, der im sin opfer 
40 oder ander recht der kirchen vorhalte und nit gebe. 

^) Ehem. Zisterzienserabtei Schöna« b. Heidelberg. 

-) Von andrer Hand beigefügt: „modo unser gnädiger berr zu Hartenberg" 
(jüngere Linie der Grafen von Leiningen, nach ihrem Stammschloss Harden- 
burg a. d. Hardt, westl. von Dürkheim, benannt; vgl. Brinckmeier, Genealog. 
Geschichte I 39 ff.). 


Nr. 86. Dürkheim. 171 

[7] Hein ob auch die ziiise der kircheii oder andern pfrnnden 
gefallen selten, mit gewalt nit bezalt und fiirgehalten werdent 
oder ob die die korerock bestellen sollen, durch dieselbe bestalt 
werden. 

[8] Item ob auch jemand sy, der in hinder oder yrre in dem 5 
anipt der heiligen messe mit raurmery oder kleppery in der kirchen 
oder uss wendig der kirchen in dem kirchhoffe. 

[9] Item ob yemand sy, der da verkert habe das gottes wort. 

[10] Item ob yemand sy, der da sy gewest in dem bann ein 
jare oder me und ob sin pfarlude gehorsam sint der gebot sinerlO 
obersten. 

[IVJ Diss sint die fragen der dechan thun ist an die 
kirchengesworn im send wie nachstet. 

[I] Zum ersten so mant er die gesworn gemeynlichen uf den 
eyd und den glauben der kristenheyt, das sie nust verswigenis 
wollent umb liebe oder umb forcht in yren rügen. 

[2] Item das sie auch nyemand furbringen und rügen von 
hasses oder von zornes wegen dan sunderlichen umb erfuUung 
gottes lobs und der gerechtigkeyt und auch als sie wollen got dem 
hern rechenung und antwort dorumb geben und thun. 20 

[3] Item ob auch gotlich dinst in der kirchen oder uss der 
kirchen geschee oder vollenbracht werde nach gewonheit und be- 
stedigkeit an messen lesen und zu singen etc. 

[4] Item ob die kirch in redlichem buwe gehalten werde an 
fenstern und andern dingen. 25 

[5] Item ob der kirchhoff wol bewart sy. 

[6] Item ob der dauf wol beslossen sy und das hellige sacra- 
ment bewart sy und auch stediglich belucht werde. 

[7] Item ob auch sie haben eynicherley gebrechlichkeyt an 
ziernng, messgewander, buchern, kelchen und andern, die da ge-30 
horent zu gottesdinst. 

[8] Item ob yemand sy, der Jda geraubt oder gestolii gut ge- 
kauft habe. 

[9] Item ob die reut und zinse der kirchen von yemant uf- 
gehaben und furgehalten werden wider willen der kirchengesworn 35 
und des pferrers und warumb sie nit bezalt werdent. 

[10] Item ob yemant frevelichen gesworn habe. 

[II] Item ob yemant frevelichen und mit gewalt sin haut 
gegen geistlichen personen ufgehaben habe. 

[12] Item ob yemant sin . hende frevelichen gegen sin altern 40 
ufgehaben habe. 

[13] Item ob yemand eynichen gewalt in gewichten und helligen 
stetten begangen habe oder sunst die helligen und gewichten stede 
lesteru oder sehenden mit unkuscheit oder andern unredlichen 
dingen und sunden. 45 

[14] Item ob yemand sin glubde gebrochen habe. 


172 Diözese Speier. Nr. 87, 

15] Item üb jemand sy, der da wone mit der unee. 
16] Item ob etlich sin, die ir ee brechent. 
17J Item ob yemant sy, der gemeyuschalft habe mit uffen- 
baren sundern oder verbanten luden. 
5 [18] Item ob yemant eynichen wucher begangen habe mit 
keuifen oder verkeuffen oder gelt oder ander uf wucher ussge- 
luwen habe. 

[19] Item ob yemant eynich zaubery thnwe. 
[20] Item ob yemant sin fyer nit halte oder den kirchhoif oder 
10 ander hellige stede entwicht habe. 

[21] Item ob yemant sy, der sich in böse samenung oder ge- 
selschaft wieder den glauben misch und den cristenglauben nit 
luter halt, 

[22] Item er fragt auch, was recht ein dechaut hie habe uf 
15 denselben tag von der helligen kirchen unsers hern des dumprobsts 
und sin selbst wegen. 

^23] Item ob yemant verlumot, das er nit reyn sy. 
24] Item ob auch etlich versumeniss begangen und vollen- 
bracht worden in deuffen, beriechten, beoleyen, bicht zu hören 
20 und durch wene sollich versumeniss gescheen. 

[25] Item ob yemant sy, der sin fyer an dem sontage oder 
an andern helligen gebauten tagen mit arbeyten oder gelt ver- 
dienen nit halt. — 

[26] Der artickel sint noch me dan vorstent, der die gesworn 
25 uf den eyd ermant werdent; die findt man alle clerich zu Spier 
in unsers hern des dumprobsts sendbuch verzeichenet. 

[V] Diesen nachgeschribenen eyt sol eyn yeder kirchen- 
gesworn, so er kirchengesworn ist worden, sweren 
und ein pferrer sol zuvor truwe von ym nemen dar- 

30 nach ym den eyt an der kanzeln staben also: 

Ich N. will myme hern dem dumprobst gehorsam sin, jars 
sin send helfen besitzen und zu rügen und furzubringen, als von 
alter herkommen ist, und dem pferrer gehorsam und beholfen sin 
zu allem dem, das ime geburt von der pfarren wegen und zu 

35 andern muglichen sachen und mit der kirchen gut umbgane als 
getruwelichen, als mit myme eygen gut; als mir got helf und sant 
Johann 1} und alle gottes helligen on alle geverde. 

87. Kirchenweistum von Edeslieim. 

1352. 

E des heim, Fl. Eheinpf., BA. Landau. 

Abschr. im „Liber visitationis" de anno 1583, fol. 412^-4131", KrA. Speier 
Nr. 306b (zit. Archiv. Zeitschr. 10, U8^^). 

Ungedruckt; Eegest bei Glasschröder, Urk. z. pfälz. Kirchengeschichte 
S. 44 Nr. 104. 


1) St. Johann d.T., Patron der Pfarr-(Schloss-)kirche (Frey, Rheinkreis II 401). 


Nr. 87. Edesheim. 173 

Noverint universi, quod anno domini millesimo trecentesimo 
quinquagesimo secundo iurati ecclesiae hie in Odesheim sententiam 
et morem huius ecclesiae ex antiquo producto etc. 

[1] Will der pfarher der heiligen gut oder sein seelgereide 
ingewinnen, das man ime nit will gern geben, der soll die unter- 5 
pfand, in welichem gericht sie gelegen seind, an seiner canzeln 
uffziehen zu dreien vierzelien tagen und zu jedem ulfziehen da 
verfallet ie das gut zu petten zehen Schilling heller ohn geverde; 
der seind zwa zahle des pfarhers und das dritte theil der kürchen- 
geschworn und soll keiner an dem andern ablasen ohne geverde 10 
und was guttes er uffziehet drey werbe, da fallent dreyssig Schil- 
ling heller von und nit mehr. Zu dem vierten mahl soll der 
pfarherr die underpfanne uffziehen an seinen canzeln; da verfallet 
keine peen mehr und soll sprechen zu seinen kürchgeschworn: 
Es ist heut mein viertes uifziehen ; ich frage euch uff eweren eyd, 15 
wie ich darzu solle thun, das dem heiligen und mir recht geschehe 
und denen, der gutt ich hie zu meinen canzelen uff habe gezogen, 
kein unrecht; und was darvon gefallen sey, so sollen sie ime 
sprechen die poene. Dreissig Schilling heiler ist die poen Ungnade; 
und soUent ihr zween oder drey mitgehn zu dem schultheissen 20 
des gerichts, da die underpfannd innenligend und soll der pfarher 
sprechen: Lieber schul theiss! Ich habe mein underpfand uffgezogen 
zu meiner canzeln als ein recht ist; des frage diese kürchen- 
geschworn, ob das wahr sey etc. und pitten mich, dass du mich 
dazu setzest und mich darinne schirmest. Ich will dir thun, was 25 
recht ist darvon. Das ist ein weissung, als in dem gericht ge- 
wonheit ist. Das gelt soll der pfarher und die kürchengeschworn 
dargeben von den dreyssig Schilling heilem, die von dem gutt zur 
poen sein verfallen, und wer dann will wider khommen zu seinem 
gutte in dem jähr, der würd dann reden mit dem pfarhern und 30 
kürchengeschworn umb die poen dreyssig Schilling heller, die da 
verfallen seynt ohn ihr gnade, und geschehe das nit in jähr und 
tage, so ist das gutt verfallen der kürchen. Das soll der pfarher 
und die kürchengeschworn hinweg leyhen, so sie aller höhst mögend, 
also dass dem heiligen umb ihr gutt und dem pfarhern umb sein 35 
seelgerede recht geschehe ohn alle geverde. Auch mag der pfarher 
in laden umb sein gülte und umbe seelgerede, umb zehende und 
umb seine vier opfer. 

[2] Item wan der pfarher und die kürchengeschworn bey 
einander seind und der heiligen gutt rechent, so sollen sie der 40 
heiligen gutt nit verzehren; der pfarher mag inen erlauben, ein 
halb viertel weins zu drinkhen und nit mehr von der heiligen gutt. 

[3] Item die kürchengeschworn seind auch theil hafftig alles des 
gutts, das in der kürchen geschieht; mit gebetten, mit messen und 
mit andern gutten werkhen, seind sie dem gottshauss und den 45 
heiligen getreu, als sie billich sollent und geschworn haben ohn 
alle geverde, und wa sie das nit dunt, wehe der seelen. 


l74 Diözese Öi)eier. Nr. 87. 

■ [4] Item küre henwy dam magniemands hinweg' gelihen ewig- 
lich ohne den, der die kürchen hat zu leihen und ohne den probst; 
in des probsteye dieselbe kürch inhöret. 

[5] Item soll man weissende sein^ dass die eilf ämpeln in 

5 beiden kürchen hie zu Odesheim sollenf brinen nacht und tag ohne 
geverde, wan dieselbige licht ■ allermeist komenseind von dott- 
schlegen; das hennt hie vor pfarher und kürchengeschworn gelobt 
mit gutten treuen vor sich und alle ihr nachkomen. 

[6] Item alles das oleigelts hie zu Odesheim in dem seelbuch 

10 steht geschriben, das soll alles uussoli sein; also ist es gesetzet 
und gekauft worden vor alter her; also soll es der pfarher und 
die kürchengeschworn halten ohn all geverde. 

[7] Item der glockner solle die selbe eilf ampellen allweg 
mit vleiss anzinnen ohn alle geverde als er gott wolle darum ant- 

15 Worten und das die sehlen über ihn werden räche schreyen, vor 
die man dieselben licht gesetzet hat zu eriunen ewiglichen. Das 
ist ein jeglicher glockner schuldig zu thun. 

[8] Item duae librae cerae dantur ambabus ecclesiis in Odens- 
heim et una libra cerae ecclesiae in Heinfeld ^) et una libra cerae 

20 in Eode^) de castro dicto E'ranckenberg^); quia fundamentum est 
der heingereiden *) ex antiquo praedictarum villarum. 

[9] Noverint universi, quod praedicti iurati praedicto prae- 
notato anno domini millesimo trecentesimo quinquagesimo secnndo 
dixerunt, quod omnis plebanus in Odesheim ex antiquo producto 

2.') debet in nativitate Christi habere matutinam et primam et secun- 
dam missam inferius in ecclesia sancti Mathei apostoli et evan- 
gelistae. — Item idem plebanus debet in die palmarum tantum 
benedicere palmas inferius in ecclesia s. Mäthei apostoli et postea 
cum eisdem palmis ascendere superius et in cimiterio sancti Petri 

30 caetera peragi cum palmis coram crucifixo, ut moris est ex antiquo. 
— Item plebanus in Odesheim debet celebrai'e in ecclesia s. Mathei 
apostoli et evangelistae omni feria tercia, quinta et sabbatho et in 
tercia dominica sicut ex antiqiia institutione institutum et conflr- 
matum est et sicut eadem ecclesia incorporata est fraude et dolo 

ssexcluso; de qua ecclesia plebanus in Odensheim habet anuuatim 
quindecim maltra siliginis et dimidiam arratam vini et dimidiam 
partem minutae decimae, sicut dimidiam partem minutae decimae 
de ecclesia s. Petri in Odensheim; et sie in toto de ambabus 
ecclesiis in Odensheim habet terciam partem minutae decimae, ut 

40 ineorporatione desuper facta narratur. 

[10] Item in cimiterio s. Mathei apostoli et evangelistae est 


^) Hainfeld, Eheinpf., BA. Landau, westl. von Edesheira. 

-) Kodt, nordwestl. von Edesheira. 

•'') Die Frankenburg scheint sich westl. von Frankvveilcr, BA. Landau, be- 
funden zu haben (vgl. Frey, Rlieinkreis I IGl). '. 

^) d. i. Markgenossen, gemeinsame Besitzer der ' Waldraarken (Maurer 
Einl. z. Gesch. der Mark, München 1854, Gi— G6). 


Nr. 88. iiassloch. ji75 

Vera sepultura, quia fundatores praedictae ecclesiae s. Mathei 
apostoli sunt ibidem sepiüti et eorum liaeredes, qui cognomina- 
bantur die Herttenbarthen^), reqiüescant in pace Amen; et ideo 
praedictum cimiterium servetur et habeatur in custodia et reve- 
rentia inclusum, ut de iure debet ex antiquo producto. 'j 

88. Kirclieuweistum von Hassloch. 

1549. 

Hassloch., Df. Rheinpf., BA. Neustadt a. d. H, 

Abschr. im „Synodale oder Kompetenzbuch der zum Oberamt Neustadt 
gehörigen Pfarreien de anno 1591", nach einem vidimierten Weistum aus .Prozess- 
akten von 1549^), KrA. Speier, Abt. Kurpf. Nr. SS^» fol. 30 (A). 

Ungedruckt. — Ein Auszug aus dem 1501 gefertigten Sendregister des 
Dekanats Igglheim (Jura et consuetudines sinodi laicalis per districtum decanatus 
sedis in Ugelnheim) in einer Orig.-Urkunde von 1542 Apr. 19 (KrA. Speier), 
gedruckt bei Glasschröder, Urkunden S. 184 Nr. 436 (ß). 

Pfarr- und kirchengebew. 

Darmit soll es gehalten werden wie folgende abschrifften aus 
einem vidimierten, hinderem gericht ligenden weisstumb sampt an- 
hangender gerichtlicher erleuteruug mit allen umbstenden ausweisst. 

[1] Item weisen die gemeind und die kirchengeschwornen, dass 10 
die herrn von der Neustadt seind pastores*)^) und sollen den 
pfarrer und seinen capplan halten und in der kirchen messbücher, 
kelch, corcappen und messgewand und alles das ihn nottdürftig ist, 
.Darvon haben sie ein freien ackernguth und vier seylzehenden. 
Darvon sollen die drey seyl den chor und sacristei halten und 15 
dass ander seyl den kirclienbaw und noch seind 5 seylzehenden^), 
dass Süll ihn zu hülf kommen zu der kirchenbaw und ging daran 
ab, so mag die gemeind gehen in den hoff und mögen pfänden so 
lang, biss der gemeind ein genügen geschieht und gehet es im hof 
ab, so mag, die gemeind greifen in das ackergut und gehet ein 20 
ackergut ab, so mag die gemeind greifen in den zehenden, biss 
der gemeind ein genügen geschieht in der kirche und sonsten. 

[2] Mehr weist die gemeind und die kirchengeschwornen, dass 


a) ß; Pastores decanus collegii nove civitatis; decimatores: domini de pre- 
dicto capitulo cum quibusdam generosis. 

^) B: Tenentur predicti domini ad structuram et conservationem chori et 
sacristie, reliqui participantes in decima muiori cum predictis dominis tenentur 
ad conservationem corporis ecclesie. Domini predicti de capitulo tenentur ad 
orania ornamenta ecclesie, duorum altarium et plebanomet secundo ad compe- 
tenciam et conservationem domus plebanie. 


^) Herrschaftliches Geschlecht, dessen Schicksale nicht weiter bekannt sind. 

-) Es handelte sich um einen Streit zwischen der Gemeinde Hassloch und 
Dekan samt Kapitel des KoUegiatstifts zu ULFrau in Neustadt a. d. H. („Syno- 
dale" fol. SO^'l), das seit 1418 Apr. 8 das Patronat von Hassloch besass (Glas- 
schröder, Urkunden S. 84 Nr. 202). 

■■') Kollegiatstift seit 1350 bis zur Reformation (Frey, Rheinkr. 532), 


176 Diözese Speier. Nr. 89. 

die gemeind soll halten den dhurm und den kärner und raaurn 
umb den kirclihoif und beynbrechen und den tauf*). 

[3] Mehr weisen sie, dass die gemeind drey seyl kleinen 
zehends geben der kirclieu 36 % oli, jegliches seyl 12 ® und sollen 
5 halten neun stück faselviehe, drey farren, drey eber und drey 
Widder; die sollen gang und gebe sein und wen es sach, dass 
daran abgieng und ihme verkündet würde, so soll er in acht tagen 
die gemeind mit andern stücken vaselviehe versorgen und wann 
er dass nicht thete, so soll er alle tage der gemeind ein pfund 

10 heller geben und dem armen mann sein schaden ausrichten. 

[4] Mehr weiset die gemeind und die kirchengeschwornen, 
dass der frümesser dem pfarrer soll behülflich sein mit singen, 
lesen und alle anders gebannte feiertag laut seiner institution und 
soll halten ein glöcknerb) in der pfarkirchen glockenseyl, ampeln 

15 und ostien und soll die gemeinde beyde capellen s. Ulrich und 
s. Margaretten halten in dach und baw und kirchenzierde''). 

89. Kirclienweistum von Miisslbacli. 

1477. 

Mussbach, Df. Eheinpf., BA. Neustadt a. H. 

Abschr. auK „einem alten sehlbuch" im „Synodale" de anno 1591 fol. 14i'— 15i', 
KrA. Speier, Abt. Kurpfalz Nr. 38". 

Ungedruckt. 

Die gemeind zu Mussbach rüget und weiset in dem sende alle jähr uff dem 
eyde alles, das hernach geschrieben stett: 

1. Der St. Johannesorden ^) soll den Chor in Bau und Dach halten, die 
Kirchenpfleger halten die Fenster in Stand. — 2. Der Orden bestellt einen 
Glöckner, der im Dorf wohnen muss; die Glockenseile fallen dem Orden zu und 

20 dieser bekommt dafür einen Seilzehnt, wogegen er von der Kirchenlosung be- 
freit ist. — 3. Der Orden bestellt den Pfarrer und neben ihm noch einen Ordens- 
priester, der in der Woche 2 Messen lesen und ihm beistehen muss. — 4. Die 
von Bamberg'^) halten die Vorkirche in Bau und Dach, die Kirchengeschworenen 
die Fenster, wofür sie -/g am Weinzehnt, der Orden ^/j hat. — 5. Die Gemeinde 

25 hält die Glocken, den Turm in Bau und Dach, die Mauer, den Kerner und die 
Beinbrecher; die von Lobloch ") sollen dazu den dritten Pfennig geben, wenn etwas 


*>■) B: Communitas tenetur ad structuram turris campanarum, ossorii, cal- 
darii, craticule murorum coemiterii, vexillorum, crucis, baj)tisterii. — Ecclcsia 
dabit vinum et sal, primissarius funes campanarum, hostias, ampuUas de sua 
decima. 

b) B: Plebanus cum iuratis habet eligere campanatorem cum consensu com- 
munitatis, cui prestabit primissarius raercedem. 

c) B: Due capelle site in villa vid. s. Udalrici et s Margarethe, quas com- 
munitas cum Omnibus ornamentis et structura et conservatione providebit. — 
Darauf folgt noch in B: Communitas dabit decano 2 quartalia vini et 4 panes 
spelceos et 4 lumina, artifices singuli denarium. Plebanus fovet decanum cum 
suis vespere, communitas mane. 


') Die Johanniterkomturei Heimbach ; sie lag zwischen Speier und Landau 
und erhielt 1290 das Patronat der Pfarrkirche Mussbach (Fr ey , Eheinkreis II. 579). 
-) Schlossruine südwestl. von Mussbach (BA. Bergzabern). 
^) Westl. bei Mussbach, mit einstigem adeligem Sitz (Frey II 549). 


Nr. 90. Mutterstadt. 17? 

daran; auszubessern ist. — 6. Die Gemeinde liefert Fahnen, Kreuz, Weihwasser- 
kessel und -sitein, die Kirche Tauf stein und -kessel und was sonst nötig ist. — ■ 
7. Die Kirche gibt des Morgens dem Dechant, Kämmerer und Knecht Essen 
und Trinken und die Gemeinde 1 virnzel Haber und 1 Viertel Wein, die von 
Lobloch 1/2 Viertel Wein dem Dechant. Wer den Kornzehnten hat, soll dem 5 
Dechant 3 Ml. Haber als Kirchenlosung geben, im Schaltjahr nochmal soviel, 
und wer den kleinen Zehnten hat, gibt dem Kämmerer 10 Schill. Heller; Jeder 
Handwerksmann gibt dem Dechant 3 dl, auf jedes Achtel Haber 15 dl., im Schalt- 
jahr doppelt. — Actum et scriptum anno domini 1477. 

Od». Kirchen- und Sendweistum von Mutterstadt. 

16. Jahrh. 
Mutterstadt, FL Rheinpf., BA. Speier. 

Abschr. im „Synodale" de anno 1591 fol. 44r — 46^, KrA. Speier, Abt. 
Kurpfalz Nr. 38'-" (zit. Archiv. Zeitschr. NF. 10, Uö""). 
Ungedruckt. 

[I] Diss ist der rechtspruch den [die] kirchengeschworne 10 
uud ein ganz gemeind zu Mutterstatt alle jähr weissen, wie er uff 
ihre eitern uff sie kommen ist und unsern würdigen herrn vom 
tliumprobst zu Speyer oder von seiner würden dechan, der ihn 
besitzt von seinetwegen, alle jähr am laiensend: 

[1] Zum ersten vsprechen wir, dass die jungfrawen über Hasen- 15 
pfubl zu Speyer') im closter seind pastor zu Mutterstatt und haben 
zwei theil am grossen zehenden; darumb sollen sie halten den 
chor in dach, an fenstern oben biss unden aus in grund und dar- 
zu halten den pfarrhoff mit seim begriff, dass sich ein jeglicher 
pfarr darin wohl behelfen möge; auch darzu geben die jung- 20 
frawen über Hasenpfuhl der kirchen zu Mutterstatt alle jähr 4 fl. 
ablösigen gelts für alle kirchengezirde. 

[2] Zum andern weisen und sprechen wir zu recht wie von 
ihren eitern uff uns ist kommen, dass die vier Wachenheimer^) 
zehendseyl sollen halten den baw an der pfarrkirchen zu Mutter- 25 
statt, die vier wende oben in dach und gebew an fenstern biss 
unden aus in grund. 

[3] Zum dritten weisen und sprechen wir, dass die gemeind 
zu Mutterstatt soll halten den kirchdhurm zu Mutterstatt mit dach 
und gebew, auch mit glocken und seylen. 30 

[4] Zum vierten weisen und sprechen wir, dass ein jeglicher 
dhumprobst zu Wormbs soll halten den chor zu s. Medard in dach 
und gebew mit fenstern oben an biss ihn den grund. 

[5] Zum fünften weisen und sprechen wir, dass die dhum- 
herren zu Wormbs sollen halten den baw zu s. Medard 3) und die 35 
vier wende oben mit dach und gebew^ mit fenstern biss unden 
aus in grund. 


^) Dominikanerinnenkloster im Hasenpfuhl (Vorstadt am Rhein) zu Speier 
(Remling, Klöster II 194 ff.). 

^) Der Herren von Wachenheim a. d. H. ; ihre Burg jetzt Ruine. 
3) Kapelle bei Mutterstadt (Frey, Rheinkreis II 178). 

Koenigei', SencTquellen. 12 


178 Dözese Speier. Nr. 91. 

[6] Zum sechsten weisen und sprechen wir, dass der seyl- 
zehenden zu Mutterstatt seind zehen; deren gibt jglichs seyl der 
kirchen alle jähr 8 U oli zu ewigen tagen, damit zu "beleuchten 
das heilig nachtmahl und ist solches der kirchen gerechtigkeit. 

5 [II] Des thumprobst zu Speyer gerechtigkeit zu 

Mutterstatt. 

[1] Zum ersten weisen und sprechen wir zu recht, wie von 
unsern eitern uff uns kommen ist, dass die sej^lzehend zu Mutter- 
statt seind zehen und dass ein sejd ist der stolbrüder zu Speyer^), 

10 dass ist allerdings frei ohne der 8 U oli; darnach die andern neun 
seyl, der geben die jungfrawen über Hasenpfuhl zwey seyl und die 
vier Wachenh. seyl dem dhumbprobst zu Speyer jglichs alle jähr 
Y2 mltr. habern und 8 dl. 

[2] Zum andern weisen und sprechen wir, dass der thum- 

15 probst und die thumherrn zu Wormbs haben drey seyl, der jglichs 

gibt dem dhumprobst zu Speyer alle jähr 15 dl und 1 mltr. habern. 

[3] Zum dritten weisen und sprechen wir, wan sich begebe, 

dass ein Schaltjahr were, so geben die neun seylzehends solches, 

wie oben steht, zweyfeltig dem dhumprobst zu Speyern. 

20 [4] Zum vierten weisen und sprechen wir, dass jglichs par 
eheleut zu Mutterstatt dem dhumprobst zu Speyer gibt alle jähr 
1 pfening und jglicher handwerksmann 1 mass wein und 3 heller 
ohn die zwölf, die dass recht sprechen, seind solchens frei. 

[5] Zum fünften weisen und sprechen wir, dass ein jglicher 

25pfarrer zu Mutterstatt soll halten ein dechan von wegen des 
dhumprobst selbdritt ihn seiner cost im seind den abend und 
morgen, Darzu schenkt die gemeind zu Mutterstatt eim jglichen 
dechan 1 -virtel wein für den gemein für. 

91. Sendordnnng von Speier. 

1492. 

In dem Kopialbuch Nr. 486 des Generallandesarcliivs zu Karlsruhe (zit. „Ärch. 
Zeitschr." NF. 10, 147"; s. auch Inventare des gr. bad. Geuerallandesarchivs 
1901 S. 115) umfasst die 1. Abt. einen „Liber variorum iuramentorum et statu- 
torum consistorii Spirensis" und darin befinden sich neben anderen Sendsachen 
zwei SO. für die Stadt Speier (fol. 26 — 30 und 32—34), eine längere (A), die 
hier abgedruckt folgt, und eine kürzere (B); beide sind sehr fehler- und lücken- 
haft überliefert-). 

Ungedruckt. 


^) Brüder vom hl. Grabe, die vor den Mauern der Stadt ein Kloster be- 
sassen (Remling, Klöster II 169 ff.). 

'^) Das Stadtarchiv Speier enthält mannigfache, auf die Geschichte des 
Sends in dieser Stadt bezügliche Stücke: A.-Faszikel 369, 370 und 495: Streitig- 
keiten zwischen Dorapropst und Magistrat 1566 — 1587; Urk. Nr. 357: Breve 
Johann XXIIl. wegen des Sends (vgl. bei Harster, Das Strafrecht der Reichs- 
stadt Speyer 1900, üebersicht über die Quellen); Urk. Nr. 930: Protest von 
1562; sodann Zunftakten Fasz. 100, 100a, 55.5, .566, 572 (15.— 17. Jahrh.); end- 


Nr. 91. Öpeier. 179 

Ut unicuique, qui pro executione sancte synodi laicalis, qiie 
in civitate Spirensi iuxta laudabilem et diuturnam hactenus intro- 
ductam et inconcusse observatam consuetudinem annue celebrari 
solet et cuius maniitencio ac superioritas ad prepositum ecclesie 
SpireDsis pro tempore existentem spectare dignoscitur et pertinere, 5 
iuratus atque deputatus fuerit sen aliter interesse censuunt, quid 
in hoc cuiuslibet officium ac quibus modis et forma ad eiusdem s. 
synodi celebracionem et execucionem procedatur et procedi hac- 
tenus consueverint, patenter innotescat, nos Georgius de Gem- 
mingen, utriusque iuris doctor, prepositus ecclesie Spirensisi)lO 
subscriptos articulos sive capitula ad eiusdem sancte synodi cele- 
bracionem et execucionem deservientes et deservientia, de et ex 
nounullis antiquis registris et manualibus vulgari alemannico Me- 
liter conegi fecimus, in praesentem librum sive manuale redegi 
fecimus sub anno domini millesimo quadringentesimo nonagesimo 15 
secundo. 

Articuli und Ordnungen, wie man den leyensende in 
der statt Speyer halten solle. 

[1] Item zum ersten so holt man meinen herrn dem dhom- 20 
propst zu Speyer alle jähr seinen send uf montag negst nach s. 
Nicolausentag, es sey feyertag oder Werktag. 

[2] Item so verkünden die pfahrer alle jähr vorhin drey son- 
tag, die nechsten vor dem vorgenanten montag, in alle pfahr- 
kirchen zu Speyer, darzu die creuzherrn die vier stiffte und zum 25 
hl. grabe, daz man den send meinem herrn dem thomprobst auf 
den vorgenanten montag halten wolle und daz gebührt auch dem 
thumprobsten uf den vorgenanten montag zu halten durch einen 
officialem cum processibus. 

[3] Item wan der montag also kombt, so leuth man ein grosse 30 
glock mit nahmen die „siebente" in dem monster nach der metten; 
so man die erst primeglocken verlassen hat, so leuth man das 
erste zeichen zu dem heiligen send und so man die andern Vrune- 
glocke verlassen hat, so soll man das ander zeichen läuten mit der 
siebenden. 35 

[4] Alsdar versarablen sich die zwölf herren und die geschwoh- 
reneu zum send und gehen mit einander in die dhomprobstey^); 
dasei bsten besichtigt ein official an statt eins official dhomprobsts, 
ob sie alle zugegen seint und ob etliche newe wehrn, die noch 
nit geschwohren hetten ; die sollen zu den send seh wehren den 40 
[eyd wie] geschrieben stet und wan das geschieht, so leüth man 


lieh das Eatsbuch, A.-Fasz. Nr. 50, woria die Geschworenen zur „gotts§" von 
1347 bis Ende des 14. Jahrhunderts verzeichnet sind (vgl. dazu Hilgard ÜB. 
der St. Speier 1885 S. 425—454 passim), 

1) Dompropst von 1488—1511 (Eemling, Bischöfe zu Speyer II (1854) 833. 

-) B : In der Dompropstei soll ein Tisch mit neuem Leinentuch und Kruzifix 
hergerichtet sein, um den Eid zu staben. 

12* 


d80 Diözese Speier. Nr. 91. 

das 3*^ zeichen, das nit verlassen wird, so lang bis derofflcial und 
andere mitsambt den sendherrn für s. Anna altar kommen und 
der send anfangen wird ^), und wer von den zünften auch new 
wehre und nit geschwöhren hette, der schwerdt das eyd, der her- 

5 nach über die buge geschriben stet, den die bugere seh wehren 2). 
[5] Item wan man das dritte zeichen auch verlassen hat und 
die persohnen, wie vorstet, versamlet sein, so sitzt ein dhomprobst 
oder ein dhomherr seinetwegen zu derselben zeit, ob ein dhom- 
probst nit daheim were ' oder selbst nit sitzen wolte, auf die 

10 sidelle, die da stet, auf die obere staff len neben s. Anna altar gegen 
den bildseiten unser lieben fraweu und dahin legt man ein roden 
Seiten [tuch] und thuet auch der vorbenante herr ein rote kapp 
an und sitzt ein official meines herrn des dhomprobsts neben ihme 
und stet ein [ingestigler] bey ihme. 

15 [6] Item vor s. Anna altar soll auf einem pulpat ligen ein ruth, 
die bussigen damit zu hauen, und ein schern, den bussigen frawen 
das haar damit abzuscheren. 

[7] Item so stet ein erzpriester für sie herab auf die mittlere 
Staffel und stet ein undererzpriester hej ihme. 

20 [8] Item wan sie also sitzen und gesteheu, so rufft der erz- 
priester den zwölfen herzu und fragt die zwölf von meines herrn 
des dhompropsts wegen, ob es sendszeit sey. 

[9] Item so retten sie hinder sich und nehmen einen barat 
und bedenken sich und spricht der eltest altermeister von den 

25 zwölfen wegen gegen einen erzpriester also: ist der send verkündt 
als von alt herkommen s ist? 

[10] Item so seint die pfahrer alle da, so gefragt ein erz- 
priester die pfahrer, ob sie den send verkündt haljen, als er 
ihnen von meines herrn des dhomprobstes wegen gepotten habe; 

30 so sprechen sie alle ja. 

[11] Item wan sie dan alle ja gesprochen, so spricht aber der 
eltest altmeister von der zwölfen wegen: so ist es sendszeit. 

[12] Item darnach fragt ein erzpriester die zwölfe also : Ihr 
herrn! Ich frage euch von meines herrn dhomprobsts wegen, ob 

35 einer oder mehr von den zwölfen und auch von den zünften nit 
hie wehren, was der oder die meinem herrn dem dhomprobst ver- 
fallen wehren? 

[13] Item so nimt man einen parat und spricht aber der 
altmeister von den zwölfen wegen oder welche sie wollen unter 

4öihnen: welche von den zwölfen oder auch von den zünften nit hie 
wehren, der ist meinem herrn dem dhomprobst verfallen fünf 
Schulung heller Speyerer und sagen darzu : aber wier haben sie 
nit sehen nehmen, solcher zusage ist von alterst her nit gewest. 


^) Nach B soll man das dritte Zeichen läuten, „solange dem Dompropst 
lieb ist". 

^) Von den Zünften wurden insgesamt 33 abgeordnet (fol. 31). 


Nr. 91. Speier. 181 

[14] Item darauf spricht ein erzpriester: so gehen hin in die 
dhomprobstey und besitz meinem herrn seinen send. 

[15] Item darnach geht der official, der ingestigler, der erz- 
priester, die creuzherren, mit sambt den pfarrherrn, die von den 
zwölfen und die von den zünften, die darzu geschworen haben, 5 
in die dhomprobstej^ und besitzt der official, der ingestigl, der 
erzpriester und die zwölf geschworenen den send, zum ersten mahl 
in der grossen stubenund alle persohnen, die man rüget, die schreibt 
der dhomprobsts notarien in ein register. 

[16] Item wan die pfarrherrn alle also gefragt worden, so 10 
rufft einer undererzpriester jeglicher partheyen vor den zünften 
und die fragt der eltst altmeister, das sie rügen bey den eiden, 
die sie zu dem send gethan haben^ was rugbar sey^). 

[17] Item wan sie alle also gefragt worden, so gehen sie alle 
mit einander in das münster und werden zu rat, dass man zwo 15 
oder drey personen, die oifenbahrligste^), und ein dhumprobst oder 
ein dhomherr, der vor gesessen ist, wieder an die [vorgen]ant 
statt in der kappen und stet der undererzprister uf die Staffel und 
liest überlaut und spricht also: es ist gerügt der oder die umb 
die oder jene Sachen; das ist zu einem zeichen, dass der send 20 
gehalten ist; darnach gehet man in die dhomprobstey mit den 
zwölfen essen 2). 

[18] Item bestelt man alle pfarrherrn und auch die von den 
zünften zu Speyer, von den vorgenanten, montag über acht tage 
und zu derselben zeit wieder zu kommen zu s. Mauritium und 25 
besteht man den send zum andern mahl in der sacristy daselbst 
in der massen, als in der dhomprobstey; was di pfarrherrn und 
die von den zünften dazwischen erfahrendt, das rügen sie dan 
da in der massen, als vor geschrieben steht. 

[19] Item wan der sent besessen wird daselbst, so bestelt 30 
man die pfarrherrn und die von den zünften, wider zu kommen uf 
der kindlen tag in die dhomprobstey. Alda besitzt man den send zum 
3. mahl und rügt man aber in der massen, als vor geschrieben stet. 

[20] Item wan die rüge also geschehen ist, so werden die 
zwölf dan auf stund eines tags zu rath, wan sie sitzen und der 35 
straffung nachgehen wollen. 


a) Zu ergänzen ist hier etwa: verlese. 


^) Nach B geschahen drei Rügen (d. h, durch die Pfarrer, die Zunft- 
abgeordneten und die Zwölf zur Gottesehe). 

^) Nach B lädt der Dompropst noch dazu ein den Bürgermeister (?) und 
die Geschworenen, von Gnaden wegen auch den Offizial, Siegler und Notar, 
Das Mahl besteht in Würsten mit grünem Kraut, Rindfleisch und Hühner in 
Suppe, Pfeffer mit Wlldpret, Fladen, Gebratenem (schweinern oder kälbern), 
Kapaun mit Reis, Fischgarei, Käse, Birnen und (das übrige unleserlich). 


182 Diözese Speier. Nr. 91. 

[21] Dieses ist der ayd, den die zwölf meinem herrn 
dem dhomprobst zu dem send schwehren: 

Ihr werden ewer trew geben und darnach zu den heiligen 
schwehren meinem herrn dem dhomprobst seinen send zu besitzen 

5 und darzu zu kommen, als euch darzu gepotten wird^ und alle 
ding, die euch [fürbracht] werden und gerügt, getrewlich und ernst- 
lich auszurichten und zu strafen, beyde, arme und reiche, ohne 
alle geverde. 

Juramentum in se. 

10 Als ich mein trew geben hab und mir mit worden für gelesen 
ist, dem ich getrewlich nachkomme einst, stedt und vest halten 
ohne alle gefährte, als mir gott helf und alle heilige. 

[22] Item [. . .] auch die altmeister, die dan dasselbe jähr 
den sent besitzen, sollen alle jähre vorhin acht tage, ehr man den 

lösend besitzet, die zwölf beschriebenen und verzeichnet^ nachdem 
als sie im register stehen; ob einer oder mehr abgangend wehre 
oder sich sonst verhindert hette oder sich auch die persohnen 
verendern wollen, so setzen die ander an derselben statt und wan 
die dan in der dhomprobstey kommen, so schwehren sie das vor- 

20geschriben aid. 

[23] Item so seint die selbe zwölf geschwohrenen von dem 
rath, der da darnach, als man den send besieht, von den zwölften 
tag über ein jähr in und anwürbt zehen und nur nahmen, die 
zwehen burgermeister und zehen desselben raths. 

25 [24] Item wan der zwölfer einer oder mehr den vorgeschrieben 
aid schwehren sollen und wan man den aid ihnen fürliset, so spricht 
ein altmeister alle wegen, als vor alter herkommen ist. 

[25] Item wan die zwölf zu gericht sitzen zu strafen, so ruft 
ein undererzpriester einer jeglichen persohnen sonderlich und liest 

30 dan der notarius den excessum ihnen vor und heisst man dan die 
persohn wider ausgehen und fragt dan der burgermeister einer umb 
under ihnen, was man der persohnen setzen woll, und fragent ein 
official oder ingesigeler oder erzpriester nit eineswerts, sondern sie 
concludieren summaliter und heissen die persohnen ein end tliuen 

35 mit wax, gelt oder creuzgang und was zu strafen sey, findt man 
hernach geschrieben, hebt an: Hae sunt correctiones^). 

[26] Diss ist der ayd der von den zünften, die da rügen. 

Ihr werden ewer trew geben und hernach zu den heiligen 

schwehren meinem herrn dem dhomprobst fürderlich zu seinem 

40 send zu kommen als dick euch darzu gebetten wird und alle die 

rugbahre ding, die euch führbracht und gerügt werden und euch 


^) Fol. 41 f. ; hier werden aufgeführt a) gewerbliche, b) religiöse Vergehen 
und zwar: Ehebruch, Judendienst, Wucher, Meineid, Fornikation und „frevel" 
für den Fall, dass der Eat deren Bestrafung verabsäumt; Häresie, Zauberei und 
Wahrsagerei wurden an Leib und Leben vom Domprobst selbst bestraft. 


Nr. 92. Archidiakonat Karden. 183 

selber wissen t, getrewlicli zu rügeii; beede, arme und reiche, ohne 
alle gefahr. 

Juramentum in se. 

Als ich mein trew geben hab und mir mit werten furgelesen 
ist, dem wil ich getrewlich nachkommen, stett und vest halten 
ohne gefährte, als mir gott helf und alle heiligen. 

[B bringt ausführlich das Verfahren im Falle von Freiheits- und 
Ehrenstrafen: Der Erzpriester musste die Namen aller, die mit Gefängnis 
oder der Harfe gestraft wurden, auf zwei Zettel schreiben und den einen dem 
Altmeister, den andern den Stadtknechten übergeben. Letztere hatten die Schul- 
digen gegen 1 Pf. Heller (aus den Sendgefällen) abzuführen. Ein Gefängnis 5 
war in der Domprobstei, das andere unter der Sakristei von St. Moriz; das 
dritte hiess der „Stock" (cypus) ; alle drei gehörten dem Dompropst. Des- 
gleichen stand ihm als Strafmittel die „Harpf" auf dem Friedhof von St. Moriz 
zu. Wurde jemand aus dem Gefängnisse oder der Harfe getan, so sollte der 
Erzpriester dabei sein, auch zwei von den Zwölfern und zwei Stadtknechte als 10 
Zeugen. Der zu Entlassende hatte Urfehde zu schwören. Wachs- und Geld- 
strafen trieb der Erzpriester und sein Pedell ein. Ersterer erhielt davon 2 Pf. 
Heller und 2 Pf. Wachs, der Notar 1 Pf. Heller; auf 30 Schill. Pfennige hatte 
der Dompropst Anrecht für das Fischgarei, das er beim Sendessen zu reichen 
verpflichtet war ; die Stadtknechte erhielten 1 Pf. Heller. Den Eest gab man 15 
halb den Zwölfern, die am Send teilgenommen, und halb dem Dompropst, der 
ihn ad pias causas verwenden sollte.] 


Erzdiözese Trier. 

92. Sendregister des Archidiakonats Karden. 

1475. 

Das Archidiakonat s. Castoris in Karden (Kr. Kochem) umfasste die De- 
kanate Zell, Ochtendung und Boppard^). 

„Eegistrum visitationis sinodi sancte illustris venerabilis domini Johannis 
de Fynstinga, archidiaconi sancte ecclesie Treverensis tituli sancti Oastoris in 
Cardono 1475." — Das Orig. des Registers ist nicht mehr vorhanden, nur zwei 
Abschriften : StA. Koblenz, Kurtrier, Gener. in Kirchensachen Nr. 103, Ende des 
15. Jahrh., und Nr. 103 a, nach 108 noch im ersten Viertel des 16. Jahrh. gefertigt. 

Gedruckt: W, Fabricius, Visitationsregister, Trierisches Archiv 9 (1906) 
4-35^). 

Das Register enthält eine Aufzeichnung der Archidiakonatsrechte bei Ab- 
haltung des Sends, beruhend auf den Sendweistümern der einzelnen 117 auf- 
geführten Pfarrorte; sie sind in den nachfolgenden Sendquellen der Erzdiözese 
Trier, soweit einschlägig, mitberücksichtigt worden. Vgl. Briedel, Ediger, Halsen- 
bach, Kochem, Kruft, Löf, Nachtsheim, Nickenich, Niederspay, Obermendig, 
Pillig, Pommern, Sabershausen, Senheim, Urschmitt. 


^) Sendprotokolle für die Dekanate Zell und Ochtendung im einzelnen be- 
finden sich für die Jahre 1592, 1605, 1616/7, 1620/1, 1628 und 1656 im StA. 
Koblenz, Kurtrier, Gener. in Kirchens. Nr. 103 b — h. Auch hierin begegnen 
öfter kurze Hinweise auf die Rechte des Sendherren. 

^) Hier wird S. 1 bemerkt, das Register würde gleichzeitig auch von 
Victor Oarri^re, der die französischen Diözesanregister herausgibt, gedruckt. 
Aber bis 1908 war es noch nicht ediert, auch unter den neuesten Erscheinungen 
finde ich es nicht verzeichnet. 


184 Erzdiözese Trier. Nr. 93, 94 

93. SendprotokoUlbuch des ArcMdiakoiiats Tlioley. 

1577—1631. 

Das Archidiakonat s. Mäuiitii in Tholey (Kr. Ottweiler) umfasste die 
Dekanate Perl, ßemigj Merzig und Wadrill. 

„Liber visitationis seu öbservatarum synodorum süb archidiaconatu tituli 
•s. Mauritii in Tholeia existente eiusdem tituli archidiacono venerabili ac nobili 
domino Philippe Christophoro a Soettern, canonico metropolitanae ecclesiae Tre- 
verensis, conscriptus de manu viri Nicolai Honthemii, notarii predicti archi- 
diaconi, de annis 1580— 1593, 1597, [1599]". Orig. Pap. 4°, StA. Koblenz, 
Kurtrier, Gen. in Kirchensaclien Nr. 105. Weiterhin befinden sich hier bei- 
gebunden Sendprotokolle von Wadrill etc. (1577, 1616— 1618, 1621— 1631 meist 
in 4°, teilweise auch in 8"). 

Ungedruckt'). 

Verschiedentlich sind bei den einzelnen Orten die Sendrechte kurz auf- 
geführt, einige Male ausführlicher'^). 

94. Kirchenweistum von Altwies. 

1571 Juli 5. 

Alt wies, Df. in Luxemburg, K. Eemich; jetzt Diöz. Luxemburg. 

Weistum anlässlich des Sends 1571 Juli 5, aus dem Sendprotokollbuch des 
Archidiakonats Tholey (St. Moriz), Pap. 4«, fol. 767^—768^, StA. Koblenz, Kur- 
trier, Gen. in Kirchensachen Nr. 105. 

Ungedruckt. 

Weystumb und erkentnus der sendern zu Altwiss. 

Anno doniini dhusent fünfhundert siebentzich eins des fünften 
tags julii haben wir nachgenante sender mit namen Bernhart 
Keiss und Henwert Meier, Thilen eidem, beide von Altwiss des 

sdorfs, diese erkentnus gethan als lautende an den centner und 
ganze gemeynen in gegewirt des wirdigen kern Leonardt Keyl von 
Heisingen ^), pastor nnd dechant zu Remich*), wie nach volgt: 

[1] Am ersten erkennen wir beide sender obgeuant bie unsern 
schweren abgelechten aiden unsere kirch vur ein pferkirch und 

10 uns bedhienten vur ganstlichen sacramenten gleich einer ander 
pfarkirchen und nachbauren. 

[2] Zum zweiten erkennen wir further (ein) vur unsern rechter 
pastor ein abt des gotzhaus sant Wulffertz, gelegen bynnent Echter- 
nach^). Ob es sach were, das der dhienst nicht beschehen würd 

15 wie von alters und auch derneben, so der chor und bauch bauw- 
feltig w^hre, so sollen und muessen die gemein niemandes anders 
ersuchen den allein ein abt zu Echternach. Dernhalben hat das 
gotzhaus zu Echternach den halben zehnen in grossem und kleinen. 

') Daraus ediert ist nur eine von der Hand des Erzbischofs Jakob von 
Trier 1569 unterschriebene „Instructio pro archidiaconis" (fol. 752 f.) und eine 
„Instructio pro decanis ruralibus" (1569) von Jakob v. Eltz (fol. 785 — 792): 
F. Hüllen, Die erste tridentinische Visitation, Trier. Arch. 9 (1906) 41 — 45. 

-) Letztere siehe im nachfolgenden unter: Altwies, Beuren, Heifant und 
Palzem, Kirf, Mondorf, Oberemmel, Tawern, Wadrill, Zerf. 

^) Hellingen, westl. von A. 

*) Eemich a. d. Mosel, Luxemburg. 

^) Echternach a. d. Sure, nordw. von Trier, mit Benediktinerabtei St. Wilibrord, 


,Nr. 95, .96. Altwies, Betzdorf, Beureü. 185 

[3] Darneben zum dritten erkennen wir.. dem pastor sein 
wiethumb: ain haus, hoif, garten, veld, wie die den bynnent und 
baussent dorf gelegen. 

[4] Zum vierten erkennen wir: ob es sach wehre, das der 
■heupftihanen in der kirchen veralt oder sunst verloren würd, seint 5 
die edlen herrn von Worspurgh^) als hochgerichtess herrn diss 
dorfs den selbigen schuldig zu erneueren und darzustellen. 

[5] Zum fünften erkennen wir beide sender die ceremonieh, 
welche dem hohen altar zugehörig, nemblich ein kelch mit seinem 
zugehoer, ein missbnch nach Trierscher ubung sambt einem miss- 10 
gewan, wie ein pastor zu dem altar fertigen, darein nichts uiss- 
gescheiden, solt von gemeltem abt dargestelt werden. 

[6] Zum sechsten erkennen wir der ganzer pfer, wem zustendig 
sein priester, gestalt durch den abt, sol sein: das wort gottes der 
pferrer verkundigen sol mit andacht, aller Lieber Frauwen tag 15 
und den zwölf aposteln tagh und andere fiertag, das ambt der 
hilger meessen zu volbrengen. Noch erkennen wir den Castel^) 
auch zugehörig sein der pferkirchen zu Ältwiss. 

Diss ist ir wissen, das der stock ^) in dem Castel sol sein des 
pastors und der bruderschaft zu theylen jorlichs. / '^^ 

95. Kirclienweistiiin von Betzdorf. 

1556 Mai 25. 

Betzdorf, Df. Luxemburg, K. Greveum acher; jetzt Diöz. Luxemburg. , 
Aus dem Gerichtsbuch von Berburg Nr, 1; Kanzlei des Bezirksgerichts 
Luxemburg. 

Gedruckt: Hardt 115—117. , 

96. Sendweistum von Beuren. 

'. 1582 Febr. 16. ' ' ' ' . 

Beuren, Df. Rbeinpr., Kr. Trier-Land, 

Aus dem SendprotokoUbucli des Archidiakonats Tholey (St. Moriz), Pap. 4", 
fol. 35^, (Dat.: „1581 more Trev. 16. februarii") StA, Koblenz, Kürtrierj Gen. 
in Kirchensachen Nr. 105. 

Ungedruckt. 

Jura archidiaconalia. 

[1] Erkennen dem hern churbischoffen für seine gerechtig- 
keiten 1 fl. 

[2] Erkennen auch, das die dotarii den hern churbischolfen 
oder seine thiener empfangen solen, dem pferd ruw foder; darnach 25 
sollen sie ire ehrwurden oder dero commissarien ins wirzhaus fueren, 
da dan ein disch zugericht sein solt und darauf ein kanne vol 
Wassers; wilt der woll leben, solt er es dar kommen lassen. 


^) Den Ort und das Geschlecht festzustellen war mir nicht möglich. 
-) Kastei, östl. von Alt wies, 
^) Opferstock 


186 Erzdiözese Trier. Nr. 97—99. 

97. Sendweistuin von Boppard. 

1389 u. ö. 

Boppard, St. Eheinpr., Kr. St. Goar. 

Die erste schriftliche Aufzeichnung dieses SW. erfolgte 1389; ausserdem 
liegt es noch vor in Fassungen von 1409, 1413, 1421, 1433, 1437, 1441, 1457 
und 1464. Ein genaues Verzeichnis der betr. Archivalien s. bei Lorsch, Ehein. 
Weist. lOf. (zit. Verz. Ehein. Weist. 14 Nr. 121) ')• 

Gedruckt: Grimm III 774—777; Lorsch, Ehein. Weist. 12—19 und 
ebendort „Sendartikel" aus dem 15. Jahrb., die sich mit dem Sendweistum sehr 
nahe berühren. 

98. Kirclienweistum toii Brandenlbiirg. 

1588 Jan. 14. 
Brandenburg, Df. Luxemburg, K. Diekirch; jetzt Diöz. Luxemburg. 
Aus dem Archiv der Kirchenfabrik zu Luxemburg (zit. Verz. Ehein. Weist. 
S. 15 Nr. 128 b). 

Gedruckt: Hardt 135—137. 

99. Sendweistuin von Briedel. 

15. Jahrh. 

Briedel a. d. Mosel, Df. Eheinprov., Kr. Zell. 

Orig., Perg. 19X25 cm, 15. Jahrh. (A), StA. Koblenz, Kurtrier, Amt Zell, 
Dorf Briedel Nr. 13 (11). Am Eücken: „Denen sentt belangen"; von einer 
Hand des 17. Jahrh. darunter gesetzt: „Ist von dem helgen sendt zu Briedell." 
— Ebendort eine Abschr. aus dem 19. Jahrh. (B) — Eine zweite Abschr. aus 
dem 17. Jahrh. (C), bestätigt von dem Notar Petrus Demuth, die sich als „Ex- 
trakt aus einem sehr alten Pergamentbuch" zu erkennen gibt, findet sich in 
einem Aktenfaszikel betr. den Himmeroder Hof zu Briedel fol. 31, StA. Kob- 
lenz, Abtei H., Nr. 33. 

Ungedruckt. — Im lat. Sendregister des Archidiakonats Karden von 1475 
(ed. W. Fabricius im Trier. Archiv 9 [1906] S. 19) ein kurzer Auszug unter 
Nr. 47 (D). 

Wistum der scheffen zum helgen sende gehoerich. 

[1] Irstlich solle der chorbiscliof^) erschynen mit l^j^ perde 
und 7^/2 mann denne yrsten abent, so der helger send verkündiget 
yst, in der herren hoff van Hymenrott^); dair suUen sye entphangen 
werden, mannen und perden guitlich geschehen und dair achter 
nit mere. Darzu solle kumen eyn koster und mit sich brengen 
eyn hoen, eynen sester wins und waessenlichter, eynen gribbith«)*); 


a) gribbich C. 


^) Bei Kr u de w ig III 125 ist ein „Instrumentum visitationis archiepisco- 
palis synodi Boppardiensis" als im Pfarrarchiv Karden befindlich erwähnt. 

2) Der Archidiakon von St. Kastor in Karden. 

") Himmer ode (Zisterzienserkloster, Eheinpr., Kr. Wittlich) erhielt Briedel 
1316 inkorporiert (Lorenzi II 477, nach Schorn I 676 schon 1303). 

*) Das Wort ist in den Wörterbüchern nicht zu finden; nach freundlicher 
Mitteilung des H. Pfarrers Thome in Ernst a. Mosel bedeutet es „Lichtputz- 
schere". Oder sollte ein Längenmass gemeint sein: so lang und dick, als man die 
Kerze umgreifen kann? Dann entspräche das Wort dem lateinischen: manipulus. 


Nr. 99. Briedel. 187 

da solle jeme und syner huisfrauwen ader knecht auch gutlich 
geschehen*). 

[2] üff demen morgen, als man dien helgen sent besitzet, 
solle der senther fynden ulf dem altar drie mark und drie unz, 
vor jede mark 24 schyllink Triersch und jeder unz 20 pennink^ 5 
summa mecht 18 albus gemeiner münzen^). 

[3] Item eyn jeder ammichsmann^) im doerf Bredell yst dair 
schuldich 1 sester wyns und alle huisgesies, die da reuchent, 
1 pennink; der denen sester wyns gifft, yst die penninks ent- 
dragen **). 10 

[4] Item es sullen auch gegen wurdich syen all6 gemeynsburger 
ane widfrauwen; jedoch hette eyn widfrauwe eynen manbergen 
soen, solle auch erschynen; woelger die zit erhaltung dies helgen 
sents ungehorsam erfunden, wurt gestraefft und yst verfallen vor 
eyn bannsester wyns, eyn sentscheffen vor eyn hohe boes. 15 

[5] Item in dies hoechwirdigsten unsers gnedigen hern erz- 
bischofen zu Trier eren churfürstlichen gnaden ayngehoiringe jaer 
seile erschynen mit 15 perden und 15 mannen und denen alsamen 
solle gutlich geschehen im obgenanten hoff zu Bredell und solle 
fynden uff dem altaer obgenante suma dobbel, mecht gemeiner 20 
münzen 36 albus mit allem dem westen glichsfalls, wde obarti- - 
culirt, mit dem koster, ammichtern und pennincken, nu dobbeF). 

[6] Item in dem jaer dyes pastors seil kumen mit allem dem 
rechten obgenant dem churbischoff zu eygeneth, auch in der herren 
ho 2) van Hymenroth ^). 25 

[7] Item in allen senden vorgenant rügen, sester wins und 
pennincken solle eyn senther zwer deil und die sehen sentschen^) 
eynthalb van haben ^}. 


a) D: Eeceptio ibidem in curia dorainorum Hymmelrait cum 7^/2 equis 
efc tot personi's; ibi domiui predicti tenentur eis satisfacere in expensis. Item 
custos dabit 1 puUum et lumina cerea et 1 sextarium vini et habebit cenam cum 
domin-is una cum uxore, 

b) D : Item cathedraticum 3 marcas 3 unzen, pro qualibet marca 24 solidos 
Trev. et pro uncia 20 hall. ; pastor dat. — In einem Sendprotokoll von 1628 
Mai 28 (StA. Koblenz, Kurtrier, Gen. in Kirchens. 103g) heisst es für Briedel: 
gratiosus dominus reperiet supra altare cereum, peetinem, forfeces et virgam 
cum 18 alb. 

c) D: Item quodlibet officium tenetur sextarium vini; item quelibet domus 
habens ignem unum facit 1 hall., que omnia extendunt se ad 5 hall. 

d) Dieser ganze Absatz fehlt in 0. 

e) Am Eand in 0: Ein herr prälat von Himmenrod als zeitlicher herr 
pastor hat den send zu Briedel zu besitzen. 

f) D : Item Septem sunt sinodales, qui terciam partem volunt habere in Om- 
nibus iam dictis. 


^) Amtsmann, Richter, Schultheiss. 

'-) Hof. 

'') Seudschöffen. 


188 Erzdiözese Trier. Nr. 100, 101 

; 100. Kii'clieiiweistiiin Yoii Dudeldorf. 

1544. 

Dudeldorf, Fl. Eheinpr., Kr. Bitburg. 

Notariell bestätigte Abschr. (1694) im Archiv. Maxim. III 1152—1155, 
Trierer StBibl. Nr. 1644 (zit. Verz. Ehein. Weist. 20 Nr. 206 d). 
Ungedruckt. 

Sehnerweistumb zu Dudeldorf. 
1544: 1. Eine Frau gibt zum Nachtmahlsempfang 1 Eader Heller oder 
sonst 1 Heller — 2. für Aussegnung ^j^ Batzen — 3. für eine Taufe erhält der 
Pastor nichts — 4. ein Kind oder unverrichteter ^) Mensch gibt für Osterbeicht 
und Kommunion 3 Eier — 5. ein verrichteter Mensch 1 Eader Heller oder 
5 sonst 1 Heller — 6. Für Hochzeiten ist man dem Pastor schuldig 1 graues 
und 1 weisses Brot, 1 gutes Stück Ochsenfleisch vom vordersten Bug und 
V2 Sester Wein — 7. bei der Kopulation soll der Bräutigam dem Pastor 1 Gold- 
und 2 Silberstücke zeigen ; das wenigste mag dieser behalten oder der Braut 
schenken — . 8. für Kindsleichen erhält der Pastor 14 Kreuzer, der Sender 

10 1 Sester Wein — 9. für Krankenversehgang 1 Eader Heller — 10. für die 
hl. Oelung V, Batzen — 11. für Verstorbene sollen an 4 Tagen Seelenmessen 
gelesen werden; der Küster erhält 1 Batzen — 12. dabei muss man die letzten 
3 Tage dem Pastor und Herren jeden Tag 6 Kreuzer Präsenzgeld bezahlen — 
13. dazu für Grabrecht und Vigilienwein 14 Kreuzer — 14. für Abscheids- 

15 gebet 3 Batzen — 15. „Item mit dem sendherren, der dem send besitzet, was 
ihme erkant soll werden" — 16. für einen Bittgang 1 ® Wachs, wenn er nicht 
gehalten wird — 17. ebenso für Sonntagsarbeit — 18. für Feiertagsarbeit und 
Versäumung des Gottesdienstes 1 ® Wachs und dem Sender 1 Sester Wein — 
19. an St. Michael Vorabend soll der Pastor die Vesper singen; dafür bekommt 

20er ^/j Sester Wein — 20. für 3 Verkündigungen von Brautleuten zahlt man 
deiii Sender, auch wenn die Hochzeit nicht zustande kommt, 1 Sester Wein, 
dem Pastor seinen Lohn — 21. für uneheliche Geburten Strafe wie von alters 
— 22. wenn eine schwangere Frau nicht zum Nachtmahl geht, zahlt sie dem 
Sender 1 Sester Wein Strafe — 23. ebenso die Verwandten, welche einen Sterben- 

25 den versäumen — 24. für die Fragen, wann 2 zur Ehe kommen, sollen 6 Wochen 
und 3 Tage angesetzt werden. 

101. Sendweistum und Sendordnung von Ediger. 

15. und 16. Jahrh. 

Ediger a. d. Mosel, Df. Eheinpr., Kr. Kochern. 

Nach Akt Nr. 105, 5 Pap.-Bl. 4», 15. Jahrh., im PfA. Ediger (vgl. Krude- 
wig, Archivübersichten III 110), jetzt deponiert im StA. Koblenz. Darin be- 
finden sich zwei SW., eine ältere Fassung (A) und eine wenig jüngere von 
anderer Hand (B), vermehrt um einen Absatz (2a) über die Sendrechte des 
Archidiakons (St. Kastor in Karden) und mit geringen formellen Aenderungen, 
die hier nicht weiter berücksichtigt werden. 

Ferner: Akt im StA. Koblenz, Kurtrier, Ortsch., Pap. 4°, 16. Jahrh. 

Das erste Blatt fehlt, das auf dem zweiten sich fortsetzende Weistum (0) 
deckt sich mit Fassung B. Daran reiht sich ein Weistum betreffend die Send- 
rechte des Landdekans (vgl. Absatz 2a in B) und ein Sendschöffeneid von 1539 
Nov. 19. — Hierauf ist eine Seite leer gelassen- und dann folgt das Sendweis- 
tum in Fassung A, nur in neuerem Sprachidiom und mit erklärendem Zusatz (D). 
Endlich kommt danach ein erweitertes SW. (E) und eine Oberhofentscheidung. 

Ungedruckt; bei Grimm II 423 — 425 (bis „Weistumb der scheffen"; das 
übrige gehört nicht mehr zum Sendweistum) eine sich inhaltlich mit B deckende 
Fassung (F) ; stilistische Abweichungen werden hier ausser acht gelassen. — Im 
Kardener Sendregister von 1475 ein Auszug unter Nr. 41 (G). 

^) Der die erste hl. Kommunion noch nicht empfangen. 


Nr. 101. Ediger. 189 

I, Fassungen ABCDF. 

Dyt ist dat wyssdome des heiligen seentze^). 

[1] Item wisfet der seentscheffen den heiligen sent unsem 
kyrchherrn zu Ediger^) oder eyme sentdechen van synnent' wiegen, 
das vierte jare den heiligen sent zu besitzen^) thuschent sent 
Luix und seht Mathias dag^), wann er zu dryn flrtzen daghen vor- 5 
hin verkündigt ist. 

[2a] [Item'') zum yrsten sali komen "eyn seyntdechen van wegen 
unsers gnedigsten herren myt funfzegen perdeu und myt soe manchem 
manne. Dan sullen eme die seintscheifen entgegen comen gereden 
myt an den tränt ^), hain sy recht sperren; sy heffen beynensporren*), 10 
soe sullen sy dan voldain hain '^) und sullen ene dan geleiden uff 
den wedomhoff; dae sali er entphaugen werden. Er sali fynden 
vor 24 pennynk brot, eynen braden van 24penninken, eyne thonne^) 
wyns ; werren dry würde, soe sali man ain dem myttelen kauf 
holleu; und soll fynden zwey foder holz, half grynne und half 15 
dörre und 2 sester salz und uff dem altair ö weck und 4 unz 
pennink, der pennink dont 2 eynen heller, [und zwey Doniz mal- 
dern hafere]®). Und dan sali komen der glockner und sali brengen 
eyn hene und eyn hanfeil lichtes, geleitz lank vor der hant und 
geileitz lank darhynden; syn frauw sali brengen lauwe**) und eynen 20 

a) soe wie man das in dem heiligen send wisen soie, so. wanne der seend- 
herrn gesitze von wegen des coerbisclioffp und den heiligen seent besitzen willfc -j- F. 

b) In F ist vom Kirchherrn nicht die Eede; der Sendherr fragt, „ob es 
zeit seie von jähren und von dagen, den hl. sent zu besitzen von wegen des 
ourbischoffs". 25 

c) Das Eingeklammerte ist Zusatz in ß. — In C erscheint es als eigenes 
Weistum : Diss ist das weistumb des heiligen sehends zue Ediger. — Item weiset 
der sehendscheffen den hl. sehend unserem würdigen herren, dem chorbischoff 
zue Trier, einem sehenddechant von seinen würden wegen, des vierten jars zue 
besetzen. Zum ersten soll kommen ein sehenddechant von wegen eines würdigen 30, 
herren churbischoffs mit achtemhalb pferde . . . Das übrige wie in B, nur die 
Leistungen um die Hälfte vermindert. — In F folgt dieser. Absatz mit 2 b in 
der Fassung von nach Abs. 4; ganz am Schluss (nach 7) heisst es anhangs- 
weise, dass der Ohorbischof mit 15 Pferden kommen und auf dem Altar acht 
Unzen Pf. und 6 Mark finden soll. 35 

d) bürde F. 

e) Von anderer Hand eingefügt. — D hat ganz am Schlüsse den auf diese 
Leistungen bezüglichen Zusatz: „Item die 2 Donische (Daunische) malter haberen, 
zwei sester salz, zwo pienter weins, 24 pennink weizbroits und 24 vor einen 
braiden mit dem holz sollen die gemeinde gelieberen uff den wiedemhoff und 40 
das hiebt der sehenddechent zur zeit das halb theil und das ander theil die. 
sehendscheffen zevoUest irer kost, darumb dass sie bey dem sehenddechant 
pleiben und den sehend helfen vollendigen". 

^) Kirchherr war der Domprobst zu Trier (Lorenzi II 166 f.). 

"^S Zwischen St. Lukas und St. Mathias, d. h. zwischen 18. Okt. und 24. Febr. 

'j Von trennen, also Grenze, Grenzpfahl. 

^) Sporen von Ilagedorn als Ersatz für metallene. So öfter, z. B. im Send- 
register von 1475 für Gondershausen (Nr. 19): cum calcaribus vulg. h a en- 
do rn sporn. 

") Sie sollen damit Genüge getan haben. 

") Seife (lixivia im Sendregister von 1475 wiederholt). 


190 Erzdiözese Trier. Nr. 101. 

kam und ein scherre. Abe sach were, das ein seyntdechen begerde 
seyn heaft zu lauwen, sali sy yme das doyn. Wanne sy das also 
gedoint, dan sullen sy mit eym seyntdechen essen]«). 

[2b] Item wat der sentscheffen dar wyset, dat wyset er zwen 
5deil dem sentdechen und das drytteyl den sentscheffen, was dae 
roegen quemen ader arapts halber zu follest erer cost'')^). 

[3] Item fragt der sentdechen, wie ers vort begynnen solle; 
dae wyset der sentscheffen, er solle herrin heyschen eyn mayl, 
zu dem zweyten mall und zo dem drytten mayl myt recht al 

lOdieghene, die zo diesem heiigen sente gehoirich synt. 

[4] Item dan fraigt er, wie ers fort begynnen solle. Item 
dar uff wyst der sentscheffen, er solle banne und freden donne 
dem heiigen sent van wyegen gots des almechtigen und synner 
liever moder Marien und des heyigen buschoffs sennt Myrtens, 

15 der eyn patron ist dyss gotshuys, das nyemant in des andern wort 
einrede; nemant des anderen stelle inbesytze, er en doe es denn 
myt orloff. Scheltwort, oberbracht sollt ir ayffstellen also lang, 
als der heilige syent wert. 

[5] Dann fraigt er, wie ers vort begynnen sulle. Item dair 

20 uff wyset der sentescheffen, er solle manen den syentscheffen myt 
deme eyde, den er gode und synner liever moder und der heyliger 
chrystlicher kirchen und synnem sentscheffenstolle gedane halt und 
die gmeynsliude uff ere chrystliche truwe, das sy usghene und be- 
denken sych und brengen alle das ghene vor, das wyeder das ge- 

25 bot gots ist und der heyiger Christenkirchen ''). 

[6] Item dann fraigt der sentherre ader dechen nhae buwe 
und zirrayt der heyiger kyrchen myt ander naych folgenden werten. 
— Item dar uff wyst der sentscheffen: were alle sloesse, scellen 
und alle fassonk des heiligen sacraments van clarem gold gemacht 

30 und alle finstren pure luytter glass, noch dan en were der froehen- 
lichnam unsers herrn nyet als wyrdeclichen verwart als er des 
woyll wyrdig ist. Doch hait uns got gnaede gedan byssher, das 
myr eynen vernünftigen kyrchherrn hain und eme myt syme rade 


a) G: Ibidem 3 marcas pro cathedratico coloniensea et 4 unzen, 10 hall. 
35 pro unza. Item ibidem receptio apud dominum pastorem cum 7'/2 equis et tot 

viris, quibus pastor bene tractabit et faciet eis sufficientiam. Item sinodales 
equestres obviabunt domino sinodali apud locum, qui dicitur ad trauter; si non 
liabent calcaria de ferro nee aliquo alio metallo, sufficit, quod habent calcaria 
de ramo vel ligno corneo. Item communitas tenetur presentare 1 malder avene 
40 DuDSch maisse et pondus vini, item 1 sextariura salis, item 12 d. pro assatura, 
item 12 d. pro panibus, item vecturam ligni partim viridi et partim aridi, que 
extendunt se ad 1 florenum. Item de quolibet officio 1 haller. 

b) was er auf dem elter findt, da hat der senntscheffen uichst an -j- F- — 
G: Et sinodales habent terciam partem de predictis Omnibus, preterquam de 

45 cathedratico, quod solum est commissarii. 

c) und solle ihnen damit die irste manung geben und sullen mir mit 
unsei'em naperen bestehen off man sey übersehen habe -\- F. 


^) Zur Vervollständigung ihrer Kost. 


Nr. 101. * Ediger. 191 

eynen verstendigen glockiier geben hayn, die myt den dyngen umb 
gaint; wan rayr versthene^) eynchen gebrech, soe besthene^) myrs 
zo verbesseren naich vermoegden unser kyrchen. 

[Ich") N. gereden und geloben gott von himraelreich, Marien 
seiner heiligen und gebenedeiten mutter, allen gottes heiligen und 5 
s. Martine, patrono dieses gotteshaus, unserm allerheiligsten in 
gott vattern dem bapst, allen seinen cardinalen, dem .würdigen 
dechant und ganzen capittel des thumstiefts Trier, dem pastor 
dieser kirchen und allen seinen nachkommen dem heiligen sehend 
gehorsam zu sein, fürzebringen und zethuen alle das jene, das 10 
wieder gott, die heilige christgleubige kierch und der sehelen 
seheligkeit, auch wieder den heiligen christlichen glauben, des 
ordenung und die zehen gebotter ist, so viel mir solches wisslich 
und kundig where nach alter geistlicher und loblicher gewonheit 
und will des nit achterlassen umb einiche lieb oder leid, goldis 
noch sielber, freundschafft oder magschafft noch einich er anderen 
Sachen willen, welche die warheit, gottes ehr sambt allen anderen 
geistlichen Ordnung hienderen, irren, verstoiren oder zumal ver- 
nichten mag, doch hierin aigentlich abgesondert und furhien aus- 
gescheiden meinen pastor und meine ehelige hausfrauw. Solches 20 
alles und jedes gereden ich N. und fast geloben in allen triuwen 
und aidstede alle weg ohn widerlass und unzebrechlig zehalten 
sonder einiche argelist, so mir gott helf, alle seine liebe heiligen 
und die evangelische 1er. Amen. 

Appositum est hoc iuramentum anno 1539 ipso die Martis25 
ante praesentationis Christiparae Mariae ^) per me Joannem Sheven 
eo tum parochum Edigeranum licet indignum.] 

II. Fassung E. 
Weistumb des heiligen sehendscheffenstuels zue Ediger. 

[1] Wannhe zue zeit ihm jher ein sehenddechant von wegen 
unsers gnedigsten herrn oder churbischoff von Trier erscheinen 30 
wurden nach alter heiliger und loblicher gewonheit, als dan fragt 
er zum ersten, ob auch zeit, tag, stund und uhr seie, dar man 
den heiligen sehend besitzen solle. — Daruff antworten die erbare 
sehendscheffen: Würdiger her sehenddechant! Ja solichs ist heuwt 
gleichs tag, stund und uhr mit sambt allen anderen dingen zue 35 
gottes ehr und zu volnbringen. 

[2] Warhan fragt der sehenddechant aigentlich die ehrsamen 
sehendscheffen, ob auch der heilig sehend zue rechter zeit vorhien 


a) Das Eingeklammerte folgt in C nach dem Weistum über die Rechte 
des Senddekans (vgl. oben S. 189c). 


^) wahrnehmen. 
-) sind wir bedacht. 
") 1539 Nov. 19. 


192 Erzdiözese Trier. * . Nr.'lOl. 

verkündiget" seyl-; t—- Antworten- dar: uff die sehendscheffen ja oder' 
nein, welches dän diewarheit ist.. ■ 

[3] Weiters fragt der sehenddechant die erbare sehendscheffen, 
wie efs .forter beginnen, solle. — Antworten dar uff die sehend- 
öscheff'en: Würdiger her senddechant, wir begeren von euwer 
würden, uns einen zu vergunnen under uns oder anderen hiebey- 
steudigen, das er uns . und unsers sendscheffenstuels weistumb, 
hierin schrifftlig verfasset, von wort zue wort vorlesen wolle gleich 
wie solche alleweg von allen unseren voralteren in löblichem brauch 

lOund ubung gewesen ist.. 

[4]. Dar uff antwort der senddechant: -Ta,. seid gewert eyner 
biett und sagt.: mir, wie • ichs weiter beginnen soll. — Als dan 
leset, der. von den . sehendscheffen darzu erkoren ist, ihrer send- 
scheffen weistumb und sagt : • 

15; • Item weiset der sendscheffen . . .. [folgt nun das Weistum 

in Fassung B; jedoch ist vor Absatz [6] der letzteren eingeschaltet] : 

Dar uff begeren die sendscheffen von dem senddechant Urlaub, 

sich mit. ihren. nachbarn.darmit zeberathen und gehent gleich uff 

den kirchhoff und. lesen aus ihrem registro ieckliches namen, dar- 

20 mit sich unter einander befragen, ob jemand etwas vernahmen 
hett oder wisse, das rohbar sey und genugsam where, in den 
heiligen .send. zebringen; und wannhe solche fleissige erforschung 
uff' das. schärfste geschehen ist, solches brengen die sendscheffen 
nach vermeldung der gemeinden .dem sehenddechant. an. 

25 .[Hieraufkommt der letzte [6] Absatz des Weistums mit einigen 
unwesentlichen Erweiterungen ; zum Schlüsse ist • getrennt davon 
die Bemerkung angefügt].: 

Zu wissen, whann etwas gebrechs, irrtumbs oder zweytrags 
queme under den dechant, sendscheffen und kirchhern, betreffen 

30 weistumb . des heiligen . sends zue Ediger,, solches alles soll gans 
upd gar ahm ,uberhofj nemlig zue Zell ^) entricht, niederlagt, ver- 
ainiget und vollendet werden, sonder einigs anders rechts, geist- 
lich oder weltlig ersuchung. 

Item das stullgeld zur zeit sollen . geben der kirchher zue 

35 Ediger zwey theil und das dritt theil die ander, mittheiles des 
kornszehendes zue Ediger und Eller^). 

[Nach Aufführung einiger Abgaben an die Sendschöffen kommt 
ein Erkenntnis des Sendoberhofs zu Zell v. J. 1554]: 

Nota. was der oberhoff zue Zell im send weist: Anno 

40 domini 15,54, nachdem sich .Irrtum. und spen an der election und 
erwhoelung halb durch absterben eines sendscheffen zue Ediger 
zugetragen zwischen ihnen selbst und dem pastor, also dass zwen 
durch den pastor und sendscheffen zweyspals halb in eines ver- 


^) Zell, zwei Stunden moselauf wärts von Ediger. 

^) Eller, V^ Stunde moselauf wärts von Ediger, bis 1142 Mutterpfarrei für 


Ediger (Lorenzi II 166). 


Nr. 102. Ehrang. 193 

storbenen stodt elegiert und praesentiert worden sein, ist dero- 
lialben zue Zell den schaffen, dahin man dan zue oberhoff nach 
laut des sendscheffenweistumb fharren soll, geschrieben worden; 
daruff sie zeberichten geben : So wie sie der election halben kein 
schriftlich hetten, sonder wher dies ihr gebrauch und alt her- 5 
kommen, wanhe und welche zeit ein senddechant den send ver- 
kündigen lasset, wher ein jeder burger hiebey zekommen gedrungen 
und whan der senddechant in der kirchen sess, so soll der Iderch- 
herr sitzen zur linken selten; fragt alsdan der senddechant die 
scheffen zum ersten mit diesen oder dergleichen werten : Ihr send- 10 
scheffen ich fragen von wegen des heiligen sends, obe der scheffen- 
stuU ganz seye. Ist er dan nit ganz, so befehlet er ihnen, das 
sie abtreden und den stuhl ganz machen. Alsdan beraidtschlagen 
sich die sendscheffen und nhemen ein tuglige person in des ver- 
storbenen Stadt; der senddechant aber und kierchherren lassen sie 15 
uff ihren sthuellen sitzen und nehmen sie nitt in ihren rath. Und 
wannhe sie also der person halb zufrieden sein, so benennen sie 
dieselbig dem senddechant, welcher ihnen dan ausprueffet, liest 
ihme den aid für und setzt in des verstorbenen stadt und wer 
solches uff 30 jhar lang und lenger den menschengedenken erraicht, 20 
der gebrauch gewessen. 

102. Send- und Kirclienweistum von Ehrang. 

17. Jahrh, 

Ehrang, Fl. Eheinprov., Kr. Trier-Land. 

Abschr. des 17. Jahrh., Pap. 2", StA. Koblenz, Kurtrier, Aemter und Ortsch. 

Ungedruckt. 

Uraltes sehenderweistumb und erkentnus s. Peterskirchen des 
fleckens Eranck. 

1. Erstlich erkennen wir sehender, was und wie wir von 
unseren vorfaren von alters gehört, gewiesen und gelehrt sein 25 
nemlich: einem erweiten ehrwürdigen hern abt zu s. Mergen ^) vor 
einen wahren giffter in sein statt uns diesser kirchen darstellen 
wird, demselbigen in allen geistlichen Sachen und kyrchenord- 
nungen zu gehorsamen und zu ehren als unsren pharren selbs. 

2. Desgleichen obgenannten hern abt erkennen wir vor einen 30 
sehendhern, wie von alters und bis auf diesen tag nicht anders 
herbracht worden ist und wir anders nicht gesehen noch gehört 
haben. 

3. Dero kirchen gedächs, baws, erhaltung lassen wir das da- 
bey bleiben, wie von alters brauchlich und erkent worden ist. 35 

4. Was unsers ehrwürdigen hern capellans, welchem ihre ehr- 
würden in seine platz hiehero setzen oder stellen wird, gerechtig- 


^) Abtei St. Maria zu den Märtyrern bei Trier (vgl. J. Marx, Erzstift 
Trier III [1860] 234 ff.); die Inkorporation fand 1208 statt (Lorenzi I 214). 

Koeniger, SenclqneUen. 13 


194 Erzdiözese Trier. Nr. 103, 104. 

keit' anlangen tliut, lassen und erkennen wir, wie von alters ge^ 
bräuchlich ist gewesen, ihme zu geben und zu gemessen zu lassen! 
: 5w. Die zahl allerhand viehes zu halten oder wass sonsten 
zwuschen der gemeinen und unserem ehrw. hern oder pastor streitig 
5 werden mögt, lassen wir solches verpleiben bey gebrauch, wie bey 
unseren benachpawren unden und oben. 

6. Erkennen wir im fahl und wofern zwuschen sehender und 
der gemeinen oder dem kirchhern was misell oder Streits erstehen 
würde (welches gott verhuden wolle), das alsdan die klag oder 

10 misell vor unsern ehrwürdigen hern zu s. Morgen als einem giffter 
und wahren pastorn unser kirchen bracht solle werden und ent- 
scheiden; wofern aber ihre ehr würden die klagen nicht nider- 
legen kunte, so mögen alsdan die partheyn unsere andere gebür- 
liche Obrigkeit ersuchen, jedoch jeder obrigkeit vorbehalten ihres 

15 rechtens. 

Dieses ist unser sehenderweistumb, so wir von unseren for- 
fahren gehört, gelerth und gesehen haben und anders uns nicht 
beweust; da doch iemanz were, welchem es gebürth, so ein anders 
glaub- und warhafftiges weistumb hette oder wüste, solle er das- 

20 selbiges auflegen und lassen lesen, jedoch uns und unserem ehr- 
würdigen sendherrn ohne schaden und nachtheil. 

103. Sendweistiim von Halseiilbacli. 

1635 Jan. 4. 

Halsenbach, Df. Eheinpr., Kr. St. Goar. 

Abschr. des Sendweistums von 1635 Jan. 4 im PfA. Halsenbach; zit, Verz. 
Ehein. Weist. 81 Nr. 1124 (als Wittenhofer SW.), Tille I 38^). 

Gedruckt: Grimm II 455 (als Kratzenburger SW.), Lorsch, Ehein. 
Weist. I 1, 57 f. (enthält noch einen Art. 4, den Grimm nicht hat). — Das Kar- 
dener Sendregister von 1475 enthält unter Nr. 117 nur den Hinweis auf die 
Abgabe der Gemeinde (5 Malter Haber). 

104. Ordnungen und Protokolle von Heimbaeh. 

1657, 1659, 1681. 

I. Visitations- und Seiidordimng. 

1657. 

Heimbach, Df. Eheinpr., Kr. Neuwied. 

In einem Akt des Klosters Eomersdorf ^), enthaltend Send Protokolle (1657 
bis 1681) der Pfarrei Heimbach, deren Sendherr der Abt des Klosters war, be- 
findet sich fol.lv — 8v eine Visitations- und Sendordnung, Pap. 2°, ohne 
Jahr (A), StA. Koblenz, Aemter und Ortsch., Kl. Eomersdorf Nr. 169. . Darauf 
folgt ein abschriftliches Protokoll über die 1657 Mai 10 zu Kunostein-Engers 
a. Eh. gehaltene Send- und General Visitation, fol. 68 eine allgemeine Anweisung 
des Erzbischofs Karl Kaspar von Trier 1657 Mai 2 betr. Abhaltung der vom 
hl. Stuhl angeordneten Visitationen (vgl. dazu jetzt Andi'. Schüller, Pfarr- 

^) Ein Band im PfA. Halsenbach enthält Sendprotokolle von 1788 an 
(Tille I 38) 

^) Benediktinerabtei, 3 Stunden unterhalb Koblenz, rechts des Eheihs ("vgl. 
Marx, Erzstift Trier II 2 [1862] 189—192). 


Nr. 104 1. . ■ Seimbäcli. .'190 

Visitationen in der Erzdiözese Trier, Trier. Archiv 14 [1909] '29-^32) ; hierfür 
wird die Ordnung hergestellt und auch für Heimbach benützt worden sein: -^ 
Eine Abschr. derselben aus der gleichen Zeit liegt bei demselben Akt fol. 62^—65 v, 
.Pap. 2" (B). ' 

Ungedruckt. 

In visitatione synodali observanda. 

1. Primo et ante omnia per pastorem loci tribus diebus festi- 
vis successive e suggestu publicandum, qualiter reverendus et 
Dobilis dominus ab N., archidiaconiis tituli sancti N,, metropolitanae 
ecclesiae Treverensis consuetam Visitationen! synodalem hoc •annp 5 
per se vel commissarium . oportuno tempore celebrare statu erit. 
Quapropter synodales admonitos cupiat, ut ad opus tam piöm, .t^m 
salutare ac necessarium se praeparare totusque populus ad.con.VQ- 
cationem debito tempore faciendam pfflciose compareat. . ::?^ 

2. Postmodum ubi domino archidiacono commodum videbitm-,iio 
dictam visitationem instituej-e vel commissarium, suum ad id 'pera- 
gendum obligare necesse sit die aliquo dpminicp vel festivali praece-- 
denti per pastorem id denuo e suggestu populo denunciari, quo 
videlicet die aut hora omnes in ecclesia comparere ac huic actui 
Interesse debeant idque sub poena contumacibps et non comp.aren-iö 
tibus infligenda. 

3. Ubi dominus archidiaconus vel eins nomine commisßariüs 
sive decanus synodi tanquam visitator in loco comparere voluerit, 
considerabit primo et inquiret^^), penes quem vel ubi debeat diver- 
tere. Id autem plerumque penes pastorem loci (in domo dotis^),,20 
ut vocant) fieri consuevit. Deinde animadvertet"), an a synodali- 
bus vel iis, ad quos hoc spectat, excipitur (!)^); plerisque enim in 
locis certis quibusdam solemnitatibus sive ceremoniis visitatorem 
excipere eique obviam ire solent. Quod si in bis quicquc^m prae- 
termissum fuerit, protestandum erit de eo et quod per hoc nnllum 
praeiudicium. iuribus et authoritate archidiaconi fieri debeat. 25 

4. Quod vero archidiaconus certo numero personarum et equo; 
rum (veluti in quibusdam locis semiocto personis totidemque equis 
vel etiam accipitre aut canibus) comitatus comparere debeat, de eo, 
prout aliud decretum quoque existit, nuUa erit facienda difficultate ■ 
nihilque impedimenti adferet negotio, si minori numero advenerit, 30 
cum illud facultatis sit archidiaconi atque in eiusdem arbitrio con^ 
sistat, non autem necessitatis. Verum illud hoc loco animadver- 
tendum est^), si forte visitator paucioribus comitatus, quam per- 
missum sit, ad locum destinatum^) pervenerit, tuncs) pastori ac - 
synodalibus posse indicari propterea iuribus archidiaconi nihil debere 35 

a) et inquiret — B. 

b) dictua B. 

0) animad vertat B. 
^) excipeatur B. 

o) ut Hss. ' 

f) comitatus-destinatura fehlt in B durch Abschreibversehen. 
s) hunc B. ... 

13* 


196 Erzdiözese Trier. Nr. 104 1. 

decedere, nullum praeiudicium exinde debere generari, cum alio- 
guin vel pastor vel scabini aut communitas (ad) largiores expen- 
sas, si alias contingat maiori comitatu arcMdiaconum visitare, 
teneantur. 
5 5. Dein^) seorsim se informabit penes pastorem et synodales 
de consuetudine loci et modo^) sanctam synodum ibidem celebrandi 
visitator; quod si ipsi ignoraverint vel non meminerint, tunc visi- 
tator de bis eos informare poterit. 

6. Hora destinata synodales atqne omnes utriusgue sexus homi- 
lOnes per ternum campanae*") piüsum ad templum erunt congregandi. 

7. Quibus convenientibus primo soleAine sacrum celebretur 
vel, si id temporis ratio non feret^), devote aliquot dicantur 
preces. At deinde populo publice denuncietur, quare ibidem con- 
gregati convenerint, quid tractandum quidve agendum sit eaque, 

15 quae parte prima Agendae fol. 220 etc. de synodalibus habentur^), 
paucis explicentur. Hortentur quoque omnes, ut attentis et devotis 
animis huic actui tranquilli") Interesse velint. Id autem vel ipse 
visitator vel parochus aut alius quisquam idoneus praestare poterit. 

8. Quo facto archidiaconus sive commissarius eins sedeat super 
20scamno sive sedili ad hoc sibi praeparato faciatque sibi assidere 

synodales. 

9. Hoc loco annotandum duximus quod ab antiquo consuetu- 
-dinem plerisque in locis fuisse comperiamus, ut in mensa munda 
mappa arata eo loco, ubi visitator sedere debet, collocetur atque 

25 huic sanctae crucis et sanctorum reliquiae sive imagines aliquot 
nee non mensae accensae candelae imponantur; his item appone- 
bant virgam, peram, pectinem, forcipem aliaque id genus instru- 
menta poenalia, quibus transgressores et castigabiles- animadverte- 
bantur atque tunc ^) etiam declarabatur populo, quid signa ista de- 

SOmonstrarent; verum eum istum morem plerisque in locis desiisse 
intelligimus ; huic non immorabimur neque in locis istis, ubi con- 
suetudo illa viget, abrogandam, sed conservandam potius, et ubi 
ea esse desierit, nihilominus tamen alteris, sacra cruce et reliquiis 
sive imaginibus, ornandum duximus. 

35 10. Cum visitator cum synodalibus, ut dictum, consederit, 
quaerat primo ab iisdem, quot eorum esse debeant et num eorun- 
dem numerus sit completus, das ist: ob der stulh ganz sey. 

11. Quodsi unus vel plures synodalium desiderantur, complea- 
tur numerus eisque sie receptis iuramentum prout libro 10 Agen- 

40dae fol. 221 etc. continetur, deferatur. 


^) Dieses wie die folgenden Zitate stimmen für die Trierer Agende von 1574 


a) deinde B. 

b) modum B. 

c) campanarum B. 
ä) ferat B. 

«) tranquille B. 
f) hinc B. 


Nr. 1041. Heimbach. 197 

12. Quo loco hoc incidit, ut consideretur, quis vel gui ius aut 
consuetudinem liabeant eligendi vel praesentandi aut constituendi 
synodales. 

13. Quomodo autem iis in locis, ubi nulli sunt synodales vel 
ubi esse desierunt, constituendi sint, reperies libro primo Agendae 5 
fol. 221. 

14. Completo numero synodalium singulorum nomina ascri- 
bantur, etsi unum aut alfcerum legitima de causa abesse contigerit; 
eorum absentia non obstante nihilominus in quantum fieri potest 
procedatur, at si quis contumaciter se absentarit, annotetur talis et 10 
severius in eum animadvertatur debitaque poena mulctetur atque 
eins contumacia non obstante procedatur debito modo. 

15. Dehinc visitans interrogabit synodales, anne agnoscant 
sanctam synodum praesentis anni cum omni solemnitate et iure 
spectare ad dominum arcMdiaconum loci. 15 

16. Quodsi dixerint debitum tempus elapsum esse, tunc visitans 
iustas impedimenti causas quove minus tempestivius procedere potue- 
rit indicabit. Atque ita facta informatione procedatur in negotio ; non 
enim de substantia rei est ad certum diem velle allegare synodum 
neque illud statuere*) erit synodalium, dummodo per hoc alterius20 
ius non minuatur. Si vero synodales tempus oportunum esse con- 
cesserint, tunc procedatur ad ulteriora, 

17. Et quaerat visitator a synodalibus, anne publicatio cele- 
brandi synodum facta et praesens dies ad hoc constitutus (sit). 

18. Item inquiratur, an omnes eiusdem communitatis homines25 
sint praesentes et si qui absentes reperti fuerint, annotentur et 
qui praeter iustam et rationabilem causam se absentarint, decreto 
synodalium mulctentur eorumque poena ascribatur. 

19. Post haec visitator petet a synodalibus informationem 
procedendi in celebranda visitatione synodali. 30 

20. Tunc senior synodalium nomine reliquorum respondebit 
sanctam synodum debere banniri et libertati tradi, das ist: man 
sol den heiligen send bannen und freyen. 

21. Atque tunc visitatore annuente et iubente senior synoda- 
lium vel alius eorum, qui ad hoc magis idoneus repertus fuerit, 35 
vel si nuUus eorum ^) id peragere potuerit, ipse praeses synodi, 
quem et visitatorem nominamus, haec verba dicet, ut sequuntur •') : 

22. Ich thue dem heiigen send heut zu dag bahn und fried und 
gepiett in namen des allemachtigen gottes, Marien, seiner lieber 
muetter, der h. aposteln st. Peter und st. Paulus, des heiligs st. N. 40 
als Patronen und haushalter dieser kirchen und allen lieben heiligen 
gottes und in namen des hochwirdigsten unsers gnedigsten erz- 
bischoffs und churfursten zu Trier, in namen eines hochwirdigen 


a) statuerit Hss. 

b) qui -eorum in B ausgelassen. 

c) ut sequ. — B. 


198 Erzdiözese Trier. Nr. 104.1. 

domcapit'tuls^' in riamen unsers ehrwirdigen hern des clmrbisclioffs, 
in n amen des gegenwurdigen hern commissarii, in namen des hern 
pastors, in namen der sendscheffen und in namen der ganzen ge- 
meinden dieser pharen, dass keiner ufstehe, ussgehe, des andern 
5 statt besitze ohn erlaubnus; sulches gepiet ich zum ersten, zum 
zweiten und zum dritten. 

23. Reperio in antiquis codicibus quandoque hoc loco per ali- 
quem scabinorum factam fuisse declarationem huius instituti syno- 
dalis idque petente commissario vel per ipsum et commissarium 

10 factum fuisse. Verum convenientius videtur eo loco, prout §§ 
supra 7 et 8. diximus^ id fleri^ proinde erit hoc loco tamen vel ibi 
fieri, dummodo non praetermittatur. Annotavimus tamen seorsim, 
quomodo quibusve verbis antiquos usus esse comperierim. . 

24. Tunc iucipiet visitans ad interrogandum synodales pro- 
iScedere et tunc, cum interrogaverit, an censeant ipsum debito 

tempore, debito comitatu et modo comparuisse, de quibus tamen 
supra §§- 15 et 16 diximus; quaeret ab iisdem, ut super iuribus 
ipsius archidiaconi cognoscant, quod videlicet ei debeatur tam iure 
cathedratici^) quam alias, quodque in altari debeat requirere, quid 

20parochus, quid custos templi, quid synodales, quid communitas 
eidem dare vel praestare debeat, quid de singulis cistis vel aliis 
rebus in ecclesia vel eins immunitate custodiae causa depositis dari 
Gonsueverit et quantum eins archidiacono debeatur. De bis autem 
reperitur in antiquis libris visitationis, quorum copiam his appo- 

25suimus^) et quibus synodales, si forte ista ignoraverint, informari 
poterint. 

25. Expeditis illis üunt inquisitiones de pastoris persona, quo 
tempore durante iubeatur parochus parumper secedere, videlicet in 
modum, qui sequitur: an sit verus pastor vel mercenarius; quis ei 

SOparochiam contulerit; quem vel quos existiment synodales esse col- 
latorem aut collatores vel cui aut quibus ius praesentandi competere 
consuetudine compertum^) habeant; an personaliter resideat vel 
absens alicubi agat aut frequenter se absentet; an quoad per- 
agendum officium suum qualificatus censeatur; an in peragendo 

35 officio suo, celebrationibus, concionibus, sacramentorum administra- 
tiöne, doctrina fidei catholicae atque aliis divinis et spiritualibus 
exercitiis praesit bene communitati; an in reliqua vita et moribus, 
in habitu gestuque condecenter se gerat et num tabernas et co- 
messationes frequentet et ebrietati addictus an aleis ludet, choreas 

40ducat aut alia illicita faciat; anne de Incontinentia suspectus; an 
bona, census, proventus et alia bona laboriosa, si quae sunt"), con- 
servet. 


a) cathedrali B. 

b) receptum B. 

c) sint B. 


^) Befinden sich nicht bei dem Akt. 


Nr. 1041. . Heimbaeli. 199 

26. Similis inquisitio fiet de sacellanis, si qui sunt^), äut 
primissario loci. 

27. . Postea revocato pastore quaerentur ab eo, sequentia: an 
habeat defectum librorum necessariorum in ecclesia, cuiusmodi 
sunt missalia^ psalteria, ' agendae et alii pro exigentia loci neces- 5 
sarii; item an sint monstrantia, vasa debita pro reponenda eucha- 
ristia, sacro oleo et chrismate, calices cum suis attinentiis;; item 
ornamenta sacerdotalia, requisita et alia in ecclesia necessaria; 
item an sint omnia munda; an condecentem habeat habitationem, 
Quibus . inspectis, si defectus reperiatur, quaerat a synodalibus, 10 
quis ad reparationem borum omnium vel singulorum teneatur. 
Item mandetur illis, ad quos spectat, ut infra tempus certum ista 
omnia emendentur sub poena idque certa. 

28. De custode templi in genere deinde quaeratur a paroclio 
aut synodalibus, an is suo officio debite fungatur, et si non iuräverit, 15 
deferat.ei iuramentum prout in libro Agendae prioris fol. 226. 

29. Deinde vicissim petatur ab ipso custode, ut yigore praestiti 
sui iuramenti dicat: an satis olei habeat habueritque hactenus con- 
servandi lampadem ante venerabile sacramentum et aliis in locis 
ordinatis: an candelas sufficientes habeat et habuerit pro divinis20 
offlciis per annum peragendis ; an habeat ampullas, an candelabra, an 
labrura aqua sacrata et an integrum, an pulpitae requisita, an thuri- 
bulum, an lucernam ante venerabile sacramentum deferri solitam, 
an vexilla, cruces in processionibus perferri solitas, an campanarum 
funes integri; an venerabile sacramentum bene reclusum, an 25 
baptisterium reclusum; an portae templi bene recludi possint et: an 
aliis rebus,, quae ipsius custodiae commissae sunt, aliquis sit de- 
fectus. His Omnibus diligenter inspectis, si defectus reperiatur, 
quaeratur a synodalibus,. quis ad reparationem teneatur et quae 
Sit emenda mandeturque, ut r^ormentur omnia infra certum. ter- 30 
minum sub poena idque certa. 

30. Postmodum successive de vita singulorum synodalium in- 
quiratur sie, ut is, de quo quaeritur, secedat tantisper, donec 
singuli Vota sua dixerint vel unus synodalium nomine reliquorum 
omnium responsum dederit. 35 

31. Facta illa inquisitione progrediatur iuxta quaestiones syno- 
dales in parte Agendae fol.. 223 descriptas, quas nos quoque 
seorsim descripsimus eisque dictiones quasdam ex antiquioribus 
visitationum libris descriptas subiuuximus : an sint confraternitates, 
quales, a quibus fundatae et quibus oneribus et emolumentis; an 40 
sint hospitalia, quibus proventibus dotata, quis praesit, quorsum 
cedant redditus et an in debitum usum elargiantur an etiam red- 
dant rationem prout supra numero 30; an sint magistri fabricae 
ecclesiae; si non sunt*), tunc constituantur, prout in priore parte 
Agendae fol. 220 habetur sub titulo „de priori parte offlcii syno-45 

a) sint B. 


200 Erzdiözese Trier. ••* Nr. 1041. 

dalium", atque illis dicatur, quid offlcii ac oneris ipsis incumbat 
debitumque ab illis exigatur iuramentum. 

Ob iemand sey, der an verbotner zeit und tag fleische speise 

und geniess; an litera iuriura ecclesiae et redituum eiusdem tarn 

Spastoris quam aliorum beneficiorum loci ac etiam proventuum fa- 

bricae in bona custodia conserventur, sicut non unus solus, sed 

plures eiusdem custodiae claves habeant. 

De moderatore scholae aut puerorum praeceptore, ut si talis 
eo loco est, de qualitate eiusdem fiat inquisitio et professio fidei 
10 iuxta decreta concilii Tridentini, cuius copia est in priore parte 
Agendae fol. 239 et fol. 242, ab eo exigatur. 

[32] Postea dicatur synodalibus: 

Ihr Sender, ich manen euch uf eire gethane eid, wisset ihr 

etwas, darnach noth were zu fragen und ich nicht gefraget hab, dass 

15 ihr mich daran mahnet und vorbrenget, ehr dan ich von euch scheide? 

[33] Deinde dicatur campanatori, custodi aut praeconi : 

Klöckener, ruff auf, ob iemand sey hey gegenwertig, der etwas 
wisse, so den heiligen send antreffe und notwendig sey anzuzeigen, 
dass derselbig herfür komme; sol man ihm thun, was recht ist. 
20 [34] His peractis fiat iterum concio brevis et adhortatio ad 
populum, in qua concione adhortetur ad pietatem, devotionem et 
tarn saecularis quam ecclesiastici magistratus obedientiam; item 
ut pastori suo in rebus Ileitis et honestis iisque ecclesiasticis ob- 
teraperent, decimas de iure divino praeceptas solvant, oblationes 
25 altaris consuetas, praecipue vero in solemnioribus festivitatibus 
non negligant nee praetermittant. 

Item sol man den wierten, so gestereyen halten oder wein 

verschapen ^), anzeigen, dass sie sontags und heiligs tags, eher 

dan zuvor das ampt der hohen mess und predig aus sey, keinen 

30 zu zechen oder zu drinken nieder lassen sitzen, es seyen dan 

frembde und so etwan Vorhabens sein zu reisen. 

[35] Peracta concione dicantur devote aliquot orationes pro 
peccatis, pro magistratu ecclesiastico et saeculari, pro pace et 
tranquillitate ecclesiae. Et deinde confessione generali et abso- 
35lutione dicta publicentur et dentur indulgentiae a Sylvestro papa 
ad preces s. Helenae imperatoris, quae fuit principalis inceptrix 
sanctae synodi^), et etiam indulgentiae a reverendissimo domino 
nostro archiepiscopo Treverensi concessae. 

a) verzapfen B. 


^) Dass die Verleihung dieses Ablasses und die Zurückführung der Synode 
(Send) auf St. Helena den geschichtlichen Tatsachen nicht entspricht, ist ohne 
weiteres klar. Das Sendweistum von Konzen 1415 (Grimm VI 702), wie auch 
eine Aachener Urkunde von 1591 Febr. 14 (H. Keussen, Der Kölner Prozess 
gegen Gerhard Eilerborn, ZAachener Gesch. -Ver. 15 [1893] 60) nennen Karl d. 
Gr. als Urheber des Sends. Vgl. auch das Eüstringer und Westerlauwer 
Sendrecht (13. bezw. 15. Jahrh.; Eichthofen 127; 406). Näheres hierüber 
im II. (darstellenden) Band. 


Nr. 104 II. Heimbach. 201 

[36] In correctione excessuum habenda erit ratio delictornm, 
similiter in exigendis mulctis pecuniaviis ^), ex quibus merito pars 
converti debet ad pios usus, sicuti sunt in elemosina, ad fabricam 
vel ornationem templi, ad reparationem ornamentorum ecclesiae 
vel ad luminaria, quo casu etiam cera vel oleum danda iniunguntur, 5 
et similia; reliquum cedit pro iure archidiaconi ex sumptibus in 
visitatione faciendis. Volunt etiam synodales quibusdam in locis 
partem emendarum sibi deberi; id qnomodo observatum fuerit, 
animadvertet visitator. In gravioribus delictis et casibus summo 
pontiflci vel archiepiscopo reservatis qualiter agendum"^); com- 10 
mittendum synodalibus ad vim iuraraentorum suornm, ut si contingat, 
vacare aliquod beneflcium in illa ecclesia, illud infra mensis spa- 
tium denuncient archidiacono vel eins judici aut comraissario. , 

Es folgen noch 5 Interrogatorien : Speciale examen et inquisitio 
de decanis ruralibus, pastoribus, vicariiS; primissariis, capellanis, 15 
altaristis aliisque beneficiatis faciendum. 

n. Sendordimiig. 

1659. 

Aus dena für die vorhergehende Visitations- und Sendordnung 1657 ange- 
führten Akt fol. 110a— lila (falsch eingeheftet statt fol. 108*). Die SO. ist für 
den Send von 1659 Juni 15 von dem als Sendsekretär fungierenden Superior 
Philipp Hanekrott in Komersdorf hergestellt und steht vor dem betr. Protokoll 
(s. nächstes Stück). 

Ungedruckt. 

1. Ad adventum domini sinodalis compulsantur campanae ma- 
netque dominus sinodalis ante ostium templi stans, donec a pastore 
loci et schola processionaliter introducatur. 

2. Ingressis itaque omnibus dominus sinodalis ingreditur sa-20 
cristiam et induitur superpelliceo et stola et mox egreditur genu- 
flectens ante summum altare, ubi canitur antiphona: Veni sancte 
Spiritus; subiungit dominus sinodalis versum cum collecta. 

3. Dein surgit et accedit sanctuarium, ubi accipit pixidem sacram 
et defert cum lumine ad altare, aperit et lustrat datque ante et post25 
benedictionem et relinquit in altare. Dein vadit et lustrat sacros 
liquores. Quo facto vadit ad baptisterium apertumque lustrat et 
sie vadit ad sacristiam induiturque paramentis sacerdotalibus et 
inchoatur summum sacrum vel de s. Spiritu vel de festo. 

4. Sacro et concione absoluta, si in ipsa concione non fuerit 30 
populus monitus circa sinodum, brevis fit monitio circa sinodum 
habendam. Sub quo sermone sedet dominus sinodalis cum suis 
sociis ad mensam iam ante paratani, in qua posita sunt crux, sanc- 
torum reliquiae, candelae accensae, virga, pecten, forceps, lapides; 
assidentque simul sinodales. 35 

5. Sermone ipso fiuito inquirat dominus sinodalis ex scabinis, 

a) pecuniosis B. 

^) Der Satz ist nicht vollendet, weder in A noch in B. 


202 Erzdiözese Trier. Nr. 104,IL 

an numerus scabinorum Sit completus v. g. : Ist der sendscheffen- 
stull ganz? Eespondet senior ita vel non et deficiente uno vel 
altero instituantur. Hoc modo iubeantur et scabini sinodales 
nominare duos vel tres, e quibus praeses cum consilio commis- 
ösariorum et pastoris eligant, quem aptiorem iudicaverint. Electum 
dominus praeses mox faciat iurare secundum formam in Agenda 
praescriptam. 

6. Quo facto rursus assideant mensae et quaeratur a scabinis, 
an tempus sit servandi sinodum; an sinodus sit debite proclamata. 

10 Eespondet senior: Ita. Dein quaeratur, an omnes sint praesentes, 
que liuic sinodo Interesse debent. Ad quod surgunt sinodales et 
seorsim cuiuslibet pagi notantur absentes, qni postea ad chartam 
notantur. 

7. Dein quaerat dominus praeses, an sinodus debeat banniri 
15 et libertati tradi. Eesp. senior: man. soll den h. send bannen und 

frej^en. Dein surgens is, cui hoc commissum fuerit, dicat: Ich 
thue dem hl. send heut zu tag bahn und Med und gepiete in 
nahmen des almechtigen gottes, Mariae, seiner lieben mutter, der 
h. apostelen Petri und Pauli, der h. jungferen und martyrin s. Mar- 

aogarethae als patroninnen dieser kirchen und allen lieben heiligen 
gottes und in nahmen des hochwurdigsten unsers gnadigsten erz- 
bischolfs und churfursten zu Trier, in nahmen eines hochwurdigen 
thiimcapituls, iti nahmen des hochwurdigen herren Gerhardten, 
abbten des gotteshauss Romersdorf als sendherren, in nahmen des 

25 herren pastoris Petri Mertloch, in nahmen der sendscheifen und 
in nahmen der ganzen gemeinde dieser pfaren, das keiner aufstehe, 
ausgehe, des andren statt besitze ohn erlaubnus, auch iederman 
stille und zuchtig seye, keiner rede ohne erlaubnus, smehe oder 
zanke und solches gepiete ich zum ersten, zweiten und dritten. 

30 8. Quo facto petat praeses, an decreta novissimae sinodi sint 
executioni tradita; si ita, bene; sin minus, interrogetur, per quos 
vel quem hoc stet, et quantum fleri potest exequatur. 

9. Post legantur quaestiones sinodalium. 

10. Dein fiat inquisitio de pastore loci ipso nonnihil discedente; 
35 11. dein de sinodalibus, de custode templiet magistris fabricae; 

12. dein de vita singulorum et 

13. de obstetricibus. 

14. Ad arbitrium moneatur quilibet ut in directorio et sie 
consequenter. 

40 [15] Antequam surgatur ad benedictionem, nominentur in- 
venti rei, ut postea hora statuta compareant audientes, quid iis 
sit signiiicandum. 

[16] Tandem fiat generalis confessio et absolutio et dimittatur 
populus in pace., 


Nr. 104 III. iJeimbach. 203 

lil. SeiidprotokoU, zugleich Scndordnimg. 

1659 Juni 15. 

Konzept aus dem gleichen Akt wie das vorige Stüök, fol. 108, 109, 111b, 
112 und 113. 

Ungedruckt. 

Protocollum sanctae sinodi habitae in ecclesia Heimbacensi 
per reverendissimum dominum Gerhardum ab Anzen, abbatem in 
Romersdorf; anno 1659 ipsa dominica prima post Trinitatis, quae 
erat 15. Junii et dominica infra octavam venerabilis säcramenti»'). 

[1] Hanc ad horam circiter octavam comparenteb) dicto reve- 5 
rendissimo domino nostro meciim infrascripto ad hoc specialiter 
pro secretario assumpto in coemiterio ad ostium templi principale 
egressa est schola cum cruce et vexillis et pastore et introductus 
est dominus praelatus cautante schola antiplionam „Veni s. Spiri- 
tus" cumque pervenissemus ad cliorum, genuflexus dominus praela-io 
tus ad pedem sumrai altaris subiunxit versum et collectam de 
Spiritu sancto. 

[2] Moxque surgens ingressus est sacristiam, ubi induitur 
paramentis sacerdotalibus, pluviali, mitra cum diacono et sub- 
diacono in dalmaticis et ministris de pedo et mitra in superpelli- 15 
Ceis rursus venit ad cliorum et inclinans ante summum altare de- 
posita mitra et pedo accedit sanctuarium genuflectens et thurificans; 
dein surgens primo inspicit pixidem cum sacris hostiis, post pixi- 
dem cum sacris liquoribus. Tandem accipit monstrantiam cum 
Venerabili eamque deportat ad summum altare et populo tacite 20 
benedicens collocat in medio. 

[3] Post haec descendit ab altari et genuflectens surgit et 
cum ministris vadit ad fontem baptismalem gestans pedum in 
manibus cumque perventura esset ad fontem, sacrista aperit fontem, 
quo lustrato iterum claudit eundem et redit praelatus cum mi-25 
nistris ad altare; ibi genuflexus thuriflcat Venerabile et surgit 
accipitque Venerabile et conversus ad populum incipit: „Homo qui- 
dam fecit coenam magnam" ^) datque benedictiouem et egreditur 
processio. 

[4] Finita processione cantatur versus et collecta de „Veni 30 
sancte" et subsequitur sacrum de eodem, sub quo fit concio, in qua 
sub finera monetur populus de sinodo. 

[5] Absolute sacro et depositis paramentis in sacristia dominus 
praelatus induitur superpelliceo et stola et itur ad medium templi, 
ubi iam ante parata est raensa strata linteo et in ea crux, duae35 
candelae, virga, pecten, forceps et lapis. Ubi dominus praelatus 
a capite mensae sedet assidentque ei a latere dominus pastor 


a) Am Rand: debet per secretarium describi et mundari. 

b) comparentem Hs. 


1) Luc. U, 16. 


204 Erzdiözese Trier. Nr. 104 III.. 

F. Petrus Mertloch et ego infrascriptus uti secretarius ad hunc 
actum assumptus. 

[6j Jubetque dominus praelatus, ut scabini sinodales accedant; 
quibus in scamnis a lateribus positis assidentibus dominus prae- 
5 latus inquit: ad honorem dei omnipotentis, B. Mariae virginis et 
omnium sanctorum, ad exaltationem et augmentationem s. niatris 
ecclesiae catliolicae, ad emendationem vitae. et salutem animarum 
multarum hodie servandam esse s. sinodum idque in nomine -1- 
patris et -|- filii et -j- spiritus sancti. Amen. 

10 [7] Quapropter interrogat primo*): Num numerus scabinorum 
sinodalium sit completus et utrum omnes iuramentura praestiterint. 
Eespondetur omnes iuramentum praestitisse; vacare autem sino- 
dalem Heimbacensem post mortem Henrici Maxhein. 

[8] Subdit praelatus: Oportet ergo unum ex his, qui nobiscum 

15 sunt, in locum defuncti substitui iubetque, ut sinodales duos vel 
tres proponant, e quibus dominus sinodalis cum consilio pastoris 
unum eligat et nominet; debent autem nominare tales^ qui sint 
probatissimi viri, catholici religionis, qui etiam cum nuUa infamia 
neque macula notati fuerint. 

20 [9] Consulentes ergo scabini, nominant Georg Scheffer Heim- 
bacensem. Consultoque domino pastore dominus praelatus iubet nomi- 
natum^») accedere, quem coram se stantem alloquitur dominus praela- 
tus hoc fere modo: Ecce, carissime, proponunt te hodie, ut te in 
sinodalem eligam et constituam; quapropter oportet te ante omnia 

25scire**), quae sint tui offlcii. Moneturque novellus iuxta normam 
in Agenda fol. 220. Quo facto ait dominus praelatus ad novellum : 
Ecce, carissime, quodsi paratus es iuxta praedicta officio sinodali 
invigilare, da manum. Qua data dominus praelatus surgens publice 
promulgat electum hoc fere modo: Ihr gemeinde! Ich setze euch 

30 heut zu einem sendscheffen an den ehrberen und frommen G-eorg 

Scheffer, alhier burger zu Heimbach, befehlend demselben ge- 

pührende ehr zu erweisen und in seinem ampt nicht zu verhinderen. 

[10] Post quod itur ad sommum altare pro iuramento ibique 

circumstantibus omnibus sinodalibus novellus electus ante altare 

35 stans primo lavat manus in Signum, quod velit esse innocens suorum 
parochianorum contra legem dei et ecclesiae peccantium. Dein 


a) Hier sind Fragen ausgestrichen, die später wiederkehren, 
to) Am Eand: NB. Sola propositio competit sinodalibus, electio vero et 
nominatio competit abbati Eomersdorfensi. 

40 •=) Durchstrichen: ad hoc officium et honorem non denique debere eligi 

nisi virum per omnia probatum catholicum et pium, qui sit integrae et exem- 
plaris vitae, deum timeat et praecepta dei et s. matris ecclesiae diligenter servet, 
ne, dum alios corrigere et monere habet, ipse corrigibilis et monendus veniat. 
Quoä sinodales debeant esse et catholica fide et charitate zeloque ad tuendum 

45 dei cultum ecclesiasticum et a maioribus traditam disciplinam adeo insignes, ut 
reliquis parochianis vitae exemplo praeire valeant observentque illos . . . Hier 
bricht das Ausgestrichene ab; es deckt sich vöUig mit den Worten der im Text 
gleich danach zitierten Trierer Agende von 1574 S. 220 Abschnitt 3. 


Nr. 104 III. Heimbach. 205 

geniiflectit ad pedem altaris et gestans ambabus manibus cereum 
ardentem facit iuramentum in Agenda praescriptum fol. 221 domino 
praelato verbis praeeunte. 

[11] Postquam aiitem in forma iuraraenti nominatus fuit, emi- 
nentissimns archiepiscopus et princeps noster Carolus Casparus^) 5 
statim subdebatur: darnach unsrem ho ch würdigsten herren Ger- 
hardten, abbten nnd herren zu Romersdorf, unsrem pastoren und 
kirchherren Petro Mertloch, allen ihren befelchhaberen und nach- 
kommenden underthenige gehorsamkeit, so gelobe ich auch etc. 
usque ad finem. 10 

[12] Postquam ergo iuramentum cum reliquis in Agenda prae- 
scripta in choro peracta essent, iterum itur ad medium templi ibi- 
que considetur ut antea. Omnibus considentibus dominus praelatus 
iubet, ut annotentur nomina sinodalium,- respondet senior: nomina 
singulorum scabinortim synodalium suntque haec^). 15 

[13] An sit lempus servandi synodum? Resp. senior essetempus. 

[11] Quos agnoscant dominos synodales? Resp. archiepiscopum 
Trevirensem sive eins loca chorepiscopum s. Lubeutii^), praeterea 
admodum reverendum dominum abbatem in Romersdorf idque alter- 
native. 20 

[15] An synodus debite ternis vicibus sit proclamata? Resp. 
senior scabinorum esse debite proclamatam. 

[16] Num numerus scabinorum sinodalium sit completus et 
utrum omnes iuramentum praestiterint?*) 

[17] An omnes parochiani sint praesentes? Resp. ut nomina 25 
parochianorum legantur sicque absentes notari possint. Jubet ergo 
dominus praelatus, ut per pastorem legantur omnium nomina. 

[18] Reperti sunt absentes ex Heimbach: Henrich Schmidt; 
Georg Kirschhober; ex Weiss ^): Fritz Linninger«). 

[19] Quomodo ergo s. synodus nunc inchoanda est, quomodo in 30 
ea procedendum. Resp.: Man soll dem heiligen send bann und 
frieden verkundigen und diejenige, so in dem heiligen send rucht- 
bar fallen, straffen. 

[20] Ad quod dominus praelatus iubet me uti secretarium 
huius actus alta voce dicere, ut sequitur. 35 

Ich thue dem h. send heut zu tag bahn und fried und ge- 
piete in nahmen des almechtigen gottes, Mariae seiner lieber 
mutter, der heiligen apostelen Petri und Pauli, der h. jungfren 
st. Margarethae als patroninnen und haushalterin dieser pfarr- 

a) Die Namen stehen auch fol. 108''' oben, daneben bei den ersten zwei 
als Strafe 6 alb.; bei dem dritten: est citatus. 

1) 1652—1676. 

2) Die Namen sind nicht angegeben. 

^) Von Dietkirchen; Heimbach gehörte in das Archidialconat D. (darüber 
Marx, Erzstift Trier II 2, 124—127). 

*) Die bejahende Antwort des Schöffen ist hier zu denken, nachdem ja 
der Schöffenstuhl ergänzt wurde. 

") Weis bei Heimbach. 


206 Erzdiözese Trier. Nr. 104 III. 

kirchen und aller lieber heiligen göttes und in nahriien des hoch- 
wurdigsten , Carl Caisparen, unseres gnedigsten erzbischoffs und 
churfursten zu Trier, in nahmen eines hochwurdigen thumcapituls, 
in nahmen des hochwurdigen herrn Gerhardten, abbten zu Romers- 
5dorf, in nahmen des ehrwürdigen herrn Petri Mertloch, pastoren, 
in nahmen der sendscheffeu und in nahmen der ganzen gemeinde 
dieser pfarren und gepiete auf poen und stralf, das ein ieder frid- 
lich seye, keiner dem andren uberlestig seye mit der thatt oder 
Worten, auch der sendscheffeu in ihren stulen und gericht nicht 

10 hindere, keiner rede, uffstehe noch ausgehe ohne erlaubnus, solches 
gepiete ich zum ersten, zum zweyten und zum dritten. 

[21] Hoc facto interrögat praelatus, num decreta noyissimae 
synodi observentur. Resp.: Partim observari, partim non. 

[22] Tunc iussus legi alta voce dicta decreta uti hie sub 

l5no. 1 adiacent^). Cumque in iis §1 comperiretur non servari, 
iterum mandatum fuit servari idque sub poena contravenientium. 
Similiter conquaerebatur dominus pastor § 2 non servari atque 
ideo is quoque iubetur servari sub poena. 

§ 6. Von dem lehnausruffen und meyspill^) quia proxime 

20elapsis feriis pentecostes in hoc contra intimatum e cathedra pro- 
hibitionem graviter fuerat excessum ita, ut desuper ab einiuentis- 
simo principe emanavit poenale decretum hie sub no. 2 appositum ; 
ideo iussus alta voce praelegi dictum decretum ; quo lecto prae- 
latus vult scribi nomina eorum, qui iuxta illud decretum sunt rei. 

25Respondet senior scabinorum adolescentes petere veuiam et igno- 
scentiam, siquidem obtinuissent, relaxationem poenae. Dicit prae- 
latus, ut ergo adolescentes illud, quod ab eminentissimo decretum 
relaxationis obtinuissent, finita synodo exhibeant. 

§ 7. De magistris fabricae et hospitalis quaesitum fuit, num 

30qüoad hoc decretum sit observatum. Resp.: Magistrum hospitalis 
nunc esse mutatum, magistros fabricae adhuc mauere immutatos; 
dicit praelatus hos quoque mutandos, ut decreto satisfiat et eo 
maior positio sit Status ecclesiae in communitate; dein plures suc- 
cessive ad hoc officium assumuntur; non enim illa officia esse 

35 perpetua. 

[23] His ergo de praecedenti synodo examin atus iubet dominus 
praelatus per me legi clara voce quaestiones synodalium, proiit 


^) Sie liegen nicht mehr bei. 

^) Es handelt sich um einen Brauch., der vorzugsweise für den Mittelrhein 
und Hessen bezeugt ist: Jährlich am 1. Mai (oder an einem andern Tage) "ver- 
sammelten sich die Burschen und Mädchen des Dorfes und einer rief zuerst die 
Schönste aus und schlug sie dem Meistbietenden zu, deren Tänzer und Beschützer 
er auf 1 Jahr, ehrbaren Wandel vorausgesetzt, sein musste; er nahm sie zu 
„Lehen". Ebenso verfuhr man .mit den übrigen Mädchen ; diejenigen, auf welche 
niemand bot, liess sich ein Bursche in Bausch und Bogen zuschlagen. Die ein- 
kommenden Gelder deckten die Unkosten der an das Lehnausrufen sich knüpfen- 
den Vergnügungen. Vgl. Kück und Sonrey, Feste und Spiele des deutschen 
Landvolkes, S. Il5f. 


.Nr. 104 III. Heimbacli. 207 

habentur in Agenda fol. 223 sive prout habentur in lituali synodi 
Montaburanae, cuius copia bis adiacet!). Quibus per ordinem ita 
lectis iubet praelatus, ut scabini synodales iuramenti sui memores 
super quaestionibus praelectis invicem deliberent et si quae cor- 
rigenda et punienda sciant, ea ad protocollum referant, in quem 5 
finem parumper secedere et consulere possent. 

[24] Respondet scabinorum senior se iam ante inter se deli- 
berasse et nonnulla punienda notasse exhibetque schedulam reorum 
bis sub no. 3 adiunctam ^). 

[25] Lecta scheda dicit praelatus, quod scabini ulterius selO 
recolligere possint et, si quae praeterea occurreriut, a prandio hora 
conventionis propouant. 

[26] Exhibet post hoc nomine communitatis nnus de synoda- 
libus memoriale bic sub no. 4^). Quod cum legisset, dominus 
praelatus dicit se legisse memoriale communitatis; quia vero ad 15 
puncta se extemplo resolvere nequeat, hinc velle desuper de- 
liberare et coramunitati response satisfacere. 

[27] Dein dominus praelatus quaerit ex domino pastore sicnt 
ex synodalibus, num divina rite peragantur. Resp. quod sie. 

[28] Iterum quaerit ex pastore, num habeat librum, in quo 20 
notentur baptizati, desponsati, mortui. Respondet pastor se notare 
solum baptizatos, reliquos non^ iubetur, ut reliqui notentur in gene- 
rationes suas. 

[29] Iterum quaerit, primo de synodalibus, an officio bene 
fungantur et integrae sint vitae et faraae (potest autemalia vice 25 
in speciali fleri)'"^) secundo de magistris fabricae, de custode seu 
campanario, tertio de obstetricibus, num officio suo fungantur et 
num iurati sint; resp. affirmative. 

[30] Post baec dominus praelatus iubet, ut, quia de praesenti 
moderatorem scbolae non babeant, illum sibi provideant. 30 

[31] Postea iubet dominus praelatus omnes in communi per 
me moneri, ut si quis ex tota communitate sit, qui aliquid proferre 
habeat, quod per synodum emendandum foret, is prodeat et hoc 
pastori vel alicui synodali significet. Nemine (!) prodeunte dicit 
dominus praelatus : 7os synodales ! A.dmpneo vos iuramenti vestri, 35 
ut si quid sit interrogandum; cuius ego non feeerim mentionem, 
id mihi signiflcatis, antequam discedamus hinc. Respondet senior 
nil pro hac vice superesse nisi quod citentur illi nominatim, qui 
in hac synodo sunt accusati, ut post prandium hora competenti 
co'mpareant et suös excessus desuperque mulctam audiant." 40 


a) an-fieri am Eand. 


^) fol. 102a — 107b des ganzen Akts; vgl. die Sendordniing des St. Florin- 
stiftö zu Koblenz unten S. 220. . , 

-) Der betr. Zettel in 4° ist im Akt als fol. 18 eingeheftet; der Wortlaut 
steht am Ende dieses Stückes S. 208. 

•'') Liegt nicht mehr bei. 


208 Erzdiözese Trier. Nr. 104 III. 


[32] Quare iussus ego nomina singulorum alta voce legi et 
citavi, ut circa horam secundam pomeridianam in monasterio com- 
pareant. 

[33] Quo facto iussi sunt omnes manere, donec generali abso- 
5 lutione et benedictione accepta et facta aspersione aquae benedictae 
dimittantur. 

[34] Itaque ascendit dominus praelatus nobiscum ad summum 
altare, ubi recitato „conüteor" et absolutione data dominus prae- 
latus cum pedo et infula solemnem dat benedictionem, post quam 
10 dominus pastor aspergit populum et sie sanctae synodi finis in 
ecclesia imponitur. 

[35] Item hora secunda conveniunt omnes synodales in mo- 
nasterio ; comparent et rei. Quare consident synodales cum domino 
praelato in aulula et vocatur unus reus post alium hoc modo: 
isAbsentes in synodo Heinrich Schmidt, mulctatur 6 albis etc. 

[36] Post veniunt quidam adolescentes nomine aliquo de com- 
munitate et exhibent quoddam memoriale exhibitum eminentissimo 
principi cum eiusdem decreto, ut hie sub no. 5 adiacet^). Quod 
cum legisset dominus praelatus, increpat adolescentes, quod in suo 
20 memoriali falso informassent principem, quod scilicet sibi nunquam 
prohibita fuissent ista conventicula, cum tamen in ultima synodo 
illa satis strenue fuissent vetita, similiter ipsum accusarent ac si 
suae familiae in monasterio eosdem cursus et conventicula indul- 
sisset, quod tamen nunquam docere possent; unde non vult illos a 
25poena immunes. Ad intercessionem vero synodalium dimittit ado- 
lescentes, lusorem vero illorum, quia feria secunda pentecostes 
cum scandalo in Hausenborn 2) sub officio divino lusisset, mulctatur 
ad 1 ® cerae et flnitur iudiciura. 

[37] Sub finem synodalibus dantur 6 amphorae vini solvendae 
30 ex mulctis. 

Decreta huius synodi vide hie sub no. 6^), quae publicata 
sunt per pastorem dominica sequente, quae fuit 22. Junii. 
In fidem praemissorum 

F. Philippus Hanekrott, 
35 Superior in E-omersdorf, ad huuc actum specialiter 

assumptus secretarius, manu propria. 

[Anhang]*). 

Heimbacher sendrugen de anno 1659 die 15. Junii (praeside 
domino praelato Gerharde uti in protocöllo)-''). 

a) Das Eingeklammerte nachgetragen von der Hand des Sendsekretärs. 


^) Liegt nicht mehr bei. 

2) Hauseborn, Kap. nördl. von Heimbach. 

^) Liegen nicht mehr vor. 

*) Vgl. oben S. 207 Abs. 24. 


Nr. 104 IV. Heimbach. 209 

[1] Hans Görg Winnen hat sich vor der ehe mit seiner Elsen 
vergriffen. 

(Sendstraff ... 1 Rhlr. Solvit). 

[2] Hans Görg Müller hat sich mit seiner hausfrawen Anna 
vor der ehe vergriffen (und hat die cron getragen). 5 

(Sendstraff ... 1 Rhlr.). 

[3] Michels Zirvass, schuster zu Weiss, hat in festo purifi- 
cationis Mariae vor, under und nach dem gottesdienst brantwein 
getrunken und dess wegen mess und predig versaumht. 

(Sendstraff . . . 1 fö wachs. Solvit). 10 

[4] DiederichHälings hausfraw Veronica hat unzimliche schmähen 
gethan (über Christin Glimmen Jannes wittib). 

(Veronica audita audiatur et altera pars)»). 

1 5] Helen Peter hat sich vergriffen mit Johannes Kaut Schwester. 

(Non comparait*^); sendstraff 1 Rhlr. Solvit). 15 

[6] Britzen Thomas tochter Eis hat sich vergriffen. 

(abest'i); punita in corpore ahn halzeisen in Romersdorfj. 

[7J Von Johannes Hersbach zu erfragen, ob iemand bey seiner 
mutter todt zugegen gewesen und wie es mit der Wartung ab- 
gegangen, weilen die sendscheffen vermeinen, sie sey verwarloss. 20 

(Decretum : er soll zur kirchen ein totentuch geben). 

[8] Thomas Aupert hausfraw Eis abzufragen, wie und wan 
sie Britzen Thomas fraw geschmähet als ginge sie schwanger eines 
kinds und sie, Endtgen, hette darzugethaU; das sie des kindes nit 
könte erlöset werden. 25 

(Decretum: das innerhalb 4 tagen die beklagte Eis soll er- 
legen 2 Rhlr. und darbey die ehr der gesmeheten Endtgen wider- 
geben. Solvit«). 

(Joannes Dreyduppel, weilen er zu Hausenborn in der bitt- 
fahrt das meyspill gespilt, soll geben 1 'B wachs). 30 

IV. Sentli)i*otokoll. 

1681 Sept. 29. 

Orig., aus dem nämlichen Akt wie die vorigen Stücke, fol. 98a — 99^, 
Pap. 2" (Ä); Konzept fol. 118»— 122b, Pap. 2« (B). 
Ungedruckt. 

[1] Acta synodi habitae anno 1681 ipsa s. Michaelis^) in 
ecclesia parochiali Heimbacensi a reverendissimo et amplissimo 
domino Carolo Wirtz, praelato in Romersdorf ut alternative archi- 
diacono assistentibus ad hunc actum ab eodem specialiter requisi- 
tis et advocatis reverendis dominis, domino P. Henrico ab Entzen, 35 
ordinis Praemonstratensis professo et sacrista in Romersdorf, et 
P. Wilhelmo Ossburg, societatis Jesu missionario archiepiscopali 

a) Am Eand. 


M Sept. 29 (Montag). 

Koeniger, Sendquellen. 14 


ÖiO Erzdiözese Trier. Nr. 104 IV. 

ac ine notariö seoretario Jpaiine Roth, praetore in Heimbacensi 
parochia. . . 

[2] Egressi sub horam octavam e mouästerio Eomersdorflano 
recta ingressi dömum paröchiälem nuUo nobis öccurrente, quod 
5 advertendum in seqüentibus synodis^; reYerendissimum dominum 
praelatum dein ad portas oppidi a pastore i et .synodalibus exci- 
piiendum ac d'educenduin äd aedes parochiales; in hisce etiam 
neglectum sterner.e mensam päne, sale et accensocereo iina cum 
aureo praesentando domino synodali eoquod, ut reverendus dominus 

lOpastor aiebat, nee a se nee a, praedecessoribus suis esse factitatum^). 

[3] Poptilo interim magno numero ac modestia in ecclesia 

praestolante evocati synodales delinquentes reverendissimo obtu^. 

lerunt ac praesentatis diversis pro synodalibus scabinis in Weis 

et Gladtbach^j in aede pästorali a reverendissimo , selecti Paulus 

isMaternus ex Weis et Jacöbus Winnen^i) ex Gladtbach atque ita 
digressi ad Coemiterium' ante ossuarium substitimus una cum syno- 
dalibus, 'ubi indiito reverendissimo superpelliceo ac stpla psalmo- 
que„deprofuudis" cum collecta dicto assumpta mitra pedo et pluviali 
processionem ingressi, quae dücta circa coemiterium repetito interim 

20tertio „Veni sancte Spiritus" ac cantata ante summum altare col- 
lecta sacrum solemniter calntatur a reverendissimo praelato,! sub 
quo P.. missionarius suura in medio legit. Hoc finito assumpto 
pluviali, pedo et mitra processum (est) ad mensam stratara in medio 
ecclesiae, ' in qua iacebat virga, duo lapides, pecten et forfex,' 

25 staute in medio mensae crucifixo cum duobus cereis. Habita 
concione et explicatis omnibus, quae eränt in meüsa, processum est 
ad Yenerabile; visitäto Venerabili, ciboriö et sacris liquoribus 
omnia in bono statu inventa sunt, uti etiam baptisterium. Post 
hoc iurameiitum ä duobus synodalibus scabinis nobis praestitum 

SOexquaesita sequentia a scabinis synödalibtis. 

[4] 1. Utrum synodus recte et ordinario tempore iam habeatur; 
respondetur: Ita. — 2. Cui competat habere synodum; resp.: 
Archiepiscopo, archidiacono et domino praelato in Eomersdorf 
alternative. — 3. Utrum quidam iam absentes sint; resp.: Nullus. 

35 — 4. An praesens synodus debeat banniri; resp.: Ita, Quod fac- 
tum secundum formulam post finem huius scripturae. — 5. An 
decreta novissimae synodi sint pbservata; resp.-: Ita. — 6. .An ludi- 
magistro praestetur minerval^) ipsi a superioribus synodis a non 
frequentantibus assignatum; resp.: Non adeo bene. — 7. An ca- 

40techismi sint per annum häbiti; resp.: Ita. — 8. Utrum sint fre- 

a) Zirvas Michels aydem + B. 


■• ' ^) Dass deni Visitator 1 Goldfl. gereicht werden sollte, bestimmte eine An- 
weisung des Erzb. Karl Kaspar von 1657 Mai 2. (In obigem Akt fol. 69'.) '' 

^) Weis, südöstl. bei Heimbach; Gladbach, 1 St. nordwestl. davon; 
Filialen von Heimbach. 

•■') Minerval = das Geschenk, welches der Schüler beim Eintritt in die 
Schule brachte, hier überh. Unterstützung. 


ljrr,,l,04lY.:' . Heimbach. - 211 

quente.s in • freqüentandis catechismis ; resp. : taliter qualiter., Jube- 
tur a reverendissimo, quod negligentes in frequentando catechismo 
semper pro duobus petris ^) mulctari debeant impendendis in dona 
catechetica. — 9. An rationes ecclesiae habeantur debito modo; 
resp. : Quod sie et in praesentia reverendissimi. — 10. An dili- 5 
genter frequentetur templum; resp.: Ita praeter pauculos a syno- 
dalibus notatos. — 11. An colloquia in coemiterio in novissima 
synodo prohibita sint mutata ; . resp. : Non omniinodo. Jnhibita 
ergo, de. novo sub poena statuenda. — 12. De domino pastore, cus* 
tode, Indimagistro et obstetrice nulla qiierela. -r- 13. Ratione se-io 
pülchrorum nulla quoque querela; circa sedilia autem eapromiscue 
pro libitu yendi- et mutari, quod omnino präecavendum. — 14. Ea- 
tione superstitionum etiam nihil. 

[5] Et sie synodus- seria ädhortatione ad parentes maxime, ut 
omne seandalum tarn in, se quam in suis a prolibus avertant et 15 
praepediant ac omries discant amare et timere deum ac in eius- 
dem servitio per observationera mandatorum dei constanter! pi^r- " 
sistere, finita est eautatö hymno Ambrosiano ac benedictione • data 
a reverendissimo, pastore illos aqua benedicta aspergente, eitatique 
sequentes tempore pomeridiano hora seeunda ad comparendum. ' ; 20 
,. Notantur ist! in special! Charta; 2). 

Formula, wie der send gebannet wir'd. 

r [Die Formel deckt, sich vollständig, mit der- in II Abs. 7, nur dass statt 
des Abtes Gerhard Abt Karl und statt des Pfarrers Mertloch. Pf. Lukas Schuch 
genannt ist. Vgl. die Hegeformeln in I 22 und 111 19 mit etwas abweichendem 25 
Wortlaut.] 

Haec omiiia ut supra vere acta, dieta et a me ad hune actum 
specialiter requisito secretario seriptim notata attestor infrascriptus 
sub iüanüali sigillo appresso^).: . : ' . ■ 

- ;. Joannes Roth, - ; : ^^ 

praetor Heimbacensis et. scriba iure iudicii Enga'riensis. 

') Kurtrierische kleine Silberraünzen des 17. und 18. Jahrh. mit dem Brust- 
bild des hl. Petrus (H. Halke, Handwörterbuch der Münzkunde, Berlin 1909, 
281); vgl. dazu Erh. V. Schröter, Die Münzen von Trier 1556— 1794 (Publ. 
der Ges. f. Ehein. Gesch.-Kunde 30) 1909 S. 41 und die Abbildungen auf Tafel X); 

^) Das Original Verzeichnis für A ist im Akt eingeheftet fol. 19; in B folgt 
es nach dem SendprotokolL und leitet sich ein: Lünae vigesima riona Septembris 
habita • mane synodo in ecciesia citatae partes hora seeunda pomeridiana in 
abbatia Bommeradorfiana . präeside reverendissimo et assistente P. Wiihelmo 
Ossburg ac me notario praesentibusque omnibus synodalibus comparuere: Folgen 
die Namen (^3), das Vergehen und die. zudiktierte Strafe. Zum Schlüsse; kommen 
14 Sendverordnungen. — Die Vergehen und Strafen sind folgende: 12. Fälle, von 
Fornikation vor der Ehe, Strafe je 1 Imperial ; 1 Schwängerung eines Mädchens 

1 Imp.| 7 , Sonntagsentheiligung je Va — 1 ® Wachs, einmal 2 Eosenkränze; 

2 haöhlässiger Kirchenbesucfi, je das „Kirchhofeisen (Beiubrecher) tief genug, 
ausräumen";.'!' Schlägen der Mutter, 2 Imp.; 1 hatte im Pfarrhaus einen Send- 
ächof feil und die Pf arrhäüshälterin geschlagen in der Trunkenheit, 2 Imp. — • 
Von den , Strafen erhielten 1- Teil die Sendschöffen, 2 Teile der Abt, der, .1 Teil 
pro donis catecheticis dem Jesuitenpater übergab. . 

*) Eingsiegel auf roterh Siegellack. 

14* 


2iä Erzdiözese Trier. Nr. 105, 106. 

105. Sendweistum von Heifant und Palzem. 

1585 Jan. 27. 

Heifant und Palzem, Dff. ßheinpr., Kr. Saarburg. 

Weistum anlässlich des Sends 1584 Jan. 27 more Trev., im Sendprotokoll- 
buch des Archidiakonats Tholey (St. Moriz), Pap. 4", fol. 82v StA. Koblenz, 
Kurtrier, Gen. in Kirchens. Nr. 105. 

Ungedruckt. 

Beyder obgenanter (Helffandt und Palsem) capellen senner 
erkennen, dass ein jeder pfarman schuldig sei dem liern chur- 
busclioff^), wan der send hey innen zu Helffant oder zu Pfalzem^) 
gehalten wird, zu geben ein sester haber und ein hon: ein widt- 
5 man oder widtfrauw halb so vill und darzu zwelf Schilling auf 
den altar, welche die hotfleuth bezallen sollen zum halben theil 
und das ander theil der pastor; und soll ire erwürden oder dero- 
selben commissarius im widemholf, ess werd der send zu Pfalzem 
oder zu Helffandt gehalten, inkommen mit 2^2 man, 2^2 pferd 

10272 ^ond und soll den pferden strauw ahn den bauch und rhau 
foder bitz an die orhen geben und soll finden auf dem widenhoff 
ein feur sonder rauch, ein tischs doppel gedeckt mit sieben essen 
und seint nur malzeit dem hern und den sennern, als der send 
gehalten ist, zu geben schuldig [und abendz dem sendhern, wen 

15 er ankomptja). 

106. Send- und Kirchenweistum von Hottenbach. 

1640 Aug. 15. 

Hottenbach, Df. Eheinpr., Kr. Bernkastei. 

Abschr. von 1640 Aug. 15, Pap. 2", StA. Koblenz, Kurtrier, Ortschaften. 

Ungedruckt. 

[I] Nota wie man die zehnten zu Hottenbach theilt 

[1] Erstlich macht man zween theil. Den halben theil nimbt 
der pastor, den andern halben theil der Rheingraff^) und graff Cratz*). 
Der Rheingraff gibt aus seinem theil widerumb heraus den sech- 
20 zehnten theil sanct Bastianaltar. 

[2] Der pastor gibt auch aus seinem theil die dritte garb, 

weiche man theilt in drey theil; alsdan nimbt Junker Niclass von 

Schmitburg^) einen theil, den andern graff Cratz und der drittheil 

heist der schmahlen zehnden; wird in sieben theil getheilt, als- 

25dan nimbt sanct Nicklassaltar den fünften und den sibenden. 


a) Der Zusatz findet sich im Sendprotokoll von 1624 (a. a. 0. fol. 395r). 


') Der Archidiakon von St. Mauritius in Tholey. 

-) Heifant und Palzem waren Filialen von Nennig, hatten eigenen Vikar 
und jeder Ort für sich das Taufrecht (vgl. Lorenzi I 441; 445 f.). 

^) Die Wild- und Eheingrafen (vgl. Schneider, Gesch. des wild- und 
rheingräfl. Hauses 1854). 

*) Grafen Cratz v. Scharffenstein, altes rheinländisches Geschlecht. 

") Schloss Schmidburg, östl. von Hottenbach; jetzt Ruine. 


Nr. 106. Höttenbach. 213' 

[3] Die andere fünf theil werden widerum in drey theil ge- 
theilt: alsdan nimbt graff Cratz von Bacharach^) wegen ein theil, 
s. Niclassaltar den andern und Stibshauser^) kirch den drittentheil. 

[4] Wie man die zehnden zu Weyden^) theilt: wie in Hötten- 
bach also zu Weiden. 5 

Erstlich nimbt der pfaiTherr den halben theil, daraus er die 
dritt garb gibt, welche gleichfals, wie vorstehet, getheilet wird 
aus den andern halbentheil, der in viertheil getheilt wird. Be- 
kombt der pastor ein theil, graff Cratz ein theil und Junker Niclass 
die ander zwey. 10 

[II] Sendschöffenweissthum zu Höttenbach. 

Anstadt des sendherren fragt der pastor: 

1. Fragt der pastor, ob ihme gestatten wil von wegen Chur- 
trier und fursten aller gemeindgirichtsherrn und loblicher pfarr- 
kirchen Höttenbach zu fragen und vor zu halten, was das send- 15 
schöpfenweissthum Inhalt hält, damit alles zur bestreitung der 
kirchen und kirchspils gerathe? — Antworden die sendschöpfen: ja. 

2. Der sendherr stehet auf, mahnet die sendschöpfen bey ihrem 
eyd, behegt das geistliche gericht, gebeut recht und verbeut un- 
recht, dass niemand rede, er rede mit lauben. 20 

3. Fragt der senherr, wer die kirch bauen soll? — Die send- 
schöpfen weisen mit recht den vier lehnherren den bauch, dem 
pfastor den kohr; und dieweil die nachbauern die klocken drein 
hangen haben, sollen sie hülf darzu thun. Darneben sol dass 
kirchspil die rinkmaur umb den kirchhoff im bau halten und den 25 
pastor weisen, wer darauf zu grasen. 

4. Frag. Was ist der pastor dem kirchspiel schultig zu thun? 

— Antwort: Der pastor soll zu tod und leben bey das volk stehen 
und ihnen treulich mit seinem ambt vorstehen, 

5. Frag: Wass ist des pastors belohnung und gerechtigkeit? 30 

— Antworth: Der pastor soll in der ganzen parr haben grossen 
und kleinen zehnden, wie von altersher gebrauchlich und die gült- 
bucher ausweisen; und soll gefreuet werden von allen herren- 
diensten; sein vieh soll ihm alles frey gehen, unbelohnet. Dess 
soll er alle jähr der gemeind sechs simmer beyder fruchten geben 35 
und der gemeinden einen behr halten ; dess sollen ihm die zehnd- 
ferkel in der ganzen pfarr allein werden. Auch weisen wir dem 
pastor auf ostern, pingsten, christag und allerheiligentag von jeg- 
lichem, der das nachtmahl empfangen, ä 1 heller; item taufgeld 

4 ^; item das sacrament in das haus zu tragen 2 ^. 40 

6. Frag. Wass gebühret dem pastor von den dreyen fragen 
zum ehstand? — Antworth: Drey sester weins; darinnen gebühret 
den sendschöpfen ein sester und dem pastor 6 albus. 

') Bacharach a. Rhein, Kr. St. Goar. 

-) Stipshausen, nördl. von Höttenbach. 

') Df. im Fiirstent. Birkenfeld, südl. von Höttenbach. 


214 Erzdiözese Trier. Nr. lOÖ. 

7. Frag. Wäss "sollen die sehdschöpfen dargegen ■thüri? — 
Äütwoi'th: Sie sollen fleisige achtung haben, wan 7.wo personeh 
sich begeben zum heiligen stand der ehe, wo sie sich an andern 
ohrten und personnen oder zunechst blutsverwanden waren, solches 

5 dem pastor anzeigen, damit solches nit erstattet werde. Item, so 
sie sehen, dass etliche gottes" wort und die heilige sacraraenten zu 
der zeut der predig verachten, mit williger weis versäumen oder 
unter der predig andre handerungen an treiben, die selben sollen 
sie zu gottes furcht vermahnen, und so sie nicht horren wollen, auf- 
10 zeichnen in die rüg und den vier gerichtsherrn vortragen lassen. 

8. P'rag. Wan zwey beysammen komen und sich aus der parr 
bestaden, was gebühret alsdan dem pastor? — Ahliwbrth: für 
ausheischung und loosbriff 18 albus. 

9. Frag. Wie ist es mit dem pfarrhaus? — Antworth: Wir 
15 weisen mit recht, dass das kirchspiel soll das pfarrhaus in die 

vier mauren unter dach stellen und wil der pastor viel in gebau 
haben, soll er auf seinen kosten machen lassen, und so ein stuck 
aus den viern mauren fielle, soll der pastor machen lassen.' Wen 
aber gewalt . gerne, als gewesser, feuer und dergleichen, sol als- 

20dan das kirchspil das pfarrhaus widerum in die vier mauren untör 
dach stellen. 

[10] Item weist man mit recht, dass keine witthumshooffgutter 
veraussert werden sollen; so sich jemand drine legen wil, soll er 
solches an geistlichen rechten ersuchen. Item weiset der sendherr 

25 den witthumshoff mit allen seinen guttern von allen herren gefreuet, 

[III] Kirchenknechtambt in der ganzen pfarr. 

, Wie sollen sich die kirchenknecht in ihrem ambt und sich 
gegen den pastor halten? — Antwort: Die kirchenknecht in der 
ganzen parr sollen fleissig achtung haben, dass kirchen- und cappellen- 

30 güther und gulten gehandhabet, vermehret und nit vermindert werden. 
Darneben sollen sie jahrlich dem pastor, wie von alters herr, rech- 
nung thun. Und so die obrichkeit des selben orths umb die rech- 
nung wissen wollen, alsdan soll der pastor selbst sambt den 
kirchenknecht en, ihnen solche rechnung vorhalten. Item es sollen 

35 die kirchenknecht kein gutther oder geld verleihen, nichts thun 
ohne wissen und willen des pastors, wilches der pastor alsdan 
auf gewöhnliche zeith dem kirchspil furhalten soll. 

. [IV] Vom glöckner. 

, -. 1. Weisen die sendschöpfen, dass der glöckner mit des j)astors 
40 raht von dem kirchspiel gedinget werde, und wan das kirchspil 

und der pastor nit eins werden, soll der pastor die sender' zu ihm 

nehmen und einen dingen, der dem kirchspiel nützlich seye. 

2. Item weiset der sender, dass der glöckner vor alles, wa^ 

in der kirchen ist haudzuhaben. bürgen stellen soll; im fall er 
45 etwas verliehret oder versäumet, soll er wider erstaden. Dess 

sol er dem pastor handtreu ' geben mit den vier bürgen. - 


Nr.: 107: Hottenbach, Irsch. 215 

3. .'Soll der glöckner mit lauten jeder, zeut fleissig sein und 
$öll; alle izeut mit . dem pastor durch die ganze pfarr mit dem 
sacrament, zu gehen willig und bereit seyn. 

• 4. Auch soll er keinmahl morgens aus dem dorf gehen, er 
soll dan erst den pfarrherren fragen, ob er predigen wolle oder bey 5 
den kranken zu gehen oder zu taufen he tte, damit keine ver- 
saumnus erfunden wird. 

5. Zum .letzten weiset der sender, dass der glöekner zu jeder 
hochzeit dem; pastor einen brad.en oder 6 albus darfur, ein maass 
wein, 16. albus brod bringen; dess soll er mit seiner frauen ein-io 
mahl mit. dem pastor essen und sali uff den selben abend so viel 
iiols hauen und fahren als der pastor die f eiertag aus bedarf. 
Und so der pastor in der noth nit vorhanden, sol der glöekner 
ihn oder einen andern hohlen in der noth. , .'. 

[V] .O-lockners lohn. 15 

1. Erstlich weist der sender, dass ein iglicher einwphner. zu 
Hottenbach dem glockner geben, solle ein simer habern und ein 
glockbrod. • , . 

2. Zum: 'andern die ausländer aber in der pfarr ein jeglicher 
soll. geben 2 nimmer körn, ein glockbrod. 20. 

3. Zum kindtauf ein brod. ■ 

4. Wan. ein'kind stirbt, zwey brod. 

5. Wan, ein man. stirbet, vier brod. 

6. Wän ein.frau stirbet, drey brod. 

Aus dem orgenal abgeschriben und collationieret durch . mich 25: 
Henrich Schönburn, derro zeut geschworner gerichtsschreiber zu, 
Schmitburg,' So geschehen am funfzehnden Augusty 1640. 

Henrich Schönburn, wie oben steht bemeltet. 

107. Sendordnung von Irseh. 

15. Jahrh. 

Irsch,, Df. Rheinpr., Stadtkr. Trier. 

Papierhandschr. 2", 15. Jahrh., ini,, Sendbuch des Dekanats Trier", StA. 
Koblenz A I Ic Nr. .99.. Der ganze Akt enthält eine Sendpredigt aus Pfalzel 
(nordö.stl.. von Trier), die SO. für Irsch (südöstl, von Trier) '), welch letzterer zwei 
Formularjen (für Sendvorladung und Sendankündigung) vom Trierer Burdekan . 
(^Stadtdekan) an den Pfarrer zu Pfalzel voraufgehen, und. die Originalausfertigung 
einer fSend Verordnung d,es Erzbischofs Johann von Trier v. J. 1594. Wohl auf 
Grund der beiden Formularien hat der Akt in d.en 80er Jahren des 19, Jahrh. 
bbige Gesamtbezeichnung erhalten. Es scheint, namentlich aus der Sendpredigt 
(St. Martin, Pfarrkirche zu Pfalzel) zu schliessen, dass die Stücke (mit Ausnahme, 
des letzten) zum Handgebrauch des Pfarrers Johann Arensberg von Pfalzel, 
der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. Burdekan von Trier war (Loren zi 1 
[1887] 10 und 220), dienten. 

Ungedruckt. 


■ . ') Pfalzel und Irsch gehörten zum Burdekanat Trier (nicht zu verwechseln 
mit. dem. etwas südlicher gelegenen IrschVKf' Sa:arburg), . 


216 Erzdiözese Trier. Nr. 107. 

[I] Forma mandati coutra accusatos faciendi. 

N. burdecanus Treverensis etc., plebano in Pfaltz salutem in 
domino per merita obedientie ad regna celorum pervenire. Noveritis 
Joannem, Katharinam talem etc. in sancta synodo coram nobis 
5 accusatos de certis criminibus et monitis primo, secnndo ac tertio 
non comparuisse neque ad emendationem se dedisse. Hinc est, 
quod auctoritate sancte synodi hoc anno nos concerneutis ratione 
burdecanatus vobis mandamus, quatenus predictos accusatos ex 
superabundanti adhuc publice moneatis, quatenus infra 15 dies, 

10 quos ipsis et cuilibet ipsorum pro peremptorio termino assignamus, 
coram nobis compareant et tarn de culpa quam etiam ipsorum 
contumacia satisfaciant cum effectu; alioquin ipsos tanquam coutu- 
maces et rebelles publice excoramunicetis et excommunicatos pu- 
blice nuncietis procedentes contra eosdem et contra omnes sibi 

15 communicantes, prout moris est et consuetudinis, neque in ipsorum 
presentia divina celebretis. Quicquid in bis feceritis, nobis liquide 
rescribatur sub sigillo vestro. 

[II] Forma publicationis synodi. 

N. burdecanus Treverensis plebano in Pfaltz salutem in domino 
20 sempiternam. Prout nostis sanctam synodum ad nos hoc anno 
ratione burdecanatus pertinere; sie eandem synodum sanctam paro- 
chianis vestris, ut moris est, publice in ecclesia intimetis per nos 
aut alium nostro nomine in die tali proxime futuro possidendam. 
In hiis faciendum, ut confidimus. Valete in Christo. Datum sub 
25 meo sigillo. 

[III] Ordo procedendi in synodo, tamen sicut diverse 
consuetudines et libertates. 

[1] Primo, campanarius finita summa missa pulset semel vel, 

si consuetudo habetur, ter ad convocandum populum, quia omnes 

SOparochiani masculini et feminini sexus tenentur in prima synodo 

comparere ad manifestandum ea, que sunt accusanda synodalibus. 

[2] Item campanarius ponat ante summum altare mensam 
coopertam et desuper candelam ardentem cum pectine, virga et 
forflce una cum iuratorio, etiam cum superpellicio et stola, quibus 
35celebrans debet uti»). 

[3] Campanarius procuret sedes seu scamna iuxta consuetudinem 
et celebrans desuper se ponat cum suis sociis, si quos habet; postea 
venient synodales et sedebunt cum licentia celebrantis unusquisque 
in locum suum. 


a) Randbemerkung linksseitlich : Incipiendo s. synodum dicatur : Adiutorium 
nostrum in nomine domini. Eesp.: Qui fecit etc. Sit nomen domini benedictum. 
Oremus. Actiones nostras, quaesumus domine, aspirando praeveni et adiuvando 
prosequere, ut cuncta nostra operatio et oratio et a te semper incipiat et per te 
cepta finiatur. Per Christum dominum nostrum. — Sequitur exhortatiuncula. — 
Unten; Concil. Trident. Sess. 24 c. 3 tit, De reform, (visitatio per praelatos). 


Nr. 107. Irsch. 217 

[4] Hoc facto statim celebrans dicit hec verba ad synodales: 
Vos synodales, habetis completum numerum synodalium? Si carent 
socio, eligant alinm, qui prestet iuramentum, antequam cum aliis 
iiiratis sedeat; et hoc sub pena pecuniaria iuxta consuetudinem, 
ne invadiatur synodus sancta. 5 

[5] Tunc celebrans interrogat: Ist der seend verkündigt, als 
recht? Respondet unus: Ita. Et iterum: Vos synodales, recog- 
noscitis synodum sanctam pro anno presenti ad burdecanum per- 
tinere cum omni solennitate et iure, ut moris est^)? Respondent: 
Ita. Et iterum: Est tempus presentis diei inchoandi synodum 10 
sanctam? Respondet unus pro omnibus: Tempus est incipiendi 
istam synodum et omnia bona opera. 

[6] Post hoc dicat celebrans ad unura synodalem de seniori- 
bus: Tu N., informa nie, quomodo et qualiter incipiam sanctam 
synodum? Respondet: 'Domine, vos debetis precipere campanario, 15 
ut vadat ad introitum ecclesie; et ibidem alta voce, clamet trino 
intervallo et hoc iuxta consuetudinem: Vos viri et mulieres, venite 
ad, celebrationem synodi sancte sub pena emende et sententie; quia 
tenentur ibidem comparere, nisi habeant licentiam vel excusationes 
legittimas. Ergo absentes sunt accusandi et sunt emendandi iuxta 20 
dicta synodalium. 

[7] Iterum dicit senior: Vos debetis precipere huic synodo 
sancte bau und freden ex parte dei omnipotentis, beate Marie 
virginis, matris dei, beati Georgii, principalis patroni in Irsch, et 
sanctorum Wandalini, Nicolai et aliorum compatronorum, et domini 25 
archiepiscopi, tandem archidiaconi loci et burdecani ac ^pastoris ac 
omnium quorum interest. 

[8] Tunc celebrans omnia verba ista debet resumere in vul- 
gari et dicere:. 'Ich gebieden hude zu tage desem hilgen seend 
ban und freden ec. ut supra, und von aller der. wegen, dye recht 30 
darzu haint und des hilgen seends muge und maicht haynt, das 
niemans des anderen stuU besitz on erlauf, niemans sitz ader uff- 
stehe on orlauf, nieman uff des andern raet gae on erlauf, nie- 
man des anderen Sprech on orlauf, nieman den andern bestoess 
ader straeff mit Worten ader mit werken; und verbieden über- 35 
braicht zum irsten, zweiten und dritten, so fere der seender err 
kent, das es recht sy, und als lang der hillig seend wert.' 
Rebellantes et contrarium facientes sunt pena pecuniaria iuxta 
sententiam synodalium puniendi. 

[9] Postea celebrans dicit hec verba: Ir seender, ich manen40 
euch uff eweren eid, den ir dem hilgen seend und der hilger 
kirchen gethan hait, und manen dye kirspelslud uff die christliche 
truwe, dye sy im hilgen tauf entphangen haynt, dass ir aussgehet 
und euch woll beraidt uff alle dye Sachen, die da ruchbair und 
wandelbäir syn in der hilger kirchen, uff das dat gekirt und ge-45 


') Kollator war der Abt von St. Martin in Trier (Lorenz! I 57), 


2J8 Erzdiözese Trier. Nr J 107t 

bessert, werd gott von hemerrichen "und dief hilger kircheh,' es sy 
an gebrecü der hilg^r kirchen, ab dye ganz sy. an dechen, an 
muren und an glassfinsteren, als von recht syn sali, es sy an niiss- 
ge wannen, an kilchen, an buecheren, an recklen ader an gelüeeht; 

= 5abe die hilge sacramenten wirdenclichen bewart und gepraucht 
.werden, besloessicli mit gluecht- als muglich und recht ist; es sy 
an gebrech des geluchts, der kirchenzensen ader -zehenden, ab 
dye/ jemans niyt 'freifei behalden hab, ader selengerede ratione 
testamenti; es syan dem wedemhob, ab den jemant gestuert hab 

10 und friheit gebrochen hab, 'ader wedomgut inhab und keyn recht 
davon tliu, ader weder recht besitz ; es syan friheit des gewychten 
kirchoffs, abe der von allen fehe befriet sy, abe jemans im bann 
begraben ' sy ; abe jemans weder gepot und gesetz der hilger 
kirchen also freffel were, das er all jar nyt syn bycht-thete-urtd 

15 das hillig . sacrament "entphing als eyn icklich christenmensch 
schuldich. ist;: ader jar und tag in dem bann were; ader frevelich 
on.orlanf syn.fiertage nyt enhild als sy gebotten synt;^abe jemans 
sitz- weder die. hilge kirch und wirdigkeit der l^ilger ehe heymlich 
ader . offenbair, in maegschafft ader gef ad erschafft, ader sich iii 

20 eynich"en~ Sachen daan versuemt hab und vergessen ader- sich 
eyniche elud on dye hilge kirch gescheiden haben ; abe jemand 
meyneidich " ader ungewonlich eyde gesworen hab; abe jömans 
Wucher ader vorkauf ader zaubery gedreben hab; abe jemant den 
priester an dem dienst gots verhindert hab ader in dem. elter, uff 

25der canzlen ader anderswo frefflich mit worten ader mit werken 
bestöissen hab ; ader dye seender in derselber maessen, die da 
suylen synt des fundamentes der hilger kristlicher kirchen. 
' ' [10] Tunc dicit celebrahs: Surgatis in der nomine; deinde bene 
deliberabit causas. Cum licentia surgunt et resident. In rever- 

SOsione dicat celebrans: Ir seender synt gemaent uff den eyd ecv 

[11] In secunda deliberatione, quarum tres sunt, in quibus 
privilegio eorura uti volunt, quaerat celebrans de iure proprio sive 
domirii sui videlicet de receptione, de cathedratico, de officiis et dö 
campanario, quantum . quis teneatur vel quis teneatur.' ' 

35 [12] In:reversione celebrans dat licentiam sedendi et dicat 
iterato: Ir seender synt gemaent uff den eyd utprius. Et tunc 
scribentur accusati,- ut prius habita tercia deliberatione, quam etiani 
possunt ad placitum postponere. Tunc forsan sie concludent: Dbniine 
plus ad presens nescimus, detis nobis deliberationem ad quindenam 

^0 proximam medio tempore; super omnibus melius deliberäbimus. 
■Respondet: Habeatis licentiam et deliberetis beneutprobi hornig 
nes^ quatenus etiam vestras valeatis purgare cönscientias. 

[13] Postea surgat celebrans vertendo sa ad altare et dicit 
prius: Dens misereatur nostri ec. cum antiphonisj versibus et coli 

45 lectis; pro • peccatis, videlicet post „deus misereatur" Glöriä patrr eC; 
Kyrie eleyson ec; Et ne nos inducas. Ostende nobis, domine, mi- 
sericordiam tuam; Et salutare; Oreraus. ExaUdi, quaesumus domine. 


Niv 108, 109. ." It%.K:irJE;;:'': 2i§ 

supplicuin :prßces et'coiifitentiuin tÜDi parce p'ecca'tis, : üt ' paiiter ilbbiö 
liidulgentiämtribiias benignus et pacem. 'Per doininuÄi. Bens, ciü 
propri am ' est . misereri semper et ; ■ parcere, süscipe ■ depi'ecationem 
nostram, et quos delictorum cathena coflstringit, mis'erätio 'tue 
pietatis absolYat. • Per dominum. ..Dominus vobiscumi Benedicamus '5 
doinino ec. Tünc 'pron^unciantür indulgentie de sanctä sy-nodO; 'scfliGe't 
40 dies. - -' - "• 

[14] Juramentum synodalium. 
, Ich, -N., ■ nuwer r^seendscheifön deser kirchen," ihievor.; und Fort 
mehe geloben in guten trauwen und uif pfantschafft myner seien 10 
und christliche truwe der hilger, kinchen . und dem hilgen. seend 
und mynem' pastoir ader kircheren getruw, holt und gehorsaim zu 
syn und myner eidgesellen heimlichen räeth nyt zu melden, und 
zu ruegen und vorzubrengen alle dye Sachen, dye roegberich synt 
und weder die hilge kirch ader die hilge sehen ;;sacrament, synt, 15 
ader weder unseren heren synt, idt sy in zeh enden ader ander 
geistliche friheiten ader gebuerre, und will das nyt laissen umb 
lieb, umb leid, umb fruntschaift ader maegschaft, umb golt, umb 
Silber, noch umb keynei-ley sach, so myr gqtt helf und dye hilgeni 

Ponat duos digitos super reliquias aut extendat digitos elevando 20 
eosdem secundum cpnsuetudinem loci.. . .., 

108. Kirch emveistimi von Itzig. 

.■ . . '. ' -■■ :. .., , \ 1619; : , . ■ .. •.:; ■, .; ■ . 

,, ■ " Itzig, Df. Luxemburg, K. Luxernburg; jetzt Diöz. Luxernburg. . . ' - 

Aus dem Staafcsai'chiv Luxemburg. " ^ ,. . 

. .Gedruckt: Hardt 370— 374 ,..s, ., . . ' [ ' ' 

109. Sendweistum von Kirf. 

\ ■■ ■ . ■' 1582: Juni 20. • " . ;.;..; r 

. :; Kirf, Df;. Ebeinpr,, Er. Saarburg: ' 

Weistum anlässliph des Sends zu Kirf 1582 Juni 20, aus dem, Sendprotokoll: 
buch des Archidiaköriats Tholey "(St. Moriz), fol. 49, Pap.. 4", StA., ..Koblenz, 
Kurtrier, Gener. in Kirchensachen Nr. 105. 
' ^ ^ Uiigedruckt.' ■ -^ .- .: . ; .. 

, -^ Erkennen die sendscheffen, das der her churbischoJGf- oder irer 
ehfw^. commissärius soll .des abents für dem send vom zender 
empfangen werden und soll" komen mit 272 man, 2^2 pfei'd, mit 
einem winde und zweien steuber') und einen fogel; dem. ein hon 25 
gebueret, den honden das brod, und soll man mit den pferden in 
des hern pastors haus inkeren, denen die strauw bis an. den ■ bauch 
und ruw f oder bis an die orhen (gebueret) und noch cl es abents 
soll der churbischoffe oder sein commissärius in die kirch gienge', 
züvorn .aber der custer ime < den schlussel zur kircheu- geben und 30 
sol der sendher zusehen, ob. ,alle sacrapienta recht stehen und dar- 

') Spürhund. ■ ■-■' •] 


220 Erzdiözese Trier. Nr. 110. 

nach solle er in des kirchhern haus ein disch bereit zum essen 
finden und den kosten des abents sollen die wiedumhöffer thon; 
weit der sendher weider kosten haben, solt ers aus dem seinen thon. 
Item sol ein jeder ackerman dem sendhern, wan der send gehalten, 
5 under der klocken liebern 1 virtel habern alter massen und 5 haller. 
Aber ein handwerksman gebet 1 virtel habern und 10 haller; eine 
wittwe geben halb. 

ilO. Sendordnung von St. Florin zu Koblenz. 

17. Jahrh. 2. H. 

Aus: Akt des Klosters Rofiiersdorf bei Koblenz, enth. Sendsachen der 
Pfarrei Heimbach 1654—1681, fol. 2üa— 33a, Pap. 4«, 2. Hälfte des 17. Jahrb., 
genauer wohl aus der Zeit der Send Protokolle selbst (A), StA. Koblenz, Kurtrier, 
Aemter u. Ortsch. Kl. Koraersdorf Nr. 169. Am Titelblatt steht von der Hand, 
die 1659 das Seridprotokoll von Heimbach schrieb (s. oben S. 203) der Vermerk: 
„Spectat ad capitulum s. Florini in Coblentz". Es scheint durch das Kloster 
Heimbach, dessen Abt Sendherr war, eine Sendordnung vom St. Florinsstift'), 
erbeten und in der Gestalt des vorliegenden übersandt worden zu sein. — Eine 
Abschr. hiervon (B) befindet sich in demselben Akt fol. 103^— 107b, Pap. 2°, 
aus der nämlichen Zeit, eingeheftet vor dem Sendprotokoll von 1659. — Vgl. 
die Ordnungen von Heimbach ^). 

üngedruckt. 

Synodum et synodales concernentia. 

[I] Synodalia. 

10 In celebratione synodi in mensa duo sint cerei, crux vel reli- 
quiae sanctorum, virga, pecten, forceps et lapides et Agenda Tre- 
verensis. 

Auserwelten im herren! Weil der wollehrwürdig und hochgelehrt 
her Johan Pladt, official und dechant st. Florinstifftskirchen binnen 

löCoblentz») und ich heihero angelangt sein in willen und meinung, 
den h. send aus befelch und commission eines wolehrwürdigen 
capitul st. Florin stiiftskirchen nach Inhalten beschreibener rechten 
nach uralter gewonheit zu besitzen und zu halten''), so frage ich 
demnach erstlich 

20 1. Ob der h. send wie von alters zu seiner zeit von heru 
pastoren verkündiget sei worden. 

2. Ob alle stuell mit sendscheffen erfüllet oder alle bei ein- 
ander sein und ob sie ihren gewönlichen eid geleistet. 

a) Weil-Goblentz in A ausgestrichen und „demnach" an den Band ge- 
schrieben; in B ist das Ausgestrichene weggelassen und mit ,, demnach" begonnen 
worden. 

b) In B am Kand von zweiter gleichzeitiger Hand : sunt generalia ideoque 
pro qualitate mutanda. 


' ') lieber das Kanonikatsstift St. Florin zu Koblenz vgl. Marx, Erzstift 
Trier II 2, 107 f. 

-) Auszüge aus Sendprotokollen von Koblenz 1664, 1665 finden sich ge- 
druckt im „Ehein. Antiquarius" I 4 (1856) 431—435; eine Quelle ist dort nicht 
angegeben. 


Nr. 110, Koblenz. 221 

Nota. Si Sit defectus, per pastorem et scabinos eligantur 
magis idonei et praestito iiiramento assumantur et cum äliis sedeant. 
Forma iuramenti habetur in Agenda, quae sit ad manus^). Post 
haec brevis fiat explicatio caeremoniorum per pastorem aut decanum 
et quid sit synodus parumper explicetur, nisi concio, in qua haec 5 
explicata fuerint, praecesserit. 

3. Ob heut zeit und weil sei den h. send zu besitzen. — Resp.: 
Ja, dass nit allein der h. send anzustellen, sondern auch alle christ- 
liche und sehlige werk gepfleget und geubet sollen werden. 

4. Frage ich, weme der h. send von rechts und gewonheitio 
wegen zu besitzen und zu halten zugehörig. — Resp.: Wir haben 
von unsern vorfahren, dass dem wolehrwürdigen hern dechant 
und capitul st. Florin die gerecbtigkeit des h. sends zustendig seie«). 

5. Was weist der scheffen den herren zu st. Florin vor recht 
und gerechtigkeit zu wegen des sends? — Resp.: Der scheffen 15 
erkent und weist den herren zu die sendhaber und straffen*'). 

6. Wie dies gericht des sends anzustellen, zu gepieten und 
zu hegen sein solle. — Resp.: Man soll den sendscheffen und ge- 
meinem Volk ban und friden thun und gepiethen von wegen des 

h. sends und sendherren uf gehorsam und straff, dass keiner dem 20 
andern re vel verbo, mit der that oder worthen, überlestig seie, 
auch die sendscheffen in ihrem stull ruhig und uuverhindert sein 
und pleiben. 

7. Wie soll man nun dieselbe, so in h. send gefallen und 
ruchbar sein, halten und straffen? — Resp.: Wir wissen, dass die, 25 
so in den h. send gerügt und dem widerspennig und ungehorsam 
sein, die sollen gestrafft und gebannet werden. 

8. Wie soll man es nun weiter mit dem send beginnen")? — 
Hie legantur articuli"'). 

9. Demnach erfordere ich von euch sendscheffen, ihr wollet 30 
euwere rügen Inhalt der articul, so euch hernachmals vorgelesen 
werden sollen, an tag thun und die ubertretter anzeigen, damit 
sie vorgestelt werden, dergleichen in allen andern euwerm ampt 
und eid ein genügen thun. — Resp.: Die rügen und ubertretter 
anzubringen seind wir willig und auch schuldig; dieweil aber der 35 
articulen vill, bitten wir zeit und bedacht. 

10. So besitzen wir den nun heut zu tag den h. send und er- 
Öffen das gericht und thun dem ban und frieden gebieten von 
wegen gottes des allmechtigen, Mariae seiner hochgelobten mutter, 


a) In B von zweiter gleichzeitiger Hand nachgetragen : alhier zu Montabauhr; 
Nota: alibi nominant alterum aliquem (Montabaur gehörte zum Stift St. Florin). 

b) In B von der zweiten Hand beigefügt: wie dan im kirspel Heymbach 
solches einem zeitlichen hern prelaten zu Eoraersdorf als sendherrn gebührt. 

") Die Frage fehlt in B, 

d) Der Absatz 8 in A am Bande. 


1) Trierer Agende von 1574 fol. 221. 


%2'Z Erzdiözeöe. Trier. Nr.! 11©: 

^Uen li;el3e]^ heiligen ; und s; .N.^). patroii dieser kirchenete. und 
g-epieten .H|;p.een und wetty dass. ihr fridlich und still seind, keiner 
dem andern uberl;es.tjg re aut yerbis^^, auch, die sendscheffen in 
ihren stullen und gericht .nit hindert, soll auch niemand dhn urlaul) 
Saus^T'. und abtretten,. ; . : " ■■■.-•■: , \ ;; •$ 

Nota. Albsentes quoque sine causa mulcteutur. ; ■ ..■> ,:■ 

, ) ; . [11] Articuli synodales^)., ' '; , , 

1., Ob. die heilige kirch und kirchhoff stehend in alter freiheit 

, ; als auf den ersten tag, da sie geweiet ist. Ob an die kirch etwas 

10 gebaüwgt,; das sich nicht gepuret oder von. dem kirclihoff etwas 

.vereussertv , ^ersetzt, oder verkauft seie, das vorhin nit gewesen. 

r^. Si tale quid sit, cassetur emptore et venditore arbitrarie punitöi 

\ 2; Ob. die kirch in loblichem baw gehalten werd mit gedech, 
.ifenstern und alles,, was darzu gehörig. — In hoc negligentes, ^ut 
l5kircl^enmeiste.r,;:Sl;,f:. mulctentur. : ; . \. 

; , B. Ob die kirchhoff also befreiet, das kein unvernunftig thier 

darauf kommen könne. ' -r- Negligentia officiariorum quoad 'hoc 

12 alb. punitur. ; ;■ : * ;■ 

.;. 4. Ob auch , die widenhoff in notwendigen, gepurlichem baw 

20 gehalten oder sonsten verwahrloset werden. —^ Si negligentes 

nionitj{.non.;cui:ent,.3;.aureis cästigantur. ;. . ; 

5. Ob der heilige tauf in ehren gehalten und, wie sichs ge^ 

pui.'et', ; beschlossen seie,'-— ,Si nou, curetur ut fiat proximo qiioque 
i. ^ die; negligentes moniti:.uno: aureo mulctentur. 
25; • 6» Ob, auch einig kind über zeit .ohne das -heiligs sacrament 

des taufs aufgehalten seie worden: Ciüus culpa,; pären tum aut 

pastpris. -7^, P:ären.te.s . aureo- plectantuii, pastor gravius. ■ 

V. Ob einig kind also versäumet und ohne den tauf thots; ver- 
;. fahren -seie.---- Parentes 12 aureis püniuntur aut significent, cuius 
30 culpa id, factum, r . , : . ; .; :]..- 


a) Barüber A; Petri. ■ :' 

*>) Darüber A: mit der that oder Worten. 


^) Die folgenden Fragen stimmen im wesentlichen mit 'denen der Trierer 
Agende von 1574 überein, haben aber dort teilweise eine, andere Reihenfolge. Vgl. 
dazu oben Nr. 1 1 '(Drachenfels). Bedeutend . geringere Strafen hatte JerieTrierer 
Sendstr.afenordnung" angesetzt, die in den 70er, 80er und -90er Jahren des 
16. Jahi;h.; auf' eine allgemeine Visitation hin an einzelne Aemter und .Orte nach 
gleichem Formular mit Einsetzung des betr. Namens hinausgegeben worden ist 
(Aemter Bernkastei, Baldenau und Hunolstein 1573, 1575, Limburg 1583,, Diet- 
kirchen und JBoppard 1586, Witthch 1587, Bombogen und Hillesheim 1589, für 
das untere Erzstift überhaupt 1590,' Daun 1592). Als Formel ist die Verörd- 
hung gedruckt bei N. Hontheim, Histor. Trever. III (1750) 162— 164; Scotti, 
Trierl 535— 540 (vgl. dort für obige Dateü S. 541), für Bombogen (Kr. Wi.ttlich) 
bei Blatt au, Stat. syn. Trev. II (1844) 351; für .Dietkirchen und, das\iintere 
Stift befindet sie sich im StA. Wiesbaden X 1 bezvv. VII K. 610 Nr. 3; in letz- 
terem Faszikel auch die Verordnung allgemein von 1594 Febr. 18 (1593 m. Trev.) 
mit Siegel und Unterschrift des Erzbischofs; Johann. '..> ." 


Nr.; 110. Koblenz. ■ 223 

'8.' Ob ein solch kind auf den kirchhoff begraben. — . Infans 
frxhumetur,, parentes 6 f. puniuntur, pastor 6 aureis. r ' : ' 

9. Ob mehr als ein patt und gott zur taufen genommen i 
Mandatum a rever'endissimo«'). — Contrafacientes '2 f. niulctentur. 

10. Ob auch das hochwürdig heilig sacrament verschlossen 6 
und mit stetigem beleucht verehret und behalten werde. -^ Qui 
in culpa, 2 f. punitur et propriis sumptibus reficiat. • 

11. Ob ettlicben, ihren kirchenzehenten gar nit oder nit recht 
ausrichten. — -Tales in synodo 2 f. niulctentur. 

12. Ob iemand kirchen, altaren, gottesheusser, bruderschaften, 10 
zins und gefell nit entrichte und bezahle. -:-, Mulctentur in synodo 2 f. 

13. Ob iemand eingestiffte iargezeit nit halte und sonsten das, 
was kirchen, hospitalen besetzt und verlassen, nit ausrichten wolle. 
'rr- Tales 3 aureis, mulctentur. : ,- / 

14. Ob auch ettlichen massen beschehene legata als gülden, ig 
Zinsen und gerechtigkeiten der gebur gehandhabet, ; aufgehoben 
und eingesamlet werden oder nit. — Talium negligeiitia supina 

1 aureo punitur. '.•('■.. 

15. Ob einige kirchengutter, renthen, Zinsen, gefeil ; ohu vor-^ 
weissen gepurlicher oberkeit verkauft, versetzt oder sonsten ver- 20 
eussert und nitt, wie sichs gepurt, angelegt worden. —- Tales 
alienationes nullae, rescindendae et ecclesiae sumptibus alienantis 
in integrum restitui debent^), ipsi autem 6 aureis puniri ac supefi- 
oribus denunciari. . • - 

16. Ob auch kirchenfabrick, hospitäl, brudermeister vor dem 25 
pastor, sendscheffen oder da sichs sonsten eignet, aller einnahm 
und ausgab alle ihar gepürliche rechnung thun oder nit. =^ Negli-^ 
gentia cuiusvis 1 aureö mulctatur et ad hoc deinceps per commi- 
nationem gravium censurarum cogantur. . 

; 17. Ob einer öder mehr durch fahrlessigkeit zur österlichen 30 
zeit nit gebeicht oder das h. sacrament "empfangen. — Talis 1 f.^ 
mulctetur, contemptores vero gravius. 

18. Ob iemand die ehe gebrochen, man oder weib. -r- Tales^ 
3 ; domini^is diebus publice poeniteant nudis pedibus, vir sinistra 
virgam, dextera cereum portans, lapides in collo ferens durantess- 
sacro consistant; tertia dominica publice sacramentum. sument. . 
," 19'. Ob ettliche ehlichei' weis beieinander wohneU) so doch 
mags-, gevather- oder blutverwanschaift halber nit können noch 
sollen beieinander sein. — Tales separentur a thoro, mensa et 
domo et propter scandalum 12 f. mulctentur. Scientes autem in 40 
gradiTbüs :prohibitis co'nti^ahentes omni spe dispensationis' secundum 
concilium Tridentinum careant^). . ■ 5 


a) Mand. a rev. — B. 

b) debet A. 


') c. 5 de ref. raatr. sess. 24. 


224 Erzdiözese Trier. Nr. 110. 

20. Ob ettliche eheleut sich Selbsten voneinander gescheiden. 

— Isti debent synodo 5 f. et denunciari debent, ut rursus copu- 
lentur. 

21. Ob ettliche ohuehlicher weis mit ledigen personen oder 
5 sonsten mit verdechtigen leuten leben und hausen. — Tales sepa- 

rentur et propter scandalum dent 4 f.; qui autem inventi fuerint 
fornicati fuisse, ambo 3 f. 

22. Ob iemand mit closterjungfrawen sich ingelassen und ge- 
sundiget. — Puniantur ambo ut adulteri et illa intrusa in mona- 

lOsterio sui ordinis statim poeniteat. 

23. Ob iemand freventlich, auch ergerlicher weis wider die 
heilige sacramenta geredt und nit volligen glauben darzu gehabt. 

— Tales 3 aureis mulctentur, 

24. Ob ettliche vorhanden, die anderstwohin beichten und 
15 commuuiciren giengen dau zu ihrem pastorn. — Tales ut haeretici 

sunt suspecti et contra eos inquirendum, ratione autem scandali 
dent synodo 3 aureos. 

25. Ob ettliche verbotten tag, als in der fasten und sonsten 
gepottene tag, fleisch essen und andern zu essen furstellen etc. 

20 — Qui carnes propter scandalum 12, qui ova in quadragesima 
4 f. synodo solvent. 

26. Ob"^) iemand seinem pastor frevel angepotten, erwiesen 
oder mit worthen oder werken verunehret. — Hi 6 f. synodo dent. 

27. Ob iemand einigen sendscheifen seines ampts halben wider 
25gepuir angezepft oder verunglimpft. — 4 f. solvent. 

28. Ob sie iemant ihres ampts halben geschlagen. — 10 f. 
punitur. 

29. Ob iemand vatter oder mutter mit unzimlichen worthen 
angeredt und verunehret. ^- 4 f. punitur. 

30 30. Ob iemant dieselbe geschmissen und verletzt. — 10 f. ; 
pro qualitate facti; minui et augeri possunt haec omnia. 

31. Ob auch die eitern hinlessig, ihre kinder in Untugend und 
ubelthat zu straffen. — Mulctentur 1 aureo. 

32. Ob in der gemeind bälger, Zänker oder haderer sein, so 
35 ohne ursach anfror machen und erwecken. — Litigiosi 1 f., per- 

cussores 2 f. mulctentur. 

33. Ob iemand unzimlicher weis flochet, schwöret, gott lesteret 
und daraus ein geprunk macht. — Tales 1 f. puniuntur. 

34. Ob iemand in oder bausen gericht ein falschen eid ge- 
40than. — Talis 2 aureis plectitur>). 

35. Ob iemand, so in ba,n gethan, darin freventlich iar und 
tag verharret. — Talis propter scandalum 3 f. punitur. 

36. Ob*') iemand das erste gebott ubertretten mit warsagen, 


a) Am Eande A: percussores. 

b) mulctetur B, 

c) Am Eand A: De magis. 


Nr. 110. ' Koblenz. 225 

verborgene ding zu offenbaren und was dem anhengig., — Tales 
denuncientur magistratui et synodo solvant 5 f. arbitrarie. 

37. Ob ieraand solche leut besuchet und ires rats in einem 
oder anderen gepfleget. — "l^ales 3 f. puniuntur. 

38. Ob sich iemand mit sogen, aberglaublichen reden und 5 
gebettern andern zuhelfen undernohmmen. — Tales mulctentur 5 f. 

39. Ob iemand solche leut rats geflecht und hülf bei ihnen 
gesucht habe. — Tales synodo dent 2 f . . 

40. Ob iemand ein offenbarer wuchener sey, falsche mass und 
gewicht brauche, markstein versetze oder auswerfe und falsche 10 
münz wissentlich fort und ausgebe. — Tales dent synodo 6 f. 

Hie scabini synodales denuo offlcii sui admoneantur, de periurio 
avisentur et tandem proferant, si quae emendatione aut correctione 
contra praelectos articulos et similes opus habere sciant nee motu 
potestatis, odio aut gratia hoc illudve dicant aut sileant, quia per 15 
hoc periuri et abominabiles deo Sunt: Causa 11 quest. 3 c. quisquis^). 

In flne omnibus pene peractis interrogentur de suo pastore, 
an resideat, an sit absens, an in officio suo negligens, an diebus 
festivis celebret, concionetur, sacra hebdomadaria servet, aegrotos 
visitet, statutis temporibus sacramenta admiuistret, an tabernas20 
frequentet, scandalose vivat, iura et bona ecclesiae conservet, bona 
sua laboriose colat. 

Similiter de vicariis et aliis inquirendum. 

Revocato pastore et defectibus emendatis, an habeat libros, 
necessarios ad ecclesiam, ut missale, agendas, psalteria etc., an 25 
habeat monstrantiam et vasa pro sacramentis necessaria, vestes 
sacerdotales et ad altaria pertinentes, an omnia sint munda et de- 
center conservata et reposita, an domus habitationis sit ruinosa, 
an reparetur, sin minus, hoc mandetur. 

[III] De synodalibus. 30 

De singulorum quoque synodalium vita et moribus fiat in- 
quisitio ipso, de quo quaeritur discedente. Quaeratur a pastore 
et synodalibus, an officia sua bene fungatur. Item de campana- 
tore similis fiat inquisitio; an faciat^) semper oleum et lucernas 
ardentes missae tempore, an sacrarium et baptisterium bene sint 35 
reclusa etc. Item inquirendum de confraternitatibus, fabricae 
ministris et rectore. 

Pastor et synodales admoneantur, ut si quae proponenda sint 
omissa, an praesidi synodi suggerant. 

Demum per praeconem aut pastorem rogetur communitas:40 
ob iemand sey, der etwas wisse, so den h. send antreffe und 
notwendig anzuzeigen seie, ut ille prodeat et hoc pastori aut 
synodali indicetur. 

a) faciat — B. 


1) Decr. Grat. c. 80 C. 11 q. 3. 

Koeniger, Sendquellen. 15 


226 Erzdiözese Trier. Nr. 110. 

Faciat tandem pastor brevem exhortatioiiem, qua omnes ad 
pietatem exciteütur et christianam conversationem et charitatem. 
„De caetero, fratres," inquit Paulus ad Thessal. 4, „rogamus et 
obsecramus vos in domino, ut quemadmodum accepistis a nobiS; 
Squomodo opporteat vos ambulare et placere deo, ita et ambuletis 
vocatione, qua vocati estis, ut abundetis magis". „Haec est enim 
voluntas dei, sanctificatio vestra, ut abstineatis vos a fornicatione, 
ut sciat unusquisque vas suum possidere in sanctificatione et honore, 
alioquin si quiö circumveniat in negotio fratrem, vindex est deus 

10 de Ms Omnibus"^).' Item ad Ephes. 4. 

Conclusio: requirit legentem confessionem generalem cum 
solemni absolutione, addantur collectae de tempore, pace etc. 

Sequitur denuo : „Adiutorium nostrum in nomine domini" cum 
benedictione etc. 

15 [IV]. 

[Es folgen nun 4 leere Seiten und danach von gleicher Hand]*): 

Ex consuetudine iurantes; turaultuarii ; die festo laborantes; 

ecclesiae, fraternitatis census non solventes, testamenta mortuorum 

non servantes, rationes fabricae et hospitalium non reddentes; 

20 bona ecclesiae vendentes, oppignorantes, gravantes. 

Haec et similia virgis castiganda secundum psalmistam 88: 
„Si dereliquerint filii legem meam, si man data mea non serva- 
verint, visitabo in virga iniquitates eorum et in verberibus" etc.^). 
„Flagellum equo et camus asino, virga autem in dorso delinquen- 

25tium'": Proverb. 26^). Ezechielis 7: „Nunc de propinquo effundam 
iram meam super te et complebo furorem meum in te; egressa est 
iniquitas, floruit virga, germinavit superbia, sed ecce virga iniqui- 
tatis"*). „Pasce populum tuum in virga et gregem haereditatis 
tuae in verberibus habitantes in saltu, in deserto peccatorum" ^). 

30 Per lapides notantur grandia delicta, quae tam in lege veteri 
quam nova morte solebant expiari. Haeretici, qui (non) in loco, 
sed alibi apud Calvinistas et aliis sacramenta suscipiunt. Ideo 
dominus Deuter. 13: „Si surrexerit in medio tui prophetes, qui 
dicat : eamus et sequamur deos alienos et serviamus eis, non audies 

35verba prophetiae illius, quia tentat vos dominus deus vester, ut 
palam fiat, an diligatis eum ex toto corde vestro" etc.''). Item 
Deuter. 18; 3. Reg. 18; 4. Reg. 10. Blasphemi contra deum et 
sacramenta, ut Levit. 24: „Educ blasphemum exti'a castra et 
lapidet eum universus populus"'^). 2. Machab. 9; (2) Reg. 18, 19; 

a) In B reiht sich das Folgende unmittelbar an das Vorhergehende an. 


1) 1. Thess. 4, 1. 3—5. 

2) Ps. 88, 31—33. 

3) Prov. 26, 3. 

*) Ezech. 7, 8—10. 
0) Mich. 7, 14 
«) Deut. 13, 1—3. 
■') Lev. 24, 14. 


Nr. 110. Koblenz. 227 

1. Paral. 10; 1. Timot. 1: „Ex quibus, qui circa fidem naufragantur, 
est Hymeneus et Alexander, quos tradidi satanae, ut discant non 
blasphemare" ^). Daniel 2; 2. Machab. 12; „Quicunque blasphema- 
verit deuni; dispereat et domus eins vastetur"^). Fluclier; „Vir 
multum iurans replebitur iniquitate et non recedet de domo eins 5 
plaga-' : Ecciesiastici 27^),- Sachar. 3. Adulter et adulteri forni- 
carii: Levit. 20: „Si moechatus quis fuerit cum uxore alteriiis, 
ambo morte moriantur-' *); Denter. 22: „Quod si puella fornicata 
est, eiicient eam extra fores domus patris sui et lapidibus obruent 
eam viri civitatis illius et morietur"^). Judic. 19; 1. Reg. 2 et 3; 10 
Prov. 7. Incantatores, veridici et qui eos consulunt: Levit. 20: 
„Vir sive mulier, in quibus pbytonicus vel divinatorius est spiritus, 
morte moriantur, lapidibus obruent, sanguis eorum sit super eos" % 
19 Levit.; Deuter. 18; 1. Reg. 28 et 31; 2. Paral. 33. „Timidis, 
incredulis, execratis, impiis in parentes, homicidis, fornicatoribus, 15 
veneficis et idololatris et omnibus mendacibus pars illorum erit in 
stagno ardenti igne et sulphure, quae est mors secunda." Apol. 21'), 
Huc pertinent, qui parentibus maledicunt; patri matrique qui male- 
dixerit; sanguis eins super caput eins. Levit. 20; Exod. 21: „Qui 
percusserit patrem aut matrem, morte moriatur; qui maledixerit 20 
similiter" ^). Percussores: Gen. 9; Exod. 21. Usurarii: Psalm.: 
Quis habitabit; „qui pecuniam suam non dedit" etc. ^). Exod. 21: 
„Si pecuniam mutuam dederis populo meo pauperi, non urgebis 
eum quasi exactor nee usuris opprimes; si pignus acceperis a 
proximo tuo vestimentum, ante solis occasu reddes ei'' ^°). 25 

Perp ectinemintelligitur, quodnon habito'^) respectu personarum 
scabini quoslibet accusare debeant. „Alle über einen kamp scheren," 
wie der eid ausweiset. Levit. 19: „Non consideres personam pauperis 
nechonores vultum potentis, sediuste iudica proximo tuo" ^^). Deuter. 1 ; 
1 Timot. 5: „Nihil facies in alteram partem declinando"^^). 30 

Per forcipem notatur abscissio a deo, ecclesia et comraunione 
fidelium, participatione sacramentorum ; per excommunicationem 
aufertur quis a deo et traditur diabolo et haec poena excommuni- 
cationis iuste fertur a deo scilicet instituta Matt. 18: „Si eccle- 


a) habitu neque A. 


1) 1. Tim. 1, 20. 

2) Dan. 3, 96 


") Eccli. 23, 12 (vgl. 27, 15). 

*) Lev. 20, 10. 

«) Deut. 22, 21. 

«) Lev. 20, 27. 

">) Apoc. 21, 8. 

«) Exod. 21, 15. 17. 

1°) Exod. 22,' 25 f. 
") Lev. 19, 15. 
i>) 1. Tim. 5, 21. 

15* 


228 Erzdiözese Trier. Nr. 111. 

siam. non audierit, sit tibi" ^) etc.; Matt. 15; propter rebellionem 
et incorrigibilitatem : . C. 24 qiiest. 3 c. tarn sacerdotes^); 1. Cor. 5; 
Rom. 16; Proverb. 22: „Eiice derisorem et exibit cum eo iurgium 
cessabuiitque tuae contumeliae^j". 
5 Exhortatione brevi finita dici potest paucis : quid sit synodus 
et in quem finem servetur. . Et nihil est aliud, quam iudicium 
ecclesiasticura aut divinum, in quo sicuti et in aliis tres sunt per- 
sonae: accusatores, rei, iudex; servatur ideo, ut ubique fldes ca- 
tholica manuteneatur nee ulla erroris labe maculetur^) vel contar 

lOminetur, dei et ecclesiae praecepta serventur et, si quid contra 
fidem irrepserit, emendetur. 

Et cum vos, scabini, in hoc iudicio sitis constituti accusatores 
et ex parte iudices, proin de, quos scitis reos, praevaricatores legis 
et contemptores hie indicate; aut si descripsistis in schedula, nobis 

lödate, ut hie lecti et recitati coram communitate erubescant et 
confundantur et secundum delicti gravitatem puniantur aliis in 
terrorem, sibi ad emendationem secundum illud Pauli lad Timoth. 5: 
„Peccantes. coram omnibus argue, ut et caeteri timorem habeant" *). 
Praestiti iuramenti vos serio volo esse admonitos. Ut autem nemo 

20se ratione oblivionis excusare valeat (absque eo quod delicta statim 
ab aliquo . notari debuerint), plerosque synodales articulos vobis 
praelegam nostro instituto raagis convenientes, ut si cui quid exei- 
derit audito eo possit reminisci. 

Articuli ut supra praelegantur''). 

111. Sendweistum von Kochern. 

16. Jahrh. 

Kochemi St. Rheinpr., Ifr. Kochern. 

Abschr. des 16. Jahrb., Pap. 2°, fol. Ir und Iv, StA. Koblenz, Acta betr. 
die Pfarrei Kochern, Erzbist. Trier, Spez. in Kirchensachen Nr. 49 (A)''). 

Ungedruckt. — Im Kardener Sendregister von 1475 ein Auszug unter 
Nr. 33 (B). — Vgl. Visitationsprotokoll von 1569 (ed. Hüllen, Trier. Arch. 10) 
Nr. 35 S. 74 f. 

25 Der seudscheffen weistumb zu Cochme. 

[1] Item weist der scheffen, daz ein commissarius sali kommen 
als richtend in des pastors haus und sali mit ihme bringen 7^/2 
pferd und 7^2 man und der pastor sali ihne ehrlich empfangen; 
dan sali der custos bringen ein versoidten hoen und ein flesch 


a) macula contaminetur vel labefiat B. 

b) finis -{- B. 


1) Matth. 18, 17. 

2) Decr. Grat. c. 14 C. 24 q. 3. 

3) Prov. 22, 10. 
i\ ]^ Tira. 5 20. 

») Sendprötokolle im PfA. Kochern 1095—1779; 1781—1805 (vgl. Krude 
wig III 131 f.). 


Nr. 111. . Kochern. 229 

.wein& und; ein handvoU wagslicM elenbogenlengt; hat er ein 'haus- 
fraw, sali er mitbringen*). 

[2] Des sali ein burgemeister zu Cochme dem pastor geben 
ein fuder holz zu Steuer oder mit 6 alb. zu lössen. 

[3] Volgenden tags sali der commissarius in eine herberg zum 5 
wirth einziehen und wannehe der send zu halten angefangen 
wird, weist der scheffen einem commissarien 3 unz gelts uf dem 
hohen altar zu finden; ist geacht vor 18 alb.; suUen handreichen 
die zehender von Feidt^) und Cochme. 

[4] Darbeneben weisen die scheffen 6 mark zu Feide von 10 
dem kirchhof und 3 mark zu Dhoir^), macht zusammen 9 mark; 
sollen die sendscheffen das 3 theil davon haben und der commis- 
sarius oder senddechant 2 theil**). 

[5] Item abe solich gelt nit gehandreicht und boisfellig wurde, 
sali gleichermassen fallen 2 theil dem h. senddechant und 1 theil 15 
den scheffen. 

[6J Item forters in allen roggen und waz der sendscheffen 
anbringt, sali auch gleichermassen getheilt werden, wie dan der- 
selbig verweist wird in der billigkeit senddechants und sendscheffen. 

[7] Item were sache, daz der sendscheffen einige roge angebe 20 
einem senddechant und sie nit weiss genugsamb weren, sullen sie 
zu uberheuffe fahren gehn Zelle ^). 

[8] Item abe einer wurde geröcht und derselbig wieder- 
spennig und nit gehorsam sein wurde, sali ein commissarius durch 
ein mandat und ban zwingen, biss daz sie sich vertragen haiut 25 
mit senddechant und sendscheffen. 

[9] Item sali ein senddechant niemants quittieren noch absol- 
vieren, der beclagt ist von den sendscheffen, es sei dan mit wissen 
und willen obgenanter scheffen und beiden scheffen ihr 3 theil 
geben. 30 

[10] Item wannehr der h. send gehalten sali werden, sali man 
zuvorn 3 freier sontag von der canzlen ahnverkundigen. 

[11] Item uf verbott uad verkhunduiig des h. sends sali ein 
ieder burger, so unter die klocken gehörig ist, in der pfaren er- 
scheinen ohne ritter uud ritterskind und der hirt uf pehen*) eines 35 
bahnsesters weius, der wirt geacht uf 8 quart. weins, und abe sach 


a) B: Ibidem receptio in dote cum 7^/, equis et tot viris. Ibidem pastor 
satisfaciet ipsis largas expensas. Item campanator portabit puUum et mani- 
pulum luminis et medium sextarium vini et inde habet expensas cum uxore. 

i') B: Item cathedraticum 8 nnzen, 6 albos pro nua, faciunt 18 alb., dabit 
decimator in Pals (Pfalzerhof nördl. Vahvig). Item isti de Fayde dant florenum, 
item isti de Dorme V2 flo^"- 


^) Faid, westl. von Kochern. 

-) Dohr, sttd westl. von Kochern. 

^) Zella. d. Mosel, Oberhof für Kochern, 

*) poen, Strafe, 


230 Erzdiözese Trier. Nr. 112. 

were, einer solches veracht und ungehorsamb wurde, sali es sich 
von tag zu tag doppeln*). 

[12] Item ist ein iecklicher ambts- oder handwerksman dem 
h. send schuldig einen ambtsheller; sali der custos daz register 
5 lesen und einfordern. 

[13] Item ein ieder, so nit geistlich und ein thur ufm oberen 
und niedern kirchholf ausgehen hat, ist dem send schuldig ein 
flesch weins; wirt dem senddechant und scheffen zugleich zuver- 
drinken oder geniessen. 

112. Sendprotokoll mit Sendweistum von Kruft. 

1609 Nov. 29. 

Kruft, Df. Rheinpr., Kr. Mayen. 

Aus Akten der Abtei Laach, Pap. 2", StA. Koblenz, A. Laach Nr. 63 a. 
Ungedruckt. — Im Kardener Sendregister von 1475 ein kurzer Auszug 
des SW. von Kruft b), 

lOSynodus zu Crufft gehalten anno 1609 29 Novembris, 

i und 11 Decembris. 

Im jähr der hei(l)samer gebort Christi unseres herren tausend 
sechshundert und neun ist der synodus zu Crufft in der kirchen 
in beisein beider gemeinden Crufft und Gretz ^) jung und alt wie 

15 gepreuchlich durch den ehrwürdigen herren Johann, abten zum 
Laach 2), gehalten worden und nachdem die gepreuchliche und ge- 
wönliche articul vorgelesen, haben die semptliche sindscheffen dar- 
uff geantwort wie volgt^): 

[1] Antwort uff" die erste frag: weisen die scheffen den sind 

20 dem herren zum Laach zwey jähr und das dritte jähr dem pastoren 
zu Crufft. 

[2] Uff die zweite frag weisen die scheffen dem sindherren 
ein soemern haber vor sein pferd, kompt von Dieffendall*); und ein 
gesoden hoen dem sindherren, soll der koster kochen, und noch ein 

25 und zwanzig heller vor licht, da der herr sein gezeit bei lessen 
kan. Soll der pastor allhie vierzehen heller legen und die gemeine 
zu Gretz sieben heller von wegen Nehren^). 

t*) B: Item absentium ibidem quilibet dat 1 s. vini et erunt ibidem pre- 
sentes omnes parochiani, demptis militibus eorumque filiis et pastoribus. 

b) Item 3 ','2 marc cathedraticum ibidem et pastor dat 3 m. et communitas 
Vo raarcam; facit 21 alb. Item custos ut supra. Item officium 3 haller; item 
cista 3 hall. Item sinodales 3. partem in omnibus et cum hoc habent 25 cistas 
ad usum eorum. Item dabitur sinodalibus una offa pro 6 albis. 


') Kretz, nordöstl. von Kruft, Filiale. 

^) Dem Kl. Laach wurde Kruft 1139 inkorporiert (Lorenzi II 117). 

") Die Eeihenfolge der Artikel entspricht nicht der Trierer Agende, wird 
vielmehr lokaler Art gewesen sein. 

*) Tiefenthal, Eheinhessen, Kr. Alzey. 

*) Nehren a. Mos., Kr. Kochem, damals eigene Pfarrei. (Vgl. Lorenzi 
II 167.) 


Nr. 113. Kruft, Loef. 231 

[3] üff die dritte frag, wo die straff hin velt, weisen die 
Schelfen dem Sindherren ein theil und der kirchen das ander theil 
und das drittetheil den sindscheffen und alsdan gebuert den sind- 
scheffen ein sop oder drey mark; soll der sindherr geben. 

[4] Uff alle andere fragstuck, nach dem die scheffen ein idern, 5 
darin sie mangel gewust, zuverzeichnen befohlen, haben volgende 
rogen vorgepracht: 

[5] Verzeichenung, was die seindscheffen gerucht 
haben, welches sie nachvolgender inhalz in schrifften 

ihrer ehrwürden überliebert. 10 

Den 4. articul: des kosters schaff, etliche mahl noch dem koster 
2 Schwein uff dem kirchhoff. — Item noch Johan Kerich etliche 
mahl Schwein daselbst. — Item Thomas, Leonhart Laners söhn 
ein pferd uff dem kirchhoff. 

Den 8. articul: können die scheffen nicht eigentlich wissen. 15 

Der 11. articul soll woU sehr straifbahr sein, gott erbarmnis 
mir verhoffen und sehr zu bessern. 

Der 12. articul: wird wohl ein mahl beleucht, das ander mahl 
nicht; wehr des zuthon hab, stellen wir dem sendherrn in seine 
gewalt. 20 

Den 14. articul: ist wohl gewesen, doch sagt der pastor, es sey 
verglichen. 

Den 19. articul: ist woU sträfflich, wie im 11. angezeicht ist. 

Den 21. articul: haben uff einen sontag zu morgen körn ge- 
schniden als nemblich Johan, Leonhard Boessen söhn und Laux25 
sein bruder und Johan Untzen. — Item noch Reinhardt Binffelt 
und Johan Wenckseindt uff unser lieben frawen tag in den walt 
gangen und diese beide haben durch ihre ehrwürden und die synd- 
scheffen sich underrichten lassen und mit handgelöbten eins dem 
andern wie auch ihrer ehrwürden angelobt, zugesacht und ver-30 
sprechen, die heilige ehe in facie ecclesiae nach christlichem prauch 
und gewonheit primo tempore ab ecclesia permissa zu vollenziehen, 
also sie der straffen erlassen. 

113. Kirchen- und Sendweistum von Loef. 

1591. 

Loef a, Mosel, Df. Rheinpr., Kr. Mayen. 

Gleichzeitige Abschr., Pap, 2", StA. Koblenz, Kurtrier, Ortschaften. 
Ungedruckt. — Im Kardener Sendregister v. 1475 ein Auszug unter Nr. 105, 
auch 104 ; hier angehängt S. 233 i ff. 

üffzeyung des weystums van wegen des heyigen sends zu 
Loeff, welches mir sendscheffeu unser ehrwyrdiger aptyssen zue35 
Macheren ^) mytsampt dem ganzen convent, wye nachfolgt: 


^) Machern a. Mos., Kr. Bernkastei, ehem. Zisterzienserinnenabtei ; sie erhielt 
Loef 1482 inkorporiert (Lorenz i I 83), 


232 Erzdiözese Trier. Nr. 113. 

[1] Erstlich so weysen mir sendscheffen, wie van alters an 

uns komen, unser ehrwürdiger aptyssen zue Macheren den baw im 

kuohr in der kyrchen, dach und fynster in guttem baw zu halten 

raitsampt den preysskämeren ') der gleychen als gutem baw^ zu 

5 halten und den wyedumhoeff. 

[2] Fortej- so wysen wir den hern van der Leyen^) den baw 
der kyrchen vor dem kuohr, alle dachwerk und fynsteren zu 
guttem baw zu halten. 

[3] Forter so weysen mir dem kyrstbell zu, den klockenthorn 
10 und klocken und den kyrchhoff und beynhaus und alle zehrat der 
kyrchen in guttem baw zu halten. 

[4] Forter so weysen mir dem pastor alle woch vyer myssen 
uff dem hohem althar zu doyn, erstelich uff den mandach eyn und 
uff' den mytwoch eyn und uff den freydach eyn und samptsdach 
15 eyn und forters alle feyrdagh; und wan sach wehr, dass eyn 
begenking ader jargezeit uff der dag eynen kompt, so sal der pastor 
keyn presenz davari heben. 

[5] Forter so weysen wir, wan der heylig send dem kohr- 
buschuff zugewist wird, so sali uns ehrwyrdige aptissen drey mark 
20 uns heller dem kohrbuschuff erlegen; solches weystum hau mir 
sendscheffen van alters wie mir van unseren voralteren hau, 
welches mir sendscheffen unser ehrwürdiger aptyssen mitsampt 
dem ganzen convent gern mitdeyllen. 

[6] Forter so wyllen mir sendscheffen ewer ehrwerden nit 
25 verhalten, so wie unser pastor nach leut des sendweyssung alle 
woch vyer myssen uff dem hohen althar hat zu doyn, darbeneben 
nach eyn uff dem crutzaltar, item nach uff zweyen cappellen Moertz 
und Cattenness^), da er auch alle woch in eder cappellen eyn 
myss verloeynt moiss werden, alleso ist uns bedunken, der pastor 
30hab alle woch sehen messen zu doin und seynd nur nit meh als 
seix dag in der wochen. 

[7] Weyders so ist unser sendschepf biedt allesamens an ewer 
ehrwerden mitsamp dem ganzen convent, wo ir etwas breyf bey 
euch hett zwischen uns van Loeff und Alcken*) belangen die 
35pastorey, wie sich das kyrvStbell mit den van Alcken verglichen 
hat, da wyllen mir umbgeben han, uns mit zu deyllen solches; 
wollen wir gegen euch alle heiss verschulden nit meh uff' dis maill 
dan ewer werden mitsampt dem ganze convent veyll glückseliger 


') Sakristei. 

'^) In Gondorf, 2 St. moselabwärts von Loef, hatten die Grafen v. d. Leyen 
ein Scliloss; sie bezogen den halben Pfarrzehnt von Loef (vgl. Lorenzi II 331). 

^) Mörz, landeinwärts nordw. von Loef, und Kattenes, ^2 St. von Loef 
moselabwärts. 

*) Alken, Kr. St. Goar, ^/^ St. von Loef abwärts am rechten Moselufer; 
früher Filiale von Loef, strebte es schon im 15. Jahrh. nach Selbständigkeit; es 
kam zu langwierigen Streitigkeiten; erst 1616 erfolgte die förmliche Erhebung 
zur Pfarrei (Lorenzi II 361). 


Nr. 114, 115. Masbnrg, Mertloch. 233 

zeit, Datum Loeff anno 1590 more Treverensi. Mir sendscheffen 
alle sament zu Loeff unser ehrwerden alle zeyt in deynst zu seyu. 

[Sendregister von 1475: 

In Alcken: Item cathedraticum nullum, quia separata est a 
matrice ecclesia. Item officium tres hall.; qui seit officio»), du- 5 
pliciter dat. Centurio 6 hall, ex parte communitatis. Item campa- 
nator nichil dat. Sinodales habent in omnibus terciam partem. 

In Loeve: Item ibidem cathedraticum 8 marcas 3 uncias; 
marca facit 6 alb., uncia facit 10 hall.; collatores dant. Item 
custos ut supra et inde habet expensas. Item officium 3 hall. 10 
Item quilibet parochianus 1 helling, facit ^2 album. Item ibidem 
7 sinodales, habent terciam partem.] 

114. Kirclieiiweistum zu Masbnrg. 

16. Jahrh. 

Mas bürg, Di. Rheinpr., Kr. Kochern. 

Abschr., Pap. 2°, 16. Jahrb., StA. Koblenz, Kur trier, Aemter u. Ortschaften. 
Gedruckt: Grimm VI 654 (mit Auslassung des Schlussabsatzes, die Bitte 
an den Kurfürsten um Aufrechterhaltung des Sendweistums enthaltend). 

115. Sendweistum von Mertloch. 

1600 März 14. 
Mertloch, Df. Eheinpr., Kr. Mayen. 

Gleichzeitige Abschr., ]?ap. 2°, StA. Koblenz, Kurtrier, Ortschaften, Mert- 
loch Nr. 3. 

Ungedruckt. 

Wiesthumb des heiligen siends zu Mertloch, so durch zehen 
sienscheffen, zu Mertloch vier, Kolch zween, Gerick zween und 
Einich ^) zween, wie von alters hero daselbst gewonlich und 15 
pr[euch]lich, uffgericht und von . . . berürten sientscheffen durch 
mich Severum [H]artungh, notarium, beschrieben den 14. martii 
anno 16[00]. 

[1] Anno pari, das ist wen man geleich schreibt, ist ganz siend. 

[2] Es fraget der sienddechant, ob es von jähr uncl tag seie, 20 
den heiligen siend zu besitzen. Es antworten die siendscheffen : 
Ja wir dünken aller gutter ding zeit sein. 

[3] Wie sali man den demselben forter nachgehn? Antworten 
die sienscheffen : Ir solt dem heiligen siend bahn und frieden thun. 

[4] Der sienddechant fragt: Wie sali man forder nachher 25 
gehn? Antworten die siendscheffen: Ihr sollt die siendscheffen ver- 
manen bei iren gethanen eiden, die die dem heiligen siend ge- 

a) Wohl statt: duo officia (Fabr.). 


') Kollig, Gering, Einig, ^/^ St. im Umkreis westl. von Mertloch ; sämt- 
liche Filialen von Mertloch. — Vgl. dazu wie überhaupt zum Inhalt unten S. 241 
Münstermaifeld I Abs. 14. 


234 Erzdiözese Trier. Nr. 115. 

than haben, al[les] vorzubringen und zu ruegen, was wider den 
heiligen siend ist, wieder die gebott gottes und der heiligen 
christlichen kirchen Ordnung und Satzung. 

[5] Ihr siendscheffen, ich fragen euch bei eweren eiden, wem 
5 ihr den siend zuweist und was der heilig siend vor gerechtigkeit 
hat? — Her sienddechant, es weisen die siendscheffen unserra 
gnedigsten hern von Trier als probsten des stiffts zu Münstermein- 
feldt^) zwei theile des siends und dem hern pastoren dieses orts 
das dritte theil mit allen gefelleu. Es weisen auch die siend- 

10 scheifen, das heutigs tags ein jeder nachpaur und kirspelsman al- 
hie erscheinen sali und sali sein siendrecht bezalt haben vor 
dem wiesthumb als nemlich, da der ehe statt noch ganz ist; ein 
siendsömmeren korns, thut drei sester ; da aber die ehe nit ganz ist, 
halb sovill, nemblich ein halb sömmeren, thut anderhalb sester korns. 

15 [6] Der sienddechant fragt weiters: Was verwirkt der unge- 
horsam des heiligen siends, welcher nit erscheinet und vor dem 
wiesthumb sein siendrecht nit bezalt hat? — Antworten die 
siendscheffen: derselbig verwürkt man und zins, also da einer so 
vermessen were und solches nit ausricht, der verwett zehen pfenning, 

20 mit fünf heller abzuloessen. Da ehr daruff nit geben würd, so 
duplirt sich von heutigs tags an der man und auch der zins drei- 
viertzehen tag und drei notttag lang. Wannie aber ferners der- 
selbig nit daruff geben würd, so sali der pastor denselbigen öffent- 
lich uf der canzel ansruffen und in den bahn thun. Da er aber 

25 uff den bahn nit geben würd, sali man demselbigen ungehorsamen 

Wasser und weid verbietten und keine gemeinschaft mit ihme halten. 

[7] Der sienddechant fragt, was ein siendscheffen verwedt, 

welcher uff den tag nit erscheinet, wan man den heiligen siend 

besitzt? — Antwort der sendscheffen: Es verwürkt der siend- 

30scheffen denselbigen tag 15 Weisspfenning; da aber sach were, das 
der siendscheffen in gottes gewalt lege oder in herren nott sein 
würd, soll ehr der obgemelten straff mit gnaden entledigt sein. 

[8] Vorters weisen die siendscheffen, das ein jeder schmied 
dem hern probst uff heutigen tag 4 hoffeissen mit iren negelen geben 

35 sali, die des probst pferden gericht sein ; sonst verwürkt derselbig 
die .obgemelte straff geleich einem anderen nachpauren. 

[9] Weisen auch ferner die siendscheffen, das der her probst 
diesen tag den siendscheffen und Schmitten und dem heimburgen 
schuldig ist den kosten zu geben. 

40 [10] Item beneben obgemeltem siendrecht ist jeder wirth, der 
stets wein zapt, schuldig ein viertel weins in den siend zu geben. 
[11] Neben sulchem allem seind auch die siendscheffen und 
der heimburger, welcher das körn ausmisst, ihres siendrecht ent- 
hoben und erlediget. 

45 [12] Item beneben dem das drittetheil den senscheffen an den 
rogen. 

^) Münstermaifeld, 2 St. südöstl. von Mertloch, Kr. Mayen. 


Nr. 116, 117. Mettendorf, Mettlach. 235 

116. Kirclicnweistum Yon Mettendorf. 

1621. 
Mettendorf, Di. Rheinpr., Kr. Bitburg. 

Aus dem Staatsarchiv Luxemburg (zit. Verz. Ehein. Weist. S. 53 Nr. 669). 
Gedruckt: Hardt 532—534. 

111. Sendordnung von Mettlach. 

17. Jahrh. 
Mettlach, DL Eheinpr., Kr. Merzig. 

Abschr. des 17. Jahrh., Pap. 2», StA. Koblenz, Mettlach ID XXXI 140 a. 
üngedruckt. 

Verzeichnuss und Ordnung zur zeit des halteuen 
hohen heiligen sends^). 

[1] Elrstlich soll derselbig, so genen besitzt oder ein anderer, 
das ampt der heiliger mess celebreren und wan dieselbige aus 
ist, ein korröckellen anthun und auf einem sessel oder stuhl, dar- 5 
auf ein küssen legen soll, vor dem hohen altar setzen. 

[2] Item darnach vordran sol stehen ein klein bank oder 
schabell^), dieselbige mit einer hanfsilen bedeckt; und darauf soll 
liegen ein roht, ein scher, ein Wetzstein und ein kamp. 

[3] Darnach soll der seendherr die seendscheffen heissen nach 10 
einander stehen oder sitzen, wie dan ahn etlichen orteren der 
brauch ist, und sei fragent*), ob der heilig seend zu dreyn vier- 
zehen tagen verkündigt sei worden, darauf sei dan antwortet 
worden: Ja, und darnach dem koster befehlen, die gemein klock 
noch drey zeichen zu läuten, dagegent noch ein pfarmahn nicht 15 
da wer, fleissig fortgehen mögt und kein schaden bekommen mögt. 

[4] Darnach der koster in gederem dorf einem nach dem 
anderen rufft und welcher nicht respondiert oder sich entschuldiget, 
soll gestraift werden. 

[5] Nach dem solches geschehen, muss der seend gebent werden 20 
und der besitzer fragen, wer dasselbig schuldig sei zuthun. Der 
eltest seendscheifen ist es schuldig zuthun und da er es nicht 
kunt, seiner eydsbrüder einer ansprechen, doch mit erlaubnuss des 
seendherrens yme dasselbig, da er es künnen wird, thun soll und 
anzusprechen er denselbigen umb die belohnung woll. 25 

[6] Und wan solches geschehen, dan alsobalt das „Veni 
sancte" anzufangen zu singen mitsampt der collecten darauf folgt 
auch gesongen sol werden. 

[7] Weyter nun den seendscheffen befellen und auf irren eyd 
zu vermahnen, achtung uff die puncten, so ynen vorgelessen aus der 30 
agenden werden, ob einer oder der ander darin sträfflich gefallen 
wer, vorzubringen und derselbig puncten oder acht vorzulessen 

^) Am Eand : ob der keiner under ynnen sei gescholten worden und sich 
nicht mit recht verthedigt het; wer der sey. 

^) Mettlach gehörte zum Archidiakonat Tholey. 
^) scabellum, Schemel. 


236 Erzdiözese Trier. Nr. 118. 

biss zum end zu. Wan solches .alles vorgelessen worden, sehit die 
seendscheffen wider auf irren eyd zuvermahnen, ob sei noch etwas 
sonsten, das nicht ynnen vorgelessen und in den puncten nit be- 
griffen wer, auch schuldig sein vorzubringen auf straff. 
5 [8] Zum lesten soll der seendherr dem pfarzenner autbeladen 
und under sich erkundigen, ob der seendscheffen einer oder der 
ander auch sträfflich wer und nicht vorgebracht, sonder verschwiegen ; 
soll doppel gestrafft werden gleich der nachpaurschafft auch. 

[9] Darnach zum beschluss den seend aufzuthun, soll der seend- 

lOherr diesen psalmus sprechen: „Deus misereatur nostri et benedi- 
cat nobis" ^) etc. cum collecta: Deus, qui culpa offenderis etc.^). 
[10] Zu erfragen die nachpaurschafft, wan der hoch seend ge- 
halten wird, was sei dem seendherren vor seine gerechtigkeit 
schuldig sein zu geben. 

15 [Bannformel]. 

Ich thun heut dem heiligen seend bahn und frieden wegen 
gott des vatters, gott des sohns und gott des heiligen geistes drey 
personen und einen warhafftigeu gott; ich thun bahn und frieden 
dem heiligen seend des allerheiligsten vatters und Statthalters 

20 Christi des bapst zu Rom, allen seinen cardinälen und bischoffen; 
ich thun bahn und frieden dem heiligen seend des heiligen bapst 
s. Silvestri, der den heiligen seend eingestellt hat, und s. Helena den- 
selbigen bestettiget^); ich thun bahn und frieden dem heiligen seend 
wegen unsers würdigsten churfürsten und herrens erzbischoff zu 

25 Trier und allen seinen befelchhäberen ; ich thun bahn und frieden 
dem heiligen seend dem woledlen und ehrwürdigen herren chor- 
bischoff und erzdechant dieses ortes; ich thun bahn und frieden 
dem heiligen seend des patroners unsers gottshaus s. N.; ich thun 
bahn und frieden dem heiligen seend wegen des pastors, wegen 

30 des kosters, wegen der seendscheffen und wegen der ganzer nach- 
paurschafft, das niemands aus- noch eingehen soll sonder erlaub- 
nuss, keiner niedersitzen soll sonder erlaubnuss, keiner dem anderen 
sein wort zuthun sonder erlaubnuss; und welcher darüber thut, 
der ist schuldig dem seendherren die buss und den seendscheffen 

35 den wein; also solle der seend gebannet sein. 

118. Seiidweistiim zu Moiulorf. 

1.571 Dez. 10. 

Mondorf, Df. Luxemburg, K, Kemicli; jetzt Diöz. Luxemburg. 

Aus dem Bendprotok ollbuch des Archidiakonats Tholey (St. Moriz), Pap. 4", 
fol. 768 '•, StA. Koblenz, Kurtrier, Gener. in Kirchens. Nr. 105. — Vgl. Lorenzi 
I 3861 

üngedruckt. 

a) Der ganze Wortlaut der Schlussformeln ist weiter unten von andrer 
Hand nachgetragen. 

1) Ps. 66. 

"-) Vgl. dazu oben Heimbach I S. 200». 


Nr. 119. MoDdorf, Montabaur. 237 

Ein Spruch, ussgelassen zu Mondorff in biewesens des hern dechans^) und 
der Sender von Mondorff und Elffingen-) den 10. tag decembris anno 1571 
zwussent der gemeinen von Mondorff als kleger und die gemein von Elffingen 
verantworter andertheils. 

Dekan, Pastor Johann und Sender erkennen, dass der Zehnder von Elf- 5 
fingen den hohen Altar mit allem Zubehör auszustatten, den Turm in Bau 
und Gedeck zu halten, die grosse Glocke samt Seil zu bestellen, die Ringmauer 
und den Pfarrhof helfen zu bauen habe. Die Unkosten, die erwachsen „aus 
beweglicher ursach", trägt die Gemeinde Elffingen zu zwei und die zu Mon- 
dorf zum dritten Teil. 10 

119. Seilderneuerung zu Montabaur. 

17. Jahrh. Ende. 

Montabaur, St. Hessen-Nassau, Kr. Unterwesterwald ; jetzt Diöz. Limburg. 

Abschr. des 17. Jahrh. Ende, Pap. 2", StA. Wiesbaden, in Easz. X 7, 
Montabaur X 2 (A)^). — Eine zweite, unvollständige SO. (von Abs. 9 an) aus 
der nämlichen Zeit ebendort (B). — Eine dritte (0) ist die Abschrift von A und 
steht ebenda vor dem Sendprot. von 1782, von der gleichen Hand wie dieses 
geschrieben. — Das Bruchstück einer Sendpredigt ist in dem nämlichen Faszikel 
enthalten und stammt von der Hand des Schreibers von B. — Vgl. die SO. 
von St. Florin oben S. 221». 

Ungedruckt. 

[I]. Ordo celebrandae synodi. 

1. Mensa infra chorum collocanda contecta linteamine albo; 
sedes appoiiendae pro decano, dd. adiimctis et synodalibus ; crucifixus 
inter duos cereos ardentes; pecten cum forfice, virga et lapides. 

2. In ipsa dominica vel festo Signum maioris campanae horaio 
octava vel medio nonae datur. 

8. Cantatur a choro inchoante sacerdote hymnus: „Veni s. 
Spiritus". 

4. Ordinatur simul processio per templum vel circa illud. 

5. Cantatur summura sacrum; sub sacro post credo sequitur20 
concio; missa finita datur benedictio. 

6. Procedit decanus cum adiunctis et synodalibus ad mensam 
synodalem et omnibus consedentibus facit propositionem synodalem 
ut sequitur. 

7. Propositio decani in principio synodi ad mensam: 26 
Im nahmen gott des vatters und des sohns, und des h. geists. 

Amen. Vielgeliebte zuhörer! Auserwählte in Christo! — Ihr 
habt aus gehaltener predig verstanden, was der heilige send seye, 
warumb derselbe in der heiligen christkatholischen kirchen ange- 

^) Von Eemich a. d. Mosel. 

^) Elvingen, östl. von Mondorf? Nach dem Tholeyer Sendprotokollbuch 
fol. 446^ gehörte aber Ellingen, nördl. von M., mit Altwies (s. dagegen oben 
S. 184) zur Pfarrei Mondorf. Vielleicht liegt eine Verwechslung des Schreibers 
vor, wie denn auch fol. 446r Elffingen in Ellingen korrigiert ist. 

") Der Faszikel enthält Sendprotokolle , Brüchtenzettel , Ordnungen und 
Stücke solcher; das erste Protokoll datiert von 1693, die übrigen von 1697, 
1723 — 1782 (mit Unterbrechungen). Die Senderneuerung, auf die in der folgen- 
den SO. Bezug genommen wird, dürfte also EInde des 17. Jahrhunderts vorge- 
nommen worden sein. 


238 Erzdiözese Trier. Nr. 119. 

Stellet und wie nützlich und nothwendig er seye. Ihr habt auch 
gehöret, was durch die beyliegende Instrumenten bedeutet werde. 
Weilen nun einige zeit wegen hin und wieder entstandenen ver- 
hindernussen die sendhaltung hinterblieben, hingegen einem zeit- 
5 liehen dechant und capitul s. F'lorini stifftskirchen in Coblentz von 
alters her oblieget, dieses heilige werk in acht zu halten, so ist 
für guth angesehen worden, heutigen tags denselben ahn diesem 
orth zu erneuern und der christkatholischen kirchen löblichem brauch 
nach vorzunehmen. Demnach so besitze ich heuth zu tag den hel- 
lo ligen send im nahmen und von wegen gottes des allmächtigen, 
Mariae seiner hochwürdigen mutter und des heiligen Florini als 
Patronen der pfarrkirchen allhier in Montabaur, auch wegen des 
hochwürdigsten erzbischoften und churfürsten zu Trier, unseres 
gnädigsten herrn, dass alle und jede mit allem fleiss zuhören 
15 sollen, was im heiligen send gehandlet, welche Sünden, ärgernuss und 
missbrauch sollen nachgefragt, geruegt und gestrafft werden. Diessen 
bann und frieden thue ich zum ersten, zweyten und dritten mahl. 

8. Proponit quasdam quaestiones a seniore d. synodali resol- 
vendas in modum sequentem: 
20 und weilen ihr gegenwärtige herren sendscheffen wisset, dass 
ihr seyet diener der kirchen gottes und mitarbeiter in heiliger 
send, beobachter der zucht und auferbawlichen pflichtenwandels 
in dieser statt Montabaur und umbliegender pfarren, derohalben 
frage ich euch und begehre von euch zu wissen, wehm von recht 
25 und gewohnheit zustehe den heiligen send in der statt Montabaur 
zu halten oder zu besitzen? 

Deinde dicit ad seniorem d. synodalem: 

Herr! Ihr als der älteste sendscheffen wollet auf diesse punc- 
tum antworten. 
30 Synodalis surgit et respondet: 

H. herr senddechant! Wir haben von unseren vorfahrern 
gehört, dass dechant und capitul s. Florini stifftskirchen in Coblentz 
als pastores und christliche Vorgänger die gerechtigkeith des hei- 
ligen sends jeder zeith geübt und ihnen zugestanden seye. 
35 Decanus: Herr! Ich frage euch wiederumb als den ältesten, 
wie man das heilige gericht des sends anstellen^ hägen und ge- 
biethen solle? 

Synodalis resp. : Ihr sollet denn sendscheffen und dem ganzen 
Volk bann und frieden thun, eröffnen und gebiethen wegen des 
40 heiligen sends auf gehorsamb und straff, damit alle pflichtliche 
werk gepflehet werden mögen. 

Decanus: Ich frag euch auch weiters, wie man die, so im 
heiligen send gefallen und brüchich seynd, solle halten? 

Synodalis resp. : Wir wissen dass die, so in dem heiligen send 
45 geruegt und dem wiederspänsich und ungehorsamb seynd, sollen 
gestrafft und gebannt werden. 

Decanus: Damit den jedermann wisse, was der heilige send 


Nr. 119. Montabaur. 239 

ZU ruegen, zu bannen und zu straffen habe, deswegen werden die 
articulen aus der trierischen agend deutlich vorgelesen. 

9. Deputatus») decani synodalis praelegit alta voce ex agenda 
Trevirensi quaestiones et crimina mulctanda fol. . . .\). 

10. Decanus praelectione articulorum finita dicit*>): Aus diessen 5 
abgelessenen articulen erhellet zu genügen, was vor dem heiligen 
send anzubringen und zu ruegen seye, welches allen und jedem 
künftighin zu heylsamer lehr und ermahnung dienen soll. — Was 
aber von einem und andern darwieder gehandelt worden^ solches 
sollen die herren sendscheffen, so viel ihnen bekant, auf erfordern 10 
ahn- und vorbringen. — Damit auch alle wissen, welche zu deme send- 
scheffenambt erwählet worden, als werden dieselbe proclamirt. 

11. Proclamantur nomina. 

12. Praestant synodale iuramentum. 

13. Ascenditur ad altare malus et flexis genibus recitaturis 
psalmus: Dens raisereatur nostri etc. 2). — Dein dicitur; V. Ostende 
nobis, domine, misericordiam tuam. R. Et salutare tuum da nobis. 
V. Domine Dens virtutum, converte nos. R. Et ostende faciem 
tuam et salvi erimus. V. Domine exaudi orationem meam. R. Et 
clamor mens ad te veniat. V. Dominus vobiscum. R. Et cum 20 
spiritu tuo. 

Oremus! Deus, a quo sancta desideria, recta consilia et iusta 
sunt opera, da servis tuis illam, quam mundus dare non potest 
pacem, ut et corda nostra mandatis tuis dedita et hostiura sublata 
formidine tempora sint tua protectione tranquilla. Per Dominum 25 
nostrum etc. 

14. Datur benedictio sacerdotalis: Misereatur vestri etc. In- 
dulgentiam etc. 

Compulsantur campanae. 

.[II]. Instructio pro synodo. 30 

Andächtige und vielgeliebte in Christo dem herrn ! 

Als die in göttlicher heiliger schrifft erfahrene und wohl ge- 
gründete lehrer und Vorsteher christlich catholischer kirchen, 
unsere voreitern, den heiligen send ahngeordnet haben, ist solches 
geschehen zur höchsten ehre gottes, zu erhöhung unserer heiligen 35 
mutter, der christlich catholischen kirchen, zu aufpflanzung des 
römisch apostolisch catholischen glaubens, Unterhaltung christlicher 
liebe und zu abstralfung und ausrottung der Sünden. 

Da nun ein geraume Zeit wegen schwerem kriegsaufruhr und 
sonst andern hindernissen . . . der send eingestellt; so ist für gut 40 


a) Hier setzt B ein (ohne Ziffern), 

t) B: Decanus finem synodo imponit hisce vel similibus verbis. 


1) Nach fol. ist ein Raum gelassen; es sind fol. CCXXIII— CCXXVI der 
Agende von 1574. 
=') Ps. 66. 


240 Erzdiözese Trier. Nr. 1201. 

angesehen worden, . . . denselben ahn diesem orth zu erneuern. 
[Folgt nun Ermahnung zum Gehorsam: ^die kirchlichen obern 
sind geistliche eitern; wie diese so fordert auch die kirche auf 
vom bösen abzustehen; wenn nicht, so erfolgt strafe". Mit diesen 
5 Gedanken bricht das Stück ab.] 

120. Sendquellen von Münstermaifeld. 

14. Jahrh. 1. H.; 17. Jahrh. Wende; 18. Jahrh. 
.Münstermaifeld, Df. Eheinpr., Kr. Mayen. 

I. Seiidreclite des Propstes. 

14. Jahrh 1. H. 

Aus dem Propsteibuch des St. Martinstiftes Münstermaifeldt^), Ledereinband 
Perg. 15 X 24 cm, 14. Jahrh. (Zeit des Propstes Elias 1331—1347) fol. 3»— 5b, 
mit Nachträgen von zweiter ungefähr gleichzeitiger und dritter, späterer (Ende 
des 14. Jahrh.) Hand; StA. Koblenz A VII 1 Nr. 99. 

Ungedruckt. 

[1] Item prepositus») habet synodo in monasterio presidere 
quolibet anno feria quarta quatuor temporum post diem exaltationis 
s. crucis videlicet de tribus villis Gyrsenich, Kuttiche et Kailthe^) 
et tenentur esse in ecclesia parrochiali s. Petri ibidem omnes 

lOmasculi villarum predictarum et quelibet villa cum uno scabino 
synodali et solverit iura sua, antequam dicte synodo presideatur, 
sub certis penis; ubi solvet villa Gyrsinachum quinque solidos 
den. pagamenti Monasteriensis et quodlibet molendinum 6 den. et 
quilibet furnus^) 1 den. et quilibet opilio^) 2 den. et de aliis 

15 officiis et accusatoribus prout sentencia scabinorum ^) iudicavit. 

[2] Item Kuttiche 3 sol. den. cum dimidio, unum maldrum 

avene"), 1 anserem, 2 pullos; de officiis et accusatoribus ut prius. 

[3] Item Kailthe 3 sol. cum dimidio"^), unum maldrum avene, 

unum anserem et 2 pullos ; de officiis vero et accusatoribus ut supra. 

20 14] Item feria quinta sequenti comparebunt in eodem loco 
simili modo communitates^) Mettriche, Lisseria, Wiersheym, Kel- 
dinc et Sevenich^); ubi Mettricum solvat 3 sol. cum dimidio f), 
unum anserem, 2 pullos et unum ml. avene. 

a) Die Dignitätspunkte jedesmal vor „prepositus" sind hier im Abdruck weg- 
gelassen. 

b) Einkorrigiert von zweiter Hand: synodalium. 

c) Darüber von zweiter Hand : 6 den. 

d) Daneben von zweiter Hand: 6 den. 

e) Einkorrigiert von zweiter Hand: de. 

f) Uebergeschrieben von zweiter Hand: 6 den. 

') Vgl. über das KoIIegiatstift M.: C. Schorn, Eiflia illustr. II (1888) 220 ff. 

'^) Girschnach, Küttig und Kalt, nördl. von Münstermaifeld, Filialen der 
St. Peterspfarrkirche dortselbst (Loren zi II 335). 

^) Backofen, Bäcker. 

*) Schafhirt. 

**) Metternich, Lasserg, Wierschem, Keldung, Sevenich, südl. von Münster- 
maifeld, Filialen. 


Nr. 1201. Münstermaifeld. 241 

[5] Item Lisseria, Keldinc, Wiersheym et Sevenich alternatis 
annis quelibet villarum predictarum solvat 3 sol. cum dimidio«), 

1 ml. avene, 1 anserem, 2 pullos; de offlciis autem et accusatori- 
bus ut supra de aliis''). 

[6] Item Weyersheym dicit se nichil plus solvere nisi de 5 
offlciis et accusatoribus cum uno**) anno. 

[7] Item feria sexta sequenti coraparebnnt omnes opidani et 
parrochiani opidi Monasterii in choro canonicorum ante altare s. 
Severini cum quatuor scabinis synodalibus et solvet centurio opidi 
pro iure synodi uno anno 14 sol. den., unum ml. avene, unumlO 
anserem"^) et duos^) pullos, et secundo anno solvet 7 sol. den.; 

2 ml. avene, 2 anseres et quatuor pullos; de offlciis vero et ac- 
cusatoribus sicut prius. 

[8] Et est sciendum, quod quilibet carnifex de offlcio suo 
tenetur presentare preposito in carnisprivio unam scapulam carnium 15 
porcorum, que valeat magis quam 11 quantitates et infra 12 [que 
nunc ordinata est pro quatuor bonis hallorum antiquis. De aliis vero 
offlciis quibuscunque dantur 2 den. pretii; de sede textrica minori 
1 den. datur solum; de iure autem tabernarum require in fine 
synodorum]*). 20 

[9] Notandum est eciam, quod omnes fabri quilibet tenetur, 
antequam synodo presideatur, 4 balbata') bona ad equum ipsius 
prepositi cum 16 clavis sive gunfis^). 

[10] Item sabbato sequenti comparebunt omnes parrochiani 
ville de Nuinheym^) in ecclesia ibidem cum duobus synodalibus 25 
et solvet ibi centurio 3^2 sol. den. uno anno, 9 ml. saliginis, tria 
brudermalter *) et alio anno quatuor ml. cum dimidio eiusdem 
mensuree); de offlciis et accusatoribus ut supra [Nota: anno impari 
numero solvunt 2^2 nil. siliginis mensure Monasteriensis et 2^2 
solidos monete opidi Monasterii]''). 30 

[11] Item feria secunda sequenti comparebunt alternatis annis 
omnes parrochiani de Kerne ^) in ecclesia de Kerne cum tribus 
scabinis synodalibus, ubi centurio solvet uno anno 14 sol, den-, 

a) Uebergeschrieben : 6 den. 

b) Beigefügt von zweiter Hand : hoc est intelligendum quando par numerus 
anni scribitur. 

c) Darüber von zweiter Hand: eodem. 

d) Ebenso : duos anseres. 

e) Ebenso: quatuor. 

f) Das Eingeklammerte ist von zweiter Hand nachgetragen. 

s) Von zweiter Hand beigefügt: antequam synodo presideatur. 

1') Das Eingeklammerte von dritter gleichzeitiger Hand nachgetragen. 


^) Hufeisen. 
2) Nägel. 

^) Naunheim, westl. von Münstermaifeld. 

*) modus frumentorum, quae praestare tenebantur censitae ad praebendas 
fratrum canonicorum (Haltaus, Gloss, germ. 1758 S. 190). 
") Kern a. M., südl. von Münstermaifeld. 

Koeniger, Sendquellen. 16 


242 Erzdiözese Trier. Nr. 1201. 

unum«') ml. avene, duos anseres, duos i') pullos, unum'') sumb. avene 
pro equis [et alio anno 7 sol., duo ml. avene, duos anseres, mi- 
nores pullos et eciam unum sumb. avene pro pabulo equorum)^); 
de officiis vero et accusatoribus ut supra]^). 
5 [1 2] Item feria tercia sequenti comparebunt omnes parrochiani 
de feurgene^) in ecclesia ibidem et solvet centurio eiusdem ville 
uno anno^) 14 sol., duo ml. avene s), duos anseres, quatuor pullos 
et unum sumb. avene pro equis et alio anno solvet 5 sol. den. 
[dllo ml. avene, duos anseres, quatuor pullos et eciam unnum sumb. 

10 avene pro equisj^); de officiis vero et de accusatoribus prout 
superius. [Sciendum quod anno impari numero secundum iudicium 
scabinorum synodalium solvuntur primo 14 sol. den. monete Mo- 
nasteriensis, duo anseres, quatuor pulli.]*) 

[13] Item feria quarta sequenti comparebunt omnes par- 

isrochiani de Hattiuportze ^) in ecclesia ibidem et solvet centurio 
uno anno'') 14 sol. den., unum maldrum avene, duos anseres, 
quatuor pullos et unum sumb. avene pro equis et alio anno solvet 
7 sol. den., unum ml. avene, unum anserem, duos pullos et semper 
unum sumb. avene pro equis. 

20 [14] Item feria quinta sequenti comparebunt omnes parrochiani 
de Mertlacho, Kolcbe, Yniche, Gyrnecke^) in ecclesia de Mert- 
lacho videlicet Mertlachienses cum quatuor synodalibus et quelibet 
aliarum trium villarum cum duobus scabinis synodalibus et sie 
erunt decem scabini synodales in toto, et solvet quilibet centurio 

25dictarum villarum de qualibet domo coniugii unum sumb. siliginis 

cum uno den. et de simplici domo dimidium sumb. siliginis cum obolo. 

[15] Et est seien dum, quod prepositus de tercia synodo alter- 

natis annisi) habet duas partes et pastor terciara, alio vero anno 

nichil habet agere, sed pastor recipit totum. Hoc eciam tenendum 

30 est simili modo de synodo ecclesie de Kerne de officiis et accusa- 
toribus sicut in aliis villis superscriptis. 

[16] Est eciam sciendum, quod proclamaciones debent fieri in 

a) Darüber von gleicher Hand: duo. 
ij) Ebenso: uatuor. 

0) Ebenso: duos. 

d) Das Eingeklammerte von zweiter Hand ausgestrichen. 

e) Zusatz von zweiter Hand: hoc est anno pari numero. 

f) Eingefügt von zweiter Hand: videlicet pari numero. 
e) Ebenso: mensure de Burgene, 

1») Das Eingeklammerte von zweiter Hand gestrichen. 
i) Das Eingeklammerte von dritter Hand beigefügt, 
k) Eingefügt von zweiter Hand: videlicet pari numero. 

1) Von zweiter Hand einkorrigiert: quando annus domini currit, solvitur 
pari numero. 


^) Burgen a. M., südl. von Münstermaifeld. 
-) Hatzenport a. M., östl. von Münstermaifeld. 


^) Mertloch, Kollig, Einig und Gering, nordwestl. von Münstermaifeld. — 
Vgl. oben ÖW. von Mertloch S. 233. 


Nr. 1201.- Münstermaifeld. 243 

antedictis ecclesiis. de synodo ibidem celebranda per quindenam, 
aDtequam fiat, propter solucionem iurium synodi antedicte et hec 
dicta synodus duas quindenas post primum terminum ad presidendum 
modo supradicto propter neglecta, si reperiantur. 

[17] Et est scienduiU; quod durantibus dictis sex septimanis 5 
unusquisque caupo dictaram villarum veudens vinum infra tenetur 
unum quartale vini preseutare ad hospiciura ipsius prepositi; sed 
per residuum anni vendentes vina tenentur pro quolibet quartali 
solvere 6 deu., si infra dictum terminum vinum non vendiderint^). 

[18] [Est eciam sciendum, quod omnia iura synodi villarum 10 
predictarum determinata videlicet siliginis, avene, anserum, pul- 
lorum, pecunie et ceterorum debent esse persoluta a siugulis de- 
bentibus, antequam synodo presideatur, sub certis penis ad hoc 
deputatis]^). 

[19] [Item sciendum, quod singuli piscatores piscantes cum 15 
parvis navibus quilibet tenetur 12 den., sed alie (!) naute ha- 
bentes magnas naves tenentur 2 den. et colentes seu habentes 
vernas ^) in tribus villis Kerne, Burgen, Hattinportz tenentur singuli 
de singulis emendam ad graciam prepositi de infractione sabba- 
torum]^). 20 

[20] Insuper sciendum est, quod de synodo predicta prepo- 
situs tenetur canonicis preseutibus dare tres commestus videlicet 
prima feria quarta, quinta et sexta, pro quibus ipsi canonici usque 
modo consueverunt recipere ex gracia et curialitate quindecim 
marcas pagamenti Monasteriensis, sed non obstante dicta pecunia25 
predicta feria sexta plebano sancti Petri ac sociis suis; uecnon 
quatuor synodalibus Monasteriensibus de consuetudine datur unus 
commestus, quod similiter faciendum est in tribus aliis synodis 
ipsa die prima synodi et non aliis et hoc in loco, ubi synodu« ce- 
lebratur. 30 

[21] Preterea sciendum est, quod in omnibus et singulis opido 
et Villis premissis, ubi dictus prepositus synodum habet, habet 
citare, monere, excommunicare, absolvere auctoritatem ordinariam 
sedemque in Monasterio, opido predicto, iudicemque suum in ipso 
loco more et iure, prout archidiaconi in suis iuris dictionibus con-35 
sueverunt. 

[22] Habet eciam presentacionem et investituras ecclesiarum : 
sancti Petri ecclesie parrochialis Monasterii, in Kerne et Mert- 
lacho, que sunt sue iurisdictionis, curas quoque et obediencias 
debitas a pastoribus, vicariis et mercennariis earundem committere 40 
et recipere, prout fieri est consuetum; preterea hec conferre altaria: 


a) Von der ersten Hand nachgetragen. 

b) Von der zweiten Hand nachgetragen. 


^) Hierauf bezieht sich der Hinweis am Schluss von Abs. 8. 
*) Dienstleute, Knechte oder Mägde. 

16* 


244 Erzdiözese Trier. Nr. 12011. 

sancti Jotannis in ecclesia Monasteriensi*) et altare novum^) ibi- 
dem constructum per filium G-ude de Kailte, duo officia carnpa- 
nariorum, unum pincernam in celario et refectorio maiori, unum 
officium nuncii et unum officium domini buwemeyster °) necnon in- 
5 super habet conferre et presentare idem prepositus iure patronatus 
ecclesiam de Naitztieym ^) et de Lutze^) necnon ecclesiam de Buliche^) 
et alternatim cum preposito de Ravingerspurch*) ecclesiam de 
Pueliche^), que ecclesie sunt de foro archidiaconi de Paffindorf ") 
et habet eos investire idem archidiaconus'). 

n. SendYereidigimg. 

Aus dem oben angefühlten Propsteibuch fol. 58a (Hinweis bei Lam- 
precht K, Deutsches Wirtschaftsleben II [1886] 641 2). 
Ungedruckt. 

Juramentum sinodalium. 

10 Primo promittat super stolam ad manum debitam obedienciam 
domino preposito vel eins iudici seu commissario et cum ab eis 
monitus fuerit, debet accusare acciisanda, ea, que sunt, contra 
deum, contra ecclesiam et contra fidera catholicam et postea iura- 
bit sie in vulgari: 

15 „Daz ich in truwen globt han, daz sal ich stede halden und 
sal noch hude uff diesen dag und vert alle dage, so ich gemanet 
werden von mime heren dem proeste oder von syme richter 
rechte roge deen, daz ich weiss und mir vorkumpt bass vur waer 
dan gelogen, daz wieder got, wieder die heilige kirche und wieder 


a) Darüber von zweiter Hand: unacum denario, prout (das übrige am 
Rande unleserlich). 

b) Darüber von zweiter Hand: «ancti Francisci. 

c) Darüber von der ersten Hand: ampo. 


') Nachtsheim, Kr. Mayen. *> 

'^) Lutz, Kr. Kochern. 

s) Beulich, Kr. St. Goar. 

*) Eavenglersburg, Chorherrnstift (seit 1468 regulierte Gh.), Kr. Simraern, 
früher Diözese Mainz, jetzt Trier. Vgl. Fr. Back, Das Kl. Ravengiersburg, 
Koblenz 1841. 

'') Pillig, nordwestl. von Münstermaifeld. 

*) Gemeint ist Heinrich von Paffendorf (trier. Ministerialengeschlecht aus 
Pfaffendorf bei Koblenz), der 1324 Archidiakon von Karden war (L orenzi II 504). 

') Hier sei angefügt, dass 1515 Dez. 10 der Erzbischof von Trier das reiche 
Stift Münstermaifeld seiner Mensa einverleibte. Seitdem erteilten die Erzbischöfe 
als Inhaber der Propstei dem jeweiligen Dechant dortselbst die Kommission zur 
Abhaltung des Sends, woran auch der kurfürstliche Kellner teilnahm. Eine 
abschriftliche Bestätigung der betr. Sendrechte des Dechants (nur Einig und 
Gering sind unter den aufgezählten Orten nicht mehr verzeichnet) von 1722 
Aug. 28 liegt noch vor. Seit 1729 gab es langwierige Streitigkeiten zwischen 
dem Dechant und den Pfarrern von Burgen und Hatzenport, welche selb- 
ständig Sendgericht hielten, weil der Dechant Gereisdorf etliche Jahre in 
seiner Saumseligkeit den jährlichen Send unterliess. (Vgl. über all das Akten 
im StA. Koblenz, Stift Münsterraaifeld Nr. 5.) 


Nr. 120 III. Münetermaifeld. 245 

den cristenglouben ist, und sal des nyt lazen umb lieb noch umb 
leyt, umb neyede, umb maschafft noch umb herenfogte noch umb 
keyne sache, die mir myn ere krenken mag, so mir got helfe und 
die heiligen." 

Tunc committat eum judex consinodalibus suis, qui dent sibi 5 
locum vel sedem. 

Primo mofteantur synodales de iure domini prepositi videlicet 
de kathedratico ; item de edificio ecclesie; item de sacramento et 
de illuminacione eiusdem ecclesie ; item de censibus neglectis eius- 
dem ecclesie vel de anniversariis neglectis; item utrum aliquilO 
stetissent in sentenciis per annum et sine communione sacramenti 
fuissent; item de usura et preemptione; item de periurio; item de 
adulterio et fornicatione et discidio; item de festis violatis et 
omnia alia, que sunt contra deum, contra ecclesiam et contra fidem 
katholicam. 15 

in. SeiKlordming- und Seiiclweistiiin roii Müiisterinaifeld. 

Wende des 17. Jahrb. 
Aus einer dem 18. Jahrb. angehörigen Amtsbeschreibung der Stadt Mayen. 
Gedruckt: Grimm VI 633-635 (zit. Verz. Rhein. Weist. 56 Nr. 715g); 
danach hier wiedergegeben. 

Munsterer sind, wie solcher besessen wird. 

Neue sindscheifen sind zu erwehlen, schlagen die sindscheifen 
3 oder 4 ehrbare gottesforchtige personen vor und präsentiren 
dieselbe namen dem herrn dechant und sinddechant, alsdan haben 
sie einen, den sie am tauglichsten zu sein denken, darunter an- 20 
zunehmen. Darnach gehen den die alle*) zum altar zu ihrem stuhl, 
auch der bürgermeister sampt dero ganze gemeinde und alsdan 
rufet der sinddechant den neuen auf und erfordert ihn; so muss 
er vor dem hohen altar niederknien, daselbst zuvor den eid thun 
und alsdan zu denen anderen sindscheifen sitzen und helfen weisen 25 
alle freyheiten. 

Des heiligen sinds weisthum^) eines probsten zu Münster 
in der frohnfasten vor s. Michaelitag. 

1. Erste frag: spricht der probst oder sinddechant, ob es zeit 
seie von jähr und tag^ den h. sind zu besitzen? Antwort der sind- 30 
Schöffen: herr sinddechant, es dünkt mich aller guter ding zeit zu sein. 

2. Zweite frag: wie er dann dem forters nachthun soll? 
Antwort der sindschöffen: herr sinddechant, ihr sollt dem h. sind 
bann und freden thun. 

3. Dan spricht der sinddechant: so thue ich heutzutage dem h. 35 
sind bann und freden. NB. thuet mit darlegung eines schlüsseis 
die urkund. 


a) Gr.: alte. 


^) Der Fassung nach stammt dieses Weistum wohl aus derselben Zeit wie 
das folgende Stück IV. 


246 Erzdiözese Trier. Nr. 120 III. 

4. Dritte frag: wie soll ich«') das ferner beginnen dem nach- 
zukommen? Antwort der sindscheffen: herr sinddechant, ihr solJet 
die scheffen mahnen bei ihren eiden, die sie gott und der heiligen 
christlichen kirch und dem h. send gethan haben, und den bürger- 

Smeister mit seinen bürgern bei ihren christlichen treuen, die sie 
auf den h. tauf gethan und empfangen haben, dass sie alles wol 
vorbringen, das ihnen kund seie, was wider gott uöd die h. christ- 
liche kirch ist, auch wider den christlichen glauben und wider die 
christliche Ordnung ist, dass sie solches den sindscheffen vorbringen 
10 und die sindscheifen gerugen können. 

5. Wohe dann der probst diese erste mahnung thate und setzte 
zu: Und ich mahne euch sindscheffen, dass ihr heutzutag wollet 
weisen, was herrlichkeit und recht meinem herren dem probst 
wegen des h. sinds wegen zukomme. Wohe sodan unterschied- 

15 liehe Sachen dem probst zugewiesen werden. Sie sagen: Herr 
sinddechant, wir weisen heutzutag den h. sind meinem herrn dem 
probst SS. Martini- und Severskirchen ^) und niemand mehr; den 
mag er selbst besitzen oder durch einen ehrlichen sinddechant 
lassen besitzen. Der soll han einen bunden breiten hut in seinen 

20armel und beneben dem sinddechant zu der rechten hand soll 
sitzen ein dechant dieser loblichen Stiftskirchen und zu der linken 
hand ein pfarrer zu s. Peter^) auch mit ihren beden hüten, und 
hinter dem dechant soll stahn ein vicarius s. Michaelis^), hinter 
dem pfarrer soll stahn ein creuzherr; die sollen hören weisen die 

25 freyheit des h. sinds, auch was ihnen kundig ist, die sindscheffen 
mahnen, dass nichts vergessen werde. 

6. Unter andern weisen sie auch, dass ein ieder raetzger, so 
bei Munster wonet, ist schuldig eine gute schulder von einem 
Schwein; die mag er losen mit 3 heller. 

30 7. Item alle wirt, die in dem zapfen funden werden, deren 
soll ieder geben ^/^ weins, ausgescheiden der erste wirt, der vor 
jähr schenkt, der soll schuldig sein zu geben ein bandviertel*); 
das mag er losen mit 6 Schilling.. 

8. Item weisen sie auch heutzutag vor recht, dass ein ieg- 

35 lieber hufschmied, der binnen Munster wonet, ist schuldig 4 rich- 
tige eisen mit ihren nagelen; die soll er aber bringen in seinem 
Schurzfell vor des probst tafel und dieselben da niederschütten und 
alsdann mit den dienern niedersetzen zu essen. 


a) man Gr. 


^) D. i. dem Kollegiatstift in M.; die Kirche war ursprünglicli dem hl. 
Martinus und seit Erwerbung der Eeliquien des hl. Severus unter Erzb. Egbei't 
(977—993) auch diesem Heiligen geweiht (vgl. Loreuzi II 334). 

-) Neben der Stiftskirche bestand die dem hl. Petrus geweihte Pfarrkirche, 
welche 1346 Aug. 4 dem Stift inkorporiert und seitdem meist durch Pfarrstell- 
vertreter versehen wurde (Lorenzi II 334). 

.3) St. Michael, Kapelle in M. (Lorenzi II 335). 

*) Bannviertel, 


Nr. 120 IV. Münstermaifeld. 247 

9. Item forter weisen sie^ dass ein ieder handwerksmann 
binnen Munster, die seien wie sie wollen, die sollen auch vor 
dem sind ihren zins bezalt han, nemblich 2 seh.; die mag er losen 
mit 1 heller. 

10. Item soll der probst vor dem sind vorn in dem paradeis 5 
seinen Schreiber sitzen han, der solche zins einforderen, darbei 
neben soll stahn ein glöckner von s. Peter, der soll rögen alle 
diejenige, die nicht da waren oder kommen, so fere er darum ge- 
fragt wird. 

11. Hernach weisen sie die straf der nichterschienenen undio 
wäre es, dass der säumige die sach forters in Verachtung stellen 
wurde, alsdan soll der probst den landschurfürsten anrufen; der- 
selb soll dem probst und sind zu hilf kommen und soll den iDruch- 
felligen mit seiner gewalt penden an gut, wo er dess nicht ge- 
nugsam hat, auch am leib, also einbringen ; davon der probst soll 15 
haben 2 theil und der landfürst 1 theil und den ungehorsamen 
also gehorsam machen, als dick und vier es von nöten sein wird, 
iedoch soll die pfändung also bequem geschehen, ob ein schwanger 
frau ging oder in dem kindbett sess, dass sie nicht ein schrecken 
davon bekäme und unrat daraus entstünde. 20 

12. Die dritte Weisung ist legenda, wo wegen deren kirchen- 
sachen gewiesen wird. NB. Einem kleckner zu s. Peter gebühret 
das urkund aufzuheben und ist sinddechants bot. 

IV. Sendordimng- der Filialen. 

17. Jahrh. Wende. 

Aus einem Pap.-Büchlein 8" (mit rotem Pap. -Umschlag), Wende des 
17. Jahrh, 8tA. Koblenz, Kurtrier, Spez. in Kirchensachen M Nr. 108a, früher 
im Besitz des Pfarrers Nick zu Salzig, der es aus dem Nachlass des Frh. 
V. Stramberg erworben hatte. 

üngedruckt. 

Sendweisthumb pro secunda die quatuor temporum comparen- 
tibus communitatibus Lasserich, Metternich, V^irscheim, Kelling25 
und Sevenich ^). 

[1] Notandura: ante iuceptam synodum flexis genibus pastor 
indutus stola cum decano synodali orat : „Deus misereatur nostri"-) 
etc. V. Emitte Spiritura tuum et creabuntur. R. Et renovabis 
faciem terrae. Deinde collecta de Spiritu sancto. 30 

[2] His praeviis fangt decanus an zu fragen inhalts sendweis- 
thurabs und antwort einer von den sendscheffen. Nach geschehenen 
fragen und geendigtem send gleich wie zu anfang vor dem hohen 
altar geknieet wird und beschlossen mit: „Laudate dominum omnes 
gentes" ^) etc. V. Benedicamus patrem et filium etc. Collecta: 35 
Actiones nostras etc. 


') Vgl. oben I Abs. 4. 
'-) Ps. 66. 
«) Ps. 116, 


?48 Erzdiözese Trier. Nr. 120 IV 

Des heyligen synd weistumb. 

Die erste frag. 
[3] Spricht der seuddechant, ob es zeit sey von jähren und 
tag, den heiligen synd zu besitzen. — Antwort der syndscheffen: 
5 Herr sjmddechant, es dunkt mich aller guetter dingh zeit sein, den 
heyligen sind zubesitzen. 

Die zweite frag. 
[4] Wie er dem selben forder nach gehen soll. — Antwort 
der syndscheffen: Herr synddechant, ihr solt dem heiligen synd 

10 bahn und friden thun und verpieten, dass keiner des andern stul 
besitz; welcher so vermessen, der ist dem herr probst in straif 
verfallen. 

Die dritte frag. 
[5] So thue ich dan heutiges tags dem heiligen synd ban und 

15 friden. 

[6] Fraget der synddechant: Wie soll ich das forder beginnen, 
dem nach zukommen? — Antwort der sintscheifen : herr synd- 
dechant, ihr solt die syndscheffen mahnen bey ihren ayden, den 
sie gott und dem heiligen synd und der christlichen kirchen gethan 

20 haben, und den burgermeister mit seinen burgern bey ihren christ- 
lichen treuwen, diese aus dem heiligen tauf gethan und empfangen 
haben, dass sie alles das wollen furpringen, das ihnen kundig sey, 
was wieder gott und die heilige christliche kirch ist, auch wieder 
den christlichen glauben und wieder die christliche Ordnungen, 

25 dass sie dasselbig den syndscheffen furpringen und die syndscheffen 
rügen können. 

Die erste ermahnung. 
[7] So mahne ich euch syndscheffen von wegen meines herrn 
des probst^) bey den ayden, die ihr gott und der heyligen christ- 

30 liehen kirchen und meinem herrn probst gethan habt, und mahnen 
euch nachparhen mit der hulde und bey euwren christlichen treuwen, 
die ihr in dem hl. tauf empfangen habt, das ihr alles wolt vor- 
pringen, was wieder gott und die heylige christliche kirch ist. Mit 
derselben mahnung mahne ich euch syndscheffen, das ihr heut zu 

35 regt wollet weysen, wass herlichkeit, freyheit und recht erfallen 
und erschinen sey meinem herrn dem probst von des heiligen 
synd wegen und habt auch damit die erste mahnung. — Antwort 
der sindscheffen: uff die erste mahnung weisen vor recht und 
sprechen: Es soll uff diesen tag ein jeglicher syndscheffen hie 

40 sein und recht helfen weisen, was er gefragt wird von des heiligen 
synds wegen, er were es den mit gnaden ertragen; dessgleichen 
auch der burgermeister mit seinen burgern auch alles das vor- 
pringen, was ihnen kundig ist und gefragt werden; auch soll ein 
burgermeister sein recht vor dem synd bezahlt haben, nemblichMet- 

45terich ein malter haber alle jahrs, vor ein gans und zwey höner 

^) Von Münstermaifeld. 


Nr. 121. Nachtsheim. 249 

9 alb. und einen botzen uff den altar; Lasserg, Wirscheim, Kelling 
und Sevenich; wan man gleich schreibt, jeder eines sommen. 

Die zweyte mahnung. 
[8] Spricht der synddechant: Ihr seydscheffen; nun frage ich 
euch, was ein jeder verbricht, der heut zu tag nit da were und 5 
sein zins nit bracht het. Sie heischen berath«) sich zu bedenken. 
— Antwort der syndscheffen: Herr synddechant, wir wiesen vor 
recht; wan ein syndscheffe heut zu tag nit hie were, der hat ge- 
weth und verbrochen 14 Schilling kleinen gelts; die mag er lösen 
mit acht und zwanzig heller, sofern er kompt binnen 14 tag und 10 
pringt bei, das er in herrn nöten und gots gewalt gewesen; als- 
dan soll er dabey pleiben und so er nit dhun kan, doppelt sich 
die buss offter die 14 tag zu den zweiten und zu den dritten und 
zu den 3 nottagen und alsdan fortan von tag zu tag; zu aller 
mass verbricht auch der burgermeister, der nit da enwere und seinen 15 
zins nit bezahlt hette; wir wiesen auch, das ein jeder burger, 
der nit da were, weth 10 d.; die mag er loessen mit fünf heller 
und doppelt sich auch die buss offter die 14 tag alle tag wie ob- 
gemelt. Were auch sach, dass einer also vergessen oder vermessen 
were und nit erscheinen wollen, so soll der herr probst uff ihnen 20 
verurkunden drey 14 tag und drey nothtag und ihme den botten 
schicken und so er alsdan die zeit sampt der 3 nothtag auch Hess 
umbgan und verlaufen, so duppelt sich auch die buss von tag zu 
tag, wie vorgemelt, und were es sach, dass der seumige die sach 
forder in Verachtung stellen wurde, alsdan soll der probst den 25 
landsfürsten anroffen; derselbig soll den probst und den heiligen 
syud zu hülf kommen und soll den bruchfelligen mit seiner ge- 
walt penden an gut; were dessen nit genugsamb, auch ahm leib, 
und also die bussen einpringen; davon soll haben der probst 
2 theil und der landsfürst ein theil und also den ungehorsamen 30 
gehorsamb machen, als dick und viel es von nötten sein wird. 
Jedoch soll die pfandung also bequem geschehen, ob ein fraw 
schwanger gieng oder in dem kindbett seess, das sie nit ein 
schrecken davon bequem oder unraht daraus entstünde. 

121. Sendordnung nnd Kirclienweistum von 

Nachtsheim. 

1463. 
Nachtsheim, Df. Kheinpr., Kr. Mayen. 

Notariell bestätigte Absehr. von 1665, Pap. 2", S'\. Koblenz, Kurtrier, 
Spez. in Kirchensachen Nr, 1 (A). — Das Stück ist auch enthalten in dem 
„Schuldregister" der Pfarrei Nachtsheim, angelegt 1665, im dort. PfA. (zit. 
Tille-Krudewig II 85). 

Ungedruckt. — Im Kardener Sendregister v. 1475 ein Auszug unter Nr. 57 (B). 


a) sie heischen sie Hs. 


250 Erzdiözese Trier. Nr. 121. 

Forma wie man in der churf. Trierischer probstey Nachtsheim 

den heyligen sind halten solle und wie er von alters her ab anno 

1463 daselbst mit Wanradt, Weyller, Welcheradt^) ist gehalten 

und zu ewigen zeiten unseren nachkimmelingen zu halten befohlen 

5 worden. 

1. Wan der sendcommissarius '^) ankombt zu ross oder zu fuss, 
sali er einkehren in der churf. Trierischer Nachtsheimer probstey, 
daselbst sali dan das kirspel und alle andere kirspel, wie ob- 
genant, mittel verschaffen, dass der commissarius sich nicht zu 

10 beklagen, sondern zu bedanken hat sambt seinen dienern; doch 
salle alle noturft aus der sendhaberen genommen werden»'). 

2. Der probst zu Nachtsheim sali meess und predig halten, wo 
es dem sendcommissarius gefält. 

3. Wir bekennen, dass unser im sendschäifenstull dan und 
15 mit zu tisch sitzen sollen, sieben geschworne und schöifen, der 

ältest sali uff alles billige antwort geben, so er gefragt wird. 

4. Wan nun ein ganze gemeind versamblet, sali der prae- 
positus superpelliceo et stola ahngethan sein, vor dem altar kneend 
ahnfangen: „Veui sancte Spiritus" cum collecta. 

20 5. Dan sali der sendcommissarius den ältesten sendschäifen 
fragen, der vorsitzt: Ist es heut tag und zeit, dass der heylig send 
sali gehalten werden. Antwort er: Ja, herr; der herr will ahn- 
fangen wie recht, so sali ihme recht wiederfahren. 

6. Seyet gemant und gefragt alle sambtlich : wie sali ich ihm 
25nachkomen, damit dem heyligen synd sein recht wiederfahre wie 

van alters. Antwort: Der herr sali dem heylig send bann und 
frieden thun wie recht. 

7. Seyet nachmahlen wiederumb in gemein gefragt: wem er- 
kent ihr den heyligen send alhier und in den umlDliegenden orthen 

30 zu halten. Antworten alle: das erste jähr ungezweifelt ihro chur- 
fürstlichen gnaden von Trier; das zweyte dem hoch würdigen chur- 
bischoffen zu Cartten^); das dritte herrn praeposito und niemand 
änderst. 

8. Nun thun ich churfürstlich Trierischer commissarius ampts- 
35 halben als ein sendherr heutiges tags uff dieser geweyter platzen 

und in diesem gotteshaus St. Stephani patroni dem heyligen synd 
bau und frieden und verbiethen unzucht, schwetzerey, schelt- 

a) B: Item ibidem sunt 17 sinodales et isti sinodales predicti sententiant 
uno archidiacono 12 maldra avene per totam parochiam. Item cathedraticum 
40 4 marcas, unam marcam pro (j albis. Item campanator dabit 1 pullum, 1 sum- 
merum avene et manipulum luminis et inde habet expensas cum uxore sua et 
cum uno cane. Item officium 1 ball. Item casa una 2 alb , que sunt in cimi- 
teriis, per totam parochiam. Item una cistä 2 hall. Item 5 capelle sunt in 
eadem parochia. Item sinodales habeut expensas, nichil habent de accusatis. 

') Wanderath, Weiler und Welcherath, Filialen von Nachtsheim, später 
eigene Pfarreien (Loren zi II 308). 

2) Vgl. oben S. 241 Münstermaifeld I Abs. 10. 
') Karden, Kr. Kochern. 


Nr. 121. Nachtsheim. 251 

worth, auch dass kemer dem anderen sein platz besitzen solle 
oder in sein worth reden, er habe sich dan zuvorn underdingt bey 
straff der heyligeu send. 

9. Wie sali ich ihm nun weiter nachkommen. Antwort: Der 
herr sali mit den ausmahnungen verfahren, wie im heyligen send 5 
gebrauchtig. 

10. Die erste frag wegen der kirchen. Ihr sendschäffen, wer 
ist schuldig diese kirch und umbliegende inkorporirte zu bauwen? 
Den thurm weisen wir zu iedes orths kirspelsman, wie auch den 
wittemhoff und kirchhoff, das schiff oder corpus der kirchen ge- lO 
fahlen und wenden, den chor iedes orths seeltssorgeren, wie von alters. 

11. Warin bestehet der grosse zehenten? Antwort: In aller- 
hand fruchten, wie selbige gesähet werden, welchen wir zuweisen 
ihro churfürstlichen gnaden von Trier. 

12. Warin bestehet der kleine zehent? Antwort: Der bestehet 15 
in ferklen, wan sie sex wochen alt seind, in flax und anders nicht; 
diessen aber weisen wir zu demjenig orth, wo selbst uns der hier, 
so zur reidt gnugsam bedienet, ausgefolgt wird; fals aber uns 
von unsern seelsorgeren iedes orths darmit nit bedient wird, seind 
wir des kleinen zehentes loss, frey und enthaben wie von alters. 20 

13. Wem erkent ihr schaffen den krentneren^) des kirchhoffs? 
Antwort: iedes orths curato. 

14. Wer ist giffter dieser kirchen oder anderer umbliegehder? 
Antwort: Die pfahr- und mutterkirch in Nachtsheim begifftiget 
ihro churf. gnaden von ihrer, Weyller und Wanrath praesentiren 25 
die gnädige herren graffen von Virnen-Burin^), ihro churf. gnaden 
investyret; Welcheradt und Boess^) conferirist und ist perpetuus 
collator residens praepositus wie von alters. 

15. Wer hat die sendschäffen anzustellen? Antwort: Ihro 
churf. gnaden von ihrer oder sein commissarius. 30 

16. Wer hat die klockener anzustellen? Antwort: Jedes orths 
gemeinde, doch nicht ohne consens dessen curati. 

17. Wan ein sendschäffen gottlos leben würd, soll man ihn 
dan nicht zumahlen aus dem sendschäffenstull Verstössen? Ant- 
wort: Denselbigen verweisen wir aus unserem sendschäffenrath 35 
und -Stullen so lang, biss er sich besseret; wird er aber meynädig, 
so verweisen wir ihn nacher Carthen zu dem herren churbischoffen. 

18. Wie viell viehs hat dan frey jedes orths pastor? Ant- 
wort: Nachtsheim, Weyller jedem orth acht kühe, zehen schwein, 
zwanzig fünf schaff*; wass aber darüber ist, muss er mit anderen 40 
nachbahren verhütten und belohnen. 


') Kärtner, Beinhaus. 

^) Schloss Virneburg, nörcll. von Nachtsheim; heute Ruine. „Nach dem 
Aussterben des Mannesstammes derer v. Virneburg belehnte das Erzstift 1543 die 
Grafen v. Manderscheid-Schleiden und 1593 die Grafen v. Löwenstein-Wertheim 
mit der erledigten Grafschaft" (Lorenzi II 309). 

^) Boos, Filiale von N., seit 17. Jahrh. mit eigenem Frühgottesdienst 
(Lorenzi II 298). 


252 Erzdiözese Trier. Nr, 121. 

19. Welches seind die jura jedes orths pastoren tempore 
nuptiarum? A.: Ein » . .«) rlir.; wan aber er mit zur hochzeit 
gehet, soll er nicht macht und gewalt haben, etwas weiteres 
zu forderen wie von alters. Zweyten tags soll er vor der hochzeit- 

5leut freundschafft jahrgezeit halten; davou soll er nicht mehr macht 
haben zu heben als 6 alb. und die kost; von einem losbrief einen 
gülden roten; von einem kind zu taufen sex alb., so er aber die 
kost bekombt, nichts; ein kindbetheren aus zu segnen, zwey alb. 
roten, ein kranken zu berichten zwey alb. roten; vor den heylig 

lOolley zwey alb., zur österlichen zeit von jedem berichtligem zwey 
eyer; damit aber soll verbotten und abgeschafft sein die oster- 
bruchten; vor das gesegnete daufwasser zu osteren zwey eyer, 
deren eins jedes orts pastor, das ander der klockener haben soll 
wie von alters. Wan ein sach verlohren wehre und das in der 

lökirchen verkündiget wurde, drey alb.; vor einen kranken zu betten 
in der kirchen drey alb.; vor ein jahrgezeit zwölf alb. roten; wan 
aber ihm die kost gegeben wurde, soll er nichst aufheben; von 
einem begängenus jeder tag 18 alb. roten, ein halbpfundige wachs- 
kerz, zwey qu(art) vigilienwein, so er dieselbe haltet, und ein alb. 

20 weissbrot. 

20. Fragt der sendcommissarius: Wer verhütet dem curato zu 
Wahnradt sein viehe? Antwort: Weilen er absonderlich von den 
gnädigen herren graffen berechtiget ^), muss und soll er sein viehe 
selber verhüten wie von alters; was aber abgt. jura angehet, ist 

25 er anderen priesteren gleich. 

21. Fragt der sendcommissarius weiter: Wie viel viehe hat 
der sacellanus zu Welcheradt frey und wer verhütet dasselbe? 
A.: Vier kuhe, vier seh wein, zwölf schaff; in anderen stolae 
paribus anderen priesteren gleich ist. 

30 22. Kund und offenbahr seye allen ingemein und jedem be- 
sonder, denen dahran gelegen zu sein rechtswegen obliget, dass 
diesen heyligen send dieser gemeinden sentschäffen von anno 1463 
lange zeit darvor und auch darnach in loblichen gebrauch ge- 
halten und besessen haben, also wie von ihren voreitern bis an 

35 sie gebracht worden auch jedes jahrs in gehaltenem synodo anders 
nichts gewiest und bis in den dot nicht allein stark, stäeth und 
ungeendet gehalten, sondern ingleichen ihren successoribus hiiider- 
lassen und zu halten befohlen haben. 

23. Fragt der sendcommissarius: Was ist unser lohn des heylig 

40sends? A.: Wir gestehen in etlichen orten schuldig zu sein ein 
mulfass haberen alle jähr, der heylige send werde gehalten oder 
nicht; etliche geben sendhaber zum lohn von etlichen guetern wie 
annoch gangbar und gebräuchlich und heben auf solche haber 

a) Mit Tinte überstrichen und verwischt. 


^) „Die Grafen von Virneburg wandten der Pfarrei N, ihre besondere Gunst 
zu" (Lorenzi 309). 


Nr. 122. Nickenich. 253 

alle Jahr zum gewissen underhalt des heyligen sends auch etliche 
orther ein dritteling als zu Dickscheid ^). 

24. Fragt der sendcommissarius: Derweylen Wahnradt, Welche- 
radt, Weyller und Boess indubitate von der mutterkirchen zu Nachts- 
heim dependiren und keine capitulares seind noch vorhin gewesen, 5 
von welchem selbige dependiren und correction anzunehmen schuldig 
sein? A.: Indubitate dependiren von der probsteyen zu Nachtsheim, 
alwo, wie von alters bis hiehin geschehen ist, schuldig ihr juramen- 
tum abzulegen, wesswegen sie dan auch jahrlichs zu einem 
ewigen gedachtnus den heyligen crisam abheilen moessen. 10 

Herum statutorum praepositurae Nachtshemensis subiectorum 

locorum recens approbatio anno post natum salvatorem 1665 prima 

junii per reverendissimum nee non praenobilem dominum Joh. 

Henricum Anethanum, officialem Confluent. nee non decanum Wimpffi- 

gensem, suifraganeum Hildesiensem, et per Conradum Wentzen, 15 

scribam et notarium Confluentinensem, in forma ut sequitur. 

[Folgt nun deutsch die KoDfirnoation durch den Offizial, darauf der Ver- 
merk des Pfarrers von Nachtsheiin über die Uebereinstimmung gegenwärtiger 
Abschrift mit dem Original und endhch die Bestätigung des Vermerkes durch 
einen Notar.] 20 

122. Sendordnung von Nickenich. 

1642 Sept. 14. 

Nickenich, Df. Eheinpr., Kr. Mayen. 

Unter Kurtrier, Spez. in Kirchensachen N Nr. 34 befinden sich im StA, 
Koblenz zwei SO., eine von 1642 Sept. 14 (B), offensichtlich zum " praktischen 
Gebrauch für diesen Tag bestimmt; die andere SO. (A) ist etwas älter, vielleicht 
die Vorlage für ß und im Gegensatz hierzu fast ganz lateinisch abgefasst. Hier 
soll B, weil ausführlicher, wiedergegeben werden unter Berücksichtigung der 
wichtigsten Varianten von A^). 

Ungedruckt. — Jm Kardener Sendregister v. 1475 ein Auszug unter Nr. 70 (C). 

Modus et forma den heiligen synodum zuhalten, geschehen ex 
commissione admodum venerandi in Christo domini patris Michaelis 
Arholdi, Carthusiae Treverensis prioris etc.»)^), durch fratrem 
Joannem Holf, der carthausen bei Coblentz procuratorem, im jar 
1642, die 14. septembris zu Nickeuigh*»). 25 

[1] Debet tribus vicibus prius per pastorem") denunciari, quo 
die Sit servanda S5modus et cuius nomine; debent admoneri syno- 
dales, ut se ad denunciatum diem praeparent et populus admoneatur, 
ut tunc compareat. 

a) Pastores sunt Carthusienses C. 

^) Statt modus - Nickenigh in A: Modus servandi synodum. 

<=) e suggestu -J- A. 


^) Ditscheid, Kr. Mayen, Filiale von N. 

2) Ein SPr. für Nickenich von 1581 Apr. 26 im StA. Koblenz, Kurtrier, 
Gen. in Kirchensachen Nr. 100. 

^) Nickenich ward 1335 der Karthause St. Alban bei Trier inkorporiert 
(Lorenzi II 105). 


254 Erzdiözese Trier. Nr. 122. 

[2] Campanarum pulsu hora indicta communitas ad ecclesiara 
vocatur; sacrum celebratur»). 

[3] Mensa ante summum altare collocatur, in qua esse debent 
duo cerei accensi, reliquiae aut imagines sanctoram aut crijx, virga, 
Specten, lapides et forceps^), ; . 

[4] Synodales yel assident praesidi vel manent in sua sede°). 

[5] Interim praeses assidet mensae cum pastore et notario^). 

[6] Praeses interrogat: 

[a] Welche seind die synscheifen? — Pastor respondet et 
lOlocum ostendit, in quo sedeant. 

[b] Praeses ad synodales dicit: Wisset ihr synscheffen euch 
auch zu erinnern, wan zuletztmall der h. synd alhei gehalten seie? 

[c] Durg was personen und in welcher namen? 

[d] Erkunt ihr auch die Carthaus Trier für syndherrn^)? 

15 [e] Was ist der klöckener oder custer alhei dem syndherrn 
schuldig? — Eespondent: ein schwarz gebratten höen, ein summer 
haber für ein pferd und ein handvoll karzen, oben und unden ab- 
geschniden, nit zu lang noch zu kurz, damit er sich uit in die 
hand schneidt*)? 
20 [f] Wen erkent ihr sonsten für collatoren oder giffter dieser 
kirchen ^) ? 

[g] Wie -Viel capellen gehören zu dieser kirchen? 

[h] Werden auch die censen, gefell und renthen dieser kirchen 
und der capellen zalt und gehandreichet s)? — Si dicant non, dicit 
25 praeses: . 

[i] Wird dan kein kirchenrechnung gehalten? 

[k] Ist für diessmall auch der h. synd dreymall vom herren 
pastorn, wie brauchlich, verkündet und dass solcher heutiges tags 
solle gehalten werden, angedeutet? 


30 *) synodales assidentes ab utroque latere praesidis synodi -j- A. 

'P) A hat die Fassung: In mensa sint duo cerei accensi, reliquiae aut 
imagines sanctorum aut crux, virga, pecten, lapides et forceps, 
o) Hierfür ging in A schon vorher die Fassung Anm. ^). 

d) Der Absatz fehlt in A und statt alles übrigen bis Abs. 7 heisst es in A: 
35 Primura queratur ob der scheffenstuel ganz besetzt sey; si unus aut plures 

desint, per pastorem et scabinos eligantur naagis idonei et praestito iuramento . . . 
(Lücke; etwa zu ergänzen moneantur), ut cum reliquis sedeant. 

Tempore synodi scabinus synodalis sine legitiraa et prius approbata causa 
emanens 3 aureis mulctabitur. 
40 Quaerat num per pastorem dies huius synodi servandae sint deuunciati et 

an omnes sint praesentes; absentes 1 floreno mulctentur, 

e) Sendrecht in 0: Item cathedraticum 6 marcas et 6 uncias den., una 
marca pro 6 albis, unus den. ^/j hall., 10 hall, pro uncia . . . Pastores et ple- 
banus unam partem, facit l^o i^- et 5 alb. 

45 f) Art. e in B ausgestrichen. — 0: Item custos ut supra (1 octale avene, 

1 puUum) et pro luminibus eyn fyrdelink cere et inde habet expensas. 

e) G : Item cista una in cimiterio solidum Col. et in ecclesia 3 hall . . . 
Item officium 3 hall. 


') KoUator war die Karthause Trier. 


Nr. 122. Nickenich. 255 

[1] Seind dan itzo zufolg dessen alle sindscheffen und andere 
personen, so hieher gehörich, anwesend und gegenwertig? 

[m] Ist der syndstull itzuuder auch völlig besetzt? — Si 
non, eligantur. 

[7] Tunc infert praeses et dicit his verbis: 5 

Wallahn, wan dan allem deme also, als thue ich heutiges tags 
dem heiligen synd alhei ban und friden und gepiete in namen des 
allmechtigen gottes und Mariae, seiner heiligster mutter, des heiligen 
Arnolphi, patronen dieser kirchen^), und in namen aller gottes 
heiligen, auch in namen Churtryer, ihr gnaden des chorbischoffen 10 
und der Tririrscher Carthausen, dass keiner ohn erlaubnus uif- 
stehe, ausgehe oder hin und wider laufe und des andern platz be- 
sitze noch auch dass keiner den anderen schmähe oder mit harten 
Worten angreife, sonderen frydlich und still sein,, auch mit fleiss 
anhöre und sehe, was alhei geredt und gehandelet werde; solches 15 
gepiete ich zum ersten, zweyten und dritten mal^). 

[8] Post haec dicit praeses pastori ecclesiae: So wolle dan 
her pastor mit kurzen Worten sienen pfarkinderen andeuten, was 
die uffm tisch alhier liegende Sachen uff sich haben. 

Scilicet quid sit virga, lapides, pecten et forceps, nemlich20 
was die rüde, die stein, der kämpf und die scheer bedeuten^). 

Virga. 
Durg die rued werden verstanden diese nachfolgende uber- 
trettungeU; nemblich : wan das vihe uffm kirchoff gehet und wer 
dessen ein ursäger ist; ob am sontag oder feyertag meess und 25 
predig sie gehört worden; ob jemand post elevationem, wan der 
priester den keelch gehebt, aus der kirchen gangen; ob die eiteren 
ihre junge kinder innerhalb dreien tagen nit haben taufen lassen; 
ob vor dem h. sacrament auch leicht brenne; ob ein jung kind, 
so vorm tauf gestorben, uff den kirchoff begraben sei; ob meheso 
dan ein patt und göed ein kind aussem tauf gehebt; ob jemand 
das sacrament der flrmung nit empfangen habe aus nachlässigkeit 
oder bossheit; ob einer in der fasten oder ahm freytag und saumbs- 


a) A: Sequitur indictio banni per syoodi praesidem hoc modo: 

Ich thun den h. sind heutzutag ban und frieden und gebiete im namen 35 
gottes und Mariae seiner lieber mutter, des heiligen N. N., patronen dieser 
kirchen, und im namen aller gottes "heiligen, auch im namen ihrer churfürstlichen 
gnaden, unsers gnädigsten herren,' auch im namen des gnädigen thumbherren 
N. N., archidiaconen N., das keiner ohn erlaubnis aufstehe, ausgehe oder von 
einem ort zum anderen laufe oder des anderen platz besitze noch auch das 40 
keiner den anderen schmehe oder mit harten werten angreife, sonder friedlich 
seien und still und mit fleiss anhören und sehen, was hie geredt und gehandlet 
werd; solches gebiete ich zum ersten, zum zweiten und zum dritten mal. 

b) In A lautet der Absatz: Restat, ut pastor aut decanus breviter explicet, 
quid in mensa positi significent. 45 


') Zuvor war der hl. Maximin Kirchenpatron; bei der Visitation von 1616 
erscheint zuerst als solcher St. Arnulph (Lorenzi II 105). 


256 Erzdiözese Trier. Nr. 122. 

tag fleisch zu essen furgesetzt oder selbst gessen hette; ob jemand 
dem h. pastorn oder den syuscheffen*) mit Worten oder werken 
widerstrebt oder beleidiget hette; ob einer vatter und mutter nit 
geehret; ob auch eiteren seien, die ihre kinder nit in der zucht 
5 halten und wan sie etwass ubels ahn ihnen sehen, dasselb nit 
straffen, ob eeleud sich gescheiden haben; ob sie auch nach ver- 
raahnung nit wollen beysamen leben; ob jemand unkeusch gelebt; 
ob einer den wahrsägeren nachgangen und raths gefragt oder 
sich selbst darfur ausgeben; ob jemand der trunkenheit und voll- 

10 saufen zugethan; ob einer ein haderer, zänker oder uffruhrer seie 
und ungeburliche geschrey uff der Strassen oder im haus hören 
lasse; ob jemand am sontag oder fyertag arbeite; ob einer geneigt 
seie zum unfriden und schlagen; ob jemand seie, welcher der 
kirchen, capellen, pfarherren, dem hospital oder bruderschafften 

15 die geburliche zinsen nit handreiche ; ob einer die jargezeit für 
abgestorbene vatter oder mutter, Schwester oder bruder oder 
andere nechst blutzverwanten nit halten lasse; ob jemand auch 
die allmosen, so für die armen gestifft seind, uffhalte und nit zu- 
recht ausrichte; ob auch die missen, so von abgestorbenen ihn 

20 ihrem testament gestifft seind, gehalten werden; ob die kirchen- 
gutter zu vill beschwert, vereussert und verkauft werden und 
letztlich ob auch geburliche rechnung darüber geschehe. 

Diese und dergleiche ubertrettungen, welche nit den tod, 
sondern ein zeitliche straff verwirken, werden bedeutt durch die 

25rud, wie der h. könick David spricht am 88. psalmen^): „Si 
dereliquerint fllii eins legem meam et in iudiciis meis non ambula- 
verint, si iustitias meas prophanaverint et mandata mea non 
custodierint, visitabo in virga iniquitates eorum et in verberibus 
peccata eorum." Prov. 26^): „Flagellum equo et chamus asino, 

30 virga autem in dorso delinquentium." Virga castigautur puerorum 
nequitiae ^). 

Lapides. 
Durg die stein werden verstanden die grobe Sünden, welche 
so woll ihm alten als neuwen gesatz mit dem todt pflegten ge- 

35 strafft zu werden, als nemlich: die ketzer, welche bei den Lute- 
rischen und Calvinisten zum nachtmall gehen; verachten und ver- 
flochen die beicht und communion in der catholischen kirchen als 
wens abgötterey were. Vide Deut. 13^): Si surrexerit in medio 
fratrum propheta. Item Deut. 18 *} : Propheta, qui arrogans. Item 


a) Die lat. Bezeichnung hierfür in A: synodalibus scabinis. 

b) et beudelschneider, qui suspendium non meruerunt, sed virgas et cau- 
terium (Brandmal), ut se emendent + A. 

1) Ps. 88, 31—33. 
"-) Prov. 2ö, 3. 
') Deut 13, 1. 
*) Deut. 18, 20. 


Nr. 122. • Nickenich. 257 

3. Regum 18. cap. ^): Dixitque Hellas ad eos: Apprehendite prophe- 
tas Baal, et 4. Regum 10 cap.^): Congregavit autem Jehu omnem 
populum. 

Item«') die gottslästerer, welche wider gott und das heilig 
sacrameDt des altars flochen und lästerwort brauchen ut Levit. 24 ; 5 
Reg. 18. 19; Paralip. 20 j Dan. 2; Eccl. 27; Zach. 3. 

Item die ehebrecher. Lev. 20^*): Si moechatus quisquam fuerit; 
Num. 12; Deut. 32; Judic. 19; -1. Reg. 3. 

Item maledicentes parentibus. Lev. 20; Exodi 21. 

Percussores et alios occidentes vel graviter et leviter laedentes- 10 
Gen. 9; Exodi 21''): Si quis percusserit fratrem. 

Item usurarii: wocherer. Domine, quis habitabit in taberna- 
culo tuo? Qui pecuniam suam non dedit ad ustiram^). Levit. 25; 
Exodi 21 ^) : Si pecuniam mutuam dederis populo meo pauperi, non 
urgebis eum quasi exactor nee usuris opprimes. 15 

Pecten. 

Illud quod est in proverbio: „Man soll sie alle gleich nber 
einen kämpf scherren" '), sive sit mulier sive sit vir; qui deliquerint, 
sine ullo respectu personarum accusabuntur ä scabinis sicuti expresse 
illud continetur in scabinali iuramento: So geloben ich die zeit, als 20 
der heilig synd gehalten wird, furzupringen'^) etc. Und dass man 
gleicheit halten soll und einen halten als den anderen, wird mit 
diesen werten geschworen: Das will ich thun dem einen als dem 
anderen, niemand zu lieb noch zu leid. Hoc consonum est manda- 
tis divinis. Levit. 19^): Non facies, quod iniquum est; nee iniuste25 
iudicabis. Non consideres personam pauperis nee honores vul- 
tum potentis, sed iuste iudica proximo tuo. Deut. 1^): Date ex 
vobis viros prudentes, quorum conversatio sit probata etc. Testor 
coram deo. 

Forceps. 30 

Abscissio a deo, ab ecclesia, a communione fidelium et a 
participatione sacramentorum per excommunicationis sententiam. 
Maior poena in ecclesia non est spiritualis quam sit haec, qua 
auferuntur a deo et traduntur diabolo. Vivis interdicitur omnis 
coramunio cum fldelibus et mortui arcentur a loco sacro, sed ut35 
canes debent sepeliri in loco prophano. Hanc iustissimam poenam 

a) Ueberschrift hierzu in A: Blasphemi. 

b) und zu rohen + A. 


') 3. Eeg. 18, 40. 
2) 4. Eeg. 10, 18. 
=>) Lev. 20, 10. 

*) Ex. 21, 14. «) Ps. 14, 1. 5. 
«) Ex. 21, 15. 17. 

') In den bisherigen Sammlungen der Eechtssprichvvörter (Hillebrand, 
Graf-Dietherr, Schröder) ist dieses nicht verzeichnet. Vgl. S. 227 27. 
«) Lev. 19, 15. 
»} Deut. 1, 13. 

Koenigor, Sentlquellen, 17 


258^ Erzdiözese Trier. Nr. 122. 

rebellium, conturaacium et inobedientium horum instituit Christus 
et potestatem. dedit ecclesiae prelatis, cum ait Matth. 18. cap.^): 
Si peccaverit in te frater tuus, vade et corripe eum inter te et 
ipsum solümietc. Apostoli quoque publice peccantes forcipe excom- 
5 münicatioriis abstulerunt deo et tradiderunt sathanae, excommuni- 
caverunt. Cum auditur . inter vos fornicatio et talis, qualis nee 
inter gentes, ita ut uxorem patris sui aliquis habeat; et vos inflati 
estis: 1. Cor. 5; 1 Tim. 1. 

Omnia debent fieri ad deliuquentium emendationem et cor- 

lO'reptionem et in exemplum, ut et caeteri timorem habeant, nihil 
ex odio aut mala voluntate: 1. Cor. 1»). 

' Omnes.' illi sunt forcipe per excommunicationem ab ecclesia 
rescindendi, qui delinquentes et admoniti nolunt resipiscere. Rom. 16 
cap."^): Rog'o, fratres, ut observetis eoS; qui dissensiones. 

15' [9] Exhortatione'') finita dicit praeses, quid sit synodus et 
ait his verbis: 

Liebe andächtige")! Der synd ist nichst anders als ein geist- 
lich und göttlich gericht und gleich wie in allem weltlichen gericht 
ankläger und richter seind, ebenmässigh hat es auch mit diesem 

20heiligen synd ein beschaffenheit. Dieser heiliger synd aber wird 
der Ursache halber gehalten, damit die heilige catholische kirch 
recht gehandhabt wird; in allen articulen bestetiget und bekrefftiget, 
auch nit etwo^durgh einigh irtumb oder ketzereyen befleckt und 
besudelt werde, zu dem auch, auf dass die gebott gottes und der 

25 catholischen kirchen gehalten und die heilige sacramenten nach 
Ordnung und ahnsetzung gottes und siener kirchen von allen 
recht ahngenohmen werden. Item so etwass dem catholischen 
glauben entgegen vorgelaufen wehre, dasselb solle verbessert 
werden und die ursägger und anfenger solle man straffen. So 

soetwass, dass den guten sitten zuwider wehre, so jemand gesundiget 
hette und die gebott gottes und der kirchen • über tretten, diss 
alles muss angeklagt und gestrafft werden. Summa: Dass böss 
rauss ausgerodt und die thugenden geplanzet werden, damit der 
christlich catholisch glaub jederzeit zunehme und unverletzt pleibe. 

35 Diss ist der summarisch Inhalt, warumb der h. synd von den alten 
unseren furfaren in der christlicher kirchen zuhalten ist verordnet 
worden. 

Accusatores. 
In diesem geistlichen gericht aber seind; ankläger und zum- 

40 theil auch mittrichter die syndscheffen"^). Dahero, ihr syndscheffen. 


a) In A noch zitiert: 2. Thess. 3; 1. Tim. 1. 

i>) Uebersclirift in A : Quid sit synodus. 

c) Nachgetragen von gleicher Hand. 

<i) Wortlaut in A : accusätoree et ex parte coniudices. 

') Matth. 18, 15. 
"-) Eom. 16, 17. 


Nr. 122.' Nickenich. 259 

watiilir wisset, dass jemand sträfflich, eines oder mehr ubertretter 
der gebotten gottes oder der kirchen, als heilige sacraniient sehender, 
flacher, schwärer wehren oder andere unchristliche und gottlose 
werk begingen etc., dieselben solt ihr heutiges tags anklagen oder 
uns ihre nahmen und böse thaden schrifftlich eingeben, damit sie 5 
zum exempel anderer gestrafft werden und sich hinfortahn vor 
solchen Sunden wissen zu hutten nach lehr des h. apostels Pauli ^): 
Die sunder und ubertretter solt du in gegen werth aller schelten, 
damit die andere ein forcht haben. Derohalben, ihr syndscheffen, 
will ich euch erinnert haben euwers gelöbs und eyds, dass ihr ge-io 
than vor gott und vor den münschen. 

„Ich») verheisse und gelobe" etc. Dass ist euwer eyd; be- 
trachtet fleissig alle wort euwers eyds und vollenbringet auch, 
wass ihr versprochen hat. Ihr kunnet euch wol betriegen, aber 
ihr kunnet gott nit betriegen ; er lasset siener nit spotten, dan er 15 
ist ein erforscher der herzen und nieren und weist der münschen 
gedanken und ist kein creatur im himmel weder uf der erden, 
die unsichbar vor seinem angesicht seie. Dass sei euch gesagt; 
keiner betriege sich noch verdamme sich und siene seel umb eines 
andern willen. 20 

[10] Damit aber keiner unter euch sich zu entschuldigen habe, 
solle man euch die articulen des heiligen synds vorlesen, auf dass 
wan phileicht einem etwas durgh Vergessenheit abgefallen wehre, 
sich dessen durgh ahnhören der articulen widerumb erinnern 
möchte; welche der herr pastor ihnen aus der agend vorlesen 25 
wolte. Hie legit pastor articulos i^). 

[11] Lectis articulis infert praeses et dicit ad synodales*'): 

Ihr synscheffen hat itzund gehört euwer eyd euch furlesen; 
dabeneben seind euch auch die articulen des synds zu gedächtnus 


a) In A Ueberschrif t : Juramentum synodale. Der Eid selbst ist weder 30 
in A noch in B ganz angegeben. 

^) In A folgt hiernach dieser Absatz: 

Scabini admonendi sunt denuo iuramenti sui prestiti et horum articulorum, 
quorum praevaricationem invenerint, se sine personarum acceptione esse accu- 
saturos. Eestat ut hoc faciant et reddant doraino iuramenta sua, ne fiantSS 
periuri et animas suas propter alios damnent. Deo et hominibus iurastis; homines 
potestis, deum fallere et decipere non potestis. Si aliquis vestrum aliquid, quod 
seit esse contra hos articulos admissum, vel amore vel metu vel ne offendat 
suos reticet, periurus est. Periurium autem gravissimum scelus est, quod in 
futura vita aeterna damnatione vindicatur et in hac vita quoque frequenter 40 
gravissimis suppliciis a deo ad aliorum terrorem ist gestrafft worden. Deum 
accipiunt in testem, quod velint iuraraentum servare. Joachim rexjuda: Ez. 14; 
Saul: 2. Reg. 19; Juda populus: Jerem. 4; maledictio: Zachariae 5; Lisias et 
Antiochus: 1. Mach. 6; Alcimus: 1. Mach. 7; Nicanor: 1. Mach. 8; Malach. 3 [5]: 
,Testis velox ero omnibus periuris et maleficis et accedam ad vos in iudicio 45 
eoquod non timuerltis me, dicit dominus exercituum.' Ultiones quoque periurii 
nostris temporibus sunt raultae. 

c) Statt dessen in A: Scabini debent accusäre. 

'),1. Tim. 5, 20. , 

17* 


260 Erzdiözese Trier. Nr. 122. 

gefurt worden ; so wisset ihr auch ungezweifelt aus der h. schriift, 
wie g'ott der herr die meinaidige pflegt zu straffen. Darumb wass 
euch vorkombt und wisset, dass sträfflich ist, solt ihr anklagen und 
niemand ahnsehen, er sei kleinhans oder grosshans, sondern gott 
5 fürchten und vor äugen haben. 

Dan*^) welcher unter den synscheffen aus forcht der menschen 
oder aus gunst der fründ oder aus lieb der blutverwandschafft 


a) Dieser Absatz ist am Eande mit 1, der nächste mit 2 bezeichnet; da 

10 2 in der Hs. vor 1 steht, sind beide umzustellen. — In A fehlt von hier an alles 
bis: Hoc dicto etc. Abs. 13. Statt dessen kommen längere Stücke über die Inqui- 
sition betreffs des Pastors, der Synodalen, des Glöckners, der Bruderschaften, 
der Kirchenmeister und des Schulmeisters, sodann eine Exhortatio und eine Aus- 
führung über Sendschöffen. Die Stücke lauten: 

15 Scabini vel verbo vel scripto indicant reos. lis secundum suae celsitudinis 

ordinationem poena condigna imponatur. 

In fine omnibus fere peractis scabini interrogandi sunt de suo pa störe [es 
folgen 8 Fragen über Amtstätigkeit und sittliches Verhalten]. Similis inquisitio 
fiat de sacellanis, vicariis, primissariis et altaristis, si sunt. 

20 Revocato pastore et de praehabitis emendatis, si quae sint, rogari debet, 

an habeat defectum librorum necessariorum in ecclesia, an desint ei missalia, 
psalteria, antiphonalia, responsonalia, agendae et alii necessarii libri, an habeat 
monstrantiara aliaque honesta vaaa pro eucharistia, pro oleo sacro infirmorum 
et chrismate, an et calices habeat cum suis requisitis, an infulas, cappas vesper- 

2.5 tinas, albas, aliaque sacerdotalia ornamenta, an et corporalia, sudariola, extergi- 
toria, altarium mappas caeteraque omnia, quibus in divinis utendum est off iciis, 
an decentia et munda omnia sint sicut decet tantura dominorura dominum necne 
et cuius aut quorum hoc culpa fiat. An domus [Lücke] et habitatiouis suae 
sit ruinosa et necessaria reparatione indigeat et cuius aut quorum culpa. Man- 

SOdandum ut statuto et praefixo fiat tempore sub gravi poena. 

De synodalibus. 
De singulorum quoque synodalium vita et moribus fiat inquisitio ipso, de 
quo quaeritur, discedente. 

De campanatore. 
35 Quaeratur a pastore et synodalibus, an officio bene fungatur et diligens 

sit; si non praestitit juramentum, iubeatur facere. Quaeratur ab illo [folgen 
5 Fragen betr. Beleuchtung und Utensihen]. 

De confraternitatibus. 
[5 Fragen betr. Zahl der Brüderschaften und deren Verwaltung.] 

40 De fabricae magistris. 

[3 Fragen betr. Verwahrung und Verwaltung der Stiftungsgelder durch die 
Kirchenmeister; die cista muss unter doppeltem Verschluss stehen]. 

De ludimagistro. 
[3 Fragen betr. des Schullehrers.] 
45 Per praesidera synodi aut pastorem rogetur communitas, ob iemand sey 

hie gegenwerdig, der etwas weiss, so die herren sentscheffen antreffen thut und 
notwendig sey anzuzeigen, das derselbig hervor kumme und zeige es an oder 
rufe den pastor oder iemand von den sendscheffen und sag es an; man soll 
darin thun, was recht ist sub poena unius aurei toties, quoties acciderit, et 
50 diebus dominicis et festivis ante summam missam et concionem nunquam con- 
veniant incolae. 

Exhortatio ad pietatem. 
[Inhalt: Es mahne der Pastor die Leute zum Guten und die Sünder zur 
Bekehrung; diejenigen, welche von den Sendschöffen angezeigt wurden, sollen 


Nr. 122. Nickenich. 261 

die warheit verhelet und nit offenbaret, der ist ein meineydiger 
und ruffet über sich den zorn gotteS; weil er mehe den menschen 


bedenken, dass diese es nur auf Grund ihrer Eidespflicht taten. Die Zehnten 
sollen dem Pastor, der Kirche und dem Spital bezahlt, an den Feiertagen die 
Oblationen freiwillig gegeben werden.] 5 

Seculare et ecclesiasticum Judicium comparantur, 
Quemadmodum in omni loco, ubi iustitia exercetur, ex communitato tota 
soli deliguntur viri caeteris prudentiores, morum gravitate et exemplari conver- 
satione, vita alios meliore praecedentes, ut iudicio seculari praeficiantur, causas, 
controversias dirimaut, reos condemnent, ita quoque in omnibus et singulis bonos 10 
habeat ecclesia dei suos scabinos, qui ecclesiae iudicio praeficiantur et, quos 
sciunt in communitate reos et praevaricatores, ad hoc iudicium pertrahant, ut 
hie eorum causa audita vel absolvant vel una cum praeside synodi ipsi eos 
condemnent et secundum qualitatem graviorem vel leviorem contra eos senteutiam 
feraut et mulctam imponant. 15 

Quales esse debeant. 
Vide agendam [Trierer Agende 1574 fol. COXXI]. 

Debent praestare iuramentum. 

Secundum modum, quo scabini secularis iudicii iurant se domino suo 
temporal! fore fideles et iustitiam esse administraturos secundum aequitatem, 20 
secundum deum et suam conscientiam pro posse et nosse, ad eundem modum 
deo et ecclesiae dei et suo pastori se fore fideles [Lücke], bonorum esse promo- 
tores scabini synodales iuramento praestito debent esse devincti. Jurant igitur 
praesente decano aut praeside hoc modo: ante altare flectant genua, cerei accen- 
dantur, decanus aut praeses indutus veste superpellicia mandabit, ut extensis 25 
digitis se . . . 

Ich verheisse . . . 

Praebet eis crucem osculandam aut evangelium, porrigit et manum, gratu- 
lantur omnes, mouet ut in officio suo ad honorem dei et ecclesiae utilitatem sint 
diligentes et fideles. Deiude benedicit eis dicens: Coelesti benedictione benedicat 30 
et custodiat vos omnipotens et misericors deus pater et filius et spiritus sanctus. 
Amen. 

Monet populum 
eos esse ad tam sanctum et necessarium dei et ecclesiae eius ministerium assumptos 
et ecclesiastico iudicio scabinos esse ascriptos ad eum modum, quo etiam in secu-35 
lari iudicio burgemeister, heiraburger deputantur, delecti quidam adiutores et 
administri, qui eum ubique adiuvent in omni re gravi consiliarii conciliique sui, 
cum burgimagistro sunt executores, qui et se fideles fore ipsis et comraunitati 
iuramento affirment; inde ,die geschworen' nuncupantur. 

Ad eum modum hi ex tota communitate eliguntur, ut suo pastori assistant40 
in ecclesiae regimine et quasi oculi eius praevideant, quid in parochia a parochianis 
fiat, omnibus de se bonae conversationis exemplum praebeant, immorigeros et 
praevaricatores notent, ut debito tempore accusentur et secundum peccati gravi- 
tatem puniantur, ut caeteri a male faciendo absterreantur et timorem habeant 
et omnes ad benefaciendum incitentur; quod quia se fideliter facturos iuramento 45 
praevio affirmant, die geschworen sendscheffen nuncupantur. Ideo in honore ab 
omnibus habendi et favore et benevolentia prosequendi. 

Jurare nolentes. 
Qui vocati legitime et electi hoc officium gerere detractant et fideles se 
fore in officio hoc iurare nolunt, declarant profecto se neque dei amorem neque 50 
proximi habere; dei non habent, cuius honorem non quaerunt, proximi non 
habent, cuius salutem, quantum in se est, nolunt promovere. Ecclesiae quoque 
dei non sunt veri filii, sed adulterini, cuius mandata, consuetudlnes nee ipsi 
volunt servare nee curare, ut ab aliis serventur. Nihil enim hie aliud quaeritur, 
quam quod dei et ecclesiae mandata ab ipsis compleantur (?) et ab omnibus serventur, 55 


262 Erzdiözese Trier. .Nr. 122. 

als gott förchtet. Darumb sehe sich ein jeder für, was er zu 
thun habe. . 

[12] Dessgleichen sollen auch alle andere burger thun, so kein 
synscheffen sein, wan sie etwass wissen gegen ihre herrn pastoren 
5 oder auch-'i) die sinscheffen, das sträflich were, sollen sie dess- 
fals niemand ansehen, sondern zu uns komen und anzeigen oder 
ihre klag schrifi'tlich eingeben; so werden wir thun, was recht ist. 
Und letzlich will ich alle ingemein, man und weib, knecht 
und magd, jung und alt, klein und gross vermant haben bei höchster 

10 straff, dass keiner einen oder den anderen synscheffen, welche bei 
ihren gethanen eydspfllichten die unthugend und laster zu offen- 
baren und straffen schuldig seind, für ungutt etwas uffnehme oder 
denke, das sie solches aus hass oder neid gethan haben, sondern 
dass solches ihr gethanes gelübt und eyd mitp ringe, daraus auch 

15 ihrer seelen verdamnuss entstehen möchte, wan sie solches nit 
thun würden. 

So gepiete ich dan in namen und von wegen wie oben gesagt, 
dass sich ein jeder heutiges tags zu haus finden lasse, auf dass, 
wan er zu uns beruffen wird, gehorsam leiste und ibi^) erschiene, 

20dasselb demuttiklich mit gedult siene mengel höre, die correction 
und verwirkte straff williklich anehme, denkent dass es tausent 
mal besser seie alhei zeitlich getrafft als etwo ihm zukunftigen 
durgh sein ungehorsam und sündiges leben dem bösen feind zutheil 
werden, dafür uns allesamt der guttig gott gnädig bewahren wolle. 

25 [13] Hoc") dicto praeses surgit vertendo se ad altare et legit 
psalmum: Deus misereatur nostri etc. cum Antiphona. Vers,: Ne 
reminiscaris, domine, delicta nostra vel parentum nostrorum. Resp.: 
Neque vindictam sumas de peccatis nostris. Vers.: Parce, domine, 
parce populo tuo, quem redemisti sanguiue tuo. Resp.: Nee in 

SOaeternum irasceris nobis. 

Kyrieeleyson, Christeeleyson, Kyrieeleyson; Pater noster; Et 
ne nos inducas. 

Vers.: Ostende nobis, domine, misericordiam tuam. Resp.: 
Et salutare tuum da nobis. Vers.: Esto nobis, domine, turris forti- 


35 iuste et pie in communitate vivatur, disciplina ecclesiastica manuteneatur et omnia 
secundura ordinem fiant et boni in bono confirmentur et mali per poenas CQrri- 
gantur, ut desinant inique agere et discant benefacere. 

Cum ergo ad hoc sanctum officium denegant suura ministerium, declarant 

sc deum non bonorare, proximum non araare, ecclesiam non vereri. erga 

40 religionem non bene affici, disciplinam ecclesiasticam contemnere, bonum bdisse, 

omue malum in communitate velle succrescere nee se velie bonum facere et an 

alii quoque bonum faciant nihil curare. 

Falsi sunt in electione talium et pastor et scabini, qui elegerunt; illi aesti- 
maverunt eos meliores quam esse inveniantur. Si pertinaces permaneant, ab'i 
45 eligantur, qui sunt ad tale officium idonei et nee hoc nee uUo alio honore aut 
officio sunt digni. 

a) „auch" am Rand. 

t>) „ibi" am Band. 

c) Zuvor Ueberschrift in A; Oonckisio, 


Jfr. 123. Niederlauch. 263 

tudiDis. Resp.: A facie inimici. Vers.: Domine, exaudi oratiönem 
misam. Resp.: Et clamor nieus ad te veniat. Vers.: Dominus vobis- 
cum. Resp.: Et cum spiritu tuo. 

Oremus. Dens, qui culpa offenderis, poenitentia placaris, 
preces populi tui supplicantis propitius respice et flagella tuae 5 
iracundiae, quae pro peccatis nostris meremur; averte. Per dominum. 

Sequitur benedictio. 

Adiutorium nostrum. Sit nomen domini benedictum. 

Oremus. Coelesti benedictione benedicat et custodiat nos pater 
et [filius et Spiritus sanctus. Amen]. 10 

Vers.*) Deus misereatur nostri et benedicat nobis; illuminet 
vultum suum super dos et misereatur nostri. Resp.: üt cognos- 
camus. Vers.: Confiteantur tibi populi, deus; confiteantur tibi 
populi omnes. Resp.: Letentur. Vers.: Confiteantur tibi populi, 
deus; confiteantur tibi populi omnes; terra dedit fructum suum. 15 
Resp.: Benedicat. Vers.: Gloria patri et filio et spiritui sancto. 
Resp.: Sicut erat. Antiph. : Ne reminiscaris. 

123. Kirchen- und Sendweistum von Niedeiiauch. 

1603 Aug. 19. 

Niederlauch, Df. Rheinpr., Kr. Prüm. 

Orig., Pap. 2", StA. Koblenz, Kiu'trier, Aemter und Ortsch. 

Uugedruckt. 

[1] Item anfenklich und zum ersten: wanelie ein newerer 
pastoir ankombt, sollen die sender ime den pfarhoif woill gebawet 
inroimen und selbigen in godem bauwe halten, so den pfarkyndern 20 
befohlen worden. 

[2] Item es sollen die sender, wanehe ein pastoir abstirbt, 
vleissig agt uf das genich, was bey dem pfarhoif bliben solt, geben, 
neunft entfrembt wurde und dem neuwen pastoir also nit nottig sey, 
zo dagen; ebenmessig sollen sey sender alle leriderey, garten, 25 
wysen und feld und was sunsten dem pfarhoif zugehörig, schuldig 
sein van mark zo mark aus zugehn, dem pastoir alles inroimen 
und jenem dabey helfen hanthaben, van welchen allen der pastor 
innen sendern ein erliche malzeit schuldig zu thun. 

[3] Item dem abverstorbenen pastor sollen sey sender ime 30 
mit allem vleiss, erlich und zeirlich mit gewonliche geistlicher 
Meldung in der kyrch zur erden verhelfen, gegen welche begreb- 
nusskleidung, die so seine nachgelassene gunder werden erwerben, 
der kyrchen die widergeltung sollen thun. 

[4] Item den kyrchenbauw betreffent ist der abt und couventss 


«■) Das Nachfolgende fehlt in A, dagegen steht am Schluss in der Mitte: 
Insinuatio synodi. Auf neuem Blatt folgt eine längere Dispositio circa ea, quae 
Stola iuris appellantur und endlich ein Juramentum decani, welche Stücke hier 
ausser Betracht bleiben können, 


264 Erzdiözese Trier. Nr. 123. 

ZU Epternach^) das corpus ader bauch schuldig zu bauwen und in 
godem bauwe zu halten, der pastor den choir und die pfarkynder 
den thorm und alle andere gebauwe; ist senderweistumb. 

[5] Item weist der sender mehr, das ein abt zu Epternach 
5 ein missal ader nüssboich, sofllmall dessen nottig in der pfar- 
kyrchen Lauch uf dem hoen altar, schuldig sey zu stellen und das 
ahn zuthun der kyrcben ader pfarkyndern. 

[6] Was sonsten daz zeilvehe anlangen doit, ist der her abt 
schuldig in alle deurferen, da er von dem vehe zenden hibt, das 
10 halb zeilvehe, nemlich birren und weider zu stellen. 

[7] Item es soll durch den pastoir, sender und kyrchenmomper 
ein inventarium, warin alle kyrchengeuder, acker, wysen und feld, 
meisbeucher, kelch, monstrands, missgewante, alfen, reuckeln, chor- 
kappen, ja alle clenodia verzeichnet; ufgeright werden und dennen, 
15 so es vertrauwet wird, sollen in der jairliche kyrchenrechnuug 
auch rechnung heyvan geben, womit der kyrchen neuft veralignirt 
werde. 

[8] Item weist der sender, wanehe ein kirspelsman, umb sein 

kyndl zo taufen, sein pfarherren ansprechen wird, soll der 'pfar- 

20 herr sich filfaltig zu seulchem heiligen werk erzeigen und dess- 

wegen, wen die motter ausgesegnet wird, ein gnit hoin verfallen 

sein und das neben irm gewonlichen offer. 

[9] Item kompt das kynd zo seynen bestetlichen jaren^) und 
wird ausserhalb der pfaren verhirat, solt der pastor uf genock- 
25same caution die fragen oder manungen innerthalb sex wochnen 
und dreyen dagen underscheydlich uf der canzel thun, den loiss- 
brief mit eynem halben daler busen ader wie man dan mit ime 
gewerden ; ist aber sach, das das kynd im kyrspelt verbleibt, soll 
dem pastor vur seine ministeria befridegit werden ein guit steuck 
sofleichs, ein weissbroit und ein mass weins; ist senderweistumb. 

[10] Wen dan der menchs sterblich ist und mit leiblicher 
krankheit beladen, wilt sich zu allerzeit gepeuren, er wurde mit 
den hilligen sacramenta versehen, davan dem pastoir seine gewon- 
liche gerechtigkeit auch solt werden gefolgt; ist senderweistumb. 
35 [11] Stirbt der menchs, soll der pastoir umb den kyrchoif uf 
zu brechen angesprochen werden und van jder meiss der sein 
gerechtigkeit begenknissdagen haben ein regal neben einer quarten 
weins vur ein gratiasquarten. 

[12] Item weist der sender, das ein itwider haus in der pfaren 
40 Loich dem pastoir jairlich an haber schuldig sey 1 sumber, welche 
haber genant wird die „sankhaber"; ebenmessig ist jeder raedt^) 
ein sumber haber schuldig, genant die „bigthaber". 

[13] Item ist jdern raedt dem pastor jairlich schuldig zwey 

^) Der Abt des Benediktinerklosters Echternach war seit 1161 KoUator 
(Lorenzi I 496). 

^) D. h. ist es volljährig geworden. 
*) Hofreite, Hofgut mit Zubehör, 


Nr. 123. Niederlauch. 265 

broit, welche so groiss sein sollen, das dero drey ausser eynem 
Prumischer sumber körn gemacht können werden; es solle aber 
der erste raedt herin gefriet sein und dem pastoir jairlich ein 
sumber körn geben ; ist senderweistumb. 

[14] Item erkent der sender dem pastoir ausser des herren 5 
zenden zu Epternacb, nemlich zu Loich, Wynrigen, Huirstorff 
ader Hirsturschit und Didendorff^), dar das goitzbaus zenden hat, 
das dritte deil; den ferkell- und werkzenden hat der pastoir 
auch und das dritte deil in den lemmerzenden, so gehaben werden. 

[15] Item ist ein itwyder pfarkynd, so zo dem österliche fest 10 
das hochwurdig hillig sacraraent enpfahit, seinem pastor schuldig 
ein par eyer; ist sendererkentnuss. 

[16] Dey vehehoit betreffend wird dem pastor durch den 
sender zoerkant, das er sein vehe under die neiffeherden, so 
ime in der pfaren gelegen, soll verdriben, dasselbstens durch die 15 
nochparschaifft ader ire herschaifft ihrem vehe glich behoidt solt 
werden. Und dieweil der pastor seiner gelegenhit nach zu Uber- 
loich^) underfert, soll ein itwider haus im kyrspelt den nachpuren 
zu überloich zo steuren ein halben sumber korens und das van jarn 
zo jarn geben, und obwoil diswegen zweyspalt zwischen dem pastor 20 
und nachpuren gewesen, ist heutich doich durch die chorfurstlichen 
redt disse gebeur ufgehaben. 

[17] Item weist der sender dem pastoir seine feurung ader 
beholzung in Loicher heck; wen sey nachpar aber in irn hoen 
beurs ausgeben, solln sey dem pastoir nach nottorftigkeit mifcdeilen 25 
und ist den streit, so des hoen beurs halben gewessen, durch die 
chorfurstlichen redt dieser gebeur ufgehaben. 

[18] Item erkent der sender, das die kyrchenmomper alle jair 
puriücationis Marie dem pastoir ein weissen kerz van eim vertel 
wax ausser der fabrick ader kyrchen sollen libern. 30 

[19] Anlangend die wochenmissen erkent der sendscheffen, das 
der pastoir alle weich zwo solt lesen und darumb er das thun solt, 
hat er zwey malter garwilens in dem Loicher zenden. 

[20] Und so eniche andere alte gebreuch zwischen dem pastoir, 
sender, kyrchenmomper und pfarkynder, hievan der coster nit aus- 35 
gescheiden, sollen also wie bisanhero gehalten, auch hinfüro ge- 
halten werden. 

[21] Den^) hilligen send betreifend erkent der sender, das 
der pastor denselbigen sex wochen zuvor solt verkeundigen ; in- 
mittels sollen sey die rogen versameln. 40 

[22] Wen dan die zeit vuruber, solt der sendherr uf den 
abent des vorigen dags zur vesper erscheinen; nach der vesper- 
zeit sollen die kyrspeltsleut holz libern, darneben ein kerz van 

a) Zwischen Abs. 20 und 21 ist in der Vorlage eine Seite leergelassen. 


^) Lauch, Winringen, Heisdorf, Huscheid, Dingdorf, alle südl. von Lauch. 
-) Oberlauch, nördl. von Niederlauch. 


266 Erzdiözese Trier. Nr. 124, 125. 

:eim halben pfond wax, er sein gezeit darbey lese; die'kerz sollen 
die momper der kyrchen ausser der fabrick der kyrclien libern, 
in erstatuhg dero kerzen und der kyrclien zum besten. 

[23] Sali ein jedes haus in der pfaren, so da schaiff helt, der 
Skyrchen ein schaff foderen. 

[24] Der coster aber ist scheuldig uff ankonft des sendherren 
ime sein pferd abzunemen und das in seine stallung zu feuren, 
auch neben raufoder ein sumber habr zu geben und das zu ver- 
sorgen. Ebenmessig solt er fertigen ein goit gebraden hoin, ein 
lOmass goden weins sambt zweien weissbrodern, sich sampt seiner 
hausfrauwen zu ime setzen und g'eselschaifft leisten bis die send- 
scheffen zusamen komen. 

[25] Demnach erkennen dei sender dem sendherrn van eim 
jedem haus zu der pfaren ein sumber habr, van welchem sumber 
ishaber die sender ader ire heuser allein gefreigt. 

[26] Was seuusten die rogen anlangen doit, obwoil dem sender 

nach altem herkomen van jeder rogen ein sumber weins gebort, 

ist seulches ehedoch durch die Ordnung unsers gnedigsten chor- 

fursten und hern ufgehaben^) und soUn sich dero hinforter biss 

20 zu einer anderer reformation behelfen. 

[27] Heimit ufgehaben allen zweyspalt, streit und myssel 
und das ein itwider sich nach vurgeschreibenen artlckel verhalte 
ernstlich befellende, daz ausser befelch wie anbefollen. Signatum 
Pronspelt^) am 19. Augusti anno 1603. 
25 Bartholomaeus Reulant 

landdechant zu Keilburg und Beidtburg^). 

124. Sciidwcistimi von Mcdcrspay. 

1454 Febr. 17. 

Nieder spay, Df. Rheinpr., Kr. St. Goar. 

Orig. Pgt., StA. Koblenz, Wormser Propstei St. Martin zu Boppard Nr. 121. 
Ebendort Nr.. 134, 137 zwei weitere Stücke von 1487 Jan. 25 und 1494 Jan. 20 *). 
Gedruckt: Lorsch, Rhein. Weist. 38 — 40. — Im Kardener Sendregister 
V. 1475 ein kurzer Auszug unter Nr. 108. 

125. lürchcnweistiim von Pcrsclieid. 

16. Jahrh. 

' Perscheid, Df. Rheinpr., Kr. St. Goar. 

Bruchstück eines SW. im Pfarrbuch zn Perscheid (zit. Tille I 42; 340) 
Gedruckt: Lorsch, Rhein. Weistümer I 77. 


^) Allgemeine churfürstl. Verfügung von Erzbischof Johann dd. 16 Aug. 
1589 gegen Schluss (gedr. Scotti, Trier I 540). Vgl. dazu oben S. 222^ 

2) Pronsfeld, Kr. Prüm. 

3) Kyllburg und ßitburg, Kr. Bitburg. 

*) Bei Tille I 40 ist auf ein erneuertes SPr. von 1783 (vor der Matrikel 
von 1811 ff.) hingewiesen. 


:Nv. 126, 127. Oberemmel, Pfalzel. 267 

126* Sendweistum von Oberemmel. 

- ■ ■' ■ ; : ■ 1580. 

Obei-emmel, Df. Eheinpr., Kr. Trier-Land. 

Weistum anlässlich des Sends 1580, aus. dem Sendprotokollbuch des Archi- 
diakonats Tholey (St. Moriz) fol. 17i*— 18v, StA. Koblenz, Kurtrier, Gener. in 
Kircbensachen, Nr. 105. 

TJngedruckt. 

[1] Darnach der sender erkaut; das der her churbischofif oder 
ihrer ehrwürden commissarius den abent zuvoren mit 2^/2 pferd 
und 1^2 roan inkommen sollen in des pastors haus, die pferd 
straw biss an den bauch und rauw foder bitz an die orhen haben ; 
wiltder her dazu haber habeu, solt er in seine renten greifen. Auch 5 
soit der sendher in des pastors haus ein disch gedeckt und dar- 
auf wie präiichlich bereit finden und auf dem auch eine kerz sonder 
dacht, und ein feur sonder rauch. 

[2] Item erkennen sie, dass dem sendhern ein jeder ehe 1 mass 
haber, aber ein widtwe ^2 vierzel haber geben , darzu auch 10 
4. thaller, und soll der pastor mit 2 groschen und der her zu 
s. Maxmein ^) mit 2 groschen den hohen altar belegen. 

127. Sendpredigt aus Pfalzel. 

15. Jahrb. 

Pfalzel, Fl. Eheinpr., Kr. Trier- Land. 

Nach Ms., Pap. ■2°, 15. Jahrb., StA. Koblenz Alle Nr. 99. Vgl. SO. 
von Irsch (oben S. 215) Vorbem. 
Ungedruckt. 

Aliqualis consideratio in synodo sancta. 

„Descendi in ortum meum, ut viderem poma convallium et 
inspicerem, si floruissent vineae et germinassent mala punica" 15 
(Cantic. 6 et 7)2). 

Dominus noster Jhesus Christus, filius altissimi patris, dei 
summi, plantavit viueam sibi electam; quam acquisivit sanguine 
suo pretiosissimo, ecciesiam sanctam seu communitatem fidelium; 
huic insevit vites, populum christianum, ordinavit colonos, regentes 20 
ecclesiasticos, sepivit saepe suorum praeceptorum, quid agendum, 
quid omittendum, irrigavit fönte uberrimo, saluberrimo et dul- 
cissimo usu scilicet sanctorura, qui e lacu sacramentorum, quae 
e latere Christi cum sanguine et aqua, unde et efficatiam sortita, 
proflüxerunt. Venit ergo dominus vineae huius, ut videat et vi- 25 
sitet et fructus carpat, ac invenit spinis et tribulis obductam, non 
solum desertam nee cultam sed et ad internecionem depravatam, 
quod merito exclamavit Jheremias 2: „Obstupescite coeli super 
hoc; duo enim mala fecit populus mens; me dereliquerunt fontem 


^) Bei Trier; Oberemmel war eine sehr alte Besitzung der Abtei St. Maximin 
(Lorenzi I 180). 
■') Gant. 6, 10. 


268 Erzdiözese Trier. Nr. 127.. 

aquae vivae et foderunt sibi cisternas, quae non valent continere 
aquas". „Ego te plantavi vineam electam; quomodo conversa es 
mihi in pravum, vinea aliena? Maculata es in iniquitate tua 
coram nie, dicit dominus"^). Sed et idem regius ille psaltes ex- 
öclamavit: „Omnes declinaverunt, simul inutiles facti sunt; non est, 
qui faciat bonum, non est usque ad unum"^). Sicuti populus, ita 
et sacerdos. Dictum est sacerdotibus: „Clama; ne cesses! Quasi 
tuba exalta vocem tuam et annuncia populo meo scelera eorum" ^). 
Sed quid conqueritur dominus Esaiae 56 ? „Speculatores eins omnes 

lOcoeci; nescierunt universi; canes muti non valentes latrare"*). „Si 
impius moriatur in impietate sua tacente te, sanguinem eins de 
manu tua requiram" ^). 

Et quis est, qui ignoret certa, vera et flrma fide in deum 
credendum, deos alienos non habendos, non percutiendum, sabatum 

15 sanctificandum, parentes honorandos; verum quot sunt, qui relicto 
vero et solo deo, quasi adorent idola, adeunt haruspices, magos, 
incantatores; quot sunt, qui deum et sanctos et sacramenta blas- 
phemant, peierant, conspuunt! Levitici 24: „Qui blasphemaverit 
nomen domini, morte moriatur"*^). Sed et iudicio iusto dei filius 

20mulieris Israhelitae Salumith dictara ob blasphemiam lapidatus est 
(Leveticus 24)"^). Quid de violatoribus festorum? Memento, ut diem 
sabbathi sanctifices! Homo, qui in sabbatho ligna collegit, quura 
deprehensus esset in deserto, carceri inclusus sententia dei lapi- 
dibus ab omni multitudine occidendus iubetur^). Quam pie sancta 

25 mater ecclesia et dominicos et festos dies iubeat servare, notius esse 
debebat quam ut hie ad longum explicetur. De parentum, magistra- 
tuum maiorumque et ecclesiasticorum observantia et honore, de 
non ledendo nee iniuriando proximum, de vita, honestate et luxuriae 
fuga caeterisque et dei et ecclesiae praeceptis scriptura abundat, 

30toto anno satis superque declamatur et qui hie ignorantiam prae- 
tenderet, merito culpam conferet^). Hie siquidem ignorantia non 
habet locum, cum teneatur scire, quae generi Christiane neces- 
saria sunt et supinam suam prodit negligentiam et vecordem som- 
nolentiam, qui dominico die, dum pastores ad sudorem laboriose 

35 illa, quae fidei nostrae sunt nobisque necessaria, edocent et tamen 
magna pars hominum aut oscitanter aut soranolente aut surda 
aure ista negligit; sane lapidibus, trabibus non concionatur. 

a) Am Eande: Eegum 14 (I 14, 43): Saul interminatus , no quispiam 
de populo gustaret, quae propria die illo Jonathas inscius gustat, paululum mellis 
et morti addicitur, sed per populum liberatur. 

1) Jer. 2, 12 f. ; 2, 21 f. 

'-) Ps. 13, 3. 

3) Is. 58, 1. 

*) Is. 56, 10. 

■>) Ez. 3, 18. 

«) Lev. 24, 16. 

') Lev. 24, 11. 

«) Num. 15, 32 ff. 


Nr. 127. Pfalzel. 269 

His aliisque malis et erroribus, quae in ecclesiam irrumpunt, 
sancta mater nostra ac pii maiores et mederi et subvenire, mala 
extii'pando, bona promovendo cupientes, ordinarunt annuatim fieri 
visitationem, quam nos synodum sanctam id est populi coUectionem 
nominanius in eum solummodo finem^ ut fides, amor, laus et cultus 5 
in deum augeatur et charitas erga proximum, honestas et pietas, 
decor erga seipsum promoveatur, quo sontes plectantur, boni et 
fideles coUaudentur, iuxta ista externa hie iuxta posita Signa 
pectinis, forficis, virgae, quae nihil aliud nisi media ad tollenda 
commissa delicta, errata, vitia, peccata et enormitates denunciant, 10 
ut aut radantur per forficem, tollantur per pecten pia et materna 
dementia uti crines adaequentur et tegantur, per virgam poena 
inflicta mulctentur, graviora et castigentur censura ecclesiastica 
vel etiam pecuniaria. 

Virga: si mandata non custodiantur, praecepta non serva-i5 
verint/ „visitabo in virga iniquitates eorum et in verberibus peccata 
eorum"^). 

Forfex: „ut evellas et dissipes, aedifices et «) plantes"^). 

Ne vero haec vel negligantur vel ultra aut praeter aequi- 
tatem exaggerentur, deliguntur ex tota communitate viri vita, mo-20 
ribus, honestate et prudentia ac discretione spectati, qui synodales, 
vulgo sehender quasi oculi pastorum, appellantur^), iique iuramento 
adiguntur et obstringuntur, ut iustitiae in deum et homines ac 
aequitatis habita ratione cultum et laudem dei, ecclesiae ac iurium 
eiusdem conservatione et promotione in delinquentes aequa ac25 
sincera auimadversione pervigiles sint ac diligentes; unde et praeter 
hoc, quod ab omnibus parochianis digno sunt venerandi honore, 
mercedem a domino deo tanquam coadiutores magistratus eccle- 
siastici, conservatores et promotores divinorum omniumque ad pa- 
rochiam rerum pertinentium merito expectant idque non ficte nee 30 
recenter, sed ex vero et legitimo sacrarum literarum fundamento. 
Sic enim legimus Actorum cap. 6 : „Convocantes autera duodecim 
(apostoli) multitudinem discipulorum dixerunt: Non est aequum nos 
derelinquere verbum dei et ministrare mensis id est inservire 
multitudini in externis. Considerate ergo, fratres, vires ex vobis35 
boni testimonii Septem, plenos spiritu sancto et sapientia, quos con- 
stituamus super hoc opus. Nos vero orationi et ministerio verbi 
instantes erimus etc."*). Ecce quare merito, si oculi docentium 
et coadiutores appellantur, dum sacerdotes intendunt orationibus, 


a) Zwei Worte unleserlich. 


') Ps. 88, 33. 

'^) Jer. 1, 10. — Virga - plantes von gleicher Hand nachgetragen. 
^) Der Verfasser leitet sehender von „sehen" ab; doch kommt es von Sender 
(Sendschöffe). 

*) Act. 6, 2. 


270 Erzdiözese Trier. Kr. 128. 

ministerio sacrariientorüm et altaris, uti, et alia per hos viros 
honestos ad hoc electos debite curentur'i). 

Unde et ego vos appello, viri honesti memoresque et officii 
et iuramenti deo altissimo, sanctissimae virgini matri, sanctis et 
öelectis omnibus, sancto Martino^), N. sacrae huius aedis patrono, 
summo pontifici Christi in terris vicario, reverendissimo doihino, 
nostro archipraesuli et electori, domino archidiacono, reverendo land^ 
decano, pastori oranibusque, qiiorum interest,: praestiti, ut, si quid 
contra deum, sanctam fidem catholicam, eins et ecclesiae praecepta, 

10 contra iura et privilegia ecclesiasticorum aut ecclesiastica, huius 
ecclesiae bonorumque ac proventuum et requisitorum ad eandem 
p er tinentium, contra bonos mores et consuetudines, sanctiones seu 
instituta a quopiam non habito respectu consanguinitatis, favoris aut 
munerum, sed solummodo aequitatis, iustitiae et honestatis propaletis 

15 ac denuncietis, quae emendanda et corrigenda iudicabitis, qua- 
tenus errata et peccata corrigantur, scandala extirpentur ac in 
posterum evitentur et dei gloria, honor sanctorum, ecclesiae iura 
ac omniu'm subditorum salus, pietas et honestas procuretur. 

Haec autem ea ratione fleri debere perantiqua et salubris in- 

20stitutio maiorum testatur ac reverendissimi domini nostri praesens 
sub suae celsitudinis sigillo ac propriae manus subscriptione testa- 
tur mandatum. 

128. Sendweistum von Pillig. 

■ 1662. 

Pillig, Df. Rheinpr., Kr. Mayen. 

Aus dem Taufbuch der Pfarrei Pillig (A), eingetragen von dem dortigen 
Pfarrer Gerard Schneberg (f 1681); zit. Tille-Krudewig II 84. 

Ungedruckt. — Im Kardener Sendregister 1475 ein Auszug unter Nr. 78 (ß). 

Selbiges^) bekäntnis über gewohnlige Sindgerechtigkeit. 

[1] Wan der heilige sind gehalten wird von pastore, muss 
25Pülliger burgermeister her pastori Lerberg^) 5 fuder haber, 2 
massen wein, 18 den., ein bratten, 8 fö weck, ein kleinen veerdung 
pfeffer, ein hande voll kirze, unden und oben abgeschnitten, einen 
wagen holz; dessen mag burgermeister die 2 mass weins helfen 
vertrinken. 
30 , [2] Der Schmitt hat sich auch noch bisshero mit ein beschlag 
huffeysen Schuldigkeit zu[m sind]tag einfinden lassen. 

[3] Bei meiner anfangender zeit auch jede handwerkpursch 


a) Am Eande: De Exodi 18 (19. 20): Esto tu populo in bis, qüae ad 
deum pertinent, ostendasque ceremonias et ritum colendi viamque, per quam 
ingi-edi debeant. . . 


1) St. Martinus ist Patron von Pfalzel (Lovenzi I 220 f.). 

2) D. h. des Pfarrers Ant. Arweiler 1662; vgl. Tille-Krudewigll 84. 
'') Lesart unsicher; Loren zi II 338 verzeichnet 1662—1681 Pfarrer Schneberg. 


Nr. 129. Pillig, Pommern. 271 

einiges präesentement, wie vermeint gebreuchlich gewesen -zu sein, 
entrichtet nach zehenten. Ubi non fuit tractor, non fuit corrector. 
[4] Den wagen holz haben nicht manchmahl, wie vorgestanden, 
andern pp. sindeommissarii gefordert, sonder ist der pastorey Püllig 
erlassen*). 5 

129. Sendordnung und Sendprotokoll von Pommern. 

1687. 
Pommern a. Mosel, Df. Rheinpr,, Kr. Kochern. 

I. Aufzeichnung des 17, Jahrh., Pap, 2", (A) StA. Koblenz, Kurtrier, Gener. 
in, Kirchensachen, Nr. 100" fol. 10^—12^, 

Ungedruckt, — Im Kardener Sendregister von 1475 ein Auszug des SW. 
unter Nr. 31 (ß), " 

II. Orig., 6 Pap.-Bl, 8^ StA. Koblenz, Spez. in Kirchcns. P Nr. 41. 
Ungedruckt, — Vgl. Visitationsprotokoll für das Dekanat Zeü von 1569 

(Trier. Arch. 10) Nr. 36 S. 75 f. (0). • 

I. 

„Ordo ad visitandas parochias" iuxta pontificale Eomanum 
Clementis VIII. 1596 ac denuo iussu ürbani, VIII. correctum 1644^). 

Modus et ritus celebrandi synodum sanctam iuxta ritum et 
consuetudinera more Trevirensi in parochiali ecclesia s. Stephan! 10 
prothomartyris in Pommern per reverendissimum d. d, Robertum 
abbaten! Himmerodensem^) ut pastorem ordinarium et visitatorem^) 
assistente reverendo d. d. Henrico Brandt pro tempore vicepastore 
Pommerano servatus fuit sequens in anno 1687 practicatus, etiam 
eodem anno in Brindell*). .- 15 

[1] Ordinarius visitaturus parochias suas, cum ad oppidum vel 
pagum parochiae pervenerit^) et mane ingressus est ecclesiam, 

a) B: Item ibidem receptio in dote. Item centurio dabit ex parte com- 
munitatis unara vecturam ligni et 6 summeren avene et dimidium talentum cere 
et quartale piperis et dimidium quartale vini, item 18 d, pro assatura, item pro 20 
panibus novem den. Item custos ut supra (^s Hafer, 1 Huhn, 1 Handvoll Licht) 
et inde habet expensas. cum uxore. Item centurio etiam habet expensas ibidem. 
Item cathedraticum 18 alb., prepositus 2 partes et pastor 1 partem. Item officium 
7^2 hall., item cista tres hallenses, 

1») B: Item receptio d. archidiaconi in curia dominorum de Hymmelroit25 
cum 7Vo equis et personis, cum 2 canibus; ibi habebunt largissimas expensas de 
sero. Item centurio 1 vecturam ligni et inde habet expensas. Item custos 
portabit eyn dürre bürde holz, 1 pullum et manipulum luminis (et inde habet 
expensas). Item faber portabit 4 hoiffysen mit yren negelen cum famulo suo, 
habent expensas; que omnia extendunt se ad 10 alb. Item cathedraticum 30 
3 marcas 3 unzen; 1 marca facit 6 alb,, una unza 20 hall. Et pastores dabunt 
uncias 3, faciunt 5 alb.; item officium 1 hall, 1 backhuis 3 hall., 1 muUe 3 hall. 
Item 7 sunt synodales in numero. 


*) Der Ordo ist in Abs. 1 unter Aenderung des Einschlägigen wörtlich dem 
zit. Pontificale Romanum (ed. 1663 S, 480 — 486) bezw, auch dem dortigen Ordo 
ad recipiendum praelatum (S. 4751) entlehnt, 

2) Robert Bootz (1685—1730). 

^) Pommern ward 1303 dem Kloster H. inkorporiert (Schorn, Eiflia 
Sacra I 676). 

*) Briedel. — Vgl. SW. von Br. oben S. 186. 


272 Erzdiözese Trier. Nr. 129. 

pröcessio synodalium et parochianorum ex more loci ordinata cum 
cruce procedit illi obviam usque ad portam coeraiterii vel aedium 
et cum Ordinarius advenerit, reverendus d. pastor eius loci indutus 
superpelliceo et stola offert venienti crucem osculandam, quam 
5 Ordinarius visitator devote osculatur; tum senior synodalis ecclesiae 
seu maiorem dignitatem habens detecto capite oifert illi adsper- 
sorium cum aqua benedicta; quod visitator accipiens aspergit imo 
seipsum et alios circumstantes. Deinde procedunt circumeundo 
per coemiterium et ecclesiam ad altare malus, ecclesiae et ibi ante 

10 infimum gradum altaris procumbit in terram et super tapetem stratam 
orat devote; Interim chorus cantat canticum „Benedictus" in 6*°tono 
vel responsoria „Sint lumbi" et quibus finitis visitator surgens 
ascendit ad altare malus osculaturque illud in medio et ibidem 
versus ad populum proponit populo causas adventus sui, quia 

lösacri canones et ordo ecclesiasticus hoc fieri praecipiunt propter 
multa : 

Primo ut sciat et videat qualiter ecclesia ipsa spiritualiter et 
temporaliter gubernetur; quomodo se habeat in ornamentis; qualiter 
ibi ecclesiastica sacramenta ministrantur et divina officia peragun- 

20tur; quäle servitium ibi impenditur; qualis sit vita ministrorum 
et populi ; ut ex officio inquisitionis suae per se, si qua in praemissis 
corrigenda fuerint, corrigantur et emendentur. 

Secundo ad adulteria, fornicationes, sacrilegia, divinationes et 
similia publica in populo punienda ostendens diligenter quam 

25damnabilia et detestanda sunt ipsa crimina. 

Tertio inducit diligenter populum ad poenitentiam et instruit 
in ecclesiasticis sacramentis et in articulis fidei et qualiter debeant 
declinare a malo et facere bonum, fugere vitia et sectari virtutes, 
alteri non facere, quod sibi fieri nolunt. 

30 Quarto ad absolvendas animas defunctorum absoluta visitatione 
populum hortari. 

[2] His expletis d. visitator praeparat se ad sacrificium missae 
peragendum vel curat per alium ad invocandum s. Spiritus gratiam 
celebrari, ut cum fructu ad promovendum honorem dei et animarum 

35salutem praesens visitatio succedat. 

[3] Finito sacro unus Ordinarius visitator in medio chori indutus 
superpelliceo et stola incipit visitationem suam ab explicatione 
mysteriorum circa ista instrumenta ante se in mensa posita, de 
quibus psalmista David ps. 88 ait: Visitabo in virga iniquitates 

40 eorum et in verberibus peccata eorum ; misericordiam autem meam 
non dispergam ab eo neque nocebo ei in veritate mea: Ich will 
ihr übertrettung mit der ruthen heimbsuchen und mit schlegen ihre 
missethath, aber mein barmherzigkeit will nit vor ihm thun und 
will ihm nit schaden in meiner warheit^). 


1) Ps. 88, 33. 34. 


Nr. 129. Pommern. , 273 

: Visitare idem est ac circumire ad videndum: unde visitatio 
est. quaedam licita generalis inquisitio de vita et moribus subdi- # 
tomöi; sie eam definit Joannes Franciscus Pavinus '). Sed quibus 
instrumentis est visitandura?.In virga et verberibus peccata eorum. 
Aber es gebraucht unsere geistliche mutter, die catholische kirch, 5 
noch' dieselbige barmherzigkeit gegen ihre kinder, welche Jessus 
erzeigt Jois. 8 c. der ehebrecherin dicens: Nee ego te condemnabo; 
vade et'iam amplius noli peccare^). Applica historiara. Es pflegt 
die christliche catholische kirch bey celebrirung des h. sehends 
neben dem .messenbuch und kerzen auch eine seh eher und kambio 
und ruth auf den tisch zu legen. Wass nun deren bedeutung ist 
und warumb selbige vorgezeugt werden, will ich kurzlich anzeigen 
und auslegen. 

Die scheher und kamb bedeuten nichts anders als.dass die- 
jenige, welche sträflich erfunden werden, alle über einen kamb 15 
sollen geschoren werden^) ohne ansehung der person; da muss 
man keine gunst, freund-, verwandt- oder gevatterschaft ansehen, 
sondern rieht durchgehen;, welches die sehndschefen woll sollen 
betrachten und ihn obacht nehmen und bey ihren geleisten eyds- 
pfliehten einen sowohl als den andern, welchen sie bruchtig wissen, 20 
rüegen und bey dem h. sehend anbringen und derenthalben keine 
mag- und freundschafft ansehen, damit die ehr gottes dardurch be- 
fördert und die unducht gebessert und gestraft werde. Dan gott 
will nit haben, dass man solte ein ansehen der person haben und 
der etwas wissentlich oder vorsetzlich verschweigen solte, wass 25 
gegen gottes ehr und die christliche kirch were, der muss die 
sünd und die schuld des ubertretters auf sich tragen und bey gott 
schwerlich verantworten. Ebener gestalt soll man auch nicht mehr 
fürbringen als man wohl weiss, was geschehen sey ; auch solle man 
keinen aus haass oder neyd verklagen^ dan dieses wäre eine 30 
grosse sünd. 

Anlangend die ruth und was ihre bedeutnuss ist. Die ruth 
bedeutet die excommunication und den geistlichen bahnd, davon 
der h. apostel redet, da er spricht 1 Corr. 4: „Sihet zu, dass ich 
nit mit der ruthen zu euch komme"*). Die ruth aber ist nichstsö 
anders als die exkommunication oder der geistliche bahnd. Unsere 
mutter, die römische kirch, hatt eine zusahmen gebunden streich- 
ruth vor ihre halstarrige, unerzogene kinder und wie eine natür- 
liche leibliche mutter ihre kinder ungern geisselt, sondern zuvor 
alle mittel an die hand nimbt und versucht, ob das kind ungestriechen 40 
gut will thun; da aber ein i solches nit geschehen kan, so muss 


^) Johannes Franciscus Pavinus, Kanonist, gest. gegen Ende des 15. Jahrh., 
schrieb unter anderm: Tract. de visitatione episcoporum, auch Pastoralis genannt 
(Schulte, Quellen II [1877] 331 f.)- 

') Joh. 8, 11. 

^) Vgl. oben S. 257 n. 

^) 1 Cor. 4, 21. 

Koeniger, Sendquellen. 18 


2!74 Erzdiözese Trier. ,N.r. J29. 

sie die ruth gegen ihren . willen gebrauchen. Also gebraucht auch 
die kirch gottes die excommunication und den geistlichen band, er- 
mahnet zuvor oft und vielmahl die halsstahrige bahnmässige sünder, 
dass sie wollen von ihren, ofentlichen Sünden und lästern abstehen, 
5 damit die kirch nit verursacht werde mit der scharfen rnthen, der 
excommunication, darin zu schlagen; dan dies ist das letzte, und 
eusserste mittel den gehorsam und kirch endisciplin zu erhalten, 
und wie man die kinder vor verzweifelte kinder haltet, welche nach 
keiner ruthen fragen, also ist auch denen menschen weder zu 

lOrathen noch zu helfen, welche nach der excommunication und bahn 
nichst fragen und sich nit besseren, da er. doch umb der besserung 
halben angesetzt -und. verordnet worden, . in massen die ruthen 
auch den kindern nit zu ihrem verderben, sondern zu ihrem besten, 
zuch und ehrbarkeit verordnet und gebraucht werden. Wan dan 

15 die excommunication und bahn an den. halsstarrigen, ofenbahren 
Sündern nichst verfangen und helfen will, also dan gebraucht die 
geistliche obrigkeit ihr geistliches seh wert, zu massen auch die 
weltliche obrigkeit gegen alle malefltzpersönen und ubeltetter ge- 
brauchen thut, schneidt solche excommunicirte und verbaute, sünder 

20 von der kircheii, als allermassen ein wundarz ein faules glied dem 
menschen den leib abschneidet, dass der. leib und andere glieder 
bey der gesundheit erhalten werden und bleiben mögen und giebt 
solche dem bössen feind, damit die seell allzeit noch möge sehelig 
werden, in massen der heilig apostel Paulus ein solches gethan, 

'25 wie ein solches klährlich zu sehen 1 Cor. 6 cap. 

[3] Was die stein betrift, so auf den. tisch gelegt und vorgezeigt 
werden, bedeuten, dafern einer oder ander, da gott vorseihe, über- 
schritten und die ehe gebrochen hetten und darüber were gefunden, 
gesehen, ergreifen und erdapt worden, gebürth demselben wohl 

30 und von rechts wegen nach laut dx3r h. schrift, dass sie gesteiniget 
würden^); die weil aber die kirch gottes, so barmherzig, keine stief- 
sondern eine wahre mutter, so gebraucht sie mittel eines mütter- 
lichen herzens, damit ihre kinder mögen leben. 

[4] Deinde d. Ordinarius visitator alloquitur dnos. synodales 

35 et parochianos sub fide ad subsequentia : 

Ich ermahne euch, ihr sendschefen, mit den eydeu,. die ihr 
gott und der christlichen kirchen und mir als pastori vestro (ge- 
schworen) und mahne euch samptliche pfarkinder bey eweren christ- 
lichen trewen, die ihr an dem h. tauf empfangen habt, dass ihr 

40 alles wollet vorbringen, was wieder gott und wieder die h. christ- 
liche kirch ist; benebens ermahne ich euch bey ewerem eyd, christ- 
lichen trew und huldigung, mich auf diese hernach benante arti- 
culen und fragstück zu beantworten, wie in der agend verzeich- 
net seint. 

45 [5] Hie per unum ex assistentibus ministris quaestiones in 


») Lev. 20, 10 (vgl. 20, 2). 


,Nr; 129. ' Pommern. 275 

.publica ;synodo. cöräm populo proponendas synodalibus curat ex 
libro vulgo agenda praelegi^); inde quaerulas, si quae sunt, audit 
examinandas et corrigendas; ulterius alia proponenda et respondenda 
subseqijuntur. 

, ■ [Hier folgt die Aufzählung der Altäre in Pommern, ihrer 5 
Titel .und der auf ihnen ruhenden Messstiftungen ,• sodann] 

[6] Haec ecclesia parochialis in Pommern nullas habet filiales 
ecclesias. Synodales habet Septem, modo 1687 adhuc viventes: 
Theiss Ringh von KaylP),- Joannes Miessen, Ewerhardus Booss, 
Joannes Klein, praetor liberi baronis de Petra ^), Maternus ITarci, 10 
praetor Eminentissimi, Bartholomäus Stefess und Jacob Stein von 
Frieden*). 

[7] Circa synodales prima quaestio: an omnes synodales sint 
praesentes et eorum numerus completus. Synodales eliguntur a v. 
vicepastore et synodalibus et conflrmantur a reverendissimo d. 15 
abbate Himraenrodeusi. An omnes parochiani sint in synodo, prae- 
sentes ; qui admonendi, ut omnes usque ad finem perseverent. 
Chori aedificium parochialis ecclesia ex suis reditibus in suo esse 
conservare debet. Corpus seu navim ecclesiae omnes. decimatores 
simul conservare obligantur. Turrim communitas Pommerana in 20 
suo aedificio .conservare tenetur.. Synodales ex mulcta pecuniae 
recipiunt tertiam partem, ex mulcta cerae nihil. Ecclesia Pomme- 
rana ex reditibus suis lampadem ante Venerabile conservare tene- 
.tur, sed deficientibus , raediis iuxta ultima statuta communitas ob- 
ligatur. 25 

[8] Unus Ordinarius visitator iriterrogat synodales, cui illo 
anno s. synodum adiudicant. Synodales respondent, quod primus 
annus reverendissimo archiepiscopo, secundus (qui bissextili ob- 
servatur) uno archidiacono ^), tertius reverendissimo d. praelato 
Himmenrodensi ut perpetuo pastori, quartus d. decano rurali ins 30 
sanctae synodi exercendae legitime competat sie, ut infra festum 
Lucae evangelistae et Matthiae apostoli ^) omnia de uno anno com- 
pleantur. 

[9] Sacrosäncta synodus seraper per sex hebdomadas et tres 
dies ante celebrationem est denuntianda, ut omnes synodales et 35 
parochiani in ea compareant. 

: [10] .Reyerendissimus d. praelatus Himmenrodensis in Pommern 
et Prindell habet synodum celebrandam de 4*° in 4*"^" annum. 

[11] His peractis et dictis unus visitator incipit visitationem 


') Trierer Agende von 1574 fol. 223—226. 
^) Kall, nordw. von Pommern. ' 

') Frh. V. Stein zu Nassau, der in der Nähe begütert war (vgl. Fabricius, 
Erläuterungen S. 530). -' 

*) ßrieden, nördl. von Pommern. 
^) Pommern gehörte zum Archidiakonat Karden. 
") Vgl. dieselbe Zeitbestimmung auch oben bei Ediger S. 189^. 

18* 


276 Erzdiözese Trier. Nr. 129. 

a sanctissima eucharistia ad baptisterium, inde ad säiicta ölea, 
ad sacras reliquias, tum ad altaria et capellas et sacräs imagines; 
item ad sacristiam et coemiterium se confert, post ad aedes paro- 
chiales, confraternitates et alia loca pia. Tum de conversatione 
Scleri et populi ac qualiter spiritualia et temporalia in ipsa "iecblesia 
ministrentur et de libris ac ornamentis diligenter de piano inquirit. 
[12] Peracta demum visitatione illius loci et omnibus eixpeditis 
disponat; quae sunt observanda et corrigenda. Sic ad effectum 
consequendum unus visitator ante altare flexis genibus procumbat 

10 cum ministris orans psalmum „Deus misereatur nostri"^) etc. usque 
in finem, kyrie eleyson, christe eleyson, kyrie etc., Pater noster etc. 
Et ne nos inducas etc. V. Peccavimus cum patribus nostris, R. In- 
iusta egimus, iniquitateni fecimus. V. Ostende nobis, Domine, 
faciem tuam. E. Et misericordiam tuam da nobis. V. Domine, 

isnon secundum peccata nostra facias nobis. R. Neque secundum 
iniquitates nostras retribuas nobis. V. Domine, exaudi orationem 
meam. R. Et clamor meus ad te veniat. Oreraus. Praetende, 
domine, famulis sed fidelibus tuis dexteram coelestis auxilii, ut te 
toto corde perquirant et^ quae digni postulaut, assequantur. Per 

20d. n. Amen. 

[13] Finita hac coUecta unus Ordinarius visitator in media 

chori indutus superpellicio et assumpta stola nigra dicit cum 

ministris psalmum 129 „De profundis" etc.; quo dicto dicit et 

addit kyerie eleison, christe eleison, kyrie eleison; Pater noster; 

25 Et ne nos. Coli, : Deus, qui inter apostolicos sacerdotes etc. 

[14] Dein de aqua benedicta, thuriferario, cruce et clero prae- 
cedentibus et cantantibus responsorium „Libera me de morte 
aeterna" etc. unus Ordinarius visitator exit ad coemiterium usque 
ad ossarium; Interim cantans responsoria in fine repetitur respon- 
se sorium „Libera me domine". Responsorio repetito cliorus cautat 
chyrie eleison etc.; unus visitator. conveuienti voce dicit „Pater 
noster" ad finem, deinde aspergit et incensat ossa in ossario col- 
lecta; quo facto dicit: „Et ne nos" etc.; a porta inferi etc.; requies- 
cant in pace et sequentia : Oreraus. Deus, qui inter apostolicos 
35 sacerdotes famulos tuos sacerdotes etc. Deus, veniae largitor et 
liumanae salutis amator, quaesumus etc. Deus, cuius miseratione; 
Auimae fidelium requiescant etc. In, fine additur „Requiescant in 
pace". Amen. 

II. 

40 Prothocollum visitationis synodalis institutae per reverendis- 
siraura dominum Robertura abbatem Himmenrodensera tanquam 
pastorem in Pommeren 1687 octavo Decembris ipso immaculatae 
conceptionis festo die. 

') Ps. 66. 


Nr. 129. Pommern. 277 

. [1] Reverendissimus dominus mane circa octavam a synodalibus 
ut pastor. agnitüs et ab ipsis ad ecclesiara deductus oblato sibi 
aspergillo primo seipsum, dein alios aspergens processit ad raajus 
altare et cantato: „Veni s. Spiritus" s'ubjunxit: Pater noster. V. Et 
ne nos inducas in tentationera. V. Salvos fac servos tuos R. Deus 5 
Qieus sperantes in te. V. Mitte eis, Domine, auxilium de saneto 
R. Et de Sign tuere eos. V. Esto nobis, Domine, turris fortitu- 
dinis R.,A facie inimici.- V. Domine Deus virtutum, converte nos 
R. Et ostende faciem tuam. V. Domine, exaudi orationem meam 
R. Et clamor mens ad te veniat. V. Dominus vobiscum. — 10 
Oremus. Pr^aetende, domine, fidelibus tuis dexteram coelestis auxilii, 
ut te toto corde perquirant et, quae digni postulant, consequi mere- 
antur. — Actiones nostras, quaesumus Domine, aspirando praeveni 
et adjuvando prosequere, ut cuncta nostra oratio et operatio a te 
semper incipiat et per te coepta finiatur. — Deus qui corda fide-l5 
lium s. Spiritus illustratione docuisti, da nobis in eodem Spiritu 
recta sapere et eiusdem semper consolatione gaudere. Per Chr. 
R. Amen. 

[2] Orationibus absolutis et oratis secreto Pater et Ave causam 
adventus sui Rmus. hoc vel simili mode denunciavit. 20 

Demnach bey. antrettung der abteylichen würde zugleich die 
Verwaltung dieser pfarrkirchen und folglich auch die sehlsorg aller 
derro einverleibten pfarrkinderen auf- und annehmen müssen, wie 
allen ohne zweifei genugsam bekant sein würd, so werden wir 
auch hingegen dieser unserer pfarrkinder und anbefohlenen schaff- 25 
lein einsmahlen genaue rechnung abstatten müssen; weilen wir aber 
dieser unserer obliegender sehlsorg und Verwaltung durch uns 
seihten, wie wir etwa gern thuen weiten, nicht abwarthen können, 
so müssen wir solche Verwaltung und sehlsorg unserem vicario 
und zur zeit verordnetem Statthalter überlassen, der gänzlichen 30 
hoffnung und zueversicht, es werde derselbig sein ihme von uns 
aufgetragenes ampt nach möglichkeit verwalten und denen ihme 
bis dahin anvertrauten schien dergestalten vorgestanden haben, 
dass wir uns vorm höchsten richterstuhl gottes diessfals keines 
verweis zu besorgen. 35 

Weilen nun aber aus blödigkeit unser verderbten natur bald 
dieser, bald jener mangel einschleicht, annebens aber auch einem 
guten hirten zue stehet über seine herde eine fleissige obsicht 
tragen und diesselbe mehrraahlen vel per se vel per alios visitiren 
und besuchen, gleich wie der fromme alte patriarch Jacob den un- 40 
schuldigen Joseph geschickt hat (Gen. 37), umb zu schawen, si 
cuncta prospera essent circa fratres et pecora, obs wohl stünde 
umb seine brüder und das viehe, so sie hüteten, eben also seind 
wir auch kommen umb zu sehen, wie es stehe umb die hirten und 
die schaff. 45 

Wir seind kommen, gleich wie unsere vorfahrer seligsten 
andenkens von mehr dan 200 jähren herro hierzue berechtigt ge- 


278 Erzdiözese Trier. Nr. ; 129.. 

wesen':), umb ■ zu sehen, wie es hieselbsten; zugehe, .ob der,' hirth 
seinem ambt genug thue, seine schäälein geistlicher weys wjayde; 
und die schätlein hie wiederumb dem hirten folgen;, wir seind; 
kommen zu sehen, ob der gottesdienst der gebühr nach gehalten,, 
5 das bösse gebührend abgestraft, und' dem guten mit allem fleiss 
nachgestrebt werde. ■ • 

[3] Ehe und bevor wir aber diesser unserer Visitation und 
Sendbesitzung ein anfang machen, müssen • wir uns über ein oder 
anderes durch folgende fragstück informiren: 
10 1. Wer da sye der führnembste patroiius dieser pfarrkirchen 
und wer dero rechtmässiger collator? — Resp. pro 1°: S. Stepha- 
nus, pro 2°: Abbas Himmenrodensis. 

2. Wieviel seind altariahiesselbst und weme die Provision' 
derren zustehe? — Resp. : Quatuor, scilicet summum s. Stephani, 

15 2. s. Crucis 3. B. M. V. 4. s. Nicolai, quorum provisio competit 
abbatiae Himraenrodensi. 

3. Wieviehl seind sendscheifen und von weme dieselbe auf- 
und angenommen werden? — Resp.: Septem*) et ab abbat© 
Himmenrodensi omnes admittendi. 

20 4 Wer den kirchenbaw daselbst thun müsse et quomodo? — •' 
Resp.: Turrim ecclesia; corpus seu navira decimatores. 

5. Seind dan alle sendscheifen gegenwertig? — Resp.: Ita.* 

6. Seind auch alle pfarrkinder gegenwärtig? Qui admoniti, ut 
raanerent ad flnem usque huius actus ad singula attendentes, 

25 7. Ob die sendscheifen einem zeitlichen h. prelaten zu Himmen- 
rodt als pastori perpetuo diesen send zue besitzen gestatten und 
zuerkennen? — Resp.: Ita. Nam iuxta documenta nostraeidem 
competit de quarto in quartum annum synodum celebrare sicut 
infra festa ss. Lucae evangelistae et Matthiae apostoli omnia 

30 compleantur, uti et patet ex commissione d. Joannis de s. Vito,; 
abbatis Himmenrodensis, emanata anno 1482, 20. octobris et in 
iine huius adiunctum est 2). 

[4] Antiquitus synodus denuncianda erat sex hebdomadabus 
et tribus diebus ante celebrationem, ut synodus et parochiani sat 
35tempestive convenire possent; sed cum consuetudö contrarium 
teneat, sufflcit aliquot diebus ante denunciare, intra quod tempus 
omnes sat commode adesse possunt. Ideo etiam antiquitus inter- 
rogari solebat, num presens synodus sat tempestive dennnciata 
fuerit. Hisce peractis subiuuxit reverendissimus dominus : 


a) C ; 3 synodales, 4 deficiunt. 


... 1) Vgl. oben S. 2,7P. 

^) Danach überträgt Abt Johann (VIL von St. Vith) von Himmerode dem 
Kanonikus des KoUegiatkapitels Karden, Johann Bechel, stellvertretungsweise ad 
praesens die Abhaltung des Sends, da er, utilitatibus et curis monast'erii, ver- 
hindert sei, ^ • . ' 


Nr. 129. Pommern. 279 

Damit nun gegenwärtiger synodus ZU grosserer ehren gottes, 
zu geistlicher auferbawung und unserer, sehlen heyL möge an- 
giefangen und vollendet werden, so wollen wir unter diesem h. iness- 
opfer die gnade und einsprechung des h. geistes durch unser all- 
gemein gebett anflehen und ernstlich erbitten. 5 

-, [5] Missaper ipsum reverendissimum dominum celebrata hoc 
fere modo locutus est: 

Man pflegt wohl bey ■ besitzung des h. sends nebent dem 
messenbuch und kerzen auch eine scheer, kamb und ruth vor- 
zuzeigen. Weilen, wir .aber nit hoffen, dass wir vor dassmahlenio 
solcher instrumenten werden vonnöthen haben, wir auch vors erste 
mahl nit in der strenge zu euch kommen, so wollen wir wenigst 
alsolcher instrumenten bedeutung in einem oder anderen kürzlich 
erklären^). 

[6] Post haec subiunxit sequentia: 15 

Demnach so gebiethen wir euch sambtlichen sendscheffen bey 
dem ayd, welchen ihr gott, der h. kirchen und uns als ewerem 
pastori perpetuo aagelobet, wie wir dan auch sambtliche pfarr- 
kinder bey eweren christlichen trewen ermahnen, alles dasjenige 
vorzupringen, was euch wissig ist wieder gott und die christliche 20 
catholische kirch zu sein; dess wegen sollet ihr uns diese hiernach 
benente articulen und fragstück trewlich beantworten und noch- 
mahlen ohne ansehung der Personen, ohne einigen, hass und neyd 
vorbringen^, was zu verbessern sein wird. 

[7] Hie propositae . et lectae sunt quaestiones ex agenda, 25 
quibus ex ordine lectis iterum has. interrogationes subiunxit: 

Erstlich begehre ich auch von euch zu wissen, ob das hoch- 
wurdigst sacramenttag und nacht beleuchtet werde und verwahrt seye, 
wie sichs gebührt? — ob der h. tauf ebenmässig verschlossen und 
wohl .verwahrt seye? — ob der zierratt der kirchen wohl ver-30 
wahrt und sauber gehalten werde? 

Item ob der gottesdienst mit messopfer, predigen, christlicher 
lehr etc. zu gebührender zeit wohl gehalten werde? . 

[8] Postmodum reverendissimus dominus visitavit baptisterium, 
dein tabernaculum sanctissimi sacramenti; quo inspecto omnibus35 
benedictionem dedit et deinde vocatis ad sacristiam sinodalibus 
aliisque abire iussis ipsam sacristiam ac sacras vestes, demum , 
ipsis comitantibus coemiterium et calvariura^) orando ibidem psal- 
mum „De profundis"; visitavit. Et sic-finito hoc actu visitationis 
citati sunt synodales a saepedicto reverendissimo domino meo, ut40 
eorum, qiiae pro animarum salute et domus dei decore necessario 
insinuanda essent ipsisque ex officio observanda, agenda et prestanda 
subiacerent; commonerentur. 


M Die nun' folgende Erklärung der Sendzeichen schliesst sich in der Haupt- 
sache an den voraufgehenden Ordo an, ist jedoch kürzer gehalten. 
^) ßeinhaus, Kerner, 


280 Erzdiözese Trier. Nr. 130 

[9] Sicque hora constituta a prandio comparentes syuodales 

et denuo obligationis suae commonefacti tres personas denuntiarunt, 

qui citati comparuerunt et imposita dnobus prioribus salutari poeni- 

tentia^ tertio vero mulcta pecuniaria cum sponsione emendationis 

5 dimissi fuerunt. Actum ut in fronte. 

Haec ex mandato reverendissimi saepe- 
memorati domini mei contuli ; 
Kraper, secr. 

130. Sendprotokolle von Prüm. 

18, und 19. Jahrh. 
Prüm, St. Rheinpr., Kr. Prüm. 

Nachstehende 3 Beispiele sind entnommen dem „Sendprotokollbuch" des 
PfA. Prüm'). 

Ungedruckt. 

I. 

Sontag den 8*®" martii 17B3 praesentibus amplissimo domino 
lOdecano, rev. d. pastore, synodalibus Euland, Viti jun. et Caster. 
[1] Güster referirt, dass diejenige, welche an kirchenbuss 
restieren, anermahnt habe, selbige zu zahlen oder praevia requi- 
sitione der weltlicher obrigkeit der execntion ge wertig zu sein. 
[2] H. dechant referiert, dass schon ein ambtliches executions- 
isbefehl erhalten und solches dem ambtsbotten gegeben habe. 

[3] Der custer referirt, dass nochmahlen der Schmit jung das 
decretum de 7. aprilis praet. in feste Mathiae insinuiert habe, 
auch die übrige zunften zur rechnung anermahnt. 

[4] Ist praesentirt worden des Hans Moritzen Brandscheid 
20 s. Eligii bruderschafftsrechnung de anno 1728 et 1729. 

[5] Resp.: h. dechant solle selbige examinieren und mit Zu- 
ziehung zweyer sendscheffen abhören. 

[6] Item ist praesentirt worden eine rechnung wegen der 
wullenweberzunft, worauf resolvirt wie oben. 
25 [7] Ist vorkommen, dass Anton Giver, als h. dechant ihme 
die den 4. maii letzthin andictirte kirchenbuss abgefordert, selbiger 
ihme ongebührlich geantwortet. 

Resp.: solle zur kirchenbuss geben neben obiger straff ^4 ^ 
wachs. 
30 [8] Ist Joanes Spor citirt worden, die den 22. februar letzt- 
hin ihme andictirte kirchenbuss zu zahlen. Citatus erscheinend 
, erklohret sich, dass sich hierzu keineswegs verstehen wolle. 

Resp.: dass man ein solches zur hoher geistlicher obrigkeit 

referiren wolle cum protestatione, dass das send über den schaden, 

35 so dem flecken dadurch zuwachsen könte, kein theil haben wolle 

idque notificiret h. oberscholtheissen in dem gericht, derentwegen 

die commission h. dechant auf sich genomen. Ita act. ut supra. 

H. Stoll, decanus qua praeses. 

1) Dort SPr. im ganzen von 1729—1827 (nicht bis 1770 wie bei Krude- 
wig III 172 steht). 


Nr. 131. Sabershausen. 281 

IL 

Prüm, bey sitzendem Send, den 22. April 1792. 

Praesidentibus synodalibus Jobannis Caspar Koch; Antonii 
Koch; Joannis Kreusch et Nicolai Georgii Ratkopp, 

Wurde nichts erhebliches veranzeiget. Nächsten sendtag sollen 5 
beycitirt werden wittib Caster tochter und Peter Mathoni. 

III. 

Synodalbesitzung vom 11, März 1827. 

Waren gegenwärtig die h. synodalen Johannes Hofteld, Job. 
Conrad Hillesheim, Peter Gabry, Johann Pryon, Carl Castor, Bene- 10 
dictus Koch. — Jacob Theves. 

In dieser Sitzung wurde die kirchenordnung vom 12. dezember 
1826 vorgelesen und. die synodalen neuerdings darauf zu halten 
vorgelesen 'i). 

Jacobus Theves stund wegen gewissen Ursachen an, von 15 
seinen diensten entlassen zu werden, weil er seinem amte nicht 
gewachsen wäre. 

In dieser Sitzung wurde beschlossen, dass noch zwei synodalen 
sollten gewählet werden. Auch soll eine neue Ordnung für die 
Prozessionen gemacht werden ^j. 20 

131. Sendweistum von Sabershausen. 

1538 Jan 30. 

Sabershausen, Df. Rheinpr., Kr. Simmern. 

Orig.-Ürk., Perg. mit Signet, StA. Koblenz, Knrtrier, Dorf Sabershausen 
VII 267.a (A). 

Ungedruckt, — Der stückwjeise und lückenhafte Abdruck bei Grimm 
VI 483 ^ß) ist sehr fehlerhaft. — Im Kardener Sendregister von 1475 ein Aus- 
zug unter Nr, 21 (C). 

In nomine domini. Amen. Presentis publici instruraenti teuere 
cunctis idipsum intuentibus innotescat et sit manifestum, quod anno 
eiusdem miilesimo quingentesimo tricesimo septimo iuxta modum 
scribendi in civitate et diocesi Treverensi die Jovis post festum 
domini Valerii ^), tricesima mensis Januarii, horas infra decimam et 25 
undecimam ante meridiem, indictione undecima, pontificatus sanctis- 
simi in Christo patris et domini nostri domini Pauli , pape tertii, 
anno eius quarto, ego notarius infrascriptus per venerabilem dominum 
Jacobum Valney, canonicum ecclesie sancti Castoris in Cardovia tunc 
temporis eiusdem ecclesie presentiarium nomine venerabilium domi- 30 
norum Cardonensium debita cum instantia requisitus, quatenus una- 
cum eo villam Sabershussen adirem necnon sacrosancte sinodus(!) 

a) Soll wohl heissen: ermahnt. 

b) Folgen die Unterschriften der Sendschöffen mit Ausnahme des letzt- 
genannten. 

1) Jan. 31. 


282 Erzdiözese Trier. Nr. 131. 

ibidem ex parte et nomine iamdictorum venerabilum dominorum 
Cardonensium . observande interessem, decretüm sinodaliam juraque 
ipsorum dominorum predictorum ibidem promulgenda calamo con- 
cipere fideliterque literis demandarem. Exinde die et hora suprä- 
ödictis per me notarium infrascriptum coräm testibus infrasqriptis 
ex parte sepedictorumidöminorum Cardonensium requisiti 'Sinodales: 
[1] Wir abe es von zeit, tags und stunnd sey myn wyrdigen 
herrn zu Garden den heyligen send zu besitzen und wem sy den 
heutzutag zuwyssen und abe disr auch wye recht verkündiget sye. 

10 -r- Ad hec respondentes dixerunt: Daz- der heylige send sy als 
recht verkündiget; es dunke sy.guet zeyt syn, den zubesitzen und 
wyssen denn jets zur zytt mynem herrn zu Garden. 

[2], Deinde ulterius; quesitum est, quod latius sit procedendum, 
quo sacrosancte. sinodo rite ac debite satisfiat— : Qui responderunt: 

15 Wir man sult dem heiligen send ban und frieden thun. . .. 

[3] Quo etiam, ut moris est, pacto latius quesitum iustitia 
mediante sit nlterius procedendum. — Qui. responderunt: Wir man 
sulle dye manungen thun. 

[4] Moniti igitur sunt per me notarium infrascriptum primo 

20sihodales, deinde vicini per eorum hincinde, sancta (!) sinodo sacro- 
sancteque ecclesie prestita iuramenta,' ut mediantibus illis decernant 
aperiantque, quenam iura ibidem concernant antedictos dominos 
quidve iuris in ecclesia Sabershussen et ibidem . ratione eiusdem 
habere dinoscantur exprimant. 

25 [5] Qui quidem deliberatione desuper petita et obtenta exeuntes 
reversi pronuntiarunt in hunc modum: 

[a] Wir^) item zum irsten wysen: so wanne man den send 
besitzen wyll, so sali der herre laessei> wyssen, zu welchem falder^) 
er in wilt koemen ; da sallen ime koemen drey sendscheffen ent- 

30 gegen ; dye sullen ine geleyden uff den wedemhoif ; do sali breugen 
der sendheren an synem sädelbaUm vur zween albus wyssbrot 
und ;eyn half virtel wyns; das sali der senndscheffen syn. Do sali 
er fynden eyn fuyr sunder rauch und eynen wainfalP) holz, half 
gruen, half duerre, nyt under der stoirren^) nyt droeben. Do sali 

35 er auch, fynden vur eynen penink. salz, vur eynen pennink pfeffer, 
vur eynen pennink gyennver*), item eynen frischlink van zweyen 
penningen in Trierschem, item eyn half Bynger malder haberen, : in: 
Trierschem eyn soemeren; das sali , das pferd haben vur ruwe 
foeder. Item do sali koemen eyn clockener und sali brengen 

40 in eyner haut eyn hoen, in der ander . haut neun eilen liechz, 
daumen lank. 


a) Hier beginnt B. 


1) Falltor. 

2) Wagen voll. 

^) Ster (Holzmass). 
*) Ingwer. 


Nr,. 13.2.. ,, Schönberg. ;. 283; 

[bj Item wyssen-auch eyiiem senddecliett malder habern 

und vier albus schriffgelz vur kisten und kästen *!)! 

[c] Item weyssen auch vur rechte und wairhafftige pastores der 
kirchen zu Sabershussen dye wirdige heren des stiffts . zu Garden 
und derohalben, derwile sy ire rechte pastores syen, so verhoefften 5 
sy, das sy sallen inen geneygt syn und inen, nemblich der ge- 
meynd zu Sabershussen, an. der vurg. haberen etwas widers dann 
andere sentdechen nachlaessen sullen. , ; 

" .[d] Item, weyssen auch: so eyn sentscheffen nyt gegenwertig 
were, das der sych myt dem senddechen sulle vertragen; sunstio 
eyn burger der nyt gegenwertig were, der verwet virzehen heller.. 
Und wess in itzunt nyt indechtig sy und nyt gewysten were, daruff 
haben sy bedacht genoebmen biss zum achtersennd^). 

[6].His quidem ut sie peractis publica protestatione super Om- 
nibus et sihgulis premissis facta ad conclusionem sancte sinodus (!), 15 
ut moris est, processum est. De et super omnibus et singulis 
predictis anteriominatus honorabilis dominus Jacobus Valney cano- 
nicus sibi npmine ecclesie Cardonensis fieri atque conficl petiit 
unum vel plura publicum seu publica instrumentum et instrumenta. 
Acta sunt hec in villa Sabershussen in ecclesia ibidem sub anno, die, 20 
mense, . hora, indictione et pöntificatu predictis presentibus ibidem 
honorabili et honesto domino Änthonio de Luytz, rectore ecclesie 
in S.abershuyssen, et Richardo Condano testibus requisitis Castoris. 
. - [Es folgt noch die Bestätigungsformel des Notars.] 

132. Kirclienweistum von Scliöiiberg. 

1562.. , 

.;Scliönberg,.Df..Eheinpr., Kr. Berukastel. 

Notarielles SW. von Schönberg v. J. 1562 in notariell bestätigter Abschr., 
Archiv.. Maxim, (des Abtes Henn) VII 56—60, Trierer StBibl. Nr. 1644 (zit: 
Verz, Rhein. Weist. 68 Nr. 911 a). 

Ungedruckt. 

Inhalt: 1' Von den Zehnten der Pfarrei Schönberg erhält der Abt "von 25 
St. Maximin bei Trier -j^, der Pfarrer '/sV 2. den Teil der Kirche zwischen dem 
Turm und dem Chor hat der Abt zu bauen und in Stand zu halten, den 
Pfarrkindern obliegt die Fubrmannspficht; 3. die Kirchengewänder hat der Abt 
nachzuschaf fen ; 4, das Ziel vieh muss 2 Jahre der Abt, 1 Jahr der Pastor halten, 
wofür sie den kleinen Zehnten erhalten; 5. Geläut und Geleucht zahlt das Kirch- 30" 
spiel,- wofür der Pfarrer 2 Wochenmessen und an Festtagen eine gesungene 
Messe.halten muss; .6., St.olarienordnung; 7. beim. Aufzug eines neuen Pfarrers 
gebührt den Seudschöffen ein Essen; 8. das Pastoratshaus baut die Gemeinde 
und unterhält der Pfarrer. 


a) 0: Ibidem cathedraticum nuUum. Item receptio apud pastorem in dotess 
cum 2^/2 equis et tot personis seil, viris; pastor faciet ipsis cenam solemnem. 
Item communit'as dabit situlam vini et medium maldrum avene mensure Binger., 
6 d. pro assatura, 1 d. pro sale, 1 pro pipere, que extendunt se ad 6 alb. Item 
campanator portabit 1 pullum et manipulum luminis et uxor sua; inde habent 
expensas cum domino sinodi. Item officium 3 hall., item communitas pro defectu 40 
ecclesie 4 nialdra ayene Trierscher maissen. 

i>) Hier endet B. 


284 Erzdiözese Ti-ier. Nr. 133. 

133. Sendweistum von Senheim. 

17. Jahrh. 2. H. 
Senlieim, Fl. Rheinpr., Kr Zell. 

Notariell beglaubigte Abschr. des 17. Jahrh. (ca. 1680), Pap. 2», StA. 
Koblenz, Urk. Kurtrier, Dorf Senheim 23 (A). 

Ungedruckt. — Ina Kardener Sendregister v. 1475 ein Auszug unter Nr 39 (B). 

[1] Item zu dem ersten weiset der Schöffen meinem gnädigen 

hern, dem chorbischoff^), einen halben sent. — Das ander jähr 

uuserm gnädigen hern von Trier einen ganzen sende. — Das dritte 

jähr dem pastor auch einen halben sent. — Das vierte jähr einer 

5 ehrsamen gemeinen. 

[2] Zum zweiten mahl soll man alle die jehnige, so darzu ge- 
höhren, darbey rufen. 

[3] Zu dem dritten mahl soll man dem heiligen send ein 
bannfriden thun. 
10 [4] Zu dem vierten mit der mahnung zu thun, alsdan der 
senddechant sein befehlen hat. 

[5] Dess erkent der sendschöffen, dass ein dechant soll zuvor 
ein des abends können reiten in meiner gnädigen hern hoff des 
thumbs zu Collen^) mit neunthalben pferd und so vill pershonen 
15 und alsdan soll ihn der hoffman ehrlich empfangen und ihme güt- 
lich thun; und alsdan so soll der klöcknern und seine hausfraw 
(kommen) und mit ihme bringen ein handvoll liehst, dünn, eilen 
lengt, und einen bahnen und alsdan soll ihme der hoffman eins 
gütlich thun und ehrlich emfangen als von alter bräuchlich»). 
20 [6j Item dess andern morgen so soll der senddechant uff 
dem hohen altar finden ligen 6 mark Cölscher Wehrung und die 
sollen vorgelegt werden durch unser gnädige hern vom thumb zu 
Golln b). 

[7] Item auch so weist der sentschöffen meinem gnädigen 
25 hern vom thumb zu Colin als vor erfpastores; dess sollen sie dar- 
stellen in dem chor an den hohen altar einen kirchhern mit allem 
zugehoer und sollen auch den chor bawen. 

[8] Auch fort so weist man ein bürd weins, da drey zepfen an 

seyen und nicht zu den grossen und auch nicht zu dem kleinesten, 

30.sonder zu dem mittelsten, noch ein Düns malter haber, einen wagen 

holz, ein punt pfefers und 12 dl. oder pfening vor brot, 18 pfening 

vor einen brodling, neunthalb uns pfening, 2 vor holz und einen 


i^) B: Ibidem receptio in curia dorainorum maioris ecclesie Coloniensis cum 
4'/o equis et tot viris et ibi faclet ipse curtarius largas expensas, quod de mane 
35 gratiarura actiones refcrant sibi. Item campanator portat pullum et lumina. 

b) B: Ibidem cathedraticura 3 Goltz mark et 3 unzen; curtarius solvit ex 
parte dominorum predictorum. 


^) Archidiakon von St. Kastor in Karden. 

-) Das Kölner Domkapitel besass das Patronat der Pfarrkirche Senheim 
(Loren zi II 472). 


Nr. 134. Senheim, Stcinsel. 285 

vor spätz holz; ob mihr etwäss vergessen; so heyssen mihr auf 
den achtersend uns zu bedenken»). — Item ein uns pfening 
malelit 5 rader heller oder 20 der pfening; solches gelt soll der 
ho'ffman darlegen wegen seiner hern. 

[9] Item so weist der sentschöffen in ein drittteil zu allen 5 
weisstümbern nnd bussen, so weit die fällig werden. 

[10] Item wie man das sendschöffenessen geben soll, zu dem 
ersten sollen die frawen mitkommen. 

134. Kirchenweistum von Steinsei. 

1641. 

Steinsei a. d. Alzette, Df. Luxemburg, K. Luxemburg; jetzt Diöz. Lu- 
xemburg. 

Orig. Perg., 52 X ^^ cm, Notariatsinstrument mit aufgedrucktem Signet, 
das den Namen des Notars Valentinus Strenge, einen sich im Spiegel be- 
trachtendeu Mann und den Spruch: ,Nosce te ipsum' zeigt; auf dem Rücken 
von gleichzeitiger Hand : Seheuderweystumb der pfahren Steinsei lö41 ; oben 
rechts ist ein Stück weggerissen (StA. Koblenz, Hgt. Luxemburg, Herrsch. 
Heisdorf, Dorf Stein sei Nr. 1). 

Ungedruckt. 

Im nameu gottes amen. Kund, oifeubar . . , || offenbares In- 
strument zu lesen vorkombt, sehen oder hoeren lesen werden . . . lo 
gebuert || unsers erlosers und seeligmachers Jesu Christi, als mau 
schriebe thausend sechs . . . greffien und || offenbaren notarien in 
beysein und gegen Wertigkeit entsbenenter glaubwürdiger . . . er- 
schienen seind || die ehrsame Brunhans Johan von Helmesingen ^), 
Johan Briefiraeyer zu Bufferdingen ^) . . . Steinsei, Meyer Johan 15 
Schröder von Hunstorf^), Meyer Arnouldt, Maximinischer meyer 
zu Hunstorf, Meyer . . . hell von Kopstel*) || Mullers Thenels von 
Hunstorf, Königs Diedrich von Helmesingen, Marquetanters Heinrich 
. . . Bufferdingen, Philips Beruald || von Heistorf^) und Mangin Ar- 
nouldt von Steinsei, alle sehendschetfen der pfahren und kirspelts ... 20 
sich vielmahl underredt, auch || durch die geystliche Obrigkeit an- 
gemahnt worden, nottig und erfordert zu sein zu vorkommung . . . 
und in particular allen kirspeltskindren den sehenderweisthums 
obg. pfahren Steinsei in schrifften verfassen zu laessen, umb sich 
zu begebenden feilen der . . . haben zu erholen und der poste-25 


a) B: Item communitas dat 6 d. pro panibus, ^/, pondus vini, ^j^ mldr. 
avene Dunsch maiss, '/g liberam (!) piperis, 3 d. pro sale, '/2 hall., spysshulz, 
item 1 brulink pro 9 d, item 1 plaustrum ligni, que orania extendunt se ad 1 fl.. 
Ibidem sunt 7 sinodales et habent terciam partem de istis iam dictis. Item 
officium 1 hall. 

1) Helmsingen; dieser und die folgenden Orte befinden sich nördlich von 
Luxemburg. 

'^) Bufferdingen. 
^) Hunsdorf. 
*) Kopstal. 
'^) Heisdoii. 


28.6 " Erzdiözese Trier. Nri 134. 

ntet zu thieneii;' demezuvolg sie sich || dari auch zu ünderschied- 
lichen mahlen uud zeiten iu, dero versämblungen eine die andere, 
wie sie dessen von ; ihren vorfahren in officio erlernt und under^ 
wiesen, fleyssig erinnert und.letzlich die hernach folgende puncten 
5und axticulen, als vor den rechten und wahren sehenderweisthumb 
der pfahren und :kirspelts Steinsei erkent und erklehrt- wie sie 
dan hiemit erkennen und erklehren thuen mit instendtlicher pitt 
und begeren, was sie also aussagen und erklahren wüi'd'en, solches 
von ihnen, anzuhoeren, in schrifften zu verfassen und folgen ds 
10 eins oder mehr instrumentum aut instrumenta darüber zu ver- 
fertigen uiid ihnen under meiner handünderschi^ifft mitzutheilen ; 
haben also (den namen gottes zu forderst und der vorbitt ihres 
patroners, des apostels s. Petri anruffend) einraUndig durch mund 
eheg. Brunhans Johan von Helmesingen erkant, 
15 [1] erstlich zwar, dass die pfar-'und kirspeltskinder zu Steinsei 
schuldig und verpflicht seind, ein haus, do keins vorhanden, dem 
pastorn zu stellen und bauwen zu laessen mit sollichem begriff, 
dass darin eine schreib- und schlaffkammer seyen, sodan eine 
kuchen und stallung vor ein pferd, und wen das kirspelt dem 
20 pastorn das. haus einmahl geliebert, ist derselb schuldig, solches 
in gebeuwe zu underhalten ohne zuthun des, kirspelts. 

[2] Item erkennen, dass ein pastor macht hat, drey oder vier 
,hund, auch so viel haasengahr zu halten, . umb damit zu jagen 
und zu hetschen, aber nicht zu lauren und dass, so weyt und 
25 breyt des kirspelts ban und büschen sich erstrecken. 

[3] Item dass ein pastor macht hat, ein vogel uf der band 
zu fuhren gleich einem von adel, 

[4] Item erkennen, dass er in des landfursten strume mit 

gahren und kahren^) fischen mag. 

30. [5] Item erkennen, dass ermelter pastor haben und halten 

, mag vier stuck rindviehes, vier, schaaf und vier seh wein und 

das frey des houtte- und hirtenlohns; und do derselb deren über 

yetztg. anzahl halten wollte oder wurde, dass er schuldig ist die 

houtte darvon zu thun und hirtenlohn zu bezahlen gleich andern 

35nachbren, auch sich in dem fall mit ihnen zu vergleichen. 

[6] Item erkennen, dass er ein pferd halten mag, , um sich 
dessen zur notturft zu gebrauchen, sonderlich aber hien und wieder 
in die dorfer zu reyten und den . pfahrkindren die h. sacramenta 
,zu reichen, welches pferd er in die Steinseier banweith zu kehren 
40mächt hat, ohne dennachbren weder am werk,- flachs, pferdfruchten 
noch dergleichen eynichen schaden zu zufuegen. 

[7] Item dass er uff dem kirchhoff zu krauten- hat, ohne 
gleichwoll eynichs :viehe daruff zu dryben,- und wen : solches be- 
schicht, wird derselb der wegen angesehen und muss, etw;as zu 
45 nutz der kirchen bezahlen dem verbrach und gelegenheit noch. 


^) Mit Angel und Korb. 


Nf. 134. . • ■ Steinsei. ' .281 

.. .;; [8] Soviel des pastorn :brenhölz betrifft, erkennen,' dass der- 
selb schuldig seye^ wen erdessen bedürftig-, die geraeind drum 
anzusprechen, die ihme. dessen aus dero buschen gestatten und 
folgen müssen laesseu, soviel er dessen zu behub seines hausstadts 
nottig. und bedürftig, aber allein todtholz, zu wissen birken, 5 
ellern, espen und hoebuchön '), welches sie vor todtholz erkennen, 
■der pästor aber dasselb im busch uff seinen kosten nehmen und 
heimfahren: laessen muss, 

[9] Was nun auch angehet der kirchen und kirchhofsmaur, 
wissen die . pfarkinder eines yedweden dorfs und wird auch vonio 
jharen zu jharen erklehrt, wass, wieviel, auch wie weyt und breit 
ein.yedwedes dorf solche mauren zu underhalten schuldig, nemb- 
lich die von Helmesingen ein stuck uff dem kirchhof mit einem 
guten rost. dergestalt, dass kein viehe daruff noch. darüber kommen 
noch; gehen und man sich dessen bei zutragenden begebenheiten 15 
ohne eyniche hinderung gebrauchen koenne; desgleichen sollen die 
von Bereldingen'^) auch ein stuck mauren bauwen und underhalten 
biss an die von vSteinsel und die von Steinsei auch ein stuck biss 
an die von, Hunstorf mit einem guten, grossen, starken rost der- 
gestalt, dass man in zeit der not mit den todtenkorper ungehindert 20 
dem kirchof .zukommen koenne, wie dan die Hunstorf er und Buffer- 
dinger auch ihres stuck mauren, wie von alters, erhalten sollen und 
müssen. Item erkennen, dass die von Mullendorf ^) ingleichen ein 
stuck mauren biss an , das kehrmutterhaus mit einem guten rost, 
wie vorstehet, zu erhalten schuldig seind und dennoch zwo dhunnen25 
hinder dem kehrmutterhaus. Die von Heystorf wissen auch und 
wirdjharlichs erklehrt, r:wie weyt und breyt sie schuldig seind ihr 
stuck mauren zu erhalten. Item erkennen, dass die von Eyss- 
bruch *) auch ein stuck mauren von zwoe dhunnen erhalten müssen, 
von denen von Bufterdingen an bis wieder die Kopsteller und die 30 
Kopsteller bis wieder die Walferdinger ^) und die von Walfer- 
tingehbis wieder die von Helmesingen. 

[10] Item erkennen, dass die pfarkinder obg. pfaren Steinsei 
schuldig seind den kirchthurn zu erhalten mit seinen vier mauren 
•in guten gedäcks, gloekengelauths und in solcher högde, dass man 35 
den glockenschall in allen doerfern der pfareU;, so etwas gross ist, 
hoeren möge. 

[11] Item dass ein pastor schuldig ist durch den nunzen") 
dreymal zur messen zu gebuerlicher und gewonlicher zeit lauthen 
zu laessen und. zeichen zu geben^ womit die pfarkinder nit etwan40 
durch eyniche Unordnung discommodiert werden, welch pfarkinder 


1) Hagebuchen. 
^) ßereldingen. 
A MüUendorff. 
*) Eisenborii. 
") Walferdingen, 
") nunfcius, Glöckner. 


288 Erzdiözese Trier. Nr. 134. 

alsdan schuldig seind sich zur kirchen zu begeben und dem ambt 
der h. meess beyzuwohnen bey peen vermoeg der geystlicher 
Ordnung, und Statuten gestraft zu werden. 

[12] Item dass -die pfarkinder zwoe verschlossene thuerren 

5 sollen halten in dem thorn, womit niemand aus- noch einkommen 
koenne, er gehe dan zu den thuerren aus oder ein.' 

[13] Item erkennen, dass ein hochwurdiger herr prelat zu 
St. Maximein bey Trier den bauch der kirchen, zu latein navis 
genent, mit guten mauren versehen, auch in gedecks und fenstern 

10 erhalten solle und der pastor den chor also und dergestalt mit 
guten mauren, gedecks und fenstern versehen, dass aus mangel 
dessen dem kirspelt kein schaden an dem geleuchts noch sunsten 
verursacht werde. 

[14] Item dass wolgedachter herr prelat zu St. Maximein 

15 schuldig ist, die zwoe theilen des chrisams zustellen und der 
pastor die dritte theil. 

[15] Item erkennen, dass die kirch Steinsei yederzeit mit 
drey kelch versehen sein müsse, dern einer wolgedachter herr 
prelat, der pastor den zweyten und, die pfarkinder den dritten zu- 

20 stellen schuldig und verpflicht. 

[16] Item dass die kirchenornamenta, wo der pastor damit 
an den altar gehet, .ingleichen die missalen und kirchenbucher 
gestellt werden sollen gleichwie die kelch und do etwan durch 
Unglück des feuwrs, kriegs- oder sunsten dergleichen eusserst zu- 

25stend und extrema die kirch abgebrent oder beraubt und die 
ornamenta, kelch, missallen und buchere uf yetzgenanten weg 
auch verbrent und verloren würden, dass wolgedachter herr abt, 
pastor und pfarkinder respective andere, in maessen vorstehet, 
stellen müssen, 

30 [17] Item erkennen eines hern abten zu St. Maximein aachten ^), 
mesen^), bruelen^), wiesen und veld allerdings zehentfrey. 

[18] Item erkennen, was in der pfaren die fünfte garb gibt, 
dass solches mehrwolgedachten hern prelaten allein zustehet und 
dem pastoren nichst daran zukombt. 

35 [19] Item erkennen selbigem hern abten zu die zwo theilen 
und dem pastorn die dritte theil in dem grossen und kleinen 
zehenden in der pfaren Steinsei; aber zu Bereldingen bekommen 
sie nichst weder der einer noch der ander. 

[20] Erkennen ferners, dass so woll der herr abt als pastor 

40 schuldig die oerther, in welchen sie yetzgenanten, zehenden haben 
und heben, von einen sieben jharen zu den andren uf ihren kosten 
begehen und erfrischen zu thun, demenach und a Tadvenant, wie 
ein ydweder des zeheudens geniessen thut und das zu vermeitung 


^) Soviel wie beunden; s. oben S. 36^ 
^) Von mansus; Ackerland. 
") Brühl, Sumpfwiese. 


Nr, 134. Steinsei. 289 

der confusion, irthumb und Streitigkeiten zwusclien innen und den 
beriachparten zehendhern. 

[21] Item erkennen, dass man schuldig ist einmal anzusuchen 
bey den yenigen, so den zehenden bestanden, umb denselben zu 
empfangen; kombt derselb nicht, so muss man drey mal ruffen. 5 

[22] Item erkennen, wan die ferkelen vier wochen alt seind, 
das sie zehendbar seind. 

[23] Item belangen die fuellen und kelber erkennen, dass man 
den zehendhern von yedwedrem stuck etzliche eyer nach mittlen 
und gelegenheit der leuth zu geben schuldig ist. 10 

[24] Item erkennen dem hern abten zu den zehenten pfenning 
von den verkauften binnen. 

[25] Item erkennen, dass wen ein herr pastor zu s. Johannes- 
tag ankombt, dass er schuldig ist den sehendem den vesperwein 
zugeben wie auch zu halbfasten eine ehrliche mahlzeit, alsdan die 
sehender die roehen und strafen, welche das jhar durch fallen, ein- 15 
bringen und erklehren müsseo, damit es dan dem alten herkommen 
und brauch nach vermög den geistlichen Statuten gehalten werde; 
so müsse ein neuwankommender pastor, wan er eingesetzt wird, 
ihnen ingleichen eine ehrliche mahlzeit geben. 

[26] Item dass ein neuwankommender pastor auch schuldig 20 
ist ein kleidung in die kirch zu stellen, wie einem pastor gebuert 
an den altar zu gehen. 

[27] Item dass ein pastor schuldig ist ein capellan zu halten 
und alle sonntäg, auch zu den vier hoch- und andren gebottenen, 
der glorwurdigster mutter und gebererin gottes und apostels feyr-25 
tagen die mess und vesper mit gedachtem seinem capellan zu singen. 

[28] Item dass yedweder, welcher zu dem, hoch würdigen sa- 
crament des altars zu den vier hohen festagen gehet, schuldig 
ist dem pastoren ein opfer zu geben, eines yeden gelegenheit und 
andacht nach. 30 

[29] Item erkennen auch, dass alle die yenige, welche in die 
gemeinde gehen, und das ey nichts reiht haben, schuldig seind 
ein yedweder dem pastorn zu oestren zu geben ein creuzer und 
die sehendscheffen halb so viel. 

[30] Item dass ein pastor alle woch das ganz jhar lang zwoe 35 
messen zu thun schuldig ist, nemblich des dienstags und freytaga, 
ohne dass er dieselbe vor particularpersonnen umb die belohnung 
thun möge; sondren dieselbe uf andere tag verrichten solle und 
vermitz dem erkennen ime zu sein bruell, wiedumbhof und bäum- 
gart vor die wochen messen. 40 

[31] Item dass die erbgarten (das seind die aysementen ^) und 
garten zur pfaren gehoerend) keine zehenden geben, wen dieselbe 
schon mit dem pflüg umbgearren ^) und besehet werden, wen aber 

^) Servitutes praediales, Rechte auf fremdem Eigentum (Brinckmeier, 
Gloss. I 52). 

^) umackern. 

Koeniger, Sondquellcn. in 


29Ö iErzdiözesc Trier. Nr. 134. 

veld oder wiesen in naturam der garten redigirt, gepflanzet und 
gepflegt werden, so ist man schuldig den zehenden darauf zu 
geben alsolcher fruchten, nemblich damit sie besehet werden, in- 
maessen sie von alters erlernet und erwiesen seind. 
5 [32] Item wan ein pastor zu den oestren in die doerfer gehet 
beicht zu hoeren, dass man ihme den kosten schuldig ist; wen er 
aber desselben nicht begert, müsse man ihme uf andere weg er- 
kennen;: 

[33] Item wan der pastor eine kindbetterin einsegnet, ist 

10 man schuldig ime ein erkentnuss desswegen zu geben, der person, 
gelegenheit und mittel nach. 

[34] Was nun die iura eines pastorn pro administranda sacra- 
menta, item vor eine singende und lesmess, hochzeiten, begreb- 
nuss, Verkündigungen uf der.canzel, vor ein abgestorbenen das 

15 jhar lang zu betten, kinder daufen, vor ein lossbrief und was der- 
gleichen sein mag, betrifft, weiln selbe iura nach enderung der 
zeit auf- und abgehen und dahero sie erscheinende nichst gewisses 
darueber zu erkennen gewust, laessen sie es bei den Statuten, so 
durch das capitul oder sunsten durch die geystliche obrigkeit von 

20 einer zeit zur andren üfgericht werden, bewenden und erklehren, 
dass sie sich denselben allerdingt submittiert und underworfen 
haben wollen. 

[35] Item erkennen, dass sie von alters heraus erlehrnet, dass 
sieben pfarkirchen dero recht bey der pfaren Steinsei als oberhof 

25 zu suchen und zu nehmen schuldig als nemblich Mersch, Lorentz- 
weiler, Junglinster, Weymerskirch, Hollerich, Mamern und Kayll ^), 
denen sie recht sprechen und mitteilen müssen, und dass yetz- 
genante doerfer keine andere auffahrt haben. 

[36] Item wen man ihnen eynen intrag in ihrer gerechtigkeit 

sothut und zufügt zu nachtheil ihres alten brauchs, haben und 
nehmen sie ihre Zuflucht erstlich bey ihrem pastorn, demnach bey 
dem hern dechanten und do sie ihnen nicht helfen koenneu, bey 
einem hern abten zu s. Maximein bey Trier. Welches alles ist, 
dessen sich die erscheinende zu erinnern wissen, zu diesem ihrem 

35 weysthums gehoerig und dienlich zu sein, nach wie vorn bittend 
und beharrend, alles der gebuir zu instrumentieren und zu ver- 
fertigen und ihnen dern eins oder mehr instrumenta in gewon- 
licher forme mittzutheilen. 

So geschehen zu Lutzemburg in beysein und personlicher 

40 gegenwertigkeit der ehrenhaften Jacoben Broquardt, erster official 
der grefferey alhie und Theo[bald] Schonken, scribenten hieselbst, 
^als gezeugen sonderlich hierzu ersucht, requiriert und gebeten. 
[Folgt noch die Korroborationsformel des Notars.] 


') Mersch, Lorentzweiler, Junglinster, Weimerskirchen, Hollerich, Mamer, 
Kayl: Ortschaften nördlich, westlich und südlich von Steinsei, im Umkreis von 
4—6 Stunden. 


Nr. 135, 136. Tawera, Urschmitt und Kliding. 291 

135. Sendweistum von Tawern. 

1582. 

Tawern, Df. Eheinpr., Kr. Saarburg. 

Weistum anlässlich des Sends von 1582, aus dem Sendprotokollbuch, des 
Ärchid. Tholey (St. Moriz), Pap. 4", fol. 35^; StA. Koblenz, Kurtrier, Gen. in 
Kirchens. Nr. 105. 

Ungedruckt. 

[1] Erkennen dem hern churbischoffen das drit jhar den send 
zu und derselb solt zu des hern pastors haus als zu dem widem- 
hoff komen; derselb soll ein tischs zugerust haben, daruff weissen 
und roden wein; wilt er aber woll sein, solt ers bestellen. 

[2] Item soll komen mit 2^2 niaD, 2^2 pferd und 2^2 hond 5 
und solt haben ein vogel ihn der hand. 

[3] Item ein jeder ehe soll geben 1 vass habern, ein hon und 
8 Schilling und welcher die boss verwirkt, soll dem hern die boss 
nemblich 10 alb. oder creuzer und den senhern 12 sester weins 
geben. lO 

[4] Item die handwerksleuth geben 16 Schilling oder hlr. 

136. Send- und Kirclienweistum von Urschmitt 

und Kliding. 

1607. 

Urschmitt und Kliding, Dff. Rheinpr., Kr. Kochern. 

Abschr. von 1607 in den Akten über die Pfarrgerechtsarae des Klosters 
Stuben zu Urschmitt, Pap. 2°, fol. 63, StA. Koblenz, Spezialia in Kirchen- 
sachen U. Nr, 14 (A). 

Ungedruckt. — Im Kardener Sendregister v. 1475 ein Auszug unter Nr. 10 (B). 
Ein Hinweis bei Lorenzi II 253. 

Sendscheffenweistumb zu Cliedingh und ürschmidt, wie das 
von undenklichen jähren im heyligen send durch die sendscheffen 
gewiesen worden aus dem rechten original geschrieben und diss 
jähr 1607 ernewert. / 15 

[1] Zum ersten weist man, dass der heylig send von alter ist 
und soll gehalten werden zu ürschmiedt auf dem Niedernhof • hat 
der dechant ein pferd gehabt, so weist man deme rauW foder das 
ist häwe»). 

[2] Zum andern weist man die ehrwürdige und edle frauw zu 20 


a) B: Eeceptio in curia abbatisse de Stuba ibidem cum B^l^ equis et tot 
personis et dabit eis expensas, sinodalibus et uxoribus eorum, et equis grossum 
pabulum et unam unciam, facit tres albos et ignem sine fumo, 3 maldra avene, 
2'/2 albos pro scriptura. Item centurio videlicet der heymberger ville dabit situlara 
vini et ^/^ mldr. avene parve mensure, que predicta extendunt se ad 2 albos. 25 
Item campanator cum uxore portabunt pullum cum manipulo luminis, inde habet 
expensas (ahenam cum lixivia et pectine ad lavandum dominos, si est necesse). 
Item cathedraticum in altari una iinzc den.; abbatissa in Stuba dabit unciam, 
2^/2 albos pro uncia. Item communiter pro communi defectu generaliter dant 
3 m. avene. 


292 Erzdiözese Trier. Nr. 137. 

Stuben^} als eine pastorin zu ürschmiedt und Cliedingh; dess ist 
sie schuldig ein caplan darzustellen, der alle sontag und hochzeit- 
liche fest zu rechter zeit den gottesdienst thue. 

[3] Wan aber ein mensch krank wehre und die heylige 

5 sacramenta begehret, alsdan soll man ein botten zu Stuben schicken 

und der ehrwürdigen edlen frawen solches ahnsagen; dan soll sie 

den caplan eilents herausser schicken und den kranken mit den 

gottesrechten versehen lassen. 

[4] Zum dritten wan ein kind zur weit gebohren, als dan soll 

10 man die ehrwürdige edle frauw umb den tauf ahnsprechen und 

sie solle einen priester darstellen, der das kind taufe, auch den 

weibern, so das kind dargetragen, zwo quarten wein und zwei 

weissbrod geben. 

[5] Zum vierten weist man der ehrwürdiger und edler frawen 
15 zu Stuben den chor in der kirchen zu Urschmidt in gutem baw 
zu halten und, was darin gehörig ist, darzustellen. 

[6] Gegen diese obgemelte puncten weist man der ehrwürdigen 
edlen frawen zur Stuben die zehenden zu Cliedingh und ürschmiedt, 
gross und klein, so viel ihro wie von alters gebührt. 
20 [7j Zum fünften weist man dem herren dhumpropsten zu Trier 
das gebäuch in der kirchen zu Urschmidt, ihnwendig und aus- 
wendig, in gutem bawe zu halten; dargegen haben ihro hoch- 
werden den zehenden in beyden dörfern, gross und klein, soviel 
ihro gepüret wie von alters. 
25 [8] Zum Sexten weist man der gemeinden den glockenthorn 
und ringmaur in gutem bawe zu halten; dessen sollen die kirch 
den lohn geben und die gemeind den kosten und die fuhren thun. 

[9] Zum siebenten weist man dem herren dechen dritthalbes 

malter habern, ein banmeil wegs zu berg oder zu thal zu fahren, 

30 wo sie der herr hin begehret; wan dan die haber geliebert, soll 

der herr denen, so die habern geführt haben, ein soppen und ein 

trunk geben, damit die leuth widerumb zu haus kommen mögen. 

[10] Zum achten weist man den sendscheffen den dritten theil 
der ruhen 2), auch essen und trinken, wan man den send besitzt. 

137. Kirchenweistum von Wadrill. 

1577 Nov. 10. 

Wadrill, Df. Eheinpr., Kr. Merzig. 

Weistum anlässlich des Sends zu Wadrill „dominica ante Martini 1577", 
aus dem Sendprotokollbuch des Archidiakonats Tholey (St. Moriz) fol. 209^ — 211^, 
StA. Koblenz, Kurtrier, Gen. in Kirchens. Nr. 105'). 

Ungedruckt. 


1) Ehem. adeliges Augustinerinnenkloster gegenüber Bremm, a. Mosel, jetzt 
Euine; vgl. 0. Schorn, Eiflia sacra II 607 ff. 

^) Eugen, Gefälle aus den Bestrafungen. 

') Auf dem Titelblatt dieses Protokolls ist vermerkt: Nota: dicit pastor, 
quod semel incumbat observatio rdo. d. archidiacono, secundario autem sibi, hoc 
est per duos subsequentes annos, et tertio tantum d. archidiacono. 


Nr. 137. Wadrill. 293 

Wir vorgenantene sentscheffen^) und gericht weisen und er- 
kennen by unseren gethanen eyden, den wir gegen gott und de 
heiige evangelia und de helge christliche kirch gethan haben, einem 
pastor zu Waderil. 

1. Zum ersten das drittel in dem grossen zenen ussgenommen 5 
das silgut; das gefürdt unserem erwirdigen herin, dem probst zuo 
sant Paulin zuo 2). 

2. Zum zweiten wissen wir dem pastor ein freige wedum- 
holfe, daruff zehen hussen gepuet sein, gepott und verpott darulf 
zuo thon, zuo verwennen und zuo verpenen raulgutt, stolgutt, lO 
flock und zuck^), fund und plont*), alles, was von gutter hand 
kumpt, und so einer dem anderin ob erd mehet oder abschnidet, 
schmehewort oder streche^), so uff der freyger wedemhuffen ge- 
schehen, zuo straffen. 

3. Wir erkennen in den pastor als einen guot grondrichter 15 
uff der fryger wedurahoffen, da etwan partheyen misselich wurden 
urab erbgütter oder sunst etwan missel und span hetten, zuo ver- 
richten sampt den sendscheffen. 

L Wir erkennen im auch uff der freyger wedumhoffen allen 
zenen an korin, haberin, ferkelin, werch. 20 

5. Wir erkennen im auch van den genen, de uff der freyger 
wedumhoffen wanen, an grondzeinsen 11 fass haberin und 11 hoener 
und en hunne uss Kirchenpeters huss mit einer brelfsschosselein 
und fünf eygerin zuo leberin umb sant Mirtinstag ^). 

6. Wir wissen auch dem pastor zwey jar nach einander den 25 
helgen seint zuo besitzen und zuo dem dritten jar unserem ehr- 
wirdichen und gnedichen herin dem chorbuschoff, und wan der 
pastor ader unser ehrwirdicher und gnediger her der chorbuschoff 
den helgen send besitzen, so sullen de pharleut dem besitzenden 
veher malter haberin leberin und alsdan ist man den zweiten tag 30 
den sentscheffen den kosten schul tich und so eitzliche parteigen 
geruet werden, wissen wir dem chorbuschoff oder pastor vor de 
straff 10 albus und den seindscheffen einen sester weinz. 

7. Wir wissen auch dem pastor an kirchengerechtigkeit in 
der ganzen pharrin von einer eder ehe im sampt dem coster ein 35 
fass haberin und uff sent Steffestag'') ein hussgepachen brod. 

^) Die Sendschöffen werden auf der vorhergehenden Seite mit Namen auf- 
geführt. 

^) Dem St. Paulinstift bei Trier wurde Wadrill unter Erzbischof Dietrich 
(1213—1230) inkorporiert (Lorenzi I 611). 

3) Beide Ausdrücke bedeuten den „Bienenfang" (s. Lorsch, Ehein. 
Weist. I, Index). 

*) plont bedeutet „ärmliche Habseligkeiten"; Lorsch, Rhein. Weist. I 
(Index) bringt jedoch wiederholt die Verbindung „fund und prunt" und legt 
prunt als „Vorteil" aus. Unsere Hs. hat deutlich plont^ das vielleicht unter 
dem Wechsel der Liquida diese Form ei'halten, 

^) Streiche, Schlägereien. 

») Nov. 11. 

■') Dez. 26. 


294 Erzdiözese Trier. Nr. 138. 

8. Wir wissen auch dem pastor zuo den veher hochgezeiten 
und uff de engelkircliwigung ^), zuo sant Margareten tag ^) und sant 
Mirtesstag, wan de fesper uss ist, einen halben sester weinz und 
ein wissprott. 
5 9. Wir wissen im auch, wan ein berichtlich mensch krank 
wurd und begert des helgen sacramenz, das man im sal 2 pen 
mirk uif de kirz Stegen und so er im den helgen oly geben wurd, 
2 alb. oder ein houne und so gott über den kranken menschen ge- 
pitten wurde, so sal man dem pastor van einer manzperson sehen 
10 alb. vor grobreicht nemen und von einer frauwen 5 alb., von eim 
unverichtlichen menschen 4 reder heller und vor bitgelt das jar 
über 6 alb. 

10. Wir weisen im auch in der crutzwochen, wan de Wiss- 
kircher und Konfelter^^) mit den helgen in unser kirch kommen, 

15 2 fass korinz. 

11. Wir wissen auch im zuo allen hochgezeiten van eim 
ederin menschen, das zum helgen sacrament hat gangen, 1 reder 
heller. 

12. Wir weisen auch dem pastor an vehezocht klein und 
20 gross 32 stock, fünf und zweinzich stuck kleinen fehes und 6 stuck 

rindfehes und so er busse, muttwilliche fehe hedt, sal man in das 
gehue*) abschniden, ein pherd und so das mutwillich weere und 
schlüge andere pherde, sal man im de hinder eisen abbreichen. 

13. Wir wiessen auch eim pastor vor zwo wochenmissen das 
25 jar über zuo thon 5 reder g. und in der capellen zuo Secert^) ein 

wochenmiss 3 g. 

14. Wir wiessen auch van einem ederin parman, der da pherd 
hat, ein foder holz und zuo Secert zwey; darvor muss der pastor 
den missenwein mit im brengen. 

30 15. Wir wissen auch im, wanne das man begenknuss helt, 
den kosten und 2 alb. vor presenz. 

16. Wir wiessen im auch ein keind zuo taufen enen phennink 
und ein frawe usszuosenen ein streuf. 

17. Wir weisen im auch, wannehe das ein hochzeit ist oder 
35brulft*'), 2 massen wein und ein brot und den rechten brostkerin 

van dem oxen und der hochzeit an geld gefriet; darumb sal der 
pastor dein brudluden helf das^gelt uff der hochzeit heben. 

138. Seiidordnung- T9n TTiiiterich. 

16. Jahrh. 
Winter ich, Df. Eheinpr., Kr. Bern kastei. 
Gedruckt (ohne Quellenangabe): Grimm II 3601 


1) St. Michaelfest 29. Sept. 

2) Juli 13. 


^) Weiskirchen südw., Konfeld östl, von Wadrill. 

*) Gehäu, Hörner. 

'^) Sitzerath, Filialkirche von Wadrill. 

") brutloft = Brautlauf; s. oben S. 153^ 


Nr. 139. Zerf. 295 

139. Sendprotokoll von Zerf. 

1584 Okt. 23. ' 

Zerf, Df. Eheinpr., Kr. Saarburg. 

Aus dem Sendprotokollbuch des Archidiak. Tholey (St.Moriz), fol. 7pi'---72v, . 
StA. Koblenz, Kurtrier, Gen. in Kirchens. Nr. 105. 
Ungedruckt. 

[1] Anno 1584 die Martis 23. octobris observata est sinodus 
in parrochiali ecclesia sancti Laureutii in Zerff presidente suprä- 
dicto domino Nicoiao Wiltzio, cuius ecclesiae collatores, decanus 
et capitulura s. Paulini ^) et pastor d. Mathias Simonis Zervius, 
et sunt sinodales 7. 5 

[2] Et cum unus sinodalis deesset, electus et assumptus est 
Till mann US eustos, qui consuetura prestitit juramentum. 

[3] Cuius ecclesiae parrochiani sunt ineolae in Greimeradt, 
Oberzerff, Niederzerff und Frömersbach ^). 

[4] Erkennen dem hern churbischoifen ein jar und zwei jario 
dem pastor den send zu halten. 

[5] Absentes nuUi fuerunt. 

[6] Darnach ist der send gebannet worden. 

[7] Deinde sunt questiones agendae praelectae. 

[8] Rogen. 15 

Erstlich geroet alle, die im negsten send geroet, aber sich 
nit verglichen haben. 

Alle, die so ingeroffen worden und nit antwort geben. 

Zum dritten die gemeine rhue^) gethan. 

Darnach zum zweiten mall seint die sener und alle pfarren-20 
kinder ausgangen und haben geruet. 

Item haben geruet alle handwerksleut. 

Item ruen sie, dass des pastors haus ungedeckt stehet und 
der pastor darein nit wonet. 

Item ruen sie zum andermall, das her Michael hiebevorn *) 25 
eine thur auf den kirchhoff aus seinem stall gebracht^ welche noch 
nitt zugemacht sei. 

Auf die dritte ausmanung sein geruet worden: 

Pfaffhans Lorenz frauw und sein knecht hew gemacht haben 
am sontag; bürge Georg zu Oberzerff. 30 

Derselb Lorenz und Meiers Michael auf den sontag haben 
gefahren ; bürge für Lorenzen obg. Georg. 

Hauw Hans söhn Marx zu Oberzerff hat mit pferden und 
wagen am sontag gefahren; bürge obg. Georg. 

Martein zu Oberzerff hat mit einem karchgen^) und pferd35 
ein fass holen lassen-, bürge Georg. 

^) St. Paulinstift bei Trier erhielt das Patronat um 1220 (Loren zi I 554). 

-) Greimerath, Ober- und Niederzerf, Frimmersbach. 

^) Rüge. 

*) Michael hiess der Pfarrer zuvor (vgl. Loren zi I 556). 

") Karren, 


296 Diözese Utrecht. Nr. 140—142. 

Wagener Hans zu Oberzerff ist nativitatis Marie am sontag 
nach bieren gefahren; Georg bürge. 

Die senhern seint ausgemanet worden, wem gepuere despastors 
haus zubauwen. Nach gehaptera rat erkennen die sentern, das 
5 die pfarkind einem pastor ein haus bauwen sollen und wan der 
pastor abziehen will, soll er solches wie empfangen liebern in bei- 
sein der zweier zender, und do einer pastor das haus verfallen 
Hesse und durch die pfarkinder zu bauwen nit ermanet würd und 
darüber abstürbt, mossen die nachtparn das haus bessern. [Folgt 
10 nun die Bezugnahme auf einen speziell vorliegenden Fall; dann 
kommen „Rogen zu Greimerath" (2 Fälle) und endlich die Weisung 
der „Jura archidiaconalia"]. 

Diözese Utrecht. 

140. Das Bolswarder Sendreclit. 

1404. 

Bolsward, St. in der niederländ. Prov. Friesland. 

Gedruckt: Frh. v. Richthof en, Fries. EQu. S. 482— 488 (.f ries.) ; eine fast 
gleichlautende Fassung von 1455 gedr. Schwär tzenberg, Chaterboek I 341ff. 
(benützt von Richthofen)'). 

141. Sendrechte von Dreiitlie. 

1332 und 1451. 

Drenthe, niederl. Prov., südl. der Prov. Groningen. 

Gedruckt: Frh. v. Eichthofen, Fries. EQu. 1840, 518—520 (lat). — 
Magnin Drenthe 1842 II 2, S. 261—282 (niederd.; zit. v. Eichthofen, 
Fries. EGesch. II 683). 

142. Das Leeiiwardeiier Seiidreeht. 

1412 Juni 23. 

Leeuwarden, Hptst. der niederl. Prov. Friesland. 

Gedruckt: Frh. v. Eichthofen, Fries. EQu. S. 459—461 (fries.). 

143. Sendordmmg und Sendrecht des Westerlauwerschen 

Frieslands. 

15. Jahrh. 1. H. 

Das Westerlauwer Friesland entspricht der heutigen Prov, Westfries- 
land, bestehend aus Ostergo, Westergo und Sevenwolden. 

Gedruckt: Frh. v. Eichthofen, Fries. EQu. 401—410, die SO. grössten- 
teils lat., das übrige fries. Es ist der 7. und 8. Teil des Westerl. Land- 
rechts. Ein jüngerer Text (1464) gedr. bei Hettema, Oude Friesche wetten 
1846 II 97 ff. 2). 


^) lieber die Quelle vgl. Eichthofen S. XXV. — Ein kurzes Sendrecht 
der Stadt Fr aneker (niederländ. Prov. Friesland) von 1378 gedr. Eichthofen, 
Fries. EQu. 477 (fries.). 

2) Vgl. Eichtho f en , Fries. EG. II 730; über das Alter des SE. (13. Jahrh., 
Münsterer Diözese) vgl. auch Ph. Heck, Der Ursprung der gemeinfries. Eechts- 
quellen (Neues Archiv 17 [1892] 585). 


Nr/ 144, 145. Worms, Asselheim. 297 


Diözese Worms. 


144. Sendregister für die Diözese Worms. 

1496. 

Die Diözese Worms zerfiel früher in 4 Archidiakonate, deren Inhaber die 
Pröpste des Doms, des St. Paulstifts, der Stifter Neuheusen und Wimpfen im 
Tal waren. Später gingen dieselben ein und es bestanden noch für die Diözese 
insgesamt 10 Ruraldekanate unter dem Generalvikar'). Dieser Stand ergibt sich 
auch aus dem Synodale von 1496. 5 

Dessen Orig, scheint verloren ; doch gibt es eine Eeihe von Abschriften (ein- 
gehend beschrieben von F. Falk, Das Wormser Synodale von 1496, im Arch. f. 
kath. Kirchenrecht 55 (1886) 436—442): a) StA. Darmstadt, Pap. 4P, von 1607; 
b) Generallandesarchiv Karlsruhe, Pap. 4", etwas jünger (darauf hatte schon 
Mone in der Zeitschr. f. Gesch. des Oberrheins 15 [1863] 13 hingewiesen und 10 
Auszüge gemacht); c) Univ.-Bibl. Heidelberg, Pap. 4", unvollständig, aber mit 
manchen besseren Lesarten ; d) Ordin.-Archiv Mainz (früher Pf A. Lampertheim), 
Pap. 2°, 18. Jahrb.; e) PfA. Bensheim (früher ebenfalls in Lampertheim), 
Pap. 2«, 18. Jahrb.; f) Univ.-Bibl. Würzburg, Pap. 2«, 18. Jahrb.; g) Land- 
gerichtsbibl. zu Mannheim (teilweise), Pap. 2", von 1818. 15 

Gedruckt: v. Weech, Das Wormser Synodale von 1496, in Zeitschr. f. 
Gesch. des Oberrheins 27 (1875), 229—326, 385—454 (nach a und b unter 
späterer Berücksichtigung von c). 

Die Angaben für die einzelnen Orte (188 Sendorte; 78 filiae synodales) 
beruhen auf Sendweistümern ; sie sind in den nachfolgenden Sendquellen der 20 
Diözese Worms, soweit einschlägig, mitberücksichtigt worden. 

145. Send- und Kirchenweistum von Asselheim. 

16. Jahrb. 

Asselheim, Df. Rheinpf., BA. Frankenthal; jetzt Diöz. Speier. 
Aus den Akten der Kellerei Eosenthai, 16. Jahrb., Pap. 2°, StA. Wies- 
baden V 15 (A)='). 

Ungedruckt. — Im Wormser Sendregister v. 1496 S. 294 ein Auszug (B). 

Die kirchen geschworen^) weysen sentrecht uff ire eyde, die sie 
gethan, geban der pfahrkirchen s. Steffanus und der gemein rügen 
uf iren tauf und chrisam: 

[1] Ein sentheiT soll abends empfangen werden von dem 25 
kleinem zehenden selb dritt; kompt er geritten, so soll ein glöckner 
im sein pferd stellen und soll im ein halb fernzel haberns geben; 
befilcht er dan ime sein sattel, sein schwort und sporen, so ist 
er im schuldig wider zue antworten ; befilcht er ime nichts, so ist 
er ime nicht schuldig zu antworten. Kompt er aber des morgens, 30 
so soll ine der grosse zehende empfangen *»). 


a) quatuor iurati ß. 

^) B: Commissarius sero suscipitur a minori decima, non adiudicant, cum 
quot personis; aedituus dat mediara minam avenae nee adiudicant lumina. Mane 
suscipitur a maiori decima. 


1) J. F. Schannat, Hist. ep. Wormatiensis I (1734) 6 f. 
-) Den Hinweis darauf verdanke ich ,Herrn Reichsarchivrat Dr. GlaS' 
Schröder in München, 


298 Diözese Worms. Nr. 146. 

[2] De gemein wett ist fünfthalb vierzig werungsheller»); das 
geben zwei eheleute ein pfennig, ein widwer ein werungsheller, 
ein handwerksman fünf werungsheller; sollen die heimburgen in- 
bringen und liffern einem senthern und sollen die heimburgen ein 
Svirtel weins und zwey schönbrod eim senthern uf seinen wiss zum 
ymbs bringen; heist sie dan ein sendherr mitessen, so mögen sie 
es wol thnn»>). 

[3] Item die kirchengeschworen weysen nach alter gewonheit 
zu einer äptissin und convent zu Kosenthai ^) alle gezierde zu 
10 einer mess uf den pfahraltar; was daran gebricht und not sein 
wirt, sollen sie bestellen und im wesen halten*'). 

[4] Item weysen einer äptissin und convent zu Rosen thal den 
chor, das langwerk, absyten, tachfenster, thür, kannel; was daran 
noth ist, sollen sie im baw und wesen halten und sollen auch den 
lömeswein geben ^). 

[5] Wej^sen wir der gemein den taufsteinkessel, weyhkessel, 
den thurn, glocken, glockenseil, kirchmaurn, kirchenthor, bein- 
brechen und kerner des kirchhofs nach alter gewonheit^). 

[6] Weysen das tauf buch der kirchen zu, item wachs, zu be- 
20 leuchten die ampt der mess, der kirchen zu^). 

[7] Item der pfarher soll geben zwenzig sechs pfund oly von 
wegen des closters Rosenthal. 

• [8] Item die gemein soll geben achtzehn pfund oly in die 
capell. Das uberemzig oly hat die kirch feilen 2) nach Inhalt diss 
25 seelbuchs. 

146. Send- und Kirchen weistum von Dalslieim. 

.1490. 

Dalsheim, Df. Rheinhessen, Kr. Worms; jetzt Diöz. Mainz. 

Notariell beglaubigte Abschr. im „Seelenbuch" der Pfarrei Dalsheim von 
1490, dortiges PfA. 

Gedruckt von Ffr. Wieland in dem Monatsblatt des Wormser Altertums- 
vereins „Vom Ehein" 7 (1908) 19 f. (A); danach hier wiedergegeben. — Im lat. 
Wormser Sendregister von 1496 272 f. ein Auszug (B). 

a) B: communis emenda 5 unzeu. 

^) B dagegen : synodalia nuUa ; sed heimbergensis dat ad coquinam quartale 
vini et duos panes. 

c) B: (abbatissa conservat) raisnale, calicem, omnia ornata summi ältaris, 
30 vinum ad missas, ianuas, seras, claves ecclesiae, domum plebani, animalia seminalia. 
<i) B : abbatissa conservat chorum, corpus. 

e) B: communitas turrim, campanas, funes, ossarium, murum coemiterii, 
crurifragam, recipit etiam fructus coemiterii tamquam de proprietate. 

f) B: fabrica ornata altaris BMV. in parochiali, bostias, vinum tempore 
35 communionis de certis bonis, 2 luraina perpetua, 1 in parochia et aliud in ca- 

pella . . . agendam, chrisma, vexilla, caldarium aquae benedictae. 


^) Das Patronat der Pfarrkirche zu St. Stephan in A. erhielt 1259 die 
westl. gelegene Zisterzienserinnenabtei Eosenthai (vgl. Eemling, Abteien 1278); 
das SW. stammt noch aus der katholischen Zeit Asselheims, 

2) zu leisten. 


Nr. 146. Dalsheim. 299 

Diss nachgeschriben ist wysunge und rüge im send, pherer 
und kirchengesworen zu Dalsheym wie von alters here uff sie 
komen ist. 

[1] Item zum ersten unserm genedigen lierrn von Worms*) zu 
siner gnaden zyt des vierden jars und zu dem andern jare eyn 5 
probst zii sant Pauwel zu Worms ^). 

[2] Item so unser genediger herre von Worms oder syner 
gnaden comissarien den send zu Dalsheym besytzen wil, so solle 
syn gnade oder were von syner gnade den send besytzen wille, 
des abents ziehn uff den wiethum der kirclien zu Dalsheym in 10 
den pharrehoffe mit 25 pherden und mannen. Do sal man synen 
gnaden gutlich thun und wol bieden von dem lessten teyle des 
zehendes. Desglychen des morgens, so er gesendt hat, sollen in 
die ihene empfangeu, die die fünf huffen zehendes gehebet hont, 
und im wol bieten, wie obgeschriben stet mit sampt pherrer und 15 
kirchengesworen daselbsf^). 

[3] Und were is sach, das solichs nit geschehe, so hat man 
macht, das best messbuche zu versetzen solang, biss das der ob- 
geschriben wisunge eyn genügen geschieht, doch aue schaden der 
kirchen«). 20 

[4] Item so unser herre der probst zu sent Pauwel zu Worms 
den send besytzen wil oder eyn comissarien von synen wegen, 
der sali auch ziehen uff den wyethum, wie obgeschriben, in den 
pfarrehoffe des abents mit 13 mannen und 13 pferden auch uff 
den sesten und des morgens, so er den send besessen hat, uff die 25 
übrigen fünf hufen des grossen zehendes. Da sol man ime auch 
gutlich thun und wol bieden, wie vorgeschriben stet^). 

[5] Item soll eyn iglicher glogler zu Dalsheym des abents, so 
man senden wil, komen mit eyner band volle liecht, oben und 
unden abgesnyden. Daby sol man beden und essen ^). 30 

[6] Item der dhumbrost zu Worms oder eyn pastor soll den 
köre der pharrekirchen gründe und bodem mit allem sinem be- 
griffe und den pharrehoffe und was darin noit zu buwen ist, buwen 
und im buwe halteu. Darzu der gemeynen eyn kessel halten, ir 
krut zu sieden jars®). 35 


a) B: Praepositus ecclesiae maioris Wormatiensis confert (parochiam), 

b) B : Septem iurati. Commissarius sero suscipitur in dote met (= selb) 25 
et habebit expensas solemnes . . . mane suscipitur a 5 partibüs decimae maioris, 
similiter ut supra. Plebanus, iurati et aedituus habent expensas . . . similiter 
heimbergenses habent expensas. 40 

c) B: et in casu, quo expensae non fierent, commissarius potest accipere 
melius missale et procurare pro praefatis. 

d) B: aedituus dabit manipulum luminum. 

e) B; Praepositus praefatus conservat chorum, domum plebani et communi- 
tati caldarium, in quo bulliunt caules, vulgariter cappes. 45 


^) KoUegiatstift St, Paul in Worms. 

2) Von den Rechten des Propsts von St. Paul enthält B nichts. 


300 Diözese Worms. Nr. 146. 

[7] Item die herrn zum dume zu Worms die sollen halten 
den buche der pharre zu Dalsheym mit syner zugehorunge grund 
und bodem»). 

[8] Item die hern zu sant Fabian zu Hornbach ^) sollen halten 
5 die cappeln unser lieben frauwen zu Dalsheym grund und bodem 
und darzu der gemeyne eyn faselviech und farren halten''). 

[9] Item sali die gemeyne zu Dalsheym die absytten der 
pharrekirchen daselbst und die thorn uff beyden kyrchoffen und 
die beynhuser und die beynbrechen und die glocken in buwe und 
10 dach halten. Und were is sach, das der kyrchhoffe stund zu be- 
fryeden, das sali die kyrch thun sieben schuche hoche und wil 
is die gemeyne hocher hau, sol sie is uff iren kosten thun und 
auch bare und seyle zu den lychen halten •'). 

[10] Item die torn, die uff den kirchhoffe gen, sollen nit 
15 (anders) syn als unser vorfarn uff uns bracht hont. 

[11] Item eyn glockner sali glockenseyle und gross ostyen 
kaufen^). 

[12] Item eyn smydt sali bringen vier ysen ongelocht und sali 
mit dem sendhern essen. 
20 [13] Item die heymberger sollen sammeln das sendgelt, nem- 
lich acht Schilling heller und vier pfennig, und sollen mit dem 
sendherrn essen®). 

[14] Item der vom Meckenhoffe by unser lieben frauwen cappel 
zu Roreym^) soll halten der gemeyn zu Dalsheym eyn eher*). 
25 [15] Item die kirchenlosunge zu Dalsheym gibt der gross- 
zehende, nemlich 16 Schilling heller und 4 pfennig im angene un- 
sers genedigen hern von Worms und ussgangs jars unsers hern 
probsts zu sant Pauwel. 

[16] Item den messwyn gibt der grosszehende &). 
30 [17] Item das heylig sacrament beluchtet die kirch und der 
grosszehende. 

In evidentiam et robur omnium et singulorum premissorum 

Jacobus Fuss, notarius publicus prepositureque causarum ecclesie 

sancti Pauli Wormatiensis scriba iuratus, de mandato honorabilis 

35 et providorum Johannis Zweybrucke, plebani, et iuratorum in 

Dalsheym subscripsit. 


a) B: domini maioris ecclesiae corpus. 

b) B: domini collegii s. Fabiani in Hornbacli capellam b. Mariae v., taurüm. 

c) B : communitas latera, turres in ambabus ecclesiis, ossarium, crurifragam, 
40 campanas, feretrum, baptisterium, arietem ; fabrica muros coemiteriorum. 

<i) B: aedituus dat funes et kostias. 

e) B: Cathedraticum 13 alb.; communis emenda 8 seh. heller 4 den. 

f) B: Curia Meckenheimers prope capellam disponit aprum. 
e) B: maior decima vinum ad missas, 48 % olei. 


^) Benediktinerabtei Hornbach (BA. Zweibrücken), 1559 von Pfalzgraf Wolf- 
gang in ein Gymnasium verwandelt (Eeraling, Abteien I 85). 
^) Rohrheim, westl. von Dalsheim, 


Nr. 147. Eisenberg. 301 

Quod ego Jacobus prescriptus profiteor ita feeisse huiusmodi 
de mandato teste manus mee proprie scripto. 

147. Send- und Kirchenweistum von Eisenberg. 

1707 Okt. 8. 

Eisenberg, Df. Eheinpf., BA. Kirchbeimbolanden ; jetzt Diöz. Speier. 

Abschr, mit Dorsalvermerk: „Copie weystumb über den Eisenberger 
kirchenbau den 5. Sbris anno 1707", KrA. Speier, Hochstift Worms Fasz. 102 
Prod. 14 (A); zit. Mayrhofer-Glasschröder , Pfalz. Weist. S. 54. 

Ungedruckt. — Das Wormser Sendregister v. 1496 S. 290 enthält fast 
nichts von den Sendrechten (B). 

Weisthumb über den kirchenbau zu Eisenberg. 

Wir der sendschöff und geschwornen und pfarrer^) weisen 
mit dem eyd nachgeschriebene articul: 5 

[1] Zum ersten: Wenn der sendherr kombt geritten^ soll ihme 
der glöckner empfangen und geben seinem ross ein virnzel habern 
und also viel leicht, dass er dabei ist und bettet und weisen 14 
unzig wehrungsheller und 1 pfund uif dem nidersthal und da von 
soll essen und trinken der sendherr. Wo ihme an diesem brüste, 10 
so soll der sendherr an seiner zehrung zulegen, und wo übrig were, 
er das behalten ; das haben die alten uff uns gewiesen und weisen 
wir fürter zu recht. 

[2] Item weisen wir den zweien herren, die den grossen 
zeh enden haben, mit namen unserm gnädigen herrn dem bischoflö 
zu Worms, als der pfarr pastor«'), und dem probst zu Pfedders- 
heim uff s. Georgenberg ^), dass diese zween den frohnaltar mit 
aller ziehrang und was darzu gebrüsst, bestellen sollen und halten. 

[3] Item soll unser gnädiger herr der bischof zu Wormbs als 
pastor halten im bau und besserung den chor, was dem an ge-20 
bresten ist; das weist den sendherrn bei eid. Also habens die alten 
uff uns gebracht, weisen wir fürter für recht. 

[4] Item den thurn weisen wir dem ganzen kirchspiel zu 
sambt glocken und schrom^). 

[5] Item den heim der gemeind zu Eisenberg; dieses weisen 25 
wir sendscheffen bey dem eyd, also habens die alten uff uns ge- 
bracht, weisen wir fürter für recht. 

[6] Item die glockenseil und geruch;, salz und weywedell dem 
glöckner zu; soll das bestellen. 

[7] Item die nebenaltar-häuser in bau und besserung zu halten 30 
stehet zu der kirchen. 


a) B: episcopus Wormatiensis confert plebaniam. 


^) Eisenberg gehört heute zur Pfarrei Hettenleidheim. 

^) Pfeddersheim westl, von Worms, Rheinhessen; ehemalige Benediktiner- 
propstei, die zu der bei Metz gelegenen Abtei Gorz gehörte (W. Wagner, Die 
geistl. Stifte 11 105). 

^) schrem = schräge; schrom = Schrägebalken, hier wohl Glockenstuhl, 


302 Diözese Worms. Nr. 148, 149. 

[8] Item weisen wir den burgbau einem probst zu Pfedders- 

heim uff S. Georgenberg, den in bau und besserung zu halten; 

was daran gebresten ist, das soll ein probst zu Pfeddersheim thun, 

als ein zehendherr. Dieses haben die alten uff uns bey eid bracht, 

5 weisen .wir auch fürter bei uns für recht. 

[9j Item weisen wir die abseite dem kirchspiel zu, tauf und 
das taufbuch, beinbrech und weykessel, die kirchhofsthür und kirch- 
hofmauer, 7 schuh hoch über erden, und das totencreuz. Dieses 
haben die alten sendscheffen und geschwornen gewissen bei dem 
10 eid, wie es uff' sie kommen, also weisen wir es fürter bei dem 
eid für recht. 

148. Send- und Kirclienweistum yon Herxheim a. Sand. 

16. Jahrh. Ende. 

Herxheim, Df. Eheinpf., BA. Neustadt a. H.; jetzt Diöz. Speier. 
Gedruckt (ohne Quellenangabe): Grimm V607,- zit. Mayrhof er-Glas- 
schröder, Pf. Weist. S. 88. 

149. Kirchenweistum von Höningen 

Vor 1592. 

Höningen, Df. Eheinpf., BA. Frankenthal; jetzt Diöz. Speier. 

Abschr. in dem Gerichtsbuch von Altleiningen, angelegt 1592 •), Pap. 2", 
fol. 21'" — 22r, fürstl. Leiningensches Archiv zu Amorbach (zit. E. Krebs, 
Die linksrhein. Weistümer im L. Archiv zu A., Pfalz. Mus. 25 [1908] 7). 

Ungedruckt. 

Diss seind die sendrechte und gewonheit der pfarrkirchen s. 
Jacobs zu Heyne 2). 

[1] Zu dem ersten wissent wir kirchengeschworen, dass die 
von Heyne ^) soUent einen pfarherr bestellen dieser pfarkirchen 
15 und kelch, messbuch und messgewand und alben mit seiner zu- 
gehört, messwein und salz zu dem weyhwasser, den bauch der 
kirchen und das dach in bawe zu halten und die kirchhoffmawer, 
die mit kleinen steinen ist bedeckt. 

[2] Wir wissent den chor in dach und bawe zu halten von 
20 der kirchen gut s. Jacobs und die kirch zu belichten und die 
kolhen bestellen zur winterzeit. 

[3]. Der gemein wissent wir zu den glockenthurm und sail 
und das beinhaus in bawe zu halten und die kirchhofmauer, die 


^) Höningen wurde 1560 protestantisiert (Frey, Eheinkreis II 316); das 
Weistum stammt seinem ganzen Inhalt nach aus der katholischen Zeit des Orts. 

-) Die kleine, ehemalige Pfarrkirche St. Jakob auf dem Friedhofe zu 
Höningen steht noch heute; jetzt gehört das Dörflein zur Pfarrei Wattenheim. 

') Augustinerchorherren-Propstei Höningen ; das Kloster besass das Patronat 
der Pfarrei H. Im J. 1569 trat der Prior zum Protestantismus über und erhielt 
die lutheranisierte Pfarrei Höningen ; noch im selben Jahre brannte das Kloster 
ab und steht heute nur noch in grossen Euinen da (vgl. Frey a. a. 0. 311 — 319; 
Ee ml ing, Abteien II 47— 66). 


Nr. 150. Höningen, Kerzenheim. 303 

mit breiten gehawen steinen ist bedeckt, und die todenkar und ge- 
sehen-, die toden zu begraben, bestellen. 

[4J Wir wissent, dass auch die von Heyne sollent geben einem 
glockner alle jar zu lohne 1 mir. korns, 1 mir. habern und 1 par 
schuh, dass er das glockampt verwarren soll und dem priester zu 5 
altar dienen und kund thun dem pfarherrn, wan jemand krank ist, 
und mit dem priester gehen, wann jemand man berichten soll. Er soll 
auch den heiligen chrisam holen in der karwochen. Das gelt, das 
man opfert dem heiligen creuz an dem heiligen karfreitag, das 
sollen die von Heyne nemmen und den heiligen chrisam bestellen 5 10 
bleibt über, das ist ihr; gebrist, so sollen sie darzulegen»). Der 
glockner soll auch fanen tragen zu den hochzeiten und uff s. Marx- 
tag ^); so hat er den imbs zu Heyne und auch in der creuz- 
wochen^), wan man den heiligen send gehalten hat, so sollen sie 
den mittagimbs geben den kirchengeschworen und dem pfarherr. 15 

[5] Auch sollent die von Heyne bestellen zu faselviehe, nem- 
lich ein farren und ein ebber den von Altenleiningen^); der das 
bewart mit fütterung, der hat zu Steuer 7 seh. heller von einem 
garten zu Altenleiningen gelegen bey dem G-rieffenthal. 

[6] So wissent wir kirchgeschworen auch, dass die von Heyne 20 
habent den grossen zehenden b) in Altenleiningen und Zwingweiler*) 
gemark und gericht von allen und dem, da man gewohnlich pflich- 
tig ist zehenden von zu geben, ausgescheiden cappes, hawe uud 
obs; davon gibt man keinen zehenden in vorgenanten gemarken 
in Altenleiningen und Zwingweiler nach altem herkommen und 25 
ursach. 

150. Send- und Kirchenweistum von Kerzenheim. 

1484 März 15. 
Kerzenheim, Df. Eheinpf.. BA. Kirchheimbolanden ; jetzt Diöz. Speier. 
Abschr. des 17. Jahrh. im Kopialbuch des Klosters Rosenthal fol. 252 bis 
256, Ki-A. Speyer (A)'>). 

üngedruckt. — Im Wormser Sendregister v. 1496 S. 288f. ein Auszug (B). 

Das Weisthum zu Kerntzenheim. 
In dem gottes namen amen. Wir Johann Weynheimer, vicarius 


a) Am Eande von andrer Hand: Nota. 

b) „und kleinen" getilgt. 


1) April 25. 

-) Die 3 Tage vor Christi Himmelfahrt, 

",) Die Grafen von Leiningen wai-en die Stifter des Klosters Höningen (1120), 
ihr Schloss Altleiningen, nördlich von Höningen, wurde im Bauernkriege riieder- 
gebrannt und steht noch -als Euine (Frey a. a, 0. 296 — 308; Brinckmeier, 
Genealogie I 14). 

*) Zwingweiler, südl. von Höningen, ein 1473 aufgelassenes Dorf (Frey 
a. a. 0. II 323 f.). 

») Nach einer dort befindlichen Notiz soll das Original im StA. Koblenz 
sein ; doch haben gepflogene Recherchen es dort nicht auffinden lassen. 


304 Diözese Worms. Nr. 150. 

und Statthalter des erwürdigen in gott vatters und herrn, herrn 
Johann, bischoff zu Wormbs^) und Engelhart von Bergzabern, 
offiziale der dumprobstey daselbst, erkennen und thun kunt offen- 
bar mit diesem brief, als die erbern und bescheydenen pferner^) 
Sund kirchengeschworen a) zu Kertzenheim vor uns erschienen und 
kommen sind und haben begert von uns, zu unterrichten sie und 
zu unterweisen etliche puncten und artickel, die sie jährlichen 
und alle jähr vor einem erzpriester oder sentherren, so der von 
den genanten unsern gnädigen und würdigen herrn zu ihne gegen 

10 Kertzenheim ein heiigen leyhensent in der pfarrkirchen daselbst 
zu besitzen und zu halten gesant wird, aussprechen und weisen 
sollen, haben wir vicarien und offlciale obgenant deshalb unter- 
sprochen und erfahren, auch besehen gewohnheit und sentrechte 
ander umbliegender und anstossender pfarrkirchen, auch brief und 

15 register davon sagen gelesen, wiesen und unterrichten pferner und 
kirchengeschworene in kraft dies briefs, das sie hernach zu allen 
Zeiten und jähren, so man den helgen send bey ihne besitzet und 
helt, vor einem erzpriester oder sentherren aussprechen und weisen 
sollen bey ihren gelobten und eyden, die sie der kirchen ge- 

20 schworen haben, alle puncten und artickel in forme und weise, als 
hernach geschrieben steht, ohngefehrlich. 

[1] Zum ersten sollen sie weisen von kirchenlossung, die soll 
der pferner daselbst ausrichten und bezahlen nach inhalt der in- 
corporationbrief, als die frauen von Rosendale^) hinter ihnen haben''). 

25 [2] Item sollen sie wisen vor sentgelt oder gemeine Weyd 
zweyn elichen luthen ein d., ein gebrochen hand ein halbenpfennig 
und ein handwerksmann zwen pfennige"). 

[3] Item die kirche soll dem sentherrn des nachts und des 
morgends bedelicht geben. 

30 [4] Item die gemeine soll dem sentherrn zween cappen und 
ein halb viertel weins und zwen weck geben ^). 

5] Item der glockener soll geben ^j^ virnzel gesegte habern®). 

'6] Item der sentherr soll mit seinem zugehörde empfangen 

und gehalten werden nach inhalt der incorporation, die die closter- 

35 Jungfrauen inhaben*). 


a) B: Septem iurati. 

i>) B: domina abbatissa in Eosendal confert. 

c) B: Synodalia: legitimus (= Besitzer wirklichen Eigentums) 1 den., viduus 
vel vidua 1 den., mechanicus 2 den., iurati nihil. 
40 ^) B: communis emenda 2 capones. 

e) B: aedituus dat mediam minam avene. 

f) B: Commissarius sero et mane suscipitur a praefata domina similiter 
plebanus et aedituus et habebnnt expensas honestas. 


^) Johann von Dalberg, 1484—1503. 
=^) Kerzenheim ist heute nach Göllheim eingepfarrt. 

3) Zisterzienserinnenkloster Rosental bei Kerzenheim; die Inkorporation 
erfolgte 1265 (Remling, Abteien I 279). 


Nr. 150. Kerzenheim. 305 

[7] Item sollen sie darnach wiesen, dass der pastor oder gross- 
zehender die zwen fronechore und die bawe der zweyer kirchen, 
pfarren und cappeln, an mauern, dächern, finstern bawe und in 
ziemlichem baue halten sollen^). 

[8] Item soll der pastor oder grosszehender die gehummelts 5 
in den zweyen genanten kirchen, so es not ist oder seyn wird, 
ungefehrlich bauen und die gemeyne wolt stark bunen oder Speicher 
daruflf haben, sol die gemeyne die uf ihren kosten bauen, doch mit 
willen und, verhängenuss des obgemelten pastors. 

[9] Item soll die gemeyn uff ihren kosten bare, kirchenglocken> 10 
thurn, glockenseyle, auch glocken, kerner, beynbrechen bawen und 
in wesen halten'^). 

[10] Item soll die kirch von ihren gülten und Zinsen die ab- 
sytten und kirchmauern sieben schuh hoch machen und handhaben"). 

[11] Item soll auch die kirch die kirchthoren in bawe und 15 
besserung halten^). 

[12] Item soll der pastor messebücher, kelche, messegewande, 
alben und ander kleidung, die zu der messen gehören, wann das 
not ist, uff und zu dem fronealtar der obgemelten zweyer kirchen 
geben und bestellen, daran soll die kirche auch zu stewer kommen 20 
von ihren eigen zinsen und renthen, ob sie die hetten oder ge- 
wynden^). 

[13] Item ob not beschehe soll die gemeyne daselbst tauf- 
bücher bestellen, so soll die kirch ob noth were, sangbücher bestellen. 

[14] Item soll auch ein iglicher pferner bettebücher vor sich 25 
selbst bestellen. 

[15] Item mit den ostien soll die löblich gewohuheit, darzu 
mit dem salz und messewein als von alters herkommen ist, ge- 
halten werden, also das sie der pastor gibt und bestellt*). 

[16] Item mögen die priester die gezierde des fronealtars der 30 
rechten pfarrkirchen auch nutzen und brauchen zu dem fronealtar 
in der alten pfarrkirchen und darumb soll die kirch uff ihren 
kosten solche gezierde des fronealtars in zimlichen baue und besse- 
rung halten. 

[17] Item uff die andern altare in beyden kirchen soll der 35 
pastor nichts pflichtig oder schuldig sein zu geben oder zu bestellen, 
sondern die kirche und gemeyne soll sie uff ihren kosten halten. 


a) B dagegen: domina praefata conservat choros, corpora. 
^) B ; communitas turres, campanas, funes, vinum tempore communionis, 
baptisterium, agendam, ossarium, feretrum, crurifragas. 40 

c) B: fabrica ceram in ambabus ecciesiis, ehrisma, murum coemiterii in 
altitudine 7 pedum. 

<i) B: (fabrica) similiter in capella ianuas, seras, claves ecclesiae, vexilla, 
caldariura aquae benedictae. 

e) B dagegen : (domina) missalia, calices, omnia ornata, vinum ad missas. 45 

f) B dagegen: (domina) hostias in ecclesia parochiali et capella. 

Koeniger, Sendquellen. 20 


306 Diözese Worms. Nr. 151. 

[18] Item soll auch ein pastor beleuchten oder bestellen be- 
leucht zu werden ein ewige licht vor dem helgen sacraraent^). 

Dem allem zu, wahren urkund und gezeugnuss der ohgQ- 
schriebenen dinge hab ich Johann Weynheimer, vicarieu obgenant, 
5 und Engelhardt, offlcial obgenant, unser iglicher sein eigen in- 
gesiegel zu ende dieser schrift gehenkt als von fleissiger bitte 
wegen der obgenant eptissin, des ganzen convents zu Rosendale, 
pferner und kirchengeschworen zu Kertzenheim erkennen gethan 
zu haben, zu besagen beede parthien aller obgeschriebenen dinge, 
10 und dieser brief sind zwei gleichlautende, der igliche parthie 
einen hat, geben und geschehen nach Christi geburt tausend vier- 
hundert achzig vier jähre uff montag nach dem sontag Reminiscere ^). 

151. Send- und Kirch enweistum von Kirchheim 

a. d. Eck. 

1502. 

Kirchheim, Df. Rhein pf., BA. Franken thal, jetzt Diöz. Speier. 

Aus dem Perg. -Kodex in 4° der Pfarrei Kirchheim, fol. 21 f., jetzt im 
prot. Pfarrarchiv zu. Grünstadt. Das Buch, leitet sich ein mit den Worten : „In 
dem jar des herren dusent fünf hundert zwey jar uff fritag noch der heyligen 
drykunig tag'*) hat man ernuwert alle zinsgutter und flecken mit yren geforck 
der pfarrekyrchen" etc. — Ein Nachtrag von 1514 steht fol. 22^. 

Gedruckt von Grünewald im „Pfalz. Museum" 12 (1895) Nr. 3 S. 18 f.; 
vgl. ebenda, 10 (1893) Nr. 4 S., 3; danach hier wiedergegeben (A). Das Wormser 
Sendregister von 1496 S. 308 f. enthält wenig (ß). 

Diss hernoch geschrieben ist dy weysung, dy der gesworn zu 
Kyrcheym in dem send thun ist, wy es uff sy komen ist, von alter 
15 her komen ist vor lange zyt. 

[1] Item zum ersten weist der gesworu, dass der heiige send 
verkundt werden soll zu dryen vierzehen dagen ongeverlich. 

[2] Item der gesworn weist, wan eyn sendherre kumpt gen 
Kyrheym uff die nacht, soll er ryden salbdryt in den pharhoff in 
20 den wydthura; do sol der pherrer en entfahen und solle em zu 
essen und drinken geben und der glockener sol dy pherde ent- 
phagen, sy stellen, hauwe und stro genunk geben und dem pherde 
ein halb fernzel habern. 

[3] Item den nachtymse weyst der gesworn uff den kleyn- 
25zehen. 

[4] Item der gesworn sol komen in den pharhoff und sol 
bringen eyn haut volle liecht, obig der haut und unden der haut 
ongeverlich abschnyden, eynem sendhern, dass er do by bede. 


a) B dagegen : (domina) lumen perpetuum, sal benedictum, domum plebani, 
animalia seminalia. 


1) März 15. 

2) Jan. 7. 


J!*rr. 151. . Kirchheim. 307 

[5] Item uff dem morgen, so der sentherr den send besitzen 
ist, so sol der gemeind alle do sin und welcher gemeyndsman nit 
do wer, derselbe hat verbrochen 32 heier, dy sint eins sendherren, 
es were dan sache, das er urlop geheyssen het eynem pherd und 
dem gesworn. 5 

[6] Item in dem heiigen send sol nymans reden an lape. 

[7] Item der gesworn weyst, dass ein sendherre dy gesworen 
beladen sol mit iren eyden, [die] sy gethan haben, und den ge- 
meyndman uff iren crissam und daufe«'). 

[8] Item forter so weist der gesworn : 32 phunt oUey hat dy 10 
kyrehe; fallen uff dem grossenzehen. 

[9] Item das faselfehe weist der gesworn mit underscheyt. 
Zu dem ersten weist der gesworn den hern von Heyne^)^) den 
ossen vor dy rynder, item den thumbern den wyder vor die schoffe, 
item dem Randecker 2) den ebber zu den sauwen und das weysenis 
sy uff dem grossenzehen. 

[10] Item nu weist der gesworn den bauw der kyrchen und 
das mit underscheit. Zu dem ersten weist der gesworn, dass dye 
kyrchenmauer umb die kyrchoffe sol dy kyrch 7 schuwe usser der 
erden uff füren und wille die gemeind sie hocher haben, sol sye20 
dye uff iren kosten machen; dess hat die gemeynd der kyrchen 
geben uff dem schotze fünf phunt heier, dass sy dy maure umb 
dy kyrchhoffe halten soln in bawe. Item den köre weist der ge- 
sworn den hern von Heyne, was not ist. Item den bauche, die 

abseytten und das dache uff der kyrchen sol <') im bauwe25 

halten. Item den thorn weyst der gesworn der gemeynd und die 
glocken der gemeynd, item die glockenseyle dem glockner. Item 
der gesworn weist, wie es uff' sy komen sy, dass die hern von 
Heyne sollen alle gezier, was zu gotsdinst gehören ist, bestellen 
und geben, es sey messbucher, kellyg, corporall, messekangen, 30 
alterducher, messgewand, alben und andres, nust usgenomen, das 
zu dem ampt der heyligen messe gehöret [und gotsdinst gehöret], 
soln die hern von Heyne der kyrchen bestellen und geben, uss- 
gescheyden die ostien hat die kyrehe selbs fallen. 


a) B berichtet: Septem iurati; sed modo fuit magna discordia, quia aliqui, 35 
qui erant electi, noluerunt assumere et officialis sive cellarius principis Palatini in 
Dirmstein (BA. Frankenthal) noluit, ut facerent iuramenta nee se aliquo obli- 
garent, nisi de suasingulari scientia; quare noluerunt obedire. Sic ex iussu domini 
Eeverendissimi decrevi interdictum ibi servari. Dominus noster Rev. postea 
relaxavit, sed quo flne ignoro. Pater in Heine, ne videretur consentire rebellioni 40 
eorum, dedit 12^2 alb. pro catechesi. 

b) B: domini de Heine conferunt. 

c) Hier ist ein Name überstrichen und unleserlich gemacht. 


^) Augustinerchorherren zu Höningen. Dem Kloster wurde das Patronat 
von Kirchheim bereits 1151 verliehen (Remling, Abteien II 51). 

^) Herren von Randegg (Randeck) ; ihr Schloss gegenüber Mannweiler a. d. 
Alsenz, BA. Kirchheimbolanden, jetzt Ruine. 

20* 


308 Diözese Worms. Nr. 151. 

[11] -Item der gesworn weist auch, dass ein iglicher gemeynds- 
man geben sol eyn werrtmggeld und ein hantwarksman 1 d. 

[12] Item der gesworn weyst eynem sendhern das gemeynd- 
weyd und sint 3^2 unz heier und 2 kappen und solich sol sten 
San Schadenkosten 14 tag, eim sendhern zu bezalen. 

[13] Item wan ein sendher den heiligen send gehalten hat 
und dem send urlop gibt, so weist der gesworn den sendhern salb- 
dryt, der pherrer und die gesworn, dass man en guttlich thon sol; 
man sol en geben zweyerley fleiss, zweyerley schenbrot, wein 

10 als gut er das jors gewassen ist; und were es sache, das der send- 
herre oder die gesworen clagen weren, dass in nit ein genygen 
gescheen were, doch so fere abgestalt, so sol man en uff ein 
nawes zessen und drinken geben. 

[14] Item der gesworn weist auch: uff die nacht zu einer 

iscollatz^) zu einem frolichem abscheit sol man geben ein kaps- 
haupt und ein halp rucken brot und ein zimlich collatz, dass uns 
got loss leben, dass mir zu jor auch frolich und in freyden mögen 
Strebben. 

[Nachtrag von 1514]: 

20 Zu wissen, dass in dem jar, als man zalt von Christi unsers 
lieben heren geburt funfzehenhundert und vierzehen, nachdem sich 
zweytracht, irrung und spenn etlich zijt gehalten haben eyns ge- 
zirk oder rink der kirchenmuren der kirchen [wegen] z wuschen pfarher 
und kirchengeschworn an eym und schultis, scheffen und gemeyn zu 

2oKirchheym andersteyls, deshalb beyd teyl und parthijen beruffen 
und geheischen haden vor die hernach geschrieben wirdigen, an- 
dechtigen und ersamen hern, nemblich hern Jörgen Hethgin, erz- 
priester des stuls Freinshem^), her Perer, her pharher zu Bissers- 
heym^), her Ciliah, frumesser zu Kirchheym, und her Michel 

SOPrunner zu Henauw*), die obgemelten parthijen zu entscheiden 
und vertragen, also das hynfuro und hernachmals von beyden teylen 
dem hernach gescrieben gelobt und kunftiglich nachkummen soll 
on alle irrung, hyndernuss und geverd und nach beyderteyl ver- 
horung haben die obgenanten hern der pfarher, schulthis und wie 

35 ob steet vertragen in massen wie hernach folgt: 

■ [1] Zu dem ersten, als dick und oft noit oder buwfellig ist 
die mure umb den kirchhoff, alsdan soll die kirch oder fabrica die 
Widder machen, buwen und uffrichten. Deshalb sollen der kirch 
gehörig eylf morgen und eyn fyrtel der kirchenbeden frey und 

40 ledig seyu und ob die kirch wijther acker oder gutter hernachmals 
keufen oder an sich brechen, sollen sie von denselbigen, so sie 
anders bedehafftig syn, bed geben wie ander gemeynslüth und 
nachparen. 

^) coUatiuncula, Abendimbiss. 

'^) Freinsheim, BA. Neustadt a. H. 

^) Bissersheim, BA. Frankenthal. 

*) Vielleicht Heney = Höningen, BA. Frankenthal? 


Nr. 152. Kleinbockenheim. 309 

[2] Zu dem anderen soll die gemeyn jerlichen der kirchen 
von dem schütz geben drithalb pfunt heier und forther die fünf 
Ib. heier, im wystumb bestymbt, wid und ab syn und forther her- 
nach nie me dan drithalb Ib. heier in dem send gewisen werden 
von der kirchmure wegen. Da by und mit syn gewesen her Peter 5 
Diener, pfarher; Madern Niclaus;. Meylan; Endres Stalp und Henn 
Madel der becker, kirchengeschworn, Christoffel Stalp, schultis 
und Henn Greber; Jost Niemans, Heysen Niclaus und Peter Ham- 
mer,- alle gerichtsscheffen zu Kirchheym. 

152. Send- und Kirchenweistum von 
Kleinbockenheim. 

1423 Okt. 20. 

Kleinbockenheim, Df. Rheinpf., BÄ. Frankenthal, jetzt Diöz. Speier. 

Abschr. des 15. Jahrh. im Kleinbockenheimer Kopialbuch, Pap. 2", fol. 3»" — 45", 
fürstl. Leiningensches Archiv zu Amorbach (zit. E. Krebs, Die linksrhein. Weis- 
tümer im L. Archiv zu A., Pfalz. Mus. 25 [1908] 8). 

Ungedruckt. — Im Wormser Sendregister v. 1496 S. 283 f. ein Auszug (B) 

In gottes namen. Amen. Dorch diss gegenwirtig uffen instru-io 
ment sy künt allen luden, die iss ummer anseheut oder horent 
lesen, in dem jare, do man schreip von Christus gebort düsent 
vierhundert und dru und zwenzig jare, in der ersten indicien, in 
dem zwenzigsten dage des mans^ den man nennet zu latin october, 
zu der nunden uren oder do by, in der cronunge des all erh eiligesten 15 
in got vattern und hern hern Martin des fonften babestes, in dem 
seesten jare siner cronunge obgenant off dem porthuss der wonunge 
Hans genant Beldenshemmer zu Cleinbockenheym, in Wormser 
bistum gelegen, in gegenwirtikeit myner uffen unden geschrieben 
schribers und gezüge stant gegenwirtig und lyppelich der edel 20 
Emych grave von Lyningen ^) und fragete mit namen hern Wern- 
her, perrer zu Quernheym^) etc., erzprister zu dir zyt des stöls 
•zu Grossbockenheym^), hern Clais von Flanhej^m*), caplan zu Grin- 
stad^), camerer des obgenanten stols, herre Peter Fiereley, perrer 
zu Monsheym^) und herre Johan von Nosseloch ''), perrer zu Asseln- 25 
heym^), die do alle besitzer sint gewest des heiligen sendes in 
dem obgenanten dorf Cleinbockenheym, wie sie ducht die under- 
geschrieben wisunge als sie vor yne gelesen wart von werten zu 
Worten und auch vor yne gewiset wer wurden viele male; namen 
die obgeschrieben erzprister^ cammerer und perrer orlaup und be- 30 

') Emich VI., Graf von Leiningen- Hartenburg, Vgl. Brinckmeier, 
Genealog. I 181 ff. 

^) Quirnheim, BA. Frankenthal. 

^) Grossbockenheim, südl. von Kleinbockenheim. 

*) Flonheim, Fl. Eheinhessen, Kr. Alzey. 

") Grünstadt, BA. Frankenthal. 

") Monsheim, Eheinhessen, Kr. Worms. 

') Nussloch, Fl. in Baden, Kr. Heidelberg. 

*) Asselheim, BA. Frankenthal. 


310 Diözese Worms. Nr, 152. 

rieden sich bit eyn ideiln ire cappittelbreder bit namen hern Jacob 
Scholtessen, capplan zu Grinstad, und hei'n Johau, capplan zu 
Bussensheyra ^), und kamen widder ine ane betwenklicli^) sunder 
fryes wol beradens modes und sprachen samentafft byt eyme monde, 
5 das dies nochgeschrieben wisunge von Worten zu werten vor yne 
also gewiset und gescheen were: 

[1] EvSs ist zu wissen allermenlich , das unser (herr) von 
Worms der dumprobst und der erzprister oder eyner von iren 
wegen alle jare eyns kommende sint gein Cleynbockenheym in die 
lOparrekirch und do den heiligen sent besitzenden sint. 

[2] Zu dem ersten male, so eyn erzprister den heiligen sent 
besitzende ist, so fraget er zu dem ersten den perner, den eyn 
apt von Wadiga^ssa)^) dar gibt und syns ordens ist, der auch 
sweren muss, ee er uff die parre besteget wirt oder man yne vor 
löeynen perner offnymet, dye kirch und die parre by iren rechten 
und gewonheiden als von alter herkommen ist, zu behalten, und 
die gesworn und die gemeynde, aber es sendeszyt sy. So heissent 
die obgenanten perrer, gesworn und gemeynde erlaub und gent 
uss und beradent sich und koment dann her wieder und antwortent 
20 dem erzprister, ess sy sendenszyt. 

[3] Item darnach so dut dan der erzprister dem heiligen sende 
bände und fryden und vorbut, das nymant nustnit*) redden sal, 
er do iss dan mit erlaub. 

[4] Item so fraget der erzprister zu dem ersten, wie man ine 
25 entphahen sal. So gant der perrer, die gesworn und dye gemeynde 
uss samentafftig • und beradent sich und koment dan her wieder 
und sprechent und wisent mit orteil und mit recht uff ir eyde, das 
die hern von Wadigass sollen fc den erzprister oder eynen senthern 
entphaen salpdritte und sal eyn glockener yme dar setzen eyn 
30 Sessel und eyn küssen daruff und sol eyn dische dar sehen und 
eyn kerz daruff und sol der glockener syme perde eyn halb firnzel 
haberns geben und die gemeynde vier unz heller und zwen kappen^). 

[5] Item darnach fraget der erzprister den perner und die ge- 
sworn, wess die rogen sin; so gint aber der perner und die ge- 
35sworn uss und beradent sich und karaent wieder und sprechent, 
das die rogen von dem dage an, als man sendet, bit sanct Bar- 
tholomeusdag^) eyns perrers sint und von sanct Bartholomeus an 
biss man wieder sendet eyns erzpriesters. 

a) B: est incorporata monasterio Wadgassensi et regitur per fratrem ordinis. 
40 ^) B: commissarius suscipitur mettertius sero et mane in curia abbatis 

Wadgassensis; aedituus dat mediam minam avene . . . communis emenda 5 seh. 
4 den. et duos capones. 

*) Bissersheim, Df. BA. Frankenthal.~ 

^) Ohne erzwungen, ohne Zwang. 

ä) Ehemalige Prämonstratenserabtei Wadgassen, Diöz. Trier, Kr. Saarlouis, 

*) nichts. 

») Aug. 24. 


Nr. 152. Kleinbockenheiro, 311 

[6] Item äarnach so fraget der erzprister den perrer, aber yme 
die gesworn- gehorsam sin und hant die perrer alle bisshor ja 
gesprochen. 

[7] Item darnach fraget der erzprister den perrer und dye 
gesworn uff ir ej'^de und dye gemeynde uff iren dauf und Christen- 5 
heit; wer do sal besliessen und beluchten das sacrament und den 
dauf. So heissent der perrer, die gesworn und die gemeynde 
Urlaub und gent uss und beradent sich miteinander und koraent 
herwieder und sprechent und wisent samentschafft mit eyme 
monde mit recht und mit orteil uff ir eyde und Christenheit, das 10 
do soln der perrer und die gesworn besliessen die heiligen sacra- 
ment und beluchten bit der kirchen gude*). 

[8] Item darnach fraget der erzprister den perrer, die gesworn 
und die gemeynde als vorgeschrieben stet, wer die grosse kirch 
an buwe halten solt, aber etwas daran brest were. Do hiessentis 
der perrer die gesworn und die gemeynde Urlaub und gent uss 
und beradent sich miteinander und koment herwieder und sprechent 
und wisent samenthafft mit eyme monde mit orteil und mit recht 
uff ir eyde und christeuheit, das die hern von Wadigass sollent 
die gross kirch ganz und nustnit ussgenomen an buwe halten'»). 20 

[9] Item darnach fraget der erzprister den perrer, die gesworn 
und die gemeynde als vorgeschrieben steet, wer do sal die messe- 
bucher und ander bucher, die zu gots dinst gehorent, zu der 
kirchen geben. Do sprechent und wisent der perrer, die gesworn 
und die gemeynde samenthafft mit orteil und mit recht mit eyme 25 
monde, das die hern von Wadigass sollent alle messbucher und ander 
bucher zu singen und zu lesen, die do hören zu gottes dinst in die 
kirch [bestellen], und sollent der perrer, die gesworn dieselben bucher 
uff rechts halten an gebende und an gedecke von der kirchen gut"). 

[10] Item darnach fraget der erzprister den perrer, die gesworn 30 
und die gemeynde, wer die capelle sol an buwe halten. Do sprachent 
und wisent der perrer, die kirchengesworn und die gemeynde sament- 
schafft mit orteil und mit recht mit eyme monde, das die gemeynde 
sol dy selbe cappelle ganz an buwe halten^). 

[11] Item darnach fraget der erzprister den perrer, die gesworn 35 
und die gemeynde, wer do sal daz glockehüss und die glocken 
an buwe halten. Do heischent der perrer, die kirchengesworn 
und die gemeynde orlaub und gent uss und beradent sich bit- 
einander und koment wieder und sprechent und wisent sament- 
schafft mit eym monde mit orteil und mit recht uff ir eyde und 40 
Christenheit, dass alle die ihenne, die do hant morgen in der 


a) B: fabrica calices, omoia ornata, vinum tempore communionis, lumen 
perpetuum, ceram, chrisma, vexilla, caldarium aquae benedictae. 

i>) B: abbas cooservat chorum corpus. 

c) B : (abbas dat) omnes libros, vinum ad missas, lumen perpetuum, agen- 45 
dam, sal benedictum, ianuas, seras, claves ecclesiae, animalia seminalia. 

^) B: communitas coaservat capeliam BMV., murum coemiterii, crurifxagam, 


312 Diözese Wortns. Nr, 152; 

marken, sie sind geistlich oder werntlich, edel oder une edel, 
nyemans ussgenoramen, die soUent das glockehttss und die glocken 
an buwe halten^). 

[12] Item darnach fraget der erzprister den perrer, die gesworn 

5 und die gemeynde, wer den kerner an buwe halden sol und aber 
etwas brest daran were. Do sprechent der perrer und die ge- 
sworn vorgenant, das das glockehüss unden der kerner sy. 

[13] Item darnach fraget der erzprister den perrer, die gesworn 
und die gemeynde uff ir eyde als vorgeschrieben stet, wer die 

lOmure umb. den kirchhoff an buwe halten sol. Do sprechent und 
Wisent der perrer, die kirchengesworn und die gemeynde mit 
orteil und mit recht uff ir eyde, das die gemeynde sol die kirch- 
hofesmure an buwe halten. 

Und sint dieselben flerzehen gesworn^) und die gemeynde, 

15 die dies wisunge getan haut und darzu gehörig sint, usser drien 
dorfen bit namen Cleynbockenheym, Mittelhoven ^) und Kandenheym^) 
und sprechent die perreherren und die gesworn uff ir eyde und 
die gemeynden uff iren dauf und Christenheit, das alle die vorge- 
schrieben wisunge, die sie getan haut, das die ir altern uff sie 

20 bracht und gewiset haut lenger dan yemant gedenken kan oder 
mag und die auch ny nymans, wieder eyn apt von Wadigass, eyn 
apt von Otterberg ^) oder yre convent oder yemans von yeren 
wegen oder süst nyemans, er sy geistlich oder werntlich, edel oder 
une edel wiedersprochen hant. Alle die vorgeschrieben artikel 

25 samentlichen oder ie dhenien besonder, dan wan sie darby gestan- 
den sint und die gehört hant, so hant sie eyne genogen gehabet 
und yre wisunge gedanket. 

über alle vorgeschrieben Sachen hiess mich uffen unden ge- 
schrieben schriber der edel Emych grave von Lyningen dar, das 

solch yme eynes, zwey oder me uffen Instrument mecht in der besten 
formen als dicke als es not geschee. Alle vorgenant Sachen sint 
gangen uud geschehen in dem jare, in der indicien, des dages, des 
mandes, der stonden und in der stat als vor do obeu geschrieben 
stet. Hie by sint gewest zu gezugniss die vesten edelknecht Ger- 

35 hart Bedeler von Wachenheym *), Henne von Sülgen^), Philips 
Schaffrad von Espelnsheym ^), Heinrich Schraiss der junge von 

a) B: oinnia iugera in terminis villae tarn spiritualium quam saecularium 
conservant turrim, ossuarium, campanas, aedituus funes. 

b) B: novem iurati. 

^) Es scheint der zwischen Gross- und Kleinbockenheim gelegene ehemalige 
Hof des Klosters Otterberg gemeint zu sein (vgl. Frey II 357). 

'') Kindenheim, westl. von Kleinbockenheim. 

') Ehem. Zisterzienserabtei Otterberg, nördl. von Kaiserslautern; sie besass 
mehrere Güter in Bockenheim (vgl. tJrkündenbuch des Kl. 0. hgg. von Frey 
und Eemling 1845 S. 61, 70 u. ö.). 

*) Wachenheim, Eheinhessen, Kr. Worms. 

^) Obersülzen, BA. Frankenthal. 

^) Eppelsheim, Eheinhessen, Kr. Worms. 


Nr, 152. Kleinbockenheim. 3i3 

Vluersheym^), Henne von Emiss^), Helfrich von Wissen'), Becker- 
hennchin von Wilgartswisen *), Säur zu Bussenhej^m •'^), Jeckeln 
Slapp, Peter Slapp, Jeckeln Kobel und Henne Apzer, leyen Mentzer, 
Wormser und Spier bistumbe^, geheissen an gezugniss über alle 
vorgeschrieben Sachen. 5 

Und ich Peter Schelz von Pedersheym ^), eyne clerik Wormser 
bistumb, eyn offen schriber von keyserlicher gewalt und bewert 
durch den heiligen stole zu Menze, want aller obgeschrieben sachen 
als gangen und geschehen sint, bin ich gewesen gegenwirtig byt 
den obgeschrieben gezugen und han sie also geseen und gehört; 10 
her umb han diss uffen Instrument geschrieben bit myner eygen 
haut und in diesse offen forme bracht und iss gezeichent bit 
mynen gewenlichen namen und zeichen zu eyme gezugniss aller 
obgeschrieben Sachen. 


^) Flörsheim, ebendort. 

"^^ Erbes-Büdesheim, Df. Eheinhessen, Kr. Alzey. 

^) Niederwiesen, e.bendort. 

*) Wilgartswiesen, Df. BA. Bergzabern. 

^) Bissersheim, Df. BA. Frankenthal. 

") Pfeddereheim b. Worms. 


Orts- und Personenverzeichnis. 


Die grösseren Zahlen bezeichnen, wenn nicht anders angegeben, die Seiten, 

die kleineren daneben die Zeilen, höhergestellte die Anmerlcungen. Blosse 

Seitenzahlen weisen auf die einschlägigen Vorbemerkungen. Pf. =z Pfarrei od. 

Pfarrer; Kan. =z Kanonikat od. Kanonikus; Sendsch. =: Sendschöffe. 


Aachen 2"; 3°; 4328; 56 n, 23, 3s. — 
Kan.: Joh. de Luchen 111 22. — Pf. 
St. Foilan : 107 20, 111 is ; St. Jakob : 
Wilhelm 111 30; St. Peter: Johannes 

11136. 

St. Alban (Pf.) 136*. 
Alfter (Bonn), Herrschaft 24. 
Alken (Mosel) 232 34 f.; 2334. 
Altenbamberg (Pf.) 122i3; 123 20. 
Altleiningen (Pf.) Schloss 303 10. 
Altwies (Lux.) 184 1; 185 is. 
Ambroster, Pf. zu Oberbeerbach 150. 
Amel (Malmedy) 16 Nr. 7. 
Anethan Joh. Heinr., b. Offizial etc. z. 

Koblenz 253 14. 
Anzen Gerhard, Abt z. Eomersdorf 

20224; 2032; 205 0; 206 4. 
Apzer Henne, Edelknecht (SpeirerDiöz.) 

3133. 
Aremberg (Eifel) 95 id; 968, 30. 
Arensberg Joh., Pf. z. Pfalzel (Trier) 215. 
Arloff (Rheinbach) 52 Nr. 22; 53 is, 26. 
Arnold Mich., Prior der Karthause b. 

Trier 25323. 
St. Arnual (Metz), Stift 164i8. — Stifts- 

dek. : Konrad v. St. Wendel 164i7. 
Aschaffenburg, Kollegiatstift St. Peter 

u. Alexander 3*. 
Asselbprn (Lux.) 112 Nr. 43. — Pf.: 

Meyer Georg 112 10. 
Asselheim (Pf.) 297 Nr. 145; Pf.: Jo- 
hann V. Nussloch 30925. 
Auperfc Thomas u. Elsa, dessen Frau 

V. Heimbach (Koblenz) 209 22. 


Bacharach, Graf Cratz 2132. 
Badorf (Köln) 71 28, 31 ; 73io, 

Pantaleonhof 73 10. 
Baldenau, Amt 222'. 
Balken (Mühlheim) 68^ 


30. 


— St. 


Bamberg, Diöz. 7 Nr. 1 ; 8 Nr. 2, 0, 35. 
Bisch.: Marquard Sebastian Schenk 
V. Stauffenberg 9. — Domdek. : Mar- 
quard V. Berg 7 12, is. 

Barweiler 3^ ; 16 ff. Vikar : Hubert v. 
Birkendorf 16 10. 

Bauler (Adenau) 17 0; 19 n; 21 15. — 
Westumhof 17 23. 

Baumholder (St. Wendel) 123 31; 124«. 
— Pf.: Guttenberger Joh. 12328. 

Bechel Joh. Kan. in Karden 278'. 

Beckerhennchin v. Wilgartswiesen 3132. 

Bedeler Gerhart v. Wachenheim 31235. 

Beldenshemmer Hans v. Kleinbocken- 
heim 309 18. 

Belmen (Grevenbroich) 31 27, 35. 

Benenberg (Schieiden) 8923. 

Bereldingen (Lux.) 287 17. 

Berg Marquard v., Domdek. Speier 

7 12, 18. 

Bergheim (Eifel) 96 n. 

Bergrath, Schulth. zu Kirspenich 53 2, 20. 

Berlage (Westf.) 166 28. 

Bernkastei, Amt 222'. 

Betzdorf (Lux.) 185 Nr. 95. 

Beulich (St. Goar) 2446. 

Beuren (Trier) 185 Nr. 96. 

Beyenburg 7436; 7532; 76?. 

Billerbeck (Westf.) 165 20; 166 27, 30. 

Binffelt Reinhard v. Kruft 23126. 

Birkendorf Hubert v., Vikar z. Bar- 
weiler 16 10. 

Bissersheim (Pf.), Säur v. 31 3^ — Pf.: 
Porer 308 28. — Kpl.: Johann 310 3. 

Bitburg 26626, 

Blerichen (Bergheim) 492. 

Blicken, Herren v. 163 is, 25. 

Blickhausen, Schultheiss z. Baumholder 
12320. 

Boeloff V. Frauenberg, Kpl. z. Lipp 60 46. 


Orts- und Personenver/eichnis, 


315 


Boessen Leonh. u. dessen Solin Johann 

V. Kruft 23126. 
Böthenkirchen (Bettenhoven ? Berg- 
heim) 61 2. 
Boisheim (Kempen) 22 Nr. 9. 
Bollheim (Eusk.) 27; 28 12; 296. 
Bolsward (Friesland) 296 Nr. 140. 
Bolza Adam, Notar 133. 
Bombogen (Wittlich) 222'. 
Bonn 20*8: 2823, 25. 
Boos Eberhard, Sendsch. z. Pommern 

275 0. 
Boos (Mayen) 251 27; 253*. 
Bootz Robert, Abt zu Himerode 271 11; 

27641. 
Boppard a. Eh. 2«; 186 Nr. 97; 222'. 
Born, Amt (Jülich) 118 10. 
Bornefeld, Amt (Berg) 27 o. 
Bornheim, Herrsch. (Bonn) 24. 
Bornheim (Pfalz) 168 10; 169 1. 
Boslar, Amt (Jülich) 27 b. 
Bottenbach (Pf.) 164«. 
Brandenburg (Lux.) 186 Nr. 98. 
Brandscheid Hans Moriz v. Prüm 280 10. 
Brandt Heinr., Pf. zu Pommern 271 13. 
Braunsberg, Junker v. — z, Merxheim 

124 18. 
Breitenbend, Schloss (Jülich) 27*. 
Briedel (Mosel) 187 7, 10; 271 ib. — 

Himmeroder Hof 186*; 18725. 
Brieden (Kochern) 275 12. 
Brleffmeyer Joh. v. Bufferdingen 285 is. 
Brinkmann, Schultheiss z. Billerbeck 

166 43. 
Britzen Thomas u. dessen Tochter Elsa 

V. Heimbach 209 lo, 23. 
Broickhausen Wenzeslaus, Pf. z. Sieglar 

79«. 
Brokmerland (Friesl.) 167-. 
Broquardt Jakob, Offizial 290 40. 
Bruckmann, Minoritenprediger (-j- 1473) 

5o 3 
Brühl (Rhein) 73 20. 
Brunhans Johann 285 1*; 286 14. 
Bufferdingen (Lux.) 285 ib; 287 21, 30. 
Bunhubers Gut zu Tetingen (Lux.) 

165 10. 
Burgen (Mosel) 68^ 242 6; 243 la; 244^ 
Burtscheid 22 0. — Pfarrkirche St. 

Michael 23'i6. — Zisterzienserinnen- 

kloster 22 le. 
Butzfeld, Junker z. Kallmuth 95 si. 

Calenberg J., Pf. zu Kirspenich 53 0, n, 20. 
Caster, Sendseh. v. Prüm 280 ao. 
Castor Karl, Sendsch. v. Prüm 281 10. 
Ohristiani Johannes, Sendsch. v. Aachen 
lllss. 


Clais V. Flonheim, Kpl. zu Grünstadt 

30928. 
Click Johann v. Sobernheim, geistl. 

Kommissär 154is. 
Condano Richard 28328. 
Oratz (v. Scharfenstein) Grafen 212 18,23. 

I>aem v. Böthenkirchen (Bettenhoven ?) 

612. 
Dalhem, Kloster (Schieiden) 117 10. 
Dalsheim (Rh.-Hessen) 299 2 ff. — Pf.: 

Joh. Zweybrucke 300 sb. 
Darfeld (Westf.) 166 1, so. 
Dass Arnold, Notar 61 5. 
Daubach (Kreuznach) 134 30. 
Daun 2221. 

Decking, Schultheiss z. Billerbeck 166 43. 
Dellfeld (Pfalz) 164*. 
Demuth Petrus, Notar 186. 
Dhaen v. Scheuren, Sendsch. 89 10, 
Diener Peter, Pf. z. Kirchheim a. Eck 

309 E. 
Dietkirchen, Archidiakonat St. Luben- 

tius 205 18; 222'. 
Dingdorf (Prüm) 2657. 
Dirmstein (Pf.) 30737. 
Disibodenberg, Abtei (Pfalz) 133^• 136 20; 

I6O2. 
Ditscheid (Mayen) 2532. 
Dohr (Kochern) 229 n, 42. 
Drachenfels, Herrschaft (Sieg) 23 Nr. 11. 
Dreiborn (Schlelden) 67*. 
Dreimühlen (Eifel) 96^ 
Drenthe (Niederl.) 296 Nr. 141. 
Dreyduppel Johannes v. Heimbach 

20920. 
Drossart, Pf. zu Laurensberg 114^. 
Dudeldorf (Bitburg) 188 1. 
Dürkheim (Pf.) 1693b ff. 

Ebersweiler, Henselin v. 1658. 
Echternach, Abtei (Trier) 184 13; 264i, 4; 

265 0. 
Eckweiler (Kreuznach) 1348o. 
Edesheim (Pf.) 173 2; 174 b ff. 
Ediger (Mosel) 4*; 1893, 27; 191 as; 

192 30 ff. — Pf.: Sheven Joh. 191 20. 
Ehesser Wilhelm u. dessen Sohn Peter 

V. Frauenberg 2820. 
Ehrang (Trier) 193 23. 
Einig (Mayen) 233 ib; 242 21; 244^. 
Eisenbach (Pf.) 13032. 
Eisenberg (Pf.) 301 3, 25. 
Eisenborn (Lux.) 28728. 
Eiserfey (Eifel) 96 n. 
Elfgen (Grevenbroich) 31 2 ff. 
Eller (Mosel) 192 30. 
Ellingen (Lux.) 237 ^ 


316 


Orts- und Personenverzeichnis. 


Elreborne Joh., Sendsch. z. Aachen 

11187. 

Eltz (Mayen) 3220. 
Elvenich. (Euskirchen) 297. 
Elvingen 237 2 ff. 
Elzweiler (Pf.) 126 15. 
Emsigerland (Weser) 167 Nr. 81. 
Endtgen, Frau v. Heimbach 209 24, . 27. 
Engelhardt v. Bergzabern, b. Offizial 

z. Worms 3042; 3066. 
Engers (Kunostein; Ehein) 211 sa. 
Enkenbach (Pf.) 126 27. 
Enscheringen (Lux.) 117 Nr. 44. 
Entzen, P. Heinr. v. O. Praem. 20936. 
Eppelsheim (Eh.-Hessen) 312 30. 
Erbes -Büdesheim (Hessen), Henne v. 

313i. 
Erfenstein, Schlossruine (Pf.) 149 20. 
Ermland. Bisch.: Franz 12i9. 
Ernst (Mosel) 4'. 

Esch Peter v., Schulth. z.Lechenich 408. 
Eschen Heinrich v. Kierdorf SOsi. 
Eschenau (Pf.) 136*. 
Esch Weiler (Pf.) 163 si. 
Esser Johann v. Kirspenich 522o; 53 11. 
Essweiler Tal (Pf.) 12427, ai; 1256, u; 

126 17, 23. 

Ettman Adolf, Küster z. Gymnich 39*2. 
Euskirchen (Eheinpr.) 9235. 

Faid (b. Kochern) 229 f., u. 

Farmsum (Friesl.) 167^ 

Felser (Schieiden) 90 so. 

Felss Klaus v. Simmern u. D. 156 30. 

Fiereley Peter, Pf. zu Morsheim 309 24. 

Finkenbach (Pf.) 129 Nr. 55. 

Fischer Hirn v. St. Alban 136*. 

Fivelgo (Friesl.) 167 ^ 

Fladt Johann, Dechant des St. Florin- 

stiffcs in Koblenz 220i4. 
Flörsheim (Hessen! 313 1. 
Flonheim (Hessen) 131 23; 30923. 
Flurskappel (Pf.) 130 Nr. 56. 
Franeker (Friesl.) 296 ^ 
Frankenburg (Pf.) 174 20. 
Frauenberg (Euskirchen) 2^; 3^; 272, 15; 

28 1, 30; 297; 61 1. — Pf.: Körff- 

m acher 2830. 
Freinsheim (Pf.) 308 28. 
Frentz Wilhelm v. Burtscheid 2227. 
Friedberg (Hessen) 3*. 
Frimmersbach (Saarburg) 295 0. 
Fuss Jakob, Notar z. Worms 300 33. 
Fynstingen, Joh. v., Archidiakon z. 

Karden 183 is. 

CÄabry Peter, Sendsch. z. Prüm 281 10. 
Garz Weiler (Grevenbroich) 31 2. 


Gaubickelheim (Eh.-Hessen) 130 25, 28. 

Gebgen Jakob v. Offenbach 136*. 

Gehlweiler (Simmern) 133; 1348i. 

Geirloch Konrad v. Kirchherten 52 11. 

Gemmingen Georg v., Dompropst z. 
Spei er 179 0. 

Gereisdorf, Stiftsdekan in Münstermai- 
feld 244^. 

Gering (Mayen) 233i4; 242 21; 244^ 

Giiverath (Grevenbroich) 29. — Pf.: 
Murarius Chr. 29 Nr. 13. 

Ginsheim (Hessen) 132. 

Girschnach (Mayen) 2408, 12. 

Giver Anton v. Prüm 280 26. 

Gladbach (Düren) 30 Nr. 13. 

— (b. Koblenz) 210i4 f. 

Gleen Anton, Pf. zu Weyer 98 121 

Glimmen Christine v. Heimbach 209 12. 

Götzenbach (Kreuznach) 2^; 133 20. 

Gondorf (Mosel) 2321 

Greber Henn, Schöffe z. Kirchheim 
3098. 

Greifenthal (Pf.) 303 10. 

Greimerath (Saarburg) 2958. 

Greyf Wilhelm, Pf. zu Würselen 1006. 

Grossbockenheim (Pf.) 30923. 

Grottenh'erten (Bergheim) 52 ^ 

Grünstadt (Pf.), Kpl.: Clais v. Flon- 
heim 30923. Jak. Scholtessen 3102. 

Gude V. Kalt 2442. 

Gumpwissgin (?) 126 28. 

Gustorf (Grevenbroich) 30i8; 31 28, 35. 

Guttenberger Joh. gen. Garaus, Pf. z. 
Baumholder 12328. 

Gymnich (Euskirchen) 2^; 32 20; 33 11,20; 
3420; 37 28; 38 11, 23. — Eitter: Adolf v. 
3430; 40 6, 12; Johann v. 33 23; 3434; 
35 10 ; Werner v. 37 24, 41. 


Haaren (b. Aachen) 3 * ; 40 17 ff. ; 41 31 f. ; 
4230; 43 10, 40, 45; 447, 15, 24; 99?. 

Häling Diederich u. dessen Frau Vero- 
nika V. Heimbach 209 u. 

Haen Ludwig v. der (Pf.) 528. 

Hagenbach 126 10. 

Hainfeld (Pf.) 174 10. 

Halfswyns Thomas v. Sistig 9233. 

Halle Friedrich, Notar 68="*. 

Halsenbach (St. Goar) 194 Nr. 103. 

Hamecher Peter, Notar z. Zülpich 

92 36. 

Hammer Peter, Schöffe z. Kirchheim 

3098. 
Hanekrott Philipp, Superior z. Eomers- 

dorf 208 34. 
Hanemanns Theiss, Kirchengeschw. z. 

Eschenau 136*. 


•Orts- und Personenverzeichnis. 


317 


Hans Nikolaus, Kirchengescliw. z. St. 

Julian 136*. 
Hansen Klaus, Schultheiss z. St. Julian 

136 18. 
Hartenberg-Leiningen, Grafen v. 170*. 
Härtung Severus, Notar 233 n. 
Hasbanien (Lüttich) 11437; 115 lo. 
Hassloch (Pf.) 175. 
Hatzenport (Mosel) 242 15; 243 is; 244''. 
Hau Hans u. dessen Sohn Marx v. 

Oberzerf 295 S3. 
Hauseborn b. Heimbach- Weis 20827. 
Hausen - Oberkirn (Bernkastei) 2 ^ ; 

1303, 12. 

Heilger (Mühlheim) 68 ^ 

Heilsberg (Ostpr.) 15 ^ 

Heimbach, Johanniterkomturei 176 17. 

— (b. Koblenz) 194; 203 1; 20932; 220; 
22142. — Pf.: Schuch Lukas 21I24; 
Mertloch Peter 20226; 205 8; 206 5. 

Heisdorf (Prüm) 2656. 

— (Lux.) 285 19; 28720. 

Helen Peter v. Heimbach 209 14. 
Helena hl. 23622. 
Heifant (Saarburg) 212 1 ff. 
Helfrich v. Niederwiesen 313 1. 
Hellingen (Lux.) 1847. 
Helmsingen (Lux.) 285 u; 287 13, 32. 
Hengsberg (Pf.) 163.'.i. 
Herkenrath (Mühlheim) 44 Nr. 18. 
Hersbach Johannes v. Heimbach 209 is. 
Hertenbarthen, Herrschaftl. Geschlecht 

1753. 
Hertern Wolfgang, Pf. z. Niederkirchen 

143*. 
Herxheim (Pf.) 302 Nr. 148. 
Hethgin Jörg, Erzpriester z. Freinsheim 

308 27. 

Heysen Nikiaus, Schöffe z. Kirchheim 

309 8. 
Hildesheim, Bist. 253 ib. 
Hilgeren v. Kaikar 5233. 
Hillesheira (Daun) 222 1. 

— Joh. Konrad, Sendsch. z. Prüm 281 10. 
Himerode, Zisterz.-Abtei (Eifel) 275 lo, 

278 12 ff. — Aebte: Johann v. 


30, 37; 


St. Vith 2783o; Eobert Bootz 271 12; 
27641. — s. Briedel; Pommern. 

Hinzweiler (Pf.) 1253, 27; 12613,17,22; 
127 18, 22. 

Hirschau (Pf.) 124 ; 125 2, 27, 20 ; 126 10, n ; 
127 11, 17; 128 17, 22, 40. 

Hochstetten (Pf.) 122 12; 123 20. 

— Marie v. (Gemahlin Adolfs v. Gym- 
nich) 40 7. 

Hocken Joh., Kirchenpfl. z. Baum- 
holder 12330, 

Höheischweiler (Pf.) 163 31. 


Höhmühlbach (Pf.) 163 31. 

Höningen 302 12; 303 13. — August.- 
Propstei 302 14; 3033 ff.; 307i3ff.; 
(308 30). 

Hoffeld (Adenau) 18i3ff.; 21i5. 

— Joh., Sendsch. z. Prüm 281 0. 

Hollerich (Lux.) 29020. 

Holthausen (Westf.) 166 1, 20. 

Hompesch Franz v., Junker 27; 2842; 
29 1; Hermann v. 278. 

Hontheim Nikol., b. Notar 184. 

Hornbach (Pf.), Bened. -Abtei 164i; 
300 3. 

Horschbach (Pf.) 126 is. 

Hoss, Statthalter z. Nürburg 16 ir. 

Hottenbach (Bernkastei) 212 10: 2134, it. 

Hüchelhoven (Bergh.) 45. 

Huin, Johannes u. Konrad, Sendsch. z. 
Aachen 111 ss f. 

Hundheim (Pf.) 126 u. 

Hunolstein, Amt 222 ^ 

Hunsdorf (Lux.) 285 le; 288 lo. 

Hunsingo (Friesl.) 167 2. 

Hunt Hermann, Sendgeschw. zu Nier- 
stein 14921. 

Huscheid (Prüm) 265 7. 

Idar (Nahe) 1538. 
Irresheim (Eusk.) 298. 
Irsch (Trier) 215; 21724. 
Itzig (Lux.) 219 Nr. 108. 
Johann, Pfaizgraf 14333; 1446. 
St. Julian (Pf.) 12622; 136 Nr. 61. 
Junghnster (Lux.) 290 20. 

Kail (Kochern) 275». 

Kaikar (b. Münstermaifeld) 5283. 

Kall (Schieiden) 89 10 ff.; 90ib; 91 10, 20; 

92 3. 
Kallmuth (Schieiden) 95 31; 96 17, 33; 

97i. 
Kalt (Mayen) 2408, is. 
Karden (Kochern), Kan.-Stift St. Kastor 

250 32; 281 20; 2828; 283 4; 2842. — 

Archidiakonat: 183; 25032. — Archid.: 

Joh. V. Fynstingen 183i8; Heinr. v. 

Paffendorf 244 s. — Kau. : Jak. Val- 

ney 281 20; 283 17. 
Karl d. Gr. 12 20; 55 Nr. 24. 
Karsfort Leo v., Sendsch. z. Aachen 

111 30. 

Kastei (Lux.) 185 17. 

Kaster (Bergheim) 59 uff.; 60iff. 

Kattenes (Mosel) 23228. 

Kaut Joh. V. Heimbach 209 14. 

Kayl (Lux.) 2902«. 

Keil Leonh., Pf. u. Dek. z. Eemich 184ö. 


318 


Orts- und Personenverzeichnis. 


Keiss Bernhart, Sendsch. z. Altwies 

184*. 
Keldung (Mayen) 240 21; 241 1; 24725; 

249 1. 
Keiner Wilhelm, Pf. z. Lipp 59 o; ÖOss. 
Kerich Joh. v. Kruft 231 12. 
Kern (Mosel) 241 32; 242 so; 243 as, 38, 
— Nellissen v. Burtscheid 22 20. 
Kerzenheim (Pf.) 303 27; 304 s, 10; 3068. 

— Pf, (vic.) : Weynheimer Joh. 303 28 ; 

3064. 
Keyser Job,, Sendsch, z, Kierdorf 50 14. 
Kierdorf 48; 51 0. — Pf.: Moütoris 

Vinz. 50 13; 51 26. 
Kindenheim (Pf.) 312 ic. 
Kirchenpeter z. Wadrill 293 23. 
Kirchheim a. Eck (Pf.) 306 u, 10; 308 26. 

-T- Frühmesser: Kilian 308 20. 
Kirchherten (Bergheim) 51; 52 4. 
Kirf (Saarburg) 219. 
Kirschhober Georg v. Heimbach 205 20. 
Kirspenich (Rheinbach) 32 10; 53 12. — 

Pf.: Calenberg J. 53 off. 
Kirstgen v. Wahlen, Sendsch. z. Stein- 
feld 89 0. 
Klein Joh., Sendsch. z, Pommern 275 10. 
Kleinbockenheim (Pf.) 309 is, 27; 310 o; 

312 10. 
Klemens VII. Papst 59 4. XL 83 ib. 
Kliding (Kochern) 291 12; 292 1, is. 
Kobel Jeckel (Speir. Bist.) 313 3, 
Koblenz, St. Florinstift220; 2386,32.— 

Stiftsdek,: Joh. Fladt 220 14, — 

Deutschordensballei 32 0. 
Koch Anton 2813, Benedikt 281 n, 

Kaspar 281 2, alle Sendsch. z. Prüm. 
Kochem (Mosel) 228 2b; 229 3, o. 
Kockarts Wilhelm v. ISurtscheid 2228. 
Köln 3524; Erzdiöz. 15. — Erzbisch.: 

Ferdinand 81 o; Josef Klemens 81 lo. 

— Domkapitel: 51 27, 32; 284i4. — 

Offizial: 2048. — Pf.: St. Gereon 53; 

St. Pantaleon 71 30; 722; 73 10. 
Koerffmecher Mathias v. Düren, Pf. z. 

Frauenberg 2830. 
Kohl Johann v. Kirspenich 52 31 ; 53 11 ; 
Kolbacher Wend., Waldeckscher Kanz- 
ler 7033. 

Kollig (Mayen) 233 u; 242 21, 

Konig Dietrich v, Helmsingen (Lux.) 

28518. 
Konken (Pf.) 137 1. 

Konzen (Montjoie) 16; 55; 56 4 ff.; 5824. 
Kopstal (Lux.) 285 17; 287 30. 
St. Kornelimünster, Bened.-Eeichsabtei 

(Aachen) 30 lo. 
Krähe Joh. Peter, Pf. zu Mersch 64 13. 
Kraper, Sekretär (Pommern) 280 a. 


Kremer Peter v. Nierstein 149 27, 29. 
Kretz (Mayen) 230 14, 27. 
Kreusch Joh., Sendsch, z. Prüm 281 s. 
Kreuzberg (Ostpr.) 12 ^. 
Krüls Hans, Kirchengeschw. z. Eisen- 
bach 136*. 
Kruft (Mayen) 230io, i4. 
Krummen Peter, Pf. z. Ophoven 117 2. 
Krummenau (Bernkastei) 136 13, 
Küttig (Mayen) 2408, lo. 
Kulm, Diöz. 13 ^ 
Kusel (Pf.) 137 26. 
Kyllburg (Dek. Barth. Reulant) 26625. 


liaach, Abtei (Mayen) 230 le, 20. — 
Abt: Johann 230 15. 

— b. Fürth (Grevenbroich) 31 35. 
Laner Leonhart u. dessen Sohn Thomas 

V, Kruft 231 13. 
Lasserg (Mayen) So; 240 21; 241 1; 247 25; 

249 1. 
Laufersweiler (Simmern) 136 13, 
Laurensberg (Aachen) 3"; 112; 113i, 37; 

115 24; 1168, 14, 32. — Pf.: Drossart 

114'. . 
Lechenich (Bergheim) 3823; 40 0, 
Leeuwarden (Friesl.) 296 Nr. 142. 
Leiningen Emich VI. Graf v. 309 21; 

31220. 
Leitersweiler (St. Wendel) 14433. 
Lerberg, Pf. in Pillig 27026. 
Leyen, Grafen von der 232 0. 
Lichtenberg (St. Wendel) 12327. 

— Herren v. 163 13. 
Liebenthal Hans v. 59 ^ 
Limburg 221'. 

Linninger Franz v. Weis 205 20. 

Lipp (Bergheim) 58; 59 7 ff.; 60iff.— 
Pf.: Wilh. Keiner 596; 6O38. -Kpl.: 
Boeloff V. Frauenberg 60 46. 

Lippe, Grafen zu 61 *. — Propst u. 
Archidiakon 61 15. 

Lippstadt (Westf.) 61 Nr. 26. 

Litzendorf (Bamberg) 10 20. 

Lobloch (Pf.) 17626. 

Löderich (Mühlheim) 685. 

Loef (Mayen) 23136; 233 1 f., 8. 

Löwenburg (Berg) 81"; 8826. 

Löwenstein- Wertheim, Grafen v. 251 ^ 

Lohn Heinrich v., Sendsch. z. Burt- 
scheid 23*. 

Loppersum (Friesl.) 167 Nr. 82. 

Lorbach (Eifel) 96 10, 

Lorentzweiler (Lux.) 29026. 

Luchen Joh. v., Kanonikus z. Aachen 
111 22. 

Lülsdori (Berg) 81«; 8827. 


Orts- und Personenverzeichnie. 


319 


Lürwaldt Kurt, Propst u. Archidiakon 

z. Lippe 61 IS. 
Lutz (Kochern) 244 o, 
Luxemburg St. 2903b. 
Luytz Anton v., Pf. z. Sabershausen 

28322. 

Machern (Mosel), Abtei 231 so; 2322. 

Madel Henn, Gerichtsschöffe z. Kirch- 
heim 8097. 

Madern Nikolaus, Gerichtsschöffe z. 
Kirchheim 309 o. 

Mainz, Erzbisch. : 151 a ; 152 s ff. ; 155 28 ; 
161 11. — Domkapitel: 143 is. — Dom- 
propst: 131 26; lölio; 1526ff.; 154i7; 
161 2. — Koll.-Stift St. Peter 138 18. 

— Koll-Stift St. Stephan : 141 Nr. 65. 

— St. Viktorstift; 146'; 1506. 
Mamer (Lux.) 2902«. 
Manderscheid-Schleiden Grafen v. 251 ^. 
Mangin Arnold v. Steinsei 285 lo. 
Manscheid (Schieiden), Peter v. 89 lo. 
Marci Maternus, Sendsch. z. Pommern 

275 10. 
Margaretenherten s. Grottenherten. 
Marquetanters Heinrich 285 is. 
Martin V., Papst 309 lo. 
Masburg (Kochem) 233 Nr. 114. 
Maternus Paulus aus Weis 2l0i6. 
Mathoni Peter v. Prüm 2816. 
Maxhein Heinr., Sendsch. z. Heimbach 

204 13. 
Mehlsack (Ostpr.) 13'. 
Meier Henwert, Sendsch. v. Altwies 

1844. 
Meier Mich. v. Zerf 295.3i. 
Melchior der Wirt z. Niederkirchen 

1433t. 
Mersch (Lux.) 29026. 

— (Jülich) 64 16. — Pf.: Joh. Peter 
Krähe 64 is. 

Merten z. Weyer 97 n. 
Mertloch (Mayen) 242 21; 24338. 

— Peter, Pf. z. Heimbach 20226; 2058; 
2066. 

Merungen (Merong) Ann, Jungfer 332*; 

3484; 40i3. 
Mettendorf (ßitburg) 235 Nr. 116. 
Metternich (Mayen) 240 21 f.; 247 25; 

24844. 
Mettlach (Merzig) 235 Nr. 117. 
Meurer Peter v. Wahlen 9233. 
Meyer Arnold v. Hunsdorf 285 1«. 

— Georg, Pf. z. Asselborn 112 10. 

— Joh. V. Hunsdorf 285 16. 
Meylan, Schöffe v. Kirchheim 8096. 
Mibach (Mühlheim) 680. 
Michael, Pfarrer z. Zerf 29025. 


Michelheim (?) 126 2ß. 

Miessen Johannes, Sendsch. z. Pommern 

275 0. 
Milien, Amt (Jülich) II816. 
Miltenberg (UFr.) 142 1. 
Mörz (Mayen) 23227. 
Molitoris Vinz., Pf. z. Kierdorf 50 13; 

51 26. 

Moll Heinrich, Notar z. Brühl 7327. 

Momraenheim (Hessen) 14924. — Al- 
tarist: Heinrich 14926, 32. 

Mondorf (Lux.) 286; 237 1 f. 

Monsheim (Eh. -Hessen) 309 25. — Pf. : 
Peter Fiereley 30924. 

Montabaur 2072; 22l4o; 237; 238i2,2s. 

Mühibach (Pf.) 163 31. 

Müllendorff (Lux.) 28723. 

Müller Hans Görg u. dessen Frau Anna 
V. Heimbach 2094. 

— Hubert v. Heimbach 522»; 53ii, 16. 
Müllers Thenel v. Hunsdorf 285 17. 
Münster, Diöz. 165 Nr.. 79. 

— a. Stein 161 37. 
Münstermaifeld 3»; 3»; 233 1; 240 

Nr. 120; 241 a. — Propstei 240; 244'; 

24830. — Dek.: Gereisdorf 244 ^ 
Murarius Christian, Pf. z. Gilverath 29 

Nr. 13. 
Mussbach (Pf.) 176 Nr. 89. 
Mutterstadt (Pf.) 177 n ff. ; 178 2 ff. 
Mylendonk, Graf Mirlaer v. 2343, 

STachtsheim (Mayen) 2446; 249 Nr. 121 ; 

250 1 ff.; 251 24, 39; 2.53*, 7, u. 
Naunheim (Mayen) 24126. 
Nehren (Mosel) 23027. 
Nerzweiler (Pf.) 126i4. 
Neuhausen, Stift (Worms) 297 Nr. 144. 
Neustadt a. H., Stift 175 2. 
Nickenich (Mayen) 25325. 
Niederaschbach (Pf.) 126 le. 
NiederdoUendorf (Sieg) 65 Nr. 28. 
Niederkirchen (Pf.) 143 Nr. 67. — Pf.: 

Hertern Wolfgang 143*. 
Niederlauch (Prüm) 263 ; 2646, 4o; 265 6. 
Niederspay (St. Goar) 266 Nr. 124. 
Niederwiesen (Eh.-Hessen) 313i. 
Niederzerf (Saarburg) 2959. 
Niemans Jost, Schöffe z. Kirchheim 

309 8. 
Nierstein (Eh.-Hessen) 145. 
Nitzgen Joh. Konrad, pfälz. Amtsver- 
walter z. Löwenburg 80 2; 81 20; 
8826. 
Nobis Christian v. Pattern 64 16. 
Nohfelden (Birkenfeld) 143 ib; 14524. 
Nünsch Weiler (Pf.) 163 Nr. 77. 
Nürburg (Adenau) 16 12, 


320 


Orts- und Personenverzeichnis. 


Nussloch (Heidelberg) 309 2b. 

— Johann v., Pf. z. Asselheim 30925. 

Oberaschbach (Pf.) 126 u. 
Oberbeerbach (Hessen) 150 Nr. 69. 
Oberemmel (Trier) 267 Nr. 126. 
Oberkassel (Sieg) 66 Nr. 29. 
Oberkirn (Bernkastei) 136 la. 
Oberlauch (Prüm) 265 is f. 
Obersülzen (Pf.) 312 sb. 
Oberweiler. (Pf.) 126 la. 
Oberwichterich (Grevenbroich) 29 3, 7. 
Oberzerf (Sarburg) 295 0. — Georg v. 

295 30 ff.; Martin v. 29085. 
Ochtendung, Dekanat (Zell) 183 ^ 
Oderscheid (Mühlheim) 68 ^ 
Offenbach (Pf.) 36*. 
— , Bened.-Propstei (St. Wendel) 125 1; 

12612. 
Offermann Hans v. Kall 89 10. 
Olef (Schieiden) 67 Nr. 30. 
Oleff Johann v., Gerichtsschreiber 58 32. 
Ophoven (Heinsberg) 116 Nr. 47. 
Ortwin Henchin v. Tetingen 165 1. 
Ossburg, P. Wilhelm S. J. 20937. 
Osterbrücken (Pf.) 144 ss, 
Otterberg, Abtei (Pf.) 31222. 
Overath (Mühlheim) 67 Nr. 31; 681. 

Paderborn, Diöz. 168 Nr. 83. 

Paffendorf Heinrich v., Archidiakon v. 
Karden 2448. 

Paffrath (Mühlheim) 687; 70 7 ff. 

Paiant Werenhir v., Junker 27*. 

Palzem (Saarburg) 21 2 1 ff. 

Panhausen Jak., Abt z. Steinfeld 8835. 

Paschen, Witwe z. Kirchherten 50 31. 

Pattern (Jülich) 64 lo. 

Paul ni., Papst 281 27. 

Pavinus Joh. Franc, Kanonist des 
15. Jahrh. 2733, 

Peil Mathias, Stadtsekretär z. Aachen 
40 Nr. 17. 

Perer, Pf. z. Bissersheim 308 28. 

Perscheid (St. Goar) 266 Nr. 125. 

Petterweil (Hessen) 138 10. 

Peyll Joh., Notar 1172. 

Pfaffhans Lorenz v. Zerf 295 20. 

Pfalzel (Trier) 3 '; 215 30, 37; 267 Nr. 127. 

Pfalzerhof b. Valwig (Mosel) 229«. 

Pfalz-Lautereck 13725. 

Pfeddersheim, St. Georgenberg, Bened.- 
Propstei (Eh.-Hessen) 301 le; 302 1; 
313 0. 

Pfeil Joh., Kirchenschaffner z. Flurs- 
• kappel 130 Nr 56. 

Philips • Bernold v. Heisdorf 285 10. 

Pieck Haimgin v. Eisenbach 136*. 


Pillig (Mayen) 2448; 27026; 271*. — 

Pf. Lerberg 2702b. 
Pingsdorf (Köln) 71 27; 72 10. 
Planich (Rh.-Hessen) 150 Nr. 70. 
Plettenberg zum Grondte, Bertram v. 

276. 
Pomesanien, Diöz. 168 Nr. 84. — Bisch. : 

Johann 168'. 
Pommern (Mosel) 3"; 271 11; 2756 ff.; 

27642. — Pf.: Brandt Heinr. 271i3. 

— Himmeroder Hof 27126. 
Pomster (Adenau) I813, 17, 22; 19 11 ; 21 10. 
Pronsfeld (Prüm) 26624. 
Prüm 4^; 280. — Dek.: H. StoU 28038; 

281 1. 
Prunner Michael v. Höningen 308 so. 
Pryon Joh. v. Prüm, Sendsch. 281 10. 
Pütz (Bergheim) 51 34; 52 6. 
Putz Johannes, Dek. u. Archidiak. z. 

Xanten 107 ii. 

Quirnheim(Pf.) 309 22. - Pf.: Wernher 
30921. 

Raaf (Raeff) Heinrich v. Kirspenich 
52sb; .53 11. 

Eadevormwald (Lennep) 74 Nr. 34. 

Eamberg (Pf.) Herren v. 176 2s. 

Randegg (Pf.) Herren v. 307 15. 

Ratkopp Nik. Georg v. Prüm, Sendsch. 
281 3. 

Ravengiersburg, Chorherrnstift (Sim- 
mern) 2447. ■ 

Regensburg, Diöz. 16 2. 

Reisdorf (Grevenbroich) 31 27, 35. 

Relllnghausen, Frauenstift (Essen) 

51 27 32 

Remich'a.'M. 1847; 237 1. — Pf.: Keil 
Leonh. 184«. 

St. Remigiusberg, Bened.-Propstei (Pf.) 
1373. 

Reulant Barth., Dechant v. Kyllburg 
266 25. 

Rheindahlen (Gladbach) 117 Nr. 48. 

Rheingrafen, die 212 is. 

Ringh Theiss v. Kail 275 0. 

Rodt (Pf.) 17420. 

Rohrheim (Rh.-Hessen) 300 24. 

Roishausen Christof v., Junker, Amt- 
mann zu Montjoie 562. 

Romersdorf, Bened.-Abtei (b. Koblenz) 
194; 201; 22143. — Aebte: Gerhard 
V. Anzen 20224; 203 2; 205 6; 206 4; 
Karl Wirtz 20938; 211 24. — Super.: 
F.Phil. Hanekrott 20834. — Sakristan : 
P. Heinr. v. Entzen 20986. 

Rosenthal (Pf.), Zisterzienserinnenabtei 
298», 12, 22; 30424; 3O67. 


Orts- und Personenverzeichnis. 


321 


Eosten Heinrich v. Euskirchen 9234. 
Eoth Joh., Gerichtsschreiber u. Bürger- 
meister z. Heirabach 2i0i; 211 so, 
Eüdesheim 124 la. 
Eüssingen (Pf.) 151 1, 
Euland, Sendsch. z, Prüm 280 lo. 
Eupprecht, Pfalzgraf 123 20; 130 3. 

Sabershausen (Simmern) 281 32; 283 4 ff. 

— Pf.; Ant. V. Luytz 28822. 
Salm-Eeifferscheid, Graf v. 24. 
Samland, Bisch. Nikolaus v, 168^ 
Sartoris Eberhard v. Tetingen 164 30. 
Säur V. Bissersheim (Pf.) 3132. 
Schaffrad Philipp v. Eppelsheim 312 30. 
Scheffer Georg v. Heimbach 204 20. 
Scholz Peter v. Pfeddersheim, Notar 

313 0. 
Schertlen Leonhard, Notar 169 10, 22. 
Scheuren (Euskirchen) 89 10. 
Scheven Joh., Pf. v, Ediger 19126. 
Schmidburg, ehem. Schloss (Pf.) 212 23; 

21527. 

— Niklas V., Junker 212 23. 
Schmidt Heinrich 205 28. 
Schmidtheim 95 ^ 

Schneberg Gerard, Pf. z. Pillig 270. 
Schönau, Zist.-Abtei (b. Heidelberg) 

170 11. 
Schönberg (Bernkastei) 28325. 
Schönburn Heinrich, Gerichtsschreiber 

z. Schmidburg 215 20, as. 
Scholtessen Jakob, Kpl. z. Grünstadt 

31O2. 
Schonken Theobald, Schreiber z. Luxem- 
burg 290«. 
Schraiss Heinrich v. Flörsheim 312 30. 
Schuch Lukas, Pf. in Heimbach 211 21. 
Schumann Ewald, Statth. z. Nürburg 

I618. 
Seesbach (Kreuznach) 134 30. 
Seichenbach (Pf.) 14435. 
Seligenstadt (Hessen) 151 Nr. 72. 
Senheim (Zell) 284 Nr. 133. — Kölner 

Hof 284 u. 
Sensweiler (Bernkastei) 1522. 
Setterich (Jülich) 76 10. 
Sevenich (Mayen) 240 21; 241 1; 247 20; 

249 2. 
Siegburg, Bened.-Abtei 35 17, 30; 37 15. 

— Dek.: Wusthoven 81 25; 882*. 
Sieglar 79; 80 1; 8820. — Pf.: ßroick- 

hausen Wenz. 79*2. 
Silvester, Papst 236 22. 
Simmern u, Dhaun 3^; 154 w; löSi»; 

156 24 f.; 1589 f. 
Sistig (Schieiden) 89io, 20; 9O17; 91 lo; 

92 3. 

Koeniger, Sendqiiellen. 


Sitzerath (Merzig) 29426, ze. 
Slapp Jeckeln u. Peter 3133. 
Sluchter Philipp v, Erfenstein, Kirchen- 
meister z. Nierstein 149 20. 
Sobernheim (Kreuznach) 158 is, 25; 161 ss. 
Söttern Phil. Ohrist. v,, Domkanonikus 

z. Trier 184 Nr. 93. 
Speier 178; 1792 ff. — Bisch.: Georg, 

Pfalzgr. 154 10. — Dompropst: G. v. 

Gemmingen 179off. — Doraiuikanerin- 

nenkloster am Hasenpfuhl 177i5, 21; 

178 11. — Brüder v. hl. Grabe 1789. 
Spor Johannes v. Prüm 280 30. 
Stalp Christoffel u. Endres, Schöffen 

v. Kirchheim 309 f. 
Stefess Barthol. v. Brieden, Sendsch. 

275 u. 
Stein, Frh. v., z. Nassau 275 10. 
— Jakob V. Brieden 275 11. 
Steinfeld, Präm. -Abtei (Schieiden). 

Abt: Panhausen Jak. 8835. — Prior: 

Weynant 9223. 
Steinkallenf eis Melchior V., Junker 136i7. 
Steinsei (Lux.) 285 15 ff.; 286 8 ff. 
Stiel Joh. V. JBaumholder 123 30. 
Stipshausen (ßernkastel) 2133. 
Stockheim (Düren) 93 Nr. 38. 
StoU H., Dekan zu Prüm 28038. 
Strauff Jos. v. Mersch 64 lo. 
Strenge Valentin, Notar z. Luxemb. 285. 
Strunden, Komturei (Mühlheim) 442a. 
Stuben, Frauenkloster (Mosel) 291; 

291 21, 20; 292 1,15. 
Sülzen (Pf.), Henne v., Edelknecht 3 12 35. 
Süsteren (Niederl., Limburg) 117; 118 10. 
Sulzbach (Pf.) 126 24. 

Taubergau 3*. 

Tawern (Saarburg) 291 Nr. 135. 

Tetingen (Lothr.) 164 20, 35; 165 1. 

Theisberg-Stegen (Pf.) 163 Nr. 76. 

Theiss Johann 51 1 ff. 

Theves Jakob v. Prüm 281 11. 

Tiefen thal (Hessen) 230 23. 

Tholey; Archidiakonat 3; 12625; 184 
Nr. 93. 

Trier, Erzbischöfe 244^; Jakob 184 1; 
Johann 21534; 222'; Karl Kaspar 
194 Nr. 104; 206 2; 210 ^ — Dom- 
propstei: 292 20. — Domkan.: Sötteru 
Ph. Ohrist. 184. — Bei Trier: St. 
Alban (Karthause) 254 14; 255 11; 
Prior: Mich. Arnold 25323. St. Maria, 
Abtei 193 2«; 194io. St. Maxirain, 
Eeichsabtei 16 10; 20 43; 112 14; 
156 2 ff.; 267 12; 283 20; 288 8 ff.; 
290 33. St. Paulinstift 293 7; 295 4. 

Troisdorf (Bergheim) 52 0. 

21 


323 


Orts- und Personenverzeichnis. 


Untzen Job. v. Kruft 231 aa. 
ürfey (Schieiden) 9620. 
Urschmitt (Kocliem) 291 12, iv; 292 1 ff. 
Uexheim (Adenau) 16'; 17 1; 20 10 ff. 

Valney Jak. , Kan. z. Karden 281 20 ; 

283 17. 
Vercken Richard v. Kirspenich 52 34; 

53 12, 10. 
Vetzer Eberhart v. Nierstein, Kirchen- 

geschw. 14922. 
Vilkerath (Mühlheim) 680. 
Virneburg, Grafen v. 251 20. 
Viti V. Prüm, Sendsch. 280 10. 
Vollem (Schieiden) 9532. 
Vyrsent Jakob, Pf. zu Frauonberg 28*2. 

Wachenhausen Hans v., Bitter 149 21. 
Wachenheim (Rh.-Hessen) 17724; 178i2; 

31235. 

Wadgassen, Präm. - Abtei (Saarlouis) 

3IO13, 28; Silin, 20; 31221. 
Wadrill (Merzig) 184 Nr. 93; 293*. 
Wagener Hans v. Oberzerf 290 1. 
Wahlen (Schieiden) 89 0. 
Waldeck, Franz Graf zu 7435; 7038. 
Waldenrath (Heinsberg) 122 Nr. 50. 
Walferdingen (Lux.) 287 31. 
Walshausen (Pf.) 163 31. 
Wanderath (Mayen) 2503; 251 25 ; 252 22; 

2533. 
Wartenburg, Ostpr. 13-. 
Wassenberg (Heinsberg) 117 Nr. 49. 
Wegberg (Erkelenz) 122 Nr. 51. 
Weiler (Kreuznach) 155 is. 
Weiler (Mayen) 2503; 25126, 30; 253 4. 
Weimerskirchen (Lux.) 29020. 
Weis b. Heimbach (Neuwied) 205 20; 

21O14. 
Weisenau (Rh.-Hessen) 1493. 
Weishainziges Hans v. St. Julian 136*. 
Welcherath (Mayen) 250 3 ; 251 27 ; 252 27 ; 

2533. 
Wenckseindt Johann v. Kruft 23127. 
St. Wendel 145 33; 164 17. 
Wentz Konrad, Notar z. Koblenz 253 10. 
Westerlauwer Friesland 296 Nr. 143. 
Weyden (ßirkenfeld) 213*. 
Weydenkopf Job, Landschreiber z. 

Lichtenberg 123 28. 
Weyer (Schieiden) 3-; 95 15 ff.; 96iff.; 

97 8 ff. — Pf.: Anton Gleen 98 12. 
Weynant v. Zülpich, Prior v. Stein- 
feld 9223. 

Weynheimisr Joh., Pfarrvikar z. Kerzen- 
heim 30327; 3064. 

Wierschem (Mayen) 240 21; 241 1, s; 
24725; 249 1. 


Wiesemscheid (Adenau) 178; 18 17; 19 11; 

21 16. 

Wigand Ulrich, Pf. z. St Juhanl36i7. 
Wilbertz Libertus, Sendsch. z. Kierdorf 

50i4. 
Wilde, Arnoldus dictus — , Sendsch. z. 

Aachen 111 30. 
Wildenburg (Schieiden) 89 10 ff.; 90 17 ff. ; 

91 10 ff. 
Wilgartswiesen (Pf.) 3132. 
Wilhelm, Herzog v. Jülich 80 30. 
Wilhelmsstein, Schloss (Jülich) 27 0. 
Wiltz Nikol., Visitator 295 3. 
Wimpfen i. T. (Rh.-Hessen) 253 14; 297 

Nr. 144. 
Windberg (Straubing) 15 31. 
Windsberg (Pf.) 163 31. 
Winnen Görg u. Elsa, dessen Frau 209 1. 
— Jakob a. Gladbach 210 is. 
Winringen (Prüm) 265 0. 
Winterich (Bernkastei) 294 Nr. 138. 
Wirtz Karl, Abt in Romersdorf 2093$. 
Wittlich 222'. 

Wobern Peter v. Mommenhcim 14927. 
Wörschweiler, Zist.-Abtei (Bernkastel) 

124 1; 143 in; 144 1 ff. 
Wolfgang Wilheln, Herzog v. Jülich 

81 10; 8222. 
Wollerscheim Jakob v. Kirspenich 

53 13, 28. 

Wolter in Pont, Sendsch. z. Aachen 

11138. 

Worms, Diöz. 297 Nr. 144. — Bisch.: 
Joh. V. Dalberg 3042. — Dompropst: 
3108. — St. Andreasstift 151 7. — 
St. Paulstift 297 Nr. 144; 299* ff.; 

30028, 34. 

Worspurgh, Herren v. 185 0. 
Würselen (b. Aachen) 3°; 4339; 44i4, 23; 

98 15 ff.; 99 2 ff.; 100 6, 12. — Pf.: 

Greyf Wilh. 100 0. 
Wusthoven Hubert, Dek. v. Siegburg, 

Pf. z. Stieldorf 81 25; 8824. 
Wynant z. Weyer 97 is. 

Xanten 4333; 100 Nr. 41; 107 12. 

Zell a. d. Mosel 183'; 192 31; 22922. 
Zerf (Saarburg) 290 2. — Pf.: Michael 
295 25 ; Mathias Simonis (Zervius) 295 4. 
Zirvass Michel v. Weis 2097. 
Zülpich 5029, 30; 5020; 9223, 38. 
Zweibrücken, Fürstentum 129ii. 
Zweybrücken 125 13. 
Zweibrucke Johannes, Pf. z. Dalsheim 

30036. 

Zwiugweiler (Pf.) 303 21. 


Sach- und Wörterverzeichnis. 


Die mit * versehenen Wörter finden sich in den Wörterbüchern nicht. Vergl, 
auch die Vorbemerkung zum Ortsverzeichnis. 


Aachten (— biunden) 288 30. 
Abbehenger (Abbehänge, = Niederlasse) 

37 is; 452; 5I31; 117i3. 
Aberglauben Oss; 11 20; 14 «f.; 46 21 ff. ; 

SD37; 95o; 10138; 102 23; llOo. 
abscheit (Decharche) 50 43. 
absit (absyt, absitte, absitten, abseit, 

abseyten, abeseit, abichtseit = 

Nebengebäude, Apsis) 96 1; 135 20; 

137s; 143 10; 1062; 159 10-. 170io; 

298 13; 300 7; 302 0; 305 13; 30725. 
Advocaten (beim Send) 23 20, 
aediles 408; 101 24, s. Kirchenmeister. 
Aftersend (aclitersend, synodus secunda) 

4I47; 109i6; 133iff.; I4I7; 142o; 

2 18 30: 283 13; 2852; s. Send. 
Alt(er)meister 180 24 ff. 
ambacht (geschäftliche Arbeit) 114 33. 
ambtsheller 2304. 
amichter (ammichtsmann, = Schultheiss) 

1877,22. 

angene (— Aufzug, introitus) 300 27. 

antast (bei Vergehen) 28 is. 

antrecken (= anziehen) 302». 

Appellation llSio, 20; 2902off. 

arffel (- Arm voll) 985. 

Armenbank 8822. 

Arraenkiste 115 28. 

Arraenraeister 113 10. 

aschedag (eschtag, z= Aschermittwoch) 
6942; 97 42 1 

auffahrt (zum Oberhof) 29028. 

aufthun den Send (= beendigen) 236 0. 

ausheischung (Verkündigung von Braut- 
leuten) 214 13. 

Aussatz (beim Send anzuzeigen) 124; 

12834. 

Aussegnung der Frauen 67 20; 162 u. 

s, ingank; inleyden. 
aysement {= Servitut) 289 41. 


Bahnmässig (d. Bann verfallen) 2743. 

ban und büschen (Gemeindegrenze) 286 25. 

bandviertel 24632. 

banglock 119 0. 

bank, die — gespanen 41 42. 

banmeil 292 20. 

Bann (ban, bahn, band, bahnd, geban) 

22925; 23424; 27333; 2742; 274i5; 

297 23. 
Bann und Frieden 14628; 150i3; I9O12; 


197 


38: 


202 


17; 


205 


32; 


217 23 


221 11, 38; 23334; 236 10 ff.; 23817,39; 


250: 


37: 


250 


T, 


24535, 37; 248 10, 14 

25 ; 282 15; 3 10 22. 
bannen und freyen (bannire et libertati 

tradere) 19732; 202 15; 235 20; 23635; 

23840; 239i; 295i3. 
bannfriden 284 0. 
banschlagen (Grenzpfähle schlagen ?) 

Ö633. 
bansester 159 3; 187 ib; 229 so. 
barat (parat) nehmen (zur Beratung 

Urlaub heischen) 180 23, 38. 
batgen (bettgen, bottgen, =Kirchenschif f ) 

37ifi; 45?; 5735. 
Bauch (buch , buech, = Kirchenkörper, 

navis) 17 2f.; 112i5; 123 is; 1242; 

126i; 137 2,28; 1522o; I7O13; 184i5; 

21322; 2888. 
bauschen (kl. Aach. Münze; Halke58) 

44 17. 
bed (= Abgabe) 308 42. 
bedehafftig 308 42. 
beedfrucht 14025. 
behegen 146 uff.; 213i8. 
Beinbrecher (Beinbrech, Beinbrechen, 

crates ferrea, Eost) 48 14; 84 20, 31; 

14425; 15I31; 1762, 20; 21P; 298i8; 

300 0; 3027; 305 11; s. crurifraga, 

Eost. 

21« 


324 


Sacli- und Wörterverzeichnis. 


Beinhaus 84 2b; 93 lo; 130 17; 232 10; 

3008; 30223; s. calvarium, Kerner. 
bände ( = biunde, herrschaf tl. Bifang) 

36 1; 39i2;9öi8;s. land und bendten. 
berichten (mit den Sakratn. versehen) 

156«; 252 10 
berichtlich 2946. 
besitzen (den Send) 172 32; 181 2 ff; 

18922 ff.; 22O18; 22I11, 37; 23820. 
besserung (buss), die gemein 134 14; 

1.5230; 155 18, 32; s. emenda wette. 
Besthaupt 124 21. 
*bettpulen (?) 4433. 
*beurs, hoen (hohe, grosse Abgabe) 

265 25; s. bueren. 
beyfall {= Anfall) 96 lo. 
bigthaber 26422, 
Bienenfang 293 ^ 
*bolligsessen („bollich" der) 39 sb. 
born to — unde to brode (r= bei Wasser 

u. Brot) 7042, 
bougayr (= baubar) 99 0. 
Brautexaraen 65 lo; 6617, 
*brelfsschosselin (■= Hochzeits- Schüssel- 
pfennig; vgl. Halke 325) 293 2s. 
brodling 28432. 
bruche (broche, brüche) 70 30; 77 28; 

16224. 

bruchfellig 247 13; 24927. 

brüchich 23843. 

Brüchtenzettel 228i4; vgl. 231 0. 

bruchtig 273 20. 

bruderm alter 241 27. 

Brudermeister 26 n; 35 14, 24, 2s; 362; 

7228; 73 34 ff.; 79 20, 25; 93 lo; 127 24; 

1377, lo; 1632i; 1643. 
brutlofft (brulft, = Hochzeit) 153 21; 

29438. 
bürd weins, da 3 zepfen an seyen 28428. 
bueren (= erhalten, v. Abgaben) 39 0, 21 ; 

5817; 5924; s. beurs. 
burschapiae 1674. 
Busse, öffentliche 14 is ; 47 20 ; 70 7 ; 7235; 

91 4_; 1032, 10; 22334; 272 31; 2804, 20.^ 

Weigerung der Leistung 280 27, 31 f. ' 

Calvarium 279 ss ; s, Beinhaus ; Kerner, 
campanarius (carapanator) 139 43; 

216 28 ff.; 229 38; 233 0; 2442; 250 40; 

s. Glöckner, 
carena s. Karene, 
cathedraticum 151 ; 198 10 ; 229 40 ; 230 so ; 

231 4, s; 245 8; 250 30; 25442; 271 23, 

30; 284 30; s. Stuhlgeld, 
centner (centurio) 1845; 233 0; 241 0, 

20, 33; 242 0, ib; 291 24. 
Christenlehre 49 20, 23 ; 52 27 ; 658; 66 s, 

13; 74ifl; 8610; 21O40; 211 4; 2ir-. 


cistae (Schuppen im Kirchhof) 484; 

79 o; 137 10; 14322, 30; 144 21; 198 22; 

230 32; 250 34; 25424; 260 42; 27124. 
crates ferrea 4814; s. Beinbrecher, 
crurifraga (ae) 29833; 300 30; 305 40; 

311 47; s, Beinbrecher, Eost. 
curtarius (Hoffmann) 284 s4. 

Decretum sinodalium (Sendweistum) 

282 2. 
defectus communis 291 20; s, emenda; 

Wette, 
dhunnen (Längenmass) 287 26 ff. 
doit (Begräbnisgottesdienst) 16 32, 
domus Simplex 242 20. 
doppeln 77 b, 

drinne legen (Einlager) 21423. 
dritteling (Trier. Münze) 253 2. 

Ebigseit 123 20; s. absit. 

edelleudt 1694. 

Eheeinsegnung vor der Kirche 153 1», 

ehehafte ursach 758, 

ehestadt 182s, 

Eichmeister (=: Kirchenknechte) 128 lo. 

Eichung (Sendrecht) 128 10 ff. 

Eidesreinigung IOO20; s. Purgatio. 

eidgesellen 219 13, 

eidsbrüder (= Mitschöffen) 235 23. 

Eier (als Abgabe) 60 22; 208 38; 211 22; 

289 32 f, 
einletzig (einfach, unverheiratet) 122 in ; 

12921; 14728, 

emenda communis 243 10; 29820; 300 42; 
304 40 ; S.Besserung; defectus; Wette. 

erbgarten 289 41. 

erfegrundherr 722. 

erfpastores 28425. 

eschop, edschop (= Eheschaft, Verhei- 
ratung) 69 34. 

eschtag 97 42 f.; s. aschedag. 

Ewigampeln (von Todschlägen") 174 4f. 

Exekution 22 21; 43 21; 632«; 280 is f. 

Exkommunikation (Bann) 22925; 23424; 
23840; 239 1; 257 31 ff.; 273 33 ff. 

Falderpost {= Abgabe für Falltor) 

32 14; 13220; 28228. 
Fallen (s. Abgabe) 1432. 
fallen (in hl. send) 221 24, 
faren zu oberhof 193 3. 
Faselkorn 136 31. 
Fastnachtsbräuche 6631. 
feiertag, gebannte 176 13. 
Feldschützen 33 7; 3631; 378; 39 31. 
feilen (= leisten) 298 24. 
Feste, 4 hohe (hochzeiten, hohe gezyde, 

hochzeitelige tage = Weihnachten, 


Sach- und WörterverzeicJinis; 


325 


Ostern, Pfingsten, MariäHimmelfahrt) 

49i2; 69421; 9637 {12); 1125; Uösi; 

154ü; 215o; 28924, 23; 2922; 294i, e. 
feuer sonder rauch 267 8; 282 ss. 
Feuertod für Ketzer 149 ii. 
*feyerrwe rewen 161 33 (s. dort), 
flock und zuck (Bienenfang) 293 11. 
formula mandati 7 12, 10, 
Frauenpforte 99 12. 
freien (den Kirchhof) 24 is. 
Freigüter 28 is; 97 17. 
Freitag, guter 144 20. — Weisser Fr. 

69 i3; 70 27. 
frevel 182 K 
frischlink 282 30. 
fron 125 31. 
fronbodt 70 3. 

fronebuch (= Messbuch) 159 12. 
fronehof 148 1. 
fronemisbuch 156 0. 
fronfasten 245 28. 
*für, der gemein (= Abgabe für Brechen 

der Feiertage) 178 28; s. emenda 

communis; gemeine Wette, 
fund und plont 293 n (vgl. dort Anm. 4). 
fyerbrüche 148 0; 1573. 


Gahren und kahren (:= Angel u. Korb) 

286 29. 
*garvvilen (?) 265 33. 
gebet, das gemein (nach d. Predigt) 34 2. 
Gefängnis 183 7 ff.; s. Stock. 
Gehrkanuner (r= Sakristei) 31 20; 37 10; 

s. presskammer. 
*gehummelt (= Gewölbe?) 3056. 
gemeynsburger 187 n. 
gereden (rr versprechen) 191 4, 21. 
gören (Spitzen, Zipfeln) 17 20. 
Gerichtszwang 74 ^ 
geruglich 14938. 
gezyde (= Jahrtag) 153 so. 
gifft oder gaff, sunder 23 37; 45 i». 
gifft und geld 101 s. 
giffter 19327; 194 10. 
glockbroit 161 3; 215 is, 20. 
Glöckner 124 5 ff.; 129 20; 131 4i 

132 20 ff.; 134 7 ff.; 135 u ff. ; 136 27 

144 9, 28 ; 1459; 14720; 152 3 ff. 

1568ff.; 15827; 137 17; 138i; 16926ff. 

17413; 176 10; 191 1; 200 17; 2 14 38 ff. 

2477; 251 31; 252 13; 254i5; 260 13 ff. 

s. campanarius. 
gmeynsliude 190 23. 
gottel (=r Patin) 93 20. 
gottesrechte (r= Sterbsakramente) 292 s 
gottestracht 36 40; 37 5, 0; 59 32, 30; s 

Heiligentrachten. 


grabley (= Begräbnis) 156 40; 157 2; 

162 33, 39, 43. 
Grabrecht 188 14; 294 10. 
gratiasquarten 26438. 
*gribbith 186 7 (s. dort!). 
Grundherrlichkeit (des Pfarrers auf 

seinen Widdumsgütern) 293 s ff. _ 
Grundrichter (der Pfarrer auf seinen 

Widdumsgütern) 293 15. 
Grundzinse 293 22. 
gültbücher 213 32. 
gülte 173 37. 

gutestag (Mittwoch) 58 1 ; 72 20 ; 75 30. 
gyennver (= Ingwer) 282 so. 

Haasengahr (= Hasenfänger) 28623. 

hagelfier (= Wetterprozession) 36 40. 

*hainbalc 109 3. 

halbpriester (r= Küster) 97 0. 

hälfe, halfleuth (= welche die Hälfte 
des Ertrags eines Grundstücks als 
Pacht entrichten) 31 32; 97 10 f. 

han (= Hahn), so er kan faren uf einem 
drybeinigten stule (Kennzeichnung 
als zinsreif) 158 0. 

band, starke (weltl. Gewalt) 115 5. 

Handschuhe (als Leistung) 19 31; 15323; 
15644; 162 8, 0; 163 7, 11. 

hanfeil (= Handvoll) 120 1. 

Hanfseil (bei Sendbesitzung) 235 s ; s. 
Sendzeichen. 

Harfe (Strafinstrument) 183 3, 7. 

Hauptl eiche 20 12. 

hausgeseess 60i4ff.; 131 12; 1337; 
144 38; 161 3; 187 7. 

haushalter, haushalterin (= Patron) 
19741; 200 30. 

hauswarde, hauwe, houissrad {=z Haus- 
gesess) 51 35; 99 37; 147 28. 

Hebamme (obstetrix) 483i; 116 31; 20727; 
211 10. 

Hegung (desSends) 10 3a; 138 42; 139 1; 
142i5; J45 2 (Hinweis auf weltl. Ge- 
richt); 150 1; 213 1»; 221 18 ; 238 30; 
245 38 f. — Hegeformel: 139 § 5; 
141 20 f.; 146 §7; 150 §5; 190 §4; 
197 § 22; 202 J: 7; 205 §20; 211 22; 
217 § 7, 8; 221 § 10; 236 § 10; 
238 9 ff. ; 255 § 7; 255 35 ff. — 
Schlüssel als Hegezeichen 24537. 

hegen und halten 150 7. 

Heiligen trachten 59 42; «. gottestracht. 

heimberger (heimburgen, = Bürger- 
meister) 1292s; 234 38, 43; 261 3ß; 
291 24; 298 3 f.; 300 20. 

Heimlichkeit (des Sends) 23 38; 26 ss; 
114 15; 116 24; 161 34; 219 13. 

heingereiden (= Markgenossen) 174 21. 


326 


Sach- und Wörterverzeichnis, 


helling (Münze) 233 n. 

hengerecht J.42 ai. 

lierenfogte (= Herrengunst) 245 2. 

herren nöten, in 234 31 ; 249 u . 

hespe (r= Hacke) 156 37. 

hetschen (= jagen) 286 24. 

Hexerei (wichcley) 4.S 32; 74 8; 76 1; 

85 37; 10212. 
heynensporren (Sporen aus Hagedorn) 

189 10. 
hindersesser 156 32. 
hochzeiten s. Feste. 
Hochzeitsgebräuche 65 24, 27; 66 2b, 2-. 
hoen beurs (= hohe Hebung, grosse 

Abgabe) 265 25 f. 
hoensprake ( == Verhöhnung) 69 35. 
hoffleuth (hublude) 212 0; 155 0, 
hoffman 284 is, is; 285 4. 
holdung (=r Hulde) 161 15. 
holt und gehorsam 219 12. 
honn (höhn, =: Hunne, Bürgermeister) 

3930; 98 9. 
hostardt (Hofstätte) 18 35; 19 3, 7; 

20 33 ff. 
hostardtshaber 21 s. 
Hostien, kleine u. grosse 99 30. 

Ingank (der Frau) 672o ; s. Aussegnung, 
ingestigler (rz Siegler) 180 3 ff. 
inleyden (frouwen) 162 14; s. ingank. 
Installation 100 ff. 
insynodatio (= Sendvorladung) 47 24; 

103 u. 
Interdikt 307 39. 

inthronisatio (bei der Ehe) 140 32. 
investitura 243 37. 

Jagd 286 23 ff. 

Jagdvogel (Zeichen des Adels) 286 20 ff. 

jähr und tag 173 ss. 

jaren, zu seinen bestetlichen j. körnen 

264 23. 
— von den j. des hl. dys (Firmung) 

157 2. 
Juden (vor dem Send) 86 27. 
Jülicher Fehde 56 0. 
iurati s. Kirchengeschworne. 
iuratorium 216 34. 

Kamm: alle über einen kamb scheren 

(ßechtssprüchwort) 3625; 227 27; 

25717; 273 16. 
Kanzel (Ort der Sendverkündigung, der 

pfarrlichen Klagstellung) 14928; 17230; 

162 17, 29; 164 24; 173c; 22932; 23424. 
Kanzelgericht (= Send) 1242o; 125 17; 

12811,10; 129 1; 150 1 ff. — Vgl. zum 

Namen 138 38. 


kanzelher (= Sendherr) 128 23; Ober- 
kanzelherr 128 32 ; oberster Kanzel- 
herr 145 2. 
Kappe,, rote (Abzeichen des Sendhen-n) 

180)3; 181 18. 
kappen (Dach) 44 30. 
kappes (caules = Weisskraut) 299 45 ; 

303 23. 
Karene 70 42 ff. ; 141 39. 
kaufhait (= Kaufmannschaft") 133 0. 
Kerner (kärner, krentneren, kirnther) 

124 8; 13431; 13523; 1377,32; 151 31; 

15223; 1565; 159ifl; 163i6; 176 1,25; 

251 21 ; 312 5, 38; s. Beinhaus; cal- 

varium; ossorium. 
kersten (v , = zum Christen machen, 

taufen) 69 18. 
Kerzenmeister 143 0. 
kerz sonder dacht 267 7. 
Ketzerei 149 13 ff. 
kindeverderbersen 149 10. 
Kirche, Erlaubnis, anderswo zur K. zu 

gehen 163 4. 
Kirchenbauch s. Bauch. 
Kirchenbücher 207 21 f ; 288 22 ; s. Tauf- 
buch, 
kirchendiener (= Kaplan) 43 37. 
Kirchengeschworne (iurati) 122 s, is ; 

12517; 12820, 38 (Eid); 1302o;13l34; 

13228 ff.; 133 s; 136 10; 138i5; 143io; 

14430; 145 1, 7 ff.; 150 2 ff.; 158 13; 

I664; 168 off.; 17227ff.; 1732,9; 

175 10 ff.; 17623; 177 10; 299 10; 

299"; 30212; 304 30 ; 307 35; 312 14; 

s. Sendgeschworene. 
Kirchenknechte (Brudermeister) 127 12; 

130 20; 214 20 ff. 
kirchenlosunge (s. cathedraticum) 14739; 

1483; 151 0; 17620; 177 0; 300 2b; 

304 22. 
Kirchenmeister (magistri fabricae) 269; 

27i; 323; 3520, 23, 28; 36i, 21; 41 40; 

43 4b; 48 25 (Wahl); 684, 31; 70 20; 

71 3; 7228; 73 31 ff. (Eid); 79 20, 25 

(Wahl); 93io; lOOs; 113io; 115i2ff.; 

116iff.; 13527; 141 33; 155o; 16932ff.; 

2O629; 222ib; 260i3ff.; s. magistri 

fabricae. 
Kirchenmompern 19i5; 20i8; 5823; 

67 17, 21; 264ii; 265 35; 2662. 
Kirchenordnung zu Prüm (1826) 281 12. 
Kirchen pfleger 124io. 
Kirchenschaffner 130 20; 13728; 138 4ff.; 

143 5 ff.; 145 8; 163.2o; 164 3. 
Kirchenschöffen (Zahl, Wahl) 163 20; 

s. Kirchengeschworne. 
Kirchenväter (Provisoren, vitrici) 15 0. 
Kirchenvogel 36 13. 


Sach- und Wörterverzeichnis. 


327 


Kirchhofsmauer (Teil- Baupflicht) 287 n ff. 
Kirchner (= Kirchenmeister) 122 i. 
kirspelsverwandte 20?; 144 43. 
leisten und kästen 283 2. 
Kleinhans und Grosshans 2604. 
Iclocken, unter die — gehörig (= zur 

Pfarrei gehörig) 42 30 ; 229 34. 
Kommunion, österliche Qss; II41; 14i4; 

2428; 47ii; 49i4; 69io; 742?; 773d; 

8428; 87 21; 9330; 94i; 1032; 12O17; 

13939; I7O34; 2I815; 22330; 265io._ 
Kommunionbank (scamnum communi- 

cantium) 12028. 
krachenbedt 132 33. 
kremer, newer zeit (Neuigkeitskrämer) 

120 14. 
Krone (Kronleuchter, Platz darunter 

als Eechts- und Sendort) 3532; 41 34; 

4210; 9820; 992, 34; 1307. 
Krone tragen bei der Hochzeit 2095. 
kühe,eisere (Vieh, dasbeimPfarrwiddum 

verbleibt) 44 20. 
Küster (koster, custos) 43 10 ff.; 45 7; 


48 


31; 


79 i 


93 11; 101 24; 11521 


'186 0; 187 22; 198 20 ff.; 2304, 
233 10; 254 


I661 

24; 231 11 
266 0. 
Kyriale paschale 166 14 


15, 45; 265 35; 


liadebrief (laedbreff) 99 27. 

land und bendten39i2; 96 13; s. bende. 

landmann 5624; 5824. 

land und sand 967. 

Lehnausrufen (Volksbrauch) 206 10. 

Lehrer s. Schule. 

Leibherr (leipher) 1618. 

leimkuhl (= Lehmgrube) 32 24; vgl. 

73i7. 
Leumundsverfahren (ein leymut for 

eynen 1., eyne warheit for eyne w.) 

IO28; 75in; 140i8f.; 142251; 15O31. 
Losbrief (b. Verehelichung) 19 32; 112 7; 

15324; 162 10; 252 0; 26420. 
*lüxy linck 38 14 (s. dort!), 
lylachen 132 33. ' 

Maass und Gewicht (als Sendsache) 14 22 ; 

25 44 ; 87 11 ; 9432 ; 128 14 ; 140 30 ; 142 33; 

225 0. 
magistri fabricae s. Kirchen raeister. 
Mahnung auf Taufe 274 30; 279 10; 282 21; 

307o; 31I5. 
Maispiel (Volksbrauch) 206 lo; 209 ao. 
manberg (adj.) 187 12. 
Matrikelbücher s. Kirchenbücher, 
mesen (von raansus) 28831. 
messerude 158 10. 
milites eorumque filii 230 20, 


Minerval (= Geschenk) 21038. 
raitgeselle (des Pf arrers, m Kaplan) 129 1. 
mitsender (consinodalis) 8334; 91 44; 

245 5; s. Sender. 
Mittagläuten 97 37. 
möge und macht 146 14,10; I5O23; 21731. 

K'achbahrbotten (=r Feldschützen) 36 30; 

39 31. 
nagelfast 21 30. 
*neiffeherden (?) 265 14. 
neudel (=: Stier) 38 13. 
not, in herren nott 2343i; 249 11. 
notttag 23422; 249 14. 
nunzen (= Glöckner) 28738. 
nuptiae clandestinae 63 0, 22. 
Oberbracht s. uberbracht. 
Oberhof (für Send) 42 15 ff.; 4328; 9828; 

12730; 12839; I3O2; 1493; 153 8; 

16l37ff.; 19231, 30; 22922; 29O24. 
oberscholtheiss 280 30. 
oberspill (=: Unkeuschheit in der Ehe) 

2531; 388; 6933; 7O45. 
obolus 242 20. 

Oelung, hl., 2438; 44 14; 47 5. 
officiales ecclesiae 85ff. ; 71 23. 
Officiant (= Stellvertr. des Pfarrers) 

33 11; 3422. 
officiarii (= Kirchenmeister) 222 17. 
Opfermann (offerraann) 30 23 ff. ; 32 0; 

3617; 4O3; 535; 5923; 60i3ff.; 67i4ff.; 

6831; 7O19; 7l3;93ii; 974ff.; 9935ff. 
organeda 166 42. 
osculum pacis 30 13. 
ossorium 17527; s. Beinhaus, Kerner. 
osterbruchten 252 u. 

Paerschen (= Ostern) 59 4i; 60 21. 

Paradies (= Vorhalle) 247 5. 

peen und wett 222 2. 

penitencen 82 24 ; s. Busse, öffentl. 

personatus (Ehrenprälatur) 31 20; 32 12; 
969. 

Peter (raännchen), Trier. Münze 210 3. 

Pfändung 19 44ff.; 14520; 173 5 ff.; 175 18. 

pfantschafft 219 10. 

pfarman 2122; 235 15. 

Pfarrer, Pflichten eines neuankommen- 
den, 289 13 ff. 
— , Schultheiss des geistlichen Ge- 
richts, 14448. 

Pfarrrechte 91 17 ff. 

Pfingstgebräuche 65 30; 6631. 

pincerna 2443. 

Postilleu 78 n. 

Präsentationsrecht 243 37. 

Präsenz(geld) 188 13; 232 n. 


328 


Sach- und Wörterverzeichnis, 


Presskammer (rr: Sakristei) 14523 ; 1642; 

2324; s. gehrkammer. 
Prokuratoren (am Send) 23 24, 
Prolocutor 110 is. 
Protestanten (vor d. Send) 1198, 
Provisionalvergleich (1621") Bis. 
Provisor (der Armen) 50 1; 115 uff.; 

s. Armenmeister, 
Prozessionsordnung 281 20, 
Purgatio (durch Eid) 43 s ; 62 is; 108 si; 

s. Eidesreinigung. 

Raedt, reidt (= Hofreite) 251i8; 264 41, 
3; 2608. 

Rechtssprichwort, s. Kamm. 

rector (Pfarrer) 111 30. 

Eegal (Trier. Münze) 26487. 

Eeservatfälle 201 10. 

reumpen (r= Entschädigung) 43 43. 

ritter und ritterskind 22935. 

rollen und register 79 21, 

Eost 8420, 31; 287 14, 10, 24; s. Bein- 
brecher, crurifraga. 

Eugen (s,; rewen, rhuen, roegen, roehen, 
rogen, rügen, rügen, ruwen) 161 as; 
16224; 169 0; I7O29; 171 10; 181 34; 
187 20; 190o;214io; 221 31, 34; 229 17; 
265 40 ; 266 18 f,; 289ib; 29234; 295 10; 

3IO34, 30. 

rügen (v,; rewen, roen, rögen, ruen, 
rügen, gerugen, rügen, ruwen,vroechen) 
1227; 142 24 ff. ; 148i6ff.; 161 33; 
16220 ; 171 17; 17232; ISlsit; 22I20; 
246 10; 2477; 295 16, 23; — schrift- 
lich: 2906; 260 40, — Unterlassung: 
140 20; 148 28 f.; 191 20. 

rueger 75 is, 23. 

rugbar (roegberich, rohbar, ruchbar, 
ruckbar, rugber) 142 21, 24; 150 30; 
181 13; 19221; 20532; 21744; 221 25 ; 
219 14, 

rustici originarei 166 42, 

Sacristae {= Sakristane) 467; 101 24. 

sank beieigen (Interdikt) 9928. 

sankhaber 264 41. 

saterstag (Samstag) 33 is. 

Schandsteine, s. Sendstrafen. 

schelt (s.) 150 17. 

Schlüsselgeld 134 15; 151 is; Grund der 

Bezahlung 159 35. 
Schlüsselrecht 152s3; 155 17, 31. 
Schreibgeld 283 2; 29124. 
*Schroderessen (Festessen zur Zeit der 

Weinernte?) 6631. 
*schrom (= Glockenstuhl) 301 24. 
Schule 32o; 51 15; 95 10. . — Schulgeld 


328, — Schulhaus 143 4. — (Schul- 
meister (ludimagister, moderator 
scholae, paedagogus) 43 10 ff,; 467, 
17 f.; 48 31; 7933; 95 11 f.; 101 35; 
11521; 1434, 15, 145off.; 163i; I6641; 
167 18; 20730; 211 10; 260i3ff. 

Seelgereide 173 4, 3of.; 2188. 

Seil (Mass) 176 3; 178 off. 

Seilgut 293 0, 

Seilzehent 175 lo; 176 20; 178iff. 

Send (sinodus, synod, synodus), der 
IO32; 224; 242; 2620; 27 i3.ff, 
32 27 ff,; 52 14; 62 7 ff.; 68 off.; 7524 
8l2ff.; 893ff.; 934ff.; 984, 10 
100 28 ff.; 118 10; 1227; 129 22 ff. 
130 5 ff.; 133 13 ; 134 1 ff.; 135 8 ff. 
141 18 ff. ; 142 1 ; 145 42 ff. ; 3514 
1534; 15420; 159 6; 164 20; 168ioff. 
169 24 ff.; 176; 177 14; 179 is ff. 
186 1; 188 16; 189 1 ff.; 211 22; 212 8 
213 10; 217 1 ff.: 21923; 220 IG ff. 
22541; 229 off.; 230 13; 231 34 ff. 
233 13 ff. : 235 2 ff. ; 236 13 ; 237 23 ff. 
246 4 ff. ; 253 21 ff. ; 265 38 ; 270 24 
27321; 27820; 282 8; 284 2 ff.; 291 1 
13; 295 11; 299iff.; 303i4; 306i4ff 
309 26 ff . — der synodus 7 10; 10 22 
34; 121 1; 230 is; 253 21. — die 2O24 
42; 2217; 23 12 ff.; 29 12 ff.; 40 22 ff, 
52 10; 681; 76 11 ff.; 117 o; 118 8 ff. 
23821. — das 280 34. — seent 189 1 
sehen 89 3 ff.; sehend 189 27; 273 21 
seind 17826; senodus 50 23; siend 
233 13 ff. — Sendgericht, geistl. Ge- 
richt (iudicium synodale) 116 is; 
14448; Sendgeding 65 20 ; Sendhaltung 
20 24; Sendtag, erster, gemeiner (prima) 
40 27; 43 15; 161 20; 216 an; vgl. After- 
send; Generalsendtag 40 45; der 
heilige Send (sancta) 267 13; der 
hohe Send 236 13; der rechte Send 
1425; derLaiensend (leyensenth, sind 
der leigen) 129 21; 1514; 154 20; 
161 20; 177 14; 179 18 ; 304 10; synodus 
laicalis (synodus de laicis) 45 5; 50 15; 

- 100 22; 101 10; 138 10; 168'; 175; 
179 1; synodus parochialis 9i; 64 12; 
synodus parochiana 64 le. 
Sendablass 55 20; 141 ao; 20036; 219 0. 
Sendbeisitzer (assessores) 9 0, 17; 10 37; 


2220; 62 10; 82 1; 114 17, 38; 118 24 

201 35; 244 ^ 254 0, ao. 
Sendbote (Büttel, pedellus) 66 12 ; 116 3 ff. ; 

116i4ff. (Eid); 119i6ff.; 121 36 ff, ; 

1233; 140 26; 183 12; 247 23. 
Sendbuch 172 20, 
Sendcommissarius 250 ff. 
Senddekan (decanus synodalis) 189 3 ; 


Säch- und Wöi'terverzeiclinis. 


329 


229 10 ff. ; 233 35 ff;; -245 10 ff. ; 246 10, 

22; 247 ?8; 248 3 ff. • 
Sendeid 10 32; 11 10 f.; 12 12; 23 3, s, 

32 ff.; 26 12 ff. ; 179«. 
senden (v.) 147 34; 148?; I6I21; 299i3, 31. 
Sender (seender, sehender, senner, syno- 

dalia) 107 9;, 164 22 ff.; 184 i ff.; 

187 43; 188 off.; 190 so f.; 19324; 

195 7 ff.; 210 12 ff. ; 2121,33; 21638ff.; 

218 20 („Säulen des Fundaments der 

Kirche"); 220 n; 2BO32; 233 7, 12; 

263 10 ff.; 269 22; 290 6. 
Sendgefälle 15 7, 
Sendgeld 133 ai, 10; 300 20; 304 25; s. 

Wette, gemeine. 
Sendgeschworene 146 7 ff.; 151 1; 179 30; 

181 1 ff.; 182 18; 261 30, 4o. „Mitge- 
sellen des Pfarrers" 145 12; s. Kirchen- 
geschworene , Sendschöffen , Send- 
zeugen. 
Sendhaber 221 10; 2,50 n; 25242. 
Sendherr (dominus synodalis) 85, 12; 

I613; 983; 129 7 ff.; 19O37; 20li7ff ; 

25035. — Empfang 15 7 ff.; 98 3 ff.; 

122 18 ff.; 1290 ff., 25 ff.; 131 1 ff.; 

132i»ff.; 1 34 1 ff.; 135 8 ff.; 138 23 ff.; 

147i4ff.; 151 äff.: ]524ff.; 1502 ff.; 

15820 ff.; 16524ff.; 169 25 ff.; 18524ff.; 

186 2 ff.; 189» ff.; 212 off.; 2l7i6ff.; 

21924 ff.; 2282flff.; 23022ff.; 250off.; 

272 1 ff.; 284 13 ff.; 291 5 f., 10 ff.; 

29726 ff., 33 f. ; 299 10 ff., 24 ff.; 301 ff.; 

30433, 42 f.; 306 18 ff.; 308 ff.; 310 25 ff. 
Sendherrlichkeit 22 is ff.; 89 32 ff.; 

250=0 ff.; 275 27 ff.; 278 28; 282 12; 

284 1 ff.; 291 1 ff.; 292 ^• 293 25 ff.; 

299 4 ff.; 310 7 f. 
Sendmahl 2322; 39 33 ff; 41 4« ; 181'- 

(Menu) ; 243 22; 283 33 ; 285 7. 
Sendort 9 13, 10; 23 n; 98 20; 99 2, 34; 

11330; 123 8; 235 0. 
sendpfennig 170 2. 
Sendpflichtige 9 8, 20; IO24; 13io; 30in; 

4I4; 7Ji(jff; 7615,23; 9940; ,10812; 

II827; 1198; 2I630; 22935; 23O20; 

240 0. 
Sendpredigt 53 f.; I3833; 20l3o;2033i; 

2 10 20; 220 4; 226 ff.; 239 30 ff.; 267 ff. 
Sendrecht (sendgeburnus, ius synodi) 

820; 53io; IIO43; 1418; 233 n, n; 

241 10; 291 7ff.; 293 30, 35; 298iff. 
sentrueger 75 40; 70 3. 
Sendschöffen (-scheffen, -schöpfen; sein-, 

sien-, sintscheffen, sentschen; scabini 

synodales, scabini) 13 24; 16 8ff. ; 
. 22ioff.; 32i; 4522; 50u 24; 563ff.; 

6612; 837; 9821; 100 26; 107 10 ff.; 

1135, 37; 1165; I2I35; 12212; 138 42 ff.; 


142i5; 1.52 2 ff.; 154 18; 164 31; 18727; 
189d; 1962; 202if.; 2042; 210i3ff.; 
213i7ff.: 22022ff.; 22li; 225i2, 30; 
233 14 f.; 240 10 ff.; 24223f.; 244o; 
245 17 ff.; 258 40 ; 260 17 ff.; 271 33; 
2708; 278 18. — Absetzung 251 35 ff.; 
Ausbleiben 197 10; Befreiung von Ab- 
gaben 26615; Eid 73; 83; 100 23; 
113; 121 20; 142 »f.; 161: 191; 
219; 221 3; 244 0; 257 20; 261 is. 23; 
270 4; Eigenschaften 82 18. 42; Ent- 
schädigung 4343; 143 10; Ermahnung 
259 12, 28, 33; Urteilfinder 23 10 ; 
22813; 258 40, 44; Verachtung 224 25 f.; 
262 10 ff.; Wahl 14 4i; 41 12 ff.; 49«; 
72 31; I2li8ff. ; 19240; 19333; 1972; 
2024; 204; 25I20; 275i4; Verwe ge- 
rung der Annahme 261 49 ff. ; Vergleich 
mit den weltl. Schöffen 26l35ff. 

Sendschreiber 10 u; 115 10, 20; 116 37; 
166 20, 29; 181 0; 182 30; 2037; 2477; 
254 7. 

Sendstrafen : Beinbrecher ausräumen 
211 -; mit der Gabel treiben 149 7; 
in Geld 62 21, 28 ; 119 34; 182 33; 201 2; 
207 15; 209 3, 6, 15,27; 21P; 222 15 ff.; 
2232 ff. ; 280 4 f., 31 ; Halseisen tragen 
209 17; Kerzentragen 91 4; Kreuz- 
gang (Wallfahrt') 182 36; Leiterstehen 
109 34; Oelankauf 201 s; ßosenkranz- 
betcn211-; Rutentragen u. -peitschen 
703«; 91 5; 22335; Schandsteine tragen 
7O7; 71i; 91 4; 10920; 149«; 22336; 
Totentuch stiften 209 21; Wachs 
(Kerzen) 920; 10 31; 30 23; 41 10; 
48 10, 22; 49 12 ff. ; 50io, 20, so, 40; 
5225; 65 9; 66 6 ff. ; 7620; 9942; 115o; 
119 11; 12620; 182 35; 2016; 208 28; 
209 3 0, 30; 211 -; 280 31. — Klagen 
wegen der Geldstrafen 8835; Teilung 
U.Verwendung 663; 82 33 ff.; 1157 ff.; 
187 26; 190 4 f.; 201 3 ff.; 211'-; 
22937f., 2»; 2337, 12; 23l2ff.; 2338f.; 
23445; 250 44; 27522; 2855 f.; 29233 f.; 

310 38 ff. 

Sendstrafenordnung, Trierer 222'. 
Sendstreitigkeiten 244''. 
Sendstuhl (Sendschöffenstuhl, Sender- 
stahl) 26i5; IöOib; 19022; 19128; 

1927; 193 13 ff.; 19638; 2022; 220 22; 

221 22; 250 14; 254 35; 250 3. 
Sendursprung 200 ', s«. 
Sendvergehen 9 aa ff. ; 1 1 3 ff. ; 14 4 ff. ; 

24 4 ff.; 31 37 ff.; 38 7 ff.; 42 7 ff.; 

45 31 ff. ; 49 10 ff. ; 55 13 ff. ; 63 33 ff. ; 

64 10 ff.; 65 6 ff.; 661 ff.; 68 20 ff.; 

72 35 ff.; 74iff.; 754iff.; 77jff.'; 

84 ff.; 93 6 ff.; 101 10 ff.; 109 ff.; 

20*^ 


330 


Sach- und Wörterverzeichnie. 


119 25 ff.; 139 24 ff.; Miss ff.; 162 f.; 

170 ff. ; 182 ' ; 222 ff. — Kompetenz- 

überschreituDg 74 ^ 
Sendverhinderung 8io; 81 4, 25; 82 i4 

117 0, 17, 20; 2384; 239 3» f.; 244^ 

277 28. 
Sendverkündigung 9o; 10 21; 23 is 

40 30; 7620; 13820; 146 6; 155 1 

16424; 17923; 180 25 ff.; 189fl; 192i 

19723; 205 21; 22932; 23513; 243 1 

25320; 25427; 265 30; 27535; 278 33 ff. 

282 f.; 2847; 306 17. 
Send Versäumnis 927; 10 so; 4934; 50 48 f. 

69 31; 7223; 7320; 7625; 9030 ; 91 3 

9941; 107 14; 119 10; 187 14; 195 16 

197 20 f.; 217 10; 222 0; 229 so f. 

234 2» f.; 235 18 ; 247 10 f.; 249 d, 20 

25441; 283 off.; 3073. 
Sendzeichen (Kamm, Eute, Schere, Steine 

[Wetzstein], Schlüssel) 29 uff. ; 53 30 ff. 

70 10; 76 31; II60; 149 15; 180 15 f. 

187 b (auf d. Altar); 196 23; 20134 

20330; 210 10; 216 33; 220 11; 235 

(Hanfseil); 235»; 237 14; 254 4 f., 32 

255 20 f. — Erklärung derselben 226 f. 

2.55 ff. ; 269 off.; 272 45 ff. ; 273 f. ; 279 
Sendzeit 93; 10 24; JSn; 2328; 60? 

61 24; 65 o; 662; 741; 7537; 76 13 

81 33; 10725; 118 11, 20; 1227; 179 3 

19512; 233 10 ; 2407, 20; 275 32; 310 
Sendzeugen (testes synodales) 8 17 f. 

9 31; 10 20; 15 35. 
Sendzweck 61 12 ff. ; 80 ff. ; 228 s f. 

239 35 f.; 258 21 ff.; 259 0; 262 21 ff. 

268 ff. 
Siebnereid 108 37. 
Siechenhaus 137 22, 
sichling (Mass) 156 25. 
spindt 97 27, 20. 
spindtbrodter 97 20. 
Stäben (eyt) 172 30; 179 47. 
stauf und gesteig (= Hohl- u. Trocken- 

mass) 128 15. 
stäup 130 0. 
Steinsetzung 144 45. 
steuber (Spürhund) 219 25. 
Stock (cypus , Gefängnis) 183 7. — 

(Opferkasten) 185 10. 
streuf (Münze) (=: Straubpfennig; vgl 

Halke 347 bezw. 152) 294 33. 
Stuhlgeld (Stuhlrecht, stolerecht) 133 11, 

17; 130 28; 152 31; 155 15, 31; 192 34; 

s. cathedraticum. 
Sturmglocke 7630; 119 0, u. 
Synodus sancta (sinodus) s. Send. 

Tage, gebannte 172 22; bennige dage 

69 27, 41. 


Taufbuch 1.3433; 135 17; 13622; 152 25; 
156 10; 159 15; 165 28; s. Kirchen- 
bücher. 

Taufpaten (Zahl) 223 3. 

tenebrae (Freitagsgebet) 33 40 ; 34 25. 

todtholz (Birken, Ellern, Espen und 
Hagebuchen) 287 6 f. 

tornei 71 10. 

Totenwachen 65 31 ; 66 35 ; 88 4. 

*trant, tranter (= Grenze) 189 lo; 190 37. 

tralien (=: Gitter) 72 12, is. 

trecken (r= anläuten) 36 20 f. 

truwe nehmen (= vereidigen) 172 20. 

Uberbracht (■=: die Grenze überschreiten, 

Lärm) 146 31; 150 17; 217 35, 
uberspill s. oberspill. 
Uhr 3624; 3717; 97 3b; 124 5; 137 30. 
umbarren (— umackern) 289 43. 
umbsessen 151 27. 
undererzpriester 180 10 ff. 
unee 172i. 
Ungehorsam 39 24; 41 10 ; 43 21 ff. ; 47 42 ; 

4934; 53 0; 62 27; 107 8; 108 45 ff.; 

14520; 1533; 209 15; 221 20; 229 24; 

234 15. 
Ungnade 173 10. 
unplicht 75 u, 13., 
Unterpfand 173 5 ff. 

unverrieht (:= ohne Sakramente) 188 s. 
Urfehde 183 n. 
urkund 245 as ; 247 23. 

Veldgeleidte 58 12, 1». 
Verkündigung von Spousalien 264 25. 
vernae (Dienstboten) 243 is. 
verrichten (mit Sakramenten versehen) 

188 4. 
verthedigen 49 37 ; 128 lo. 
verwennen und verpenen 293 10. 
verwetten 70 32 ; 234 10, 27. 
Vesperwein 289 13. 
vicarius (= pastor) 96 15. 
vicecurator 19 34; 21 12, 10. 
vicepastor 16 13; 21 14, 22. 
vogtetus archidiaconi 167 1. 
vorgeboge (beim Pferd) 132 32, 
vorkop (rr Vorkauf) 69 so. 
vroechen s. rügen, 
vruneglocke 179 ss. 

Wainfall (— Wagen voll) 282 ss. 

Wahrheit für ein Wahrheit s. Leumunds- 
verfahren. 

wangewichte, wanmaesse, wantgelt 
(falsches Gewicht, Mass, Geld) 69 so f. 

Wasser und weid 234 20. 

wassergank 27 20. 


Sach- und Wörterverzeichnis. 


331 


weerthschaft 105 34. 

Wege und Stege (Öendsache) 27 20; 32 23 ; 

441»; 117 5. 
Weistümer (Kirchen-, Send-) 2. 
Weltliche Beihilfe (zum Send) 121 40; 

228 off.; 247 12; 249 20; 257i8ff.; 

261 off.; 280 13 ff. 
Wette, gemeine i48 6; 159 33; 298 1; 

304 2b; S.Besserung; defectus; emenda; 

für; Sendgeld. 
Wetterläuten 36 27 ff. ; 44 a ; 97 13. 
wicheley s, Hexerei, 
wroge (vroge), die 61 25; 64 3; 117ia; 

wrochbar 68 is; 98 10; s. Eüge, rügbar. 
Wucher II33; 70 44; 87 11; 94 29; I4O40; 

141 30; 142 30; 14821; 164 31 ; 172 5; 

21s 23; 225 0; 24512; 257 12. 

ÄJauberei s. Aberglauben, Hexerei. 
Zehnten 137io; 143iof.; 16822 f.; 1644; 


265 8 f.; 289 off.; 290 2; 293 lof.— 
Anleitung und/Vorschriften 127 f. 
157; 160 § 9—13; — freie 1122 
grosse (maiores) 178; 18 n; 20 4 
17027; kleine (minufcae) 251 16; 1743i 
schmale 44 37 ; 52 3 ; trocken und nass 
72 b; umgehend 51 20. 

zehendseyl 177 2s. 

Zettelmänner (zettelarii) 166 34. 

Zuchtvieh (Fasel vieh, Zielvieh) 17 20 
32 12; 444; 5812; 6430; 67 30; 73 10 

95 22-, 963; 9922; 11714; 125 30 

130 4; 1347; 1357; 136 4, 30; 138 8 
144», 32; 153 30 ff.; 156 § 13; 160 2 
16323; 1766, s; 1943; 213 so; 2648 ff. 


282 34; 283 20; 300 o, 24; 

303 10 ff. 

306 30; 307 12; 311 40. 


Zünfte 1435; 180 35 ff.; 

182 37 ff. 

280 18, 24. 


zwankbrieff 28 22. 



Bruckyerselieii. 

S. 9 10 lies ,episoopi' statt episscopi. 

S. 50 16 hat die Hs. irrtümlich clericalis statt richtig ,Iaicalis', 

S. 51 1 lies ,Theiss' statt Weiss. 

S. 7226 lies ,burgernieister' statt burrgermeister. 

S. 118 6 hes ,der send' statt des send. 

S. 123 f. ist Nr. 53 in Garmond statt in Petit gesetzt. 


Prospekt. 


Neuer Verlag der J. J. Lentner'schen Buchhandlung 

(E. Stahl) in München. 

Veröffentlichungen aus dem kirchenhistor. Seminar München. 

Herausgegeben von Dr. AI. Knöpfler, ö. o. Univ.-Prof. 

Unter obigem Titel sollen in zwangloser Folge Arbeiten auf dem weiten 
Gebiete der KircbengescMchte veröffentlicht werden, doch sind auch Text-Publi- 
kationen nicht ausgeschlossen. Je 12 Nummern bilden eine Eeihe, jede Nummer 
stellt tunlichst ein abgeschlossenes Ganze vor. Es sei ausdrücklich darauf hin- 
gewiesen, daß es sich keineswegs ausschließlich um Seminar-Arbeiten handelt, die 
Namen der Mitarbeiter beweisen vielmehr, daß weite Kreise der Gel ehr teri weit 
sich fortgesetzt an der Herausgabe der „Veröffentlichungen" beteiligen, die 
somit die besondere Beachtung der wissenschaftlichen Welt und insbesondere der 
Bibliotheken verdienen. 

Unter diesen Einzelschriften, welche bei ihrem Erscheinen von der wissen- 
schaftlichen Kritik mit hoher Anerkennung besprochen wurden, befinden sich 
mehrere Werke des Herausgebers der „Sendquellen" Dr. A. M. Koetiiger, auf 
welche durch den Abdruck nachfolgender Besprechungen besonders hingewiesen 
sei. Jede Buchhandlung ist in der Lage, die Werke zur Einsicht vorzulegen. Aus- 
führliche Kataloge werden auf Wunsch bereitwilligst übersandt. 

Die Verlagshandlung. 
Burchard I. von Worms und die deutsche Kirche 

seiner Zeit (1000—1025). Ein klrchen- und sittengeschicht- 
liches Zeitbild (Veröffentlichungen II 6) 1905. 8° (XII und 244 S.). 
Mk. 4.80. 

^ Stimmen der Kritik. 

A. Katholische Autoren: 

. . . Koenigers treffliche Arbeit. 

Prof. Sägmüller in einer Besprechung eines 
andern Werkes, Tüb. Quart. 1907 S. 640. 

Man muß es dem Verf. zum Lobe anrechnen, daß er den Mut besaß, an 
die Lösung der geschildeiten lohnenden, aber sehr schwierigen Aufgabe in seiner 
Erstlingsschrift heranzutreten; sein Verdienst besteht in der glücklichen Aus- 
führung des Planes, die eine gründliche historische Durchbildung, eine leichte 
und glückliche Auffassungsgabe und vor allem einen unermüdlichen Fleiß und 
große Ausdauer erforderten. 

Prof. Hilling in der Theol. Eevue 1906 Sp. 14. 

Mit großem Geschick verstand es der Verfasser, die Ergiebigkeit der Quelle 
seinem Zwecke dienstbar zu machen. Dies zeigt sich vor allem in der geschickten 
Auswahl und übersichtlichen Gruppierung der einschlägigen Stellen. Dabei 
kommen dem Verf. gründliche Sachkenntnis und maßvolle Kritik trefflich zu 
statten. Die Darstellung läßt an Lebendigkeit und Frische wenig zu wünschen 
übrig . . . Der historischen wie der Rechtswissenschaft hat der Verf. die 


_ % — 

dankenswertesten Dienste geleistet und wir nehmen Jjeinen Anstand diese Ab-: 
handlung den ßerufslcreisen auf das Wärmste zu empfehlen. 

P. H. Hertzsch 0. Ss. R. in der Linzer Quart. 1907 S. 154. 

Die sachverständige, gründliche und mit erstaunlichem Fleiß verfertigte 
Arbeit . . . 

Oberlehrer Dr. L. Pfleger im Lit. Handweiser 1905 Sp. 596. 

. . . Das hat der Verf. mit anerkennenswertem Fleiße und großem Geschick 
getan. 

Prälat Prof. Franz im Histor. Jahrb. 1906 S. 167. 

Das von dem Verf. gezeichnete kirchen- und sittengeschichtliche Zeitbild 
zeugt von voller Sachkenntnis, gesundem Urteil und besonnener Kritik. 

Prof. Ant. Koch im Allg. Literaturbl. 1906 Sp. 197. 

. . . un travail considerable dont on doit lui savoir gre ... Je souhaite 
d'en avoir dit assez pour donner au lecteur le ddsir de faire connaissance avec 
ce tr^s serieux et tr&s utile travail, 

Prof. P. Fournier (Grenoble) in Eev. d'hist. 
eccles. 1909 S. 573 und 575. 

En r^sumö travail solide, interessant et bien conduit. 

Polybiblion (Paris) 1906 Oct. 

B. Nichtkatholische Autoren: 

Im übrigen können wir dem fleißigen Buche nur unsere Anerkennung 
zollen. Es steckt viel mehr Arbeit in ihm, als es äußerlich den Anschein hat 
und der Verf. hat sich redlich in Quellen und Literatur umgetan. 

Prof. E. Fried b er g in der Zeitschr. f. Kirchen- 
recht 1905 S. 467. 

. . . hat der Verf. ein Bild entworfen, das ganz außerordentlich anschau- 
lich und anziehend ist. 

Prof. Dräseke in der Zeitschr. f. wissensch. 
Theol. 1905 S. 590. 

Der Benutzer wird gern den umsichtigen Fleiß anerkennen, mit dem aus 
Burchards Werk die für jede Kategorie einschlägigen Stellen zusammengetragen, 
dann aber für die Belege wiederum ihre Q.uellen und häufig genug deren Um- 
änderungen durch Burchard aufgedeckt sind . . . wie E. Friedborg möchte ich sie 
einen Baustein nennen zu einer Geschichte des deutschen Kirchenrechts und gleich 
ihm dieser Empfindung der Dankbai-lceit gegenüber dem Verf. Ausdruck geben. 

Prof. Werminghoff in der Zeitschr. f. d. Gesch. 
des Oberrheins 1906 S. 355 f. 

Im ganzen hat Verf. mit kritischem Takt verstanden, das Dekret in seinen 
lebendigen Beziehungen zu der Epoche zu erfassen und dessen Stoff für das 
Zeitbild zu verwerten. Dabei ist seine «nbeirrte Objektivität rühmend anzu- 
erkennen sowohl in seinem Urteil über den Autor des Dekrets wie über die 
Verhältnisse der Zeit. 

Prof. E. Bern heim in der Hist. Zeitschr. 
Bd. 98 II (1906) S. 361. 

We do not know'any other picture of Germany as it was at the beginning of 
the eleventh Century at once so comprehensive, so minute, so terapcrate and so fair. 

Prof. Fr. Johnson (Chicago) im Theological Journal 
of the Univ. of Chicago 1906 S. 347. 


— 3 — 

Die Beicht nach Cäsarius von Heisterbach (Veröffent- 
lichungen II 10 1906. 8" (X und 108 S.). Mk. 2.80. 

Stimmen der Kritik. 


A. Katholische Autoren: 

Die tüchtigen Arbeiten „Bui'chard v. Worms" und „Cäsarius v. Heister- 
bach" ... 

Prof. A. Koch in einer Bespr. der Festgabe für Knöpfler, 
Tüb. Quart. 1909 S. 143. 

Diese Arbeit hat bisher wohl am meisten die Forschung gefördert, da sie 
auch in zahlreichen Fragen die vorausgehende Zeit hereinzieht. 

Prof. E. Göller in seinem Werke: Die päpstl. 
Pönitentiarie I (1907) S. 78 Anm. 3. 

Für die Geschichte der Entwicklung unsrer Erkenntnis des Dogmas von 
dem Sakrament der Buße ist daher diese fleißige und mühsame Untersuchung 
über die Lehre des Cäsarius von Bedeutung. 

P. A. Kröß S. J. in der Zeitschr. f. kath. Theologie 1907 S. 186. 

Dem fleißigen und wohlgeschulten Verf. gebührt großes Lob für seine 
tüchtige Arbeit und das Verdienst, ein für allemal die Ansicht widerlegt zu 
haben, als seien die theologischen Darlegungen des Cäsarius dürftig, reduziert 
gleichsam auf den Katechismusgehalt. 

Dr. E. Laur, 0. Cist., in den Studien und Mitteil, 
aus dem Bened.- und Zisterz.-Orden 1907 S. 199. 

Das wertvolle Schriftchen bietet ein reiches Material für die Kenntnis 
kirchlichen Lebens und theologischer Anschauungen des 13. Jahrhunderts. 

Prof. A. Koch im Allg. Literaturbl. 1906 Sp. 741. 

Die Aufgabe wird in der vorstehenden Schrift mit Geschick gelöst. 

Prof. F. X. Funk im Literar. Zentralblatt 1907 Sp. 979. 

Daß der anmutige Erzähler aus dem Eheinlande auch fachwissenschaftlich 
theologisch Bedeutung hat, wird wohl manchem Leser neu sein, ebenso wie eine 
Eeihe von Ergebnissen, die der verständigen, klaren, stets sorgfältig abwägenden 
Darstellung des Verf. zu entnehmen sind. 

Prof. H. Finke in der Literar. Rundschau 1909 Sp. 227. 

Ce travail historique, accompli avec une extreme bonne foi et une rare 
competence, est une contribution int(§ressante ä la question toujours si brülante 
de la discipline pdnitentielle. 

Polybiblion (Paris) 1907 Febr. 

B. Nichtkatholische Autoren: 

Die kleine vorliegende Schrift bietet in m'ehrfacher Hinsicht großes Inter- 
esse . . . Das Büchlein ist überhaupt sehr reich an wichtigen Angaben und 
Daten, die mit der Geschichte der Beichte in Verbindung stehen und wird von 
keinem, der sich mit der Geschichte dieses Gegenstandes im Mittelalter be- 
schäftigt, übersehen werden dürfen. 

Prof. Deutsch in der Theol. Literaturzeitung 1907 Sp. 49. 

Die Schrift bietet eine dankenswerte Ergänzung zu desselben Verf. Werk 
über Burchard v. Worms. 

Prof. Dräseke in der Zeitschr. f. wiss.. Theol. 1906 S. 574. 

The result is a clear exposition of the theory and practice as they obtained 
in Germany in the middle ages. 

Prof. Fr. Johnson im American Journal of Theol. 1907 S. 340. 


— 4 — 

Die Sendgerichte in Deutschland I. (Veröffentlichungen 

III 2) 1907. 8» (XVI und 204 S.j Mk. 4.40. 
Stimmen der Kritik. 

A. Katholische Autoren: 

Der oben genannte Verfasser, welcher sich jüngst in der theologischen 
Fakultät der Universität München als Privatdozent habilitierte, wurde bei der 
Abfassung seines vortrefflichen Buches „Bui'chard I. von Worms und die deutsche 
Kirche seiner Zeit" (1905) auf die vorhin geschilderte Aufgabe ganz speziell 
hingewiesen und hat dieselbe in dem vorliegenden Werke bereits für die erste 
Periode in einer Weise gelöst, welche sicherlich die lebhafte Anerkennung der 
Fachgenossen finden wird ... Das für die erste Periode nicht gerade reichlich 
fließende Quellenmaterial (8endordnungen, Konzilienbeschlüsse, Kapitularien und 
Urkunden) hat der Verf. im ganzen lückenlos verarbeitet und zugleich die er- 
zählenden Quellen mit gutem Erfolge verwertet. Mit besonderer Sorgfalt sind 
die verschiedenen aufeinanderfolgenden Stadien des Kügeverfahrens auseinander- 
gelegt, wobei die echt juristische Behandlung des Stoffes eine spezielle An- 
erkennung verdient . . . Möge das vortreffhche Gelingen des ersten Bandes ein 
Ansporn für die baldige Fortführung der Forschung sein ! Nicht zuletzt werden 
die Früchte dieser Arbeit der lokalen Geschichtsforschung zugute kommen. 

Prof. N. Hilling in den Annalen des histor. Vereins f. d. 
Niederrhein 1908 S. 183 f. 

Der durch seine Veröffentlichungen über Burchard v. Worms und Cäsar 
V. Heisterbach bereits bekannte Verf. hat einen glücklichen Griff getan, indem 
er die Sendgerichte zum Gegenstand seiner Untersuchungen wählte . . . Über 
die Verfassung und das Verfahren beim Sendgericht bietet der Autor viel 
Interessantes und Lehrreiches. Dabei ist die Literatur in ausgiebiger Weise 
verwertet, so daß wir nur wünschen, der Verfasser möge bald den zweiten Teil 
seiner Arbeit folgen lassen. 

P. P. K(urtscheid) O. F. M. im Archiv für kath. 
Kirchenrecht 1908 S. 588. 

Die gründliche und durchaus erschöpfende Darstellung der ersten Send- 
periode läßt mit berechtigter Erwartung einer gleich wissenschaftlichen Behand- 
lung der noch ausstehenden zwei Per öden dem Abschluß der ganzen Arbeit 
entgegensehen, der uns vom Verf. hoffentlich bald schon beschert werden wird. 

Kreisarchivar H. Ober seider in der Beil. z. AUg. 
Zeitung 1907 S. 278. 

Der Verf. ist durch seine früheren das Gebiet der kirchlichen Eechts- 
geschichte behandelnden Arbeiten, besoSders durch die wertvolle Studie über 
„Burchard von Worms und die deutsche Kirche seiner Zeit" (vgl. Theol. Eev. 
1906, 13) auf sein Thema geführt: so bewegt er sich in vorliegender Arbeit auf 
einem ihm lange vertrauten Boden, daher die Beherrschung des Materials, die 
Sicherheit und Selbständigkeit der Darstellung. K. legt uns vorläufig den ersten 
Band vor, der die erste Periode der Geschichte der Sendgerichte, die Zeit vom 
8. bis 11. Jahrh., behandelt, in welcher der Bischof noch der alleinige Träger 
der Sendgerichtsbarkeit war. Da die neu zugänglich gewordenen Quellen und 
die einschlägige Literatur mit umfassender GeAvissenhaftigkeit benutzt ist und 
auch ungedrucktes Material aus der Münchener Staatsbibliothek herangezogen 
ist, so führt schon dieser erste Band die Forschung ein bedeutendes Stück weiter 
und über Dove hinaus. 

Dr. F. X. Seppelt in der Theol. Eevue 1908 Sp. 213. 

Le travail de M. Koeniger est solidement documente: plusieurs sources 
manuscrites ont 6te naises ä contribution et les monographies sur la question 
n'ont pas öchapö a l'auteur. L'^tude vient ä son heure: un travail d'ensemble 


— -5 — 

n'existait pas. II faut remercier M. Koeniger de dous l'avoir domie et expiimer 
l'espoir que lä cohtinüation de son ^tüde ne tardera pas ä paraitre La valeur 
du premier volume nous est une garantie pour l'avenir. 

Van der Essen in der Eevue d'hist. eccles. 1908 S. 104. 

B. Nichtkatholische Autoren: 

Der Hauptwert von Koenigers Darstellung liegt in der Vollständigkeit, 
womit Quellen und Literatur herangezogen sind, und in der Lesbarkeit. Obwohl 
Kircbenhistoriker von Beruf, hat er es doch verstanden, das volle ßüstzeug 
unserer rechtsgeschichtlichen Forschung sich zu erwerben, so daß er, soviel ich 
sehe, dem Juristen nirgends Anlaß gibt, sich über mangelndes Verständnis in 
juristischer Beziehung zu beklagen. Daß er auf einem von allen Seiten so ab- 
gebauten Gebiete, wie es die Anfänge des Sendgerichtes sind, nichts wesentlich 
Neues vorzubringen vermag, wird ihm vernünftigerweise niemand zum Vorwurf 
machen wollen. Immerhin ist er da und dort über den Stand der Forschung 
hinausgekommen . . . Das alles erweckt die besten Erwartungen für die Fort- 
setzung. 

Prof. U. Stutz in der Zeitschr. der Savignystiftung f. Rechts- 
geschichte germ. Abt. 1907 S. 556. 

Die treffliche Publikation . . . 

Prof. R. Schröder in dem Vorwort zur 5. Aufl. seiner 
Rechtsgeschichte 1907. 

Der fleißig zusammengetragene Quellenstoff ermöglicht eine Veranschau- 
hchung ihrer Verfassung und ihres Verfahrens, die mannigfach die Schilderungen 
u. a. von Dove und Hinschius ergänzt . . . Alles in allem eine gelungene Arbeit, 
deren Fortsetzung man gern entgegensehen wird. 

Prof. Werminghoff in der Histor. Zeitschr. 1908 S. 194. 

Die Schwierigkeit einer Arbeit, wie es die vorliegende ist, beruht darauf, 
daß sie sich auf dem Grenzgebiete dreier Wissenschaften, der Theologie, Ge- 
schichte und Rechtswissenschaft bewegt. Trotzdem glaube ich, daß der Verf., 
soweit es möglich ist, den drei Herren, denen er dienen wollte, gerecht ge- 
worden ist. Er hat das erreicht durch sorgfältiges Herausarbeiten aus den 
Quellen, klare Begriffsdefinitionen und eine einfache, übersichtliche Disposition . . . 
Die bewährte Arbeitskraft des Verf., von dem rasch hintereinander drei größere 
Schriften erschienen sind, läßt die Hoffnung begründet erscheinen, daß dieses- 
mal die Vollendung des Werkes nicht ausbleiben wird. 

F. Ourschmann in der Deutschen Literaturztg. 1908 Sp. 622. 

Koeniger legt in dem ersten, gut geschriebenen und sorgfältig aus den 
Quellen gearbeiteten Bande, seiner Habilitationsschrift, die Geschichte ihrer ersten 
Periode vor ... Im 2. und 3. Teile handelt er von der Verfassung und dem 
Verfahren. Hier wird sehr anschaulich die Tätigkeit der handelnden Personen 
vorgeführt . . . Soviel ich sehe, ist keine Frage außer acht gelassen, soweit 
unsere Quellen Auskunft geben ... Zu rühmen ist besonders das Streben nach 
historischer Erfassung des Gegenstandes und die geschickte Verwertung und 
Würdigung protestantischer Literatur. 

Prof. Ficker in der Theol. Rundschau 1908 S. 108 f. 

Eine wissenschaftlich vollgewichtige Leistung, die auf sachverständiger Be- 
nützung eines umfassenden — gedruckten und ungedruckten — Quellen materials 
beruht und die Ergebnisse der Forschung anschaulich darstellt. 

Annalen des Deutschen Reichs 1908 S. 478. 


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